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neuauflage

Der Aschengeist

Erstellt von Werner Karl am 22. April 2011

Kathrin Ludwig / Mark Wachholz
Der Aschengeist
Aus dem Leben des G.C.E. Galotta Teil 3

(sfbentry)
Ein Roman in der Welt von Das Schwarze Auge   
FanPro
ISBN 978-3-89064-229-1
Spielwelt-Roman, 2009
Titelbild: Alan Lathwell nach einer Vorlage von Kathrin Ludwig
400 Seiten

www.fanpro.com
www.dasschwarzeauge.de
www.yambwi.wordpress.com (Homepage der Autorin)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

In der ausgedehnten Biographie des ehemaligen Hofmagiers und späteren Heptarchen Galotta erscheint 2009 mit dem Aschengeist der dritte Band. Das gemeinsame Projekt der freischaffenden Kathrin Ludwig und Mark Wachholz deckt die aventurischen Jahre 1003 BF bis 1006 BF ab. Inhaltlich ist dies der Zeitraum nach Galottas Niederlage beim Zug der 1000 Oger, in der der gebrochene Magus zunächst in der Versenkung verschwindet. Erst deutlich später wird sein Schicksal wieder zaghaft von einzelnen Schreiberlingen aufgenommen. Über diese Zeit ist wenig mehr bekannt, als dass Galotta angeblich in Brabak gesichtet worden sein soll. Der Zeitraum ist deutlich enger gefasst, als bei den beiden Vorgängern, auch wenn der Umfang des Bandes gestiegen ist. Der Aschengeist taucht dabei noch einmal tiefer in die Psyche Galottas ein und  thematisiert insbesondere seinen neuen Weg und die Verführung durch den erzdämonischen Herrn der Rache. Allein diese Fakten machen bereits deutlich, dass Der Aschengeist keine Lektüre für den Gelegenheitsleser ist, der zufällig einen DSA-Roman in der Hand hält. Zumindest mit dem Hintergrund der Spielwelt Aventurien sollte man vertraut sein, die Kenntnis der beiden ersten biographischen Bände kann sicher nicht schaden.

Zu Beginn des Romans finden wir Galotta als gebrochenen, ja verwirrten Mann vor. Dank einer Kurzübersicht über die beiden Vorgängerromane kann sich der Leser jedoch schneller orientieren und erkennt bereits hier, dass der Erzämon Blakharaz ein Auge auf den verzweifelten Mann geworfen hat. Nur mit dämonischer Hilfe gelingt es Galotta zu entkommen, woraufhin es ihn auf unbekannten Wegen nach Brabak verschlägt. Dort wird er mehr tot als lebendig von dem leichensammelnden Nekromanten Polberra aus dem Sumpf gefischt. Wenn man sich Galottas Werdegang bis zu diesem Punkt klar macht, dann wird bereits geographisch deutlich, welchen Abstieg die einstige Spektabilität zu Elevina hinter sich hat. Aus dem auch Zentrum der Macht im zentralen Mittelreich ist Galotta nun buchstäblich am Ende der Welt angekommen. Keine magische Einrichtung hat in Aventurien einen schlechteren Ruf, als die Dunkle Halle der Geister zu Brabak. Der ehemalige Weißmagier trifft hier auf die verrufensten Schwarzmagier des Kontinents. Doch damit ist es nicht genug, die beiden Autoren setzen noch einen drauf. Nachdem er den Zug der Tausend Oger entfesselt hat, wird der verstoßene Leibmagier des Kaisers nicht nur auf dem ganzen Kontinent gejagt, seine Verletzungen sind so schwer, dass er selbst seine magischen Kräfte verloren hat. Dies ist also gewissermaßen die Ausgangslage Galottas in Brabak.

Während Galotta sich in Brabak mehr schlecht als recht von seinen Wunden erholt und nur mit Hilfe des vollendeten Heilers Polberra Fortschritte erzielt, betrachten die Autoren einen Nebenplot, der seinen Anfang ebenfalls an der Ogermauer nimmt. Unter den Kämpfern gegen die Oger befand sich auch der Söldner Brander Berre und seine Gefährten. Zumindest Ersterer dürfte Veteranen des Schwarzen Auges bekannt sein, hatte er doch im offiziellen Aventurien bereits einen prominenten Auftritt, der freilich innerhalb der Spielwelt nach dem vorliegenden Roman liegt. Stilistisch gesehen stellen die Episoden um Brander Berre und seine Gefährtin einen Kontrast zu den düsteren und oft deprimierenden Texten um die Brabaker Magier und ihren berühmten Gast dar. Zugleich ist es aber auch ein alternativer Entwurf zu Galottas Weg. Der Söldner strebt zwar ebenfalls nach Rache für seine gefallene Gefährtin, die Opfer seiner eigenen Ambitionen wurde, doch lässt er sein Herz davon nicht so vergiften wie der Gejagte Magus, dessen Gedanken unablässig um Vergeltung kreisen.

Doch selbst das Ende der Welt ist nicht weit genug weg für einen Mann wie Galotta. Sein Ruf ist selbst bis nach Brabak gedrungen und so gerät er auch hier zwischen die Fronten widerstreitender Interessen. Der Nekromant und Seelenheiler Polberra steht dabei für die den Magierphilosophen und Freidenker, der Galotta einst war. Erst seine Heilkunst ermöglicht es Galotta sein Leben zurückzugewinnen. Ihm gegenüber steht die Hexe Axzimona, die sich selbst von Nahema gedemütigt sieht und Galotta als Verbündeten für ihre Rache sieht. Sie macht dabei keinen Hehl daraus, dass Dämonen und andere Mächte ihr nur recht kommen, solange sie nur ihrer Rache dienen. Mit Hilfe dieser beiden Figuren spinnen die beiden Autoren nun eine Geschichte, deren Verlauf man ebenso gut als Kampf um Galottas Seele deuten könnte. Dem Schwarzen Mann gerade erst mit Polberras Hilfe entkommen, lässt sich Galotta auf die Verführungen der Hexe ein. Sie ist es auch, mit deren Hilfe der Magus seine Zauberkraft zurückgewinnt und ihm erneut jene Macht in die Hand gibt, die ihn erst auf diesen Weg geführt hat.

All diese Entwicklungen betten die Autoren ein, in die dichten Schilderungen des Schauplatzes, die Brabaker Akademie. Mit viel Liebe zum Detail werden hier die tiefgreifenden Fachkenntnisse eines Magister Terbysios geschildert, der in uralten Gedichte nach verlorenem Wissen sucht oder die geübten Abwehrmaßnahmen der Lehrkörper bei misslungen Beschwörungen. Kulminationspunkt ist schließlich die der Angriff von Galottas Häschern, bei dem auch ein zu Lehrzwecken beschworener Dämon außer Kontrolle gerät. Als Galotta sich im aufkeimenden Chaos bei der Akademieleitung erkundigt, gib die Spektabilität eine Antwort, die wie eine Prophezeiung für Galotta selbst wirkt. „Es sind natürlich Heshthotim. Wenn es Ärger gibt, sind es immer die Aschengeister. Irgendjemand begeht immer wieder den Fehler und unterschätzt sie.“ So ergeht es auch Galotta, der sich einer Überzahl der Aschengeister entgegenstellt und unbewusst einen weiteren Schritt in Richtung Verdammnis tut. Nicht von ungefähr lassen die Autoren kurz zuvor einen Lehrkörper den mythischen Ursprung des Rachedämons berichten, demnach dieser einst ein von Rache getriebener Magier gewesen sein soll.

Im letzten Teil erkunden Galotta und die Hexe Axzimona eine astrale Störung in den Brabaker Sümpfen. Dieser Abschnitt wirkt etwas angefügt, da sich der Fokus deutlich ändert. Statt Innenansichten von Akademie und Magier ist Expedition und Action gefragt. Mit Hilfe der Hexe gelingt es Galotta einen alten Visar-Tempel der Wudu zu erkunden und ein überaus machtvolles Artefakt in seinen Besitz zu bringen. Auch wenn Galotta noch weitere Jahre in Brabak verbringt, so ist der entscheidende Schritt in seiner psychologischen Entwicklung doch am Ende getan. Wohl wissend um die Gefahren, die das Artefakt der Wudu mit sich bringt, wendet er sich von seinem Retter Polberra ab und beginnt mit der Hexe Axzimona jene Pfade zu erforschen, die ihn schließlich in die Verdammnis führen. Das Ende lässt dabei keinen Raum für häufig behauptete Rechtfertigungen. Von der Macht verführt und von seinem verletzten Hochmut angetrieben wendet der einstige Magierphilosoph sich jenen Mächten zu, die ihm Rache versprechen für die erlittenen Demütigungen. Er wird selbst zum Aschengeist, der letztlich nur für seine Rache kämpft.

Insgesamt liefert Der Aschengeist guten Lesestoff, wenn man sich von dem doch sehr speziellen Thema nicht schrecken lässt. Viele Elemente des aventurischen Hintergrundes werden so anschaulich eingewoben, dass sie auch Nicht-DSAler inspirieren mögen. Zwar ist Galotta mit seinen ketzerischen Thesen in der weißen Gilde nicht gut gelitten, doch in Brabak prallt der konservative Kontrollfanatiker auf die freidenkerischen Pragmatiker. Neben diesem Gegensatz wird Galotta durch die intuitive Magie der Hexe mit einem weiteren Denkansatz konfrontiert, der ihm völlig fremd ist. Obschon die Hexe sich ebenfalls mit Beherrschungsmagie beschäftigt, gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihr ungeheuer schwer. Was soll ein hochdekorierte Akademiker auch sagen auf die Worte: „Sprich nicht darüber – tu es einfach“.

Nicht ganz einfach ist das Voranschreiten der einzelnen Handlungsfäden über den ganzen Roman hinweg. Zunächst steht die Heilung Galottas im Vordergrund, die immer wieder aufgelockert wird durch die helleren Episoden mit den beiden Söldnern. Bis zum ersten Höhepunkt entwickelt sich daraus der Kampf um Galottas Leben und seine Seele. Dabei gelingt insbesondere die Charakterisierung Polberras, so dass dieser Galotta bisweilen den Rang abzulaufen scheint. Nachdem Angriff der Söldner endet jedoch der Handlungsfaden um Galottas Genesung parallel mit dem Absacken der Geschehnisse um Brander Berre. Die Entwicklungen von Galottas Seelenleben vermögen dies nur bedingt zu tragen, da Polberra im Folgenden kaum noch auftaucht. Immerhin versuchen die Autoren diesen Bruch noch einmal mit Hilfe eines Motivs zu überwinden, dass die gesamte Biographie über zu sehen ist. Die Ewige Stadt, deren Ort ebenso ungewiss ist, wie der Umstand ob sie in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft existiert, ist Galottas Schicksalsmotiv. Seit der Prophezeiung Nahemas verfolgt ihn diese mysteriöse Stadt, die unter schwarzen Wolken liegen soll und deren Türme Galotta bereits in seinen Träumen zu sehen beginnt. Kenner des jüngeren Aventuriens werden in diesem Mythos unschwer das Vorbild für Galottas Yol-Ghurmak erkennen.

Fazit

Der dritte Teil der Biographie des Gaius Cordovan Eslam Galotta geht wesentlich stärker in die Tiefe als seine Vorgänger. Die Erzählung wird wesentlich dichter und die Autoren trauen sich an eine Charakterstudie, die wesentlich weniger von äußeren Handlungen getrieben ist als zuvor. Wenngleich der letzte Teil inhaltlich etwas bricht, sind die Texte stilistisch gewachsen und es finden sich immer wieder Passagen, die den Geist Aventuriens atmen. Nachdem nun hier die Biographie durch die feine Zeichnung der Figuren erst ihrem wahren Anspruch gerecht wird, liegt die Zukunft allerdings im Ungewissen. Die Liason mit Axzimona und das ungeborene Kind Galottas öffnen noch einmal Pfade jenseits der Rache. Das mächtige Artefakt in Galottas Händen birgt ebenfalls eine Geschichte die erzählenswert sein mag. Zwei Probleme ergeben sich jedoch bei der Fortführung der Biographie. Zum einen wird sich Galottas Wandlung vom Freidenker zum Gefäß der Rache immer schneller vollziehen und der Geschichte wiederum einen Teil ihres Reizes nehmen. Zum anderen stellt sich die Frage, wer nach dem Rückzug von Mark Wachholz aus der Arbeit für das Schwarze Auge die Arbeit übernehmen würde. In jedem Fall kann Der Aschengeist all jene Leser zufrieden stellen, die sich näher mit der Person Galottas und seinem Werdegang beschäftigen wollen. Der Roman liefert hier ein Paradebeispiel für einen Gefallenen unter den Mächtigen, dessen Herz sich der Finsternis zuwendet und mag damit auch andere Figuren inspirieren. Auch die Liebhaber aventurischen Fluffs kommen hier auf ihre Kosten, selbst wenn das schreiberische Potential der Autoren wohl noch nicht voll ausgereizt ist.

Copyright © 2010 by Johannes Heck

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Sprung ins Jenseits

Erstellt von Werner Karl am 8. April 2011

Achim Mehnert
Sprung ins Jenseits
Atlan 16: Monolith-Zyklus 6

„Perry Rhodan“ und „Atlan“ sind Eigentum von Pabel-Moewig-Verlag, Rastatt
FanPro, Erkrath, 09/2009
TB, SF 71087
ISBN 978-3-89064-187-4
Titelillustration von Arndt Drechsler
Autorenfoto von N. N.

www.fanpro.com
www.atlan.de
www.achimmehnert.info/
www.perrypedia.proc.org/index.php/Arndt_Drechsler

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Lordadmiral Atlan will endlich den Chef der Silberherren dingfest machen. Malcher ist nur noch einen Schritt davon entfernt, das Geheimnis der Monolithen zu entschlüsseln. Wenn es ihm gelingt, diese Macht für sich zu nutzen, kann ihn niemand mehr aufhalten. Santjun, der Risikospezialist, verwandelt sich unaufhaltsam in einen Silberherren. Eine Heilung scheint nicht in Sicht. Um Malcher zu stoppen, müssen Atlan und er eine schwere Entscheidung treffen.

Die Wechselwirkung, bei der Atlans Zellaktivator eine wesentliche Rolle spielt, wird unweigerlich mit dem Tod der beiden enden, außer einer von ihnen opfert sich und reist in die Vergangenheit, aus der eine Rückkehr für unmöglich befunden wurde. Calipher SIM ist Malcher ebenfalls auf den Fersen. Er will nur eins: seine Herren wiederfinden, um ihnen zu dienen. Im Abschlussband der „Monolith“-Reihe geht es noch einmal Schlag auf Schlag. Endlich werden Geheimnisse gelüftet und schwerwiegende Ereignisse aus der Vergangenheit rekonstruiert.

Verblüffende Wendungen lassen diesen letzten Band des sechsteiligen Zyklus‘ zu einem unerwarteten Lesegenuss werden. Der hier geschilderte Atlan scheint zu seiner alten Form zurückzufinden. Die langjährigen Fans wird dies besonders freuen. Achim Mehnert schafft es wie seine Vorgänger, die Spannung bis zur letzten Seite zu halten. Dabei wird die unglückliche Liebe von dem zum Silberherren mutierenden Santjun und der Kommandantin der IMASO, Naileth Simmers, gekonnt weiterverfolgt. Doch auch Calipher-SIM ist wieder für einige Überraschungen gut. Souverän meistert der Autor den Spagat zwischen spannender SF-Story und emotionalen Gegebenheiten. Die Kritiker aus jüngster Vergangenheit, die vom pubertierend auftretenden Atlan und seinem nerventötenden Extrasinn langsam, aber sicher genug hatten, können aufatmen.

Auch in diesem Band hat der charismatische Arkonide ein oder zwei Romanzen, doch beeinflussen sie die Story nicht negativ oder wirken gestellt. Die zwischenmenschlichen Situationen wirken erfrischend natürlich. Dieser Band liefert einen gelungenen Abschluss der Reihe.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

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Im Schatten der Dornrose

Erstellt von Werner Karl am 7. September 2010

Bernard Craw
Im Schatten der Dornrose
Das schwarze Auge 114

(sfbentry)
Fantasy Productions, Erkrath 11/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-136-2
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch & Björn Lensing
Leseempfehlung: Ab 16 Jahre!

www.fanpro.com
www.dasschwarzeauge.de/
www.bernardcraw.net/
http://arndtdrechsler.com/
www.lensing.de/

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Mit „Todesstille“ lieferte Bernard Craw seinen ersten „DSA“-Roman ab, in dem er von düsteren Geschehnissen im Bornland berichtete. In seinem zweiten Buch wendet er sich einem ganz anderen Thema zu. „Im Schatten der Dornrose“ ist in Aranien und Oron angesiedelt, zwei Ländern, in denen bereits sehr starke südländische Einflüsse zu finden sind und man sich mehr oder weniger in das Grenzgebiet zum Orient versetzt fühlt.

Das Beyrounat Gwerrat wird seit langer Zeit von einem mächtigen Dschinn beschützt, so dass es trotz der Wirren der letzten Jahre auch weiterhin seine Unabhängigkeit von Aranien und Oron bewahren konnte. Doch nun ist es an der Zeit, eine geeignete Braut für den Erbprinzen zu finden, damit die Blutlinie fortgesetzt werden kann und die jetzige Herrscherin eine starke Nachfolgerin bekommt. Aus diesem Grund zieht Prinz Rengun mit seinem Bruder Murasan aus, um sich eine potentielle Kandidatin genauer anzusehen. Er folgt dabei dem Ruf der charismatischen Brautwerberin Layla al´Azila, die ihre Kundin Ayrana ay Elabad in höchsten Tönen angepriesen hat. Aber schon auf der Reise durch Oron müssen die Brüder feststellen, dass sie vielleicht einen Fehler gemacht haben, denn sie begegnen immer wieder dem wahren Gesicht des von Dämonen beherrschten Landes. Nach und nach merken sie, dass sie sich dem unheimlichen Zauber des Landes nicht wirklich entziehen können und der anfängliche Ekel über die blutige Extase und Grausamkeit gegenüber Schwächeren, die allerorten zu finden ist, schwindet.

Und sie sind nicht die einzigen, denn auch ihre Begleiter und Reisegefährten merken, wie die Umgebung immer mehr Auswirkungen auf die dunklen Abgründe ihrer Seele hat und selbst starken Glauben langsam aber sicher wanken lässt. Über ein Land wie Oron zu schreiben, ist sehr schwierig, denn man muss sich entweder dafür entscheiden, die besonderen Auswüchse der Kultur nur grob zu streifen und damit oberflächlich und platt zu bleiben oder aber die ganzen Grausamkeiten und Ausschweifungen in Szene zu setzen, die passende Atmosphäre zum Leben zu erwecken und damit zu riskieren, dass das Buch sehr brutal und grausam wird.

Bernard Craw hat sich für Letzteres entschieden. So ist die Geschichte eher nebensächlich, der Weg eigentlich das Ziel. Er zeigt, wie die Reisenden nach und nach von Oron vereinnahmt werden und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. In fast jedem Kapitel sind Grausamkeiten, Folter und sexuelle Gewalt zu finden, als habe er sich bewusst mit der BDSM-Szene vertraut gemacht, wobei er dabei teilweise noch ein Stück weiter geht und krankhafte, sadistische und masochistische Praktiken bis zu ihrem konsequenten Ende durchführt. Es ist schon Geschmackssache, ob man davon fasziniert ist oder sich mit Grauen abwendet, aber es wird der Atmosphäre des Bandes gerecht. Allerdings leiden darunter ein wenig die Handlung und auch die Figuren, da diese nicht all zu sehr ausgearbeitet werden.

Insgesamt ist „Im Schatten der Dornrose“ ein Roman, der sich eher an ältere Leser richtet, die immer schon einmal wissen wollten, was man mit einem Land wie Oron alles anstellen kann. Gerade sehr große „DSA“-Fans werden fündig, da der Autor sich die Mühe gemacht hat, neben den Regionalbeschreibungen auch Details und Figuren aus Abenteuern einzuarbeiten. Aber man sollte sich immer bewusst sein, dass das Buch vor Grausamkeit nur so strotzt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Der Kreis der Sechs

Erstellt von Werner Karl am 10. August 2010

Michael Masberg
Drachenschatten 1: Der Kreis der Sechs
Das schwarze Auge 112

(sfbentry)
Fantasy Productions, Erkrath, 10/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-169-0
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Daniel Jödemann
Drachenchronik-Logo von Mia Steingräber

www.fanpro.com
www.michael-masberg.de/
http://arndtdrechsler.com/
www.daniel-joedemann.de/
www.mia-steingraeber.de/

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Ein Vorteil der „DSA“-Autoren, die bereits an Regionalbeschreibungen und Abenteuern mitgearbeitet haben, ist, dass sie bei ihren Romanen auf Wissen und Hilfen zurückgreifen können, die Außenstehenden versagt bleiben, was ihren Geschichten ein wenig mehr Gewicht verleiht. Das trifft auch auf Michael Masberg zu, der bereits seit 1993 auf der Welt des „Schwarzen Auges“unterwegs ist und daher einige Entwicklungen im Hintergrund kennt. Seine zweibändige Saga „Drachenschatten“ greift daher Themen aus der fernen Vergangenheit Aventuriens auf, die nun in der Jetztzeit wieder Bedeutung erlangen könnten. „Der Kreis der Sechs“ ist der erste Band der Duologie.

Kaum ist der Erbfolgekrieg nach dem Tod der Amenes beendet und wieder Frieden im Horasreich eingekehrt, erschüttert ein neues Ereignisse die Hesindekirche. Ausgerechnet der Umbiculus ist verschwunden, das heiligste Artefakt des Glaubens, das auch als Nabel der Welt bezeichnet wird. Vor den Gläubigen verborgen sucht der Draconiter Borson Erantes nach dem kostbaren Gegenstand und muss feststellen, dass dieser mehr als nur der Nabel der hesindianischen Lehre zu sein scheint. Seine Geschichte führt weit in die mythische Vergangenheit Aventuriens, als noch ganz andere Völker das Land beherrschten und die Menschen nicht mehr als Diener und Sklaven waren. Etwa zur gleichen Zeit werden ein gewisser Magister Valberto und seine Haushälterin ermordet.

Der angesehene Gelehrte und Magier hat in Avesa Farfara eine begabte Schülerin, die, gerade weil sie aus sehr einfachen Verhältnissen stammt, sehr ehrgeizig und fleißig ist. Sie sieht es nun als ihre Aufgabe an, den Mörder zu suchen und ihn der Gerechtigkeit zuzuführen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Geliebten, dem Stadtgardisten Horadan, und einem Freund aus ihrer Jugend – dem langfingrigen Dartan. Nach und nach kommen sie dem Geheimnis auf die Spur, auch wenn man ihnen immer wieder Steine in den Weg legt. Und schon bald sind sie wie Borson in ein grausames und tödliches Spiel verwickelt, das gut zwanzig Jahre zuvor von einem Bund mächtiger Magier, dem „Kreis der Sechs“, in die Wege geleitet wurde.

„Drachenschatten“ ist ein Zyklus, der sich in erster Linie an die Leser richtet, die sich schon seit Jahren selbst auf Aventurien bewegen und Interesse an den verborgenen Geheimnissen der Welt haben. Der Autor setzt sehr viel Wissen über die Geschichte der Welt und ihrer Mythen voraus; auch der Kult der Hesindekirche und einige magische Theorien sollten dem Leser bekannt sein, wie auch die eine oder andere historische Figur. Nur wenn diese Kenntnisse vorhanden sind, kann man sich ohne Abstriche in das interessant miteinander verwobene Abenteuer auf zwei Handlungsebenen (in Gegenwart und Vergangenheit) ziehen lassen. Wie nicht anders zu erwarten war, endet der Roman natürlich an der spannendsten Stelle. Die Figuren selbst bleiben ein wenig oberflächlich, auch wenn der Autor ihnen einige Charaktereigenschaften und Hintergrund zu geben versucht. Beides ordnet sich allerdings ziemlich der Abenteuerhandlung unter.

Alles in allem ist „Der Kreis der Sechs kein Roman für Einsteiger in die Welt von „DSA“, eher für die altgedienten Experten, die viele kleine Hinweise und Andeutungen aus den Zeilen heraus lesen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Cugel in der Unterwelt

Erstellt von Johannes Heck am 2. August 2010

Michael Shea
Cugel in der Unterwelt

(sfbentry)
FanPro
Titel der Originalausgabe: A Quest for Simbilis
Copyright der deutschen Ausgabe 2008 by FanPro
Übersetzung: Lore Strassl
Titelbild: Martina Pilcerova
Umfang 178 Seiten
ISBN 978-3-89064-470-7

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Mit Cugel dem Schlauen schuf Altmeister Jack Vance eine Figur, die zum Idol aller gerissenen Streuner und Abenteurer wurde. In der Welt der Sterbenden Sonne benötigt ein Mann Mut und Gerissenheit um zwischen den zahllosen Gefahren und Widrigkeiten bestehen zu können. Die originalen Geschichten um den gewitzten Abenteurer aus der Feder von Jack Vance wurden unter dem Title Cugels Irrfahrten bei FanPro veröffentlicht. Angetan von den Geschichten unter der Sterbenden Sonne bat Michael Shea, zu dieser Zeit noch ohne eigene Veröffentlichungen, darum, seine eigene Geschichte um Cugel den Schlauen schreiben zu dürfen. So entstand Cugel in der Unterwelt, die zeitlich zwischen den beiden Teilen von Vances Episodenroman angesiedelt ist.

Tatsächlich gelingt es Shea so gut, den den Stil des großen Vorbildes zu imitieren und die Romanwelt mit Leben zu füllen, dass man sich sofort heimisch fühlt. Wie immer geht es kurios zu und wie immer sucht Cugel allein seinen Vorteil, nimmt jedoch auch Begleitung in Kauf, wo es ihm nützt. Seine Gerissenheit ist jedoch nach wie vor legendär. Natürlich kommt es Shea zugute, dass Vances Geschichten selbst so zersplittert sind. Mit dem fernen Ziel im Hintergrund bereist Cugel die erstaunlichsten Gegenden in einer überaus gefährlichen Welt. Eine etwas andere Richtung nimmt die Geschichte hier, da der Streuner sich einem Mann anschließt der seinerseits auf einer Queste ist, um seinen Gönner den großen Erzmagier Simbilis zu finden und als dessen treuer Gefolgsmann Rechenschaft für erlittenes Unrecht zu verlangen.

Seine Spritzigkeit gewinnt der Roman nicht nur aus den immer neuen Schauplätzen und Gestalten. Auch die Marotten der Protagonisten, die teilweise irrwitzigen Ideen, nach denen die Bewohner der Dying Earth ihr Leben ausrichten sorgen für allerlei Kurzweil. Das Setting hebt sich dabei von vielen anderen Werken der Fantasy ab, weil hier viele Dinge an der Tagesordnung sind, die anderswo als phantasievolle Märchen gelten würden, mit denen man nur die leichtgläubigsten Naturen hinters licht führen könnte. Darüber hinaus sind die Bewohner der sterbenden Welt oft hartherzig und hedonistisch, als befürchteten sie, das Licht der Sonne könne jeden Moment erlöschen. Genau genommen erwarten viele von Ihnen das sogar tatsächlich. Klassische Helden der Fantasy sehen wahrlich anders aus. Besonderen Witz entfaltet dabei die Beziehung zwischen Cugel und seinem Begleiter Mumber Sull, dem ehrenwerten Than von Icthyll, Vasall des Erzmagiers Simbillis. Der zu jeder Schandtat bereite und zu allem entschlossene Cugel auf der einen und der unerschütterliche, obrigkeitsgläubige Gutmensch Mumber Sull auf der anderen Seite, sorgen immer wieder für erheiternde Szenen.

Fazit

Auch wenn Cugels Reise in die Unterwelt nicht aus der Feder von Vance stammt, so wir er hier durch Michael Shea doch würdig vertreten. Die Geschichten um Cugel den Schlauen sind auch hier keine große Literatur, doch mit gut 150 Seiten stellt der Band ein kurzweiliges Vergnügen für zwischendurch dar. Wer die Hintergründe für Cugels Reise ignoriert, ohnehin nur der Metaplot für die eigentliche Geschichte, der kann diesen Band auch genießen, ohne die Geschichten von Vance zu kennen. Vermutlich wird er sie aber spätestens danach lesen wollen. Etwas irritierend wird es nur, wenn man die beiden Bände aus dem Hause FanPro dann gemeinsam ins Regal stellen will. Der erste Band der Dying Earth Geschichten ist nämlich im Format bedeutend größer ausgefallen.

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Die Paktiererin

Erstellt von Werner Karl am 30. Juni 2010

die-paktiererinDietmar Preuß
Die Paktiererin
Das schwarze Auge 113

Fantasy Productions, Erkrath, 11/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-158-4
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
www.dietmarpreuss.de/
http://arndtdrechsler.com/

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Gerade die kleinen Geschichten, fernab der Orte, an denen die Geschichte Aventuriens, der Welt des „Schwarzen Auges“, fortgeschrieben wird, entwickeln oft eine eigene Dynamik. Vor allem erlauben sie den Autoren mehr Freiheiten, den Hintergrund mit den vorgegebenen Elementen nach ihrem Gutdünken zu gestalten. Zu dieser Art von Romanen gehören auch die von Dietmar Preuß, der nun zum dritten Mal zu seinen Helden Beolf und Sidra zurückkehrt. Beide müssen diesmal ihren Wehrhof Hohenhag verlassen und dem Ruf ihres Lehnsherrn folgen. Ganz offensichtlich braucht er ihre Hilfe wegen einer Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet. Vor allem Sidra hat ein mulmiges Gefühl, und das wird besonders stark, als die beiden kurz vor der Burg an einem Galgen einen aufgehängten Wolf entdecken. Sie ahnen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und vermutlich sogar übernatürliche Mächte ihre Hände im Spiel haben.

Und richtig: Freiherr Nymmir von Waldsteyn verhält sich sehr dubios. Normal ist ja noch, dass er die als ausgezeichnete Heilerin bekannte Sidra bittet, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen, aber es wird seltsam, als er Beolf mit zwölf Kriegern ausschickt, um die nahegelegene Baronie Aare zu erobern, die zwar zum Mittelreich und dem Herzogtum Weiden gehört, aber nur über sein Land betreten werden kann. Dort soll schon seit einigen Jahren eine wahnsinnige Hexe hausen, die das Land verflucht und möglicherweise einen Bund mit einem Dämon eingegangen ist.

Während sich der Wersasse auf den Weg macht, um seine Aufgabe zu erfüllen, muss sich Sidra nicht nur mit Symptomen herumschlagen, die sie so noch nicht gesehen hat, sondern auch mit einem lüsternen Praiosgeweihten, der sich zwar wie ein Inquisitor aufspielt, aber weit davon entfernt ist, im Namen seines Herrn zu handeln. Glücklicherweise erhält sie bald Hilfe und Rat von einer anderen Hexe, erfährt aber auch, dass alles schlimmer ist, als es auf den ersten Blick ausgesehen hat. Schön ist, dass Dietmar Preuß seine Romane um Beolf und Sidra so hält, dass sie unabhängig voneinander zu lesen sind. Man begegnet zwar immer wieder einigen Figuren aus „Hohenhag“ oder aus „Die rote Bache“, aber sie haben nicht mehr als Cameo-Auftritte und beweisen, dass der Autor sie nicht vergessen hat. Ansonsten spinnt er eine solide, wenn auch nicht herausragende Abenteuergeschichte, die diesmal zwar sehr spannend anfängt, leider jedoch immer mehr nachlässt, je mehr sie sich dem Ende nähert.

Das liegt einerseits an der blassen Feindin, die zwar einen interessanten Ansatz hat – eine junge ehrgeizige Hexe, die sich aus Angst dem Bösen ergibt -, er diese Dramatik aber nicht sonderlich ausschöpft, da seine Protagonistin sich viel zu schnell mit allem abfindet und am Ende immer nur noch mehr von Hass zerfressen wird. Andererseits ist die Auflösung dann doch enttäuschend einfach. Allein die Hauptfiguren bleiben überzeugend und das, was sie schon immer waren: bodenständige Charaktere, die sehr pragmatisch handeln und ihre Kräfte und Fähigkeiten klug genug einzusetzen wissen, ohne sich zu übernehmen. Alles in allem lässt sich „Die Paktiererin“ zwar gut lesen, aber am Ende bleibt man gerade als erfahrener Leser ein wenig enttäuscht zurück, da der Autor aus einigen Elementen der Geschichte – wie der tragischen Story der Gegenspielerin – doch ein wenig mehr hätte machen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Tor der Tausend Sonnen

Erstellt von Werner Karl am 5. Juni 2010

tor-der-tausend-sonnenHanns Kneifel
Tor der Tausend Sonnen

(sfbentry)
Fantasy Productions, Erkrath, 4/2008
TB, SF
ISBN 978-3-89064-602-2
Titelillustration von Arndt Drechsler

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www.perrypedia.proc.org/Hans_Kneifel
www.perrypedia.proc.org/Arndt_Drechsler

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Der Name Hanns Kneifel dürfte vielen SF-Fans nicht unbekannt sein. Gerade „Perry Rhodan“-Leser dürften ihn als Verfasser vieler Heftromane und Taschenbücher aus diesem Universum kennen, und wie kein anderer prägte er die Figur Atlan. Besonders in den so genannten Zeitabenteuern, die den Weg des unsterblichen Arkoniden durch die Geschichte schilderten, konnte er sein historisches Wissen unterbringen, das er später in vielen historischen Romanen noch breit gefächerter präsentierte. Nun aber ist er mit „Tor der tausend Sonnen“ zu seinen Wurzeln – abenteuerlicher SF vor opulenter Kulisse – zurückgekehrt.

In ferner Zukunft haben Konzerne die Erschließung des Weltraums übernommen. Durch ihr Profit orientiertes Denken arbeiten sie viel effizienter als staatliche Behörden, auch wenn dabei manches wie Toleranz und Zurückhaltung auf der Strecke bleibt. Deshalb ist es gut, dass man bisher noch nicht auf Rassen gestoßen ist, deren Technologie gleich hoch oder noch wesentlich weiter entwickelt ist. Das könnte sich jederzeit ändern, und unter Umständen dann, wenn man es am allerwenigsten erwartet. Zu den erfolgreichsten, wenn auch etwas eigenwilligen Raumschiffkommandanten, die im Auftrag von ‚Euklidischer Raum’ unterwegs ist, gehört Sharda Morghaden. Allerdings ist er zusammen mit Schiff und Crew seit mehr als einem Jahr verschollen, vermutlich sogar auf einem der rückständigen Planeten gestrandet, die er genauer erkunden sollte. Da man ihn allerdings dringend braucht, macht man sich auf die Suche nach ihm.

Derweil hat Morghaden ganz andere Probleme. Hawkcarn, Freund und Partner, macht eine plötzliche Veränderung durch, wendet sich gegen seinen Vorgesetzten und die Crew, ehe er verschwindet. Offensichtlich ist er einem Geheimnis auf der Spur, das nicht nur den Planeten sondern das Universum erschüttern könnte. Sharda Morghaden hat keine andere Wahl, wenn er Mord und Todschlag verhindern will. Er muss Hawkcarn, der eine Spur von Tod und Verwüstung bei den Eingeborenen hinterlässt, verfolgen und stellen. Dabei macht er selbst eine mehr als überraschende Entdeckung, die ihn noch vor große Herausforderungen stellen wird.

„Tor der Tausend Sonnen“ liest sich, so wie jeder Roman von Hanns Kneifel, zunächst sehr flüssig an, und man genießt die glänzend in Szene gesetzte Handlung und den exotischen Hintergrund. Aber schon bald merkt man, dass man das meiste davon eigentlich schon irgendwie kennt. Sharda Morghaden ist wie der klassische Abenteuer-Action-Held aus den sechziger Jahren, smart und charmant zu Frauen, seinen Freunden treu und unerbittlich wenn es um Verrat geht. Er steht im Kampf und in der Liebe seinen Mann und wächst in Zeiten voller Schwierigkeiten über sich hinaus, auch wenn er eigentlich ein angenehmes und eher friedliches Leben voller angenehmer Seiten vorzieht. Und auch sonst werden gängige Klischees verwendet, wie man sie aus alten SF-Abenteuerromanen kennt. Hanns Kneifel macht sich auch keine Mühe, das zu verschleiern.

Dementsprechend schlicht und einfach ist auch die Handlung. Figuren und Motive bleiben oberflächlich, die Besonderheiten des Hintergrunds nutzen sich recht schnell ab. Deshalb sollte man „Tor der Tausend Sonnen“ nur dann wirklich lesen, wenn man Spaß an den bunten, aber wenig tief schürfenden Zukunftsabenteuern hat, die vor dreißig und mehr Jahren so beliebt waren.

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Der erste Kaiser

Erstellt von Werner Karl am 13. Mai 2010

der-erste-kaiserDaniel Jödemann
Die zwei Kaiser 2: Der erste Kaiser
Das schwarze Auge 110

Fantasy Productions, Erkrath 08/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-247-5
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Daniel Jödemann

www.fanpro.com
www.daniel-joedemann.de
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Die Vergangenheit Aventuriens ist zwar bereits geschrieben, und man kennt oft genug den Ausgang dramatischer Geschehnisse, aber sie ist deswegen nicht unbedingt uninteressant. Denn oft stecken hinter den nüchternen Zahlen und Daten – wie in der irdischen Geschichte – dramatische Erzählungen über Menschen, die schwere Entscheidungen treffen müssen und damit zu Helden und Heiligen werden. Daniel Jödemann hat in seinem Zweiteiler ein solches Ereignis aufgegriffen – die Zeit von ‚Bosparans Fall’, die nicht nur ein Weltreich, sondern auch eine Weltordnung erschütterte. Auf dem Zenith seiner Macht beherrscht das Bosparanische Reich fast ganz Aventurien, und die Kaiser, die sich auf eine göttliche Blutlinie berufen, halten das Zepter fest in der Hand. Doch wie so oft ist der Staatapparat bereits unübersichtlich geworden, Machtgier und Korruption einzelner höhlen das Reich aus.

Doch noch ist nach außen hin nicht viel davon zu merken, denn die junge Kaiserin Hela Horas achtet sehr genau darauf, dass ihr Wort Gesetz ist und niemand offen gegen sie die Stimme erhebt. Wer es dennoch wagt, wird auf die eine oder andere Weise mundtot gemacht, so wie diejenigen, die sie davor gewarnt haben, sich selbst zur Göttin zu erheben und nicht nur die weltliche, sondern auch die geistliche Oberhoheit auszuüben. Wegen der Gnadenlosigkeit ihrer Herrschaft bildet sich immer mehr Widerstand, vor allem im nördlicher gelegenen Gareth, das bereits einmal von den Legionen der Horas im Stich gelassen wurde, als Orks es belagerten. Damals gewann der tulamidische Abenteurer Raul al’Ahjan die Achtung der Oberen und Bewohner der Stadt, da er Leib und Leben riskierte, um die Hilflosen zu beschützen.

Und er ist es auch jetzt, an den sich die Unzufriedenen wenden, um ihn zu bitten, den Aufstand gegen die Kaiserin zu führen. Man will sie zwingen, von ihrem Tun abzulassen und wieder vernünftig zu werden. Niemand ahnt, dass es dafür vielleicht schon zu spät sein könnte, denn im Geheimen lässt Hela nach Artefakten suchen, mit denen sie wie einst ihr Ahn Fran Horas die Erzdämonen herauf beschwören will, um mit deren Magie das Volk zu knechten. Sie kennt das Ritual und beschließt, die Fehler zu vermeiden, die ihr Vorfahr einst machte. Der Herr ihrer Legionen, Salim, ist Erfüllungsgehilfe, aber auch in ihm regt sich langsam Widerwillen und Abscheu gegen die Taten seiner Kaiserin. Wie deren Erbin und Nachfolgerin Vallusa, die längst in Raul verliebt ist, beginnt er, in seiner Treue zu schwanken und kann vor dem Unrecht nicht länger die Augen verschießen. Und so ist es an der Zeit für einen Umbruch – mit schwerwiegenden Folgen für das Leben vieler.

Auch „Der erste Kaiser“ bietet wie „Die letzte Kaiserin“ eine interessante Mischung aus Geschichtsstunde und Abenteuer. Er erweckt Kulturen zum Leben, die bereits lange untergegangen sind, und gibt den Menschen und Orten, die bisher nur einfache Daten gewesen sind, ein Gesicht. Dabei gelingt es dem Autor, den schmalen Grad zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung ausgeglichen zu beschreiten. Die Figuren aus Legenden und Chroniken erhalten Aussehen und Stimme; der schleichend wachsende Wahnsinn der Hela-Horas wird interessant beschrieben, während ihr Gegenspieler weiterhin sehr sympathisch geschildert wird, weil ihm die Achtung der anderen nicht zu Kopf steigt, sondern er der bescheidene Abenteurer bleibt, der er im ersten Band war – der edle und ehrenhafte Krieger, der sich nicht von der Macht und dem Einfluss korrumpieren und verderben lässt. Gerade weil sich der Autor Zeit nimmt, die einzelnen Handlungsebenen und –fäden zusammen zu führen, kommt es im Mittelteil des Buches gelegentlich zu Längen. Auch das Ende ist eher ruhig als melodramatisch, passt aber zur gesamten Stimmung des Romans.

Alles in allem ist auch dieser Band durchdacht und gut durchmischt, denn immer wieder lockern spannende Ereignisse die Beschreibungen der doch etwas anderen Umwelt auf. Auch die Darstellung der Kulturen wird weiterhin konsequent durchgezogen. So schließt „Der erste Kaiser“ die Duologie „Die zwei Kaiser“ gelungen ab und ist wie sein Vorgänger „Die letzte Kaiserin“ einer der Romane der „DSA“-Reihe, den man ohne Vorbehalte lesen kann.

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Sturm: Die Hjaldinger-Saga 2

Erstellt von Werner Karl am 9. Mai 2010

sturm-hjaldinger-saga-iiDaniela Knor
Sturm. Die Hjaldinger-Saga 2
Das schwarze Auge Band 109

Fantasy Productions, Erkrath, 07/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-245-1
Titelbild von Arndt Drechsler
Karten von Thorsten Bieder

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www.daniela-knor.de
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Anders als viele andere Autoren der „DSA“-Reihe hat sich Daniela Knor einer Vergangenheit angenommen, die Jahrtausende zurück liegt und dem heutigen Aventurier nur mehr aus heroisch verbrämten Legenden, Sagen und Balladen bekannt ist. Die Thorwaler stammen nämlich von einer eigenen ethnischen Gruppe ab, die nicht viel mit den Ureinwohnern und anderen Siedlern zu tun hat – einer Gruppe von Flüchtlingen, die vor langer Zeit ihre angestammte Heimat Hjaldingard auf dem Westkontinent Myranor, auch ‚Güldenland’ genannt, verlassen hat.

Die Autorin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wahre Geschichte der Flucht zu erzählen. „Die Hjaldinger-Saga“ begann in „Glut“, in der das friedliche Leben der Bewohner ihrer rauen Heimat erstmals gestört wurde, denn das mächtigste Reich des Kontinents schickt sich an, auch sie unter ihre Herrschaft zu bekommen. Im zweiten Band „Sturm“ spitzen sich die Ereignisse zu. Obwohl Jurga und andere Anführer ihres Volkes die Grenzen des Landes verteidigt haben und die erste Welle der Invasionsarmee besiegen konnten, rückt das Imperium dennoch immer weiter auf ihre Heimat zu und wirft neue Truppen ins Feld. Die Freiheitskämpfer sind zahlenmäßig stark unterlegen und wissen eines: Ihre Feinde werden leichtes Spiel haben, wenn die stolzen Sippen und Stämme weiterhin uneins und zerstritten bleiben.

Deshalb setzen Jurga und ihre Freunde alles daran, ihre Brüder und Schwestern aufzurütteln und ihnen deutlich zu machen, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie sich zusammen raufen und zueinander stehen. Doch so einfach, wie sie sich das vorgestellt haben ist ihr Unterfangen leider nicht, denn immer wieder fallen ihnen vermeintliche Verbündete in den Rücken oder Absprachen werden nicht eingehalten. Derweil rückt der Feind zu Wasser und zu Lande vor, zeigt den Hjaldingern mit Schwert und Magie, dass sie keine Gnade kennen und walten lassen werden …

Mittelbände einer Trilogie haben eine undankbare Aufgabe, und das zeigt sich auch bei „Sturm“. Im ersten Band wurde nicht nur das Kriegszenario geschaffen, die Autorin hat auch die wichtigsten Charaktere eingeführt. Nun spinnt sie die einzelnen Handlungsebenen und Schicksale weiter, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Der Roman ist zwar spannend, da sie sehr viel Action einbringt und von einem Kriegsschauplatz zum anderen springt, Kämpfe und Schlachten beschreibt, aber dennoch ist man nach der Lektüre unzufrieden. Sie nimmt sich für keine der Figuren wirklich Zeit, selbst Helden wie Jurga bleiben mehr als blass und reagieren nur auf das, was ihnen entgegen schlägt, anstatt konkret zu handeln. Nichts kommt zu einem Ergebnis, die Lage scheint sich nur immer mehr zu verschärfen und hoffnungsloser zu werden. Zurück bleibt das Gefühl, nichts Halbes und nichts Ganzes gelesen zu haben, denn auch die Geschehnisse wirken nur aneinandergereiht und greifen nicht schlüssig ineinander.

Alles in allem ist „Sturm“ einer der enttäuschenden Roman der Autorin und der Reihe, der vielleicht wirklich erst einen Sinn ergibt, wenn man den dritten Band mit dem Titel „Eis“ in Händen halten wird.

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Todesstille

Erstellt von Werner Karl am 11. April 2010

todesstilleBernard Craw
Todesstille
Das schwarze Auge 106

Fantasy Productions, Erkrath 03/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-246-8
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
www.bernardcraw.net/
http://arndtdrechsler.com/

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Bernard Craw greift in seinem Roman eine Region auf, die zwar in der Vergangenheit Aventuriens öfters im Fokus der Geschehnisse stand, zu die Autoren aber sehr selten kleine Abenteuer vor der einzigartigen Kultur verfassten. Das Bornland mag zwar in der einen oder anderen Sache fortschrittlicher wirken als das Mittelreich, ist die Gesellschaft betreffend aber sehr altertümlich und traditionell. Die Schichten sind sehr klar getrennt, und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nur wenige, vor allem wenn man ein Leibeigener ist. Diese gehören den adligen Landbesitzern, den Bronnjaren, mit Haut und Haaren und können wie Sklaven veräußert werden. Und da das Land nicht besonders stark besiedelt ist, endet die Zivilisation schon sehr oft am Rande der Dörfer. Das ist auch und im Besonderen in den Rotaugensümpfen so. Diese Region im Herzen des Bornlandes gilt als besonders verdorben und gefährlich, denn dort verbergen sich nicht nur Goblins, sondern lauern auch viele düstere Gefahren aus der Vergangenheit.

Eine Gruppe von Boronis leistet den Totendienst an einem der sterbenden Grafen, der ihnen als Dank seinen Landbesitz vermacht hat. Doch dessen Erbe weiß das Testament geschickt zu deuten und die Diener des Totengottes mitsamt seinem Bruder Wulfjew in eine Gegend abzuschieben, die er ohnehin nicht in dem Maße nutzen kann, da sie zum großen Teil aus Sumpf besteht und düstere Geschichten um die verfallende Burg Dornblut aus der Zeit der Theaterritter umgehen. Mehr oder weniger zähneknirschend nehmen der schweigsame Raawen, die träumende Bishdariel-Dienerin Marboria, ihre noch zu sehr dem Leben verbundene Schülerin Imalia und der nach einem ehrenhaften Tod suchende Golgarit Härmhardt die Gabe an und reisen zusammen mit Wulfjew, der zu einem Novizen wird, und den Leibeigenen Lonnet und Svetjana in die abgelegene Region.

Dort merken sie sehr schnell, dass die Einwohner des Dorfes Einiges zu verbergen haben und es genug Geheimnisse um die Burg und ihre letzten Bewohner gibt, die gelöst werden müssen. Als dann auch noch eine Norbardensippe, eine Goblinschamanin und ihr Stamm aktiv werden, überstürzen sich die Ereignisse, und rachsüchtige Geister erwachen aus ihrem langen Schlaf, während sich Schicksale erfüllen. Nur eines ist am Ende sicher: Boron erwartet jeden von ihnen. „Todesstille“ ist von einer morbiden und durchweg unheimlichen Gruselstimmung erfüllt, die der Autor gekonnt in Szene setzt. Sehr schnell wird klar, dass nicht die Auflösung der Geheimnisse sein Ziel ist, sondern der Weg dahin. Im Mittelpunkt stehen nämlich die Figuren. Nicht nur die Diener Borons müssen sich Prüfungen ihres Glaubens stellen, auch andere werden von den Fehlern und Schatten der Vergangenheit eingeholt.

Das alles wird sehr mystisch und philosophisch in Szene gesetzt – was allerdings auch auf Kosten der Spannung geht. Die Handlung ist erstaunlich schwerfällig, wenn auch atmosphärisch; die Auflösung beantwortet nicht alle Fragen, die man als Leser hat. Und so richtig wird auch nicht klar, was die früheren Bewohner der Burg eigentlich getrieben haben, so dass sie zu ruhelosen Geistern wurden, die nicht loslassen können.

Alles in allem vermag der Autor zwar durch die intensive Stimmung zu begeistern, kann aber nicht immer fesseln, da gerade der Mittelteil der Geschichte sehr zäh ist und kaum vorankommt. In Folge dürfte „Todesstille“ denen gefallen, die Charakter zentrierte Romane mögen und gerne mehr über die mystische Seite des Boron-Glaubens erfahren wollen, denn das sind die wahren Stärken dieses Buches.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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