Fischer

Das unvollendete Bildnis

Vor 16 Jahren starb ihre Mutter als verurteilte Gattenmörderin. War Caroline Crale womöglich unschuldig? Auf Bitte der Tochter rollt Detektiv Poirot den Fall neu auf. Obwohl sich die Zeugen von einst drastisch widersprechen, kann er das Geschehen rekonstruieren, was zu einem dramatischen Ergebnis führt … – Aus fünf scheinbar eindeutigen Zeugenaussagen destilliert Privatermittler Hercule Poirot in seinem 23. Fall nachträglich völlig logisch eine Wahrheit, die mit einem gelungenen Täuschungs-Twist präsentiert wird: Agatha Christie legt einen weiteren Höhepunkt ihrer Serie vor.

Das Haus in Cold Hill

Familie Harcourt zieht in ein Spukhaus ein, dessen Bewohner es nach dem Willen des dort regierenden Ober-Geistes selbst tot nicht verlassen dürfen; aus Irritation wird Angst, aus nächtlichen Vorfällen nackter Terror, während besagte Familie die Todesfalle zu verlassen versucht … – Quasi ein Kompendium sämtlicher Klischees, die das Genre „Ghost Story“ zu bieten hat; das dürftige, in die Länge gezogene Garn leidet zusätzlich unter Flach-Figuren und objektiv dämlichen Geistern: Stärker als Familie Harcourt leidet wieder einmal die Leserschaft.

Der rosenrote Schirm

In New York gerät das Detektiv-Ehepaar Patrick und Jean Abbott in die Intrigen der Bland-Familie, deren Angehörige sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen und dabei in ihrem Umfeld für tödliche Kollateralschäden sorgen … – Verwickelter Rätsel-Krimi um die vielen Geheimnisse einer dysfunktionalen Familie, die auf ‚moderne‘ Art sowie unter Andeutung nächtlicher Zwischenmenschlichkeiten, gelöst werden: viel Routine aber mit interessantem Zeit- und Lokalkolorit.

Ein Mord wird angekündigt

Ein Mord wird angekündigt und tatsächlich begangen. Der Täter muss sich unter den Zeugen befinden, doch die sind so unverdächtig, dass ihnen eine listige Privat-Ermittlerin auf die Schliche kommen muss … – Der vierte Miss-Marple-Roman bietet einen ebenso bizarren wie spannenden Mordfall, der auf klassisch englische Krimi-Art gemächlich, gründlich und unterhaltsam aufgeklärt wird. In die typische Betulichkeit mischen sich ironische Spitzen, die allzu offensive Realitätsferne unaufdringlich abfedern.

Die Niemandstraße/Eine kleine Mordmusik

Für den scheinbar unmöglichen Mord an einem allseits verhassten Musikkritiker gibt es nach dem Geschmack von Scotland Yard zu viele Verdächtige. Ein ebenfalls involvierter Detektiv findet dagegen die Aktivitäten der angeblich unschuldigen Verwandten und Hausfreunde wesentlich interessanter … – Dieser klassische „Whodunit“ aus der Spätphase dieses Krimi-Genres ist spannend, witzig und wartet mit einer bizarren Final-Auflösung auf, die mit Humor zu nehmen ist.

Die Tote in der Bibliothek

In der Bibliothek eines entsetzten Ehrenmanns findet man die Leiche einer jungen Frau. Obwohl gleich drei Ermittler den Fall höchst professionell untersuchen, löst erst eine ältere Dame mit Blick für das Wesentliche das Mordrätsel … – Agatha Christie verschmilzt in ihrem zweiten Miss-Marple-Krimi Talent und Routine zu einem Klassiker des Genres, der sein Publikum mit Spannung und (leicht ironischen) Witz scheinbar spielerisch aber jederzeit kontrolliert unterhält.

Blade Runner

Kopfgeldjäger Deckard sucht und eliminiert Androiden, die sich widerrechtlich auf einer Erde verstecken, die der Mensch zugrunde gerichtet hat. Dabei entdeckt er eine ‚parallele‘ Welt, die womöglich die eigentliche Realität darstellt … – Spätestens seit und wegen der grandiosen Verfilmung (1982) gilt dieser Roman als Meisterwerk, obwohl Autor Dick sein typisches Thema – die Frage nach der ‚Realität der Realität‘ – durchspielt: Genau das gelingt ihm mit einer Meisterschaft, die auch heute fesselt, obwohl Dicks Blick in die ‚Zukunft‘ schon vor vielen Jahren entstand.

Das Zeichen der Vier

Der jungen Mary Morstan werden Perlen zugesandt. Dies sei der kleine Teil eines Vermögens, um den ihr vor Jahren verschollener Vater geprellt worden sei, informiert sie der anonym bleibende Wohltäter, der nun für Genugtuung sorgen möchte. Mary wendet sich Hilfe suchend an den Beratenden Detektiv Sherlock Holmes, der den interessanten Fall übernimmt und sich rasch in eine turbulent-mörderische Schatzsuche verwickelt sieht … – Zweiter Auftritt von Sherlock Holmes, im Vergleich zum Debüt mit deutlich erkennbaren Fortschritten im Handlungsbogen, der straff in ein spannendes Finale mündet, dem freilich ein allzu ausführliches Erklärbär-Kapitel aufgepfropft wird.

An den Ufern der Dunkelheit

Schriftsteller Daniel Defoe gerät in ein Intrigengespinst, als er zusagt, nach einer verschollenen Frau zu suchen. „Anne Bonny“ ist womöglich eine Anwärterin auf den englischen Königsthron, weshalb sowohl die Regierung als auch die Opposition sie finden wollen, weshalb die Fahndung die gesamte bekannte Welt erfasst … – Ungemein spannendes, fabelhaft geplottetes und schnörkellos erzähltes Garn, das Geschichte und Thriller vorbildlich verknüpft sowie – noch erstaunlicher! – auf schaumige Liebesgeplänkel u. ä. Abschweifungen verzichtet: ein Pageturner!

Tödliche Post

Ausländertücke scheint hinter einer Verfolgung zu stecken, der eine junge Frau und ihre Pflegetochter ausgesetzt sind. Verkompliziert wird die Sache durch eine Erbschaft, deren Nutznießer durch Mord ausgedünnt werden … – Klassischer „Frau-in-Gefahr-aber-Mr.-Right-ist-nahe“ Thriller, der die Heldin geschickt unter Druck setzt und bis zuletzt für Verwirrung sorgt, wobei die Autorin für eine zunehmend beklemmende Atmosphäre des Verdachts und der Angst sorgt: ungeachtet vieler Klischees spannend.