Fischer

Die Niemandstraße/Eine kleine Mordmusik

Für den scheinbar unmöglichen Mord an einem allseits verhassten Musikkritiker gibt es nach dem Geschmack von Scotland Yard zu viele Verdächtige. Ein ebenfalls involvierter Detektiv findet dagegen die Aktivitäten der angeblich unschuldigen Verwandten und Hausfreunde wesentlich interessanter … – Dieser klassische „Whodunit“ aus der Spätphase dieses Krimi-Genres ist spannend, witzig und wartet mit einer bizarren Final-Auflösung auf, die mit Humor zu nehmen ist.

Die Tote in der Bibliothek

In der Bibliothek eines entsetzten Ehrenmanns findet man die Leiche einer jungen Frau. Obwohl gleich drei Ermittler den Fall höchst professionell untersuchen, löst erst eine ältere Dame mit Blick für das Wesentliche das Mordrätsel … – Agatha Christie verschmilzt in ihrem zweiten Miss-Marple-Krimi Talent und Routine zu einem Klassiker des Genres, der sein Publikum mit Spannung und (leicht ironischen) Witz scheinbar spielerisch aber jederzeit kontrolliert unterhält.

Blade Runner

Kopfgeldjäger Deckard sucht und eliminiert Androiden, die sich widerrechtlich auf einer Erde verstecken, die der Mensch zugrunde gerichtet hat. Dabei entdeckt er eine ‚parallele‘ Welt, die womöglich die eigentliche Realität darstellt … – Spätestens seit und wegen der grandiosen Verfilmung (1982) gilt dieser Roman als Meisterwerk, obwohl Autor Dick sein typisches Thema – die Frage nach der ‚Realität der Realität‘ – durchspielt: Genau das gelingt ihm mit einer Meisterschaft, die auch heute fesselt, obwohl Dicks Blick in die ‚Zukunft‘ schon vor vielen Jahren entstand.

Das Zeichen der Vier

Der jungen Mary Morstan werden Perlen zugesandt. Dies sei der kleine Teil eines Vermögens, um den ihr vor Jahren verschollener Vater geprellt worden sei, informiert sie der anonym bleibende Wohltäter, der nun für Genugtuung sorgen möchte. Mary wendet sich Hilfe suchend an den Beratenden Detektiv Sherlock Holmes, der den interessanten Fall übernimmt und sich rasch in eine turbulent-mörderische Schatzsuche verwickelt sieht … – Zweiter Auftritt von Sherlock Holmes, im Vergleich zum Debüt mit deutlich erkennbaren Fortschritten im Handlungsbogen, der straff in ein spannendes Finale mündet, dem freilich ein allzu ausführliches Erklärbär-Kapitel aufgepfropft wird.

An den Ufern der Dunkelheit

Schriftsteller Daniel Defoe gerät in ein Intrigengespinst, als er zusagt, nach einer verschollenen Frau zu suchen. „Anne Bonny“ ist womöglich eine Anwärterin auf den englischen Königsthron, weshalb sowohl die Regierung als auch die Opposition sie finden wollen, weshalb die Fahndung die gesamte bekannte Welt erfasst … – Ungemein spannendes, fabelhaft geplottetes und schnörkellos erzähltes Garn, das Geschichte und Thriller vorbildlich verknüpft sowie – noch erstaunlicher! – auf schaumige Liebesgeplänkel u. ä. Abschweifungen verzichtet: ein Pageturner!

Tödliche Post

Ausländertücke scheint hinter einer Verfolgung zu stecken, der eine junge Frau und ihre Pflegetochter ausgesetzt sind. Verkompliziert wird die Sache durch eine Erbschaft, deren Nutznießer durch Mord ausgedünnt werden … – Klassischer „Frau-in-Gefahr-aber-Mr.-Right-ist-nahe“ Thriller, der die Heldin geschickt unter Druck setzt und bis zuletzt für Verwirrung sorgt, wobei die Autorin für eine zunehmend beklemmende Atmosphäre des Verdachts und der Angst sorgt: ungeachtet vieler Klischees spannend.

Ein kerngesunder Tod

Im norwegischen Trondheim werden Nachwuchssportler per Doping zu Höchstleistungen gebracht – oder zu Tode, weshalb Kommissarin Anne-kin Halvorsen in ihrem dritten Fall gegen eine Mafia antritt, gegen die sich ihr klassisches Vorbild als geradezu schwatzhaft erweist … – Schon angejahrter aber inhaltlich keineswegs veralteter Krimi, dessen Autorin erfreulich zügig und ohne allzu ausgeprägten skandinavischen Weltschmerz ihr Garn spinnt.

Frauen reden zuviel

Als in einer nur scheinbar noblen Pension ein Gast auf unnatürliche Weise stirbt, wird eine junge Frau als Sündengeiß missbraucht, bis ein findiger Polizist ein Komplott aufdeckt … – Auch dieser Krimi des Schriftstellers Seldon Truss ist es wert, der Vergessenheit entrissen zu werden: Mit viel Humor werden „Whodunit“-Klischees auf die Spitze getrieben, ohne dass dadurch Spannung und Handlungslogik leiden. Für die Fans des Genres ein Geheimtipp!

Die Schattenhand

Anonyme Briefe sorgen dafür, dass sich die Bürger eines englischen Dorfes gegenseitig beschuldigen und belauern; als sich eines der Opfer umbringt und die Polizei erfolglos bleibt, mischt sich Amateur-Ermittlerin Jane Marple ein … – Der dritte Miss-Marple-Roman ist eigentlich keiner, da die berühmte Ermittlerin nur eine Gastrolle spielt. An der rätselkrimitypischen Spannung ändert dies nichts, auch wenn die von Christie präsentierte Anti-Dorfidylle stärker beeindruckt als die Auflösung.

Tragödie in drei Akten

Der scheinbar zufällige Tod eines Geistlichen erweist sich als Glied einer komplex verschlungenen Kette krimineller Taten, mit der einer alten Tragödie mörderisch neues Leben eingehaucht wird … – Im 16. Roman um den Privatermittler Hercule Poirot zeigt sich Agatha Christie auf der Höhe ihrer Krimi-Kunst: Plot, Story und Figurenzeichnung wirken nicht altmodisch, sondern zeitlos.