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neuauflage

Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Werner Karl am 10. Mai 2010

die-magier-von-montparnasseOliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse

Verlag: Hobbit Presse Klett-Cotta
ISBN: 9783608938746
Genre: Fantasy
Erschienen: 2009
Umschlaggestaltung: HildenDesign, München
Umschlagillustration: Isabelle Hirtz
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 428 Seiten
Auszeichnungen: 1. Platz beim RPC-Award 2010, Kategorie Literatur.

www.klett-cotta.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Buch:

Das Buch besticht schon allein durch das fantastisch aufgemachte Cover. Etwas mittelalterlich angehaucht mit den wichtigsten Romaneigenschaften, Magier oder Zauberer, Assistentin, davor ein stilisiertes Paris als Schnitt und eine unscheinbare Uhr. Auf der vorderen, inneren Buchklappe befindet sich eine Karte des Carrefour Vavin Paris um 1926 und auf der hinteren, inneren Buchklappe ein Stadtplanausschnitt von Paris Montparnasse um 1926.

Zum Inhalt:
 
Zauberer nähren sich von der Verwirrung ihres Publikums wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer. In einem Pariser Varieté ist Ravi der Bühnenzauberer an einem Sonntag bei seinem letzten Bühnenprogramm. Er präsentiert mit seiner Assistentin Blanche, welche auch gleichzeitig seine Geliebte ist, seine zauberhafte Kunst. Bei einem an für sich einfachen und harmlosen Zaubertrick, wo sich beide jeweils in einem gläsernen Sarg befinden, welche sich langsam mit Sand  füllen, lässt sich Ravis Sarg durch den geheimen Mechanismus nicht mehr öffnen. Die Technik versagt. Um seine geliebte Assistentin vor dem sicheren Tod zu bewahren muss Ravi schnell handeln und für seine Zunft etwas Verbotenes tun. Ravi muss das wichtigste Gesetz seiner Zunft brechen. Er muss, was niemand weiß und auch nicht wissen darf zu Rettung seiner Blanche richtige Magie einsetzen, denn er beherrscht richtige Magie. Durch den lebensrettenden Magieeinsatz wird allerdings auch die Société Silencieuse, dies ist wohl die geheime Magierpolizei, auf den Plan gerufen. Diese wachen darüber, dass kein Magier von seiner für den Menschen unwissenden Macht bzw. Magie gebrauch macht.

Die Société Silencieuse entsendet Abgesandte nach Paris, um Ravi und Blanche zu bestrafen. Der Magieeinsatz von Ravi hat für Paris mit all seinen Bewohnern einen schlimmen Nachgeschmack. Denn in Paris stehen nach dem Einsatz der Magie alle Uhren still und die Menschen dort erleben diesen einen Sonntag immer und immer wieder. Sie merken dies nicht, da sie morgens wieder alles vergessen haben. Blanche isst nach ihrem letzten Auftritt einen scheinbar vergifteten Apfel und legt sich aufgrund einsetzender Müdigkeit zu Bett mit den an Ravi gerichteten Worten, sie morgen mit einem Kuss zu wecken. Blanche fällt in einen tiefen Schlaf und aufgrund der Zeitschleife kann sie nicht erweckt werden.

Am nächsten Morgen, es ist wieder der besagte Sonntag, merkt Ravi schnell, dass etwas nicht stimmt. Er durchschaut die Zeitschleife und bemerkt, dass ganz Paris darin fest hängt. Nun treffen auch immer mehr Gäste in dem kleinen Hotel ein, wo Ravi mit seiner schlafenden Blanche für die Dauer ihrer Auftritte nächtigen. Orlando von der Société mit einem komischen und unbekannten Begleiter Namens Chloderic, die Hexe Celeste und der britische und undurchschaubarer Zauberer Barneby. Weiterhin gibt es noch das Hotelpersonal, bestehend aus Justin, das fixe und schnelle Mädchen für alles – für mich die charmanteste und netteste aller Charakteren – Mischa, der russische Angestellte, der gerne und häufig aus Liebeskummer dem Alkohol gut zusagt sowie die Hotelbetreiber als immer streitendes Ehepaar Alphonse und Esmée. Justin scheint die einzige zu sein, die merkt, dass irgendetwas um sie herum nicht in Ordnung ist. So vergehen die Tage, oder besser gesagt immer wieder der besagte Sonntag und alles läuft auf den siebten und letzten Tag hinaus. Dieser Tag entscheidet über das weitere Leben in Paris. Kann Ravi die Zeitschleife durchschauen und irgendwie aufhalten und Paris das normale Leben wieder zurückgeben oder wird Paris untergehen?

Fazit:

Dieser Roman beinhaltet sieben Kapitel, also sieben Mal ein und denselben Tag als die Zeit stehen blieb, und wird im Wechsel aus Sicht der einzelnen Charaktere beschrieben. Wer hier einen klassischen Fantasieroman erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Hier erwartet den Leser ein Roman der anderen Art. Der Autor zieht den interessierten Leser immer tiefer in seine Story ein und durch ein geschicktes Wechselspiel der Perspektiven verwirrte er mich immer mehr. Der Leser wird bis fast zum Schluss über das Ende des Buches in Unwissenheit gehalten, was für mich teilweise ärgerlich und auch verwirrend war. Es stellten sich für mich immer mehr Fragen, insbesondere über diese seltsame Zeitschleife.

Die wollte ich irgendwie lösen und Ravi irgendwie mitteilen, um endlich zu einem glorreichen Ende zu kommen. Aber im Nachhinein stellten sich die eigenen Thesen über die Zeitschleife als nicht korrekt heraus. Die Art und Weise wie es zum Ende kam, war für mich seltsam und doch war ich erstaunt. Oliver Plaschka versteht es, den Leser, wenn dieser meint, die Lösung gefunden zu haben, diesen wieder erneut zu verwirren und zum erneuten nachdenken zu bewegen. Dieses Versteckspiel muss man mögen. Ich für meinen Teil hatte hiermit und auch mit den verschiedenen Erzählperspektiven manchmal doch so meine Schwierigkeiten und musste mich so manches Mal aufgrund der teilweisen Langatmigkeit und wenigen Spannungen zum Weiterlesen zwingen, wollte ich doch das Ende wissen. Bereut habe ich es allerdings nicht. Beim Lesen dieses Buches wurde man durch den etwas eigenartigen, aber für den Roman fantastisch passenden Schreibstil in das Jahr 1929 zurückversetzt. Man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Oliver Plaschkas Buch Die Magier von Montparnasse ist ein Roman von einer anderen Art. Entweder man mag es und fiebert und recherchiert mit oder man legt es in die Ecke. Ein Buch, was auch aufgrund des etwas eigenwilligen, aber zur Geschichte sehr gut passenden Schreibstils nicht mal so einfach zwischendurch zu lesen ist.

Copyright by Walter Gasper 2010

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August 410 – Ein Kampf um Rom

Erstellt von Werner Karl am 14. April 2010

august-410-ein-kampf-um-romMischa Meier/Steffen Patzold
August 410 – Ein Kampf um Rom

Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-608-94646-8
Titelgestaltung von Rothfos und Gabler, Hamburg unter Verwendung eines
Fotos von The Course of the Empire: Destruction, 1836 (oil on canvas), Cole,
Thomas (1801 – 48)/Collection of the New-York Historical Society, USA/Bridgeman, Berlin
Karte von Stefan Priwitzer
Autorenfotos von Marijan Murat

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Im August 410 plünderten die Westgoten unter Alarich Rom und zogen nach drei Tagen wieder ab. Dieses Ereignis markiert eine Wende in der Geschichte der bis dahin als uneinnehmbar geltenden Stadt. Wirklich uneinnehmbar? Schon sehr viel früher gab es Einfälle gallischer Stämme, die einmal bis zur Hauptstadt vordrangen (387 v. Chr.), und germanische Übergriffe, die jedoch noch abgefangen werden konnten. Rom verlor seinen Nimbus und an Bedeutung. Die weströmischen Kaiser verlegten ihre Residenzen in andere Städte, und die Kluft zu Ostrom wurde immer größer. 455 erfolgte die zweite Eroberung und Plünderung Roms durch die Vandalen unter Geiserich. 476 wurde Romulus Augustulus als letzter weströmischer Kaiser abgesetzt und der Germane Odoaker zum König von Italien gekrönt.

Über das, was nun im Jahr 410 passierte, gibt es keine Berichte von Augenzeugen, sondern lediglich Schilderungen Dritter, die entweder die Erzählungen und Behauptungen, die ihnen zugetragen wurden, festgehalten haben oder die anhand der Folgen die Geschehnisse rekonstruierten, sie dabei aus der Sicht ihrer Zeit interpretierten. Das ist kein Einzelfall, denn auch zu anderen historischen Ereignissen finden sich oft bloß jüngere Quellen, die wegen der zeitlichen Distanz, ihrer Subjektivität und der Ziele, die der Verfasser verfolgte, mit Vorsicht zu genießen sind. Mischa Meier, Professor für Alte Geschichte, und Steffen Patzold, Professor für Mittelalterliche Geschichte, beide an der Universität Tübingen, haben nicht versucht, den August 410 und seine Konsequenzen für Rom ein weiteres Mal aufzurollen. Stattdessen befassten sie sich mit den dazu vorliegenden Quellen, von denen die älteste kurz vor dem Überfall der Goten geschrieben wurde und die jüngste den aktuellen Stand der Forschung und Interpretation repräsentiert.

Claudius Claudianus beschreibt die Weltsicht Roms vor Alarich. In den Augen des Dichters und in denen der meisten Zeitgenossen ist das Imperium uneinnehmbar, die Stadt selber absolut sicher. Es ist unvorstellbar, dass Barbaren die mächtigen Heere Roms überwinden könnten. Umso größer ist der Schock, als genau das passiert. Kirchenvater Hieronymus weilt selber nicht in Rom, erfährt aber durch Flüchtlinge und Reisende von den Vorgängen. Für ihn ist Alarichs Sieg nur die logische Konsequenz seit dem Vordringen der Hunnen und Rom identisch mit dem vierten Reich aus den endzeitlichen Prophezeiungen des Daniel. Er nutzte die Tragödie, um für einen besseren und asketischen Lebenswandel der römischen Christen zu appellieren.

Kirchenvater Augustinus stößt in ein ähnliches Horn und sieht in der Eroberung ein Zeichen: Gott hat Rom und die Christenheit gezüchtigt, aber sein Reich wird kommen. Nach dem Machtverfall und dem Ende des Römischen Imperiums wurde Rom zu einer Idee, wie sie das heilige römische Reich deutscher Nation widerspiegelt. In einer anderen Darlegung werden die siegreichen Germanen (Goten) über die anderen Völker gehoben, ein Motiv, dessen sich der Nationalsozialismus ebenfalls bediente. Wieder andere Historiker betrachten das Stichdatum distanziert und inszenieren sich und ihre Sichtweise durch provokative Interpretationen.

Die Verfasser der hier zu Rate gezogenen Quellen, aus denen reichlich zitiert wird, sind alle Kinder ihrer Zeit. Sie beschreiben und bewerten das Jahr 410 gemäß ihrer Denkweise und Ziele. Der Wandel der Sichtweisen ist so faszinierend und spannend wie das Geschehnis selbst. Mischa Meier und Steffen Patzold berichten flüssig und kompetent, so dass man sich gern auf einen Ausflug durch die Zeitalter einlässt. Dieser eröffnet völlig neue Perspektiven, die dem Leser künftig erlauben, auch andere Ereignisse und Quellen mit kritischem Auge zu betrachten.

Alles in allem ist „August 410 – Ein Kampf um Rom“ ein faszinierendes Sachbuch, das ein historisches Ereignis auf etwas andere Weise beleuchtet, dabei die menschliche Interpretation berücksichtigt und neue Betrachtungsweisen erlaubt. Der Titel wendet sich an alle Leser, die sich für (römische) Geschichte interessieren, insbesondere an Schüler, Studenten, Lehrer und Historiker. Ein sehr informatives und angenehm zu lesendes Sachbuch! (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Die Gewinner lauten: Frank Michl, Robert J. Hartkopf und Viktor Gissel. WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSOREN U ND ALLEN MITSPIELERN!

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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
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Berlin Palace

Erstellt von Werner Karl am 3. April 2010

berlin-palaceJörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Tropen/Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, Gesellschaftssatire, SF
ISBN 978-3-608-50106-3
Titelgestaltung von Herburg Weiland unter Verwendung eines Fotos von Fen Zengjie
Autorenfoto von Rolf Wegener

www.klett-cotta.de/tropen

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Die olympischen Spiele 2008 haben China zwar nicht demokratisiert, der Nation jedoch einen starken Wirtschaftsschub verpasst. Einige Jahre später ist China eines der reichsten Länder, eine glitzernde und moderne Hochburg des Erfolgs und ein Mekka für arme Migranten. Vor allem europäische und insbesondere deutsche Wirtschaftsflüchtlinge hoffen, während sie in Slums hausen, auf bessere Lebensbedingungen, während sie an Heimweh leiden. Längst ist in den Ghettos eine Subkultur entstanden, und immer mehr Chinesen fühlen sich fasziniert von den ‚wilden Germanen’. Das trifft auch auf den Werbefilmer Eisenstein Li zu, den jeder nur Xiao Ai nennt. Als er den Auftrag erhält, den Spot für das Parfum ‚Wald’ zu gestalten, will er das Produkt mit der mysteriösen Exotik der germanischen Kultur verbinden: mit einem dunklen Kiefernwald, einem Lebkuchenhaus und Hänsel und Gretel.

Den weiblichen Part soll Olympia Liang, die nach dem großen Sportereignis benannt wurde, spielen. Eigentlich ist die junge Frau keine besonders gute Schauspielerin und sorgt zudem für Probleme am Set, aber Ai ist bis über beide Ohren verliebt in sie und hofft, ihr endlich näher zu kommen. Je mehr sie ihm ausweicht und mit anderen Männern flirtet, umso stärker wird seine Besessenheit von ihr und dem Projekt …

Wer einen unterhaltsamen Liebesroman erwartet, wird enttäuscht, denn die unglückliche Romanze ist zwar die Triebfeder für das Handeln von Ai, der Hauptfigur, nimmt aber weniger Platz ein als die Schilderungen des futuristischen Chinas. Auf dem Wirtschaftsboom basierend, der mit den Olympischen Spielen begann, zeichnet der Autor ein Bild von einem Land, für das es im gleichen Maße nur aufwärts, wie es für die einstigen Industrienationen bloß abwärts ging. Beobachtet man die aktuelle Wirtschaftslage, erscheint diese Vision gar nicht so abwegig. In Chinas Vorzeige-Großstädten hat sich eine aufstrebende, erfolgreiche Oberschicht mit Kapital gebildet (wie es im Rest des Landes aussieht, ist ein anderer Punkt), während die EU im Sog der Krise, die in den USA ihren Anfang nahm, arg trudelt.

In der nahen Zukunft, wie Jörg-Uwel Albig sie beschreibt, hat sich alles umgekehrt. Mit ungewöhnlichen Wortschöpfungen und Schilderungen gelingt es ihm, eine surreale und zugleich vertraute Atmosphäre zu schaffen. Die Chinesen leben in Saus und Braus – die Speisen erinnern an die Kreationen eines Lukullus und an römische Dekadenz -, während die Gastarbeiter dankbar für jede Münze sind, die man ihnen zuwirft, z. B. fürs Scheibenwischen, wenn Autos an einer roten Ampel warten müssen. Sie sind schlecht gekleidet in einheitliche Anzüge, wie einst Maos ‚blaue Ameisen’. Dennoch lockt ihre Exotik, und immer mehr Chinesen besuchen ‚germanische’ Kneipen wie das „Berlin Palace“, um seltsame Getränke zu probieren, Lieder zu singen (Karaoke), deren Texte sie nicht verstehen und die sie kaum aussprechen können, und die Fremden zu betrachten, die karierte Hemden und Lederhosen tragen.

Tatsächlich wurde der Spieß einfach umgedreht. Die Faszination die man hier für Fernost empfindet, geht auch in die andere Richtung. Der Autor übt durch die vertauschten Rollen subtil Kritik an der Arroganz der Deutschen und an der der Chinesen, die beide für sich den Anspruch erheben, ein Kulturvolk und Maß aller Dinge zu sein. Es ist ein Balanceakt, der nicht verletzen soll, aber doch bissig ist und die Augen für die eigene Dünkelhaftigkeit, Ignoranz und Überflussgesellschaft öffnet, die vor allem die Unzufriedenheit in jenen schürt, die mit sehr viel weniger auskommen müssen, aber ständig den Reichtum der anderen vorgeführt bekommen.

„Berlin Palace“ ist weniger ein unterhaltsamer Roman als eine bittere Zukunftsvision und Gesellschaftssatire, die sich als Allegorie auf die Gegenwart versteht. Die Handlung und die Dialoge sind voller Anspielungen; man sollte sich Zeit für die Lektüre nehmen, um all die Feinheiten zu entdecken. Liest man gern ‚etwas andere Literatur’, die nicht dem Mainstream folgt und deren Intention auch nicht auf dem Silbertablett präsentiert wird, sollte man einen Blick in dieses Buch werfen. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Die Gewinner lauten: Ralf Schwarz, Detlef Engwicht und Jörg Geese. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN MITSPIELERN!
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Die Kinder Húrins

Erstellt von Werner Karl am 17. März 2010

die-kinder-hurinsJ.R.R. Tolkien
Die Kinder Húrins

Originaltitel „The Children of Húrin“
Klett-Cotta, Hobbit Presse
ISBN 9783608937626
Taschenbuch, Fantasy
Übersetzer: Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch
Titelbild und Illustrationen von Allan Lee
Umfang: 333 Seiten

www.klett-cotta.de
www.hobbitpresse.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kinder_H%C3%BArins

„Die Kinder Húrins“ spielt zur Zeit des Ersten Zeitalters in Mittelerde, also weit vor den Geschehnissen von „Herr der Ringe“. Doch trotzdem trifft der geneigte Leser auf bewährte Völker und Lebewesen: Elben, Zwerge, gute und böse Menschen, das Böse an sich in Form der dunklen Macht, die sich in Morgoth – einer Art Vorläufer von Mordor – bildet, Drachen, Orks uva.

Erzählt wird in fast biblischer Art und Weise die Herkunft, das schicksalhafte Leben und der Kampf samt tragischem Ende der Kinder Húrins, nämlich seinem Sohn Túrin und seiner Tochter Nienor. Natürlich werden auch die Schicksale anderer Verwandter gestreift, doch nur so weit, wie sie Einfluss auf das Leben der beiden haben.

In 18 Kapiteln – welche vom Sohn J.R.R.Tolkiens, Christopher Tolkien, zusammengetragen und vervollständigt wurden – tauchen wir erneut ein, in ein mystisches, zauberhaftes, schreckliches, Blut beladenes Land Mittelerde. Allerdings in Gegenden, die fernab vom Auenland und anderen bekannten Landstrichen aus Herr-der-Ringe liegen.

Trotz – oder gerade vielleicht wegen – der altertümlichen Sprache liest sich „Die Kinder Húrins“ sehr angenehm und ist leider viel zu schnell zu Ende. Ein wenig Trost spenden einige Farbbilder und weitere s/w-Zeichnungen, Farbkarten, Stammbäume und ein Namensregister. Die Gestaltung des kompletten Umschlages mit Goldprägung und das Titelbild von Allan Lee sind bei dieser Taschenbuch-Ausgabe fast schon Pflicht.

Wer sich ganz genau vorab über „Die Kinder Húrins“ informieren will, dem sei die sehr detaillierte und gute Aufarbeitung unter wikipedia empfohlen; den Link dazu habe ich oben eingefügt. (6xPRT)

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Die Gewinner lauten: Lutz Sudholz, Kerstin Ehrlich,  Eric Gabrell, Renatus Hantsch, Holger Weiß und Roland Thiele. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN MITSPIELERN!
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Blutiges Erwachen

Erstellt von Werner Karl am 17. März 2010

blutiges_erwachenRoger Smith
Blutiges Erwachen

Wake up Dead (2010)
Klett-Cotta Tropen Verlag
ISBN 9783608502060
Thriller
1. Auflage 2010
Übersetzung Jürgen Bürger und Peter Torberg
Gestaltung: Herburg Weiland
Titelfoto: Peter Hetzmannseder
Autorenfoto: Clive Sacke
Umfang: 357 Seiten, gebunden

www.klett-cotta.de/tropen

Zum Autor:
Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Wädhrend der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt “Kap der Finsternis” war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. Smith schreibt derzeit an seinem dritten Roman.

Zum Buch:
Smith zieht auch hier in seinem zweiten Buch den Leser ein weiteres Mal in die brutale und grausam dargestellte Umgebung von Kapstadt/ Südafrika: Das teure Cabriolet des Ehepaars Roxanne und Joe Palmer erregt die Aufmerksamkeit zweier Südafrikaner, Disco und Godwynn. Diese verfolgen die Palmers, überfallen sie vor ihrem Wohnhaus, schießen Joe ins Bein und entwenden das Auto. Roxy nutzt die Gunst der Stunde, erschießt ihren ungeliebten Ehemann mit der zurückgelassenen Pistole $und schiebt den Tod den beiden Südafrikanern in die Schuhe. Doch trotz ihrer Vermutung, sich hiermit aller Sorgen entledigt zu haben, löst der Tod des Waffenhändlers Joe Palmer eine böse Verkettung von Mord und Totschlag sowie einen brodelnden Bandenkrieg aus, der zuvor nicht absehbar war?

Roxanne selbst wird nach dem Mord an ihrem Mann von mehreren Personen aufgesucht, denen er Geld schuldet. Allen voran steht Billy Afrika, genannt Barbie, ein ehemaliger Cop, der seinen noch zu bekommenen Lohn als Söldner im Blick hat und bis zur Abwicklung der Erbschaft bei Roxanne einzieht. Als Personenschützer von Roxy sieht er die einzige Möglichkeit, später an das Geld zu kommen. Dieses benötigt er, um den Gangster Manson in Schach zu halten, der die Familie seines ehemaligen Partners Clyde erpresst. Clyde wurde damalig von Piper brutal ermordet und von Billy Afrika hinter Gitter gebracht, obwohl er ihn besser dafür erschossen hdtte. Und auch das menschliche Monster Piper findet eine Möglichkeit, aus dem Gefängnis zu entkommen, um seinen “Sklaven” und Liebhaber Disco zu suchen, der davon ganz und gar nicht begeistert bist, sich aber kaum gegen seinen Albtraum wehren kann. Parallel sieht der Polizist Maggott seine persönliche Chance, im Polizeidienst aufzusteigen, ist er scheinbar der Einzige, der außer Billy Afrika erkennt, dass Roxanne ihren Mann selbst umgebracht hat und beginnt im kriminellen Sumpf zu stochern. Doch damit gerät er mit Hartnäckigkeit in die Schusslinie der Kriminellen, die auch nicht davon zurück schrecken, einen unbequemen Polizisten schnell aus dem Weg zu räumen?

Fazit:
Dieses Buch ist eindeutig nichts für schwache Nerven. Hier geht es eindeutig um die Menschen weit am Rand der Gesellschaft, die den Leser in tiefe Abgründe blicken lassen. Die schnellen Perspektivenwechsel zwischen den Personen, die diese groß angelegte Geschichte stricken, lassen es jedoch nicht langweilig werden. Der Schreibstil ist schonungslos rasant, detailreich ohne Kompromisse und äußerst schnelllebig. Als Leser bin ich zum einen sehr erschrocken dar|ber, dass in diesem Buch ein Menschenleben relativ wenig wert scheint und sich die Anzahl der Ermordeten temporeich aufreihen lassen. Anderseits fasziniert mich doch die bewusst inszenierte Spannung, die dauerhaft auf einem hohen Level gehalten wird. Trotz dieser vielen auch abstoßenden Beschreibungen muss man dieses Buch einfach weiter lesen. Ein Happy End ist hier sicher nicht vorprogrammiert, dennoch können zwei Personen am Ende aufatmen und trotz der beschriebenen Umstände und erfahrenen Grausamkeiten auf ein besseres Leben hoffen? Fü|r den Rest bleiben nur die langsam eintrocknenden Blutspuren.

Trotz entsprechend vieler grausamer Detail und derben Kraftausdrücke hat mir persönlich dieses Buch – ähnlich wie Kap der Finsternis – sehr gut gefallen. Die gelesenen Seiten rauschen im hohen Tempo vorbei und lassen mich als Leser auch nachdenklich über diese vielleicht bzw. hoffentlich auch übertriebenen Zustände zwischen Schwarz und Weiss sowie Arm und Reich in Kapstadt zurück. (3xPRT)

Copyright ) 2010 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Harald Heuer
2.Mario Mayer
3.Simon Oltmanns
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
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Zerbrechliche Dinge

Erstellt von Thomas Hofmann am 14. März 2010

zerbrechliche-dingeNeil Gaiman
Zerbrechliche Dinge
Geschichten & Wunder

Klett-Cotta, Hobbit-Presse, 2010
Aus dem Englischen von Hannes und Sara Riffel
ISBN 978-3-608-93876-0

Titel erhältlich bei: Buch24.de
Titel erhältlich bei: Booklooker.de

Bei Neil Gaiman kann man sich über mangelnde Publikationen eigentlich nicht beschweren. Er ist ein Tausendsasa, in allen oder zumindest vielen Medien aktiv und präsent. Wer ihn nicht als Autor anspruchsvoller Graphic Novels kennt, hat aber sicher schon einmal einen Film von ihm gesehen. Inzwischen sind auch seine Prosawerke, vor allem die Romane „American Gods“ und „Anansi Boys“ Bestseller, ähnlich wie seine Bücher für ein eher jüngeres Publikum. Vor nicht allzu langer Zeit ist eine Musik-CD erschienen, auf denen Musiker insbesondere aus dem alternativen Pop-Genre Lieder veröffentlichten, die durch Geschichten des Autors inspiriert wurden („Where’s Neil when you need him?“).

Fragt man mich, was mir von ihm am allerbesten gefällt – also, ich frage mich das jetzt einfach mal selbst – so muss ich antworten: seine Erzählungen. Davon gibt es allerdings nicht allzu viele. Ich kannte bisher nur die Sammlung „Die Messerkönigin“. Nun ja, auch wenn dies natürlich völlig überzogen klingt, aber dieses Taschenbuch genießt kultische Verehrung bei mir. Davon wollte ich mehr! Und jetzt habe ich es bekommen. „Zerbrechliche Dinge“ ist nicht so umfangreich wie „Die Messerkönigin“ – dies ist aber auch schon der einige Nachteil zu dem Vorgänger. Ansonsten findet man in dieser neuen Sammlung genau die Stimmung und die Art von Stories wieder, die man in dem Vorgänger so lieben gelernt hat.

Was ist das Besondere an Gaimans Geschichten? – Da ist zunächst seine besondere Erzählweise, der Ton in seinen Texten. Wobei er auch fremde Stile nachahmt, um anderen Autoren seine Hochachtung auszudrücken; im vorliegenden Band ist z.B. eine Hommage an Ray Bradbury enthalten. Wie ich meine, hat er den Ton und die feine Melancholie Bradburys sogar übertroffen. Und es ist immer ein persönlicher Bezug vorhanden; man kann schnell den Eindruck bekommen, Gaiman schreibt meistens über sich selbst. Sicher stimmt das so hundertprozentig nicht, denn das wäre dann schon sehr bedenklich und unheimlich, sind es doch mitunter ausgemachte Gespenstergeschichten, die er zum Besten gibt. Aber diese Art zu erzählen bindet den Leser unweigerlich an den Text. Nicht nur durch den persönlichen Ton, sondern auch durch die Lebensweisheiten, die der Autor in seine unterhaltsamen Geschichten integriert, bekommt man ein Gefühl von Relevanz und Bedeutsamkeit vermittelt. Genau das ist es, was mir an den Texten so gut gefällt. Zudem spricht er stark den sense of wonder an, den der Fan phantastischer Erzählungen in dem Genre sucht.

Ein Mittel, seine Stories authentisch wirken zu lassen, ist, sie nicht richtig enden zu lassen. Dies erklärt er quasi auch eingangs als Programm. Und tatsächlich, einige Geschichten entlassen den Leser unverrichteter Dinge. Aber so ist ja das Leben, da haben die Geschichten auch nicht immer ein Ende, schon gar kein gutes…

Doch so wirken die Stories nach, bleiben haften. Sie enden nicht mit einer Auflösung, die im Kopf des Lesers dazu führen kann, dass er das Gelesene nach dessen „Auflösung“ aus dem Gedächtnis tilgt. Was erwartet den Leser konkret? – Es beginnt mit einer (scheinbar) persönlich erlebten Geistergeschichte. In der zweiten Story versucht ein fiktiver Autor eine realistische Geschichte zu schreiben, wobei er parallel dazu noch andere Probleme lösen muss. Interessant ist hier, dass das, was wir als Realität und Phantastik ansehen, umgedreht wird. In der dritten Story geht es auch um einen Wechsel, diesmal schlüpft ein Mann in die Rolle eines flüchtigen Bekannten, den er auf einer Reise traf, eines Anthropologie-Professors auf dem Weg zu einer Konferenz. Weiter geht es mit der Schilderung eine besonderen Beziehung, eines 11jährigen Jungen zu einem Kontrabass. – Es ist schon enorm, Gaiman schreibt über belanglose Dinge, aber man ist einfach fasziniert als Leser, denn was er schreibt besitzt Tiefe und Weisheit und vermittelt ein Gefühl für das Wichtige und Richtige. Ein pubertierender Junge macht seine ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Ein Freund hat ihm erklärt, Mädchen seien keine Wesen vom anderen Stern, aber genau hier wird ein ganz anderer Eindruck vermittelt.

„Eine Studie in Smaragdgrün“ ist eine Holmesiade. Zunächst wurde ich als Leser auf eine falsche Fährte gelockt, denn der Ich-Erzähler ist ein englischer Afghanistan-Veteran, der dort Schlimmes erlebt und erduldet hat. Wer denkt dabei nicht an die Gegenwart? Aber die Geschichte spielt in den 80ern des 19. Jahrhunderts. Das London hier erinnert sehr an Kim Newmans London in „Anno Dracula“, Gaiman lässt so ganz nebenbei auch alle einschlägig Bekannten auftreten, Vlad Tepes, Jack the Ripper. Dass es sich bei den Protagonisten um Dr. Watson und Sherlock Holmes handelt, wird nie erwähnt, doch wer soll es dann sein? Den Fall löst „Holmes“ nicht gänzlich, na, vielleicht it er’s ja doch nicht…

Toll waren auch „Die wahren Umstände im Fall des Verschwindens von Miss Finch“. Hier suggeriert der Autor wieder sehr intensiv, dass es sich um einen Episode aus seinem Leben handeln könnte. Aber ich will das mal lieber nicht annehmen. Der Ich-Erzähler wird von einem Pärchen zur Abendunterhaltung eingeladen, die noch eine Dame erwarten, besagten Miss Finch, eine Exzentrikerin wie sie wohl nur in Old England existieren kann. Man geht zu einem komischen Horror-Zirkus und in der letzten Nummer wird der Wunsch (nicht der Alptraum) eines Gastes verwirklicht. Das endet nicht gut…

Andere Exzentriker haben sich zu einem Orden zusammen geschlossen, die halt mal alles essen wollen. Die gibt es wohl schon recht lange und sind maßgeblich am endgültigen Aussterben so manchen Geschöpfs schuldig. Doch was passiert, wenn sie den Sonnenvogel essen, den wir auch als Phönix kennen und der bekanntlich aus der Asche immer wieder aufersteht? Es gibt dann noch eine Story um das Essen und dann erlebt der Leser die Wirkungsweise eines Virus mit. Und und und… insgesamt sind es 14 Texte, wobei der längste eine Geschichte aus dem American Gods-Universum um den göttlichen Helden Shadow ist und der kürzeste (eine Seite) die biblische Geschichte des Sündenfalls umgekehrt erzählt.

Nun, ich hoffe, nicht zu viel verraten zu haben, aber doch so viel um Geschmack auf dieses wunderbare Buch zu machen. Doch was bedeutet die Lektüre nun für mich? Wieder ca. 10 Jahre warten? Bitte lieber Neil Gaiman und liebe deutsche Verlage: Das könnt ihr nicht mit mir machen! (Am liebsten ruhig Klett-Cotta, denn das Buch macht auch äußerlich was her, sehr schöner Umschlag, schöne Satzgestaltung.) (3xPRT)

Copyright © 2010 by Thomas Hofmann (th)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de


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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Roland Veith
2.Jürgen Netzker
3.Manfred Kandolf
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
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Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Thomas Hofmann am 27. Februar 2010

Oliver Plaschka:magier
Die Magier von Montparnasse
Klett Cotta, 2010, 430 Seiten
978-3608938746

Klett-Cotta Verlag

Homepage des Autors

Die Idee ist nicht übel: Angesiedelt im Paris in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts existiert eine Gesellschaft von echten Magiern, die eifersüchtig über ihr Zauberei-Monopol wacht. Magisch Begabte, die außerhalb ihrer Gesellschaft Magie praktizieren, werden überwacht und verfolgt.

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Die Helden der Geschichte sind ein charmantes Varietee-Zauber-Pärchen, die mit der ihrem Bühnenprogramm die Aufmerksamkeit der Agenten der Société Silenciense (Stille Gesellschaft) auf sich ziehen, erleben nun mehrmals immer wieder denselben Tag mit leichten Veränderungen.

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Wo der Autor mit seinem Erstlingswerk, „Fairwater“, erschienen im Verlag Feder & Schwert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis 2008, hindeutet, kann er hier weiter ausbauen. Der erste Roman spielte ja vornehmlich in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert, zugegebener Maßen vor einer phantastischen Kulisse, doch dem Stil des Textes merkte man an, dass der Autor sich eher älteren Epochen verpflichtet fühlt und hier den Leser vergessen lässt, in welcher (gegenwärtigen) Zeit der Roman eigentlich spielt.

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Nun hat er also konsequent seinen Plot in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt, wo er gerne auch seiner Vorliebe für ausgefeilte Wortwahl und antiquierter Erdzählweise frönen kann. Da muss man als Leser zunächst schon einmal mögen.

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Leider verdeckt dieser Stil – bereits auch schon in „Fairwater“ – den Plot gänzlich. Mir ist es so ergangen, dass ich beim Lesen von einer, zwei Seiten mich fragte, was ich denn da gelesen habe. Vor lauter Formulierungswut wurde für meine Begriffe der zu vermittelnde Inhalt nicht transportiert. Im genannten Erstlingswerk wechselten sich Passagen langer Innerlichkeit mit wirklichen Handlungs-Teilen ab, so dass man immer wieder zum Weiterlesen animiert wurde. Leider fiel mir hier die Lektüre tatsächlich noch schwerer, zumal das Erzählte sich aufgrund des Plots (also der sich immer wiederholende Ablauf desselben Tages mit leichten Nuancen) dem noch Vorschub leistete. Das fordert die Geduld des Lesers heraus. Anfänglich verwirrend, dann aber eigentlich nicht mehr so schlimm ist, dass jedes Kapitel aus der Sicht einer von 7 Hauptpersonen geschildert wird, alles Kapitel in der Ich-Form verfasst.

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Diese allerdings sehr feine und wohl gesetzte Sprache kann auch faszinieren. Es gibt Sätze, die ins Poesiealbum gehören. Das macht dann auch Sapß, keine Frage. Doch sollte man als potentieller Leser dafür eine Ader haben und keine „knallharte“ Action erwarten. Dagegen bietet der Roman absynthgeschwängerte Bohème-Atmosphäre

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Das Setting, die Figuren sind durchaus sehr phantastisch und befördern einen Eskapismus, der in den letzten Jahren nach dem Erfolg von „Harry Potter“ durch die Neuerfindung den phantastischen Genres große Leserschaften (und sicher noch mehr Kinogänger) begeistert. Wo „Harry Potter“ doch eher auf ein jüngeres Publikum zielt, hat diese spezielle Phantastik auch das erwachsene Publikum erreicht; exemplarisch möchte ich da „Jonathon Strange und Mr. Morrell“ von Susannah Clarke und den tollen Film “Das Kabinett des Dr. Parnassus” nennen. In diese Linie findet sich auch der vorliegende Roman wieder. Ach ja, sehr erinnerte er mich auch an “Prestige. Die Meister der Magie“ von Christopher Priest (ebenfalls brillant verfilmt).

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Ja, der Autor gehört zu den deutschen Neuendeckungen der Phantasik-Szene. Es ist einfach toll, was hier möglich ist – neben Endlos-Sagas um Trolle und Zwerge oder „romantische“ Vampire! So kann Phantastik auch sein, auch wenn sie wahrscheinlich am Ende nicht so eine große Verbreitung finden wird. Ich kann dem Autor nur die Daumen drücken (und mir wünschen, dass er das nächste Mal mehr am Plot bleibt).
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Bei Amazon zu finden
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Die geheime Geschichte Moskaus

Erstellt von Werner Karl am 12. Februar 2010

moskauEkaterina Sedia
Die geheime Geschichte Moskaus

Originaltitel: The Secret History of Moscow (2007).
Ins Deutsche übertragen von Olaf Schenk.
Stuttgart: Klett-Cotta 2009.
Umfang 327 Seiten
ISBN 9783608938739

www.klett-cotta.de

Durch den Erfolg der “Wächter-Trilogie” von Sergej Lukianenko boomt in Deutschland derzeit russische Phantastik. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Klett-Cotta mit dem vorliegenden Roman an diesem Erfolg teilhaben will, auch wenn die Autorin in den USA lebt und das Buch im Original auch in der dort üblichen Landessprache erschienen ist. Inhaltlich ist Die geheime Geschichte Moskaus jedoch wirklich eigenständige Russische Phantastik, spielt die Autorin doch geschickt mit den dortigen Mythen und Märchen. Auch wenn Sedias Erstling nicht mit dem genialen Debüt Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky (erschienen als TB bei Heyne) mithalten kann, so gelingt ihr doch ein äußerst unterhaltsames und anregendes Werk, welches sich inhaltlich gar nicht mit Glukhovskys Werk vergleichen lässt.

Alles beginnt damit, dass die junge Moskauerin Galina Zeugin wird, wie ihre jüngere Schwester nach der abrupten Geburt eines Kindes scheinbar spurlos aus dem verschlossenen Badezimmer der häuslichen Wohnung verschwindet. Auch vor und unterhalb des Badezimmerfensters befindet sich niemand, nur ein einsamer Vogel kreist vor dem Fenster. Da Galina als verrückt gilt und auch schon einige Zeit wegen ihrer merkwürdigen Wahrnehmungen in der Psychiatrie weilte, würde ihr niemand glauben, dass sie in der kreisenden Dohle ihre Schwester wiederzuerkennen glaubt.

Doch bald darauf verwandeln sich immer mehr Moskauer in Vögel und Galina und der Polizist Jakov machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Aber erst der häufig angetrunkene Maler Fjodor, der als eine Art Stadtstreicher in Moskau lebt, zeigt den beiden den Weg in eine jenseitige Welt unterhalb der Stadt. Durch von der Realität abweichende Spiegelbilder in Pfützen oder auf Fensterscheiben fahrender Züge kann man eindringen in die phantastische Welt unterhalb der Stadt. Hierhin haben sich die meisten russischen Mythen- und Legendenwesen zurück gezogen, so die Kuh Zemun, die dereinst die “Milchstraße” erschaffen hat, der unsterbliche Kaschtschei, der seinen eigenen Tod gebannt hat, und viele andere Sagenwesen. Aber auch viele dereinst verfolgte oder verzweifelte Menschen finden sich in der jenseitigen Welt, in der man nicht mehr zu altern scheint. Neben einer vom Pogrom dereinst bedrohten jüdischen Familie findet Jakov auch seinen Großvater wieder, der vor dem Geheimdienst floh und hier eine Bar betreibt, in der alle zu verkehren scheinen.

Galina, Jakov und Fjodor verbünden sich mit den Sagengestalten und den geflohenen Menschen, denn hinter der massenhaften Verwandlung von Bewohnern Moskaus scheint ein finsterer Plan zu stecken, bei dem sich die kriminelle Moskauer Unterwelt mit jemand Mächtigem aus der jenseitigen Welt verbündet zu haben scheint, um die Grenze zwischen den beiden Welten aufzuheben und die Macht zu ergreifen. Während Galina verzweifelt versucht, ihre Schwester wieder zu finden und von ihrem Fluch zu befreien, gelingt es Kaschtschei einen ermordeten Kleinganoven wiederzuerwecken, der einem mächtigen örtlichen Schutzgelderpresser unterstand und getötet wurde, weil er zu viel wusste. Immer mehr verdichtet sich das Bild einer Existenz bedrohenden Verschwörung, deren Rädelsführer sogar über die Fähigkeit zu verfügen scheinen, menschliche Seelen in Edelsteine zu bannen und so für ewig gefangen nehmen zu können. Eine gewaltige Bedrohung für alle Menschen, vor allem für die Moskaus, sollte der Gefahr nicht bald Einhalt geboten werden…

Neben der dichten Atmosphäre muss vor allem die stilistische Fähigkeit der Autorin hervor gehoben werden, die dermaßen unauffällig und unspektakulär schreibt, dass es schon fast wieder als genial bezeichnet werden muss. Auch wenn der westliche Leser die russischen Mythologien kaum kennen dürfte (neben Väterchen Frost, der hier einen Gastauftritt hat, fehlt leider die berühmte Baba Jaga, die Hexe, die in dem Haus auf den Hühnerbeinen lebt; beide dürften so ziemlich die einzigen sein, die der westliche Leser kennt), so macht doch der bunte Kosmos der russischen Sagen und Märchen großen Spaß. Die geheime Geschichte Moskaus ist einfach Lesespaß pur, garniert mit interessanten und gut ausgearbeiteten Charakteren (so sind viele einzelne Kapitel bestimmten Personen gewidmet und erzählen die Geschichte und oft auch die Vorgeschichte dieser Protagonisten aus deren Sicht) und einer packenden Handlung. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch! (3xPRT)

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald

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Die geheime Geschichte Moskaus

LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Der Untergang des Römischen Weltreichs

Erstellt von Werner Karl am 1. November 2009

der-untergang-des-romischen-weltreichs1Peter Heather
Der Untergang des Römischen Weltreichs

The Fall of the Roman Empire, GB, 2005
Klett-Cotta, Stuttgart, 9/2007
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 9783608940824
Aus dem Englischen von Klaus Kochmann
Titelgestaltung von Klett-Cotta-Design unter Verwendung der Originalausgabe
16 Seiten mit farbigen Abbildungen aus verschiedenen Quellen
16 Karten von ML Design, London
Autorenfoto von Gail Sawyer

www.klett-cotta.de
www.kcl.ac.uk/schools/humanities/depts/history/about/staff/heather.html

Das Römische Reich (die legendäre Gründung Roms wird auf 753 v. Chr. datiert) bestand etwa vom 6. Jh. v. Chr. bis ins 5. Jh. n. Chr. und wandelte sich im Laufe der Zeit von einem von Königen kontrollierten, expandierenden Reich zur Republik und schließlich zu einem Kaiserreich. Seine größte Ausdehnung hatte es unter Trajan im frühen 2. Jh. n. Chr. Warum dieses Großreich ab dem 4. Jh. zunehmend Probleme bekam und schließlich 476 mit der Absetzung des weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker sein Ende fand, beschäftigt die Historiker seit Generationen. Lange hielt sich die Meinung, dass die Römer degenerierten und einfach nicht mehr dem Ansturm der viel aggressiveren germanischen Volksstämme standhalten konnten. Politische und taktische Fehlentscheidungen, ein übergroßer, korrupter Beamtenapparat und zu hohe Steuern, eine mangelhafte Versorgung der Truppen und die Eingliederung von Fremdvölkern ins Heer wurden als Ursachen genannt.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde diese Theorie zunehmend infrage gestellt, da die Forschung neue Erkenntnisse gewinnen konnte, welche bislang in Fachkreisen, nicht jedoch unter Laien Verbreitung fanden. Wichtige Hinweise zur Neuinterpretation der Geschehnisse lieferten z. B. schriftliche Quellen, die nun unter völlig anderen Gesichtspunkten betrachtet wurden. Ging man zuvor von der Zuverlässigkeit der Angaben in zeitgenössischen Dokumenten – die zumeist von römischen Verfassern stammten – aus, so warf eine differenzierte, skeptischere Betrachtungsweise ein völlig neues Licht auf die Problematik: Natürlich waren die Schriftstücke aus römischer Sicht eingefärbt und betonten die Überlegenheit des eigenen Volkes, während andere Kulturen als primitiv und barbarisch abgewertet, Geschehnisse sogar verfälscht wiedergegeben wurden. Aus all dem entwickelte der aus Nordirland stammende Historiker Peter Heather, der sich nicht nur mit dem Römischen Reich sondern auch mit den Kulturen jener Völker befasste, die gegen das Imperium kämpften, von ihm unterworfen wurden oder sich ihm aus freien Stücken anschlossen, eine neue Deutung, die teilweise im Gegensatz zu den gängigen Erklärungen steht.

Zunächst beschreibt Peter Heather ausführlich die Gegebenheiten, als sich Rom auf dem Höhepunkt seiner Macht befand: Die Legionen waren bestens trainiert, optimal ausgerüstet und durch ein Elitedenken konditioniert, während es sich bei den so genannten Barbaren um untereinander zerstrittene Stämme handelte, die zwar manche Schlacht, nicht aber den Krieg für sich entscheiden konnten. Durch die Integration ins Römische Imperium wurde diesen Barbaren die Kultur der Eroberer vermittelt, so dass sich die Lebensbedingungen in jenen Regionen West- und Nordeuropas verbesserten, was zu einem Bevölkerungswachstum und der Entstehung einer einflussreichen Oberschicht nach römischem Vorbild führte. Neue Waffen und Strategien, die Kooperation mit anderen Stämmen und verschiedene Faktoren mehr ließen aus einem bislang unterschätzten Gegner eine Macht werden, mit der Rom nicht gerechnet hatte. Die von den Hunnen ausgelöste Völkerwanderung, die Gründung von autonomen germanischen Kolonien auf vormals römischem Gebiet (Spanien, Africa etc.) und weitere Probleme führten schließlich zu mehreren Konfliktherden auf eigenem Territorium und damit zu einer schweren Krise.

Nachweislich erlitt das Römische Reich keinen wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang – dieser Fakt wird auch durch die Blüte Ostroms gestützt, das unter den gleichen Voraussetzungen seine Souveränität erlangte und noch einige Jahrhunderte länger Bestand hatte -, doch kam es zu einer Verlagerung von einem zu mehreren Machtzentren, einer Umstrukturierung im Beamtenapparat sowie im Heerwesen, und die Fremdvölker schlossen in ihrer Entwicklung zu den Römern auf. Das Vordringen der Hunnen verzögerte die Übergriffe der Germanen, die in diesen Jahrzehnten erstarken konnten und nach dem Zerfall des Hunnenreichs die Römer überrannten. Peter Heather erläutert seine Theorien sehr sorgfältig, indem er Bezug auf die frühere Sichtweise nimmt und Vergleiche zulässt. Andere Historiker und zeitgenössische Quellen werden regelmäßig zitiert, um seine Sichtweise zu untermauern. Er beruft sich vor allem auf den aktuellen Stand der Kenntnisse und die neue Deutung von Zeitdokumenten.

Sein Buch ist verständlich und interessant geschrieben, was auch ein Verdienst von Übersetzer Klaus Kochmann (1943 – 2007: „Der Untergang des Römischen Weltreichs“ ist sein letztes Werk) ist. Er bemühte sich, den Originalton des Autors zu treffen, so dass sich die Schilderungen spannend lesen, für den Laien nachvollziehbar sind und dazu einladen, eine andere Sichtweise kennen zu lernen und eigene Spekulationen anzustellen. Trotzdem wendet sich der Titel hauptsächlich an Oberstufenschüler und Geschichtslehrer, an Studenten der Klassischen Altertumswissenschaften und an all jene, die sich aus beruflichen und privaten Gründen intensiver mit dem Thema befassen und seriöse Information wünschen, die über das Infotainment populärwissenschaftlicher Magazine und TV-Sendungen hinausgeht. Alles in allem ist „Der Untergang des Römischen Weltreichs“ ein sehr interessantes und gut lesbares Sachbuch, das viele Detailinformationen und schlüssige Theorien bietet. Abgerundet wird durch einen umfangreichen Anhang, der vor allem durch die Bibliographie besticht, die auf weiterführende Bücher hinweist. (IS)

Titel bei Amazon.de:
Der Untergang des Römischen Weltreichs

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Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

Erstellt von Werner Karl am 24. Oktober 2009

persisches-feuer-e28093-das-erste-weltreich-und-der-kampf-um-den-westenTom Holland
Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

Persian Fire. The First World Empire and the Battle fort he West, GB, 2005
Klett-Cotta, Stuttgart, 9/2008
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 9783608944631
Aus dem Englischen von Andreas Wittenburg und Susanne Held
Titelgestaltung von malsyteufel, willich
unter Verwendung des Originalumschlags von Kim
McGillivray@www.debutart.com
unter Verwendung eines Motivs: Chigi-Vase; Rom, Museo di Villa Giulia, 1990
16 Seiten mit Fotos in Farbe und SW und Karten aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von Camilla Broadbent

www.klett-cotta.de

Vor rund 2.500 Jahren war Persien, dessen Kerngebiet im heutigen Iran liegt, das erste Großreich der Welt. Den Grundstein dazu legte Kyros II, dessen Söhne und Nachfolger jedoch schon bald dem Machthunger der eigenen Offiziere zum Opfer fielen. Aus dem Gerangel um den Thron ging Dareios I siegreich hervor, der die Geschichte in seinem Sinne verfälschte, so dass die Historiker heute noch rätseln, was sich damals tatsächlich abspielte. Nachdem Dareios die Grenzen seines Reiches weiter ausdehnen und festigen konnte, lenkte der ‚Ionische Aufstand’ in Kleinasien die Aufmerksamkeit des Herrschers auf die Ägäis. Um aufrührerische Stadtstaaten wie Athen und Sparta zu befrieden und die ‚überlegene’ persische Kultur nach Westen zu tragen, sandte er seine Flotte aus. Das persische Heer wurde bei der Schlacht von Marathon besiegt, und die Niederlage des Xerxes stoppte endgültig den persischen Vormarsch.

Die Invasion der Perser wird als der erste ernsthafte Versuch einer Macht aus ‚dem Osten’ betrachtet, ihr Einflussgebiet nach Europa zu erweitern, was beinahe das Ende der westlichen Kulturen bedeutet hätte. Weitere Beispiele in der Folgezeit sind die Konflikte zwischen dem Sassaniden-Reich und Ostrom, das Vordringen der Mauren bis nach Spanien und Portugal, das Ende von Byzanz durch die Osmanen und ihr Vorrücken bis Wien.

Und noch immer droht dem Westen aus dieser Region Gefahr, da die zeitgenössischen Politiker sich als unfähig erwiesen haben, auf die Anliegen der dort ansässigen Völker richtig zu reagieren, ihre Anführer sogar unterschätzten. Die aktuellen Unruheherde und Kriege, vor allem aber der Terror, der sich gegen den Westen richtet, sind Folgen einer Jahrhunderte währenden Krise. Tom Holland, Historiker und Journalist, mag manchen als Verfasser einer Vampir-Trilogie, die sich um Lord Byron rankt, bestens bekannt sein. Nun bringt der Autor sein Geschichtswissen in Form eines unterhaltsamen, gut lesbaren Sachbuchs ein, das sich mit dem Aufstieg Persiens zur ersten Weltmacht und ihrem Niedergang nach dem Scheitern des Xerxes gegen die Griechen befasst.

Ausführlich und anschaulich beleuchtet Tom Holland die politische und kulturelle Situation in Persien und Griechenland, geht dabei auch auf die unterschiedlichen Versionen der Geschehnisse ein, denn schon damals schrieben die Sieger die Geschichtsbücher. Ergänzt wird mit Bildtafeln, Karten, einer Zeittafel von 1250 – 447 v. Chr., Anmerkungen und einer weiterführenden Bibliographie. Das Buch wendet sich in erster Linie an geschichtsinteressierte Leser: u. a. Schüler, Studenten, Lehrer und (Hobby-) Historiker, Journalisten. Man darf „Persisches Feuer“ als populärwissenschaftliches und doch anspruchsvolles Werk betrachten, das mit vielen Fakten und Theorien aufwartet, durch die auch die heutige politische Situation leichter verständlich wird. (IS) (3xPRT)

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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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3. Ulf Schindler
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