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neuauflage

Der Hobbit – Oder Hin und zurück

Erstellt von Werner Karl am 30. November 2011

Tolkien, John R. R.
Der Hobbit
Oder Hin und zurück
 
Verlag Klett-Cotta, 15. Aufl. 09.2011
Hobbit-Presse
ISBN 978-3-608-93818-0
Hardcover mit Schutzumschlag (von HildenDesign, München)
Übersetzt von Wolfgang Krege
Seiten/Umfang 382 Seiten
2 Karten auf den Innenseiten

www.klett-cotta.de/hobbitpresse

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Bücher, Abhandlungen, Aufsätze und Rezensionen zum Werk Tolkiens sind sicher Legion. Natürlich kenne ich sie nicht auch nur in nennenswerten Teilen und deshalb konnte ich unvoreingenommen an die Lektüre von „Der Hobbit“ (Erstveröffentlichung 1937) gehen. In einer anderen Ausgabe wird der Titel auch als „Der kleine Hobbit“ bis heute immer wieder veröffentlicht und legt im Titel und auch in der abweichenden Übersetzung mehr das Gewicht auf den Charakter als Kinderbuch.

Sicher hat Tolkien die ersten Geschichten aus seiner Fantasywelt Mittelerde für seine und andere Kinder geschrieben. Trotzdem finde ich diese werkgetreuere Übersetzung von Wolfgang Krege besser, weil eben dem Sinne Tolkiens entsprechend. Ja, man kann es Kindern vorlesen, wenn man auf deren Alter achtet. Denn auch in diesem Buch geht es stellenweise recht hart zur Sache. Und deswegen ist es auch durchaus ein Buch für Erwachsene, erst recht für Fans von „Herr der Ringe“ (Erstveröffentlichung 1954), welche schon immer dessen Vorgeschichte erfahren wollten.

Ob nun Tolkien schon immer vorhatte, eine vereinfachte Version für Kinder und Jugendliche und eine Version für Erwachsene zu schreiben, kann vielleicht ein Tolkienforscher sagen. Jedenfalls besitzt die (Kinder)Geschichte massenhaft Parallelen zu seinem unerreichten Epos.

Hier ist es Bilbo Beutlin anstelle Frodos, der ein Abenteuer zu bestehen hat. Und die Bezeichnung trifft eher auf Bilbos Erlebnisse zu, als auf das Drama, das Frodo erleiden muss und glücklicherweise überlebt. Anstelle der 9 gemischten Gefährten aus Zwergen, Elben und anderen Hobbits, hat Bilbo es mit 13 Zwergen als Mitstreiter zu tun. Doch andere Elemente sind – zumindest für mich – überdeutlich angelegte Ideen für sein späteres Großwerk:
- Der Zauberer Gandalf aus Auslöser des Abenteuers
- Dessen Trennung von der Gruppe und sein rettendes Auftreten in der Gefahr
- Verfolgende Orkhorden
- Gollum und der Ring (siehe weiter unten)
- Wanderung durch Bergstollen (hier das „Nebelgebirge“, dort „Moria“)
- Finstere Wälder (hier „Düsterwald“, dort „Fangorn“)
- Elben und Menschen (auch Elrond tritt auf)
- Ein schicksalhafter Berg (hier „der einsame Berg“, dort der „Schicksalsberg“)
… und viele, viele weitere Parallelen.

Ach ja, Gollum und der Ring: Natürlich ist zu Beginn des Romans Gollum Besitzer des einen Ringes und er ist verzweifelt, als er ihn vermisst und er verfolgt Bilbo auch. Doch der setzt in „Der Hobbit“ den Ring mehrfach ein, um sich unsichtbar zu machen. Die dramatischen Konsequenzen, die Frodo bei solchen Einsätzen zu erleiden hat, finden hier nicht statt. Entweder, weil Tolkien sich diese Ideen noch nicht ausgedacht hatte oder er eben sein damaliges Zielpublikum nicht verwirren und verschrecken wollte.

Auch das fulminante Ende („Die Schlacht der fünf Heere“) hat sein härteres Pendant in „Herr der Ringe“ und – für heutige Geschmäcker – das sehr lange Romanende findet sich auch hier. Alles in allem habe ich diese rund 380 Seiten genossen. Wer Tolkienfan ist – und diesen Titel noch nicht besitzen sollte – sollte sich nicht scheuen, genau jetzt zuzuschlagen: Als Weihnachtsgeschenk ist „Der Hobbit“ definitiv besser als so mancher Elektromist, der sich unter dem Baum wieder finden wird. Kinder mit solchen fantastischen Geschichten an das Medium Buch, das Genre Fantasy und das Werk Tolkiens und das Land Mittelerde heranzuführen, ist sicher nicht die schlechteste Idee.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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Die Geheimnisse der Tinkerfarm

Erstellt von Werner Karl am 11. November 2011

Tad Williams
Deborah Beale
Die Geheimnisse der Tinkerfarm

Originaltitel: The Secrets of the Ordinary Farm
Verlegt durch Hobbit Presse
ISBN: 978-3-608-93822-7
Genre: Fantasie Jugendbuch
2011 DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Ulrich Möhring
Schutzumschlag: HildenDesign, München
Umschlagillustration: Kerem Begit

www.klett-cotta.de/hobbitpresse

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Zum Inhalt:

Lucinda und Tyler Jenkins freuen sich darauf, den Sommer wieder auf der wundervollen und auch schaurigen Tinkerfarm bei ihrem Onkel Gideon und seinen teilweise doch recht seltsamen menschlichen und tierischen Lebewesen verbringen zu dürfen. Doch kurz vor der Ankunft zur Farm erkennen sie die ersten Neuerungen, die Onkel Gideon seit ihrem letzten Besuch getätigt hat. Die Farm ist von mehreren elektrischen Schutzzäunen und Überwachungskameras umgeben; die Farm ist gesichert wie ein Gefängnis. Lucinda und Tyler ahnen, das die Gefährlichkeit, die von den tierischen Lebewesen der Farm ausgeht, sich seit ihrem letzten Besuch nicht verändert hat, sondern das es noch eher gefährlicher sein könnte. Aber die Gefährlichkeit scheint nicht nur von den eigenartigen tierischen Lebewesen auszugehen.

Auch die Haushälterin Mrs. Needle birgt ein fieses Geheimnis. Dies erkennen die Jenkins-Geschwister allerdings erst, als Onkel Gideon plötzlich spurlos verschwunden ist und später total verwirrt und krank wieder auftaucht. Was ist ihm nur widerfahren, was ist passiert? Auch macht der Sohn der Haushälterin, Colin Needle, wieder von sich reden, hat er Tyler das wichtigste Instrument für die Zeitreisen durch die Verwerfungsspalte vor der Nase weggeschnappt, das Kontinuaskop. Lucinda und Tyler nehmen erneut einen Kampf um die Farm auf, ein Kampf ums überleben, um die Farm mit ihren fantastischen geheimen und teilweise gefährlichen Lebewesen, um Freundschaften und um Macht und Gier.

Fazit:

Das Autorengespann hat es auch im zweiten Band um die Tinkerfarm wieder geschafft, den Leser in den Bann zu ziehen. Die ersten Seiten lesen sich zwar noch etwas ruhig und sind ohne viel Geschehen, aber dann kommt Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich teilweise und bauen zunehmend Spannung auf, die so schnell nicht abebbt. Als dann auch noch in den weiteren Geschehnissen die Jenkins-Geschwister durch die Haushälterin der Farm verwiesen werden, verliert der Leser aufgrund der dann folgenden Ereignisse vollends sein Lesezeitgefühl. Spätestens hier ist nun jeder ganz im Bann der Tinkerfarm mit ihren geheimnisvollen und gefährlichen Eigenarten.

Hinzu kommt die fantastische Ausarbeitung und detaillierte Beschreibung verschiedener Szenen und Geschöpfe, die Erschaffung neuer gefährlicher Lebewesen sowie unabsehbarer Geschehnisse wie z. B. die finanzielle Macht und Gier, die die Tinkerfarm noch zusätzlich bedrohen und von den Kindern bekämpft werden müssen. Interessant ist das es den Autoren, wie zuvor im ersten Band schon, gelungen ist, in ihrem Schreibstil eine interessante und gute Balance zwischen Action und unnötiger Brutalität zu erstellen, sodass dieses Buch auch für unsere jüngeren Leser gut geeignet ist.

Ein Lesegenuss nicht nur für unsere jungen Leser, ein Muss für die Fans der Tinkerfarm. Ich bin gespannt, welche neuen Abenteuer um die Tinkerfarm uns das Autorengespann weiter  präsentieren wird.

Copyright © by Walter Gasper 2011

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Das Silmarillion

Erstellt von Werner Karl am 5. Oktober 2011

J. R. R. Tolkien
Das Silmarillion

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
Hobbit Presse
Aus dem Englischen von Wolfgang Krege (Orig.: The Silmarillion)
1. Aufl. 2011
ISBN: 978-3-608-93829-6
High Fantasy
Umfang 589 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
45 Farbtafeln mit Illustrationen von Ted Nasmith
Vorsatzkarte, Elben-Namensregister, Lesebändchen

www.klett-cotta.de

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Werbetext:

Das »Alte Testament« von Mittelerde – zum ersten Mal als illustrierte Ausgabe

»Das Silmarillion« erzählt von den Ereignissen des Ersten Zeitalters – jener fernen Epoche von Mittelerde, auf welche die Helden des »Herrn der Ringe« immer wieder in Ehrfurcht zurückblicken. Hier liegt es zum ersten Mal mit über 40 Farbillustrationen von Ted Nasmith vor.

Mittelerde lag im Dämmerlicht unter den Sternen … eine Zeit, in der die Elben große Dinge schufen. Aber am schönsten von allen sind die Silmaril, die Edelsteine, in die das Licht der Bäume eingeschlossen ist. Das Licht, das noch älter ist als Sonne und Mond …
Doch Melkor, der Meister des Verrats, raubt die einzigartigen Silmaril.

Lesen Sie neben vielen anderen Ereignissen des Ersten Zeitalters, wie Feanor, der die Silmaril geschaffen hat, mit seinen Söhnen alles daransetzt, sie der dunklen Macht Melkors wieder zu entreißen. »Das Silmarillion« ist das erste Werk, das Christopher Tolkien nach dem Tod gemäß den Plänen seines Vaters herausgegeben hat. In diesen Geschichten ist der Boden bereitet, den die Hobbits und ihre Gefährten betreten werden.

Meine Meinung:

Das ist es, was den Unterschied ausmacht zwischen einem Buch und einem Stapel zwischen zwei Kartons gepresstes Papier – oder einem Brocken modernster Elektronik. Ein Gespür für den Autor und  den Inhalt. „Das Silmarillion“ – und alle anderen Bücher Tolkiens in der Reihe Hobbit Presse – drücken das aus, was einem Bücherfreund Freude macht: Die Lust am Blättern, schwelgen in heroischen, epischen Texten, in einer Sprache, die altertümlich im besten Sinne des Wortes ist. Kein kaltes Stück Metall und Kunststoff.

Ich würde mir niemals solche Werke als E-Book, gelesen auf einem E-Reader, zulegen. Es wäre ein Verrat an Tolkien und an seinem Werk. OK; der Verlag bietet es auch als elektronische Variante an, aber der wahre Buchfreund wird sich nicht in solche Niederungen begeben. Er wandelt in der Art und Weise der Noldor und anderer Elfen Mittelerdes edel durch die Handlung und genießt es, in ein Jahrtausend einzutauchen, in dem Qualität noch hoch geachtet wurde. Auch wenn es leider nur eine fiktive Welt war.

Die Illustrationen Ted Nasmith´s sind das Sahnehäubchen für alle, die nach „Herr der Ringe“, „Der kleine Hobbit“ und „Die Kinder Húriens“ nun auch das erste Zeitalter in Mittelerde erleben wollen. Danke Klett-Cotta für solche Titel. Für mich ein Beweis, dass es auch anders als billig, huschhusch und schlampig geht. Für Tolkien-Fans ein Muss, für Fantasy-Fans ein Glücksfall und für Freunde gedruckter Bücher eine Wohltat.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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Staubige Hölle

Erstellt von Werner Karl am 4. Juli 2011

Roger Smith
Staubige Hölle

Originaltitel: Dust Devils
Klett-Cotta Tropen Verlag
ISBN 978-3-608-50210-7
Thriller
1. Auflage 2011
Übersetzung Jürgen Bürger und Peter Torberg
Gestaltung: Herburg Weiland, München
Titelfoto: Mierswa-Kluska
Autorenfoto: Marijan Murat
Umfang: 331 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

www.tropen.de
www.rogersmithbooks.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt “Kap der Finsternis” aus dem Jahr 2009 war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. 2010 erschien “Blutiges Erwachen”, beide Bücher standen wochenlang auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste.

Zum Buch:

Smith zieht in seinem dritten Buch den Leser ein weiteres Mal in das brutal beschriebene Südafrika: Robert Dell ist mit seiner Frau Rosie und den Kindern im Umland von Kapstadt unterwegs, als sie von einem unbekannten Fahrzeug von der Straße gedrängt werden. Robert wird aus dem Auto geschleudert, überlebt verletzt, während seine Familie im verunfallten Wagen in Flammen aufgeht.

Rosie musste sterben, da sie die Männer erkannt hat, die ihren Geliebten Ben Baker, einer der reichsten und einflussreichsten Männer des Landes, kurz zuvor ermordet haben. Der Auftraggeber dieser Eliminierung wie der Ermordung von Baker ist der Zulu-Häuptling Inja, gefürchtet und von höchster Stelle gepuscht, der es auch noch schafft, den Verdacht auf Dell selbst zu lenken. Robert Dell schafft es jedoch, der Polizei zu entkommen und muss sich aufgrund seiner Lage als Gejagter mit seinem verhassten rassistischen Vater verbünden. Beide machen sich auf die Suche nach Inja, mit dem Ziel, sich für den Mord zu rächen und reisen in das Landesinnere, die ?staubige Hölle?, in welchem ganz klar die eigenen Regeln und Riten der Dorfbewohner und deren “Häuptlinge” herrschen.

Als weiteren Handlungsstrang im Buch lernen wir die junge Waise Sunday kennen, die gegen ihren Willen für Geld an die gierige Tante mit dem Zulu Inja verheiratet werden soll. Inja erhofft sich durch die Heirat einer “Jungfrau”, von seiner Aids-Krankheit befreit zu werden. Und Sunday versucht mit allen Mitteln, dieser Hochzeit zu entkommen, doch sie scheitert… 

Fazit:

Auch dieses Buch ist wieder nichts für schwache Nerven. Hier geht es um Politik, Korruption, Machtverteilung und eigene erschaffene Gesetze in einem Land, dass die Apartheid nur auf dem Papier zu kennen scheint. Rassismus und Unterdrückung, erschreckende Armut und die normal erscheinende Gewalttätigkeit begleiten die Protagonisten auf der Jagd bzw. als Gejagte. Der Schreibstil ist wie gewohnt schonungslos rasant, knapp gehaltene Sätze sowie trotzdem sehr detailreich. Als Leser bin ich erschrocken über diese Schonungslosigkeit, wie die Menschen miteinander umgehen und doch zugleich fasziniert über diese scheinbar ausweglosen Schicksale.

Man wird automatisch durch diese Fassungslosigkeit gezwungen, dieses Buch weiter zu lesen. Ein Happy End, das merkt man schon nach wenigen Seiten, ist hier nicht möglich. Trotz vieler grausamer Details und derben Kraftausdrücke hat mir persönlich dieses Buch – ähnlich wie Kap der Finsternis und Blutiges Erwachen ?  gut gefallen. Das Lesetempo ist sehr hoch, die Nachdenklichkeit über die beschriebenen Zustände wirken nachhaltig: Ein rücksichtslos klares Buch, Südafrika ungeschminkt!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Der Name des Windes

Erstellt von Werner Karl am 21. April 2011

Patrick Rothfuss
Der Name des Windes

Klett-Cotta Verlag
ISBN 978-3-608-93878-4
Fantasyroman
Original Titel: The Name of the Wind
aus dem Englischen von Jochen Schwarzer
1. Auflage 2010
Umfang: 879 Seiten, broschiert

www.klett-cotta.de
www.patrickrothfuss.com

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Zum Autor:

Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Madison (Wisconsin), unterrichtet als Universitätsdozent und lebt in Wisconsin. In seiner Freizeit schreibt er satirische Kolumnen und versucht sich in Alchemie. “Der Name des Windes” ist sein erster Roman. 2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman “Der Name des Windes” mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet, 2009 hat das Buch den Deutschen Phantastik Preis als bester internationaler Roman erhalten.

Zur Handlung:

Dies ist der erste Band der Königsmörder-Chronik. Wieviel Zeit braucht man um die Geschichte eines Lebens zu schreiben? Höchstens einen oder zwei Tage, weiß der Chronist zu berichten. Doch das Leben des Kvothe, der das dritte Jahrzehnt noch nicht überschritten hat benötigt drei Tage. Den erstenTeil/Tag erzählt Kvothe uns in Band 1 der Trilogie. Und Kvothe ist eine tragische Gestalt. Während er mit seiner Familie durch Land zieht, saugt der hochbegabte rothaarige Sohn eines Schaustellers das Wissen der faszinierenden Welt in sich auf. Musik, Schauspiel, Alchemie, Arithmetik, Kräuterkunde und alles Wissenswerte.

Schnell ergreift den Leser eine Sympathie für den Jungen dessen Weg als Held der Geschichte vorgezeichnet zu sein scheint. Als sich noch Magie in die Geschichte schleicht, ist sehr schnell klar: Hier kommt der neue Harry oder ein weitere Bewohner von Narnia oder Mittelerde. Doch unser Held stürzt. Er verliert alles und fristet das Leben eines Bettelkindes. Kein Onkel, keine Tante und auch keine entfernten Verwandten kommen, um den Jungen zu retten. Schließlich entkommt er aus eigener Kraft der Armut der Stadt und wird als hochbegabter Schüler an der Universität aufgenommen. Und auch hier beschleicht uns wieder das Gefühl des Altbekannten: Magierschule, Streit unter Schülern, Mädchen?

Mein Fazit:

Obwohl ich viele Fantasybücher gelesen habe, die sich mit kleinen Jungen, Magie und Universitäten ihren Weg durch drei Bände gebannt haben, hat sich Kvothe in seinem ersten Band einen Platz neben dem “Blutigen Neuner” erobert. Warum ist schwer zu sagen. Die meisten dieser “Pageturner” unterscheiden sich nur in der Welt, in der die Geschichte spielt. Patrick Rothfuss hat aber mit seinem ersten Band Neugier in mir geweckt. Neugier wie diese “tragische” Figur Kvothe sich von einem hochbegabten kleinen Jungen in einen Kneipenwirt verwandelt, der augenscheinlich jeden Antrieb zum Leben verloren hat.

Viele Bücher werden sicher zum Ankurbeln der Verkaufszahlen mit “Der Herr der Ringe” verglichen oder gar gleich gestellt. Das kennt man. Doch dieses kann eindeutig mithalten.

Copyright © 2011 by Sandra Stockem, Andreas Krantz

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Hemmersmoor

Erstellt von Werner Karl am 3. März 2011

Stefan Kiesbye
Hemmersmoor

Verlag Tropen
Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-50208-4
Krimi
Erschienen Februar 2011
Umschlaggestaltung: Herburg Weiland, München
Titelfoto: Henrik Trygg/Corbis
Autorenfoto: Sanaz Kiesbye
Hardcover mit Schutzumschlag, 208 Seiten

www.klett-cotta.de/tropen
www.skiesbye.com

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Zum Autor:

Stefan Kiesbye, geboren 1966 in Eckernförde an der Ostsee, studierte Schauspiel, danach Amerikanistik, Englisch und Vergleichende Literaturwissenschaften an der FU Berlin, in Buffalo, New York und der University of Michigan. Er unterrichtet Kreatives Schreiben im UCLA Extension Writers`Program. Kiesbye ist verheiratet und lebt in Los Angeles.

Zum Buch:

„Die Zeit spielt keine Rolle. Ich bin nach Hemmersmoor zurückgekehrt….“ Mit diesen Worten beginnt der Autor Stefan Kiesbye seinen Roman über ein Dorf im Norden Deutschlands, ein Dorf im niedersächsischen Teufelsmoor. Auf dem Friedhof der von Kamphoffs, einer alten Gutsfamilie, findet die Beerdigung von Anke Hoffmann statt. Nur wenige Trauergäste sind gekommen, Freunde aus Ankes Jugendzeit. Linde, Alex, Martin und Christian treffen sich auf dem Friedhof und ausgelöst durch ihre Begegnung müssen sie sich auch mit ihrer Vergangenheit und ihrem Leben im Heimatdorf Hemmersmoor auseinandersetzen.

Das Leben im Dorf kurz nach dem Krieg ist nicht einfach für die Bewohner, jedenfalls erfährt das der Leser dieses Romans in Rückblicken aus Sicht von Anke, Linde, Christian und Martin recht schnell. Aber es sind nicht nur Armut und der Kampf um das tägliche Überleben, was diesen Ort so düster erscheinen lässt. Die Dorfgemeinschaft ist verschwiegen, nichts dringt nach außen, neue Bewohner sind im Ort nicht gerne gesehen und der Glaube an Irrlichter und sonstige sonderbare Ereignisse wird hochgehalten. Für Außenstehende ist es offensichtlich, dass Inzest hier an der Tagesordnung ist und so verwundert es sicher niemanden, dass ein schwangeres Mädchen im Ort den Vater des Kindes nicht nennen will, dass die Dorfgemeinschaft eines Tages auf einem Grundstück viele Kinderskelette findet und dass auch das grundsätzliche Verhältnis zur Sexualität in dieser Ortschaft sonderbar erscheint.

Die jungen Leute, die in diesem Umfeld aufwachsen und auch Morde und Vergewaltigungen als normal erleben, werden geprägt von ihren Eltern, ihren Nachbarn und Freunden. Aus dieser Welt und der engen Heimat auszubrechen scheint der Wunsch eines jeden zu sein, aber kaum jemand schafft es.

Mit einfachen aber zielgerichteten Worten und vielen grausam eingestreuten Ereignissen schildert der Autor die Lebensumstände eines Dorfes von dem der Leser nur hoffen kann, dass es ein solches nicht gibt, nie geben wird und nie gegeben hat. Aber der Zweifel ist da und so lässt die Lektüre den Leser fassungslos und nachdenklich zurück. Beklemmende Spannung, mit einfachen Mitteln erzeugt und so realistisch, dass man es kaum ertragen kann, das ist „Hemmersmoor“. Der Teufel ist den Menschen dort nah in Hemmersmoor und hoffentlich nicht anderswo. Aber wer weiß das schon genau?

Copyright © 2011 by Iris Gasper

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Wicked – Die Hexen von Oz

Erstellt von Werner Karl am 9. August 2010

Gregory Maguire
Wicked – Die Hexen von Oz

Wicked – The Life and Time of the Wicked Witch of the West, USA, 1995
Klett Cotta, Stuttgart, 01/2008
PB mit Klappbroschur, Fantasy, Märchen
ISBN 978-3-608-93811-1
Aus dem Amerikanischen von Hans-Ulrich Möhring
Titelbild von WLPL

www.klett-cotta.de
www.gregorymaguire.com/

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Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens das Filmmusical „Der Zauberer von Oz“ aus den 1930er Jahren kennt, das Judy Garland zu einem Weltstar machte. Einige haben vielleicht auch die Romane von Frank L. Baum gelesen. Und nicht zuletzt dürfte der eine oder andere auch das moderne Musical „Wicked“ kennen, das seit einigen Jahren auch in Deutschland erfolgreich läuft. Klett Cotta hat nun den Roman von Gregory Maguire veröffentlicht, von dem Letzteres inspiriert ist. Wie auch schon in anderen seiner Bücher stellt der Autor nicht die strahlenden Helden in den Mittelpunkt seiner Geschichte sondern die Antagonistin, die in allen früheren Versionen die Heldin aufzuhalten versucht und doch ein schmähliches Ende findet. Wer war die ‚böse Hexe des Westens‘ wirklich? Eine verdorbene und hässliche Frau, die nur Schlechtes im Sinn hatte und ihre Umgebung verderben wollte – oder hatte sie vielleicht Grund, den Zauberer von Oz so zu hassen?

Schon die Geburt der kleinen Elpheba steht unter einem schlechten Stern. Das Mädchen kommt mit grüner Haut zur Welt und ist auch sonst nicht gerade ansehnlich. Ihre Mutter lehnt sie erst einmal kategorisch ab, und so ist es nur dem ‚Ämmchen‘ zu verdanken, dass die Kleine weiterleben darf. Doch sie hat es in den ersten Jahren nicht gerade einfach. Ihre Mutter lässt sie die meiste Zeit links liegen, weil sie sie unheimlich findet, und sucht lieber das leichtfertige Vergnügen mit anderen Männern, da ihr eigener Gemahl, ein Prediger, nur selten zu Hause und wenn, dann auch nicht gerade sehr einfallsreich im Liebesspiel ist.

Die Eltern sehen das Mädchen jedenfalls als Strafe für ihren Lebensstil an. Nur wenige akzeptieren sie, wie sie ist, und werden zu ihren Freunden. Und indem sie sich später um ihre behinderte Schwester Nessarose kümmert, hat sie auch eine Aufgabe. Schließlich besucht das Mädchen die Universität von Shiz, um Biologie zu studieren. Die Einzige, mit der sie dabei ein wenig engeren Kontakt pflegt, ist die eingebildete und ein wenig arrogante Galinda. Dennoch schaffen es die beiden sogar, so etwas wie Freundinnen zu werden. Während dieser Zeit beobachtet Elpheba mit Sorge, wie der Zauberer von Oz, der sich eines Tages urplötzlich im Smaragdschloss eingenistet hat, die Welt, wie sie sie kennt, umkrempelt. Plötzlich sollen die TIERE, die Wesen, die trotz ihrer nichtmenschlichen Gestalt intelligent sind und sprechen können, immer mehr Rechte verlieren und zu Kreaturen zweiter Klasse werden. Im Folgenden setzt sich die junge Frau, die weit davon entfernt ist, eine Hexe zu sein, für diese ein. Damit beginnt eine Irr-Reise durch das Land, die sie u. a. zurück nach Hause und für sieben Jahre in ein Kloster führt und an deren Ende ein nur all zu bekanntes Schicksal steht. Freunde des Musicals „Wicked“ werden sehr schnell feststellen, dass dieses nur von einigen wenigen Stationen aus Elphebas Leben in diesem Buch inspiriert wurde und Maguires Roman einen ganz anderen Schwerpunkt hat.

Es geht nicht nur um die Rivalität und Freundschaft der Hexen, in erster Linie hat man hier ein Plädoyer für die Außenseiter und Andersartigen vor sich. Liest sich der Anfang noch wie ein klassischer Familienschicksals-Roman – die ersten Jahre des kleinen Mädchens sind von den frommen Ausbrüchen des Vaters und dem Ehebruch der Mutter, samt eines im Haus wohnenden Freundes geprägt -, so wandelt es sich später zu einem gesellschaftskritischen Buch. Elpheba ist die mahnende Stimme des Gewissens, die Andersdenkende, die nicht gewillt ist, die Demütigung ihrer Freunde hin zu nehmen. Sie ist sogar dazu bereit, gegen den Zauberer zu kämpfen und damit einen düsteren und grausamen Ruf zu riskieren. Die Idee ist interessant und fast schon literarisch zu nennen, nur die Umsetzung kommt nicht ganz hinterher, da man nie wirklich erfährt, was Elpheba denkt und fühlt, wenn man vom Ende absieht, und die Handlung immer wieder Sprünge macht, ohne die Lebensabschnitte befriedigend abzuschließen. Nach jedem Kapitel bleiben Fragen offen, die leider auch bis zum Schluss nicht beantwortet werden.

Auch verstrickt sich der Autor gerade in der ersten Hälfte immer wieder in Nebensächlichkeiten, die die Spannung mindern, was dem Buch auch nicht gut tut, zumal man auch den Figuren gegenüber zu distanziert bleibt. So nimmt man an ihrem Schicksal letztendlich so gut wie keinen Anteil. Alles in allem erweist sich der Roman als ein zwar sehr interessantes Fantasiemärchen mit guten Ansätzen, es schöpft aber fast nichts von dem aus, was sich der Autor durch sein Konzept an Hintergrund geschaffen hat und bleibt damit sehr oberflächlich. Damit ist „Wicked – Die Hexen von Oz“ ein einerseits sehr schwergängiger, andererseits aber auch zu schlicht gestrickter Fantasy-Roman, der den meisten Lesern nicht liegen dürfte, vor allem wenn sie nach dem Genuss des Musicals etwas ganz anderes erwarten als eine gesellschaftskritische Story.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Berlin Palace

Erstellt von Werner Karl am 26. Juli 2010

Jörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Klett-Cotta / Tropen 2010
Hardcover
Liebesroman, Sozial-Utopie, Science Fiction
ISBN 978-3-608-50106-3
Umfang: 224 Seiten
Umschlaggestaltung: Herburg Weiland
Titelfoto: Feng Zhengjie

www.klett-cotta.de/tropen

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Klappentext:

Li Ai ist Werbefilmer im China der nahen Zukunft. Mehr noch als sein Alltag aus blinkenden Flüssigkristallfassaden und manierierten Speisefolgen fasziniert ihn das Treiben in den von Deutschen bevölkerten Vorstadtslums…“

Zum Buch:

Natürlich ist man als Westeuropäer neugierig auf einen Roman, in dem die in der Realität munter bis aggressiv kopierenden Asiaten die wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft auf der Erde darstellen. Und das eigene Volk – die Deutschen – als ungeschlachte Tagelöhner die unterste Schicht einer zukünftigen Weltbevölkerung bilden. So eine Art „Metropolis“ mit umgekehrten Vorzeichen, jedoch moderner, möglicherweise härter an der Realität, als uns lieb wäre, von Kulturschocks gespickt, und in eine spannende Handlung eingebunden.

Ich dachte auch an einen Mix aus „Bladerunner“ (zumindest was seine urbane Szenerie betrifft), oder eine kurze Variante von „Chung Kuo“ – einer Endlos-Saga eines chinesischen Reiches in der Zukunft – von David Wingrove und/oder einer bitterbösen Sozial-Utopie á la „1984“ von George Orwell.

Doch wer, so wie ich, auf so einen Roman gehofft hat, wird sich in einer anderen Welt wieder finden. Der Protagonist Li Ai ist vernarrt in eine mysteriöse Schönheit namens Olympia Lang, mit der er einen Werbefilm drehen will. Und die Verwendung der untersten Bevölkerungsschicht als Teil des Spots und die Einführung seiner Angebeteten in eben diese ihr unbekannte Welt, soll helfen, sie für ihn zu begeistern, schlussendlich sie zu seiner Geliebten oder Frau machen.

Also ein Liebesroman? Nein, oder ja, oder eben dann doch nicht. Sicher, der Autor Jörg-Uwe Albig ist sprachgewandt, virtuos belegt er sein Wissen um chinesische und westliche Kultur, hat ein Auge für Details und schwelgt auch in einer bildhaften Sprache, die manche Freunde finden wird. Doch ein utopischer Roman, ein Parallelweltenroman oder gar ein revolutionärer Roman ist es eigentlich nicht. Und daher auch keine Science Fiction. Am ehesten noch eine Sozial-Utopie. Und eine, die ich nicht erleben will. Dieser letzte Punkt stimmt zumindest mit einer Vielzahl an SF-Romanen überein.

Zum Autor:

Jörg-Uwe Albig war Redakteur beim „Stern“ und lebte zwei Jahre als Korrespondent einer Kunstzeitschrift in Paris. Seit 1993 arbeitet er als freier Autor in Berlin und schreibt u.a. für „GEO“ und das „SZ-Magazin“. Romane: „Velo“ (1999), „Land voller Liebe“ (2006) und „Berlin Palace“ (2010).

Copyright © 2010 by Werner Karl

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Das Zeitalter der Keltenfürsten

Erstellt von Werner Karl am 16. Mai 2010

das-zeitalter-der-keltenfurstenMartin Kuckenburg
Das Zeitalter der Keltenfürsten – Eine europäische Hochkultur

Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag
Sachbuch, Kulturgeschichte, Archäologie
ISBN 978-3-608-94307-8
Titelgestaltung von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung eines Fotos von akg images/Eric Lessing
Fotos, Abbildungen und Karten im Innenteil aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von Marijan Murat

www.klett-cotta.de

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Je nach Wissenschaft stehen ‚die Kelten’ für eine indogermanische Sprachgruppe, für Stämme mit denselben Bräuchen und Glaubensvorstellungen oder für materiell vergleichbare Siedlungsgemeinschaften. In den Quellen der Römer und Griechen wird hier nicht strikt getrennt. Die moderne Archäologie definiert als Kelten jene Volksgruppen, die während der Eisenzeit in der Region zwischen England/Irland und Nordspanien bis nach Anatolien siedelten und sich aus den bronzezeitlichen Kulturen Mitteleuropas entwickelten. Noch vor wenigen Jahrzehnten begrenzten die Wissenschaftler die keltische Kultur auf das linksrheinische Westeuropa, während man die rechtsrheinische Seite als germanisch (deutsch) betrachtete. Dass die Grenzen fließend und die keltische Einfluss-Sphären weitaus größer waren, belegen mittlerweile beeindruckende Gräberfunde bei Hochdorf/Stuttgart (1978), Glauberg/Frankfurt (1996) u. a. m., die zudem beweisen, dass diese Stämme nicht die Barbaren waren, die man lange in ihnen sah, dass ihre Kultur durchaus mit den damaligen Zivilisationen des Mittelmeerraumes konkurrieren konnte.

Dies betrachtete man zunächst als eine Folge des Handels und des kulturellen Austausches, da man zwischen keltischen Relikten reichliche griechische und römische Artefakte fand. Jüngere Forscher sind hingegen überzeugt, dass der Einfluss der Mittelmeervölker geringer war, als angenommen, da die Händler nicht so weit nach Norden und Westen vordrangen und sich ihre Waren durch Tausch/Geschenke innerhalb der Stämme weiter verbreiteten. In Konsequenz wurde zwar manches importiert, doch viele technische und wissenschaftliche Kenntnisse entwickelten die Kelten aus ihrer eigenen Kultur heraus, wobei ihnen z. B. reiche Erzvorkommen bei der Herstellung von Eisen zum Vorteil gereichten.

Martin Kuckenburg, Jahrgang 1955, studierte Vor-, Früh-, Urgeschichte und Völkerkunde in Tübingen und verfasste mehrere archäologische und kulturgeschichtliche Sachbücher. In „Das Zeitalter der Kelten“ setzt er sich mit der Geschichte der Erforschung dieser Volksstämme auseinander, die lange von Vorurteilen und Fehlinterpretationen belastet war, auch schon zur Zeit der Griechen und Römer. Dabei zieht er antike Quellen und spätere Geschichtswerke hinzu, um die Entwicklung bis zum heutigen Stand der Forschungen anhand von Zitaten aufzuzeigen. Dank jüngerer, Aufsehen erregender Funde in Gebieten, die man für ‚ur-germanisch’ gehalten hatte, wurden viele Behauptungen revidiert und das Bild der Kelten in ein neues Licht gerückt.

Der Autor beschreibt die Funde und die daraus resultierenden neuen Überlegungen sachlich, kompetent und gar nicht langweilig. Dadurch, dass die einzelnen Kapitel nicht allzu lang ausfallen und Überschriften den Inhalt der Texte andeuten, ist der Band auch für interessierte Laien nachvollziehbar und kurzweilig zu lesen. Für Auflockerung sorgen zahlreiche Fotos, Illustrationen und Karten in Schwarz-Weiß, sowie grau unterlegte Textstellen, die näher auf ein bestimmtes Thema eingehen.

„Das Zeitalter der Keltenfürsten“ ist ein aktuelles, sehr informatives Sachbuch, das über den Wandel des Bildes der Kelten – von Barbaren zu einer Hochkultur – berichtet und den momentanen Stand der Forschungen beschreibt. Der Band wendet sich an Schüler der Oberstufe und Lehrer, an Studenten der Geschichtswissenschaften und angehende Archäologen, sowie an alle kulturgeschichtlich und archäologisch interessierten Laien. Ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur rundet den Einstiegsband in die Welt der Kelten ab. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Werner Karl am 10. Mai 2010

die-magier-von-montparnasseOliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse

Verlag: Hobbit Presse Klett-Cotta
ISBN: 9783608938746
Genre: Fantasy
Erschienen: 2009
Umschlaggestaltung: HildenDesign, München
Umschlagillustration: Isabelle Hirtz
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 428 Seiten
Auszeichnungen: 1. Platz beim RPC-Award 2010, Kategorie Literatur.

www.klett-cotta.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Buch:

Das Buch besticht schon allein durch das fantastisch aufgemachte Cover. Etwas mittelalterlich angehaucht mit den wichtigsten Romaneigenschaften, Magier oder Zauberer, Assistentin, davor ein stilisiertes Paris als Schnitt und eine unscheinbare Uhr. Auf der vorderen, inneren Buchklappe befindet sich eine Karte des Carrefour Vavin Paris um 1926 und auf der hinteren, inneren Buchklappe ein Stadtplanausschnitt von Paris Montparnasse um 1926.

Zum Inhalt:
 
Zauberer nähren sich von der Verwirrung ihres Publikums wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer. In einem Pariser Varieté ist Ravi der Bühnenzauberer an einem Sonntag bei seinem letzten Bühnenprogramm. Er präsentiert mit seiner Assistentin Blanche, welche auch gleichzeitig seine Geliebte ist, seine zauberhafte Kunst. Bei einem an für sich einfachen und harmlosen Zaubertrick, wo sich beide jeweils in einem gläsernen Sarg befinden, welche sich langsam mit Sand  füllen, lässt sich Ravis Sarg durch den geheimen Mechanismus nicht mehr öffnen. Die Technik versagt. Um seine geliebte Assistentin vor dem sicheren Tod zu bewahren muss Ravi schnell handeln und für seine Zunft etwas Verbotenes tun. Ravi muss das wichtigste Gesetz seiner Zunft brechen. Er muss, was niemand weiß und auch nicht wissen darf zu Rettung seiner Blanche richtige Magie einsetzen, denn er beherrscht richtige Magie. Durch den lebensrettenden Magieeinsatz wird allerdings auch die Société Silencieuse, dies ist wohl die geheime Magierpolizei, auf den Plan gerufen. Diese wachen darüber, dass kein Magier von seiner für den Menschen unwissenden Macht bzw. Magie gebrauch macht.

Die Société Silencieuse entsendet Abgesandte nach Paris, um Ravi und Blanche zu bestrafen. Der Magieeinsatz von Ravi hat für Paris mit all seinen Bewohnern einen schlimmen Nachgeschmack. Denn in Paris stehen nach dem Einsatz der Magie alle Uhren still und die Menschen dort erleben diesen einen Sonntag immer und immer wieder. Sie merken dies nicht, da sie morgens wieder alles vergessen haben. Blanche isst nach ihrem letzten Auftritt einen scheinbar vergifteten Apfel und legt sich aufgrund einsetzender Müdigkeit zu Bett mit den an Ravi gerichteten Worten, sie morgen mit einem Kuss zu wecken. Blanche fällt in einen tiefen Schlaf und aufgrund der Zeitschleife kann sie nicht erweckt werden.

Am nächsten Morgen, es ist wieder der besagte Sonntag, merkt Ravi schnell, dass etwas nicht stimmt. Er durchschaut die Zeitschleife und bemerkt, dass ganz Paris darin fest hängt. Nun treffen auch immer mehr Gäste in dem kleinen Hotel ein, wo Ravi mit seiner schlafenden Blanche für die Dauer ihrer Auftritte nächtigen. Orlando von der Société mit einem komischen und unbekannten Begleiter Namens Chloderic, die Hexe Celeste und der britische und undurchschaubarer Zauberer Barneby. Weiterhin gibt es noch das Hotelpersonal, bestehend aus Justin, das fixe und schnelle Mädchen für alles – für mich die charmanteste und netteste aller Charakteren – Mischa, der russische Angestellte, der gerne und häufig aus Liebeskummer dem Alkohol gut zusagt sowie die Hotelbetreiber als immer streitendes Ehepaar Alphonse und Esmée. Justin scheint die einzige zu sein, die merkt, dass irgendetwas um sie herum nicht in Ordnung ist. So vergehen die Tage, oder besser gesagt immer wieder der besagte Sonntag und alles läuft auf den siebten und letzten Tag hinaus. Dieser Tag entscheidet über das weitere Leben in Paris. Kann Ravi die Zeitschleife durchschauen und irgendwie aufhalten und Paris das normale Leben wieder zurückgeben oder wird Paris untergehen?

Fazit:

Dieser Roman beinhaltet sieben Kapitel, also sieben Mal ein und denselben Tag als die Zeit stehen blieb, und wird im Wechsel aus Sicht der einzelnen Charaktere beschrieben. Wer hier einen klassischen Fantasieroman erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Hier erwartet den Leser ein Roman der anderen Art. Der Autor zieht den interessierten Leser immer tiefer in seine Story ein und durch ein geschicktes Wechselspiel der Perspektiven verwirrte er mich immer mehr. Der Leser wird bis fast zum Schluss über das Ende des Buches in Unwissenheit gehalten, was für mich teilweise ärgerlich und auch verwirrend war. Es stellten sich für mich immer mehr Fragen, insbesondere über diese seltsame Zeitschleife.

Die wollte ich irgendwie lösen und Ravi irgendwie mitteilen, um endlich zu einem glorreichen Ende zu kommen. Aber im Nachhinein stellten sich die eigenen Thesen über die Zeitschleife als nicht korrekt heraus. Die Art und Weise wie es zum Ende kam, war für mich seltsam und doch war ich erstaunt. Oliver Plaschka versteht es, den Leser, wenn dieser meint, die Lösung gefunden zu haben, diesen wieder erneut zu verwirren und zum erneuten nachdenken zu bewegen. Dieses Versteckspiel muss man mögen. Ich für meinen Teil hatte hiermit und auch mit den verschiedenen Erzählperspektiven manchmal doch so meine Schwierigkeiten und musste mich so manches Mal aufgrund der teilweisen Langatmigkeit und wenigen Spannungen zum Weiterlesen zwingen, wollte ich doch das Ende wissen. Bereut habe ich es allerdings nicht. Beim Lesen dieses Buches wurde man durch den etwas eigenartigen, aber für den Roman fantastisch passenden Schreibstil in das Jahr 1929 zurückversetzt. Man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Oliver Plaschkas Buch Die Magier von Montparnasse ist ein Roman von einer anderen Art. Entweder man mag es und fiebert und recherchiert mit oder man legt es in die Ecke. Ein Buch, was auch aufgrund des etwas eigenwilligen, aber zur Geschichte sehr gut passenden Schreibstils nicht mal so einfach zwischendurch zu lesen ist.

Copyright by Walter Gasper 2010

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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