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Lucky Luke Gesamtausgabe Band 1: 1955 – 1957

Erstellt von Günther Lietz am 5. November 2009

Bei Buch24.deLucky Luke Gesamtausgabe Band 1: 1955 – 1957
(sfbentry)

Text: René Goscinny
Zeichnungen: Morris (Maurice de Bévère)
Ü: Gudrun Penndorf M.A.; e.a.
Lettering: Thomas Bergner
Ausstattung: Hardcover; 28,8 cm x 22,2 cm; 176 Seiten
ISBN:978-3770421343
Verlag: Ehapa Comic Collection 2005

Neben „Asterix“, Hergés „Tim und Struppi“, André Franquins „Gaston“ und vielleicht noch Peyos „Schlümpfen“ ist „Lucky Luke“ der Klassiker der humorvollen frankobelgischen Comic-Literatur schlechthin. Sein Mythos, der auch nach Goscinnys und Morris’ Tod kaum an Strahlkraft eingebüßt hat, wird heute durch neue Alben aus der Feder Hervé Darmentons (alias Achdé) und Laurent Gerras lebendig gehalten, so dass der „poor lonesome Cowboy“, der schneller schießt als sein eigener Schatten und dessen Geschichte 1946 ihren Anfang nahm, auf bislang über 60 Jahre Entwicklung zurückblicken kann.

Das Material – Alben, Kurzgeschichten und One-Pager – dieses parodistischen, satirischen und augenzwinkernden Blickes auf den Wilden Westen ist mittlerweile so umfangreich, dass es nunmehr für 25 jeweils 144 bis 200 Seiten umfassende Bände einer Gesamtausgabe reicht. Die Sammelbände der vorliegenden Edition sind nach Jahrgängen gegliedert und präsentieren das jeweils komplette Material in der chronologischen Reihenfolge des Entstehens.

Band 1, welcher mit den Jahren 1955 bis 1957 startet, offeriert neben zahlreichen obligatorischen editorischen Vorworten und Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte Lucky Lukes insgesamt sieben Storys, davon vier kürzere und drei in Albumlänge. Auf letztere soll im Folgenden das Augenmerk gerichtet sein, auch wenn die Short-Storys durchaus pointiert und unterhaltsam gehalten sind.

1. Die Eisenbahn durch die Prärie (Des rails sur la prairie)

In dem kleinen Kaff „Dead ox Gulch“ ist Luke gezwungen, sein Können mit dem Revolver zu demonstrierten, und erringt so die Aufmerksamkeit des örtlichen Richters, welcher daraufhin den Cowboy bittet, ihnen beim Bau der geplanten Eisenbahn behilflich zu sein.

Gutmütig wie er nun einmal ist, willigt Luke ein, wird aber schnell auf den harten  Boden der Tatsachen respektive einer Stahlschiene zurückgeholt, denn die Arbeit an den Gleisen erfordert nicht nur Fachwissen, sondern wird auch regelmäßig durch äußere Umstände erschwert. Sowohl Banditen, deren Auftraggeber als Postkutschenbetreiber ein evidentes Interesse am Scheitern des Bahn-Projektes hat und die sich als Möchtegern-Saboteure versuchen, als auch Indianer, irritierte Viehzüchter oder das unwirtlich Terrain selbst bringen die Statthalter des Fortschritts ein ums andere Mal in die Bredouille.

2. Der falsche Mexikaner ( Alerte aus Pieds Bleus)

Im Saloon von „Rattlesnake Valley“ wird Luke Zeuge, wie der Mexikaner Pedro Cucaracha Pokerfreunde über den Tisch zieht. Der gewitzte Cowboy stellt den Falschspieler zwar bloß, muss sich dann aber überraschender Waffengewalt beugen und kann nicht verhindern, dass Cucaracha aus der Stadt flieht, nachdem er mit Dynamit seinem Ärger Luft gemacht hat. Während Lucky Luke die Verfolgung des Verbrechers an der mexikanischen Grenze abbricht, fällt der Verfolgte den Blaufuß-Indianer in die Hände und versteht es, die Rothäute mit der Verheißung von Feuerwasser en masse auf den Kriegspfad gegen die Rattlesnaker zu bewegen. Doch dank Lukes Unterstützungen erweisen sich die Städter als nahezu unbezwingbar, so dass die Blaufüße schließlich als Ultima Ratio die Stadt von der Lebensmittelversorgung abschneiden und zudem  weitere Stämme – die Gelb- und die Grünfüße – um Hilfe ersuchen.

3. Lucky Luke gegen Joss Jamon ( Lucky Luke contre Joss Jamon)

Als Lucky Luke nichts Böses ahnend in „Los Palitos City“ einreitet, nimmt man ihn gefangen und will ihn lynchen, weil er angeblich ein Bandit ist, der ein kleine Stadt geplündert haben soll. Der Cowboy verspricht den aufgebrachten Bürgern, die wahren Schuldigen innerhalb von sechs Monaten dingfest zu machen oder sich andernfalls freiwillig hängen zu lassen. In „Frontier City“ schließlich findet er die Bande von Joss Jamon, doch der Boss und seine Handlanger – Wechsel-Pete, Muskel-Jack, Rothaut-Joe, Sam der Farmer und Mogel-Bill – sind mit allen Wassern gewaschene Schurken, die sich durch Gewalt allein den Schneid nicht abkaufen lassen.

Auch wenn die Geschichten des vorliegenden Bandes nicht den eigentlichen Beginn der „Lucky Luke“-Ära markieren, so merkt man sowohl in inhaltlicher als auch grafischer Hinsicht, dass sie zu den frühen Werken gehören.  Das Artwork wirkt noch vergleichsweise grob bzw. einfach und insbesondere die Geschichte „Die Eisenbahn durch die Prärie“ weist mit ihren vordergründig irrealen Elementen eine Tendenz zur Farce auf. Dennoch wird schon das deutlich, was Luky Luke zum Publikumsliebling avancieren ließ: die satirischen Überzeichnungen, kulturelle, gesellschaftliche, personale Anspielungen und Reminiszenzen, die Running Gags, die Situationskomik und – vor allem anderen – die faszinierend, skurrilen Typen bzw. Figuren. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass Gewalt allein nicht als probates Mittel der Konfliktlösung hochgehalten wird, sondern Lukes wirkungsvollste Waffen sein Mut und seine Lässigkeit gepaart mit einem scharfen Verstand sind.

In editorischer Hinsicht fällt auf, dass für die Kurzgeschichten – Lucky Luke in Dicke Luft in Pancake Valley (Lucky Luke das Grabuge à Pancake Valley), Lucky Luke und Androkeles (Lucky Luke er Androceles), Serenade in Silvertown (Sérénade à Silvertown) sowie Lucky Luke und Jolly Jumper in Pferdediebe (Lucky Luke et Jolly Jumper das Voleur des chevaux) – ein faksimileähnlicher Stil gewählt wurde und somit die technische Qualität der Bilder zwar nicht mehr auf Höhe der Zeit ist, die Gesamtausgabe aber dadurch an „Charakter“ gewinnt.

Die außergewöhnliche, gelungene Einbandgestaltung der Gesamtausgabe, die zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache ist, spiegelt mit ihrer gelben Schrift auf rotem Grund das Motiv des „Lucky Luke“-Schriftzuges der regulären Einzel-Alben – rote Schrift auf gelbem Grund – quasi farbverkehrt wider und macht dadurch gleichermaßen die Zugehörigkeit zum Franchise und den besonderen Anspruch deutlich.

Ein Klassiker der humoristischen, frankobelgischen Comic-Kunst in einer ambitionierten Gesamtausgabe und zu einem moderaten Preis. Uneingeschränkt empfehlenswert.

(Frank Drehmel)

“Lucky Luke Gesamtausgabe Band 1: 1955 – 1957″ bei Buch24.de
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Hägar der Schreckliche

Erstellt von Werner Karl am 15. August 2009

Dik Browne
Hägar der Schreckliche

Gesamtausgabe 4: Sonntagsstrips 1973 – 1979
Hägar the Horrible, USA, 2008
Egmont Ehapa, Köln, 1. Auflage: 8/2008
HC, Ehapa Comic Collection, Funny, Satire
ISBN 9783770431502
Aus dem Amerikanischen und Vorwort von Michael Bregel
Titelillustration von Dik Browne
www.ehapa-comic-collection.de
www.chrisbrowne2.blogspot.com/
http://thehistorylesson.blogspot.com/
www.kingfeatures.com/features/comics/hagar/about.htm
www.toonopedia.com/hagar.htm

Das Ansehen von Dik Browne, dem Schöpfer von „Hägar dem Schrecklichen“, als Cartoonist war so groß, dass die Serie – anders als die meisten Comicstrips, die in Tageszeitungen gestartet wurden und sich für die Sonntagsausgabe ‚hoch dienen’ mussten – am 4. Februar 1973 auf einer Sonntagsseite ihr Debüt feierte! Im Gegensatz zu den Strips in den Tageszeitungen, für die stets eine Zeile vorgesehen ist, plant man im Sonntagsblatt drei Zeilen ein. Da natürlich nicht alle Zeitungen dieselben Strips bringen oder sich vorbehalten, sie nach Belieben zu kürzen und zusammen zu schneiden, bürgerte es sich ein, für die erste Zeile, die bei „Hägar“ stets aus dem Titelpanel (ab 1976 wurde zu Hochformat mit einem schmalen Titelzug gewechselt) und ein bis zwei Bildern besteht, so genannte ‚Throwaway-Panels’ (‚Wegwerf-Bilder’) zu konzipieren, ohne die der Comicstrip genauso gut funktioniert.

Im vorliegenden Sammelband findet man die kompletten Strips, einschließlich der ‚Throwaway-Panels’, im gängigen Quer- und Zeilenformat, dem sich auch das Buch angepasst hat. Wer genau liest, wird feststellen, dass es der ersten ein, zwei Bilder tatsächlich nicht bedarf, um der kleinen Geschichte folgen und ihre Pointe verstehen zu können. Den Künstlern wurde und wird für die Sonntagszeitung sehr viel Kreativität abverlangt, um die Strips so aufzubauen, dass die Redaktionen praktisch nach Belieben mit ihnen verfahren können, ohne dass der Inhalt dadurch verliert.

Die Storys sind, auch wenn ihnen hier mehr Platz zugestanden wird, nicht besser oder schlechter, sondern einfach nur etwas anders aufgebaut, ausführlicher, man kann durchaus etwas weg lassen, während die einzeiligen Strips die Aussage in wenigen Panels gezielt auf den Punkt bringen müssen. Die Themen sind dieselben und wissen durch Situationskomik und Wortwitz zu unterhalten. Gekonnt werden das Wikinger-Leben, aber auch die Gegenwart mit ihren Schlagwörtern und Problemen auf die Schippe genommen.

Beispielsweise will Hägar die Geschichten hören, die ein Buch laut Hamlet, erzählen kann. Ein Wunschbrunnen quittiert Hägars Geiz beim Münzeinwurf. Um Hägar in den Badezuber zu bekommen, bedarf es eines ganz bestimmten Utensils, das er als Glücksbringer bezeichnet. Will man gegen Ubald den Unfertigen kämpfen, braucht man viel Geduld. Hamlet möchte wissen, wie die Sonne an den Himmel kommt, und Hägar erläutert seine sehr eigentümliche Sicht der Dinge. Ein böser Zauberer ist Hägars neuer Nachbar, und das hat unangenehme Folgen.

Sämtliche Figuren, die man als „Hägar“-Leser schätzt, sind dabei: Der Titelheld selbst, seine Frau Helga, Tochter Honi, Sohn Hamlet und wie sie alle heißen. Dik Browne präsentiert neue Ideen und Running Gags wie die Vater-Sohn-Gespräche, das Auftauchen der Steuereintreiber, Sven Glückspilz und die Nixen, der Streit, ob die Erde rund oder flach ist usw. Man hat eine Menge Spaß an 320 Seiten Comic-Strips.

Der Band wendet sich, wenngleich Jung und Alt Vergnügen an den witzigen Geschichten haben, vor allem an erwachsene Sammler, die das schöne Hardcover zu würdigen wissen und auch alle Anspielungen verstehen. (IS)

Titel bei Amazon.de:
Hägar Gesamtausgabe 04: Sonntagsstrips 1973 – 1979

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Engel: Psalm 1 – 3

Erstellt von Werner Karl am 15. August 2009

Dieter & O. G. Boiscommun
Engel: Psalm 1 – 3

Les Humanoides Associes, SAS, Vol. 1 – 3, Frankreich, 2000 – 2004/2005
Egmont Ehapa Verlag, Köln, 1/2009
HC, Ehapa Comic Collection, Fantasy
ISBN 9783770432363
Aus dem Französischen von Marcel Le Comte
Titelbild und Zeichnungen von Dieter & O. G. Boiscommun
www.ehapa-comic-collection.de

Seit einiger Zeit gibt die Ehapa Comic Collection die Edition „All in One“ heraus, in der die kompletten Bände einer drei- bis fünfbändigen Reihe zusammengefasst werden. Das führt natürlich gerade bei den Alben, die zuvor noch nie in Deutschland erschienen sind, zu einem extrem hohen Preis, letztendlich kommt man aber doch günstiger weg als bei einer Veröffentlichung in Einzelbänden. Vor allem die Freunde und Sammler francobelgischer Comics aller Couleur werden mit der edel produzierten Edition angesprochen, in der nicht nur ein Genre zum Thema gemacht wird. Neu erschienen ist nun die Fantasy-Reihe „Engel: Psalm 1 – 3“.

Die unscheinbaren und für die meisten Menschen nicht sichtbaren Helfer wachen schon eine ganze Weile über die kleine Kirche Sankt Eustachius. Im Moment ist alles recht friedlich, und die Engel, die nicht unbedingt die edle Gestalt haben, die man erwartet, sondern eher wie Gargoyles aussehen, lassen es etwas ruhiger und gelassener angehen. Sie nehmen sich dabei das Recht heraus, das Leben so zu genießen, wie sie wollen.

Doch nun werden sie von höherer Stelle ermahnt, wachsamer zu werden und mehr Einsatz zu zeigen, denn die Mitglieder der Kirchengemeinde begehen immer mehr Sünden. Wenn es ihnen nicht gelingt, diesen Prozess umzukehren, können sie damit rechnen, nach Notre Dame versetzt zu werden – wo keiner von ihnen wirklich gerne hin will. So kommen sie dahinter, dass offensichtlich etwas vor sich geht, und die Dämonen ganz offensichtlich einen Angriff aus der Hölle planen. Nun ist guter Rat teuer, denn zum Lösen des Problems brauchen sie nicht nur Witz sondern auch Verstand.

Weil sie sich beim Kampf um Sankt Eustachius bewähren, werden sie befördert und müssen sich schon bald in einem neuen Fall mit viel größeren Bedrohungen stellen. In einem Mädchenpensionat in der Bretagne ist eine der Zöglinge in großer Gefahr. Ihre reine und engelhafte Seele wird vom Bösen bedroht, und die Engel sollen nun verhindern, dass sie diesem ganz und gar anheim fällt. Das ist keine leichte Aufgabe, wie sich schon bald erweisen wird, denn in dem von Nonnen geleiteten Stift ist längst nicht alles so wie es sein sollte, und der erste Blick täuscht dabei genauso wie der äußere Anschein. Auch das ist nur der Auftakt zum großen Kampf des Guten gegen das Böse, der sie im dritten Teil endgültig erwartet und in dem es vor allem für einen von den tapferen Engelsgefährten um seine Seele und Existenz geht…

„Engel: Psalm 1 – 3“ ist jetzt vielleicht kein Meisterwerk unter den francobelgischen Fantasy-Comics, kann aber durch seine warmherzige Erzählweise und die liebevolle Gestaltung der Figuren und Geschichte punkten. Die engelhaften Helden sind durch ihre eher an Gargoyles erinnernden Gestalten gleich wesentlich glaubwürdiger und sympathischer als ätherische Gestalten. Man nimmt es ihnen auch eher ab, dass sie sich den Menschen ein wenig angepasst haben, sich hin und wieder sogar ein paar persönliche Freuden gönnen. Doch vor allem besitzen sie ein großes Herz, und sind auch bereit, Fehler schnell einzugestehen und zu versuchen, sie wieder gut zu machen. Man nimmt sie so gleich als viel normaler und lebendiger wahr.

Die Geschichten selbst werden mit einem humorvollen Unterton erzählt, zeigen satirisch hin und wieder auch einige Unarten der menschlichen Gesellschaft und typische Verhaltensweisen wie Vorurteile auf, denen sich keiner von uns entziehen kann. Das erkennt man gerade im zweiten Teil, in dem die Künstler den Verdacht – wenn auch recht durchschaubar – zunächst auf das falsche Mädchen lenken. Die Zeichnungen sind eher cartoonhaft als realistisch, verstärken dadurch aber auch die märchenhaft versponnene Atmosphäre, die ohnehin über der ganzen Geschichte liegt. Interessant ist, dass bei den Farben vor allem Rot- und Orangetöne vorherrschen, die man eigentlich mehr mit Hölle und Dämonen in Verbindung bringt. Aber vielleicht ist das sogar die Absicht der Zeichner und Koloristen.

Das macht „Engel: Psalm 1 – 3“ insgesamt zu einem lebendigen und verspielten Comic, der vor allem den Comiclesern gefallen dürfte, die gegen die humorvoll-märchenhafte und, oberflächlich gesehen, wenig realistische Fantasy aus dem francobelgischen Raum nichts einzuwenden haben. (CS)

Titel bei Amazon.de:
Engel. Psalm 1-3: Gesamtausgabe

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Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden

Erstellt von Günther Lietz am 9. Juli 2009

Don Rosa
Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden

Ehapa Comic Collection
Text & Zeichnungen: Don Rosa
Ü: Peter Daibenzeiher, Michael Nagula, Arne Voigtmann, Jano Rohleder
Lettering: Frans Stummer
Ausstattung: Hardcover; 24,4 cm x 17,6 cm; 495 Seiten
ISBN: 978-3-7704-3245-5
Verlag: Ehapa, 2008

(sfbentry)

Bevor der amerikanische Zeichner Don Rosa zwischen 1991 und 1993 Onkel Dagoberts ultimative Biografie schrieb und zeichnete, war des Leben des knorrigen, Fantastilliarden schweren  Tycoons zwar kein gänzliches Mysterium, aber die Hinweise auf seine Vergangenheit waren so breit und über so viele Comics gestreut, dass es dem normalen Leser schlechterdings unmöglich war, sich ein angemessenes oder gar vollständiges Bild über dessen Werdegang zu machen. Darüber hinaus gab es tatsächlich auch einige weiße Flecken auf der bunten Landkarte seines Lebens, die Don Rosa nicht unerkundet lassen wollte. Und so kann der Leser nun in zwölf  Hauptkapiteln und acht Zusatzkapiteln Don Rosa in die Vergangenheit eines der beliebtesten Disney-Charaktere folgen.

Die insgesamt zwanzig Kapitel im Einzelnen auch nur zu streifen, würde den Rahmen dieser Rezensionen sprengen. Von daher soll eine eher allgemein gehaltene Zusammenfassung, die allerdings  den Grundgedanken der Geschichte und Geschichten widerspiegelt, genügen.

Es beginnt alles in den Hochmooren Schottlands: Dagobert muss als kleiner Sprössling des verarmten Clans der Ducks miterleben, wie die niederträchtigen Nachbarn, die Whiskervilles, seinen Vater, welchem der Verlust des stolzen Stammsitzes „Duckenburgh“ schier das Herz zerreißt, demütigen.

Daher beschließt der kleine Dagobert, nachdem er in Glasgow als Schuhputzer seinen ersten Zehner verdient hat, nach Amerika auszuwandern und dort sein Glück zu suchen, um irgendwann das Schloss seiner Väter zurückkaufen zu können. Damit beginnt eine Odyssee, die den jungen Duck rund um den Globus führt, auf den breiten Mississippi, in die Badlands, nach Montana, die Goldfelder Klondikes, nach Transvaal und Australien, wobei er zwischendurch sogar Zeit findet, nach Duckenburgh zurückzukehren.

Auf seinen Reisen begegnet er jenen Personen, die später immer wieder seinen Lebensweg kreuzen werden, den Panzerknackern, Klaas Klever, Moneysack oder Gundel Gaukeley. Er gewinnt und er verliert Geld, er hat Glück und wird betrogen, aber am Ende geht er als materiell reichste Ente der Welt aus allen Abenteuern hervor. Doch dieser Reichtum hat seinen Preis: er kostet ihn die Liebe seines Lebens, Nelly.

Und so sitzt er als verbitterter, alter, einsamer Mann in seiner Villa Duck und trauert zwischen all dem Gold seinem zerronnen persönlich Glück hinterher, bis .. ja bis sein Neffe Donald und seine drei Großneffen – Tick, Trick und Track – an die Tür klopfen, ihn aus seiner Lethargie wecken und ihn in einen neuen Lebensabschnitt mitreißen, der noch viele weitere Abenteuer für ihn bereiten halten wird.

Viele Künstler haben sich an Disneys Donald Duck und dessen weitläufiger Verwandtschaft  versucht, aber nur wenige – wie bspw. Al Taliaferro, Romano Scarpa und Marco Rota – haben es zu einer ähnlichen Meisterschaft wie Don Rosa gebracht, wofür auch der Eisner Award spricht, den er 1995 für „Life and Times of Scrooge McDuck“ in der Katergorie „Best Serialized Story“ erhielt und dem 1997 ein zweiter in der Kategorie „Best Writer/Artist: Humor“ folgte.

An erster Stelle dieser wenigen Künstler steht unangefochten der große Carl Barks, in dessen Tradition und als dessen Schüler sich Rosa sieht, was er in der kleinen Widmung D.U.C.K. (Dedicated to Unca Carl from Keno), die er in seinen Comics zu verstecken pflegt, zum Ausdruck bringt. (Natürlich soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es weitere renommierte Disney-Zeichner wie William van Horn oder Floyd Gottfredson gibt, die Dagobert, Donald sowie den Neffen Leben eingehaucht und das Universum sogar durch eigene Figuren erweitert haben.)

Das, was Don Rosa vor all diesen großen und größten Zeichnern und Schreibern auszeichnet, ist sein in visueller wie inhaltlicher Hinsicht  Disney-untypischer Stil.

Inhaltlich insofern, als er die Fakten, die seine Vorgänger geschaffen haben, erstens akribisch recherchiert und sie zweitens weitgehend widerspruchsfrei in seine Geschichten einzubauen versucht.

Daneben zeichnen sich Rosa Storys durch ein Vielzahl von Reminiszenzen aus dem Bereich des Comics aber auch der Gesellschaft im allgemeinen sowie einen Humor aus, der durch Hintergründigkeit und Situationskomik geprägt ist. Ein Ergebnis dieses Humors sind zahlreiche winzige Details, die der Autor in seinen Bildern versteckt, angefangen bei der oben angeführten Widmung bis hin zu kleinen Tierchen (Würmern, Vögeln, Mäusen, usw.), die parallel zur eigentlich Handlung ihrer kleinen Kämpfchen ausfechten.

Damit wären wir auch schon beim Artwork. Don Rosa Stil unterscheidet sich grundlegend von dem fast aller anderen bedeutenden Donald Duck-Zeichner. Zum einen arbeitet er oftmals mit sehr deutlichen, wenn auch sehr feinstrichigen und kleinteiligen Schraffuren und verleiht dadurch den detaillierten Panels signifikante Tiefe und Kontrast, zum anderen weisen gerade seine Charaktere – eben wegen dieses Kontrastreichtums – oft eine sehr expressive, starke Mimik auf, die den Figuren, der anderen Zeichner in dieser Deutlichkeit fehlt.

Insgesamt folgt Don Rosas Linienführung bei der Gestaltung der Bildelemente, der Wahl der Fluchtpunkte (usw.) einem realismusnahen Ansatz, wodurch die einzelnen Panels oft weniger leicht, dynamisch und toonhaft, als vielmehr statisch und erzählerisch kompakt bis hin zu leicht schwermütig wirken.

Die Aufmachung dieses Hardcoverbandes lässt keine Wünsche offen. Zunächst fällt auf, dass das Format gegenüber der Einzel-Alben-Edition aus der  Mitte der ´90er reduziert wurde und näher an dem Format der US-Originale liegt. Durch das geändert Erscheinungsbild, die visuelle Verdichtung ändert sich zwangsläufig auch die Wahrnehmung des Lesers in Richtung auf ein gefühlte intensivere Atmosphäre.

Weiterhin ist bemerkenswert, dass jedem der zwanzig Kapitel ein Kommentar Don Rosas vorangestellt ist, in dem er kurz und voller Esprit seine Gedanken bzw. Beweggründe hinter der Entstehung der einzelnen Geschichten erläutert. Ein Vorwort – exklusiv für diese Edition geschrieben – sowie ein Nachwort des Autors runden den umfangreichen redaktionellen Teil ab bzw. rahmen ihn ein.

Ein Meilenstein der humoristischen „Comic Kunst“ von einem der größten Disney-Zeichner in einer Aufmachung, die keine Wünsche offen lässt, sowie das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis machen diesen Hardcoverband zu einem Muss, nicht nur für Donaldisten.
(Frank Drehmel)

Bei Amazon.de
Disney’s Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden: Die Biografie von Don Rosa

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Katie Cat

Erstellt von Detlef Hedderich am 2. März 2009

Thomas Brezina
Katie Cat

Egmont Ehapa, Köln, 1. Auflage: 1/2008
HC, Ehapa Comic Collection, SF, Fantasy, 978-3-7704-3170-0, 112/1500
Vollfarbige Comic-Adaption von Stefan Dinter nach dem gleichnamigen Kinderbuch „Katie Cat“, Schneider Verlag, München, 2006
Titelillustration und Zeichnungen von Naomi Fearn & Sarah Burrini

www.ehapa-comic-collection.de
www.thomasbrezina.com/
www.naomifearn.de/
www.ngumbe.blogspot.com/

Katie Collins lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer exzentrischen Granny und Onkel Roy, einem Spät-Hippy. An ihrem 15. Geburtstag bekommt sie ein Päckchen ohne Absender, das eine Musik-CD enthält. Auf dieser befindet sich ein Track, in dem seltsamerweise ihr Name gerufen wird. Außerdem gibt es eine Video-Botschaft, die nur einmal abgespielt werden kann. Ausgerechnet diese Nachricht kann Katie nicht zu Ende hören, da es zwischen ihrem Freund Ming und seiner Schwester zu einem handfesten Streit kommt, nachdem sie ihn dabei ertappte, wie er eines ihrer Kleider trug.

Katie ist glücklich und verwirrt zugleich: Ihre Eltern leben! Doch was hatten sie ihr Wichtiges mitteilen wollen? Es dauert nicht lange, bis Katie es selbst herausfindet. Ihre Eltern arbeiteten als Genforscher und beschränkten sich bei ihren Experimente nicht nur auf Tiere. Plötzlich kann Katie in der Dunkelheit sehen, und auch ihre Bewegungen sind wie die einer Katze. Dann passiert ein Mord, der ihrer Granny angelastet wird, und Fremde interessieren sich für Katies ungewöhnliche Kräfte…

Der Österreicher Thomas Brezina ist ein erfolgreicher zeitgenössischer Kinderbuchautor: „Amy Angel“, „Pia Princess“, „Grusel-Club“ und viele weitere Titel werden von Jungen und Mädchen zwischen 8 und 18 Jahren mit Begeisterung gelesen. Sein Roman „Katie Cat“, der sich vor allem an Leserinnen wendet, wurde von Stefan Dinter zu einem Comic umgearbeitet, den Naomie Fearn, bekannt durch ihren autobiografischen Comic „Zuckerfisch“ (Ehapa), und Sarah Burrini zeichnerisch umgesetzt haben.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Schülerin Katie, deren Leben eine unerwartete Wende nimmt, als sie erfährt, dass die Eltern ihren Tod vortäuschen mussten, um sich und ihre Angehörigen vor Verbrechern zu schützen, die hinter brisanten Forschungsergebnissen her sind. Katie selbst ist ein Produkt fragwürdiger Experimente, und so wird auch sie zur Gejagten. Zum Glück hat sie liebevolle Angehörige und treue Freunde, die trotz der Veränderungen, die sie durchmacht, zu ihr stehen.

Auf die Verwerflichkeit von Experimenten dieser Art – die Vermischung von menschlichen und tierischen Genen -, dazu noch beim eigenen Kind, wird nur am Rande eingegangen. Katies Onkel ist der Einzige, der Kritik übt, doch hält sich die Geschichte nicht lange damit auf oder diskutiert gar das Pro und Contra. Die Story will spannend sein und unterhalten, aber nicht meinungsbildend wirken. Damit käme sie bei der Zielgruppe der 12- bis 16-jährigen vermutlich auch kaum an, denn die Mehrheit der MTV-Generation interessiert sich leider nicht für Nachrichten und Wissenschaften und wird mangels Hintergrundinformationen die Handlung nicht nach ethischen Grundsätzen hinterfragen.

Stattdessen werden die Stichworte ‚Freundschaft’ und ‚Toleranz’ in den Raum gestellt. Katie, Ming, Laura, Onkel Roy, Granny… – alle sind sie auf irgendeine Weise anders. Sie werden von den normalen Nachbarn und Mitschülern ausgegrenzt, nur weil sie nicht den Konventionen folgen. Ming trägt heimlich Frauenkleider, Onkel Roy ist ein Flower-Power-Kind, und Katie mutiert in einer Weise, wie es der Titel vorweg nimmt. Dennoch oder gerade weil sie selber Außenseiter sind, hegen diese Charaktere keine Vorurteile und akzeptieren einander so, wie sie sind.

Das ist auch die Botschaft, die der Autor in die Geschichte packt: Man soll niemanden ablehnen, nur weil er anders ist. Wie schnell kann man selbst zum Außenseiter werden! Und doch ist man immer noch ein Mensch, ist man dieselbe Person, die man war, bevor das peinliche Geheimnis enthüllt wurde oder sonstiges passiert ist. Mehr Toleranz würde das Leben für alle leichter und schöner machen.
Die Illustrationen sind farbenfroh, detailreich und ergänzen vortrefflich die Handlung.

Kennt man das Kinderbuch, wird man sicher neugierig zum Comic greifen, um zu sehen, ob die Umsetzung gelungen ist Wählt man ohne Vorkenntnisse den schön gestalteten Hardcover-Comic als Lektüre, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit neugierig auf die Buchvorlage.

Die Story erfüllt die Erwartungen der Zielgruppe: Sympathische Protagonisten erleben ein spannendes Abenteuer, das – Überraschung! – nur bedingt ein Happy End hat. Man sollte durchaus etwas Lese-Erfahrung mitbringen, denn einige Szenen sind etwas hart, und es gibt auch Todesfälle. (IS)

Titel bei Amazon.de
Katie Cat 1 – Comic: Comicadaption des Romans

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