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neuauflage

Das Eulenhaus

Erstellt von Michael Drewniok am 25. April 2012

Agatha Christie
Das Eulenhaus

(sfbentry)
Originaltitel: The Hollow (London : Collins 1946)
Deutschsprachige Erstausgabe: 1947 (Scherz Verlag/Die schwarzen Kriminalromane 1)
Übersetzung: N. N.
288 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe: 1967 (Ullstein Verlag/Ullstein Kriminalroman 1122)
Übersetzung: N. N.
188 S.
[keine ISBN]
Neu überarbeitete Fassung: 1973 (Scherz Verlag/Scherz-classic-Krimi 425)
Übersetzung: N. N.
175 S.
ISBN-10: 3-502-50425-3
Neue, ungekürzte Ausgabe: 1985 (Scherz Verlag/Scherz-Krimi-Klassiker 1032)
Übersetzung: Ursula Gail
232 S.
ISBN-10: 3-502-51032-6
Neuausgabe: 2004 (Fischer Taschenbuchverlag/TB Nr. 16762)
Übersetzung: Pieke Biermann
222 S.
ISBN-13: 978-3-596-16762-3
Limitierte Sonderausgabe (geb.): 2011 (Fischer Verlag)
Übersetzung: Pieke Biermann
412 S.
ISBN-13: 978-3-596-51171-6

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Das geschieht:

Lady Lucy und Sir Henry Angkatell laden zu einem geselligen Wochenende in das „Eulenhaus“, ihren Landsitz, ein. Die Gäste kommen nicht alle gern, denn vor allem die Lady ist nett aber unberechenbar. Entfernte aber arme und auf eine Erwähnung im Testament erpichte Verwandte wie Edward oder David Angkatell müssen erscheinen. Dr. John Christow, ein aufstrebender Arzt, freut sich sogar, denn seine Geliebte, die Bildhauerin Henrietta Savernake, wird ebenfalls anwesend sein. Dass ihn Gattin Gerda begleitet, ficht Christow nicht an, denn diese gilt allgemein als Hohlkopf.

Ebenfalls in Henrietta verliebt ist Edward, der jedoch nie erhört wurde. Dass ihn die etwas rustikale Midge Hardcastle, eine gute Freundin Lady Lucys, schon lange begehrt, hat Edward dagegen nie bemerkt. Zu allem Überfluss macht ausgerechnet an diesem Wochenende eine neue Nachbarin den Angkatells ihre Aufwartung: Veronica Cray, die gefeierte Schauspielerin – und John Christows ehemalige Verlobte, die neuerlich Ansprüche auf ihn anmeldet.

Die Wochenend-Gesellschaft wird zum emotionalen Pulverfass. Just bei Ankunft des letzten Gastes trifft Christow im Garten des Eulenhauses eine Kugel in die Brust: Meisterdetektiv Hercule Poirot kann nur noch seinen Tod feststellen und der völlig verwirrten Gerda Christow einen Revolver abnehmen. Offenbar war sie längst nicht so ahnungslos wie ihr Gatte dachte. Dies vermutet jedenfalls Inspektor Grange, der den Fall übernimmt. Für ihn, der simple Fälle schätzt, steht Gerdas Schuld fest, obwohl sie behauptet, die Waffe neben dem sterbenden John gefunden und nur aufgehoben zu haben. Poirot ist skeptisch. Er blickt tiefer und erkennt die komplexen Verbindungen zwischen den Gästen. Dass diese noch weiter reichen als erwartet, setzt den Detektiv unter Zeitdruck, denn der Mörder/die Mörderin will noch nicht ruhen …

Ein Wochenende in der Hölle

Man nehme: einige Männer und Frauen, deren Lebenswege nicht unbedingt friedlich miteinander verknüpft sind. Normalerweise trennt sie die sichere Entfernung; sie können sich aus dem Weg gehen und einander betrügen, umwerben oder enttäuschen. Ein böswilliges Schicksal – hier in Gestalt von Agatha Christie – sperrt sie nun in ein abgeschiedenes Landhaus. Flucht ist unmöglich, weshalb sich die Gemüter erwartungsgemäß erhitzen. Ein Sicherheitsventil hat die Autorin nicht vorgesehen, sodass sich die nur mühsam unterdrückten Spannungen irgendwann buchstäblich gewaltsam entladen.

Auf der Strecke bleibt ein von den Frauen allzu begehrter und von seinen erfolglosen Nebenbuhlern gehasster Mann. Sein Tod bietet zunächst den Einstieg in ein klassisches Krimi-Rätsel: Wer hat Dr. Christow erschossen? In einer umfangreichen Einleitung und noch ohne Anwesenheit eines hier störenden Hercule Poirot hat Christie deutlich gemacht, welche Bewohner als auch die Gäste des Eulenhauses Mordmotive hegen könnten.

Als der Detektiv die Szene endlich betritt, geschieht dies mit einem effektvollen Paukenschlag: Die Leiche liegt ihm bei seiner Ankunft zu Füßen – ein Klischee, das sogar Poirot zunächst vermuten lässt, man wolle ihn mit einem inszenierten Mord-Schauspiel standesgemäß begrüßen.

Motive und Masken

Dem ist faktisch tatsächlich so, obwohl sich der sich anschließende Kriminalfall als wesentlich härtere, weil in der komplexen Realität wurzelnde Nuss erweist. Noch weniger als sonst bringt die nackte Indiziensuche Poirot weiter. Er muss seine psychologischen Kenntnisse in den Fall einbringen, die sich glücklicherweise mit den Jahren entwickelt haben. Der frühe Poirot konnte sich allein auf die Fakten stützen. Der jeweilige Fall glich einem Uhrwerk, das der Detektiv wie ein Mechaniker auf Spuren und Fehler = Lügen überprüfte.

Doch 1946 hat sich die Welt weitergedreht, und ihre Bewohner sind längst keine Schachfiguren mehr. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Das Unterbewusstsein beeinflusst sein Denken und Handeln in einem Maße, das über die reißbretthafte Planung eines Mordes weit hinausgeht. Der Tod von John Christow ist auch deshalb so schwer zu lösen, weil unterdrückte Gefühle mitverantwortlich sind und sich die Grenze zwischen ‚gut‘ und ‚böse‘ verwischen.

Quasi jede/r im Eulenhaus hat etwas zu verbergen. Mit dem Tod von John Christow hat es oft gar nichts zu tun. Genrekonform gibt es zwar nur einen Mörder oder eine Mörderin. Poirots Problem ist, dass er die von ihm befragten Männer und Frauen zur Offenheit zwingen muss. Erst anschließend vermag er zu entscheiden, ob sich eines dieser ‚Geständnisse‘ in die Rekonstruktion des Tathergangs einpassen lässt.

Der Detektiv wird Mensch

Nur der Hercule Poirot, den Agatha Christie in „Das Eulenhaus“ charakterisiert, ist dieser Aufgabe gewachsen. Aus dem komischen Mann mit dem Eierkopf, dem penibel getrimmten Schnurbart und der absoluten Ordnungsliebe ist ein Detektiv geworden, der die ‚menschliche‘ Seite seines Metiers beherrscht, weil er den Status der reinen „Denkmaschine“ hinter sich gelassen hat. Vier Jahre sind seit seinem letzten Fall („Five Little Pigs“, 1942; dt. „Das unvollendete Bildnis“) verstrichen, in denen Christie sichtlich über ihre Figur nachgedacht hatte.

Dieser Poirot hüllt sich zwar genreüblich in Schweigen, was den Fortschritt seiner Untersuchung des Mordfalls Christow betrifft. Doch er lässt sich durchaus in die Karten sehen. Poirot reflektiert sein Handeln, und Christie ermöglicht es uns, an seinen Gedankengängen teilzuhaben. Auf diese Weise gewinnt Poirot an Persönlichkeit, denn Christie verengt sein Denken nicht auf den Detektiv, sondern gibt auch dem Privatmann Raum.

In „Das Eulenhaus“ präsentiert die Autorin einen Fall, der nur von einem Ermittler zu lösen ist, der mit Emotionen ‚arbeiten‘, d. h. sie interpretieren, lenken und manipulieren sowie – anders als Inspektor Grange – einen von den Indizien scheinbar vorgegebenen Tathergang gegen den Strich bürsten kann. Die daraus resultierende Spannung ist weit entfernt von der Seifenschaum-Schlägerei moderner ‚literarischer‘ Kriminalromane, die Ziegelsteindicke vor allem erreichen, weil sie sich endlos im Kreis drehen. Christie hält die Fäden fest in der Hand und macht deutlich, dass „Gefühl“ und „Gefühlsduseligkeit“ keineswegs Synonyme sein müssen, wenn die Emotion Teil des Geschehens bleibt, statt es zu dominieren oder gar zu ersetzen.

Agatha Christie wusste, wie hier zu gewichten war. Kein Wunder, dass ihre Geschichten, die doch ‚nur‘ Krimis waren, so zeitlos sind. Nachdem dies endlich auch in Deutschland als seltene Tugend erkannt war – Jahrzehnte hatte es gedauert –, wurden Christies Romane endlich neu und vor allem ungekürzt übersetzt. So kommen auch die Leser des „Eulenhauses“ in den Genuss der ‚vollständigen‘ Geschichte; sie wissen es zu schätzen.

Cover der deutschsprachigen Erstausgabe von 1947

Exkurs: Poirot muss weichen

„The Hollow“ gehört zu jenen Christie-Werken, die von der Autorin selbst in ein Theaterstück umgewandelt wurden. Sie hatte das entsprechende Potenzial in diesem Roman erkannt, den sie in ihrer Autobiografie kritisierte, weil sie ihm Hercule Poirot quasi aufgezwungen hatte. Sie fand ihn bei nüchterner Betrachtung zu prominent für das „Eulenhaus“-Drama. So entfernte Christie Poirot aus dem Figurenpersonal, als sie den Roman 1949/50 für die Bühne adaptierte – es funktionierte wie erhofft und konturierte die übrigen Figuren deutlich stärker.

Als „The Hollow“ am 10. Februar 1951 im Art’s Theatre zu Cambridge uraufgeführt wurde, konnte Christie zu ihrem Kummer nicht anwesend sein; sie begleitete einmal mehr ihren Gatten auf einer Ausgrabungs-Expedition im Irak. Doch das Stück wurde von der Kritik wie vom Publikum geschätzt. Der letzte Vorhang fiel erst nach insgesamt elfmonatiger Laufzeit und 376 Aufführungen im Londoner New Ambassadors Theatre. Die zufriedene Agatha Christie ließ umgehend ein nächstes Bühnenstück folgen: Im Oktober 1952 öffnete sich „Die Mausefalle“. Dieses Stück wird seitdem aufgeführt; es ist das am längsten ununterbrochen gespielte Theaterstück aller Zeiten.

In der Verfilmung kehrte Poirot – gespielt natürlich von David Suchet in der Rolle seines Lebens, die er seit 1989 innehat – zurück. „The Hollow“ entstand 2005 als 53. Episode der britischen TV-Serie „Agatha Christie’s Poirot“.

Anmerkung: Mit „Das Eulenhaus“ begann 1947 der Scherz-Verlag die legendäre Serie seiner  „Schwarzen Kriminalromane“, die bis 2004 lief.

Autorin

Agatha Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay, England, geboren. Einer für die Zeit vor und nach 1900 typischen Kindheit und Jugend folgte 1914 die Hochzeit mit Colonel Archibald Christie, einem schneidigen Piloten der Königlichen Luftwaffe. Diese Ehe brachte eine Tochter, Rosalind, aber sonst wenig Gutes hervor, da der Colonel seinen Hang zur Untreue nie unter Kontrolle bekam. 1928 folgte die Scheidung.

Da hatte Agatha (die den Nachnamen des Ex Gatten nicht ablegte, da sie inzwischen als „Agatha Christie“ berühmt geworden war) ihre beispiellose Schriftstellerkarriere bereits gestartet. 1920 veröffentlichte sie mit „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. „Das fehlende Glied in der Kette“) ihren ersten Roman, dem sie in den nächsten fünfeinhalb Jahrzehnten 79 weitere Bücher folgen ließ, von denen vor allem die Krimis mit Hercule Poirot und Miss Marple weltweite Bestseller wurden.

Ein eigenes Kapitel, das an dieser Stelle nicht vertieft werden kann, bilden die zahlreichen Kino  und TV Filme, die auf Agatha Christie Vorlagen basieren. Sie belegen das außerordentliche handwerkliche Geschick einer Autorin, die den Geschmack eines breiten Publikums über Jahrzehnte zielgerade treffen konnte (und sich auch nicht zu schade war, unter dem Pseudonym Mary Westmacott sechs romantische Schnulzen zu schreiben).

Mit ihrem zweiten Gatten, dem Archäologen Sir Max Mallowan, unternahm Christie zahlreiche Reisen durch den Orient, nahm an Ausgrabungen teil und schrieb auch darüber. 1971 wurde sie geadelt. Dame Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 als bekannteste Krimi Schriftstellerin der Welt. (Wer mehr über Leben und Werk der A. C. erfahren möchte, wende sich an diese Website.)

[md]

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Der Tod wartet

Erstellt von Michael Drewniok am 27. März 2012

Agatha Christie
Der Tod wartet

(sfbentry)
Originaltitel: Appointment with Death (London : Collins 1938/New York : Dodd, Mead & Company 1938)
Deutschsprachige Erstausgabe: 1944 (Scherz Verlag)
Übersetzung: Auguste Flesch v. Bringen
221 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe (= dt. Erstausgabe): 1953 (Scherz Verlag/Die schwarzen Kriminalromane 58)
Übersetzung: Auguste Flesch v. Bringen
191 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe: 1984 (Scherz Verlag/Scherz-Krimi-Klassiker 961)
Übersetzung: Ursula Gail
187 S.
ISBN-10: 3-502-50961-1
Neuausgabe zum Film (als „Rendezvous mit einer Leiche“): 1989 (Scherz Verlag/Scherz-Krimi 1227)
Übersetzung: Ursula Gail
187 S.
ISBN-10: 3-502-51227-2
Neuausgabe: 1999 (Scherz Verlag/Scherz Krimi 1118)
Übersetzung: Ursula-Maria Mössner
250 S.
ISBN-10: 3-502-11118-9
Neuausgabe: 2009 (Fischer Taschenbuchverlag/TB Nr. 17959)
Übersetzung: Ursula-Maria Mössner
250 S.
ISBN-13: 978-3-596-17959-6

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Das geschieht:

„Du siehst doch ein, dass sie sterben muss?“ Diesen Satz vernimmt ausgerechnet der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot während einer Reise durch das Heilige Land, als er das Fenster seines Hotelzimmers schließen will. Er amüsiert sich über diesen Zufall, denn noch ist ihm die Tragödie seiner Mitreisenden, der Familie Boynton, nicht bekannt: Die Geschwister Lennox, Raymond, Carol und Ginevra sowie Lennox‘ Gattin Nadine unterliegen dem tyrannischen Regiment der sadistischen Mutter, deren Lebensinhalt es ist, ihre Familie zu brechen und zu knechten. Ginevra ist schon in den Wahnsinn abgedriftet, und Lennox folgt ihr rasch. Die herzkranke, fettleibige Greisin hält die Fäden straff in der Hand und diese fest auf der Geldbörse, denn solange sie lebt, hat nur Mrs. Boynton Zugriff auf das Familienvermögen.

Als sich die junge Ärztin Sarah King in Raymond verliebt, zieht sie den Zorn der Alten auf sich, die auch sonst die Menschen in ihrer Umgebung manipuliert oder vor die Köpfe stößt. Trotz ihres labilen Gesundheitszustandes besteht sie auf eine anstrengende Fahrt in die versunkene Felsenstadt Petra. Dort erliegt sie offenbar der Wüstenhitze. Allerdings gibt es Hinweise auf ein Verbrechen. Poirot wird gebeten, den Fall zu klären. Die Schar der Verdächtigen ist groß. Sämtliche Familienangehörige hassten Mrs. Boynton. Hat Sarah King Raymond dazu getrieben, seine Mutter umzubringen, die niemals eine Ehe gestattet hätte? Ist der berühmte Psychologe Dr. Théodore Gérard wirklich wegen einer Malaria-Attacke ins Lager zurückgekehrt, wo Mrs. Boynton zurückgeblieben war? Auch Mr. Copes, Lady Westholmes und Miss Pierces Alibis wackeln bei näherer Betrachtung. Wie es scheint, sind sie alle jetzt oder in der Vergangenheit mit dem bösen Weib aneinandergeraten.

Hercule Poirot steckt in einem Dilemma: Niemand weint Mrs. Boynton eine Träne nach, ihr Tod könnte problemlos zu den Akten gelegt werden. Doch Mord ist ein Delikt, das der Detektiv nicht dulden will. Andererseits wäre er nicht Poirot, fiele ihm nicht nur die Lösung, sondern auch eine Alternative ein …

Drama-Mord im Heiligen Land

Die 1920er Jahre waren für Agatha Christie höchst erfolgreich. Als Schriftstellerin hatte sie  sich sehr erfolgreich durchgesetzt. Privat hatte sie herbe Schicksalsschläge hinnehmen müssen; u. a. war ihre Ehe zerbrochen. Um auf andere Gedanken zu kommen, beschloss Christie zu reisen. 1928 und 1930 hielt sie sich lange im Nahen Osten auf. Sie nahm an Ausgrabungen des Archäologen Leonard Woolley teil und lernte dessen Assistenten Max Mallowan kennen, den sie im September 1930 heiratete. In den folgenden Jahren begleitete Christie ihren Gatten mehrfach auf archäologischen Expeditionen durch den Irak und Syrien. Die dabei gewonnenen Kenntnisse über Land und Leute ließ sie in einige ihrer berühmtesten Kriminalromane einfließen.

Auch „Der Tod wartet“ profitiert ungemein von diesem Lokalkolorit sowie von Christies kluger Entscheidung, es der Handlung jederzeit unterzuordnen. Transjordanien ist ein interessanter Schauplatz, den Christie jedoch mit eher groben Strichen skizziert: „Der Tod wartet“ ist kein Reisebericht, sondern ein Kriminalroman. Die Kulissen beugen sich deshalb den Regeln des Genres – eine Disziplin, die leider nicht allzu viele derjenigen Autoren aufzubringen vermochten und vermögen, die ebenfalls Verbrechen an exotischen Orten thematisieren und sich dabei in der Beschreibung geografischer oder historischer Details verlieren.

Die souveräne Christie ist auf Faktenhuberei nicht angewiesen. Petra, die antike Felsenstadt, wird unter ihrer Feder in erster Linie zum ortskundig eingesetzten Tatort. Außerdem ist sie die bildstarke Variation des von innen verschlossenen Raumes, der die Aufklärung eines scheinbar perfekten Verbrechens eigentlich verhindert.

Das Böse als Krankheit

Viel interessanter findet Christie neben der obligatorischen Auflösung einer raffiniert realisierten Übeltat den psychologischen Hintergrund der Ereignisse. „Der Tod wartet“ beginnt mit einer hundertseitigen ‚Einleitung‘, die ohne Hercule Poirot auskommt und stattdessen das Drama einer hochgradig dysfunktionalen Familie schildert. Nicht nur die jüngeren Boytons, sondern auch die Menschen in ihrem Umfeld werden förmlich vergiftet von der systematisch manipulierenden Mutter.

Mit Mrs. Boyton – ein individualisierender Vorname wird nie erwähnt – ist Christie eine bemerkenswerte Figur gelungen: eine bis ins Mark bösartige Frau, die ihr Schicksal herausfordert. Über die Ursachen mag Christie nicht spekulieren; sie beschränkt sich auf die Tatsache, dass Mrs. Boyton heute ist, wie sie ist. In diesem Zusammenhang stellt Christie unangenehme Fragen ganz anderer Art: War dieser Mord womöglich gerechtfertigt? Haben der oder die Täter nicht genug erlitten? Mit welchem Recht mischt sich Poirot ein? Will er hier nur seinen Ruf als Meisterdetektiv durch einen weiteren Erfolg aufpolieren?

Psychologie spielt also eine große Rolle. Christie dürfte spätestens 1926 nach einem schweren Nervenzusammenbruch ihr Interesse für die noch junge Wissenschaft der Psychoanalyse entdeckt haben. Sigmund Freud und seine revolutionären Thesen wurden weltweit diskutiert. Die daraus resultierenden Erkenntnisse spiegelten sich auch in der Unterhaltungsliteratur wider. Poirot betont ausdrücklich, dass die Lösung dieses Falls nicht ausschließlich auf Fakten beruht. Indizienlücken muss er mit Rückschlüssen auf die Psyche der Verdächtigen und die darauf basierenden Handlungen schließen – für den klassischen Detektiv ein unsicheres Terrain, auf das sich ein Sherlock Holmes niemals begeben hätte.

Täuschung und Irrtum

In den 1930er Jahren war Agatha Christie längst zur professionellen Schriftstellerin gereift. Sie wusste genau, wie sie Spannung erzeugen, halten und in einem großen Finale steigern konnte. Ebenso eindrucksvoll ist die Ökonomie in der Anwendung der dafür erforderlichen Mittel. Auch in der neuen, ungekürzten deutschen Übersetzung hat Christie auf Seite 250 erzählt, was sie uns zu sagen hatte.

Dabei ist diese Geschichte auch ohne die psychologischen Implikationen verwickelt. Die Schar der Verdächtigen ist groß, alle haben sie ein Motiv und die Gelegenheit zum Mord gehabt. Rache, Wut, Verzweiflung, Liebe, Notwehr: Christie projiziert die gesamte Palette von Emotionen, die zum Tod der Mrs. Boynton geführt haben könnten, auf ihre Figuren. Dann steigert sie die Verwirrung, indem sie diese Gefühle und die daraus erwachsenden Handlungen miteinander verzahnt. Faktisch gibt es nicht ein Motiv und einen Tathergang, sondern ein komplexes Geflecht zufälliger Ereignisse und absichtlicher Aktivitäten.

Hercule Poirot muss es Faden für Faden aufdröseln. Erst als ihm dies gelingt, ergibt seine bisher nicht in einen logischen Zusammenhang zu bringende Chronik der Ereignisse am Tag des Mordes plötzlich Sinn. Dabei spielt Christie jederzeit fair. Auf die Spur wird man ihr sehr wahrscheinlich trotzdem nicht kommen. Der Aha-Effekt stellt sich erst ein, wenn Poirot verdichtet, was die Autorin höchst geschickt angedeutet hatte, und vervollständigt die Zufriedenheit des Krimi-Lesers, der wieder einmal vorzüglich und intelligent unterhalten wurde.

Das Stück/der Film zum Buch

1944 schrieb Agatha Christie „Appointment with Death“ für die Bühne um. Sie strich nicht nur Poirot, sondern änderte auch den Tatablauf erheblich. Am 29. Januar 1945 hob sich der Vorhang im „King’s Theatre“ zu Glasgow. Im „Piccadilly Theatre“ in London schloss er sich endgültig bereits im Mai Jahres nach nur 42 Aufführungen.

1988 führte ausgerechnet Michael Winner, der uns mit Filmklassikern wie „Ein Mann sieht rot“ (Teil 1 bis 3) beschenkte, Regie in der Verfilmung von „Appointment with Death“ (dt. „Rendezvous mit einer Leiche“). Doch Winner lieferte ein allzu werkgetreues, allerdings altmodisches bis betuliches Krimi-Stück ab, das den Anschluss an die Agatha-Christie-Blockbuster der 1970er und 1980er Jahre suchte. Zum dritten Mal (nach „Death on the Nile“, 1978, dt. „Tod auf dem Nil“, und „Evil under the Sun“, 1982, dt. „Das Böse unter der Sonne“) schlüpfte Peter Ustinov in die Rolle des Hercule Poirot, und wie die genannten Filme war auch „Appointment with Death“ bis in die Nebenrollen mit Stars des aktuellen (Carrie Fisher, David Soul) und des ‚alten‘ Hollywood-Kinos (Lauren Bacall, John Gielgud) besetzt. Von der Kritik höher eingeschätzt wird die TV-Fassung von 2008, die einmal mehr David Suchet in seiner Parade-Rolle als Hercule Poirot zeigt.

Autorin

Agatha Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay, England, geboren. Einer für die Zeit vor und nach 1900 typischen Kindheit und Jugend folgte 1914 die Hochzeit mit Colonel Archibald Christie, einem schneidigen Piloten der Königlichen Luftwaffe. Diese Ehe brachte eine Tochter, Rosalind, aber sonst wenig Gutes hervor, da der Colonel seinen Hang zur Untreue nie unter Kontrolle bekam. 1928 folgte die Scheidung.

Da hatte Agatha (die den Nachnamen des Ex Gatten nicht ablegte, da sie inzwischen als „Agatha Christie“ berühmt geworden war) ihre beispiellose Schriftstellerkarriere bereits gestartet. 1920 veröffentlichte sie mit „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. „Das fehlende Glied in der Kette“) ihren ersten Roman, dem sie in den nächsten fünfeinhalb Jahrzehnten 79 weitere Bücher folgen ließ, von denen vor allem die Krimis mit Hercule Poirot und Miss Marple weltweite Bestseller wurden.

Ein eigenes Kapitel, das an dieser Stelle nicht vertieft werden kann, bilden die zahlreichen Kino  und TV Filme, die auf Agatha Christie Vorlagen basieren. Sie belegen das außerordentliche handwerkliche Geschick einer Autorin, die den Geschmack eines breiten Publikums über Jahrzehnte zielgerade treffen konnte (und sich auch nicht zu schade war, unter dem Pseudonym Mary Westmacott sechs romantische Schnulzen zu schreiben).

Mit ihrem zweiten Gatten, dem Archäologen Sir Max Mallowan, unternahm Christie zahlreiche Reisen durch den Orient, nahm an Ausgrabungen teil und schrieb auch darüber. 1971 wurde sie geadelt. Dame Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 als bekannteste Krimi Schriftstellerin der Welt. (Wer mehr über Leben und Werk der A. C. erfahren möchte, wende sich an diese Website.)

[md]

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Die Flucht

Erstellt von Werner Karl am 29. Januar 2012

Ally Condie
Die Flucht
Cassia & Ky Band 2

Crossed (2011)
Fischer Verlag
ISBN 978-3-8414-2144-9
Kinder & Jugend, Liebe & Romantik
Erschienen 2012
Übersetzer Stefanie Schäfer
Titelbild CPI – Clausen & Bosse, Leck
Umfang 455 Seiten

www.cassiaundky.de
www.fischerverlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Autorenporträt

Ally Condie stammt aus dem südlichen Utah, USA, einer wunderschönen Gegend, die der Landschaft in ›Die Flucht‹ als Vorlage diente. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Salt Lake City. Nach ihrem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Romane um ›Cassia & Ky‹ werden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und sind große internationale Bestseller. (Quelle: Fischer Verlag) 

Zum Buch

Cassia durchlebt die schlimmste Zeit ihres noch junges Leben. Ihre Eltern wurden in eine andere Provinz versetzt und sie muss seit Monaten in einem Arbeitslager schuften. Sie kann weder ihren langjährigen Freund Xander sehen, noch den Jungen Ky in den sie heimlich verliebt ist. Denn Ky wurde als Kanonenfutter in den Krieg geschickt. Schließlich ist er eine Aberration und in der Gesellschaft nichts wert. Doch Cassia möchte Ky nicht aufgeben und flieht aus dem Arbeitslager in die äußeren Provinzen, um Ky zu finden. Mit ihr flieht Indie, ein weiteres Mädchen aus dem Arbeitslager. Sie ist auf der Suche nach der Erhebung, eine Vereinigung, die gegen das bestehende Gesellschaftssystem angeht. Auf ihrer Flucht geraden die beiden Mädchen mehr als einmal in Lebensgefahr …

Fazit

Der zweite Band der Geschichte von Cassia und Ky konnte mich ebenso begeistern wie der erste. Der Leser erfuhr immer mehr von den negativen Seiten des Gesellschaftssystems und auch das Alternativsystem der Erhebung wurde ins Spiel gebracht und verlieh so dem Roman mehr Dynamik. Auch konnte dieser Band mit sehr sympathischen, neuen Nebencharakteren aufwarten und es kam innerhalb der Geschichte für mich zu unerwarteten Wendungen. Besonders interessant fand ich den Wechsel zwischen zwei verschiedenen Ich-Perspektiven, auch wenn beide sehr geschlechtsneutral gehalten waren. Bei keinem der beiden Haupthandlungsstränge hätte man typisch weibliche oder männliche Verhaltensweisen erkennen können. Insgesamt wirkte die ganze Welt lebendiger und lebensnah und zeigte viel Entwicklungspotenzial, auch hinsichtlich der Charaktere auf. Richtig überraschend kam für mich der Schluss, denn irgendwie hatte ich mir für das Ende dieses Bandes eine andere Entwicklung für Cassia und Ky erhofft.

Ein rund um gelungenes Buch, das nicht nur Jugendliche mitreißen kann.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Marcelo in the Real World

Erstellt von Werner Karl am 29. November 2011

Francisco X. Stork
Marcelo in the Real World

Marcelo in the Real World (2009)
Fischer Verlag
ISBN 978-3-8414-2122-7
Kinder & Jugend
Erschienen 2011
Übersetzer Britta Waldhof
Titelbild CPI
Illustrationen Dan McCarthy
Umfang 364 Seiten

www.fischerverlage.de

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Titel erhältlich bei Booklooker.de

Autorenporträt

Francisco Xavier Stork wurde 1953 in Mexiko geboren und kam im Alter von neun Jahren in die Vereinigten Staaten von Amerika. Er studierte lateinamerikansiche Literatur in Harvard und Rechtswissenschaften an der Columbia Universität. Francisco X. Stork lebt heute in der Nähe von Boston, USA, wo er als Rechtsanwalt tätig ist. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. ›Marcelo in the Real World‹ ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint. (Quelle: Fischer Verlag)               

Zum Buch

Der 17-jährige Marcelo ist seit seiner Geburt anders. Er nimmt die Welt ganz anders war als normale Kinder und Jugendliche. Marcelo glaubt die ganze Zeit Musik in seinem Kopf zu hören und hat Schwierigkeiten mit Menschen zu kommunizieren. Oft kann er ihre Gesichtsausdrücke nicht entschlüsseln oder versteht Redewendungen nicht, weil er alles wörtlich nimmt. Dafür liegen seine Begabungen auf anderen Gebieten. Er kann hervorragend mit Pferden umgehen und erlebt die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel. Sein bisheriges Schulleben hat er auf einer Schule für “besondere “ Kinder verbracht, doch nun hat sich sein Vater in den Kopf gesetzt, er müsste endlich den Sprung in die “reale Welt” wagen.

Deswegen trifft er mit Marcelo eine Abmachung: Wenn er in den Sommerferien in seiner Anwaltkanzlei arbeitet, darf dieser wählen, an welcher Schule er sein letztes Highschooljahr verbringt. Andernfalls darf sein Vater die Schule wählen. Doch Marcelos Vater knüpft die Abmachung an einige Bedingungen. So muss er sich an die Regeln der “realen Welt” halten: Small Talk betreiben, anderen in die Augen schauen, Aufgaben schnell und zügig erfüllen. Das alles fällt Marcelo sehr schwer, zumal alle in der Kanzlei wissen, dass Marcelo nicht “normal” ist. Auch seine neue Chefin Jasmine ist anfangs nicht von ihm begeistert. Doch nach und nach beginnt sie Marcelo zu verstehen – und ihn zu mögen. Als Marcelo dann einem großen Wirtschaftsskandal auf die Spur kommt, schlägt sie sich auf seine Seite und steckt sehr schnell in großen Schwierigkeiten …

Fazit

Das Buch vermochte mich von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Dies lag zum Einen an dem wirklich ungewöhnlichen Schreibstil: Selten hielt ich ein Buch in Händen, in dem der Ich-Erzähler von sich und anderen in der dritten Person sprach und nur ab und an in die Ich-Perspektive wechselte oder andere in der 2ten Person ansprach. Zum Anderen habe ich noch nie so einen ausgefeilten und gleichzeitig so einfachen Charakter in einem Jugendbuch entdeckt. Marcelo vermittelte einem ganz schnell eine andere Perspektive von der Welt. Schnell verstand man, warum sich Autisten, auch wenn sie an nicht besonders ausgeprägten Arten des Autismus, wie das Asperger-Syndrom leiden, nur schlecht in der Welt zurechtfinden. Man bekam, dank dieser außergewöhnlichen Perspektive einen Blick von oben auf die Gesellschaft, der einem anderenfalls verschlossen geblieben wäre.

Redewendungen werden auf einmal unverständlich, freundliche Plaudereien zu Stolperfallen, alle anderen Menschen tragen Masken anstatt Gesichtsausdrücke zur Schau und niemand sagt, was er wirklich denkt und meint. Die Welt ist voller Lärm und überladen mit Dingen, die niemand zum Überleben braucht. Gerüche irritieren und Straßen werden zu Labyrinthgängen. Man trifft nebenbei auf die großen Rätsel der Menschheit. Was ist Liebe? Gibt es Gott? Und woher weiß ich, wer ich bin und wohin mein Weg mich führen sollte? Und muss feststellen, dass man sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, wie das menschliche Miteinander funktioniert. Oder wie wir die Maßstäbe setzen, was richtig und was falsch ist oder was normal und was anders ist. Dieses Buch musste nicht mit einer atemberaubenden Liebesgeschichte oder komplizierten Verwicklungen überzeugen, sondern bestach durch seine Einfachheit und Klarheit.

Ein fantastisches Buch, das überraschend anders ist und einen auf eine Reise mitnimmt in eine verstörend bekannte und doch fremde Welt, voller Gefahren und Chancen, in der man sich selbst verlieren oder neu entdecken kann.

Copyright © 2011 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Die Auswahl

Erstellt von Werner Karl am 6. November 2011

Ally Condie
Die Auswahl
Cassia & Ky

Matched (2010)
Fischer Verlag
ISBN 978-3-8414-2119-7
Kinder & Jugend, Liebe & Romantik
Erschienen 2011
Übersetzer Stefanie Schäfer
Titelbild CPI – Clausen & Bosse, Leck
Umfang 453 Seiten

www.cassiaundky.de
www.fischerverlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Autorenporträt

Ally Condie stammt aus dem südlichen Utah, USA, einer wunderschönen Gegend, die der Landschaft in ›Die Flucht‹ als Vorlage diente. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Salt Lake City. Nach ihrem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Romane um ›Cassia & Ky‹ werden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und sind große internationale Bestseller. (Quelle: Fischer Verlag)               

Vorwort

“Die Auswahl” ist der erste Band eine 3 bändigen Reihe. Band 2 erscheint im Frühjahr 2012.

Zum Buch

Cassia lebt in einer Welt, in der der Staat über ihr Leben bestimmt. Sie hat keine eigenen Besitztümer, es gibt keine freie Meinungsäußerung und man wird andauernd von Mitarbeitern des Staates überwacht. Sie teilen einem den Beruf zu, den Wohnort und den Lebenspartner. Sie entscheiden darüber, wer Kinder bekommen darf und wann. Außerdem gibt es einen staatlich bestimmten Zeitpunkt zum Sterben, das achtzigste Lebensjahr. Trotz aller Vorschriften und Gleichmacherei sind nicht alle Menschen gleich: Aberrationen und Anomalien stehen weit unter den normalen Bürgern und müssen schwere Arbeiten verrichten, die einen schnellen Tod mit sich bringen. Nun ist auch der Zeitpunkt in Cassias Leben gekommen, in dem der Staat über ihr weiteres Leben entscheidet. Sie bekommt von der Paarungsbehörde ihren besten Freund Xander als Partner zugeteilt. Leider verliebt sie sich in einen anderen. Ihre Liebe darf aber nicht sein, den Ky ist eine Aberration. Dennoch treffen sich die beiden heimlich und finden immer wieder zueinander. Bis Cassia einen Fehler begeht und Ky in Lebensgefahr bringt …

Fazit

Der Roman erschien mir wie eine Mischung aus 1984 und Brave New World, gekoppelt mit einem Hauch von Matrix und einer guten Teenagerlovestory, die zu einem fantastischen eigenständigen Roman verarbeitet wurde. Durch die Ich-Perspektive konnte sich der Leser schnell einfühlen und alle Ängste mit Cassia durchstehen. Hierbei passten alle Elemente des Romans hervorragend zueinander und stellten alle klassischen Elemente der Dystopie dar. Die darin integrierte Liebesgeschichte entschärft die Dramatik des Ganzen nicht, nein sie verschärfte sie sogar noch. Durch die Zugabe so vieler Emotionen konnte der Leser erst die grausamen Elemente dieser dystopischen Welt nachvollziehen.

Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen und es hat mir eine ganze Nacht gestohlen.

Ein Buch für jeden, der sich mit dem Schicksal der Menschen beschäftigt und dabei gerne in eine romantische Liebesgeschichte eintaucht.

Copyright © 2011 by Yvonne Rheinganz

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Aller Anfang ist Hölle

Erstellt von Werner Karl am 10. September 2011

Oliver, Jana
Aller Anfang ist Hölle
Die Dämonenfängerin 1

The Demon Trapper’s Daughter
Fischer FJB
ISBN 978-3-8414-2110-4
Fantasy
1. Aufl. 09.09.2011
Übersetzer Maria Poets
Umfang 544 Seiten

www.fischerverlage.de/

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Autorenporträt

Jana Oliver, geboren und aufgewachsen in Iowa, ist eine preisgekrönte Autorin. Sie ist am glücklichsten, wenn sie haarsträubende Legenden recherchiert, auf alten Friedhöfen umherwandert und neue Geschichten erträumt. Sie glaubt wirklich, dass sie den besten Job der Welt hat. »Aller Anfang ist Hölle« ist der erste Band ihrer neuen Serie ›Die Dämonenfängerin‹. Die Autorin lebt wie ihre Heldin Riley Blackthorne in Atlanta, Georgia. (Quelle: Fischer Verlag)

Zum Buch

Riley Blackthorne lebt in Atlanta und ist Dämonenfängerin in der Ausbildung. Ihr bester Freund Peter ist ein Computerfreak und hilft ihr bei allen möglichen Problemen. Als die Schulbezirke auseinandergerissen werden und Peter klarstellt, dass er mit Rileys gewünschtem Berufsziel nicht einverstanden ist, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Dann stirbt Rileys Vater, als er versucht, einen Dämonen der dritten Stufe zu fangen und schon befindet sich ihr Leben im puren Chaos. Riley hat kein Geld mehr um ihre Miete zu zahlen, die Versicherung möchte die Leiche ihres Vaters als Geldquelle und sie muss zu einem anderen Meister wechseln, der sie hasst. Totenbeschwörer versuchen die Leiche ihres Vaters auferstehen zu lassen, um damit Geld zu machen. Das Unglück reißt nicht ab, denn nun mischt sich auch noch der ehemalige Lehrling ihres Vaters in ihre Angelegenheiten ein. Sie verliebt sich in den anderen Lehrling ihres Meisters und als dieser lebensgefährlich verletzt wird, erklärt sich Riley zu einem Pakt mit den Mächten bereit – der ihr Leben grundlegend verändern wird…

Fazit

Ein packender Auftakt einer neuen Serie. Hier mischen sich wirklich interessante Hauptcharaktere mit viel Aktion und einer gut durchdachten Story. Hier war wirklich alles stimmig und nicht nur alles schwarz oder weiß. Da gab es niedliche Dämonen, die nur ab und an Ohrringe klauten und die Guten, die ihre eigenen Leute verrieten. Engel und Dämonen liefen durch die Welt als gehörten sie dorthin. Die Einteilung der bösen Mächte war wirklich durchdacht und ich hoffe, dass das Dämonenfängerhandbuch bald auch einmal in Schriftform als Glossar auftaucht.

Ein gutes Jugendbuch, welches eine neue Welt erschafft und alte Themen, wie Liebe und Vertrauen, Verlust und Freundschaft aufgreift. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen und endete an einem atemberaubenden Cliffhanger der wirklich Lust auf mehr machte.

Copyright © 2011 by Yvonne Rheinganz

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Alter schützt vor Scharfsinn nicht

Erstellt von Michael Drewniok am 16. August 2011

Agatha Christie
Alter schützt vor Scharfsinn nicht

(sfbentry)
Originaltitel: Postern of Fate (London : Collins 1973/New York : Dodd, Mead & Co. 1973)
Übersetzung: Edda Janus
Deutsche Erstausgabe (Paperback): 1978 (Scherz Verlag)
267 S.
ISBN-10: 3-502-10118-3
Aktuelle Ausgabe: Januar 2005 (Fischer Taschenbuchverlag/TB Nr. 17142)
234 S.
ISBN-13: 978-3-596-17142-2
Als Hörbuch: Februar 2007 (Der Hörverlag)
Gelesen von Peter Kaempfe
3 CDs = 186 min. (gekürzte Fassung)
ISBN-13: 978-3-86717-012-3

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Das geschieht:

Nach vielen Jahren im Dienst des britischen Secret Service haben sich Tommy und Prudence „Tuppence“ Beresford ein Häuschen in Hollowquay, einer Kleinstadt an der Südküste Englands, gekauft. Hier richten sie ihren Altersruhesitz ein und freunden sich mit den Dorfbewohnern an.

Zumindest das umfangreiche Buchinventar der früheren Eigentümer haben die leselustigen Beresfords übernommen. Als Tuppence den Bestand sichtet, fallen ihr in einem Roman merkwürdige Markierungen auf. Die unterstrichenen Buchstaben fügen sich zu folgenden Sätzen: „Mary Jordan ist keines natürlichen Todes gestorben. Es war einer von uns.“

Diesem Geheimnis können die Beresfords auch im Ruhestand nicht widerstehen. Das alte Buch trägt den Namen seines Besitzers. Tommy findet sein Grab auf dem Friedhof von Hollowquay: Alexander Parkinson starb unter merkwürdigen Umständen im Alter von nur 14 Jahren. Dies geschah kurz vor Ausbruch des I. Weltkriegs.

Auch eine Mary Jordan hat es gegeben. Geboren in Straßburg, galt sie als deutsche Spionin und war in den Cardington-Skandal verwickelt. Er entstand um das Verschwinden wichtiger Geheimpapiere, die offenbar den Deutschen verkauft wurden. Mary Jordan starb wenig später bei einem tragischen Unfall – so jedenfalls lautet die Überlieferung.

Damals wurde viel vertuscht, und sechzig Jahre nach besagtem Skandal gibt es immer noch Gruppen, die auf keinen Fall die offizielle Deutung der Ereignisse in Frage gestellt sehen wollen. Als Tommy und Tuppence nicht lockerlassen, konfrontiert man auch sie mit der bewährten Methode, unliebsame Zeugen durch Mord zum Schweigen zu bringen …

Der Kreis schließt sich

1922 veröffentlichte Agatha Christie ihren zweiten Kriminalroman. „The Secret Adversary“ (dt. „Ein gefährlicher Gegner“) spielte kurz nach dem I. Weltkrieg und schilderte die Abenteuer junger Leute, die auf die Spur einer verschwundenen Agentin und dabei in gefährliche Abenteuer geraten. Thomas Beresford und Prudence Cowley – die einander „Tommy“ und „Tuppence“ nennen – werden ein Ehepaar, arbeiten für den Geheimdienst Ihrer jeweiligen Majestät und gründen eine Detektei. Im II. Weltkrieg entlarven sie nazideutschhörige Verräter, bleiben bis in die 1960er Jahre aktiv und altern dabei chronologisch korrekt zu Großeltern und Pensionären.

1973 erschien „Postern of Fate“ (dt. „Alter schützt vor Scharfsinn nicht“), der vierte und letzte Roman mit Tommy & Tuppence – hinzu kommt eine Sammlung mit Kurzgeschichten – und zugleich das letzte Buch, das Agatha Christie geschrieben hat. („Curtain“, dt. „Vorhang“, und „Sleeping Murder“, dt. „Ruhe unsanft“, erschienen erst 1975 bzw. 1976, waren aber schon mehr als drei Jahrzehnte früher entstanden.) In einem halben Jahrhundert war sie zur „Queen of Crime“ und zur lebenden Legende dieses Genres geworden – ein Ruf, den sie sich hart erarbeitet hatte.

Doch auch Legenden rosten. Über 80 Jahre alt und nicht mehr auf der Höhe ihrer körperlichen wie geistigen Kraft war Christie, als sie ihr letztes Werk schrieb, wofür. „Alter schützt vor Scharfsinn nicht“ zum unfreiwilligen Zeugnis wurde. Am absehbaren Ende eines langen Lebens ließ die Autorin ihre Gedanken in ihre Jugendzeit zurückschweifen. „Alter schützt …“ ist deshalb vor allem Bestandsaufnahme und ein Werk der Erinnerung geworden.

Die Melancholie des Alters

Tommie und Tuppence sind in ihrem letzten Fall etwa so alt wie ihre geistige Mutter. Sie nehmen auch räumlich Abschied von ihrem gewohnten Leben. Hinzu kommt, was sie zwar voreinander nur selten und dann umschreibend erwähnen, ihnen aber durchaus bewusst ist. Der Alltag ist langsam und beschwerlich geworden, die Kräfte lassen nach: Zwar ist der Geist noch willig, das Fleisch aber wird schwach.

Umzug und Umstellung bedeuten Unruhe. Christie beschreibt ausführlich, wie Tommy und Tuppence sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben versuchen. Dahinter wird mehr als ein Hauch von Melancholie deutlich. Offensichtlich beschäftigte sich Christie sehr mit den Themen Alter und Tod, als sie dieses Buch schrieb. Tommy und Tuppence geben ihren Gedanken und Erinnerungen Stimmen.

Darüber hinaus müssen sie einen Kriminalfall lösen. Christie ging damit einen Kompromiss ein: Die typischen Christie-Leser interessieren sich nicht für die etwas sprunghaften Gedankengänge einer alten Frau. Sie wollen einen Christie-Krimi. Also versuchte die routinierte Autorin ihnen zu geben, was gefordert wurde, stellte aber das Krimi-Element in den Dienst ihres eigentlichen Anliegens.

Gestern und heute im Übergang

Zu klären ist ein Verbrechen, das sich vor über einem halben Jahrhundert ereignet hat. Tommy und Tuppence nahmen damals bereits am „Großen Spiel“ der europäischen Spionage teil. Die Geschichte der Mary Jordan bietet die ideale Gelegenheit zum Rückblick. Für die Beresfords beginnen Vergangenheit und Gegenwart ohnehin zu verschwimmen bzw. ineinander überzugehen. Dies bestätigen die Treffen mit alten Freunden und Bekannten, die nicht nur bei den aktuellen Ermittlungen helfen, sondern auch und vor allem gemeinsame Erlebnisse Revue passieren lassen, die Christie in den Tommy-&-Tuppence-Romanen und -Kurzgeschichten beschrieben hat.

Leider hat Christie die Fähigkeit eingebüßt, zwischen Krimi und Reflexion die rechte Balance zu finden. Sie verliert sich in Anekdoten und Episoden. Ein lieber aber dummer Hund treibt ausführlich geschilderte Possen. Ähnlich verhalten sich die offenbar in toto mindesten leicht senilen Bewohner von Hollowquay, die sich nicht einmal über Kekse oder Blumenzwiebeln unterhalten können, ohne nach kurzer Zeit den Gesprächsfaden zu verlieren. Mit entsprechenden Schnurren verplappert Christie ziellos viele Seiten – ein Fehler, der ihr früher nicht unterlaufen wäre.

Wir sind nicht mehr, wer wir waren

Schlimmer ist jedoch die Erkenntnis, dass dieser Kriminalfall im Nichts verebbt. Zwar wird zwischendurch jemand ermordet, und auf Tuppence werden zwei Mordanschläge verübt. Diese Zwischenfälle werden jedoch weder vorbereitet noch mit der vor sich hin plätschernden Handlung verknüpft. Der dramatische Höhepunkt fällt aus. Damit der Täter gefasst werden kann, muss tatsächlich der erwähnte Hund eingreifen.

Den Offenbarungseid leistet Christie, wenn ihr beim besten Willen nicht gelingt, das Rätsel um Mary Jordan überzeugend aufzulösen. Als der Mörder längst gefasst ist, folgen viele Seiten, in denen ein alter Secret-Service-Mann die Beresfords besucht, um ihnen die Hintergründe des Mysteriums zu erläutern. Vorgeblich aus Gründen der Geheimhaltung drückt er sich damit so schwammig aus, dass dem Leser der ohnehin über Gebühr strapazierte Geduldsfaden im und als Finale reißt.

Versuch einer Deutung

Was Christie vorgeschwebt haben mag, könnte der Originaltitel andeuten. Er ist ein Zitat aus James Elroy Fleckers (1884-1915) Gedicht „Gates of Damascus“:

„Vier große Tore hat die Stadt Damaskus:
[…]
Die Hintertür des Schicksals (postern of fate)
Das Tor zur Wüste (desert gate)
Die Höhle des Unglücks (disaster’s cavern)
Die Festung der Angst (fort of fear).
[…]
Zieh‘ nicht durch sie hinaus, o Karawane,
aber solltest du es dennoch tun, so singe keine Lieder.“

Christie geht von der Prämisse aus, dass Ideen, Ideale oder Ideologien ihre Zeit überdauern, in eine Art Winterschlaf fallen, in einer späteren Generation eine erneut darauf eingestimmte Gefolgschaft finden und zu neuem Leben erwachen können. Hollowquay ist Heimat einer sich immer wieder verjüngenden Gruppe, die ihre eigenen Vorstellungen von einer besseren Welt in die Tat umzusetzen versuchen. Mary Jordan und Alexander Parkinson ist ihr zum Opfer gefallen, im II. Weltkrieg gab es Kontakte zum „Dritten Reich“ und später zu diversen terroristischen Gruppen.

Mary, Alexander und nun die Beresfords haben nicht geschwiegen, als sie auf der Suche nach der Wahrheit durch die „Hintertür des Schicksals“ zogen, es so herausforderten bzw. ihre Gegner auf sich aufmerksam machten. Geheime und gefährliche Umtriebe sah Agatha Christie, die den Untergang des alten Empires und die Herausbildung neuer Großmächte miterlebt hatte, offensichtlich auf der ganzen Welt. Diese Annahme ist legitim, selbst wenn sie unrealistisch ist. Auf jeden Fall hätte Christie sie schärfer fassen müssen. Stattdessen schwafelt sie und vollendet einen (Kriminal-) Roman, der ihr nicht zur Ehre gereichen kann.

Autorin

Agatha Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay, England, geboren. Einer für die Zeit vor und nach 1900 typischen Kindheit und Jugend folgte 1914 die Hochzeit mit Colonel Archibald Christie, einem schneidigen Piloten der Königlichen Luftwaffe. Diese Ehe brachte eine Tochter, Rosalind, aber sonst wenig Gutes hervor, da der Colonel seinen Hang zur Untreue nie unter Kontrolle bekam. 1928 folgte die Scheidung.

Da hatte Agatha (die den Nachnamen des Ex Gatten nie ablegte, da sie inzwischen als „Agatha Christie“ berühmt geworden war) ihre beispiellose Schriftstellerkarriere bereits gestartet. 1920 veröffentlichte sie mit „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. „Das fehlende Glied in der Kette“) ihren ersten Roman, dem sie in den nächsten fünfeinhalb Jahrzehnten 79 weitere Bücher folgen ließ, von denen die Krimis mit Hercule Poirot und Miss Marple weltweite Bestseller wurden.

Ein eigenes Kapitel, das an dieser Stelle nicht vertieft werden kann, bilden die zahlreichen Kino  und TV Filme, die auf Agatha Christie Vorlagen basieren. Sie belegen das außerordentliche handwerkliche Geschick einer Autorin, die den Geschmack eines breiten Publikums über Jahrzehnte zielgerade treffen konnte (und sich auch nicht zu schade war, unter dem Pseudonym Mary Westmacott sechs romantische Schnulzen zu schreiben).

Mit ihrem zweiten Gatten, dem Archäologen Sir Max Mallowan, unternahm Christie zahlreiche Reisen durch den Orient, nahm an Ausgrabungen teil und schrieb auch darüber. 1971 wurde sie geadelt. Dame Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 als bekannteste Krimi Schriftstellerin der Welt. (Wer mehr über Leben und Werk der A. C. erfahren möchte, wird auf dieser Website fündig.)

Titel bei Buch24.de
Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Die Tommy-und-Tuppence-Beresford-Serie erscheint aktuell im Fischer Taschenbuchverlag:

(1922) Ein gefährlicher Gegner („The Secret Adversary“) – TB 17771
(1929) Die Büchse der Pandora (Stories) („Partners in Crime“) – TB 16830
(1941) Rotkäppchen und der böse Wolf („N or M?“) – TB 16894
(1968) Lauter reizende alte Damen („By the Pricking of My Thumbs”) – TB 17141
(1973) Alter schützt vor Scharfsinn nicht („Postern of Fate“) – TB 17142

[md]

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Das Lied der Träumerin

Erstellt von Werner Karl am 30. Mai 2011

Tanya Stewner
Das Lied der Träumerin

S. Fischer Verlag
ISBN 978-3-8414-2116-6
Belletristik, Jugend. All-Age-Roman
Erschienen März 2011
Umschlaggestaltung: Geviert – Büro für Kommunikationsdesign, München, Conny Hepting
Illustration: © moonhdesign, London
Hardcover mit Schutzumschlag, 400 Seiten

www.fischerverlage.de
www.tanyastewner.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Tanya Stewner, wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und arbeitete mehrere Jahre als Übersetzerin und Lektorin. Inzwischen widmet sich Tanya Stewner ganz der Schriftstellerei. Die Autorin lebt und arbeitet in Wuppertal.

Zum Buch:

Jana ist 18 und sie hat einen Traum. Sie möchte Klavier spielen und singen, sie möchte die Musik leben, die sie tief in sich spürt. Als ihr Vater an Krebs stirbt und sie mit den Reaktionen ihrer Mutter auf dessen Tod nicht klar kommt, steht für sie fest, dass sie nach England, nach London, in die alte Heimat ihres Vaters ziehen möchte um dort ihr Glück zu suchen. Sie bricht alle Brücken nach Deutschland ab und zieht in London in eine WG. Fortan nennt sie sich Angelia. Ihre Mitbewohner, Josh und Jeremy, sind beide recht ungewöhnlich. Der eine, Josh, liebt das Tanzen. Er ist in dieser Hinsicht ein wenig so wie Angelia, ein Träumer, ein Optimist, der seinen Weg vor sich sieht und ihn gehen will. Das genaue Gegenteil davon ist der andere Bruder, Jeremy. Für diesen ist das Leben eine Last, sind Gefühle etwas, das er nicht kennt und auch nicht zulassen möchte.

Das Leben zu dritt gestaltet sich nicht einfach, vor allem, wenn man solch unterschiedliche Vorstellungen vom Leben hat wie Angelia und Jeremy und sich dennoch auf eine außergewöhnliche Art und Weise voneinander angezogen fühlt.

Für den Leser sind hier vor allem die Geheimnisse, die in Angelias und auch in Joshs und Jeremys Familie verborgen scheinen, sehr interessant. Tanya Stewner legt hier ein sehr emotionsreiches Buch vor, dass vor allem eines bezweckt und zwar dem Leser zu verdeutlichen wie wertvoll das Leben ist und dass man es nutzen sollte seinen eigenen Traum zu leben.

Das ist ganz sicher ein erstrebenswertes Ziel, aber die hier beschriebenen Charaktere, allen voran Angelia, erscheinen mir persönlich in ihrem Verhalten und ihrer Lebensvorstellung viel zu extrem. Sie schauen nicht nach links und rechts und sehen nur sich selbst. So ist der Traum auch ein ganzes Stück weit sehr egoistisch und ich muss sagen, dass mir das missfällt. Angelia sieht in dem was sie selbst erreichen möchte nur das Positive, aber andere Menschen und deren Leben, wie beispielsweise ihre Mutter, kann sie immer nur aus einem Blickwinkel und da zumeist aus einem negativen Blickwinkel, sehen.

„Das Lied der Träumerin“ ist vom Grundsatz her ein schönes, ein positives Buch und die Autorin hat auch viel Herzblut in dieses Werk gesteckt. Das merkt man vor allem an den wundervoll passenden Zitaten zu Beginn eines jeden Kapitels und an der ausdrucksstarken, emotionsgeladenen Wortwahl. Auch die schöne Covergestaltung ist hier hervorzuheben.

Vermutlich muss der Liebhaber dieser Geschichte aber ein ganzes Stück weit auch selbst Träumer sein um sich auf die die Charaktere einlassen zu können. Ein Mensch, der in allem nicht nur entweder schwarz oder weiß erkennt, wird sich von Angelia und ihrer Lebensvorstellung wohl nicht mitreißen lassen. Vielleicht aber ist gerade das der Vorteil der Jugend, der noch alle Möglichkeiten offen stehen. Für diese jungen und jung gebliebenen Menschen ist „Das Lied der Träumerin“ gemacht.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Reise zum Mittelpunkt der Erde

Erstellt von Michael Drewniok am 19. März 2011

Jules Verne
Reise zum Mittelpunkt der Erde

(sfbentry)
Originaltitel: Voyage au centre de la terre (Paris : Pierre-Jules Hetzel 1864)
Deutschsprachige Erstausgabe: 1873 (Budapest : Gebrüder Légrády)

Diese Ausgabe: September 2005 (Artemis & Winkler Verlag/Winkler Weltliteratur: Die Blaue Reihe)
Übersetzung: Volker Dehs
424 S.
ISBN-13: 978-3-538-06972-5
Als Taschenbuch: Juni 2010 (Deutscher Taschenbuch Verlag/dtv Klassik Nr. 13882)
Übersetzung: Volker Dehs
432 S.
ISBN-13: 978-3-423-13882-6

Ebenfalls noch erhältlich sind folgende TB-Ausgaben:
- Diogenes Verlag (Detebe Nr. 20246)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau
390 S.
ISBN-13: 978-3-257-20246-5
- Fischer Verlag (TB Nr. 15713)
Übersetzung: Martin Kottmann
313 S.
ISBN-13: 978-3-596-15713-6

Titel bei Buch24.de (Artemis Verlag)
Titel bei Libri.de (Artemis Verlag)
Titel bei Buch24.de (dtv)
Titel bei Libri.de (dtv)
Titel bei Buch24.de (Diogenes Verlag)
Titel bei Libri.de (Diogenes Verlag)
Titel bei Buch24.de (Fischer Verlag)
Titel bei Libri.de (Fischer Verlag)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Dem besessenen Gelehrten, Geologen und Professor Otto Lidenbrock aus der alten Hansestadt Hamburg spielt das Schicksal ein bisher unbekanntes Manuskript des großen Weltreisenden Arne Saknussemm in die Hände. Darin behauptet dieser, im 16. Jahrhundert einen Weg zum Mittelpunkt der Erde entdeckt und auch begangen zu haben. Das ist freilich unbekannt geblieben.

Lidenbrock, dessen Name in der wissenschaftlichen Welt einen guten Klang hat, ist keineswegs gefeit gegen die Verlockung, Saknussemm zu folgen und unsterblichen Forscherruhm zu erlangen. Seine Neugier ist ohnehin stets präsent. Deshalb beschließt er, nach Island zu reisen. Dort nämlich soll im Krater des (hoffentlich) erloschenen Vulkans Sneffels der Eingang zur Unterwelt zu finden sein.

Der Professor wird begleitet von seinem eher unwilligen, weil vorsichtigen und der Gemütlichkeit zugetanen Neffen Axel, einem Waisen, der in seinem Haus lebt und sich unverhofft als Lidenbrocks Assistent verpflichtet sieht. Auf Island stößt als Reisegefährte der bärenstarke und unerschütterliche Hans Bjelke zu ihnen. Auf Saknussemms Spuren geht es hinab in die Tiefe. Dunkelheit und grässliche Abgründe halten das Trio nicht auf. Sie verirren sich, verdursten beinahe, stoßen aber unbeirrbar weiter vor, bis sie an die Gestade eines Ozeans tief unter der Oberfläche der Erde gelangen.

Mit einem Floß geht die Odyssee weiter. Sie führt in ein unterirdisches Reich, das von der Zeit vergessen wurde. Seine Bewohner sind ebenso faszinierend wie ungemütlich, und für unsere Reisenden reiht sich ein bizarres Abenteuer an das nächste …

Eine klassisch ‚unmögliche‘ Reise

Es ist ein ebenso einfacher wie genialer Einfall: Man lässt eine kleine Gruppe charakterlich unterschiedlicher Menschen in eine fremde Welt reisen und wartet ab, was dabei geschieht. Die Geschichte entwickelt sich quasi von selbst; der Weg ist das Ziel. Hält dabei ein Schriftsteller wie Jules Verne die Fäden in der Hand, darf sich der Leser sicher sein, einfallsreich unterhalten zu werden. „Reise zum Mittelpunkt“ der Erde weist eine für Jules Verne recht ‚schnelle‘ Handlung. Diverse naturwissenschaftliche Grundkurse kann sich der Verfasser nicht verkneifen, aber das liegt einerseits im Thema begründet, während andererseits die in späteren Werken oft überbordenden geografischen, biologischen, ethologischen, historischen etc. Beschreibungen der Geschichte verpflichtet bleiben.

Aus heutiger Sicht ließe sich die Anreise zum Sneffels sicherlich raffen. Die Lesegewohnheiten haben sich geändert. Im 19. Jahrhundert hatten Leser Zeit; es gab kein Fernsehen, kein Internet. Deshalb durften Geschichten ruhig lang sein und es ruhig angehen lassen. „Reise …“ ist mit knapp 400 Seiten (einschließlich Illustrationen) für einen Verne-Roman nicht einmal sehr umfassend geworden. Die zweite Hälfte, die endlich unter der Erde spielt, wünscht man sich sogar heute noch ausführlicher.

Denn diese Expedition besitzt eine Eigenschaft, die sich im 21 Jahrhundert nur schwer nachschöpfen lässt: Sie wirkt authentisch. Nostalgische Reisen im Stil vergangener Zeiten haben in der unterhaltenden Literatur und vor allem im Film Konjunktur. Freilich ist es schwierig, die entsprechende Stimmung zu schaffen. Verne profitiert davon, ein Zeitgenosse Lidenbrocks & Co. zu sein. Talent und Glück ließen einen im positiven Sinne altmodischen Klassiker entstehen, der sicherlich auch unsere Nachfahren noch fesseln wird.

Figuren und Charaktere

Die Hauptfiguren dieser Geschichte, die uns ein Franzose erzählt, sind – Deutsche! Das mutet erstaunlich an und wäre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sicherlich unmöglich gewesen. Jules Verne selbst war Patriot aber kein Nationalist. Er schmuggelte zwar gern mindestens einen Franzosen in die Handlungen seiner Romane, ließ jedoch ansonsten Angehörige aller damals ‚zivilisierten‘ Nationen in außergewöhnliche Abenteuer ziehen. Dabei ließ er gern bekannte Klischees in seine Figuren einfließen, was man ihm aber nicht übel nimmt, weil er die eigenen Landsleute davon nicht ausschloss.

Professor Otto Lidenbrock ist für einen ‚typischen‘ Deutschen, einen aus dem Norden zumal, erstaunlich kregel geraten. Keine Spur von Gefühlsarmut oder Zurückhaltung, höchstens übertreibt er es mit der Liebe zur Wissenschaft ein wenig. Er ist polyglott und korrespondiert mit Gott und der Welt, legt aber andererseits die für seine Spezies angeblich typische Verschrobenheit an den Tag: Verne verehrte erkennbar den deutsch-französischen Universalgelehrten und Humanisten Alexander von Humboldt (1769-1859), Lidenbrocks Bruder im Geiste.

Neffe Axel passt da schon eher ins Bild. Obwohl noch jung an Jahren, hat er es lieber ruhig. Er ist häuslich, hat schon ein Auge auf seine Zukünftige geworfen und liebt es, ausgiebig zu speisen. An der großen Fahrt seines Onkels nimmt er eher widerwillig teil. Die Pflicht zur Dankbarkeit, die er, ein Waisenkind, Lidenbrock schuldet, lässt ihm indes keine Wahl. Das hält ihn jedoch nicht ab, als Ich-Erzähler allerlei Respektlosigkeiten und Klagen in seinen Bericht einzuflechten.

Wenn es jemanden gibt, den man als personifiziertes Klischee bezeichnen müsste, dann ist das wohl der starke Hans. Als „treue Isländer“ lassen sich nach Verne sowohl die Ponys als auch die menschlichen Bewohner der Insel bezeichnen. Hans ist allerdings kein zurückgebliebener ‚Wilder‘, sondern ein ruhiger, aber selbstbewusster Zeitgenosse mit einem schlichten Gemüt.

Wissen ist (die wahre) Macht

Jules Verne (1828-1805): Geschichtenerzähler mit der Gabe, Unterhaltung und Information so zu mischen, dass daraus Literaturklassiker entstanden, die seit anderthalb Jahrhunderten von der Kritik geschätzt und von den Lesern geliebt werden. Die Fantasie dieses Mannes ließ ihn zu einem der ‚Erfinder‘ der Science Fiction werden, was man indes nicht überbewerten sollte: Verne kannte dieses Genre nicht. Er wollte seinen Lesern – besonders den jungen Lesern – die große Welt mit Feder und Tinte erschließen. Auf seinen „Voyages extraordinaires“ – die zum Mittelpunkt der Erde ist übrigens deren dritter Band – basiert die Verehrung, die dieser Autor bis heute genießt, und repräsentieren den Verne der frühen Jahre, den Optimisten, der die Hymne auf den menschlichen Forschergeist sang. Mit Wissen lässt sich jedes Hindernis aus dem Weg räumen: Das ist sein Credo. (Es sollte sich im Alter ins Pessimistische verkehren.)

Damit ist Verne ein herausragender Vertreter des 19. Jahrhundert, einer Epoche der Reisen, des Entdeckens und des naturwissenschaftlichen Forschens. Über die ganze Welt schwärmten die Gelehrten aus und revolutionierten binnen weniger Jahrzehnte das Bild, das sich die Menschen von ihrem Planeten machten. Die Lösung aller Rätsel der Natur und damit die Überwindung der menschlichen Unzulänglichkeit schienen nahe. Die Welt zu kennen hieß sie zu ordnen, und mit der Ordnung mussten Frieden, Freiheit und Glück kommen.

Jenseits der bekannten Grenzen

Verne hat die Stätten seiner zahlreichen Reiseromane nie bereist, sondern sie sich und seinen Lesern am Schreibtisch erschlossen. Seine legendäre Kartei verzettelte das naturwissenschaftliche Wissen seiner Epoche, sauber geordnet nach Themen und auf dem neuesten Stand gehalten. Trotzdem lag er selten so falsch wie mit seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde. Das Risiko bei der Wahl dieses Schauplatzes war ihm durchaus bewusst. Verne referiert im Rahmen der Handlung ausgiebig die zeitgenössischen Theorien über das Innenleben unseres Planeten. Dass dieses glühend und flüssig sein könnte, hatten kluge Männer theoretisch und in Ansätzen praktisch nachgewiesen. Der letzte Beweis fehlte jedoch noch – für Verne eine Verlockung, eine hohle Welt mit möglichen Bewohnern zu kreieren, die ihm die legitime Grundlage für eine fabelhafte Geschichte bot.

Als redlichem Mann bereitete Verne das Wissen, sich auf trügerisches Eis gewagt zu haben, dennoch Kopfzerbrechen. Immer wieder kommt er auf den Widerspruch zurück, dass die Erde von außen nach innen heißer oder kälter werden könnte, und versucht gar den unmöglichen Ausgleich zwischen den Theorien. Er sichert sich schließlich ein Schlupfloch, indem er seine Reisenden den eigentlichen Mittelpunkt der Erde gar nicht erreichen lässt. Das enthebt ihn auch eines logistischen Problems, denn dieses Zentrum liegt so tief, dass drei Männer niemals Vorräte genug mitschleppen könnten, um es zu finden und auch noch zurückzukehren.

Der ewige Bestseller

„Voyage au centre de la terre“ erschien 1864 in Pierre-Jules Hetzels „Magasin d’Éducation et de Récréation“. Drei Jahre später folgte die Buchausgabe, für die der Künstler Georges Roux 53 eindrucksvolle Stiche anfertigte. Ab 1873 konnten sich auch die deutschen Leser an Lidenbrocks Reise erfreuen. Zeitweise von Moralaposteln und selbsternannten Schundjägern scheel betrachtet, blieb Jules Vernes Werk auch in Deutschland präsent. Zumindest die erfolgreichen „Voyages extraordinaires“ blieben stets lieferbar.

Die derzeit schönste Ausgabe der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ stellt die 2005 im 100. Todesjahr Vernes erschienene, von Volker Dehs neu übersetzte und nun auch im Taschenbuch erhältliche Ausgabe dar. Sie enthält sämtliche Illustrationen der französischen Originalausgabe und beinhaltet diverse interessante Anhänge, darunter ein Nachwort, Anmerkungen und eine Zeittafel. Herausgeber Dehs trug zudem unbekannte Dokumente und Materialien zur Entstehung des Romans zusammen. Darunter finden sich ein Briefwechsel und eine populärwissenschaftliche Abhandlung von Jules Vernes Sohn Michel.

Nachtrag: Die Reise als Film

„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde mehrfach verfilmt. Relevant und ansehnlich ist freilich nur die liebevoll nostalgische, knallbunte US-Version von 1959 („Journey to the Center of the Earth“; auf die ungekürzte Fassung – ca. 130 min. – achten!). Unter der Regie von Henry Levin spielt James Mason den schottischen Professor Oliver Lindenbrook. (Ein deutscher Held in einem amerikanischen Film: Das ging natürlich nicht!) Schnulzensänger Pat Boone gibt überraschend unterhaltsam den Studenten Alec McEwen (der den ebenfalls allzu deutschen Neffen Axel ersetzt), Peter Ronson mimt den blonden Hans, Thayer David einen schurkischen Nachfahren des Grafen Saknussem. Ganz neu in der Expedition: Arlene Dahl als Mrs. Carla Goetaborg (ein Hollywood-Film ohne love interest: undenkbar!) sowie für die jüngeren Zuschauer die ‚lustige‘ Ente Gertrud (die immerhin ein witziges Ende nimmt).

Nach vier weiteren und vergleichsweise kostengünstig gedrehten Filmen entstand 2008 unter der Regie von Eric Brevig „Journey to the Center of the Earth – 3D“ (dt. „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde – 3D“) eine aufwendige ‚Fortsetzung‘, die in der Gegenwart und nun sehr frei nach dem Roman von Verne die Abenteuer des Vulkanologen Trevor Anderson (Brendan Fraser) und seines Sohnes Sean – eine junge Frau ist auch wieder dabei – auf den Spuren Lidenbrocks in Szene setzt. Die Filmtricks des 21. Jahrhunderts sind deutlich überzeugender geraten als früher, der Charme blieb freilich auf der Strecke, und die 3D-Effekte gelten als misslungen.

[md]

Titel bei Buch24.de (Artemis Verlag)
Titel bei Libri.de (Artemis Verlag)
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Das Buch des Teufels

Erstellt von Werner Karl am 19. Oktober 2010

C. J. Sansom
Das Buch des Teufels
Matthew Shardlake 4

Revelation, GB, 2008
S. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 1. Auflage: 06/2010
TB, historischer Krimi
ISBN 978-3-596-18671-6
Aus dem Englischen von Irmengard Gabler
Titelgestaltung von bürosüd, München

www.fischerverlage.de

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England im 16. Jh. unter Heinrich VIII: Matthew Shardlake arbeitete bereits unter Thomas Cromwell als Advokat und ist nun im Namen von Erzbischof Thomas Cranmer tätig. Nachdem er zusammen mit seinem Gehilfen Jack Barak einige heikle Fälle lösen konnte, die ihnen beinahe das Leben gekostet hätten, will er nicht mehr in die Intrigen der hohen Politik verwickelt werden, sondern seine Dienste den Armen anbieten. Trotzdem verstrickt er sich wieder in Ermittlungen, die ihn in die Kreise um Heinrich VIII bringen. An Ostern findet Shardlake seinen Freund Roger Elliard ermordet und verstümmelt im Brunnen von Lincoln‟s Inn, einer der Anwaltskammern, vor. Shardlake verspricht Dorothy, der Witwe, die er schon seit Jahren insgeheim liebt, den Täter zu fassen und auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, als der Richter den Fall ungewöhnlich schnell zu den Akten legt. Dass es dafür einen triftigen Grund gibt, erfährt Shardlake nur wenig später, als er vor Erzbischof Cranmer zitiert wird.

Es hatte schon zwei weitere grausame und sinnlos scheinende Morde gegeben – und weitere folgen. Nach und nach setzt Shardlake die Puzzlestücke zusammen. Die einzige Verbindung, die zwischen den Opfern besteht, ist, dass sie einst radikalen Reformer-Gruppen angehörten. Jeder Tod ist eine Inszenierung, für die das biblische „Buch der Offenbarung“ als Vorlage diente. Als Shardlake dem Mörder näher kommt, als er selber ahnt, überlebt er nur knapp ein Attentat. Es ist, als würde der Unbekannte mit ihm spielen. Und noch immer weiß niemand, welchen Zweck der Täter verfolgt. Thomas Seymour befürchtet, Catharine Parr, die Heinrich VIII als seine sechste Gemahlin begehrt, könne in Gefahr sein. Hat er vielleicht doch Recht?

„Das Buch des Teufels“ ist ein wahrer Wälzer und keinen Moment langweilig. Der Leser wird sogleich in die komplexe, atmosphärisch dichte Handlung hinein gezogen und möchte das Buch keinen Moment aus der Hand legen. Zusammen mit Matthew Shardlake, der Hauptfigur, rätselt er, wer der Täter ist, welche Motive ihn bewegen und was sein Ziel ist. Das Ende wird konsequent durchgezogen und entbehrt nicht einiger Überraschungen. C. J. Sansom, Jahrgang 52, studierte Geschichte und arbeitete anschließend als Rechtsanwalt. Seine profunden Kenntnisse in beiden Gebieten machen sich im vorliegenden Roman positiv bemerkbar: Die historischen Fakten sind hieb- und stichfest und nur stellenweise um einige fiktive Wendungen ergänzt worden, wie der Autor in den „Anmerkungen“ erklärt. Das Milieu, das Denken, Handeln und Sprechen der Protagonisten wirkt glaubwürdig. Auch die Vorgehensweise der Ermittler, Anwälte, Ärzte etc. orientiert sich an historischen Quellen und ist nachvollziehbar beschrieben.

Die Protagonisten sind typische Kinder einer Ära, die geprägt ist von der Willkür eines absoluten Herrschers, der die Kirche spaltete, und einer religiösen Reform- und Gegenreformbewegung, die bizarre moralisierende Auswüchse annahm, nachdem Heinrich VIII kein nennenswertes Interesse an einer klaren Linie zeigte. Das Volk war abergläubisch und überwiegend streng religiös. In Folge glaubt mancher der Ermittler, die Morde seien ein Werk des Teufels und die Antwort auf das lasterhafte Leben des Monarchen. Matthew Shardlake ist nicht der gängige attraktive, strahlende Roman-Held. Allmählich kommt er in die Jahre, durch seinen Buckel wird er oft das Opfer gemeinen Spottes, aber sein Verstand ist scharf, er ist verschwiegen und zuverlässig, und so betrauen ihn hohe Würdenträger wie Erzbischof Cranmer gern mit wichtigen Aufgaben.

Shardlake zur Seite stehen sein treuer Gehilfe Jack Barak und der kluge Arzt Guy Malton, in dessen Adern maurisches Blut fließt. Auch durch diese Freunde erfährt der Leser vieles über das Leben der einfachen Menschen, den Status, den Ausländer innehatten, und den Stand der Medizin. Im Laufe der Handlung befasst sich Shardlake mit mehreren Fällen. Erst nach und nach werden die großen und kleinen Zusammenhänge deutlich bzw. erweisen sich scheinbare Nebensächlichkeiten als wichtige Details, die später die Ermittlungen voran bringen. Shardlake und seine Kollegen verfolgen falsche Spuren, landen in Sackgassen, kommen dann wieder durch neue Hinweise und Beharrlichkeit der Lösung Stück um Stück näher. Dies wird realistisch und spannend beschrieben; die Gefahr ist allgegenwärtig, und mehr als einmal versucht der Mörder, seine Häscher in eine Falle zu locken. Romantische Entwicklungen spielen keine große Rolle – „Das Buch des Teufels“ ist ein waschechter historischer Krimi.

Shardlake weiß, dass er kein schöner Mann ist. Als Dorothy wieder frei ist, schwankt er zwischen vorsichtiger Hoffnung und Pessimismus. Barak ist verheiratet, aber seit Tamasins Fehlgeburt kriselt es zwischen den beiden. Malton bildet einen hübschen Jungen zu seinem Nachfolger aus, für den er Gefühle entwickelt. Allerdings ergänzen diese Szenen lediglich die wirklichkeitsnahe Handlung um einen weiteren Aspekt und werden nicht so weit vertieft, dass sie zur pikanten Würze verflachen.

C. J. Sanson schreibt bedächtig und flüssig zugleich, er trifft stets den richtigen Ton und lässt seine Charaktere in der Phantasie des Lesers lebendig werden. Wie ein Film läuft die Handlung ab und macht neugierig auf die weiteren „Shardlake“-Romane, die allesamt in sich abgeschlossen sind. Bei Fischer liegen vier Bände vor, und ein fünfter ist in Vorbereitung. Schätzt man historische Kriminalromane, die vor einer gut recherchierten Kulisse spielen, mit interessanten Protagonisten aufwarten und spannend bis zur letzten Seite sind, wird man von C. J. Sansoms Titeln begeistert sein. „Das Buch des Teufels“ überzeugt auf der ganzen Linie!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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