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Der Kreis der Sechs

Erstellt von Werner Karl am 10. August 2010

Michael Masberg
Drachenschatten 1: Der Kreis der Sechs
Das schwarze Auge 112

(sfbentry)
Fantasy Productions, Erkrath, 10/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-169-0
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Daniel Jödemann
Drachenchronik-Logo von Mia Steingräber

www.fanpro.com
www.michael-masberg.de/
http://arndtdrechsler.com/
www.daniel-joedemann.de/
www.mia-steingraeber.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Ein Vorteil der „DSA“-Autoren, die bereits an Regionalbeschreibungen und Abenteuern mitgearbeitet haben, ist, dass sie bei ihren Romanen auf Wissen und Hilfen zurückgreifen können, die Außenstehenden versagt bleiben, was ihren Geschichten ein wenig mehr Gewicht verleiht. Das trifft auch auf Michael Masberg zu, der bereits seit 1993 auf der Welt des „Schwarzen Auges“unterwegs ist und daher einige Entwicklungen im Hintergrund kennt. Seine zweibändige Saga „Drachenschatten“ greift daher Themen aus der fernen Vergangenheit Aventuriens auf, die nun in der Jetztzeit wieder Bedeutung erlangen könnten. „Der Kreis der Sechs“ ist der erste Band der Duologie.

Kaum ist der Erbfolgekrieg nach dem Tod der Amenes beendet und wieder Frieden im Horasreich eingekehrt, erschüttert ein neues Ereignisse die Hesindekirche. Ausgerechnet der Umbiculus ist verschwunden, das heiligste Artefakt des Glaubens, das auch als Nabel der Welt bezeichnet wird. Vor den Gläubigen verborgen sucht der Draconiter Borson Erantes nach dem kostbaren Gegenstand und muss feststellen, dass dieser mehr als nur der Nabel der hesindianischen Lehre zu sein scheint. Seine Geschichte führt weit in die mythische Vergangenheit Aventuriens, als noch ganz andere Völker das Land beherrschten und die Menschen nicht mehr als Diener und Sklaven waren. Etwa zur gleichen Zeit werden ein gewisser Magister Valberto und seine Haushälterin ermordet.

Der angesehene Gelehrte und Magier hat in Avesa Farfara eine begabte Schülerin, die, gerade weil sie aus sehr einfachen Verhältnissen stammt, sehr ehrgeizig und fleißig ist. Sie sieht es nun als ihre Aufgabe an, den Mörder zu suchen und ihn der Gerechtigkeit zuzuführen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Geliebten, dem Stadtgardisten Horadan, und einem Freund aus ihrer Jugend – dem langfingrigen Dartan. Nach und nach kommen sie dem Geheimnis auf die Spur, auch wenn man ihnen immer wieder Steine in den Weg legt. Und schon bald sind sie wie Borson in ein grausames und tödliches Spiel verwickelt, das gut zwanzig Jahre zuvor von einem Bund mächtiger Magier, dem „Kreis der Sechs“, in die Wege geleitet wurde.

„Drachenschatten“ ist ein Zyklus, der sich in erster Linie an die Leser richtet, die sich schon seit Jahren selbst auf Aventurien bewegen und Interesse an den verborgenen Geheimnissen der Welt haben. Der Autor setzt sehr viel Wissen über die Geschichte der Welt und ihrer Mythen voraus; auch der Kult der Hesindekirche und einige magische Theorien sollten dem Leser bekannt sein, wie auch die eine oder andere historische Figur. Nur wenn diese Kenntnisse vorhanden sind, kann man sich ohne Abstriche in das interessant miteinander verwobene Abenteuer auf zwei Handlungsebenen (in Gegenwart und Vergangenheit) ziehen lassen. Wie nicht anders zu erwarten war, endet der Roman natürlich an der spannendsten Stelle. Die Figuren selbst bleiben ein wenig oberflächlich, auch wenn der Autor ihnen einige Charaktereigenschaften und Hintergrund zu geben versucht. Beides ordnet sich allerdings ziemlich der Abenteuerhandlung unter.

Alles in allem ist „Der Kreis der Sechs kein Roman für Einsteiger in die Welt von „DSA“, eher für die altgedienten Experten, die viele kleine Hinweise und Andeutungen aus den Zeilen heraus lesen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Cugel in der Unterwelt

Erstellt von Johannes Heck am 2. August 2010

Michael Shea
Cugel in der Unterwelt

(sfbentry)
FanPro
Titel der Originalausgabe: A Quest for Simbilis
Copyright der deutschen Ausgabe 2008 by FanPro
Übersetzung: Lore Strassl
Titelbild: Martina Pilcerova
Umfang 178 Seiten
ISBN 978-3-89064-470-7

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Mit Cugel dem Schlauen schuf Altmeister Jack Vance eine Figur, die zum Idol aller gerissenen Streuner und Abenteurer wurde. In der Welt der Sterbenden Sonne benötigt ein Mann Mut und Gerissenheit um zwischen den zahllosen Gefahren und Widrigkeiten bestehen zu können. Die originalen Geschichten um den gewitzten Abenteurer aus der Feder von Jack Vance wurden unter dem Title Cugels Irrfahrten bei FanPro veröffentlicht. Angetan von den Geschichten unter der Sterbenden Sonne bat Michael Shea, zu dieser Zeit noch ohne eigene Veröffentlichungen, darum, seine eigene Geschichte um Cugel den Schlauen schreiben zu dürfen. So entstand Cugel in der Unterwelt, die zeitlich zwischen den beiden Teilen von Vances Episodenroman angesiedelt ist.

Tatsächlich gelingt es Shea so gut, den den Stil des großen Vorbildes zu imitieren und die Romanwelt mit Leben zu füllen, dass man sich sofort heimisch fühlt. Wie immer geht es kurios zu und wie immer sucht Cugel allein seinen Vorteil, nimmt jedoch auch Begleitung in Kauf, wo es ihm nützt. Seine Gerissenheit ist jedoch nach wie vor legendär. Natürlich kommt es Shea zugute, dass Vances Geschichten selbst so zersplittert sind. Mit dem fernen Ziel im Hintergrund bereist Cugel die erstaunlichsten Gegenden in einer überaus gefährlichen Welt. Eine etwas andere Richtung nimmt die Geschichte hier, da der Streuner sich einem Mann anschließt der seinerseits auf einer Queste ist, um seinen Gönner den großen Erzmagier Simbilis zu finden und als dessen treuer Gefolgsmann Rechenschaft für erlittenes Unrecht zu verlangen.

Seine Spritzigkeit gewinnt der Roman nicht nur aus den immer neuen Schauplätzen und Gestalten. Auch die Marotten der Protagonisten, die teilweise irrwitzigen Ideen, nach denen die Bewohner der Dying Earth ihr Leben ausrichten sorgen für allerlei Kurzweil. Das Setting hebt sich dabei von vielen anderen Werken der Fantasy ab, weil hier viele Dinge an der Tagesordnung sind, die anderswo als phantasievolle Märchen gelten würden, mit denen man nur die leichtgläubigsten Naturen hinters licht führen könnte. Darüber hinaus sind die Bewohner der sterbenden Welt oft hartherzig und hedonistisch, als befürchteten sie, das Licht der Sonne könne jeden Moment erlöschen. Genau genommen erwarten viele von Ihnen das sogar tatsächlich. Klassische Helden der Fantasy sehen wahrlich anders aus. Besonderen Witz entfaltet dabei die Beziehung zwischen Cugel und seinem Begleiter Mumber Sull, dem ehrenwerten Than von Icthyll, Vasall des Erzmagiers Simbillis. Der zu jeder Schandtat bereite und zu allem entschlossene Cugel auf der einen und der unerschütterliche, obrigkeitsgläubige Gutmensch Mumber Sull auf der anderen Seite, sorgen immer wieder für erheiternde Szenen.

Fazit

Auch wenn Cugels Reise in die Unterwelt nicht aus der Feder von Vance stammt, so wir er hier durch Michael Shea doch würdig vertreten. Die Geschichten um Cugel den Schlauen sind auch hier keine große Literatur, doch mit gut 150 Seiten stellt der Band ein kurzweiliges Vergnügen für zwischendurch dar. Wer die Hintergründe für Cugels Reise ignoriert, ohnehin nur der Metaplot für die eigentliche Geschichte, der kann diesen Band auch genießen, ohne die Geschichten von Vance zu kennen. Vermutlich wird er sie aber spätestens danach lesen wollen. Etwas irritierend wird es nur, wenn man die beiden Bände aus dem Hause FanPro dann gemeinsam ins Regal stellen will. Der erste Band der Dying Earth Geschichten ist nämlich im Format bedeutend größer ausgefallen.

Copyright 2010 by Johannes Heck

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Die Paktiererin

Erstellt von Werner Karl am 30. Juni 2010

die-paktiererinDietmar Preuß
Die Paktiererin
Das schwarze Auge 113

Fantasy Productions, Erkrath, 11/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-158-4
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
www.dietmarpreuss.de/
http://arndtdrechsler.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Gerade die kleinen Geschichten, fernab der Orte, an denen die Geschichte Aventuriens, der Welt des „Schwarzen Auges“, fortgeschrieben wird, entwickeln oft eine eigene Dynamik. Vor allem erlauben sie den Autoren mehr Freiheiten, den Hintergrund mit den vorgegebenen Elementen nach ihrem Gutdünken zu gestalten. Zu dieser Art von Romanen gehören auch die von Dietmar Preuß, der nun zum dritten Mal zu seinen Helden Beolf und Sidra zurückkehrt. Beide müssen diesmal ihren Wehrhof Hohenhag verlassen und dem Ruf ihres Lehnsherrn folgen. Ganz offensichtlich braucht er ihre Hilfe wegen einer Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet. Vor allem Sidra hat ein mulmiges Gefühl, und das wird besonders stark, als die beiden kurz vor der Burg an einem Galgen einen aufgehängten Wolf entdecken. Sie ahnen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und vermutlich sogar übernatürliche Mächte ihre Hände im Spiel haben.

Und richtig: Freiherr Nymmir von Waldsteyn verhält sich sehr dubios. Normal ist ja noch, dass er die als ausgezeichnete Heilerin bekannte Sidra bittet, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen, aber es wird seltsam, als er Beolf mit zwölf Kriegern ausschickt, um die nahegelegene Baronie Aare zu erobern, die zwar zum Mittelreich und dem Herzogtum Weiden gehört, aber nur über sein Land betreten werden kann. Dort soll schon seit einigen Jahren eine wahnsinnige Hexe hausen, die das Land verflucht und möglicherweise einen Bund mit einem Dämon eingegangen ist.

Während sich der Wersasse auf den Weg macht, um seine Aufgabe zu erfüllen, muss sich Sidra nicht nur mit Symptomen herumschlagen, die sie so noch nicht gesehen hat, sondern auch mit einem lüsternen Praiosgeweihten, der sich zwar wie ein Inquisitor aufspielt, aber weit davon entfernt ist, im Namen seines Herrn zu handeln. Glücklicherweise erhält sie bald Hilfe und Rat von einer anderen Hexe, erfährt aber auch, dass alles schlimmer ist, als es auf den ersten Blick ausgesehen hat. Schön ist, dass Dietmar Preuß seine Romane um Beolf und Sidra so hält, dass sie unabhängig voneinander zu lesen sind. Man begegnet zwar immer wieder einigen Figuren aus „Hohenhag“ oder aus „Die rote Bache“, aber sie haben nicht mehr als Cameo-Auftritte und beweisen, dass der Autor sie nicht vergessen hat. Ansonsten spinnt er eine solide, wenn auch nicht herausragende Abenteuergeschichte, die diesmal zwar sehr spannend anfängt, leider jedoch immer mehr nachlässt, je mehr sie sich dem Ende nähert.

Das liegt einerseits an der blassen Feindin, die zwar einen interessanten Ansatz hat – eine junge ehrgeizige Hexe, die sich aus Angst dem Bösen ergibt -, er diese Dramatik aber nicht sonderlich ausschöpft, da seine Protagonistin sich viel zu schnell mit allem abfindet und am Ende immer nur noch mehr von Hass zerfressen wird. Andererseits ist die Auflösung dann doch enttäuschend einfach. Allein die Hauptfiguren bleiben überzeugend und das, was sie schon immer waren: bodenständige Charaktere, die sehr pragmatisch handeln und ihre Kräfte und Fähigkeiten klug genug einzusetzen wissen, ohne sich zu übernehmen. Alles in allem lässt sich „Die Paktiererin“ zwar gut lesen, aber am Ende bleibt man gerade als erfahrener Leser ein wenig enttäuscht zurück, da der Autor aus einigen Elementen der Geschichte – wie der tragischen Story der Gegenspielerin – doch ein wenig mehr hätte machen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Tor der Tausend Sonnen

Erstellt von Werner Karl am 5. Juni 2010

tor-der-tausend-sonnenHanns Kneifel
Tor der Tausend Sonnen

(sfbentry)
Fantasy Productions, Erkrath, 4/2008
TB, SF
ISBN 978-3-89064-602-2
Titelillustration von Arndt Drechsler

www.fanpro.com
www.perrypedia.proc.org/Hans_Kneifel
www.perrypedia.proc.org/Arndt_Drechsler

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Der Name Hanns Kneifel dürfte vielen SF-Fans nicht unbekannt sein. Gerade „Perry Rhodan“-Leser dürften ihn als Verfasser vieler Heftromane und Taschenbücher aus diesem Universum kennen, und wie kein anderer prägte er die Figur Atlan. Besonders in den so genannten Zeitabenteuern, die den Weg des unsterblichen Arkoniden durch die Geschichte schilderten, konnte er sein historisches Wissen unterbringen, das er später in vielen historischen Romanen noch breit gefächerter präsentierte. Nun aber ist er mit „Tor der tausend Sonnen“ zu seinen Wurzeln – abenteuerlicher SF vor opulenter Kulisse – zurückgekehrt.

In ferner Zukunft haben Konzerne die Erschließung des Weltraums übernommen. Durch ihr Profit orientiertes Denken arbeiten sie viel effizienter als staatliche Behörden, auch wenn dabei manches wie Toleranz und Zurückhaltung auf der Strecke bleibt. Deshalb ist es gut, dass man bisher noch nicht auf Rassen gestoßen ist, deren Technologie gleich hoch oder noch wesentlich weiter entwickelt ist. Das könnte sich jederzeit ändern, und unter Umständen dann, wenn man es am allerwenigsten erwartet. Zu den erfolgreichsten, wenn auch etwas eigenwilligen Raumschiffkommandanten, die im Auftrag von ‚Euklidischer Raum’ unterwegs ist, gehört Sharda Morghaden. Allerdings ist er zusammen mit Schiff und Crew seit mehr als einem Jahr verschollen, vermutlich sogar auf einem der rückständigen Planeten gestrandet, die er genauer erkunden sollte. Da man ihn allerdings dringend braucht, macht man sich auf die Suche nach ihm.

Derweil hat Morghaden ganz andere Probleme. Hawkcarn, Freund und Partner, macht eine plötzliche Veränderung durch, wendet sich gegen seinen Vorgesetzten und die Crew, ehe er verschwindet. Offensichtlich ist er einem Geheimnis auf der Spur, das nicht nur den Planeten sondern das Universum erschüttern könnte. Sharda Morghaden hat keine andere Wahl, wenn er Mord und Todschlag verhindern will. Er muss Hawkcarn, der eine Spur von Tod und Verwüstung bei den Eingeborenen hinterlässt, verfolgen und stellen. Dabei macht er selbst eine mehr als überraschende Entdeckung, die ihn noch vor große Herausforderungen stellen wird.

„Tor der Tausend Sonnen“ liest sich, so wie jeder Roman von Hanns Kneifel, zunächst sehr flüssig an, und man genießt die glänzend in Szene gesetzte Handlung und den exotischen Hintergrund. Aber schon bald merkt man, dass man das meiste davon eigentlich schon irgendwie kennt. Sharda Morghaden ist wie der klassische Abenteuer-Action-Held aus den sechziger Jahren, smart und charmant zu Frauen, seinen Freunden treu und unerbittlich wenn es um Verrat geht. Er steht im Kampf und in der Liebe seinen Mann und wächst in Zeiten voller Schwierigkeiten über sich hinaus, auch wenn er eigentlich ein angenehmes und eher friedliches Leben voller angenehmer Seiten vorzieht. Und auch sonst werden gängige Klischees verwendet, wie man sie aus alten SF-Abenteuerromanen kennt. Hanns Kneifel macht sich auch keine Mühe, das zu verschleiern.

Dementsprechend schlicht und einfach ist auch die Handlung. Figuren und Motive bleiben oberflächlich, die Besonderheiten des Hintergrunds nutzen sich recht schnell ab. Deshalb sollte man „Tor der Tausend Sonnen“ nur dann wirklich lesen, wenn man Spaß an den bunten, aber wenig tief schürfenden Zukunftsabenteuern hat, die vor dreißig und mehr Jahren so beliebt waren.

Copyright © 2008 by Christel Scheja (CS)
 
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Der erste Kaiser

Erstellt von Werner Karl am 13. Mai 2010

der-erste-kaiserDaniel Jödemann
Die zwei Kaiser 2: Der erste Kaiser
Das schwarze Auge 110

Fantasy Productions, Erkrath 08/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-247-5
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Daniel Jödemann

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Die Vergangenheit Aventuriens ist zwar bereits geschrieben, und man kennt oft genug den Ausgang dramatischer Geschehnisse, aber sie ist deswegen nicht unbedingt uninteressant. Denn oft stecken hinter den nüchternen Zahlen und Daten – wie in der irdischen Geschichte – dramatische Erzählungen über Menschen, die schwere Entscheidungen treffen müssen und damit zu Helden und Heiligen werden. Daniel Jödemann hat in seinem Zweiteiler ein solches Ereignis aufgegriffen – die Zeit von ‚Bosparans Fall’, die nicht nur ein Weltreich, sondern auch eine Weltordnung erschütterte. Auf dem Zenith seiner Macht beherrscht das Bosparanische Reich fast ganz Aventurien, und die Kaiser, die sich auf eine göttliche Blutlinie berufen, halten das Zepter fest in der Hand. Doch wie so oft ist der Staatapparat bereits unübersichtlich geworden, Machtgier und Korruption einzelner höhlen das Reich aus.

Doch noch ist nach außen hin nicht viel davon zu merken, denn die junge Kaiserin Hela Horas achtet sehr genau darauf, dass ihr Wort Gesetz ist und niemand offen gegen sie die Stimme erhebt. Wer es dennoch wagt, wird auf die eine oder andere Weise mundtot gemacht, so wie diejenigen, die sie davor gewarnt haben, sich selbst zur Göttin zu erheben und nicht nur die weltliche, sondern auch die geistliche Oberhoheit auszuüben. Wegen der Gnadenlosigkeit ihrer Herrschaft bildet sich immer mehr Widerstand, vor allem im nördlicher gelegenen Gareth, das bereits einmal von den Legionen der Horas im Stich gelassen wurde, als Orks es belagerten. Damals gewann der tulamidische Abenteurer Raul al’Ahjan die Achtung der Oberen und Bewohner der Stadt, da er Leib und Leben riskierte, um die Hilflosen zu beschützen.

Und er ist es auch jetzt, an den sich die Unzufriedenen wenden, um ihn zu bitten, den Aufstand gegen die Kaiserin zu führen. Man will sie zwingen, von ihrem Tun abzulassen und wieder vernünftig zu werden. Niemand ahnt, dass es dafür vielleicht schon zu spät sein könnte, denn im Geheimen lässt Hela nach Artefakten suchen, mit denen sie wie einst ihr Ahn Fran Horas die Erzdämonen herauf beschwören will, um mit deren Magie das Volk zu knechten. Sie kennt das Ritual und beschließt, die Fehler zu vermeiden, die ihr Vorfahr einst machte. Der Herr ihrer Legionen, Salim, ist Erfüllungsgehilfe, aber auch in ihm regt sich langsam Widerwillen und Abscheu gegen die Taten seiner Kaiserin. Wie deren Erbin und Nachfolgerin Vallusa, die längst in Raul verliebt ist, beginnt er, in seiner Treue zu schwanken und kann vor dem Unrecht nicht länger die Augen verschießen. Und so ist es an der Zeit für einen Umbruch – mit schwerwiegenden Folgen für das Leben vieler.

Auch „Der erste Kaiser“ bietet wie „Die letzte Kaiserin“ eine interessante Mischung aus Geschichtsstunde und Abenteuer. Er erweckt Kulturen zum Leben, die bereits lange untergegangen sind, und gibt den Menschen und Orten, die bisher nur einfache Daten gewesen sind, ein Gesicht. Dabei gelingt es dem Autor, den schmalen Grad zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung ausgeglichen zu beschreiten. Die Figuren aus Legenden und Chroniken erhalten Aussehen und Stimme; der schleichend wachsende Wahnsinn der Hela-Horas wird interessant beschrieben, während ihr Gegenspieler weiterhin sehr sympathisch geschildert wird, weil ihm die Achtung der anderen nicht zu Kopf steigt, sondern er der bescheidene Abenteurer bleibt, der er im ersten Band war – der edle und ehrenhafte Krieger, der sich nicht von der Macht und dem Einfluss korrumpieren und verderben lässt. Gerade weil sich der Autor Zeit nimmt, die einzelnen Handlungsebenen und –fäden zusammen zu führen, kommt es im Mittelteil des Buches gelegentlich zu Längen. Auch das Ende ist eher ruhig als melodramatisch, passt aber zur gesamten Stimmung des Romans.

Alles in allem ist auch dieser Band durchdacht und gut durchmischt, denn immer wieder lockern spannende Ereignisse die Beschreibungen der doch etwas anderen Umwelt auf. Auch die Darstellung der Kulturen wird weiterhin konsequent durchgezogen. So schließt „Der erste Kaiser“ die Duologie „Die zwei Kaiser“ gelungen ab und ist wie sein Vorgänger „Die letzte Kaiserin“ einer der Romane der „DSA“-Reihe, den man ohne Vorbehalte lesen kann.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)
 
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Sturm: Die Hjaldinger-Saga 2

Erstellt von Werner Karl am 9. Mai 2010

sturm-hjaldinger-saga-iiDaniela Knor
Sturm. Die Hjaldinger-Saga 2
Das schwarze Auge Band 109

Fantasy Productions, Erkrath, 07/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-245-1
Titelbild von Arndt Drechsler
Karten von Thorsten Bieder

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Anders als viele andere Autoren der „DSA“-Reihe hat sich Daniela Knor einer Vergangenheit angenommen, die Jahrtausende zurück liegt und dem heutigen Aventurier nur mehr aus heroisch verbrämten Legenden, Sagen und Balladen bekannt ist. Die Thorwaler stammen nämlich von einer eigenen ethnischen Gruppe ab, die nicht viel mit den Ureinwohnern und anderen Siedlern zu tun hat – einer Gruppe von Flüchtlingen, die vor langer Zeit ihre angestammte Heimat Hjaldingard auf dem Westkontinent Myranor, auch ‚Güldenland’ genannt, verlassen hat.

Die Autorin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wahre Geschichte der Flucht zu erzählen. „Die Hjaldinger-Saga“ begann in „Glut“, in der das friedliche Leben der Bewohner ihrer rauen Heimat erstmals gestört wurde, denn das mächtigste Reich des Kontinents schickt sich an, auch sie unter ihre Herrschaft zu bekommen. Im zweiten Band „Sturm“ spitzen sich die Ereignisse zu. Obwohl Jurga und andere Anführer ihres Volkes die Grenzen des Landes verteidigt haben und die erste Welle der Invasionsarmee besiegen konnten, rückt das Imperium dennoch immer weiter auf ihre Heimat zu und wirft neue Truppen ins Feld. Die Freiheitskämpfer sind zahlenmäßig stark unterlegen und wissen eines: Ihre Feinde werden leichtes Spiel haben, wenn die stolzen Sippen und Stämme weiterhin uneins und zerstritten bleiben.

Deshalb setzen Jurga und ihre Freunde alles daran, ihre Brüder und Schwestern aufzurütteln und ihnen deutlich zu machen, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie sich zusammen raufen und zueinander stehen. Doch so einfach, wie sie sich das vorgestellt haben ist ihr Unterfangen leider nicht, denn immer wieder fallen ihnen vermeintliche Verbündete in den Rücken oder Absprachen werden nicht eingehalten. Derweil rückt der Feind zu Wasser und zu Lande vor, zeigt den Hjaldingern mit Schwert und Magie, dass sie keine Gnade kennen und walten lassen werden …

Mittelbände einer Trilogie haben eine undankbare Aufgabe, und das zeigt sich auch bei „Sturm“. Im ersten Band wurde nicht nur das Kriegszenario geschaffen, die Autorin hat auch die wichtigsten Charaktere eingeführt. Nun spinnt sie die einzelnen Handlungsebenen und Schicksale weiter, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Der Roman ist zwar spannend, da sie sehr viel Action einbringt und von einem Kriegsschauplatz zum anderen springt, Kämpfe und Schlachten beschreibt, aber dennoch ist man nach der Lektüre unzufrieden. Sie nimmt sich für keine der Figuren wirklich Zeit, selbst Helden wie Jurga bleiben mehr als blass und reagieren nur auf das, was ihnen entgegen schlägt, anstatt konkret zu handeln. Nichts kommt zu einem Ergebnis, die Lage scheint sich nur immer mehr zu verschärfen und hoffnungsloser zu werden. Zurück bleibt das Gefühl, nichts Halbes und nichts Ganzes gelesen zu haben, denn auch die Geschehnisse wirken nur aneinandergereiht und greifen nicht schlüssig ineinander.

Alles in allem ist „Sturm“ einer der enttäuschenden Roman der Autorin und der Reihe, der vielleicht wirklich erst einen Sinn ergibt, wenn man den dritten Band mit dem Titel „Eis“ in Händen halten wird.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

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Todesstille

Erstellt von Werner Karl am 11. April 2010

todesstilleBernard Craw
Todesstille
Das schwarze Auge 106

Fantasy Productions, Erkrath 03/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-246-8
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
www.bernardcraw.net/
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Bernard Craw greift in seinem Roman eine Region auf, die zwar in der Vergangenheit Aventuriens öfters im Fokus der Geschehnisse stand, zu die Autoren aber sehr selten kleine Abenteuer vor der einzigartigen Kultur verfassten. Das Bornland mag zwar in der einen oder anderen Sache fortschrittlicher wirken als das Mittelreich, ist die Gesellschaft betreffend aber sehr altertümlich und traditionell. Die Schichten sind sehr klar getrennt, und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nur wenige, vor allem wenn man ein Leibeigener ist. Diese gehören den adligen Landbesitzern, den Bronnjaren, mit Haut und Haaren und können wie Sklaven veräußert werden. Und da das Land nicht besonders stark besiedelt ist, endet die Zivilisation schon sehr oft am Rande der Dörfer. Das ist auch und im Besonderen in den Rotaugensümpfen so. Diese Region im Herzen des Bornlandes gilt als besonders verdorben und gefährlich, denn dort verbergen sich nicht nur Goblins, sondern lauern auch viele düstere Gefahren aus der Vergangenheit.

Eine Gruppe von Boronis leistet den Totendienst an einem der sterbenden Grafen, der ihnen als Dank seinen Landbesitz vermacht hat. Doch dessen Erbe weiß das Testament geschickt zu deuten und die Diener des Totengottes mitsamt seinem Bruder Wulfjew in eine Gegend abzuschieben, die er ohnehin nicht in dem Maße nutzen kann, da sie zum großen Teil aus Sumpf besteht und düstere Geschichten um die verfallende Burg Dornblut aus der Zeit der Theaterritter umgehen. Mehr oder weniger zähneknirschend nehmen der schweigsame Raawen, die träumende Bishdariel-Dienerin Marboria, ihre noch zu sehr dem Leben verbundene Schülerin Imalia und der nach einem ehrenhaften Tod suchende Golgarit Härmhardt die Gabe an und reisen zusammen mit Wulfjew, der zu einem Novizen wird, und den Leibeigenen Lonnet und Svetjana in die abgelegene Region.

Dort merken sie sehr schnell, dass die Einwohner des Dorfes Einiges zu verbergen haben und es genug Geheimnisse um die Burg und ihre letzten Bewohner gibt, die gelöst werden müssen. Als dann auch noch eine Norbardensippe, eine Goblinschamanin und ihr Stamm aktiv werden, überstürzen sich die Ereignisse, und rachsüchtige Geister erwachen aus ihrem langen Schlaf, während sich Schicksale erfüllen. Nur eines ist am Ende sicher: Boron erwartet jeden von ihnen. „Todesstille“ ist von einer morbiden und durchweg unheimlichen Gruselstimmung erfüllt, die der Autor gekonnt in Szene setzt. Sehr schnell wird klar, dass nicht die Auflösung der Geheimnisse sein Ziel ist, sondern der Weg dahin. Im Mittelpunkt stehen nämlich die Figuren. Nicht nur die Diener Borons müssen sich Prüfungen ihres Glaubens stellen, auch andere werden von den Fehlern und Schatten der Vergangenheit eingeholt.

Das alles wird sehr mystisch und philosophisch in Szene gesetzt – was allerdings auch auf Kosten der Spannung geht. Die Handlung ist erstaunlich schwerfällig, wenn auch atmosphärisch; die Auflösung beantwortet nicht alle Fragen, die man als Leser hat. Und so richtig wird auch nicht klar, was die früheren Bewohner der Burg eigentlich getrieben haben, so dass sie zu ruhelosen Geistern wurden, die nicht loslassen können.

Alles in allem vermag der Autor zwar durch die intensive Stimmung zu begeistern, kann aber nicht immer fesseln, da gerade der Mittelteil der Geschichte sehr zäh ist und kaum vorankommt. In Folge dürfte „Todesstille“ denen gefallen, die Charakter zentrierte Romane mögen und gerne mehr über die mystische Seite des Boron-Glaubens erfahren wollen, denn das sind die wahren Stärken dieses Buches.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Der Aschengeist

Erstellt von Werner Karl am 4. April 2010

der_aschengeistKathrin Ludwig & Mark Wachholz
Der Aschengeist. Aus dem Leben des G. C. E. Galotta 3
Das schwarze Auge 115

Fantasy Productions, Erkrath, 12/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-229-1
Titelbild von Alan Lathwell nach einer Vorlage von Kathrin Ludwig
Karte von Ralph Hlawatsch

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www.schwarzmagier-blues.de/
www.alveran.org/
http://alanlathwell.cgsociety.org/gallery/
http://alanlathwell.deviantart.com/

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Schon drei Jahre ist es her, seit der zweite Band der Lebensgeschichte eines der bedeutendsten Bösewichte Aventuriens erschienen ist. Damals berichtete „Der Feuertänzer“ vom Fall des brillanten Magierphilosophen und angesehen Hofzauberers Galotta durch eine Intrige der geheimnisvollen Erzmagierin Nahema und seinem ersten Versuch, sich durch den ‚Marsch der tausend Oger’ zu rächen. Genau dieser Angriff kann niedergeschlagen werden. Die Heere des Mittelreiches umstellen schließlich den Turm, in dem sich der Magier mit seinen letzten Verbündeten verborgen hat. Doch als sie in ihn eindringen und ein Blutbad anrichten, ist Galotta verschwunden. Hier setzt „Der Aschengeist“ ein.

Allein Gallotta ist dem Gemetzel entkommen, dem seine geliebten ‚Töchter’ zum Opfer fielen. Gebrochen und halb wahnsinnig flieht er quer durch Aventurien, die Verfolger dicht auf seinen Fersen. Dazu gehören nicht nur die ‚Pfeile des Lichts’, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Schwarzmagier zu vernichten, sondern auch viele Leute, die sich das hohe Kopfgeld verdienen wollen, wie die beiden Söldner Brander und Gertrude, die selbst ihre Geheimnisse haben. In den Sümpfen von Brabak findet Galotta sein Schicksal – oder es ihn. Der Nekromant Polberra, der auf der Suche nach Leichen für seine Experimente ist, rettet ihm überraschenderweise das Leben und kümmert sich in den folgenden Monaten um ihn, nachdem er ihn erkannt hat. Denn auch wenn sie nicht viele Gemeinsamkeiten haben, achtet er doch den Ruf und die Kenntnisse des gefallen Magiers und will nicht miterleben, dass sie für immer verloren sind oder der absoluten Finsternis anheim fallen, zumal auch die Erzdämonen Interesse an Galotta zeigen. Dieser braucht viele Monate, um seinen Verstand und auch seine Magie zurück zu gewinnen. Gerade als das gelingt, holt ihn die Vergangenheit in Gestalt von Brander und Gertrude ein, die glauben, ein leichtes Spiel mit dem gebrochenen Mann zu haben …

Natürlich ist es sehr interessant, die Lebensgeschichte eines Bösewichts kennen zu lernen, macht es doch gerade Spaß, die Autoren auf ihrer Gradwanderung zu beobachten und heraus zu finden, wie sie begründen, warum er ausgerechnet so und nicht anders geworden ist und was davon die Reaktion auf das ihm zugefügte Unrecht bzw. im eigenen Wesen verborgen ist. So erweist sich Galotta als gleichermaßen sympathisch und unsympathisch. Er hat sehr menschliche Züge, ist aber auch von einer gewissen Arroganz und Skrupellosigkeit gezeichnet. Das trifft auf den Nekromanten Polberra zu, der zwar einerseits sehr freundlich ist, aber dann doch seine düsteren Seiten hat. Gleichzeitig wird auch Galottas Hinwendung zur dunklen Seite in die Wege geleitet. Zwar verfällt er den Dämonen noch nicht ganz, beschreitet aber durchaus den Weg zur Verdammnis. Nur eines bleibt ziemlich offen: wie es Galotta in seinem Zustand eigentlich geschafft hat, quer durch Aventurien zu wandern. Das ist die größte Schwäche in der ansonsten gut durchdachten und flüssig erzählten Geschichte.

„Der Aschengeist“ kommt zwar nicht ganz an die Qualität seiner beiden Vorgänger „Der Hofmagier“ und „Der Feuertänzer“ heran, gehört aber dennoch zu den guten Romanen der „DSA“-Reihe, denn die Autoren geben ihrer Geschichte nicht nur eine lebendige Atmosphäre, sondern haben die Handlung fest im Griff und bieten eine ausgewogene Mischung aus Abenteuer und Drama.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Eiswolf

Erstellt von Werner Karl am 8. März 2010

eiswolfLinda Budinger
Eiswolf
Das Schwarze Auge 111

Fantasy Productions, Erkrath, Originalausgabe: 08/2009
TB 11041, Fantasy
ISBN 9783890642482
Titelillustration von Alan Lathwell
Karte von Ralf Hlawatsch

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„Eiswolf“ spielt in der Welt des Rollenspiels „Das schwarze Auge“. Die ersten „DSA“-Romane erschienen bereits ein Jahr nach dem Spiel, und zwar 1985. Angesiedelt sind die „DSA“-Romane auf dem Hauptkontinent der „DSA“-Welt, Aventurien. Mittlerweile umfasst die Reihe über 100 Bände, von denen die ersten 73 im Heyne Verlag, alle weiteren bei Fantasy Productions erschienen sind. Die „DSA“-Romanen bieten talentierten Autorinnen und Autoren Veröffentlichungsmöglichkeiten außerhalb der etablierten Fantasy-Reihen und -Verlage.

Der Medikus Tjulf Resken wird von der Hesinde-Priesterin Jettjala als Arzt für eine Expedition in die Klirrfrostwüste angeheuert. Neben ihm gehören ein Magier, ein Führer, Jäger und Söldner der Expedition an. Die Aufgabe der ‚Firunswoge’ und ihrer Besatzung ist es, Jettjala und ihre Begleiter in den Norden, an den Rand der Klirrfrostwüste, zu bringen. Jettjala hofft, dort nichts Geringeres zu finden als das Schwarze Auge selbst. Die Reise in den Norden verläuft zwar nicht ereignislos, jedoch ohne ernsthafte Bedrohungen. Erst nach der Ankunft der Expedition am Rand der Klirrfrostwüste wird die ‚Firunswoge’ zerstört. Ein Teil der Besatzung und fast alle Expeditionsteilnehmer können sich auf das Eis retten. Ungeachtet dieser Katastrophe beginnt Jettjala mit der Suche nach dem Schwarzen Auge. Gewaltsame und erklärliche Todesfälle lösen die Solidarität zwischen den Überlebenden der Expedition und der ehemaligen Besatzung der ‚Firunswoge’ auf und lassen tiefes Misstrauen zwischen ihnen entstehen, dem auch Tjulf Resken zum Opfer fällt: Er wird in die Klirrfrostwüste verbannt und entdeckt dort den wahren Charakter der Bedrohung, der er und die noch lebenden Expeditionsteilnehmer und Ex-Besatzungsmitglieder der ‚Firunswoge’ ausgesetzt sind.

Die Handlung von „Eiswolf“ ist auch ohne Kenntnis des „Das schwarze Auge“-Universums verständlich. Die Hintergrundinformationen, die die Autorin in den Roman eingeflochten hat, könnten ebenso gut der Detaillierung eines serien-unabhängigen Romans dienen. Die Klirrfrostwüste wirkt dagegen weniger authentisch. Die Expedition von Jettjala und ihren Begleitern hat ihr Vorbild in den historischen Vorstößen in die Polarregionen der Erde. Die Entbehrungen und Bedrohungen, denen ihre Teilnehmer durch die Natur ausgesetzt wurden, kommen in „Eiswolf“ für die Protagonisten kaum zum Ausdruck. Gewiss, sie leiden Hunger und sind entsprechend der Kälte gekleidet, doch bedrohlich wirkt das nicht. Aber es ist natürlich nicht das Hauptanliegen des Romans, die Lebensbedingungen in Polarregionen realistisch darzustellen.

Da es sich bei „Eiswolf“ um einen Serien gebundenen Roman handelt, werden auch des „DSA“-Universums unkundige Leser nicht ernsthaft erwarten, dass Jettjala das Schwarze Auge tatsächlich findet, was immerhin gewisse Probleme im „DSA“-Universum aufwerfen könnte. So überrascht es nicht, das Tjulf auf ein Wesen stößt, das bereits vor Jahrhunderten in der Klirrfrostwüste sein Unwesen trieb, und es gemeinsam mit den Überlebenden der Expedition und der ‚Firunswoge’ bekämpft.

„Eiswolf“ ist routiniert erzählt und fügt sich wegen der zahlreichen Hintergrundinformationen und Querverweise sicherlich gut in das „DSA“-Universum ein und ist für die Leser der bisherigen Romane ein weiterer Baustein ihrer bevorzugten Welt. Für Fantasy-Leser mit darüber hinausgehenden oder anderen Interessen bleibt der Roman jedoch zu sehr in bekannten Handlungsmustern verhaftet, um empfohlen werden zu können.

Copyright © 2010 by Armin Möhle (armö)
 
Titel bei Buch24.de:
Eiswolf – Das Schwarze Auge 111

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Royal Flush

Erstellt von Werner Karl am 22. Februar 2010

royal-flushCarolina Möbis
Royal Flush
Classic BattleTech 18

Great Game-Zyklus 3
Fantasy Productions, Erkrath, 4/2008
TB 31023, SF
ISBN 9783890646206
Titel- und Innenillustrationen von Karsten Schreurs

www.fanpro.de
www.carolinamoebis.de/
www.grobi-grafik.de/

Im dritten Band des „Great Game“-Zyklus’ stehen vor allem das Schicksal des MechKriegers Jack, der Pilotin Hataka Tomomi und Tai-sa Hatsui Masato im Vordergrund. Sie alle träumen von einem schnellen Sieg innerhalb der neu geformten Robinson-Allianz. Dabei werden sie in ein Spiel um Ruhm und Ehre gezogen. Jack gelingt es, Hataka Tomomi gefangen zu nehmen. Er wird zu ihrem persönlichen Aufpasser und versorgt ihre Wunden. Dabei beginnt er, gegen seinen Willen Gefühle für die zarte Frau zu entwickeln. Dass dies eine Täuschung ist, weiß er nur zu gut. Unter ihrer äußeren Zerbrechlichkeit verbirgt sich eine willensstarke Persönlichkeit, die in der Lage ist, es mit jedem MechKrieger aufzunehmen. Was ihr an körperlicher Stärke fehlt, gleicht sie mit ihrem außergewöhnlichen Mut aus.

Als ihr schließlich die Flucht gelingt und sie zu ihrer Einheit zurückkehren kann, erwartet sie eine böse Überraschung. Hataka Tomomi wird von ihrem Erzfeind Masato des Verrates, der Feigheit und unter dem Vorwurf, Schande über ihr Haus gebracht zu haben, gedrängt, Selbstmord zu begehen. Dabei nutzt er geschickt sein ganzes Können. Doch Tomomi erkennt die Falschheit hinter seinem angeblichen Verständnis für ihre Situation. Nun fängt sie selber an, die Fäden zu ziehen, um einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu finden. Carolina Möbius gelingt das Kunststück, auch den Leser, der die vorherigen Bände verpasst hat, in ihren Bann zu ziehen. Liebevoll haucht sie ihren Figuren Leben ein. Wie sie um ihre Protagonisten eine spannende Story entwickelt, ist fast schon einzigartig zu nennen. Dabei ist vor allem die starke Frauengestalt der Hataka Tomomi ein absoluter Glücksgriff.

Wieder einmal zeigt sich, dass vor allem Frauen in dem jahrelang von Männern dominierten Science Fiction-Genre sehr gut bestehen können. Sie verlieren sich nicht in technischen Details und bringen einem die Personen nahe. Von den manchmal sehr steril wirkenden Figuren in einigen „BattleTech“-Storys, ist hier glücklicherweise nichts zu merken. Dieser Band stellt auf jeden Fall eine Bereicherung dar und inspiriert hoffentlich noch viele andere Autorinnen, sich in dieses Genre zu wagen. Für alle Fans von intelligenten SF-Storys ist dieser Band absolut empfehlenswert.

Copyright © 2010 Petra Weddehage (PW)
 
Titel bei Amazon.de:
Royal Flush

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