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Selbstauslöser

Erstellt von Werner Karl am 10. Januar 2012

Michael Lister
Selbstauslöser

Hoffmann und Campe Verlag
ISBN 978-3-455-40328-2
Thriller
Originaltitel: Double Exposure
Erschienen am 29.08.2011
Umfang: 240 Seiten, HC mit Schutzumschlag

www.hoffmann-und-campe.de
www.michaellister.com
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Michael Lister wuchs im Nordwesten Floridas auf, wo er heute noch lebt. Er hat sich als Autor von Romanen, Essays, Theaterstücken und Drehbüchern einen Namen gemacht. Wenn er nicht schreibt, studiert er Literatur, Film und Theologie und unterrichtet am Gulf Coast Community College. Lister engagiert sich außerdem im Naturschutz. Selbstauslöser, ausgezeichnet mit dem Florida Book Award, ist der erste seiner Romane, der ins Deutsche übersetzt wurde.

Zum Buch:

Zurück in seiner früheren Heimat ? Nordflorida ? widmet sich Remington James wieder seiner Hobbyfotografie. Im Wald stellt er Kamerafallen auf, um die dort lebenden Tiere ungestört in ihrem Lebensraum fotografieren zu können. Er nutzt die Zeit, in der Natur alleine zu sein. Mit sich selbst sehr stark gedanklich beschäftigt und in der Weite der Wildnis versunken macht er sich auf den Weg zu seinen Kameras, jedoch weiß er noch nicht, was ihm in dieser Nacht bevor steht. Denn ein ?Selbauslöser? hat einen Mord aufgezeichnet und bevor er das Festgehaltene begreifen kann, wird auch schon auf ihn geschossen. Denn er ist im Besitz von verhängnisvollem Beweismaterial. Eine Jagd auf Remington setzt in der beginnenden Nacht ein und seine einzige Überlebenschance liegt im neuen Tagesanbruch. Ob er es schaffen wird, ist fraglich, denn seine Verfolger lassen nicht von ihrer Beute ab …   

Fazit:

Dieses Buch ist ein eher ungewöhnlich anzusehender Thriller – nichts von der Stange. Ist diese Einschätzung nun eher positiv oder negativ zu sehen? Die Idee für dieses Buch ist nicht schlecht, doch ich bin im Bezug auf die Umsetzung absolut gespalten. Zu dem eigentlichen Mord und der Jagd auf den Zeugen Remington durch den Wald arbeitet dieser das eigene Leben mit seinen Erinnerungen in eigentlich unpassenden Momenten auf. Hierbei bestimmen vergangene Erlebnisse insbesondere mit seinen Vater und Gespräche mit seiner (Ex)-Frau eine tiefgründige Rolle. Diese wirken dadurch fast wichtiger als die “Thrilleraspekte”. Die  Gedankenstränge der Vergangenheit fließen meist dann ein, wenn die eigentliche Handlung an Spannung gewinnt und dadurch natürlich das aufkommende Tempo der Spannung jäh unterbrochen wird.

Für mich persönlich war zudem auch der Schreibstil des Buches schwierig, ich musste mich erst hineinfinden. Wenn man Listers Faible für Hemingway vorab kennt, versteht man auch die abgehakten Wörter und Aneinanderreihung von Ausdrücken, die das Ganze sehr schnell und “blitzlichtartig” wirken lassen. Zudem verfällt der Autor sehr ins bildhaft Beschreibende, benutzt eine wahre Flut von Adjektiven oder mischt dies plötzlich mit endlos langen konstruierten Sätzen. Gewöhnungsbedürftig! Insgesamt gesehen ist der Thriller anders strukturiert, als ich es kenne oder gewohnt bin. Er hat mich auch aufgrund der auch übersichtlichen Seitenzahl zwar schnell unterhalten, aber leider nicht richtig überzeugen können.

“Selbstauslöser” ist kein Mainstream-Thriller. Die durchgängige Spannung fehlt mir, nur das Ende stimmt mich etwas positiver, da hier endlich der ersehnt Überraschungsmoment auftaucht. Im Gesamten sollte sich jeder Thriller-Liebhaber über dieses Buch besser ein eigenes Urteil bilden. Positiv anzumerken ist jedoch das Cover, farblich ansprechend und auch vom Einband her aufwändig mit einer erhabenen Struktur gestaltet.

Copyright © 2012 by Sandra Stockem
 
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Das Monstrum – Tommyknockers

Erstellt von Michael Drewniok am 9. Januar 2012

Stephen King
Das Monstrum – Tommyknockers

(sfbentry)
Originaltitel: The Tommyknockers (New York : Viking Penguin Inc. 1988)
Übersetzung: Joachim Körber
Deutsche Erstausgabe (geb.): März 1988 (Hoffmann und Campe Verlag)
687 S.
ISBN-10: 3-455-01902-1
Als Taschenbuch: Wilhelm Heyne Verlag (TB Nr. 01/7995)
687 S.
ISBN-10: 3-453-03697-2
Neuausgabe: Februar 2011 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 43585)
Übersetzung: Joachim Körber, bearbeitet von Lars Klappert
1072 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-43585-8
Als eBook: März 2011 (Wilhelm Heyne Verlag)
1072 Seiten
ISBN-13: 978-3-641-05354-3

Titel bei Buch24.de
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Titel bei Booklooker.de (Auf der Website bitte den Autorennamen „King“ eintragen)

Das geschieht:

Mitten im schönen US-Staat Maine liegt dort, wo die Wälder tief und die Menschen rustikal sind, das kleine Städtchen Haven. Die Bürger bleiben gern unter sich, Touristen verirren sich nur selten in diese Gegend. So gefällt es Roberta „Bobbi“ Anderson, beliebte Autorin viel gelesener Western-Romane, aber privat eher auf Abstand bedacht und daher recht zufrieden in der einsam gelegenen Waldhütte eines verstorbenen Onkels hausend. Gesellschaft leisten ihr dort zeitweise Jim Gardener, einst Dichter und erfolgreicher Universitätsdozent, heute ein ausgebrannter Alkoholiker und ungebremst auf dem Weg in den Untergang, sowie der alte Beagle Peter.

Bobbi streift nach einem harten Tag hinter der Schreibmaschine – wir schreiben das Jahr 1988 – gern durch die ausgedehnten Wälder hinter ihrem kleinen Haus. Bei einem dieser Spaziergänge stößt sie auf ein merkwürdiges metallenes Artefakt, das harmlos aus dem Boden ragt. Erst neugierig geworden, dann erfasst von einem seltsamen inneren Drang, beginnt Bobbi zu graben und legt Teile eines Objektes frei, das riesengroß und rund ist: Bobbi ist auf eine Fliegende Untertassen gestoßen, die vor vielen Jahren abstürzte und vom Schutt der Äonen begraben wurde, aber dabei völlig unbeschädigt blieb: außen und vor allem innen …

Bobbi gerät in den Bann ihres Fundes, der auf unheimliche Art ihr Denken und Handeln bestimmt. Auch der entsetzte Jim Gardener kann den unheiligen Zauber nicht brechen: Die „Tommyknockers“, sagenhafte Geister oder Dämonen, die den Menschen des Nachts in böser Absicht auflauern, treten in der Gestalt außerirdischer Untoter auf. Erst ist es nur die unglückliche Bobbi, die sich in einer aberwitzigen Metamorphose in ein Wesen aus einer anderen Welt verwandelt. Dann kommen die Tommyknockers über die Bürger von Haven; sie wollen endlich vollenden, was ihnen einst misslang: die biologische Unterwanderung und Übernahme der gesamten Menschenwelt …

Großes Drama in kleiner Stadt

„Es war eine Fliegende Untertasse. Sie waren von der Air Force abgetan worden, von denkenden Wissenschaftlern, von Psychologen. Kein Science-fiction-Autor mit einem Funken Selbstachtung baute eine in seine Geschichten ein … Sie waren der älteste Heuler in einem Buch. Fliegende Untertassen waren mehr als passé; allein schon die Vorstellung war ein Witz, und nur Wirrköpfe und religiöse Exzentriker räumten ihnen überhaupt noch Platz ein, und selbstverständlich die Regenbogenpresse …“

Klar, dass ein mit allen Wasser der Schriftstellerei gewaschener Vollprofi wie Stephen King nicht widerstehen konnte und ausprobieren wollte, ob er quasi mit einer auf den Rücken gebundenen Schreibhand ein uraltes Klischee mit neuem Leben erfüllen konnte. In gewisser Weise ist es ihm zweifellos gelungen, doch in den Chor der Begeisterung mischt sich die Stimme der Kritik, die da verkündet, dass nicht nur die Tommyknockers schon lange mausetot sind.

Aber Vorsicht: „The Tommyknockers“ entstand bereits im Jahre 1988. Da lagen „Akte X“ und tausend Epigonen noch in der Zukunft. Kings spukiges Alien-Garn ist daher längst nicht so abgedroschen, wie es dem heutigen Leser erscheinen mag. Trotzdem blieb dem Roman schon damals das Wohlwollen der Kritik versagt. (Nichts Neues für Stephen King.) Auch die Resonanz des Publikums blieb verhalten, was noch lange nicht hieß, dass es sich beim Buchkauf zurückhielt: Auch die „Tommyknockers“ fuhren wieder einmal Rekord-Geldernten ein.

Warum mag niemand die „Tommyknockers“?

Und doch scheint dieser Geschichte das gewisse Etwas zu fehlen, das King-Werke wie „Shining“ oder „Salem’s Lot“ (dt. „Brennen muss Salem“) in den Rang ewiger Klassiker erhob. Was es ist, lässt sich nur nach langem Nachsinnen in Worte fassen. Unvoreingenommen (neu) gelesen, ist „The Tommyknockers“ nämlich eine sehr vergnügliche Tour-de-force durch Science Fiction und Horror.

Doch King lässt hier etwas geschehen, was er bis dato besser im Griff hatte: Er verschleppt die Geschichte, überfrachtet sie mit überflüssigen Nebenhandlungen und bläht sie dadurch unnötig auf. Daran mussten wir Fans uns nach 1990 leider gewöhnen, denn Kings Romane wurden zunehmend geschwätziger und seelenloser. Nach eigenem Geständnis war dies eine Folge seiner zunehmenden Alkohol- und Drogensucht. Nachträglich versteht man natürlich besser, wieso King den quälenden Seelennöten und Delirien des Jim Gardener so viel Spielraum gibt: In gewisser Weise schrieb er gegen ganz persönliche Dämonen an. (Um den letzten Tropfen aus der King-Kuh zu melken, wurde dem deutschen Publikum 2011 eine „bearbeitete“ und „ungekürzte“ Fassung der „Tommyknockers“ präsentiert, die dank einer kreativen Satzgestaltung auf knapp 1100 Seiten angeschwollen ist …)

Die Episodenhaftigkeit wird durch die eigentümliche Dreiteilung der Geschichte unterstrichen. Teil 1 schildert die Entdeckung des Raumschiffs durch Bobbi Anderson und führt Jim Gardener ein. Teil 2 – mit Abstand der bessere – wirft einen Blick auf das Kleinstadtleben von Haven, das durch die Tommyknockers einen bemerkenswerten, wenn auch unguten Aufschwung erfährt. Teil 3 leitet zwar das große Finale ein, wechselt aber noch einmal die Perspektive und wirft Bobbis Schwester Anne, den Schrecken ihrer Kindheit, in die Handlung. Das führt zu weiteren, jetzt störenden Verzögerungen: Anne hätte eindeutig früher auftreten müssen, wenn sie nicht überhaupt als Figur überflüssig ist. Jetzt sollte sich alles nur noch um die Apokalypse in Haven drehen, die weiß Gott spektakulär genug ausfällt. Die böse Schwester kann vor dieser Kulisse kein Profil gewinnen, und ihr schauriges, verdientes Ende lässt den Leser kalt.

Zeitlos und immer wieder gern beschworen

Ganz der Alte ist King mit seiner Prämisse geblieben, dass Außerirdische auch nur Menschen (und nicht zwangsläufig die Elite des Universums) sind. Als solche ließ er sie nach 1988 mehrfach über die Erde herfallen. Mal laden sie High-Tech-Schrott ab und bescheren den neugierigen Findern die Überraschung ihres Lebens („From a Buick Eight“, 2002, dt. „Der Buick“), dann planen sie eine Invasion der etwas offensiveren aber einfältigen Art („Dreamcatcher“, 2001, dt. „Duddits – Dreamcatcher“)

Hier manchmal rammen sie also eine Fliegende Untertasse unangespitzt in den Waldboden des schönen, dank King von Vampiren, Zombies und ähnlichen Unholden viel geplagten US-Staates Maine. Die Parallelen zwischen „Tommyknockers“ und den beiden anderen Werken sind erstaunlich, wenn man sie in kurzem Abstand liest. Sie können mit Fug und Recht als Variationen desselben Themas bezeichnet werden, ohne dass King deshalb ein Vorwurf gemacht werden könnte. Er ist stets der erste, der darauf hinweist, dass ihm schon lange nichts wirklich Neues mehr einfällt – eigentlich nie eingefallen ist, denn auch die viel gelobten Frühwerke stützten sich stets auf Genreklassiker. Vampire, Werwölfe, Mutanten: Wenn King überhaupt jemals ein ‚neues‘ Monster erfunden hat, dann ist es der (wieder außerirdische) Gestaltwandler, den er in „It“ (dt. „Es“) 1986 in die Welt setzte.

Sie kommen gern wieder

Pennywise, der finstere Clown, aus „Es“, bekommt übrigens in „Tommyknockers“ einen Cameo-Auftritt. Dieselbe Ehre erfährt David Bright, rasender Reporter aus „The Dead Zone“ (1979, dt. „Das Attentat“). Die wenigen überlebenden Tommyknockers erleiden ein Schicksal, das man selbst ihnen nicht gewünscht hätte: Sie fallen dem wiedererstandenen „Shop“ in die Hände, den 1980 das „Feuerkind“ Charlie („Firestarter“) in Schutt und Asche gelegt hatte.

King liebt es, zwischen seinen Werken solche Verbindungen herzustellen. Er greift auch auf die Schöpfungen von Kollegen zurück; so ist Hugh Crane, der zwielichtige Gründervater Havens, natürlich eine Reminiszenz an den gleichnamigen Erbauer des furchtbaren „Hill House“, dem Regisseur Robert Wise 1962 ein filmisches Denkmal setzte („The Haunting“, dt. „Bis das Blut gefriert“).

„The Tommyknockers“ wurde – wie die meisten Stephen King-Geschichten schlecht – verfilmt: 1993 als aufwändig in Szene gesetzter TV-Zweiteiler mit Marg Helgenberger als Bobbi Anderson und Jimmi Smits als Jim Gardener; drei Stunden lähmender Langeweile, die den Zuschauer wünschen lassen, selbst von den Tommyknockers überfallen zu werden, damit das Elend endlich sein Ende hat.

Autor

Normalerweise folgt an dieser Stelle ein Autorenporträt. Hier unterbleibt dies; aus gutem Grund, denn der überaus beliebte Schriftsteller ist im Internet umfassend vertreten. Nur zwei Websites – die eine aus den USA, die andere aus Deutschland –  seien stellvertretend genannt;  sie bieten aktuelle Informationen, viel Background und zahlreiche Links.

[md]

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Der Ruf der Finsternis

Erstellt von Werner Karl am 19. Oktober 2011

Marcus Reichard
Der Ruf der Finsternis
Algarad 2

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2010, 1. Auflage: 01/2011
TB, Fantasy
ISBN 978-3-455-40259-9
Titelgestaltung von katrinsteigenberger.de
Karte von Marius Durruti Wloka
Foto von privat

www.hoca.de
www.algarad.com
www.katrinsteigenberger.de

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Tenan, ein junger Comori der vierten Stufe, wird von dem Zauberer Osyn ausgebildet. Aufgrund der Ungeduld des jungen Mannes geht dabei so einiges schief. Durch Zufall gerät Tenan an den Meledos-Kristall. Dieser befand sich einst im Besitz des geheimnisvollen Volkes der Emin. Osyn schickt den jungen Zauberkundigen aus, den Kristall zum Orden von Dan zu bringen und dessen Mitglieder vor dem Todesfürsten Achest zu warnen. Dieser hat seine Gredows, furchtbare Ungeheuer mit übermenschlichen Kräften und grausamer Gesinnung, ausgeschickt, das Inselreich Algarad zu erobern.

Zahlreiche Abenteuer liegen hinter Tenan. Auf seinem Weg fand er treue Freunde, die ihm helfen, seine Mission fortzuführen. Den Kesselflicker Chast, den bärbeißigen Schiffskapitän Harrid und den Fisk-Hai Dex hat er ebenso in sein Herz geschlossen wie den Waldgeist Usik. Und Eilenna, die Nichte eines blutrünstigen Piraten, hat in ihm tiefe Gefühle erweckt. Sie entwischte um ein Haar dem Krieger Thut Thul Kanen, da ihr Onkel sie bei einer Wette als Siegespreis eingesetzt hatte und verlor. Alle wähnen sich beim Orden von Dan in relativer Sicherheit. Leider währt das Glück nicht lange. Thut Thul Kanen gelingt es, den Meledos-Kristall zu erringen. Nun unterbreitet er dem Orden ein Angebot. Er ist bereit, den Mitgliedern den Kristall zu überlassen. Doch der Preis ist hoch, denn der Krieger will dafür Eilenna.

Die Geschichte um Tenan und seine Abenteuer des als Trilogie angelegten Epos‘ wird spannend weiter erzählt. Dabei werden alle Elemente des Genres bedient. Es gibt sowohl spektakuläre Kampfszenen und magische Begebenheiten als auch romantische Gefühle. Humorige Einlagen fehlen ebenso wenig wie traurige oder entsetzliche Momente. Dabei gelingt es dem Autor, die Waagschale zwischen Abenteuer, phantastischen Begebenheiten und Freundschaft, die alles übersteht, problemlos auszubalancieren und in die Geschichte einzubetten.

Tenan, der oft ungeduldig wirkt, erlangt endlich Gewissheit über seine Lebensaufgabe. Dadurch schafft er es, sich in Geduld zu fassen. Seine aufkeimende Liebe zu Eilenna wird auf eine harte Probe gestellt, als es dem Krieger Thut Thul Kanen ermöglicht wird, sie im Austausch um den Kristall in seine Gewalt zu bringen. Eilenna ist eine selbstsichere junge Frau, die schon viele Gefahren und dramatische Erlebnisse in ihrem Leben zu bestehen hatte. Ihr ist klar, dass der Ausgang der Schlacht vor allem vom Meledos-Kristall abhängt. Daher willigt sie in den Austausch ein. Mutig stellt sie sich einer ungewissen Zukunft. Ihre zarten Gefühle für Tenan sollen ihr helfen, ihr Los zu ertragen. Die übrigen Protagonisten wie Dex, der Fisk-Hai, geben der Geschichte ebenfalls den nötigen Kick.

Trafen im ersten Band die verschiedenen Protagonisten aufeinander, agieren sie im zweiten Band eher unabhängig. Das lässt darauf schließen, dass im großen Finale alle Hauptfiguren wieder zueinander finden und zahlreiche Rätsel aufgelöst werden. Marcus Reichard gelingt es, mit seiner Story eine Welt vor den Augen des Lesers zu erschaffen, die mit phantastischen Elementen und vor allem dem ewigen Kampf gegen Gut und Böse aufwartet. Die Gredows erinnern in ihrer Beschreibung an die Orks; diese agieren ähnlich grausam, und auch die Hackordnung lässt die Vermutung zu, es mit durch und durch bösartigen Wesen zu tun zu haben. Langeweile kommt da garantiert nicht auf. Mit über fünfhundert Seiten gibt es reichlich Gelegenheit für vergnügliche Mußestunden, und auch der Preis ist durchaus angemessen. Die Weichen wurden jedenfalls gestellt, so dass man den Abschlussband sehnsüchtig erwartet.

Leseratten die schon die „Der Herr der Ringe“-Trilogie zu würdigen wussten, werden auch hier keine Enttäuschung erleben, da durch den flüssigen Erzählstil und die Beschreibung phantastischer Begebenheit keine Langeweile aufkommt. Ein Foto des Autors und eine detailreiche Karte der bespielten Welt sind ebenfalls beigefügt. Da könnte durchaus ein Rollenspiel in Erwägung gezogen werden. Junge Erwachsene ab 16 Jahre dürfen sich beruhigt zurücklehnen und die Abenteuer von Tenan und seinen Freunden genießen.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

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Gift

Erstellt von Michael Drewniok am 29. August 2010

William C. Gordon
Gift

Originaltitel: The King of the Bottom; Erstveröffentlichung als: El rey de los bajos fondos (Barcelona : Ediciones El Anden 2008)
Übersetzung: Sepp Leeb
Deutsche Erstausgabe (Klappenbroschur): April 2009 (Verlag Hoffmann und Campe)
301 S.
ISBN-13: 978-3-455-40148-6

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Das geschieht:

Am Bogen über der Einfahrt zur eigenen Müllkippe hängt Armand Hapogian – tot, kastriert und mit vier in den Anzug gestopften Cola-Flaschen, die gefährliche Chemikalien enthalten. In diesem Jahr 1961 und in der Bay Area des US-Bundesstaates Kalifornien sind die Bestimmungen in Sachen Umwelt- und Arbeiterschutz nur rudimentär, weshalb diverse Müllmänner, die offen mit brisanten Giftabfällen hantieren mussten, unfruchtbar geworden sind oder ihre Kinder Geburtsschäden davontrugen.

Detective Lieutenant Bernardi vom Morddezernat des Richmond Police Departments übernimmt den Fall. Rasch schaltet sich Earl „Deadeye“ Graves ein. Der ehrgeizige Staatsanwalt will sich profilieren. Vier illegale mexikanische Arbeiter, die Hapogian gefeuert hatte, gelten aufgrund diverser Indizien als Hauptverdächtige. Für Graves stehen sie als Mörder fest, die er in die Gaskammer bringen will.

Doch Bernardi hält die ‚Beweise‘ für gefälscht. Während Graves ihm die Hände binden kann, stellen sich der idealistische Anwalt Janak Marachak und der Journalist Samuel Hamilton auf die Seite der Mexikaner. Sie recherchieren die Herkunftsgeschichte der Familie Hapogian, die nach dem I. Weltkrieg vor dem Völkermord der Türken und Kurden an den Armeniern flüchten mussten. Dabei finden sich Hinweise auf eine sorgfältig geheim gehaltene Geschichte von Verrat und Rache, der nun auch Joseph Hagopian, Armands Cousin, ähnlich grausig zum Opfer fällt.

Während Marachak den skrupellosen Graves mit Geschick und ein wenig List ausmanövrieren kann, bleiben die Morde ungeklärt, bis der Anwalt und der Journalist auch in dieser Sache weiterkommen und eine tragische Familienfehde aufdecken, die vor vielen Jahren und in einem fremden, fernen Land ihren Anfang nahm …

Andere Zeiten, ähnliche (Un-) Sitten

Zum zweiten Mal werden die ungleichen Freunde Janak Marachak und Samuel Hamilton im Großraum San Francisco der 1960er Jahre im Dienste der Gerechtigkeit aktiv. So lässt sich ihre Tätigkeit wohl am besten umschreiben, denn ‚richtige‘ Krimis bietet die 2007 vom William C. Gordon gestartete Reihe eigentlich nicht. Liegt es daran, dass der Verfasser daran scheitert, seine Geschichte/n glaubhaft in einer Vergangenheit zu verankern, deren naiven Geist er gleichzeitig (unfreiwillig) wiederauferstehen lässt?

Die hier anklingende Kritik richtet sich nicht gegen den Plot. Dieser ist nicht gerade raffiniert, was jedoch kein Nachteil sein muss. Allerdings tut Gordon des (nicht so) Guten deutlich zu viel: Er erzählt absolut eindimensional. Überrascht wird der Leser selten und höchstens, wenn die Story sich einer offenen Frage nähert, die ausführlich beantwortet wird, bevor es betulich weitergeht.

Stilistisch bleibt Gordon ebenfalls schlicht. Auch dies ist bis zu einem gewissen Grad kein Minus-Argument. Wäre „Gift“ ein Roman-Erstling, würde man dem Verfasser die eleganzfreie Handlungsstruktur, den unvollständigen Spannungsbogen und den hoch aber ungeschickt erhobenen Zeigefinger nachsehen. Doch dies ist Gordons zweites Werk. Er hätte es besser wissen und können müssen.

Bilderbuch-Helden und –Bösewichte

Die Vergangenheit wird dort, wo sich keine Kriege, Hungersnöte und andere menschgemachte Katastrophen orten lassen, gern als ‚unschuldigere‘ Zeit glorifiziert. Gordon schwelgt zwar in pädagogisch wertvollen Anklagen gegen Rassismus, Chauvinismus oder soziale Ungerechtigkeit, bleibt dabei jedoch erzählerisch einem Niveau verhaftet, das ihn als politisch korrekten Gutmenschen karikiert, der er sicherlich nicht sein möchte: Wenn ‚nichtweiße Minderheiten‘ – Armenier, Mexikaner, Chinesen – auftreten, schließt sich garantiert ein humanitärer Vortrag an, dem unsere Helden beschämt folgen, denn irgendetwas ethnografisch Unkorrektes haben sie stellvertretend für die Leser bestimmt ausgefressen!

Dabei sind sie faktisch viel zu gut, um wahr zu sein. Egal ob Anwalt, Journalist oder Polizist, sie gehen in ihrem jeweiligen Job auf, zahlen notfalls für Dienstreisen u. a. im Dienste der Wahrheit erforderliche Spesen selbst, die vernagelte Vorgesetzte und Redakteure nicht übernehmen wollen, und arbeiten rund um die Uhr, um verängstigte Mexikaner dem Würgegriff des erbarmungslosen Systems zu entreißen. Privat sind Hamilton, Marachak und Bernardi sensible Familienmenschen und rührend schüchtern im Umgang mit der holden aber starken Weiblichkeit.

Entsprechend – also kindlich – grimmig überzeichnet Gordon die Bösen in seiner Geschichte. Primär Earl „Deadeye“ Graves gerinnt ihm zur Witzfigur, die der Leser keine Sekunde ernst nehmen kann. Er sieht aus wie ein Trottel, spricht wie ein Zeichentrick-Schurke, und als er vor Gericht endlich gefährlich werden könnte, nimmt ihn Marachak nach allen Regeln der Kunst auseinander. Graves ist nie Gegner, und als er, der bisher das Geschehen entscheidend mitbestimmt hat, sein Pulver verschossen hat, nimmt Gordon ihn sang- und klanglos aus der Handlung.

„Und was nun?“ betitelt der Autor das neunte Kapitel, das der Gerichtsverhandlung folgt. Gute Frage, denn der tückische Staatsanwalt ist weg vom Fenster, die zu Unrecht angeklagten Arbeiter sind frei. Die Ereignisse stocken und nehmen dann einen gänzlich neuen Verlauf. Damit möchte Gordon offensichtlich Spannung generieren. Stattdessen verliert der Leser endgültig den Boden unter den Füßen.

In der ungeschickt angestückelter Auflösung der Hapogian-Morde zaubert der Autor die Täter förmlich aus dem Hut. Sie gehörten nie zu den Verdächtigen. Mit keiner Silbe fanden sie bisher Erwähnung. Folglich lassen ihre (zudem denkbar unspektakuläre) Entlarvung und die Erklärung für ihr mörderisches Tun kalt. Es kommt noch schlimmer: Nachträglich denunziert Gordon Armand Hapogian als kaltherzigen Sadisten, der sein Schicksal verdient hat. Auf diese Weise versucht er, Mitleid und Verständnis für die Täter zu wecken. Dies scheint ihm in letzter Sekunde eingefallen zu sein, und so wirkt dieses Ende auch: plump angeflanscht.

Historienkrimi außerhalb der Zeit

„Gift“ spielt 1961. Fände dieses Datum nicht mehrfach Erwähnung, würde es der Leser vergessen, denn Zeitkolorit geht dieser Geschichte völlig ab – eine Todsünde für einen Historienroman! Wieso geht Gordon in die Vergangenheit zurück, wenn er diese nie als handlungsimmanenten Faktor und nicht einmal als simple Kulisse einsetzt? Man benutzt keine Handys und recherchiert nicht per Internet. Ansonsten fallen dem Leser zwischen der Welt von 1961, wie Gordon sie beschreibt, und der Gegenwart keine besonderen Unterschiede auf.

Hin und wieder scheint der Verfasser selbst zu merken, dass er den Zeitpunkt des Geschehens markieren muss. Dann nennt er einige Preise von Gestern oder weist gleich mehrfach darauf hin, dass Fotografen Blitzlichtwürfel verwenden. Der Plot führt ebenfalls keine Wende herbei. Der Auslöser für die beschriebene Fehde liegt bereits 1961 so viele Jahre zurück, dass sie den beteiligten Familien, die längst erfolgreich auf den „American Way of Life“ eingebogen sind, herzlich gleichgültig geworden sein dürfte. So ergeht es auch dem Leser, der zu allem Überfluss letztlich feststellen muss, wie dämlich der umständlich eingefädelte Mordplan im Grunde ist, der hier für Krimispannung sorgen soll.

Wieso erscheint in Deutschland der nur wohlwollend als mittelmäßig zu klassifizierender Roman eines nur bedingt talentierten Verfassers in repräsentativer Klappenbroschur, während so viele wirklich gute Krimis nicht übersetzt werden oder unveröffentlicht bleiben? Darüber können nur Vermutungen angestellt werden. Fakt ist dagegen der begründbare Ärger über ein Buch, dessen unterhaltsamen Qualitäten zu wünschen übrig lassen. Gordon sieht dies naturgemäß anders. Er schreibt bereits am vierten Band seiner Serie …

Autor

William C. Gordon wurde 1937 in Südkalifornien geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er im Osten von Los Angeles in einem überwiegend mexikanisch geprägten Umfeld auf; Spanisch ist deshalb quasi Gordons zweite Muttersprache.

An der University of California in Berkeley studierte Gordon Englische Literatur. Nach seiner Militärzeit begab er sich auf eine einjährige Weltreise Anschließend nahm er am Hastings College of Law in San Francisco ein Jurastudium auf. Nach seinem Abschluss ließ sich Gordon 1965 als Anwalt nieder. Er spezialisierte sich auf Arbeitsrecht, vertrat vor allem Klienten hispanischer Herkunft und praktizierte bis 2002.

Nach zwei gescheiterten Ehen lernte Gordon 1987 die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende kennen. Im folgenden Jahr heiratete das Paar. Allende war es, die Gordon ermunterte, als dieser als Ruheständler selbst Ambitionen als Autor entwickelte. Ein „Coming-of-Age“-Roman blieb unveröffentlicht. Gordon versuchte sich an einem Krimi und stützte sich dabei auf seine frühen beruflichen Erfahrungen. „The Chinese Jars“ (dt. „Der Tote im Smoking“) erschien 2008 in spanischer Sprache als „Duelo en Chinatown“ und wurde zum ersten Teil einer Serie um den Journalisten Samuel Hamilton im San Francisco der 1960er Jahre.

Hier findet man die Autoren-Website.

[md]

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Kalte Wut

Erstellt von Michael Drewniok am 3. Juni 2010

forbes-kalte-wut-cover-heyne-2004Colin Forbes
Kalte Wut

(sfbentry)
Originaltitel: Fury (London : Macmillan 1995)
Übersetzung: Christel Wiemken
Deutsche Erstausgabe (geb.): 1998 (Verlag Hoffmann & Campe)
479 S.
ISBN-10: 3-455-02052-6
Aktuelle Neuauflage: 2004 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 87465)
479 S.
ISBN-13: 978-3-453-87465-7

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Das geschieht:

Jean, Ehefrau des Geheimdienst-Agenten Philip Cardon, stirbt an den Folgen einer abgefeimten Folter. Ihr Gatte beginnt einen Rachefeldzug. Unterstützt wird er von Tweed und den Männern (plus einer Frau) des „Secret Intelligence Service“ Ihrer Britischen Majestät, die bald herausfinden, dass hinter dem Mord Walvis, der reichste (und dümmste) Mann der Welt, steht, dem Jean Cardon bei seinem Versuch, die Herrschaft über die westliche Welt an sich zu reißen, auf die Schliche gekommen ist. Eine wilde Jagd kreuz und quer durch Europa beginnt, bis Tweed und seine Mitstreiter den Schurken ausschalten können.

Einfach ist manchmal nur simpel

Für einen Roman mit mehr als 500 Seiten mag diese Zusammenfassung ziemlich knapp erscheinen. Doch sie beschreibt tatsächlich die ganze Geschichte, die Colin Forbes weniger schrieb als sich aus dem Hirn wrang. Entlang eines dünnen, nur mattroten Fadens zieht sich eine endlose Kette planloser Verfolgungsjagden, dümmlicher Mordanschläge und wüster Raufereien, die man nicht Kämpfe nennen mag, weil sie so plump beschrieben werden.

Tweed: ein Name ist Programm – die Bezeichnung für einen robusten und widerstandsfähigen, aber auch ziemlich grob gestrickten Stoff. Erstaunlich, wie sich diese Metapher auf den vorliegenden Roman übertragen lässt. Ein superreicher, skrupelloser Bösewicht, der die Weltherrschaft erringen will, flankiert von einer Garde bizarrer und verrückter Helfershelfer, umgeben von einem Heer tumber Totschläger, gegen den mutigen, entschlossenen Held, der sich (leider) an die Gesetze halten und daher quasi mit einer Hand auf den Rücken gebunden kämpfen muss, und seine gewitzten Helfer (von denen mindestens einer im Verlauf der Handlung ins Gras beißt, um für dramatische Momente zu sorgen): Das ist eine bewährte Konstellation, die nicht zuletzt James Bond seit Jahrzehnten sein Kino-Leben garantiert. Forbes’ SIS-Streiter erinnern allerdings mehr an das rabiate „A-Team“, das durch die zivilisierte Welt irrt, um das Verbrechen zu bekämpfen, wo immer es sein Haupt erhebt. In diese Mixtur wird als Geschmacksverstärker eine Rachegeschichte eingerührt.

Helden & Schurken: gemeinsam dämlich

Man sollte meinen, dies sei eine solide Basis für ein paar vergnügliche Lektüre-Stunden in der Bahn oder am Strand. Leider macht sich Forbes die Sache ein wenig zu einfach. Seine Helden und Bösewichter sind reine Pappkameraden, eindimensional bis zum Klischee und darüber hinaus. Die Schurken sind immer hässlich und quasi von Geburt an zu einer Existenz als Strolch verdammt. Ausgenommen sind Frauen; die sind schön, deshalb besonders heimtückisch und mit besonderer Vorsicht zu genießen. Aber als Brüder und Schwestern im schmalen Geiste foltern und morden sie voll reiner Wonne und verdienen ihr (mit liebevoller Detailfreude gezeichnetes) Ende allemal. Die Helden wirken demgegenüber deutlich weniger farbenfroh und sind damit im Streit um die Gunst des Lesers ein wenig im Nachteil. Forbes gleicht das aus, indem er sie ebenso brutal als ihre Gegner zu Werke gehen lässt; dies aber natürlich nur, weil diese gar zu scheußlich sind (siehe oben).

Der Plot der Geschichte ist, gelinge ausgedrückt, hanebüchen: Hauptschurke Walvis plant, Aussiedler und Flüchtlinge aus Osteuropa („… riesige Flüchtlingshorden, die nur darauf warten, über Westeuropa hinwegzufegen …“) zu bewaffnen und in den Westen zu schleusen, wo sie die bestehenden politischen Strukturen zerstören sollen, bis Walvis schließlich auf den Trümmern eine neue Ordnung nach seinem Gusto errichten und das Paradies auf Erden schaffen kann.

Man fragt sich angesichts solchen Schwachsinns ernsthaft, wie es Walvis geschafft hat, der reichste Mann der Welt zu werden. Auch sonst fällt es schwer, ihn ernst zu nehmen. Da sitzt er wie die Spinne im Netz, gebietet über schwerbewaffnete Horden, die vor keiner Schandtat zurückschrecken, und über die modernste Technik, die sich für Geld kaufen lässt, und doch können ihm Tweed und seine Freunde ein Schnippchen nach dem anderen schlagen. Streich um Streich setzen seine Spießgesellen in den Sand. Die Reaktion ist immer dieselbe: Walvis schimpft und droht – und setzt anschließend unverdrossen dieselben Versager erneut auf Tweeds Team an.

Haudrauf-Agenten im Märchen-Einsatz

Übertriebene Realitätsnähe kann man Forbes ohnehin nicht vorwerfen. Dies verleiht auch seinen Ortsbeschreibungen eine ganz eigene Qualität. Tweed und Walvis bewegen sich durch ein Europa, das ungefähr soviel mit der Wirklichkeit zu tun hat wie jene englischen Dörfer und Landhäuser, in denen Miss Marple und Co. ihre Morde aufklären. Das sorgt für unfreiwillige Heiterkeit, zumal ein großer Teil der Handlung in Deutschland spielt – oder in einer Art Euro-Disney-Deutschland, in dem unentwegt Bier getrunken, Mercedes, BMW oder Audi gefahren wird und dessen Ordnungshüter es sich gern gefallen lassen, wenn entschlossene Briten schwerbewaffnet durch die Lande fahren, um im Dienst der guten Sache Übeltäter hordenweise ausrotten, Hubschrauber abzuschießen oder Waffenlager in die Luft zu sprengen.

Und sollten Tweed und seine Freunde in der Wahl ihrer Mittel einmal schwächeln, weist ihnen ihr treuer Verbündeter Otto Kuhlmann vom Bundeskriminalamt den rechten Weg: „Wir werden schwere Geschütze auffahren lassen und dann warten, bis sie tatsächlich anfangen, das Eis zu überqueren, und dann das Feuer eröffnen. Dann sehen die anderen, wie ihre Genossen im Wasser versinken. Hart, ich weiß, aber zu diesem Mob gehören auch Tataren aus Russland, und die schrecken vor nichts zurück. Besser, als Europa wieder ins Mittelalter zurückfallen zu lassen.“ Colin Forbes weiß halt, wie man in Deutschland solche Dinge regelt!

Lachen oder ärgern?

So schreitet die Geschichte ohne Überraschungen bis zum immer vorhersehbaren Ende voran. Sollte man beim Lesen eingenickt sein, findet man den Anschluss nach dem Erwachen problemlos, auch wenn man einige Seiten übersprungen haben sollte. Die wirre Geschichte wird zudem kongenial holprig übersetzt. Wann hat man schon einmal einen Bösewicht, der gerade in einem Regenfass ertränkt wird, auf die Frage nach seinem Auftraggeber so antworten hören: „Ich getraue mich nicht, das zu sagen.“?

Fazit: ein wüster Kolportage-Thriller ohne Sinn und Verstand, dessen Widmung („Für meine verstorbene Frau“) offenbar ernst gemeint ist und der so Geehrten garantiert zu einem Weiterleben verholfen hat: als Rachegeist nämlich, der den schriftstellerndem Gatten hoffentlich ordentlich piesacken wird, nachdem sich dieser inzwischen zu ihr ins Jenseits gesellte.

Autor

Colin Forbes wurde als Raymond Harold Sawkins 1923 in Hampstead, London geboren. Im Alter von 16 Jahren begann für einen Magazin- und Buchverlag als Mitherausgeber zu arbeiten. Den II. Weltkrieg erlebte Sawkins als Soldat in Nordafrika und im Mittleren Osten. Kurz vor Kriegsende wurde er in den Mitarbeiterstab einer Armeezeitung in Rom versetzt. Nachdem man ihn aus der Armee entlassen hatte, nahm Sawkins seine Verlagstätigkeit wieder auf. Zwei Jahrzehnte arbeitete er in der Branche. Erst in den 1960er Jahren begann er sich eine Zweitkarriere als Unterhaltungsschriftsteller aufzubauen.

„Snow on High Ground“, sein Erstling, wurde unter seinem richtigen Namen 1966 veröffentlicht. Es folgten zwei Fortsetzungen. In den nächsten Jahren prüfte Sawkins den Buchmarkt, indem er Thriller schrieb, in denen er mit Themen und Stilen spielte. Dazu bediente er sich der Pseudonyme Richard Raine, Jay Bernard und Colin Forbes. Dessen erster Roman wurde „Tramp in Armour“ (1969, dt. „Gehetzt“).

Was Forbes verfasste, kam beim Publikum am besten an. Also blieb Sawkins zukünftig bei diesem Alter Ego und legte einen Forbes-Reißer pro Jahr vor: Kriegsgeschichten, Katastrophenromane, Politthriller. 1984 gelang ihm mit dem Super-Agenten Tweed ein echter Publikumsknüller, dessen Abenteuern er sich seitdem ausschließlich widmete. Tweed ist ein James Bond ohne Glamour, den Forbes durch den inneren Zwang zur bedingungslosen Terroristen-Austilgung ersetzte. Die grobschlächtigen, oft durch unfreiwilligen Humor und völlige Realitätsferne glänzenden Machwerke fanden reißenden Anklang bei Forbes‘ anspruchslos gewordener Leserschaft und wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt.

Colin Forbes lebte und arbeitete in Surrey südlich von London, nachdem ihn Steuerprobleme bis in die späten 1970er Jahre nach Irland vertrieben hatten. Er starb am 23. August 2006 an einem Herzinfarkt.

[md]

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Algarad 01 – Das Siegel der Finsternis

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. Juni 2009

algarad-01-das-siegel-der-finsternisMarcus Reichard
Algarad 01 – Das Siegel der Finsternis

Hoffmann und Campe, Hamburg, 2/2009
PB mit Klappbroschur, Fantasy
ISBN 9783455400878
Umschlaggestaltung von Grafikdesign, München unter Verwendung einer Illustration von Katja Maasböl
Innenillustrationen von Jürgen Stein
Foto von Getty Images/Michael Duva
Karte von Durruti Wloka

www.hoca.de
www.algarad.com/autor.html

Tenan ist ein Findelkind, das im Inselreich Algarad lebt. Der Comori Osyn zog ihn auf wie einen Sohn und bildet Tenan nun ebenfalls zum Comori aus. Die Comori sind Zauberkundige, und Tenan hat als Wasserzauberer die vierte Stufe erreicht. Doch er ist unzufrieden und sehnt sich nach Abenteuern, in denen er Heldentaten vollbringen kann. So nimmt er es mit seinen Studien nicht allzu ernst, was seinen Meister zur Verzweiflung treibt. Als mal wieder durch seinen bodenlosen Leichtsinn ein Zauber missglückt, bekommt er Zauberverbot. Da er durch seinen Zauber viele Zutaten vernichtet hat, schickt Osyn ihn aus neue Kräuter zu besorgen.

 Zur gleichen Zeit versucht Lord Iru, der Oberste Feldherr des Ordens von Dan, einen Zauberkristall dem Zugriff des Todesfürsten Achest zu entreißen. Der Meledoskristall, wird auch „das Siegel der Finsternis“ genannt. Nur durch ihn ist es den Wesen aus der Schattenwelt möglich, in Tenans Welt einzudringen. Das Schiff Lord Irus wird zerstört, und der Kristall verschwindet in der Meerestiefe. Tenan nimmt auf seinen Weg zur nächsten Stadt eine Abkürzung, die am Strand entlang führt, und findet dort in einem Schiffswrack den Meledos. Es heißt ja immer sei vorsichtig mit dem, was Du Dir wünschst; es könnte in Erfüllung gehen. Daraufhin wird er von den Schergen des Todesfürsten gejagt. Gredows nennen sie sich. Es sind grausame Krieger die einst von Achest Todesfürst geschaffen wurden. Ihre Bestimmung ist es, Tod und Verderben über die Feinde Achests zu bringen. Tenan entkommt knapp dem Verderben und sucht Rat bei seinem Meister Osyn. Dieser schickt ihn aus, den Kristall zum Orden von Dan zu bringen. Tenan muss nun mit allen Mitteln versuchen, den Orden zu finden und das Inselreich Algarad vor der tödlichen Bedrohung durch die Gredows zu warnen.

Die Hauptpersonen wirken sehr lebendig. Da ist zu einem der ungestüme Tenan der es gar nicht erwarten kann, in die große weite Welt zu reisen, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Sein Ziehvater Osyn hingegen versucht nicht, ihn zu halten, als dieser sich beweisen kann. Die einzelnen Menschen, auf die die beiden im Laufe der Geschichte treffen, werden gut beschrieben, so dass man sich die einzelnen Protagonisten bildlich vorstellen kann. Mit einer detailreich gestalteten Landkarte kann man die Abenteuer Tenans verfolgen. Wer Zyklen wie den „Herr der Ringe“, oder „Die Ritter der Drachenlanze“ liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Trotzdem ist es kein Abklatsch von diesen Geschichten. Die Gredows erinnern allerdings sehr an die Orks.

Dieses Buch ist sowohl für Erwachsene als auch für erwachsene Jugendliche geeignet, da die Beschreibung der Gräueltaten der Gredows sehr plastisch ist. Der Leser darf gespannt den nächsten Teil erwarten. (PW)

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Algarad 01 – Das Siegel der Finsternis

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