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neuauflage

Schuld währt ewig

Erstellt von Werner Karl am 17. Dezember 2011

Inge Löhnig
Schuld währt ewig 
Kommissar Dühnforts vierter Fall

List Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-548-61069-6
Kriminalroman
Erschienen: 10.11.2011
Umfang: 448 Seiten, Taschenbuch

www.ullsteinbuchverlage.de
www.inge-loehnig.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Inge Löhnig wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München. Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert und sich nach einer Karriere als Art-Directorin in verschiedenen Werbeagenturen selbstständig gemacht. Heute lebt sie als Grafik-Designerin und Autorin mit ihrer Familie bei München. Schon Inge Löhnigs erster Kriminalroman um Kommissar Konstantin Dühnfort, Der Sünde Sold, hat bei Kritikern und Lesern Begeisterungsstürme ausgelöst: ?Meisterhafte Erzählkunst? schrieb die Süddeutsche Zeitung, auf krimi-couch.de wurde der Roman als ?einer der besten aus 2008? gelobt.

Zur Handlung:

Wie kann man mit seinem eigenen Schicksalsschlag am besten umgehen, wenn der Verursacher nicht zur Rechenschaft gezogen wird? Man spielt selbst Richter und wenn man seinen eigenen Peiniger nicht mehr bestrafen kann, dann sucht man sich andere Täter, die ihre gerechte Strafe für ihr verursachtes Unglück noch nicht erhalten haben und rächt sich hier…
Daher kommt es, dass ein scheinbar unschuldiger Mann überfahren wird, was zunächst nach einem Fall von Unfall mit Fahrerflucht ausschaut. Des Weiteren wird eine junge Frau tot aus einem See gezogen. Stehen diese Todesfälle im Zusammenhang? Mord oder doch nur ein Unfall?

Als zweiten Handlungsstrang erlangt der Leser einen Einblick in das Leben von Sanne, einer traumatisierten Frau, die zurück gezogen in einem Bauernhaus lebt und sich mit Schuldgefühlen plagt, da sie sich für den Tod eines kleinen Jungen verantwortlich fühlt, der in ihrer Obhut starb, als sie kurz abgelenkt war. Ihre Zeit verbringt die menschenscheue Frau mit der Restauration von Musikinstrumenten sowie in Gesellschaft eines Katers, der sie ab und an besucht. Als ins Haus nebenan ein fremder Mann mit einem ungestümen Hund einzieht, gerät ihr idyllisches Schneckenhausleben sehr ins Wanken…

Die Ermittlungen in den zwei Todesfällen leitet natürlich unser alter Bekannter Kommissar Dühnfort mit seinem Team. Doch beruflich tappt Dühnfort zunächst im Dunkeln, es scheint kein Motiv ersichtlich. Privat jedoch haben sich nach drei Bänden die Wogen um die Beziehung mit seiner Kollegin Gina geglättet, sie planen zusammen zu ziehen, müssen aber zunächst ihre Liebesbeziehung geheim halten, um die beruflichen Belange nicht zu stören?was bei den kleinen Neidattacken eines jungen Kollegen nicht immer einfach ist. Zusätzlich wird dann noch ein Mann aus der Haft entlassen, den Dühnfort vor Jahren ins Gefängnis gebracht hat. Und ihn jetzt verfolgt und auf Rache hofft…

Mein Fazit:

Auch dieser Fall aus der Serie um Kommissar Dühnfort hat mich mal wieder überzeugt. Spannung wird durch die wechselnden Erzählstränge und die lange Frage nach dem Motiv sehr gut aufgebaut, interessant ist auch die private weitere Entwicklung des sympathischen Paars.  Die Protagonisten haben eigene Charakterzüge und sind in allem mit ihren positiven als auch negativen Eigenschaften gut nachvollziehbar. Man kann sie sich sehr bildlhaft vorstellen, ebenso die Orte wie das Bauernhaus von Sanne oder die kleine heimelige Wohnung von Dühnfort. Erneut liest man hier einen soliden interessanten Krimi mit  höherem Niveau, der mehr auf Spannung als auf blutige Szenen baut! Und da schon ein weiterer Band in Planung ist, freue ich mich natürlich schon auf ein Wiedersehen mit Kommissar Tino Dühnfort und Gina! Diesen Krimi kann ich empfehlen, ein gewisser Suchtfaktor dieser Reihe ist gegeben!

Bisher in dieser Reihe erschienen:
Der Sühne Sold, November 2008
In weißer Stille, Februar 2010
So unselig schön, Februar 2011

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Tödlliches Requiem

Erstellt von Werner Karl am 4. Oktober 2011

Paolo Roversi
Tödlliches Requiem

Originaltitel: Niente baci alla francese (2007)
List Taschenbuch
ISBN 978-3-548-610-405
Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2011
Übersetzt aus dem Italienischen von Marie Rahn
Umfang: 256 Seiten

www.ullsteinbuchverlage.de
www.paoloroversi.com/pages/01.html

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Paolo Roversi, 1975 in Suzzara in der Lombardei geboren, hat in Nizza Geschichte studiert. Er ist Journalist und lebt in Mailand. Für seinen Kriminalroman Die linke Hand des Teufels bekam er den Premio Camaiore, einen renommierten Preis für Kriminalliteratur.

Zum Buch:

In der Mailänder Scala fällt scheinbar durch einen Herzinfarkt gefällt der Bürgermeister tot um. Wenig später ereilt den Bürgermeister von Paris, der ebenfalls bei dem Konzert zugegen war, das gleiche Schicksal. Genug merkwürdige Zufälle, dass der Journalist und Hacker Enrico einen ganz großen Fall wittert und zum Hobby-Ermittler mutiert, der sich selbst und sein Umfeld in größte Gefahr bringt, dies aber im Endeffekt mit einem Schulterzucken und viel Lässigkeit als Kleinigkeit abtut und fröhlich weitermacht. Dabei pendelt er von Mailand nach Paris, zwischen  ARbeit und seinem eigenen Vergnügen.

Fazit:

Dieser Krimi ist kein großes, epochales Werk, aber eine wunderbar leichte, lockere Geschichte, mit ein wenig kriminellem Hintergrund und viel Humor, der mir sehr gut gefallen hat. Dieses legere, nicht verkrampfte ließ die Geschichte sehr schön fließen, aber es brachte niemals ein Stocken mit sich. Und ganz nebenbei ist jedes Kapitel mit einem passenden Musikstück verbunden. Das fand ich doch sehr intelligent. Man hatte direkt eine spezielle Stimmung, sofern man den Titel denn kennt, bzw. selber vielleicht etwas damit verbindet. Mir ging es so, dass ich z.B. U2 “With or without you” den ganzen Tag danach im Ohr hatte. Also handelt es sich doch um ein Büchlein mit Nachdruck. Schön für ein Wochenende, wo man sich zuhause verkriechen und wirklich abtauchen möchte. Und sich gut unterhalten wissen möchte.

Copyright © 2011 by Sabine Kettschau

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de
Weitere Bücher de Autors:
Die linke Hand des Teufels

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Der Atlantis-Komplex

Erstellt von Werner Karl am 8. Juni 2011

Eoin Colfer
Der Atlantis-Komplex
Band 7 von Artemis Fowl
Artemis Fowl and the Atlantis Complex (2010)
Verlag: List (List in ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH)
ISBN: 9783471350614
Genre: Fantasy
Erschienen: 2011 (Deutschsprachige Ausgabe)
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Umschlaggestaltung: Hauptmann und Kompanie, Werbeagentur Zürich
Umschlagillustration: Nikolaus Heidelbach, Köln
Hardcover, 355 Seiten

www.list-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eoin Colfer lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Wexford, Irland. Bevor er als Schriftsteller erfolgreich wurde, war er Lehrer und mehrere Jahre in Italien, Tunesien und Saudi-Arabien tätig.

Zum Buch:

Artemis hat ein neues Projekt. Unser genialer und superintelligenter Meisterverbrecher möchte die Erde retten indem er die Abschmelzung der Pole verhindern möchte. All sein Wissen und vor allem seine finanziellen Möglichkeiten hat er in dieses Projekt gesteckt. Aber Artemis ist durch den Einsatz von zuviel Feenmagie krank geworden. Er leidet  unter dem sogenannten Atlantis Komplex.

Dieser Komplex führt dazu, abergläubisch einen krankhaften Zwang mit der Zahl fünf zu entwickeln, alles muss durch fünf teilbar sein, die Zahl vier ist für Ihn mit dem Tod vergleichbar. Weiterhin leidet er unter Persönlichkeitsspaltung. Dies hat zur Folge, dass die Elfe Holly Short, Captain der ZUP, den Hof gemacht bekommt und total von Artemis/Orion umgarnt wird, was für Artemis normalerweise absolut unmöglich wäre. Leider hat diese Paranoia zur Folge, dass sein überragender Intellekt nicht mehr verfügbar ist.

Dies bemerkt Holly natürlich bei einem treffen in Island, wo Artemis seine Rettungsaktion vor seinem auserwählten Publikum von Erd- und Elfenbewohnern vorstellen möchte. Holly erkennt, dass Artemis unter dem geheimnisvollen Atlantis-Komplex leidet und versucht ihn zu einer Therapie zu überreden. Aber Artemis hat nur seine Rettungsaktion im Kopf. Diese geht bei der Demonstration für Artemis Intellekt unvorstellbar daneben. Eine von ihm entwickelte Sonde macht sich plötzlich selbstständig und stürzt genau an dem Versammlungsort ab, bohrt sich in die Erde und steuert geradewegs auf die Unterwasserstadt Atlantis zu.

Artemis, der Zentaur Foaley und Holly nehmen die Verfolgung der Sonde ins Erdinnere, nach Atlantis, auf. Während Sie sich die Selbstständigkeit der Sonde nicht erklären können, versucht ein größenwahnsinniger Elf, der im Gefängnis von Atlantis sitzt, sich diese Bedrohung zu nutze machen und zu fliehen.

Mein Fazit:

Lange habe ich auf den neuen Artemis Fowl gewartet und wurde von seinem neuen Abenteuer nicht enttäuscht. Es war zwar ein anderer Artemis, als in den vorherigen Büchern, aber für mich trotzdem absolut lesenswert. Mit dabei natürlich wieder unsere, aus den vorangegangenen Abenteuern bestens bekannte Protagonisten wie Holly Short, der Butler und auch seine wrestlingbegeisterte Schwester Juliet, der Zentaur Foaley und Mulch Diggums. Mulch Diggums mit seiner sonst so bissigen, lustigen und humorvollen Art kam mir persönlich ein klein wenig zu kurz.

Aber es machte einfach Spaß mit zu erleben, wie Holly und Foley sich mit Artemis dämlichen zweiten Ich Orion herumschlagen müssen. Das actionreiche Geschehen von dem absolut logisch denkenden Butler und seiner überlegenden Art, zusammen mit seiner vor Übermut trotzenden Schwester war hier ein zusätzliches Highlight, bescherte es dem Leser doch einige zusätzliche spannende und humorvolle Passagen. Auch dieser Artemis Fowl sprüht wieder vor witzigen Einfällen, Charme und Ideenreichtum. Die Handlung ist zwar nicht mehr ganz so bissig, wie in den vorangegangenen Bänden, konnte mich aber dennoch überzeugen.

Copyright by Walter Gasper 2011

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Bisher sind erschienen:
Artemis Fowl
Die Verschwörung
Der Geheimcode
Die Rache
Die verlorene Kolonie
Das Zeitparadox
Die Akte

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Eoin Colfer – Der Atlantis-Komplex. Band 7 von Artemis Fowl.

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Mörderische Weihnachten – Spannende Geschichten aus Skandinavien

Erstellt von Werner Karl am 30. Oktober 2010

Liza Marklund (Hg.)
Mörderische Weihnachten – Spannende Geschichten aus Skandinavien

List Taschenbuch
ISBN 978-3-548-61015-3
Erzählungen
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung bürosüd° GmbH, München
Taschenbuch, 256 Seiten

Marklund: „Silvesternacht“ aus dem schwedischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt.
Originaltitel „Näst sista dagegen på året“
Dahl: „Die fliegende Mumie“ aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein.
Originaltitel „Mumien flyger“ (Buch: „Mord under julgranen“)
Flygt: „Vor der Pause“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Originaltitel „Före paus“ (Buch: „Mord under julgranen“)
Edwardson: „Als der Schnee fiel“ aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch.
Originaltitel „När snön föll“  (Buch: „Mord under julgranen“)
Eriksson: „Weihnachtsüberraschung“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Originaltitel „Julstök“ (Buch: „Mord i juletid“)
Tursten: „Mittwintermord“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger.
Originaltitel „Kallt Mord“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“)
Nilsson: „Würdest du für mich sterben?“ aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Originaltitel „Vill du dö för mig?“ (Buch: „Mord under julgranen“)
Davidsen: „Eine Weihnachtskarte aus der Vergangenheit“ Aus dem Dänischen von Gabriele Haefs.
Blom: „Engel im Schnee“ aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Originaltitel „Snöängel“ (Buch: Midvintermord och andra kriminalnoveller“)
Frimansson: „Das Rote“ aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger und Holger Wolandt
Originaltitel: „Det röda“ (Buch: „Mord under julgranen“)
Marklund: „Der Holzdieb“ aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann

www.list-taschenbuch.de

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zu den Autoren

Für die Sammlung dieser Erzählungen haben sich verschiedene skandinavische Autoren zusammengeschlossen. Neben Liza Marklund arbeiteten Arne Dahl, Torbjörn Flygt, Åke Edwardson, Kjell Eriksson, Helene Tursten, Johanna Nilsson, Leif Davidsen, K. Arne Blom und Inger Frimansson an der Verwirklichung des Buches mit.

Zum Buch/Meine Meinung

Neben dem Vorwort von Liza Marklund und dem Quellennachweis erwarten den Leser 11 skandinavische Geschichten, die mit Weihnachten insoweit zu tun haben, als es eben in dieser Zeit geschieht. Wirklich mörderisch sind sie nicht alle. Unterhaltsam jedoch schon. Einige wurden bereits in Skandinavien veröffentlicht.

Gleich im Vorwort, geht Marklund auf Weihnachten und die damit verbundenen Traditionen ein, auf die Erwartungen und zwangsläufig folgenden Enttäuschungen. Darauf, dass sie am liebsten in sonnige Gefilde oder eben einfach von daheim weg dem ganzen Trubel entflieht. Überaus nachvollziehbar, zumindest so, wie sie alles schildert.

Danach fängt der Lesegenuss langsam an, es dauert etwas, bis die erste Leiche auftaucht. Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen, sie können querbeet oder nacheinander gelesen werden. Da löst eine Kommissarin einen Fall, bei dem auffällig viele Kinder plötzlich Verletzungen aufweisen. In einer anderen Geschichte kommt jemand in arge Bedrängnis, weil aus einem ihm überlassenen Sack Blut tropft. Ungewöhnlich starke Schneefälle pferchen ein streitendes Geschwisterpaar zusammen. Ein Holzdieb lässt einen alten Mann quasi Amok laufen. Nicht immer kommen Tote in den Geschichten vor, aber wenn sie fehlen, fehlen sie gar nicht wirklich. Wenn sie dann doch auftauchen, könnte man fast erschrecken, da man nicht mehr mit ihnen gerechnet hat.

Fazit

Wer Skandinavienkrimis mag, kommt mit diesem Buch nicht zu kurz und hält kurzweilige Unterhaltung in Händen.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Entrissen

Erstellt von Werner Karl am 17. April 2010

VS_Carver_Entrissen_LVD.inddTania Carver
Entrissen

Originaltitel: The Surrogate
List Verlag
ISBN 9783471350348
Thriller
1.Auflage 12. März 2010
Aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Umfang: 496 Seiten, Taschenbuch

www.ullstein.de
www.ullsteinbuchverlage.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:
Tania Carver lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Südengland. Dies ist ihr erster Thriller.

Zur Handlung:
Ein Serienmörder beschäftigt das ermittelnde Team Phil Brennan, Anni Hepburn und Clayton Thompson. Er hat es auf hochschwangere Frauen abgesehen, die er überfällt, um das Neugeborene aus ihrem Körper herauszuschneiden und mitzunehmen. Auch die schwangere Claire und ihre Freundin werden nach ihrer Baby-Party zuhause überfallen und Opfer des grausam vorgehenden Täters. Doch das Baby könnte noch Leben sein und daher ist die Zeit der suche knapp bemessen. Die Spuren sind jedoch mehr als dürftig, so zieht die Polizei die Profilerin Marina hinzu, die schon in einem vergangenen Fall behilflich sein konnte.

Als alle Spuren zu Claires Exfreund – dem Schrotthändler Ryan Brotherton führen und dieser zudem von seiner neuen Freundin Sophie mit falschem Alibi gedeckt wird, scheint der Fall gelöst. Alleine Marina glaubt, hier den Falschen festgesetzt zu haben. Denn die Suche des Serienkillers nach einem neuen Baby beginnt wieder – und zudem scheint er auch ein Auge auf Marina geworfen zu haben, die im 4.Monat schwanger ist und ihm zukünftig als “Wirtstier“ dienen könnte. Doch der Täter agiert nicht alleine. Angetrieben wird er von einer Person, die mit dem jeweiligen Baby nicht lange zufrieden ist und ihn daher immer wieder zur neuen Jagd antreibt…

Mein Fazit:
Das Buch ist nicht empfehlenswert, wenn man hierzu wenig Nerven besitzt und ähnelt schwach dem Schreibstil der Bücher von Tess Gerritsen. Die Idee ist relativ grausam und geschmacklos, aber auch nicht neu. Frauen werden brutal abgeschlachtet, um an deren Babys zu gelangen. Der gewissenlose Täter agiert zur Zufriedenstellung seines psychisch kranken „Auftraggeber“, der ab Mitte des Buches seine abnormen Gedanken ins Geschehen streut.

Zu Beginn des Buches wird man durch die Ereignisse um mehrere Morde und deren Zusammenhänge gefesselt, jedoch nimmt diese solide aufgebaute Spannung mit Mitte des Buch langsam ab, da man sich als Leser den weiteren Fortgang der Ermittlungen und die Ergreifung des Täters schon sehr gut selbst zusammen reimen kann. Dies finde ich persönlich doch etwas schade, da mir der Spannungsbogen in einem Thriller sehr wichtig erscheint. Die Polizeiarbeit wirkt ab hier nur noch sehr unspektakulär und eher nebensächlich. Viel mehr beschäftigt sich die Autorin mit den privaten Belangen der Protagonisten und der sehr einseitigen Psyche der „Auftraggeberin“ des Serienmörders. Das Ende kommt dann auch nicht überraschend, aber ist leider relativ schnell mit einem kurzen „Show down“ abgehandelt.

Insgesamt hätte ich mir trotz raschen Szenenwechseln ein spannungsgeladeneres und detailreicheres Buch gewünscht. Als Thriller nicht schlecht, aber doch ein Stück von meiner sonstigen Faszination über die geschickt ausgetüftelten Taten eines Serienmörders entfernt. Sicherlich unterhaltsam, auch nachhaltig grausam und flüssig geschrieben – aber allein durch die Ausübung von blutrünstig angelegten Morden baut sich bei mir leider kein tieferes Interesse auf. Aufgrund der weiteren Ausbaufähigkeit des Ermittlerteams bin ich jedoch trotzdem optimistisch auf eine evt. Fortsetzung mit einem neuen Fall gespannt – vielleicht diesmal mit mehr Nervenkitzel!    

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Blut und Barolo

Erstellt von Werner Karl am 15. April 2010

blut_und_baroloCarsten Sebastian Henn
Blut und Barolo

List Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3471300039
Krimi
1.Auflage (1. August 2009)
Umfang: 352 Seiten (broschiert)

www.ullsteinbuchverlage.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor
Carsten Sebastian Henn, geboren 1973 in Köln, lebt mit seiner Familie und zwölf Rebstöcken in Hürth. Er arbeitet als Schriftsteller sowie als Weinjournalist. Der erste Kriminalroman mit den beiden Spürnasen Niccolò und Giacomo, Tod & Trüffel erschien 2008 bei List, und schaffte es auf Anhieb auf die Bestsellerliste.

Zum Inhalt
“Blut & Barolo” der Titel des Buches von Carsten Sebastian Henn verspricht einerseits ein kriminalistisches Abenteuer und andererseits italienisches Flair, in welchem dieser 2. Band des Autors spielt. Die Hauptdarsteller und “Ermittler” in diesem “tierischen” Krimi sind jedoch nicht die Menschen sondern Hunde. Insbesondere  der Trüffelhund Giacomo mit seinen Freunden, dem Windspiel Niccolo und dem Spanielhündin Canini spielen hier die Hauptrolle.

Dabei geht es um das aus dem Duomo gestohlene Turiner Grabtuch, dass auf Umwegen Giacomo in die “Schnauze” fällt. Seine Besitzerin Isabella wird verdächtigt, in den Raub verwickelt zu sein und flugs verhaftet und eingesperrt. Giacomo hat den “alten Lappen” jedoch erstmal gut verbuddelt und damit fangen die Schwierigkeiten erst an. Denn auch Amadeus, der Pharaonenhund aus dem Duomo, will so schnell wie möglich das Grabtuch wieder zurück beschaffen, wurde er doch als eigentlicher Wächter dieses Tuches von seiner eigenen Hundesippe schmerzlich verstoßen, weil er seiner Aufgabe nicht gewachsen war.

Eine Suche nach dem heiligen Tuch aus verschiedenen Richtungen beginnt, und es stellt sich die Frage, wer an diesem raub die Schuld trägt. Doch es ist absehbar, dass diese Suche sic nicht einfach gestaltet und sich nicht nur einige Hunde im Weg stehen, sondern auch ein paar menschliche Gestalten Probleme mit sich bringen. So entwickeln die Vierbeiner eigene Ideen, untermalt von ihren persönlichen Zielen und sehr menschlichen Eigenschaften, die oftmals kollidieren…

Leider konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen. Ein Krimi, aus der Sicht von Hunden erzählt, ist vielleicht  auch noch schwieriger umzusetzen. Die Hunde selbst haben mir sehr gut gefallen, vor allem der alternde knurrige Giacomo mit seiner Vorliebe für guten Wein und schmackhaftes Essen. Doch der Wechsel der Sichtweise zwischen vielen Hunden und Orten hat die Geschichte meines Erachtens doch etwas im Ablauf getrübt. Die Spannung konnte nicht durchgängig erzeugt werden und es fesselte mich nicht so sehr, dass ich das Buch auch gut aus der Hand legen konnte. Die eigentliche Sache, d.h. die Suche oder die Wiederbeschaffung des Grabtuches nach Turin erschien doch etwas den verschiedenen Charakteren und Schicksalen der in Turin lebenden Hunde untergeordnet. Auch die Auflösung des Falls, warum das Tuch letztendlich gestohlen wurde, hat mich nicht begeistert.

Daher: Die Idee ist gut, der Autor bemüht sich auch diese liebevoll beschrieben umzusetzen. Doch die Handlung ist mir zuwenig spannungsgeladen und teils mit Längen versehen. Ich würde hier 3 Punkte vergeben, für eine ebenso amüsante wie schicksalhafte “tierische” Geschichte, aber weniger für Nervenkitzel im Genre Krimi. (5xPRT)

Copyright © 2009 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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Wolfsinsel

Erstellt von Werner Karl am 31. März 2010

wolfsinselTomasz Konatkowski
Wolfsinsel
2. Band der Reihe „Ein Warschau-Krimi“

Originaltitel Wilcza wyspa (2008)
List Taschenbuch
ISBN 9783548608600
Kriminalroman
1.Auflage März 2010
Aus dem Polnischen von Antje Ritter-Jasinska
Titelabbildung: Ian Cumming (Fotograf)
Umfang 475 Seiten

www.list-taschenbuch.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Tomasz Konatkowski, geboren 1968, arbeitet als Programmierer und Analyst. Er ist Fußballfan, liebt dunkles Starkbier, gutes Essen und reist gerne. Konatkowski wohnt in der Nähe von Warschau. Wolfinsel ist der zweite Band rund um Kommissar Adam Nowak. In dieser Reihe der Warschau Krimis ist bereits der Debütroman des Autors „So sollt ihr sterben“ erschienen.

Zum Buch:

Das Buch beginnt spannungsgeladen. Ein junger Mensch wird hingerichtet. Hier ist die Neugier des Lesers geweckt.

Dann schwenkt die Handlung. Wir lernen den Kommissar Adam Nowak und einige seiner Kollegen kennen. Sie sind auf der Suche nach einem vermissten Inder, Herrn V. S. Srinivasan, der vor zwei Wochen spurlos verschwunden ist. Hinter dem Verschwinden vermutet man mehr als nur eine bloße Entführung, vor allem, da sich bislang niemand bei der Familie des Mannes gemeldet hat. Gibt es hier vielleicht Parallelen zu einem Fall aus dem Jahr 2004? In diesem Jahr hatte eine Bande, genannt die Abschneider, mehrere Personen u. a. auch einen Inder entführt und den jeweiligen Opfern drei Finger abgeschnitten, die in Flaschen aufgefunden wurden.

Dann findet die Polizei eine Leiche, eine Wasserleiche in der Weichsel. Dem Toten fehlen zwei Finger. Sie wurden amputiert. Todesursache: Hinrichtung durch Kopfschuss in den Hinterkopf. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen Schweden handelt, Gustav Rytterberg. Der Vater des jungen Mannes betreibt in Warschau seit einiger Zeit Geschäfte. Er wirkt sehr kühl und distanziert. Für ihn scheint das ganze Leben ein einziger Vertrag zu sein und so stellt sich auch die Beziehung zu seinem Sohn und zu weiteren Menschen aus seiner näheren Umgebung dar. Die Ermittlungen in beiden Fällen gestalten sich etwas schwierig. Kommissar Nowak und seine Kollegen stoßen auf Verbindungen ins Drogenmilieu, auf Anhaltspunkte des Menschenhandels, auf merkwürdige Geschäfte im Immobilienbereich und auf viele weitere dunkle Machenschaften, die alle mit den beiden Fällen in Zusammenhang stehen könnten. Aber tun sie das wirklich?

Neben den Ermittlungen ist Kommissar Adam Nowak aber auch in erheblichem Maße mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Sein Vater ist krank und muss sich einigen Untersuchungen unterziehen. Seine Beziehung zu Kasia, seiner Lebensgefährtin, ist problematisch. Es geht um das Thema Kinder und Zukunft. Als Kasia dann noch unfreiwillig in den Fall verwickelt wird, spitzt sich die Situation weiter zu. Die Beziehung der Beiden untereinander ist zwar interessant, nimmt aber einen zu großen Teil des Buches ein

Als besonders störend habe ich die vielen Orts- und Straßenbeschreibungen empfunden. Warschau selbst habe ich nie besucht und so ist es mir sehr schwer gefallen den Ausführungen des Autors in Bezug auf die Stadt hier zu folgen. Diese sind teilweise sehr detailliert und genau. Manchmal mutet das Buch daher mehr wie ein Reiseführer an. Die Krimihandlung an sich tritt mir zu sehr in den Hintergrund und wirkliche Spannung wollte daher auch beim Lesen des Buches nicht aufkommen. Einzig der Beginn und das letzte Drittel des Buches, konnten hier etwas überzeugen. Die Grundidee des Romans ist durchaus überzeugend, aber leider durch das viele Drumherum etwas zu langatmig geraten.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Der brennende Engel

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Januar 2010

Connolly_Engel.inddJohn Connolly
Der brennende Engel

Originaltitel: The Black Angel (London : Hodder & Stoughton 2005/New York : Atria Books, a division of Simon & Schuster 2005)
Deutsche Erstveröffentlichung (geb.): März 2008 (List im Ullstein Verlag)
Übersetzung: Georg Schmidt
508 S.
ISBN-13: 978-3-471-30006-0
Als Taschenbuch: April 2009 (Ullstein Taschenbuchverlag/TB Nr. 28048)
508 S.
ISBN-13: 978-3-548-28048-6

Das geschieht:

Seit ihn der irre „Prediger“ Aaron Faulkner zeichnete (s. „Die weiße Straße“), sind für Charlie „Bird“ Parker die Barrieren zwischen Realität und Jenseits zerbrochen. Er ‚sieht‘ die Welt jenseits der bekannten Gegenwart – und ihre schrecklichen Bewohner sehen ihn. Der Kampf gegen das Böse ist für Parker zur privaten Bewährungsprobe geworden, seit er Frau und Kind hat. Rachel, seine Gattin, weiß um seine Gabe, und sie hasst sie, weil die kleine Familie in ständiger Gefahr schwebt, von dem vernichtet zu werden, was Parker immer wieder heraufbeschwört.

Dieses Mal ist dies der abscheuliche Mr. Brightwell, einer der rebellischen Engel um Luzifer, die von Gott einst aus dem Himmel vertrieben und auf die Erde gestürzt wurden. Brightwell tritt in menschlicher Gestalt auf, um diesen Plan voranzutreiben. Ein uraltes Dokument wäre ihm und seinem teuflischen Auftraggeber von großem Nutzen. Leider wurde es vor Jahrhunderten zerteilt und über die ganze Welt verteilt. Aktuell jagt Brightwell die Prostituierten Alice und Sereta, die zufällig ein Fragment fanden, und hinterlässt dabei eine breite Blutspur.

Wie der Zufall manchmal spielt, ist Alice die verlorene Tochter von Martha Temple, die aktuell nach ihr fahnden lässt. Louis, ihr Neffe, ist nicht nur ein psychopathischer Killer mit ausgeprägtem Familiensinn sondern auch ein enger Freund von Charlie Parker, der ihm helfen wird, nach der Vermissten zu fahnden. Parker ahnt, dass Brightwell kein Mensch ist, doch auch dieser ist völlig überrascht, als er seinen Gegner trifft: Er kennt und hasst ihn aus der Zeit, als die Engel sich gegen Gott erhoben; ein Vorleben, das Parker völlig unbekannt ist. Brightwell will Parker vernichten, aber er verliert darüber nicht das eigentliche Ziel aus den Augen: die Erweckung des „Schwarzen Engels“ Immael, der seit Jahrhunderten in Gefangenschaft schmachtet und auf den Tag der Rache wartet …

Himmel & Hölle und ihr Kampf auf Erden

Die Hölle öffnet endgültig ihre Pforten, um Charlie Parker willkommen zu heißen: Mit dem fünften Teil der Serie verabschiedet sich die Handlung vom halbwegs ‚realistisch‘ geerdeten Thriller, dessen stilistische Mittel der Verfasser Connolly zwar beibehält, um sie jedoch für eine lupenreine Mystery-Story einzusetzen. Das Ergebnis ist ein weiteres Highlight der an Überraschungen ohnehin nicht armen Parker-Serie. Angesichts der Thematik ist das trotz des Talents, das der Autor einmal mehr unter Beweis stellt, keine Selbstverständlichkeit. Abgegrast ist die einst fruchtbare Weide, die Dan Brown mit „The Da Vinci Code“ (2003; dt. „Sakrileg“) zertrampelte, nachdem ihm, der selbst kein besonders raffinierter Schriftsteller vor dem Herrn ist, viel zu viele hungrige Schreib-Schafe hinterher stürmten, die nur marginal variiert widerkäuten, was ihnen der Meister als Erfolgsrezept vorgegeben hatte: Der Vatikan ist eine geheime Weltmacht, die einerseits spinnerte Häretiker-Sekten in Schach hält, während sie andererseits um der eigenen Vorherrschaft willen eigene Geheimbünde ausschickt oder den Christen dieser Welt wahre, aber der Kirche unwillkommene Botschaften der Bibel vorenthält.

Auch John Connolly hält sich in gewisser Weise an diese Vorgabe. Die „Gläubigen“ bilden eine streng geheime Gruppe, die in einem gewaltigen aber den Normalmenschen unbekannten Krieg zwischen Gut & Böse aus dem Verborgenen ihre Fäden zieht. Sie haben ihre Widersacher, zu denen in der Tat ein Rollkommando der Kirche gehört, das den „Gläubigen“ seit auf die Finger sieht und klopft.

Connolly wagt sich auf noch dünneres Eis: Er setzt eine Weltgeschichte voraus, die zumindest Fundamentalchristen und Verschwörungstheoretiker entzücken müsste: Die Bibel hat doch recht bzw. jene Teile der Bibel – die „Apokryphen“ –, die von der bösen Kirche (s. o.) unterdrückt wurden. In diesem Fall geht es um das Buch Enoch, in dem u. a. ausführlich über den Krieg der Engel gegen Gott, ihre Niederlage und ihren Sturz auf die Erde berichtet wird.

Was wurde aus Luzifers Höllenengeln?

An dieser Stelle ist es müßig, eine Diskussion über die Apokryphen zu führen; kluge Köpfe werden seit vielen Jahren über ihre Herkunft und ihre Bedeutung zerbrochen. Connelly greift Enochs Schilderung auf und arbeitet sie als ‚authentische‘ Vergangenheit in seine Geschichte ein. Dabei vereinfacht er die Vorlage, die ein Gleichnis mit vielen im Text verschlüsselten Bedeutungen ist. Connellys gestürzte Engel haben zum einen die Hölle eingerichtet und sich zum anderen unter die Menschen gemischt, die sie als von Gott ihnen vorgezogene Geschöpfe hassen und deshalb so ausgiebig piesacken wie möglich. Außerdem arbeiten sie an einer Art Masterplan, mit dem sie den Krieg gegen Gott wieder aufleben lassen und gewinnen wollen.

Liest man diese in dürre Worte skizzierte Hintergrundsituation, klingt sie ausgesprochen lächerlich. Für die Geschichte, der Connolly den Titel „Der brennende Engel“ gab, funktioniert sie freilich prächtig – als gut umgesetzte Phantastik nämlich, die keinerlei Anspruch auf Glaubhaftigkeit erhebt und mit den Fakten spielt, um sie der Handlung anzupassen.

Die schmale Kluft zwischen Schrecken & Possenspiel

Denn obwohl Connolly vor allem mit historischen ‚Fakten‘ nicht spart, sollte man ihn lieber nicht wörtlich nehmen. Besonders seine Sicht der nazideutschen Vergangenheit ist ausgesprochen angloamerikanisch und basiert auf oberflächlicher Recherche sowie Kino- und TV-Filmen. Die von ihm eingestreuten Informationen über Institution und Wesen der SS sind nicht nur auf den Effekt getrimmt, sondern zum Teil lachhaft oder schlicht falsch, und zu allem Überfluss konservieren sie das Bild vom dämonisch genialen Nazi, der doch tatsächlich ein brutal banaler Fließbandarbeiter des Todes war.

Auch die Fabulierkunst eines guten Geschichtenerzählers kann eben nicht mit der Realität Schritt halten. Auf sicherem Boden bewegt sich Connolly dort, wo er seine bösen Engel ausschwärmen lässt; über die gibt es keine gesicherten Fakten, die den Verfasser ad absurdum führen könnten. Deshalb irritiert die Frage, wieso denn so mächtige Geschöpfe sich die Erde nicht längst unterwofen haben, nur kurz: Es geht nicht, weil sie menschliche Gestalt annehmen und sich den Naturgesetzen unterwerfen müssen.

Geisterbahn-Grusel kommt ins Spiel, wenn Connolly erneut das in seinen Parker-Romanen bewährte Prinzip aufgreift, Bösewichter erstens körperlich missgestaltet und zweitens als Duo auftreten zu lassen. Hier sind es der abnorm feiste Brightwell und die sadistische Hope Zahn, die sich herrlich schurkisch aufführen. Man kann über sie lachen oder sie ernst nehmen, aber ihre völlig überzogenen Teufeleien verfolgt der Leser gern, weil Connolly bei aller Übertreibung an der Klippe über dem bodenlosen Meer der Lächerlichkeit stets das Gleichgewicht wahrt. Vor allem Brightwell ist ein Monstrum mit Persönlichkeit. Nicht ohne Grund ist er interessanter als der eigentliche Schuft, die übliche Graue Eminenz im Hintergrund, die erst im Finale die Bühne betritt.

Allerdings ist die Eindringlichkeit, mit der Connolly das Böse in den frühen Parker-Romanen in Gestalt des „Fahrenden Mannes“ als unbekannte aber manifeste Kraft darzustellen wusste, kaum mehr spürbar. Das Grauen kommt nun drastisch daher: Menschen werden gefoltert und ermordet, ihre Knochen als Rohstoff für absonderliche ‚Kunstwerke‘ missbraucht; das Blut spritzt und die Schreie gellen. Nur selten findet Connolly zur alten, leisen, wahrlich erschreckenden Form zurück, wenn er z. B. einen ‚Sammler‘ schildert, der Menschenschädel aus China bezieht: Es sind die Köpfe hingerichteter Regimegegner, die ausgeweidet und stückweise verhökert werden. Das ist echte Bosheit, die schaudern lässt!

Der „Gute“ unter den Gefallenen

Fraglich bleibt Connollys Entscheidung, Parker selbst eine prominente Stellung in seinem sich allmählich entfaltenden Kosmos zuzuweisen. Gestartet ist er als Polizist, dem ein unheimlicher Serienmörder die Familie nahm. Später wurde er Detektiv mit der Fähigkeit, buchstäblich Gespenster zu sehen. Jetzt ist er die Inkarnation eines rebellischen Engels, der zwar mit Luzifers Brut auf die Erde geschleudert wurde, aber Gottes Vergebung sucht: ein Rebell gegen die Rebellen. Das ist starker Tobak, denn wie soll ein Mensch mit solchem Wissen noch Mensch bleiben? Was bedeutet es für die Romanfigur Parker? Wie weit kann Connolly noch gehen, ohne sein Konzept von Himmel, Hölle & Erde in ein Passionsspiel auf Kasperle-Theater-Niveau zu verwandeln?

Zumal der inkarnierte Engel nach dem Willen Connollys nicht nur mit Dämonen, sondern auch mit sehr weltlichen Problemen kämpfen muss: Gattin Rachel klammert; sie will einen Mann, der einer friedlichen Tätigkeit nachgeht und abends pünktlich daheim bei Frau und Kind ist. Das klappt natürlich nicht, wenn man die Welt vor dem Erzbösen retten muss. Leider weigert sich Rachel das zu verstehen; sie besteht auf ihre kleine, heile Welt, setzt sich mit Töchterlein Sam zur Mutter ab und sorgt für viele Seiten literarischen Herzeleids, wenn sie Parkers Anrufe ungnädig zur Kenntnis nimmt. Connolly möchte mit dieser Seifenoper die Tragik betonen, zu der Parker per Schicksal verdammt wurde. Quäkende Babys und saure Mütter sind freilich ein wenig zu viel der Klischees. Ein in Silber getauchter Engel wirkt im Vergleich dazu wesentlich unterhaltsamer!

„Memento mori“ – Gedenke des Todes

Zu den Realitäten, auf die sich Connolly in „Der brennende Engel“ immer wieder stützt, gehört die Existenz der Allerheiligenkirche zu Sedlec (früher Sedletz), gelegen ca. 70 km östlich von Prag. Hier und im Beinhaus ruhen die Gebeine von 40.000 Menschen. Die eigentliche Faszination dieses Ortes beruht auf der Ausgestaltung der Kirche, die Connolly, der Sedlec besucht hat, sehr akkurat beschreibt: Hier wurden ab 1870 in jahrelanger Arbeit die Knochen von 10.000 Leichen zu aberwitzigen Ornamenten und Skulpturen zusammengefügt, die den Besucher an seine Sterblichkeit erinnern sollen.

Wer sich ein Bild von der „Knochenkirche“ und ihrer Einrichtung verschaffen möchte, sei auf folgende Website verwiesen. Man wird bei dieser digitalen Rundreise immer wieder auf Motive stoßen, die Connolly für sein Buch aufgegriffen hat.

Autor

John Connolly ist – verblüffend genug – ein waschechter Ire, der nicht nur in Dublin geboren wurde (1968), sondern dort auch aufwuchs, studierte und (nach einer langen Kette von Aushilfsjobs, zu denen standesgemäß einer als Barmann gehörte) als Journalist (für „The Irish Times“) arbeitete; letzteres macht er weiterhin, obwohl sich der Erfolg als freier Schriftsteller inzwischen eingestellt hat. Die amerikanischen Schauplätze seiner Charlie-„Bird“-Parker-Thriller kennt Connolly indes durchaus aus eigener Erfahrung; schon seit Jahren verbringt er jeweils etwa die Hälfte eines Jahres in Irland und den Vereinigten Staaten.

Verwiesen sei auf die in Form und Inhalt wirklich gute Connolly-Website, die nicht nur über Leben und Werk informiert, sondern quasi als Bonus mehrere Gruselgeschichten und Artikel präsentiert. (5xPRT)

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Britannica & ich

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Dezember 2009

jacobs-britannica-cover-tb-2008A. J. Jacobs
Britannica & ich

Originaltitel: The Know-It-All: One Man’s Humble Quest to Become the Smartest Person in the World (New York : Simon & Schuster 2004)
Übersetzung: Thomas Mohr
Deutsche Erstausgabe (geb.): November 2006 (List im Ullstein Verlag)
427 S.
ISBN-13: 978-3-471.79513-2
Als Taschenbuch: Februar 2008 (List im Ullstein Verlag/TB Nr. 60775)
427 S.
ISBN-13: 978-3-548-60775-7

Das geschieht:

In der Mitte seiner Dreißiger zieht Arnold Jacobs, recht erfolgreicher Redakteur bei einer Zeitschrift für Popkultur, glücklich verheiratet und auf Nachwuchs hoffend, Bilanz. Er kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass er sich zumindest intellektuell bereits auf dem absteigenden Ast befindet. Ein heroisches Projekt soll ihm jene geistige Überlegenheit zurückbringen, die er, der einstige Philosophie-Student, seit jeher für sich gepachtet zu haben glaubt: Jacobs will sich durch die 32 Bände der “Encyclopaedia Britannica” arbeiten. Dieses Lexikon gilt als essenzielle Sammlung der Erkenntnisse, die sich der Mensch bis heute aneignen konnte. Auf 33.000 eng bedruckten Seiten wird es in 65.000 Artikeln präsentiert – ein Opus manifestierten Wissens, das 44 Millionen Wörter umfasst.

Anderthalb Jahre dauert es, bis Jacobs sein Lektürepensum hinter sich gebracht hat. Was ihm bei seiner Expedition durch die “Encyclopaedia Britannica” besonders in die Augen sticht, gibt er an uns, seine Leser, weiter. Dabei zitiert er nicht, sondern gibt das Erlernte in eigenen Worten wieder. Jacobs liest aber nicht nur, sondern hält darüber hinaus fest, was er erlebt, wenn er sein Lager verlässt, denn er verbirgt sich nicht im stillen Kämmerlein, sondern informiert die Menschen in seiner Umgebung über seinen Plan, provoziert sie regelrecht damit und registriert deren Reaktionen, die vom fassungslosen Staunen bis zum kaum verhohlenen Stirntippen mit dem Zeigefinger reichen. Begeisterung oder offenen Zuspruch findet Jacobs nirgendwo. Selbst diejenigen, die seine Beweggründe nachvollziehen können, warnen ihn: Intelligenz und Wissen seien nicht identisch. Beide sind zwar auf einer bisher nicht wirklich erfassten Ebene miteinander verzahnt, doch sie müssen nicht zwangsläufig zusammenwirken.

Jacobs lässt sich nicht einschüchtern. Er geht seinen Weg, erlebt die Freuden, die das Lernen bringen und aus dem sich eine regelrechte Sucht entwickeln kann, ebenso intensiv wie die (genussvoll) ausgemalten Schattenseiten: die Einsamkeit des Studierens, die Langeweile angesichts wüstentrockener Themen, die Frustration im Angesicht der schieren Informationsmassen, die zudem einfach nicht im Gedächtnis haften bleiben wollen.

Die “Britannica” wird ein fester Bestandteil von Jacobs’ Alltag. Er integriert sie nicht nur, sie beginnt sogar sein Leben zu bestimmen. Jacobs bemerkt tatsächlich ein Zunehmen seines Wissens. Vor allem wächst sein Selbstvertrauen. Schließlich geht es sogar das Wagnis ein, sich zur US-Version von “Wer wird Millionär?” anzumelden, doch Weg zu den TV-Kameras gestaltet sich komplizierter als gedacht …

Faktenfresser oder Klugscheißer?

Hat Jacobs wirklich gedacht, die Lektüre der “EB” werde ihn zum “Know-It-All” und “klügsten Menschen der Welt” machen? (So lauten der Originaltitel bzw. der deutsche Untertitel.) Sicherlich nicht, denn auch ihm wird klar gewesen sein, welche Kreatur einer solchen Tortur viel besser als jeder Mensch gewachsen wäre: ein Papagei mit Festplatte im Hirn.

Vor der schieren Wucht der “EB”-Informationen – die letztlich auch nur eine Auswahl von dem umfassen, was der Mensch insgesamt an Erkenntnissen gewonnen hat – muss das Menschenhirn kapitulieren. Es ist auch nicht seine Aufgabe, als reiner Wissensspeicher zu funktionieren. Wie Autor Jacobs schmerzlich erfahren muss, lässt es sich auch nicht darauf trimmen, Informationen auf Abruf bereit zu halten. Das Gehirn ist ein Organ, das mit dem Mut zur Lücke vorzüglich seinen Dienst leistet. Diese Lücken lassen sich in Zahl und Breite vermindern aber niemals gänzlich und auf Dauer füllen.

Doch diese Argumentation weist in eine Richtung, die uns weit fort führt von dem, was “Britannica & ich” eigentlich vermitteln soll. Jacobs hat kein Sachbuch geschrieben – eine zunächst verblüffende Tatsache, weil das umfangreichste Lexikon der Welt thematisiert wird, aus dem der Autor ausgiebig zitiert. Halt, schon das ist so nicht richtig: Jacobs paraphrasiert, was er in der “EB” gelesen hat, d. h. er gibt es mit eigenen Worten wieder. In einem weiteren Schritt kommentiert er die ausgesuchten Artikel. Paraphrase und Kommentar sind nicht in sachlichem Ton gehalten, sondern werden in humorvoller Weise dargestellt. Das kann recht komisch sein, muss aber und ist es leider oft auch nicht (“Gymnasium: Die wörtliche Übersetzung aus dem Griechischen lauten ‘Anstalt für Leibesübungen mit nackten Körper’. Weshalb es sich umso dringender empfiehlt, den Hometrainer vor Gebrauch gründlich abzuwischen.” – S. 140).

Das Problem des umzingelten Witzes

Jacobs benutzt die “EB” im Grunde nur als Steinbruch. Hier findet er das Material, aus dem er sein eigentliches Produkt herstellt: die geistvoll-witzige Plauderei über eine Tätigkeit, welche bei nüchterner Betrachtung ebenso ‘nützlich’ ist wie der Versuch, möglichst viele Studenten in einen VW Käfer zu stopfen. Es brauchte kein Experiment, um wie Jacobs zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Lektüre der “EB” dich nicht klüger macht. Doch sein Unternehmen verschaffte ihm, was er dringender suchte: das Thema für ein Buch, mit dem sich Aufmerksamkeit erregen ließ. Jacobs schreibt u. a. Kolumnen, in denen er sich über die Absurditäten einer zunehmend trivialisierten Welt auslässt. Er ist also sein Job witzig zu sein. Hier übt er ihn eben in Buchform aus.

Dabei wird auch das Privatleben einbezogen. A. J. Jacobs ist anscheinend ein Mensch, dem ständig seltsame und komische Dinge zustoßen. Auch hier greift das Stilmittel der Überspitzung, denn seltsam und komisch sind die geschilderten Ereignisse primär, weil Jacobs sie als Humorist dazu macht. Zwar fließen durchaus ernsthafte Erfahrungen ein. Jacobs’ Verhältnis zu seinem Vater wird offenbar von einem lebenslangen Minderwertigkeitskomplex geprägt. Der Senior, ein berühmter Jurist, ist tatsächlich ein kluger Mann, der das auch im Alltag lebt und zumindest in der juristischen Welt tiefe Fußstapfen hinterlassen hat. Intellektuell ist ihm der Junior nicht gewachsen. “Britannica & ich” stellt auch Jacobs’ Versuch dar, mit sich und dem Vater ins Reine zu kommen. Der US-amerikanische und damit zwangsneurotisch optimistische Grundtenor dieses Buch lässt dies selbstverständlich mit einem Happy-End enden.

Humoristische Volltreffer, Blindgänger & “friendly fire”

Das gilt auch für das zweite Problemchen, mit dem Jacobs die ‘Rahmenhandlung’ von “Britannica & ich” unterfüttert. Ausführlich schildert er, wie er und seine Gattin Julie erfolglos ein Kind in die Welt zu setzen versuchen. Weil er immer wieder darauf zurückkommt, muss ihn das während seiner “EB”-Lektüre beschäftigt wirklich haben. (Ob das auf seine Leser ebenfalls zutrifft, fragt er sich leider nicht.) Doch umgehend werden wieder Witzchen gerissen, damit bloß kein Trübsinn aufkommt. Dies würde auch gar nicht zur Story passen, in der Jacobs seiner Julie eine fixe Rolle zugewiesen hat: Während er den halbwegs lebensuntauglichen Luftikus mimt, gibt sie die kluge, geduldige, ironisch kommentierende Frau an seiner Seite, die ihn immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Kein Wunder, dass sich Julie sowie die zahlreichen weiteren Mitglieder des Jacobs-Clans, die immer wieder Erwähnung finden, sich nicht gegen ihren ‘Auftritt’ in “Britannica & ich” sträubten – sie haben mit den realen Personen sicherlich wenig gemeinsam.

Nein, “Britannica & ich” ist – ich habe es nun schon mehrfach angesprochen – nichts als ein mehr als 400-seitiger Spaß. Als solcher funktioniert er, denn Jacobs beherrscht den unverbindlichen Plauderton, der unabhängig vom gewählten Thema unterhält. Man liest dieses Buch einfach gern, amüsiert sich oft und sieht gnädig über die nicht gerade zahlenarmen humoristischen Rohrkrepierer hinweg (oder schiebt sie auf die – insgesamt freilich gelungene – Übersetzung; auf S. 180 lese ich allerdings “Du weißt wohl doch nicht alles, was, Cliff Calvin?” Richtig muss es “Cliff Clavin” heißen; dies ist der ewig besserwisserische Postbote aus dem US-Sitcom-Klassiker “Cheers”). Und sobald das (in seiner deutschen Ausgabe “Britannica”-würdig mit Goldschnitt geschmückte) Buch zugeschlagen ist, ergeht es einem wie dem Verfasser mit der “EB”: Was man gelesen hat, ist schon wieder aus dem Gedächtnis entwichen – das untrügliche Zeichen dafür, dass es wohl nicht so wichtig war …

Autor

Arnold Stephen Jacobs, jr., wurde am 20. März 1968 in New York geboren. Er studierte an der Brown-Universität Philosophie. Nach seinem Abschluss arbeitete er für diverse Zeitschriften und schrieb u. a. eine Kolumne für “Entertainment Weekly”, in welcher er sich über Phänomene der modernen Popkultur ausließ. Derzeit ist er leitender Redakteur beim “Esquire”. Mit seiner Gattin Julie Schoenberg und seinem Sohn Jasper lebt Jacobs weiterhin in New York. Über sein Werk informiert (inklusive Blog) die Website www.ajjacobs.com. Dort erfahren wir u. a. von seinem aktuellen Projekt: Für ein (inzwischen erschienenes) Buch mit dem Titel “Die Bibel und ich: Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen” lebte Jacobs ein Jahr streng nach den Vorschriften der Bibel.

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Der Kollektor

Erstellt von Michael Drewniok am 28. November 2009

connolly-parker06-kollektor-coverJohn Connolly
Der Kollektor

Originaltitel: The Unquiet (London : Hodder & Stoughton 2007/New York : Atria Books, a division of Simon & Schuster 2007)
Deutsche Erstveröffentlichung (geb.): Oktober 2009 (List Verlag)
Übersetzung: Georg Schmidt
479 S.
ISBN-13: 978-3-471-35007-2

Das geschieht:

Von den Geistern seiner unbewältigten Vergangenheit buchstäblich verfolgt, lebt Privatdetektiv Charlie “Bird” Parker seit neun Monaten von Frau und Kind getrennt in Portland, einer Küstenstadt des US-Staates Maine. Seine aktuelle Klientin ist Rebecca Clay, die von einem unbekannten Mann bedrängt wird, der Auskunft über den Verbleib ihres Vaters fordert.

Daniel Clay, einst ein bekannter und geachteter Kinderpsychiater, hatte als Gutachter in einem Prozess wegen Kindesmissbrauchs schwere Fehler begangen, die ihn erst seine Reputation und dann seinen Lebenswillen kosteten; im Jahre 1999 tauchte Clay unter und wurde inzwischen gesetzlich für tot erklärt.

Doch Frank Merrick – so der Name von Rebeccas Verfolger – glaubt nicht an dieses Ende. Der ehemalige Berufskiller will Clay stellen, weil er ihn für das Verschwinden seiner minderjährigen Tochter verantwortlich macht. Um Clay zu finden und zur Verantwortung zu ziehen, ist ihm jedes Mittel recht, wie auch Parker bald feststellen muss.

Merrick ist ein gefährlicher Gegner, aber er ist nur verlängerter Arm einer dunklen Macht, mit der Parker schon in der Vergangenheit konfrontiert wurde: Der “Sammler”, selbsternannter Henker verderbter Zeitgenossen und möglicherweise nicht einmal menschlicher Herkunft, kreuzt erneut seinen Weg.

Worum handelte es sich bei dem mysteriösen “Projekt”, in dem ihr Clay eine prominente Rolle spielte? Wer sind die “hohlen Männer”, vor denen seine ermordete Tochter Parker eindringlich warnt? Die Spuren führen in die Geisterstadt Gilead, in der sich einst Gräuel ereigneten, die nunmehr neu aufleben …

Odyssee ins Herz der Finsternis

Zum sechsten Mal begibt sich Charlie “Bird” Parker auf einen Feldzug gegen das Böse und jene, die es verkörpern. So muss man seine Aktivitäten wohl umschreiben, die nur vorgeblich den Versuch darstellen, dem geschriebenen Gesetz Genüge zu verschaffen. Parkers Vorstellung von Gerechtigkeit wurzelt in einer archaischen Welt, die definitiv mehr als die derzeit wissenschaftlich belegten Dimensionen aufweist.

Lassen wir die phantastischen Elemente, die Verfasser Connolly dieses Mal ohnehin zurücknimmt, erst einmal beiseite, stellt “Der Kollektor” eine Rückkehr zum Ursprung der Parker-Serie dar. “Das schwarze Herz” und “Das dunkle Vermächtnis” stellten ihn in den Mittelpunkt eines Geschehens, das als Irrfahrt durch die Abgründe der menschlichen Seele angelegt war. Der übernatürliche Aspekt deutete sich schon an, kam in aller Deutlichkeit jedoch erst später; er erweiterte die Serie um ein unerwartetes sowie überzeugend umgesetztes Element, nahm ihr aber gleichzeitig viel von ihrer ursprünglichen Wucht: Kein Höllendämon kann so realistisch ängstigen wie der banal böse Mensch.

Rückkehr zu den Wurzeln

Nachdem Connolly es in “Der brennende Engel” nicht nur mit dem Mystery-Faktor sicherlich übertrieb, ist “Der Kollektor” beinahe ein Kammerspiel; die Zahl der handelnden Figuren ist klein, und die Schauplätze beschränken sich auf wenige Orte im US-Staat Maine. Spektakuläre Action gibt es nicht, Connolly beschreibt vor allem die Arbeit eines Privatdetektivs. Parker folgt mühsam und oft vergeblich gut verwischten Spuren und wertet Indizien aus.

Dabei beschäftigt sich Connolly ausgiebig mit der Frage dem Ursprung des Bösen. Dies liegt nahe, denn er gibt ihm ein besonders hässliches Gesicht: Charlie Parker deckt die Taten einer professionell organisierten Kinderschänder-Bande auf. Das Thema ist heikel, und das gilt erst recht, weil es zum Element eines Unterhaltungsromans wird. Der Missbrauch von Kindern löst beim gesunden Menschen bereits in der Vorstellung Entsetzen und Ablehnung aus, die sich ein skrupelloser Autor, der womöglich noch in entsprechenden Details schwelgt, leicht zunutze machen könnte. Connolly ist sich dieser Gefahr bewusst; oft spürt man sogar in der Übersetzung, wie vorsichtig er ist. Er hat sich mit dem Thema beschäftigt, schreibt er im Nachwort zum “Kollektor”, und möchte allen Aspekten gerecht werden. Darüber gleitet er mehrfach ins Didaktische ab, statt sich den Gegenstand seines Plots tatsächlich zueigen zu machen.

Das bemerkt man im Kontrast mit jenen Passagen, in denen der Verfasser sich auf ungefährlicherem Terrain bewegt. ‘Normale’ Übeltaten wie Mord und Totschlag sowie Gefühle wie Trauer und der Schrecken, die nicht nur die Opfer, sondern auch und vor allem die Überlebenden bzw. die zurückbleibenden Familien und Freunde peinigen, weiß Connolly mit manchmal bedrückender Intensität zu verdeutlichen.

In diesem Punkt schwingt er sich zu unbehaglich stimmenden Höhen auf, während die Story selbst dieses Mal nicht so fesselnd geraten ist. Der Plot ist dermaßen komplex, dass er sich mit seinen zahlreichen Zufällen vermutlich nur im wirklichen Leben so ereignen könnte. Darüber hinaus wird deutlich, dass Connolly den “Kollektor” auch als Gelegenheit sieht, die Flut der in fünf Bänden angehäuften, meist privaten Verwicklungen abzuarbeiten.

Das Jenseits hält sich zurück

Es wurde bereits erwähnt: Niemand vermag den Menschen so furchtbar zu quälen wie der Mensch selbst. Kriminologischer oder psychologischer Realismus steht für den Verfasser allerdings nicht allein im Vordergrund. Die Charlie-Parker-Serie ist ein seltsamer Zwitter, der neben den Krimi die Phantastik stellt; nicht selten arbeitet Connolly mit echten Horror-Elementen.

Obwohl er in beiden Genres das Rad nicht neu erfindet, ist sein Einfallsreichtum beeindruckend. Connolly variiert die bekannten Schrecken und kleidet sie in Gestalten, die ihnen ein Auftreten gestatten, das sie nicht der Lächerlichkeit preisgibt. Das wirkt in diesem Buch besonders harmonisch, weil sich Realität und Phantastik in etwa die Waage halten. Die “hohlen Männer” erschrecken, aber sie bleiben passiv. Einzige ‘echte’ Kreatur der Finsternis bleibt dieses Mal der “Sammler”.

Der ist keine für den “Kollektor” geschaffene Figur. Parker trifft erstmals im Kurzroman “The Reflecting Eye” (dt. “Das spiegelnde Auge”, in: “Nocturnes”, Ullstein-TB Nr. 26412) auf ihn bzw. prallt mit ihm zusammen. Der “Sammler” ist connollytypisch keine reine Horrorgestalt, sondern symbolstark aufgeladen: Er ist Parkers dunkles Spiegelbild, stellt womöglich dessen Zukunft dar, sieht sich als Mitstreiter und Konkurrent, nicht zwangsläufig als Feind. Ähnliche und beunruhigende Parallelen gibt es auch zwischen Parker und Frank Merrick.

Alte Bekannte im Schnelldurchlauf

“Der Kollektor” ist ein auf Charlie Parker zentrierter Roman. Meist nur kurz treten bekannte Randfiguren auf; das finstere Schutzengel-Paar Angel und Louis scheint beispielsweise nur mitzumischen, weil es ihre Fans unter den Lesern fordern. Für rare Momente handfesten Humors sorgen Schlagetot Jackie Garner und die irren Fulci-Brüder. Natürlich thematisiert Connolly außerdem die schwierige Beziehung zwischen Parker und Rachel, deren weitgehende Abwesenheit freilich die Schmalzschmierung der Handlung auf ein erträgliches Maß minimiert.

Mit “Der Kollektor” möchte Connolly sich, seiner Hauptfigur und seinen Lesern entweder eine Atempause gönnen oder die reihenübergreifende Rahmenhandlung neu ausrichten. Nachdem im “Brennenden Engel” Luzifers Himmelssturz als reales Geschehen und Parker als Inkarnation eines gefallenen Engels enttarnt wurde, war dieser Schritt ratsam, denn wie hätte Connolly diesen Effekt noch steigern sollen?

“Der Kollektor” ist ein spannender, mit überraschenden Wendungen nicht geizender Roman.  Der finale Cliffhanger bleibt dieses Mal aus. Oder liegt es daran, dass Connolly Parker ein mildes Happy-End gönnt? Solcher Frieden passt nicht zu dieser Figur. Immerhin darf man sicher sein, dass er nur von kurzer Dauer sein wird, bevor die Dunkelheit Charlie Parker erneut auf den Leib rückt.

Autor

Obwohl er die Odyssee eines US-amerikanischen Privatermittlers beschreibt, wurde John Connolly 1968 im irischen Dublin geboren, wuchs dort auf, studierte und arbeitete (nach einer langen Kette von Aushilfsjobs) als Journalist (für “The Irish Times”), was er fortsetzt, obwohl sich der Erfolg als freier Schriftsteller inzwischen eingestellt hat. Die amerikanischen Schauplätze seiner Charlie-”Bird”-Parker-Thriller kennt Connolly aber durchaus aus eigener Erfahrung; schon seit Jahren verbringt er jeweils etwa die Hälfte eines Jahres in Irland und den Vereinigten Staaten.

Verwiesen sei auf die in Form und Inhalt wirklich gute Connolly-Website, die nicht nur über Leben und Werk informiert, sondern quasi als Bonus mehrere Gruselgeschichten und Artikel präsentiert.

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