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Wicked – Die Hexen von Oz

Erstellt von Werner Karl am 9. August 2010

Gregory Maguire
Wicked – Die Hexen von Oz

Wicked – The Life and Time of the Wicked Witch of the West, USA, 1995
Klett Cotta, Stuttgart, 01/2008
PB mit Klappbroschur, Fantasy, Märchen
ISBN 978-3-608-93811-1
Aus dem Amerikanischen von Hans-Ulrich Möhring
Titelbild von WLPL

www.klett-cotta.de
www.gregorymaguire.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens das Filmmusical „Der Zauberer von Oz“ aus den 1930er Jahren kennt, das Judy Garland zu einem Weltstar machte. Einige haben vielleicht auch die Romane von Frank L. Baum gelesen. Und nicht zuletzt dürfte der eine oder andere auch das moderne Musical „Wicked“ kennen, das seit einigen Jahren auch in Deutschland erfolgreich läuft. Klett Cotta hat nun den Roman von Gregory Maguire veröffentlicht, von dem Letzteres inspiriert ist. Wie auch schon in anderen seiner Bücher stellt der Autor nicht die strahlenden Helden in den Mittelpunkt seiner Geschichte sondern die Antagonistin, die in allen früheren Versionen die Heldin aufzuhalten versucht und doch ein schmähliches Ende findet. Wer war die ‚böse Hexe des Westens‘ wirklich? Eine verdorbene und hässliche Frau, die nur Schlechtes im Sinn hatte und ihre Umgebung verderben wollte – oder hatte sie vielleicht Grund, den Zauberer von Oz so zu hassen?

Schon die Geburt der kleinen Elpheba steht unter einem schlechten Stern. Das Mädchen kommt mit grüner Haut zur Welt und ist auch sonst nicht gerade ansehnlich. Ihre Mutter lehnt sie erst einmal kategorisch ab, und so ist es nur dem ‚Ämmchen‘ zu verdanken, dass die Kleine weiterleben darf. Doch sie hat es in den ersten Jahren nicht gerade einfach. Ihre Mutter lässt sie die meiste Zeit links liegen, weil sie sie unheimlich findet, und sucht lieber das leichtfertige Vergnügen mit anderen Männern, da ihr eigener Gemahl, ein Prediger, nur selten zu Hause und wenn, dann auch nicht gerade sehr einfallsreich im Liebesspiel ist.

Die Eltern sehen das Mädchen jedenfalls als Strafe für ihren Lebensstil an. Nur wenige akzeptieren sie, wie sie ist, und werden zu ihren Freunden. Und indem sie sich später um ihre behinderte Schwester Nessarose kümmert, hat sie auch eine Aufgabe. Schließlich besucht das Mädchen die Universität von Shiz, um Biologie zu studieren. Die Einzige, mit der sie dabei ein wenig engeren Kontakt pflegt, ist die eingebildete und ein wenig arrogante Galinda. Dennoch schaffen es die beiden sogar, so etwas wie Freundinnen zu werden. Während dieser Zeit beobachtet Elpheba mit Sorge, wie der Zauberer von Oz, der sich eines Tages urplötzlich im Smaragdschloss eingenistet hat, die Welt, wie sie sie kennt, umkrempelt. Plötzlich sollen die TIERE, die Wesen, die trotz ihrer nichtmenschlichen Gestalt intelligent sind und sprechen können, immer mehr Rechte verlieren und zu Kreaturen zweiter Klasse werden. Im Folgenden setzt sich die junge Frau, die weit davon entfernt ist, eine Hexe zu sein, für diese ein. Damit beginnt eine Irr-Reise durch das Land, die sie u. a. zurück nach Hause und für sieben Jahre in ein Kloster führt und an deren Ende ein nur all zu bekanntes Schicksal steht. Freunde des Musicals „Wicked“ werden sehr schnell feststellen, dass dieses nur von einigen wenigen Stationen aus Elphebas Leben in diesem Buch inspiriert wurde und Maguires Roman einen ganz anderen Schwerpunkt hat.

Es geht nicht nur um die Rivalität und Freundschaft der Hexen, in erster Linie hat man hier ein Plädoyer für die Außenseiter und Andersartigen vor sich. Liest sich der Anfang noch wie ein klassischer Familienschicksals-Roman – die ersten Jahre des kleinen Mädchens sind von den frommen Ausbrüchen des Vaters und dem Ehebruch der Mutter, samt eines im Haus wohnenden Freundes geprägt -, so wandelt es sich später zu einem gesellschaftskritischen Buch. Elpheba ist die mahnende Stimme des Gewissens, die Andersdenkende, die nicht gewillt ist, die Demütigung ihrer Freunde hin zu nehmen. Sie ist sogar dazu bereit, gegen den Zauberer zu kämpfen und damit einen düsteren und grausamen Ruf zu riskieren. Die Idee ist interessant und fast schon literarisch zu nennen, nur die Umsetzung kommt nicht ganz hinterher, da man nie wirklich erfährt, was Elpheba denkt und fühlt, wenn man vom Ende absieht, und die Handlung immer wieder Sprünge macht, ohne die Lebensabschnitte befriedigend abzuschließen. Nach jedem Kapitel bleiben Fragen offen, die leider auch bis zum Schluss nicht beantwortet werden.

Auch verstrickt sich der Autor gerade in der ersten Hälfte immer wieder in Nebensächlichkeiten, die die Spannung mindern, was dem Buch auch nicht gut tut, zumal man auch den Figuren gegenüber zu distanziert bleibt. So nimmt man an ihrem Schicksal letztendlich so gut wie keinen Anteil. Alles in allem erweist sich der Roman als ein zwar sehr interessantes Fantasiemärchen mit guten Ansätzen, es schöpft aber fast nichts von dem aus, was sich der Autor durch sein Konzept an Hintergrund geschaffen hat und bleibt damit sehr oberflächlich. Damit ist „Wicked – Die Hexen von Oz“ ein einerseits sehr schwergängiger, andererseits aber auch zu schlicht gestrickter Fantasy-Roman, der den meisten Lesern nicht liegen dürfte, vor allem wenn sie nach dem Genuss des Musicals etwas ganz anderes erwarten als eine gesellschaftskritische Story.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Berlin Palace

Erstellt von Werner Karl am 26. Juli 2010

Jörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Klett-Cotta / Tropen 2010
Hardcover
Liebesroman, Sozial-Utopie, Science Fiction
ISBN 978-3-608-50106-3
Umfang: 224 Seiten
Umschlaggestaltung: Herburg Weiland
Titelfoto: Feng Zhengjie

www.klett-cotta.de/tropen

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Klappentext:

Li Ai ist Werbefilmer im China der nahen Zukunft. Mehr noch als sein Alltag aus blinkenden Flüssigkristallfassaden und manierierten Speisefolgen fasziniert ihn das Treiben in den von Deutschen bevölkerten Vorstadtslums…“

Zum Buch:

Natürlich ist man als Westeuropäer neugierig auf einen Roman, in dem die in der Realität munter bis aggressiv kopierenden Asiaten die wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft auf der Erde darstellen. Und das eigene Volk – die Deutschen – als ungeschlachte Tagelöhner die unterste Schicht einer zukünftigen Weltbevölkerung bilden. So eine Art „Metropolis“ mit umgekehrten Vorzeichen, jedoch moderner, möglicherweise härter an der Realität, als uns lieb wäre, von Kulturschocks gespickt, und in eine spannende Handlung eingebunden.

Ich dachte auch an einen Mix aus „Bladerunner“ (zumindest was seine urbane Szenerie betrifft), oder eine kurze Variante von „Chung Kuo“ – einer Endlos-Saga eines chinesischen Reiches in der Zukunft – von David Wingrove und/oder einer bitterbösen Sozial-Utopie á la „1984“ von George Orwell.

Doch wer, so wie ich, auf so einen Roman gehofft hat, wird sich in einer anderen Welt wieder finden. Der Protagonist Li Ai ist vernarrt in eine mysteriöse Schönheit namens Olympia Lang, mit der er einen Werbefilm drehen will. Und die Verwendung der untersten Bevölkerungsschicht als Teil des Spots und die Einführung seiner Angebeteten in eben diese ihr unbekannte Welt, soll helfen, sie für ihn zu begeistern, schlussendlich sie zu seiner Geliebten oder Frau machen.

Also ein Liebesroman? Nein, oder ja, oder eben dann doch nicht. Sicher, der Autor Jörg-Uwe Albig ist sprachgewandt, virtuos belegt er sein Wissen um chinesische und westliche Kultur, hat ein Auge für Details und schwelgt auch in einer bildhaften Sprache, die manche Freunde finden wird. Doch ein utopischer Roman, ein Parallelweltenroman oder gar ein revolutionärer Roman ist es eigentlich nicht. Und daher auch keine Science Fiction. Am ehesten noch eine Sozial-Utopie. Und eine, die ich nicht erleben will. Dieser letzte Punkt stimmt zumindest mit einer Vielzahl an SF-Romanen überein.

Zum Autor:

Jörg-Uwe Albig war Redakteur beim „Stern“ und lebte zwei Jahre als Korrespondent einer Kunstzeitschrift in Paris. Seit 1993 arbeitet er als freier Autor in Berlin und schreibt u.a. für „GEO“ und das „SZ-Magazin“. Romane: „Velo“ (1999), „Land voller Liebe“ (2006) und „Berlin Palace“ (2010).

Copyright © 2010 by Werner Karl

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Das Zeitalter der Keltenfürsten

Erstellt von Werner Karl am 16. Mai 2010

das-zeitalter-der-keltenfurstenMartin Kuckenburg
Das Zeitalter der Keltenfürsten – Eine europäische Hochkultur

Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag
Sachbuch, Kulturgeschichte, Archäologie
ISBN 978-3-608-94307-8
Titelgestaltung von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung eines Fotos von akg images/Eric Lessing
Fotos, Abbildungen und Karten im Innenteil aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von Marijan Murat

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Je nach Wissenschaft stehen ‚die Kelten’ für eine indogermanische Sprachgruppe, für Stämme mit denselben Bräuchen und Glaubensvorstellungen oder für materiell vergleichbare Siedlungsgemeinschaften. In den Quellen der Römer und Griechen wird hier nicht strikt getrennt. Die moderne Archäologie definiert als Kelten jene Volksgruppen, die während der Eisenzeit in der Region zwischen England/Irland und Nordspanien bis nach Anatolien siedelten und sich aus den bronzezeitlichen Kulturen Mitteleuropas entwickelten. Noch vor wenigen Jahrzehnten begrenzten die Wissenschaftler die keltische Kultur auf das linksrheinische Westeuropa, während man die rechtsrheinische Seite als germanisch (deutsch) betrachtete. Dass die Grenzen fließend und die keltische Einfluss-Sphären weitaus größer waren, belegen mittlerweile beeindruckende Gräberfunde bei Hochdorf/Stuttgart (1978), Glauberg/Frankfurt (1996) u. a. m., die zudem beweisen, dass diese Stämme nicht die Barbaren waren, die man lange in ihnen sah, dass ihre Kultur durchaus mit den damaligen Zivilisationen des Mittelmeerraumes konkurrieren konnte.

Dies betrachtete man zunächst als eine Folge des Handels und des kulturellen Austausches, da man zwischen keltischen Relikten reichliche griechische und römische Artefakte fand. Jüngere Forscher sind hingegen überzeugt, dass der Einfluss der Mittelmeervölker geringer war, als angenommen, da die Händler nicht so weit nach Norden und Westen vordrangen und sich ihre Waren durch Tausch/Geschenke innerhalb der Stämme weiter verbreiteten. In Konsequenz wurde zwar manches importiert, doch viele technische und wissenschaftliche Kenntnisse entwickelten die Kelten aus ihrer eigenen Kultur heraus, wobei ihnen z. B. reiche Erzvorkommen bei der Herstellung von Eisen zum Vorteil gereichten.

Martin Kuckenburg, Jahrgang 1955, studierte Vor-, Früh-, Urgeschichte und Völkerkunde in Tübingen und verfasste mehrere archäologische und kulturgeschichtliche Sachbücher. In „Das Zeitalter der Kelten“ setzt er sich mit der Geschichte der Erforschung dieser Volksstämme auseinander, die lange von Vorurteilen und Fehlinterpretationen belastet war, auch schon zur Zeit der Griechen und Römer. Dabei zieht er antike Quellen und spätere Geschichtswerke hinzu, um die Entwicklung bis zum heutigen Stand der Forschungen anhand von Zitaten aufzuzeigen. Dank jüngerer, Aufsehen erregender Funde in Gebieten, die man für ‚ur-germanisch’ gehalten hatte, wurden viele Behauptungen revidiert und das Bild der Kelten in ein neues Licht gerückt.

Der Autor beschreibt die Funde und die daraus resultierenden neuen Überlegungen sachlich, kompetent und gar nicht langweilig. Dadurch, dass die einzelnen Kapitel nicht allzu lang ausfallen und Überschriften den Inhalt der Texte andeuten, ist der Band auch für interessierte Laien nachvollziehbar und kurzweilig zu lesen. Für Auflockerung sorgen zahlreiche Fotos, Illustrationen und Karten in Schwarz-Weiß, sowie grau unterlegte Textstellen, die näher auf ein bestimmtes Thema eingehen.

„Das Zeitalter der Keltenfürsten“ ist ein aktuelles, sehr informatives Sachbuch, das über den Wandel des Bildes der Kelten – von Barbaren zu einer Hochkultur – berichtet und den momentanen Stand der Forschungen beschreibt. Der Band wendet sich an Schüler der Oberstufe und Lehrer, an Studenten der Geschichtswissenschaften und angehende Archäologen, sowie an alle kulturgeschichtlich und archäologisch interessierten Laien. Ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur rundet den Einstiegsband in die Welt der Kelten ab. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Werner Karl am 10. Mai 2010

die-magier-von-montparnasseOliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse

Verlag: Hobbit Presse Klett-Cotta
ISBN: 9783608938746
Genre: Fantasy
Erschienen: 2009
Umschlaggestaltung: HildenDesign, München
Umschlagillustration: Isabelle Hirtz
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 428 Seiten
Auszeichnungen: 1. Platz beim RPC-Award 2010, Kategorie Literatur.

www.klett-cotta.de/

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Zum Buch:

Das Buch besticht schon allein durch das fantastisch aufgemachte Cover. Etwas mittelalterlich angehaucht mit den wichtigsten Romaneigenschaften, Magier oder Zauberer, Assistentin, davor ein stilisiertes Paris als Schnitt und eine unscheinbare Uhr. Auf der vorderen, inneren Buchklappe befindet sich eine Karte des Carrefour Vavin Paris um 1926 und auf der hinteren, inneren Buchklappe ein Stadtplanausschnitt von Paris Montparnasse um 1926.

Zum Inhalt:
 
Zauberer nähren sich von der Verwirrung ihres Publikums wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer. In einem Pariser Varieté ist Ravi der Bühnenzauberer an einem Sonntag bei seinem letzten Bühnenprogramm. Er präsentiert mit seiner Assistentin Blanche, welche auch gleichzeitig seine Geliebte ist, seine zauberhafte Kunst. Bei einem an für sich einfachen und harmlosen Zaubertrick, wo sich beide jeweils in einem gläsernen Sarg befinden, welche sich langsam mit Sand  füllen, lässt sich Ravis Sarg durch den geheimen Mechanismus nicht mehr öffnen. Die Technik versagt. Um seine geliebte Assistentin vor dem sicheren Tod zu bewahren muss Ravi schnell handeln und für seine Zunft etwas Verbotenes tun. Ravi muss das wichtigste Gesetz seiner Zunft brechen. Er muss, was niemand weiß und auch nicht wissen darf zu Rettung seiner Blanche richtige Magie einsetzen, denn er beherrscht richtige Magie. Durch den lebensrettenden Magieeinsatz wird allerdings auch die Société Silencieuse, dies ist wohl die geheime Magierpolizei, auf den Plan gerufen. Diese wachen darüber, dass kein Magier von seiner für den Menschen unwissenden Macht bzw. Magie gebrauch macht.

Die Société Silencieuse entsendet Abgesandte nach Paris, um Ravi und Blanche zu bestrafen. Der Magieeinsatz von Ravi hat für Paris mit all seinen Bewohnern einen schlimmen Nachgeschmack. Denn in Paris stehen nach dem Einsatz der Magie alle Uhren still und die Menschen dort erleben diesen einen Sonntag immer und immer wieder. Sie merken dies nicht, da sie morgens wieder alles vergessen haben. Blanche isst nach ihrem letzten Auftritt einen scheinbar vergifteten Apfel und legt sich aufgrund einsetzender Müdigkeit zu Bett mit den an Ravi gerichteten Worten, sie morgen mit einem Kuss zu wecken. Blanche fällt in einen tiefen Schlaf und aufgrund der Zeitschleife kann sie nicht erweckt werden.

Am nächsten Morgen, es ist wieder der besagte Sonntag, merkt Ravi schnell, dass etwas nicht stimmt. Er durchschaut die Zeitschleife und bemerkt, dass ganz Paris darin fest hängt. Nun treffen auch immer mehr Gäste in dem kleinen Hotel ein, wo Ravi mit seiner schlafenden Blanche für die Dauer ihrer Auftritte nächtigen. Orlando von der Société mit einem komischen und unbekannten Begleiter Namens Chloderic, die Hexe Celeste und der britische und undurchschaubarer Zauberer Barneby. Weiterhin gibt es noch das Hotelpersonal, bestehend aus Justin, das fixe und schnelle Mädchen für alles – für mich die charmanteste und netteste aller Charakteren – Mischa, der russische Angestellte, der gerne und häufig aus Liebeskummer dem Alkohol gut zusagt sowie die Hotelbetreiber als immer streitendes Ehepaar Alphonse und Esmée. Justin scheint die einzige zu sein, die merkt, dass irgendetwas um sie herum nicht in Ordnung ist. So vergehen die Tage, oder besser gesagt immer wieder der besagte Sonntag und alles läuft auf den siebten und letzten Tag hinaus. Dieser Tag entscheidet über das weitere Leben in Paris. Kann Ravi die Zeitschleife durchschauen und irgendwie aufhalten und Paris das normale Leben wieder zurückgeben oder wird Paris untergehen?

Fazit:

Dieser Roman beinhaltet sieben Kapitel, also sieben Mal ein und denselben Tag als die Zeit stehen blieb, und wird im Wechsel aus Sicht der einzelnen Charaktere beschrieben. Wer hier einen klassischen Fantasieroman erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Hier erwartet den Leser ein Roman der anderen Art. Der Autor zieht den interessierten Leser immer tiefer in seine Story ein und durch ein geschicktes Wechselspiel der Perspektiven verwirrte er mich immer mehr. Der Leser wird bis fast zum Schluss über das Ende des Buches in Unwissenheit gehalten, was für mich teilweise ärgerlich und auch verwirrend war. Es stellten sich für mich immer mehr Fragen, insbesondere über diese seltsame Zeitschleife.

Die wollte ich irgendwie lösen und Ravi irgendwie mitteilen, um endlich zu einem glorreichen Ende zu kommen. Aber im Nachhinein stellten sich die eigenen Thesen über die Zeitschleife als nicht korrekt heraus. Die Art und Weise wie es zum Ende kam, war für mich seltsam und doch war ich erstaunt. Oliver Plaschka versteht es, den Leser, wenn dieser meint, die Lösung gefunden zu haben, diesen wieder erneut zu verwirren und zum erneuten nachdenken zu bewegen. Dieses Versteckspiel muss man mögen. Ich für meinen Teil hatte hiermit und auch mit den verschiedenen Erzählperspektiven manchmal doch so meine Schwierigkeiten und musste mich so manches Mal aufgrund der teilweisen Langatmigkeit und wenigen Spannungen zum Weiterlesen zwingen, wollte ich doch das Ende wissen. Bereut habe ich es allerdings nicht. Beim Lesen dieses Buches wurde man durch den etwas eigenartigen, aber für den Roman fantastisch passenden Schreibstil in das Jahr 1929 zurückversetzt. Man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Oliver Plaschkas Buch Die Magier von Montparnasse ist ein Roman von einer anderen Art. Entweder man mag es und fiebert und recherchiert mit oder man legt es in die Ecke. Ein Buch, was auch aufgrund des etwas eigenwilligen, aber zur Geschichte sehr gut passenden Schreibstils nicht mal so einfach zwischendurch zu lesen ist.

Copyright by Walter Gasper 2010

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August 410 – Ein Kampf um Rom

Erstellt von Werner Karl am 14. April 2010

august-410-ein-kampf-um-romMischa Meier/Steffen Patzold
August 410 – Ein Kampf um Rom

Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-608-94646-8
Titelgestaltung von Rothfos und Gabler, Hamburg unter Verwendung eines
Fotos von The Course of the Empire: Destruction, 1836 (oil on canvas), Cole,
Thomas (1801 – 48)/Collection of the New-York Historical Society, USA/Bridgeman, Berlin
Karte von Stefan Priwitzer
Autorenfotos von Marijan Murat

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Im August 410 plünderten die Westgoten unter Alarich Rom und zogen nach drei Tagen wieder ab. Dieses Ereignis markiert eine Wende in der Geschichte der bis dahin als uneinnehmbar geltenden Stadt. Wirklich uneinnehmbar? Schon sehr viel früher gab es Einfälle gallischer Stämme, die einmal bis zur Hauptstadt vordrangen (387 v. Chr.), und germanische Übergriffe, die jedoch noch abgefangen werden konnten. Rom verlor seinen Nimbus und an Bedeutung. Die weströmischen Kaiser verlegten ihre Residenzen in andere Städte, und die Kluft zu Ostrom wurde immer größer. 455 erfolgte die zweite Eroberung und Plünderung Roms durch die Vandalen unter Geiserich. 476 wurde Romulus Augustulus als letzter weströmischer Kaiser abgesetzt und der Germane Odoaker zum König von Italien gekrönt.

Über das, was nun im Jahr 410 passierte, gibt es keine Berichte von Augenzeugen, sondern lediglich Schilderungen Dritter, die entweder die Erzählungen und Behauptungen, die ihnen zugetragen wurden, festgehalten haben oder die anhand der Folgen die Geschehnisse rekonstruierten, sie dabei aus der Sicht ihrer Zeit interpretierten. Das ist kein Einzelfall, denn auch zu anderen historischen Ereignissen finden sich oft bloß jüngere Quellen, die wegen der zeitlichen Distanz, ihrer Subjektivität und der Ziele, die der Verfasser verfolgte, mit Vorsicht zu genießen sind. Mischa Meier, Professor für Alte Geschichte, und Steffen Patzold, Professor für Mittelalterliche Geschichte, beide an der Universität Tübingen, haben nicht versucht, den August 410 und seine Konsequenzen für Rom ein weiteres Mal aufzurollen. Stattdessen befassten sie sich mit den dazu vorliegenden Quellen, von denen die älteste kurz vor dem Überfall der Goten geschrieben wurde und die jüngste den aktuellen Stand der Forschung und Interpretation repräsentiert.

Claudius Claudianus beschreibt die Weltsicht Roms vor Alarich. In den Augen des Dichters und in denen der meisten Zeitgenossen ist das Imperium uneinnehmbar, die Stadt selber absolut sicher. Es ist unvorstellbar, dass Barbaren die mächtigen Heere Roms überwinden könnten. Umso größer ist der Schock, als genau das passiert. Kirchenvater Hieronymus weilt selber nicht in Rom, erfährt aber durch Flüchtlinge und Reisende von den Vorgängen. Für ihn ist Alarichs Sieg nur die logische Konsequenz seit dem Vordringen der Hunnen und Rom identisch mit dem vierten Reich aus den endzeitlichen Prophezeiungen des Daniel. Er nutzte die Tragödie, um für einen besseren und asketischen Lebenswandel der römischen Christen zu appellieren.

Kirchenvater Augustinus stößt in ein ähnliches Horn und sieht in der Eroberung ein Zeichen: Gott hat Rom und die Christenheit gezüchtigt, aber sein Reich wird kommen. Nach dem Machtverfall und dem Ende des Römischen Imperiums wurde Rom zu einer Idee, wie sie das heilige römische Reich deutscher Nation widerspiegelt. In einer anderen Darlegung werden die siegreichen Germanen (Goten) über die anderen Völker gehoben, ein Motiv, dessen sich der Nationalsozialismus ebenfalls bediente. Wieder andere Historiker betrachten das Stichdatum distanziert und inszenieren sich und ihre Sichtweise durch provokative Interpretationen.

Die Verfasser der hier zu Rate gezogenen Quellen, aus denen reichlich zitiert wird, sind alle Kinder ihrer Zeit. Sie beschreiben und bewerten das Jahr 410 gemäß ihrer Denkweise und Ziele. Der Wandel der Sichtweisen ist so faszinierend und spannend wie das Geschehnis selbst. Mischa Meier und Steffen Patzold berichten flüssig und kompetent, so dass man sich gern auf einen Ausflug durch die Zeitalter einlässt. Dieser eröffnet völlig neue Perspektiven, die dem Leser künftig erlauben, auch andere Ereignisse und Quellen mit kritischem Auge zu betrachten.

Alles in allem ist „August 410 – Ein Kampf um Rom“ ein faszinierendes Sachbuch, das ein historisches Ereignis auf etwas andere Weise beleuchtet, dabei die menschliche Interpretation berücksichtigt und neue Betrachtungsweisen erlaubt. Der Titel wendet sich an alle Leser, die sich für (römische) Geschichte interessieren, insbesondere an Schüler, Studenten, Lehrer und Historiker. Ein sehr informatives und angenehm zu lesendes Sachbuch! (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Berlin Palace

Erstellt von Werner Karl am 3. April 2010

berlin-palaceJörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Tropen/Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, Gesellschaftssatire, SF
ISBN 978-3-608-50106-3
Titelgestaltung von Herburg Weiland unter Verwendung eines Fotos von Fen Zengjie
Autorenfoto von Rolf Wegener

www.klett-cotta.de/tropen

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Die olympischen Spiele 2008 haben China zwar nicht demokratisiert, der Nation jedoch einen starken Wirtschaftsschub verpasst. Einige Jahre später ist China eines der reichsten Länder, eine glitzernde und moderne Hochburg des Erfolgs und ein Mekka für arme Migranten. Vor allem europäische und insbesondere deutsche Wirtschaftsflüchtlinge hoffen, während sie in Slums hausen, auf bessere Lebensbedingungen, während sie an Heimweh leiden. Längst ist in den Ghettos eine Subkultur entstanden, und immer mehr Chinesen fühlen sich fasziniert von den ‚wilden Germanen’. Das trifft auch auf den Werbefilmer Eisenstein Li zu, den jeder nur Xiao Ai nennt. Als er den Auftrag erhält, den Spot für das Parfum ‚Wald’ zu gestalten, will er das Produkt mit der mysteriösen Exotik der germanischen Kultur verbinden: mit einem dunklen Kiefernwald, einem Lebkuchenhaus und Hänsel und Gretel.

Den weiblichen Part soll Olympia Liang, die nach dem großen Sportereignis benannt wurde, spielen. Eigentlich ist die junge Frau keine besonders gute Schauspielerin und sorgt zudem für Probleme am Set, aber Ai ist bis über beide Ohren verliebt in sie und hofft, ihr endlich näher zu kommen. Je mehr sie ihm ausweicht und mit anderen Männern flirtet, umso stärker wird seine Besessenheit von ihr und dem Projekt …

Wer einen unterhaltsamen Liebesroman erwartet, wird enttäuscht, denn die unglückliche Romanze ist zwar die Triebfeder für das Handeln von Ai, der Hauptfigur, nimmt aber weniger Platz ein als die Schilderungen des futuristischen Chinas. Auf dem Wirtschaftsboom basierend, der mit den Olympischen Spielen begann, zeichnet der Autor ein Bild von einem Land, für das es im gleichen Maße nur aufwärts, wie es für die einstigen Industrienationen bloß abwärts ging. Beobachtet man die aktuelle Wirtschaftslage, erscheint diese Vision gar nicht so abwegig. In Chinas Vorzeige-Großstädten hat sich eine aufstrebende, erfolgreiche Oberschicht mit Kapital gebildet (wie es im Rest des Landes aussieht, ist ein anderer Punkt), während die EU im Sog der Krise, die in den USA ihren Anfang nahm, arg trudelt.

In der nahen Zukunft, wie Jörg-Uwel Albig sie beschreibt, hat sich alles umgekehrt. Mit ungewöhnlichen Wortschöpfungen und Schilderungen gelingt es ihm, eine surreale und zugleich vertraute Atmosphäre zu schaffen. Die Chinesen leben in Saus und Braus – die Speisen erinnern an die Kreationen eines Lukullus und an römische Dekadenz -, während die Gastarbeiter dankbar für jede Münze sind, die man ihnen zuwirft, z. B. fürs Scheibenwischen, wenn Autos an einer roten Ampel warten müssen. Sie sind schlecht gekleidet in einheitliche Anzüge, wie einst Maos ‚blaue Ameisen’. Dennoch lockt ihre Exotik, und immer mehr Chinesen besuchen ‚germanische’ Kneipen wie das „Berlin Palace“, um seltsame Getränke zu probieren, Lieder zu singen (Karaoke), deren Texte sie nicht verstehen und die sie kaum aussprechen können, und die Fremden zu betrachten, die karierte Hemden und Lederhosen tragen.

Tatsächlich wurde der Spieß einfach umgedreht. Die Faszination die man hier für Fernost empfindet, geht auch in die andere Richtung. Der Autor übt durch die vertauschten Rollen subtil Kritik an der Arroganz der Deutschen und an der der Chinesen, die beide für sich den Anspruch erheben, ein Kulturvolk und Maß aller Dinge zu sein. Es ist ein Balanceakt, der nicht verletzen soll, aber doch bissig ist und die Augen für die eigene Dünkelhaftigkeit, Ignoranz und Überflussgesellschaft öffnet, die vor allem die Unzufriedenheit in jenen schürt, die mit sehr viel weniger auskommen müssen, aber ständig den Reichtum der anderen vorgeführt bekommen.

„Berlin Palace“ ist weniger ein unterhaltsamer Roman als eine bittere Zukunftsvision und Gesellschaftssatire, die sich als Allegorie auf die Gegenwart versteht. Die Handlung und die Dialoge sind voller Anspielungen; man sollte sich Zeit für die Lektüre nehmen, um all die Feinheiten zu entdecken. Liest man gern ‚etwas andere Literatur’, die nicht dem Mainstream folgt und deren Intention auch nicht auf dem Silbertablett präsentiert wird, sollte man einen Blick in dieses Buch werfen. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
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Die Kinder Húrins

Erstellt von Werner Karl am 17. März 2010

die-kinder-hurinsJ.R.R. Tolkien
Die Kinder Húrins

Originaltitel „The Children of Húrin“
Klett-Cotta, Hobbit Presse
ISBN 9783608937626
Taschenbuch, Fantasy
Übersetzer: Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch
Titelbild und Illustrationen von Allan Lee
Umfang: 333 Seiten

www.klett-cotta.de
www.hobbitpresse.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kinder_H%C3%BArins

„Die Kinder Húrins“ spielt zur Zeit des Ersten Zeitalters in Mittelerde, also weit vor den Geschehnissen von „Herr der Ringe“. Doch trotzdem trifft der geneigte Leser auf bewährte Völker und Lebewesen: Elben, Zwerge, gute und böse Menschen, das Böse an sich in Form der dunklen Macht, die sich in Morgoth – einer Art Vorläufer von Mordor – bildet, Drachen, Orks uva.

Erzählt wird in fast biblischer Art und Weise die Herkunft, das schicksalhafte Leben und der Kampf samt tragischem Ende der Kinder Húrins, nämlich seinem Sohn Túrin und seiner Tochter Nienor. Natürlich werden auch die Schicksale anderer Verwandter gestreift, doch nur so weit, wie sie Einfluss auf das Leben der beiden haben.

In 18 Kapiteln – welche vom Sohn J.R.R.Tolkiens, Christopher Tolkien, zusammengetragen und vervollständigt wurden – tauchen wir erneut ein, in ein mystisches, zauberhaftes, schreckliches, Blut beladenes Land Mittelerde. Allerdings in Gegenden, die fernab vom Auenland und anderen bekannten Landstrichen aus Herr-der-Ringe liegen.

Trotz – oder gerade vielleicht wegen – der altertümlichen Sprache liest sich „Die Kinder Húrins“ sehr angenehm und ist leider viel zu schnell zu Ende. Ein wenig Trost spenden einige Farbbilder und weitere s/w-Zeichnungen, Farbkarten, Stammbäume und ein Namensregister. Die Gestaltung des kompletten Umschlages mit Goldprägung und das Titelbild von Allan Lee sind bei dieser Taschenbuch-Ausgabe fast schon Pflicht.

Wer sich ganz genau vorab über „Die Kinder Húrins“ informieren will, dem sei die sehr detaillierte und gute Aufarbeitung unter wikipedia empfohlen; den Link dazu habe ich oben eingefügt. (6xPRT)

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
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Blutiges Erwachen

Erstellt von Werner Karl am 17. März 2010

blutiges_erwachenRoger Smith
Blutiges Erwachen

Wake up Dead (2010)
Klett-Cotta Tropen Verlag
ISBN 9783608502060
Thriller
1. Auflage 2010
Übersetzung Jürgen Bürger und Peter Torberg
Gestaltung: Herburg Weiland
Titelfoto: Peter Hetzmannseder
Autorenfoto: Clive Sacke
Umfang: 357 Seiten, gebunden

www.klett-cotta.de/tropen

Zum Autor:
Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Wädhrend der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt “Kap der Finsternis” war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. Smith schreibt derzeit an seinem dritten Roman.

Zum Buch:
Smith zieht auch hier in seinem zweiten Buch den Leser ein weiteres Mal in die brutale und grausam dargestellte Umgebung von Kapstadt/ Südafrika: Das teure Cabriolet des Ehepaars Roxanne und Joe Palmer erregt die Aufmerksamkeit zweier Südafrikaner, Disco und Godwynn. Diese verfolgen die Palmers, überfallen sie vor ihrem Wohnhaus, schießen Joe ins Bein und entwenden das Auto. Roxy nutzt die Gunst der Stunde, erschießt ihren ungeliebten Ehemann mit der zurückgelassenen Pistole $und schiebt den Tod den beiden Südafrikanern in die Schuhe. Doch trotz ihrer Vermutung, sich hiermit aller Sorgen entledigt zu haben, löst der Tod des Waffenhändlers Joe Palmer eine böse Verkettung von Mord und Totschlag sowie einen brodelnden Bandenkrieg aus, der zuvor nicht absehbar war?

Roxanne selbst wird nach dem Mord an ihrem Mann von mehreren Personen aufgesucht, denen er Geld schuldet. Allen voran steht Billy Afrika, genannt Barbie, ein ehemaliger Cop, der seinen noch zu bekommenen Lohn als Söldner im Blick hat und bis zur Abwicklung der Erbschaft bei Roxanne einzieht. Als Personenschützer von Roxy sieht er die einzige Möglichkeit, später an das Geld zu kommen. Dieses benötigt er, um den Gangster Manson in Schach zu halten, der die Familie seines ehemaligen Partners Clyde erpresst. Clyde wurde damalig von Piper brutal ermordet und von Billy Afrika hinter Gitter gebracht, obwohl er ihn besser dafür erschossen hdtte. Und auch das menschliche Monster Piper findet eine Möglichkeit, aus dem Gefängnis zu entkommen, um seinen “Sklaven” und Liebhaber Disco zu suchen, der davon ganz und gar nicht begeistert bist, sich aber kaum gegen seinen Albtraum wehren kann. Parallel sieht der Polizist Maggott seine persönliche Chance, im Polizeidienst aufzusteigen, ist er scheinbar der Einzige, der außer Billy Afrika erkennt, dass Roxanne ihren Mann selbst umgebracht hat und beginnt im kriminellen Sumpf zu stochern. Doch damit gerät er mit Hartnäckigkeit in die Schusslinie der Kriminellen, die auch nicht davon zurück schrecken, einen unbequemen Polizisten schnell aus dem Weg zu räumen?

Fazit:
Dieses Buch ist eindeutig nichts für schwache Nerven. Hier geht es eindeutig um die Menschen weit am Rand der Gesellschaft, die den Leser in tiefe Abgründe blicken lassen. Die schnellen Perspektivenwechsel zwischen den Personen, die diese groß angelegte Geschichte stricken, lassen es jedoch nicht langweilig werden. Der Schreibstil ist schonungslos rasant, detailreich ohne Kompromisse und äußerst schnelllebig. Als Leser bin ich zum einen sehr erschrocken dar|ber, dass in diesem Buch ein Menschenleben relativ wenig wert scheint und sich die Anzahl der Ermordeten temporeich aufreihen lassen. Anderseits fasziniert mich doch die bewusst inszenierte Spannung, die dauerhaft auf einem hohen Level gehalten wird. Trotz dieser vielen auch abstoßenden Beschreibungen muss man dieses Buch einfach weiter lesen. Ein Happy End ist hier sicher nicht vorprogrammiert, dennoch können zwei Personen am Ende aufatmen und trotz der beschriebenen Umstände und erfahrenen Grausamkeiten auf ein besseres Leben hoffen? Fü|r den Rest bleiben nur die langsam eintrocknenden Blutspuren.

Trotz entsprechend vieler grausamer Detail und derben Kraftausdrücke hat mir persönlich dieses Buch – ähnlich wie Kap der Finsternis – sehr gut gefallen. Die gelesenen Seiten rauschen im hohen Tempo vorbei und lassen mich als Leser auch nachdenklich über diese vielleicht bzw. hoffentlich auch übertriebenen Zustände zwischen Schwarz und Weiss sowie Arm und Reich in Kapstadt zurück. (3xPRT)

Copyright ) 2010 by Sandra Stockem

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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Harald Heuer
2.Mario Mayer
3.Simon Oltmanns
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Zerbrechliche Dinge

Erstellt von Thomas Hofmann am 14. März 2010

zerbrechliche-dingeNeil Gaiman
Zerbrechliche Dinge
Geschichten & Wunder

Klett-Cotta, Hobbit-Presse, 2010
Aus dem Englischen von Hannes und Sara Riffel
ISBN 978-3-608-93876-0

Titel erhältlich bei: Buch24.de
Titel erhältlich bei: Booklooker.de

Bei Neil Gaiman kann man sich über mangelnde Publikationen eigentlich nicht beschweren. Er ist ein Tausendsasa, in allen oder zumindest vielen Medien aktiv und präsent. Wer ihn nicht als Autor anspruchsvoller Graphic Novels kennt, hat aber sicher schon einmal einen Film von ihm gesehen. Inzwischen sind auch seine Prosawerke, vor allem die Romane „American Gods“ und „Anansi Boys“ Bestseller, ähnlich wie seine Bücher für ein eher jüngeres Publikum. Vor nicht allzu langer Zeit ist eine Musik-CD erschienen, auf denen Musiker insbesondere aus dem alternativen Pop-Genre Lieder veröffentlichten, die durch Geschichten des Autors inspiriert wurden („Where’s Neil when you need him?“).

Fragt man mich, was mir von ihm am allerbesten gefällt – also, ich frage mich das jetzt einfach mal selbst – so muss ich antworten: seine Erzählungen. Davon gibt es allerdings nicht allzu viele. Ich kannte bisher nur die Sammlung „Die Messerkönigin“. Nun ja, auch wenn dies natürlich völlig überzogen klingt, aber dieses Taschenbuch genießt kultische Verehrung bei mir. Davon wollte ich mehr! Und jetzt habe ich es bekommen. „Zerbrechliche Dinge“ ist nicht so umfangreich wie „Die Messerkönigin“ – dies ist aber auch schon der einige Nachteil zu dem Vorgänger. Ansonsten findet man in dieser neuen Sammlung genau die Stimmung und die Art von Stories wieder, die man in dem Vorgänger so lieben gelernt hat.

Was ist das Besondere an Gaimans Geschichten? – Da ist zunächst seine besondere Erzählweise, der Ton in seinen Texten. Wobei er auch fremde Stile nachahmt, um anderen Autoren seine Hochachtung auszudrücken; im vorliegenden Band ist z.B. eine Hommage an Ray Bradbury enthalten. Wie ich meine, hat er den Ton und die feine Melancholie Bradburys sogar übertroffen. Und es ist immer ein persönlicher Bezug vorhanden; man kann schnell den Eindruck bekommen, Gaiman schreibt meistens über sich selbst. Sicher stimmt das so hundertprozentig nicht, denn das wäre dann schon sehr bedenklich und unheimlich, sind es doch mitunter ausgemachte Gespenstergeschichten, die er zum Besten gibt. Aber diese Art zu erzählen bindet den Leser unweigerlich an den Text. Nicht nur durch den persönlichen Ton, sondern auch durch die Lebensweisheiten, die der Autor in seine unterhaltsamen Geschichten integriert, bekommt man ein Gefühl von Relevanz und Bedeutsamkeit vermittelt. Genau das ist es, was mir an den Texten so gut gefällt. Zudem spricht er stark den sense of wonder an, den der Fan phantastischer Erzählungen in dem Genre sucht.

Ein Mittel, seine Stories authentisch wirken zu lassen, ist, sie nicht richtig enden zu lassen. Dies erklärt er quasi auch eingangs als Programm. Und tatsächlich, einige Geschichten entlassen den Leser unverrichteter Dinge. Aber so ist ja das Leben, da haben die Geschichten auch nicht immer ein Ende, schon gar kein gutes…

Doch so wirken die Stories nach, bleiben haften. Sie enden nicht mit einer Auflösung, die im Kopf des Lesers dazu führen kann, dass er das Gelesene nach dessen „Auflösung“ aus dem Gedächtnis tilgt. Was erwartet den Leser konkret? – Es beginnt mit einer (scheinbar) persönlich erlebten Geistergeschichte. In der zweiten Story versucht ein fiktiver Autor eine realistische Geschichte zu schreiben, wobei er parallel dazu noch andere Probleme lösen muss. Interessant ist hier, dass das, was wir als Realität und Phantastik ansehen, umgedreht wird. In der dritten Story geht es auch um einen Wechsel, diesmal schlüpft ein Mann in die Rolle eines flüchtigen Bekannten, den er auf einer Reise traf, eines Anthropologie-Professors auf dem Weg zu einer Konferenz. Weiter geht es mit der Schilderung eine besonderen Beziehung, eines 11jährigen Jungen zu einem Kontrabass. – Es ist schon enorm, Gaiman schreibt über belanglose Dinge, aber man ist einfach fasziniert als Leser, denn was er schreibt besitzt Tiefe und Weisheit und vermittelt ein Gefühl für das Wichtige und Richtige. Ein pubertierender Junge macht seine ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Ein Freund hat ihm erklärt, Mädchen seien keine Wesen vom anderen Stern, aber genau hier wird ein ganz anderer Eindruck vermittelt.

„Eine Studie in Smaragdgrün“ ist eine Holmesiade. Zunächst wurde ich als Leser auf eine falsche Fährte gelockt, denn der Ich-Erzähler ist ein englischer Afghanistan-Veteran, der dort Schlimmes erlebt und erduldet hat. Wer denkt dabei nicht an die Gegenwart? Aber die Geschichte spielt in den 80ern des 19. Jahrhunderts. Das London hier erinnert sehr an Kim Newmans London in „Anno Dracula“, Gaiman lässt so ganz nebenbei auch alle einschlägig Bekannten auftreten, Vlad Tepes, Jack the Ripper. Dass es sich bei den Protagonisten um Dr. Watson und Sherlock Holmes handelt, wird nie erwähnt, doch wer soll es dann sein? Den Fall löst „Holmes“ nicht gänzlich, na, vielleicht it er’s ja doch nicht…

Toll waren auch „Die wahren Umstände im Fall des Verschwindens von Miss Finch“. Hier suggeriert der Autor wieder sehr intensiv, dass es sich um einen Episode aus seinem Leben handeln könnte. Aber ich will das mal lieber nicht annehmen. Der Ich-Erzähler wird von einem Pärchen zur Abendunterhaltung eingeladen, die noch eine Dame erwarten, besagten Miss Finch, eine Exzentrikerin wie sie wohl nur in Old England existieren kann. Man geht zu einem komischen Horror-Zirkus und in der letzten Nummer wird der Wunsch (nicht der Alptraum) eines Gastes verwirklicht. Das endet nicht gut…

Andere Exzentriker haben sich zu einem Orden zusammen geschlossen, die halt mal alles essen wollen. Die gibt es wohl schon recht lange und sind maßgeblich am endgültigen Aussterben so manchen Geschöpfs schuldig. Doch was passiert, wenn sie den Sonnenvogel essen, den wir auch als Phönix kennen und der bekanntlich aus der Asche immer wieder aufersteht? Es gibt dann noch eine Story um das Essen und dann erlebt der Leser die Wirkungsweise eines Virus mit. Und und und… insgesamt sind es 14 Texte, wobei der längste eine Geschichte aus dem American Gods-Universum um den göttlichen Helden Shadow ist und der kürzeste (eine Seite) die biblische Geschichte des Sündenfalls umgekehrt erzählt.

Nun, ich hoffe, nicht zu viel verraten zu haben, aber doch so viel um Geschmack auf dieses wunderbare Buch zu machen. Doch was bedeutet die Lektüre nun für mich? Wieder ca. 10 Jahre warten? Bitte lieber Neil Gaiman und liebe deutsche Verlage: Das könnt ihr nicht mit mir machen! (Am liebsten ruhig Klett-Cotta, denn das Buch macht auch äußerlich was her, sehr schöner Umschlag, schöne Satzgestaltung.) (3xPRT)

Copyright © 2010 by Thomas Hofmann (th)

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Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Roland Veith
2.Jürgen Netzker
3.Manfred Kandolf
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Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Thomas Hofmann am 27. Februar 2010

Oliver Plaschka:magier
Die Magier von Montparnasse
Klett Cotta, 2010, 430 Seiten
978-3608938746

Klett-Cotta Verlag

Homepage des Autors

Die Idee ist nicht übel: Angesiedelt im Paris in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts existiert eine Gesellschaft von echten Magiern, die eifersüchtig über ihr Zauberei-Monopol wacht. Magisch Begabte, die außerhalb ihrer Gesellschaft Magie praktizieren, werden überwacht und verfolgt.

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Die Helden der Geschichte sind ein charmantes Varietee-Zauber-Pärchen, die mit der ihrem Bühnenprogramm die Aufmerksamkeit der Agenten der Société Silenciense (Stille Gesellschaft) auf sich ziehen, erleben nun mehrmals immer wieder denselben Tag mit leichten Veränderungen.

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Wo der Autor mit seinem Erstlingswerk, „Fairwater“, erschienen im Verlag Feder & Schwert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis 2008, hindeutet, kann er hier weiter ausbauen. Der erste Roman spielte ja vornehmlich in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert, zugegebener Maßen vor einer phantastischen Kulisse, doch dem Stil des Textes merkte man an, dass der Autor sich eher älteren Epochen verpflichtet fühlt und hier den Leser vergessen lässt, in welcher (gegenwärtigen) Zeit der Roman eigentlich spielt.

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Nun hat er also konsequent seinen Plot in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt, wo er gerne auch seiner Vorliebe für ausgefeilte Wortwahl und antiquierter Erdzählweise frönen kann. Da muss man als Leser zunächst schon einmal mögen.

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Leider verdeckt dieser Stil – bereits auch schon in „Fairwater“ – den Plot gänzlich. Mir ist es so ergangen, dass ich beim Lesen von einer, zwei Seiten mich fragte, was ich denn da gelesen habe. Vor lauter Formulierungswut wurde für meine Begriffe der zu vermittelnde Inhalt nicht transportiert. Im genannten Erstlingswerk wechselten sich Passagen langer Innerlichkeit mit wirklichen Handlungs-Teilen ab, so dass man immer wieder zum Weiterlesen animiert wurde. Leider fiel mir hier die Lektüre tatsächlich noch schwerer, zumal das Erzählte sich aufgrund des Plots (also der sich immer wiederholende Ablauf desselben Tages mit leichten Nuancen) dem noch Vorschub leistete. Das fordert die Geduld des Lesers heraus. Anfänglich verwirrend, dann aber eigentlich nicht mehr so schlimm ist, dass jedes Kapitel aus der Sicht einer von 7 Hauptpersonen geschildert wird, alles Kapitel in der Ich-Form verfasst.

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Diese allerdings sehr feine und wohl gesetzte Sprache kann auch faszinieren. Es gibt Sätze, die ins Poesiealbum gehören. Das macht dann auch Sapß, keine Frage. Doch sollte man als potentieller Leser dafür eine Ader haben und keine „knallharte“ Action erwarten. Dagegen bietet der Roman absynthgeschwängerte Bohème-Atmosphäre

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Das Setting, die Figuren sind durchaus sehr phantastisch und befördern einen Eskapismus, der in den letzten Jahren nach dem Erfolg von „Harry Potter“ durch die Neuerfindung den phantastischen Genres große Leserschaften (und sicher noch mehr Kinogänger) begeistert. Wo „Harry Potter“ doch eher auf ein jüngeres Publikum zielt, hat diese spezielle Phantastik auch das erwachsene Publikum erreicht; exemplarisch möchte ich da „Jonathon Strange und Mr. Morrell“ von Susannah Clarke und den tollen Film “Das Kabinett des Dr. Parnassus” nennen. In diese Linie findet sich auch der vorliegende Roman wieder. Ach ja, sehr erinnerte er mich auch an “Prestige. Die Meister der Magie“ von Christopher Priest (ebenfalls brillant verfilmt).

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Ja, der Autor gehört zu den deutschen Neuendeckungen der Phantasik-Szene. Es ist einfach toll, was hier möglich ist – neben Endlos-Sagas um Trolle und Zwerge oder „romantische“ Vampire! So kann Phantastik auch sein, auch wenn sie wahrscheinlich am Ende nicht so eine große Verbreitung finden wird. Ich kann dem Autor nur die Daumen drücken (und mir wünschen, dass er das nächste Mal mehr am Plot bleibt).
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Bei Amazon zu finden
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