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neuauflage

Die Bürde des Blutes

Erstellt von Werner Karl am 14. August 2011

Sarah Pinborough
Die Bürde des Blutes 1

(sfbentry)
A Matter of Blood. The Dog-Faced Gods Book One, GB, 2010
Otherworld im Verlag Carl Ueberreuter GmbH, Graz/Wien (A), dt. Erstausgabe: 03/2010
PB, Krimi, Horror, SF
ISBN 978-3-8000-9535-3
Aus dem Englischen von Catrin Fischer
Titelgestaltung von init.Büro für Gestaltung.

www.otherworld-verlag.com
http://sarahpinborough.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Die Bürde des Blutes“ ist der Debütroman der neununddreißigjährigen englischen Autorin Sarah Pinborough.

Der Roman spielt in der nahen Zukunft. Die Finanzkrise hat zur Gründung einer multinationalen Organisation mit dem wenig originellen Titel ‚Die Bank„ geführt, die die nationalen und internationalen Finanzgeschäfte beherrscht. Das ist auch nicht ohne Einfluss auf die Arbeit der englischen Polizei geblieben: Die Polizisten werden nach der Anzahl der Verurteilungen bezahlt, die sie erreichen, und nehmen Schmiergelder von Gangsterbossen an, um ihre Gehälter aufzubessern.

Detective Inspector Cass Jones muss die Bearbeitung von Serienmorden an jungen Frauen übernehmen. Sie wurden mit einer Überdosis eines Betäubungsmittels getötet, bevor ihnen die Worte „Nichts ist heilig“ auf ihre Brust geschrieben und Fliegeneier in ihren Augenwinkeln abgelegt wurden. Gleichzeitig arbeitet er an der Aufklärung eines Mordes an zwei zehnjährigen Jungen, die bei einem (missglückten) Anschlag auf einen Gangsterboss ums Leben kamen. Im Laufe der Handlung begeht Cass Jones’ Bruder Christian, ein höherer Angestellter ‚Der Bank„, Selbstmord, nach dem er zuvor seine Ehefrau und seinen Sohn tötete.

„Die Bürde des Blutes“ folgt damit konventionellen Krimimustern; lediglich die akkurat in den Augenwinkeln der ermordeten Frauenleichen platzierten Fliegeneier geben nicht nur den Ermittlern Rätsel auf. Cass Jones tappt im Dunkeln, was die Serienmorde angeht. Erst der Selbstmord seines Bruders, der ihn dazu bewegt, sich mit ‚Der Bank„ und der Vergangenheit seiner Familie zu beschäftigen, lässt ihn einen Ansatz zur Lösung der Serienmorde finden. Der Roman beginnt, nach ‚Der Bank„ ein weiteres phantastisches Element aufzubauen (auch wenn es sich bei ‚Der Bank“ eher um eine naheliegende Extrapolation der Realität handelt, für die ein großes Maß an Phantasie nicht erforderlich ist). Es überrascht, dass das Motiv des Serienmörders durchaus originell ist, im Gegensatz zu den Intrigen in der englischen Polizei, die für den Selbstmord von Cass Jones’ Bruder verantwortlich sind.

Cass Jones selbst tötete in einem Undercover-Einsatz einen Unschuldigen, weshalb er einem Teil seiner Kollegen suspekt ist – es überrascht in einem größeren Ausmaß, dass er als Polizist weiter arbeiten durfte und nicht in einem Gefängnis sitzt. Aber vielleicht ist das der korrupten Welt geschuldet, die „Die Bürde des Blutes“ schildert. Sonderlich splattermäßig kommt der Roman nicht daher (die Serienmorde wurden unblutig ausgeführt); die Schießereien halten sich im Rahmen des Genres.

Der Originaltitel deutet an, dass der Roman offenbar als Auftaktband eines Zyklus„ konzipiert ist. Das wäre nicht notwendig gewesen. Die wahre Identität des Serienkillers und seines (früheren) Partners müssen nicht zwingend gelüftet werden; und auf einen weiteren offenen Handlungsstrang, der außerdem erst auf den letzten Seiten eingeführt wird, hätte die Autorin verzichtet können. „Die Bürde des Blutes“ wäre auch ohne diese Option und trotz der einschlägigen Anleihen im Krimigenre ein passabler Debütroman mit einem phantastischen Einschlag gewesen. Der Roman ist immerhin routiniert, für einen Kriminalroman mitunter etwas zu weitschweifig erzählt. An die nächsten Romane Sarah Pinboroughs können und sollten jedoch höhere Ansprüche gestellt werden, die die Autorin, auf ihrer Routine aufbauend, sicherlich erfüllen kann.

Copyright © 2011 Armin Möhle (armö)

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Amanda – Deine Seele so wild

Erstellt von Werner Karl am 26. Juni 2011

Bianka Minte-König
Amanda – Deine Seele so wild
Die Dunkle Chronik der Vanderborgs 2

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 03/2011
TB, Fantasy
ISBN 978-3-8000-9534-6
Umschlaggestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Sylwia Makris
Autorenfoto von © Ramakers

www.otherworld-verlag.com
www.biankaminte-koenig.de

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Der junge, angehende Psychiater Conrad Lenz trifft in einer Nervenheilanstalt auf die katatonische Patientin Amanda. Er erfährt, dass sie sich auf Grund einer verbotenen Elektroschockbehandlung des Anstaltsleiters in diesem Zustand befindet. Zutiefst erschüttert über die Lebensbedingungen, in denen sich die Siebzehnjährige befindet, nimmt er sich ihrer an. Was der junge Mann nicht ahnt, ist, dass Amanda nach Blut dürstet. Seit Jahren hat man ihr weder Essen noch Trinken gebracht. In einem unbeobachteten Moment ergreift sie die günstige Gelegenheit, sich zu nähren. Lenz spielt sie gekonnt die langsam Genesende vor. Sie schafft es, sein Vertrauen zu gewinnen und mit seiner Hilfe die Anstalt zu verlassen.

Amanda hat vor allem ein Ziel: ihre verschwundene Mutter zu finden. Sie scheint der Schlüssel zu sein, um Amanda ihre verlorenen Erinnerungen wieder zu bringen. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf ein dunkles Familiengeheimnis, das sogar ihre schlimmsten Befürchtungen zu übersteigen droht. Die Fortsetzung der Vampir-Saga um die Vanderborgs, beginnend mit „Estelle – Dein Blut so rot“, erzählt die Geschichte von Estelles Tochter. Diese gerät ebenfalls in den Bann des Familienfluchs. Nach und nach erfährt der Leser, wie sich die Bruchstücke von Amandas Erinnerungen wieder zusammensetzten und ein Bild formen. Dabei treten die Probleme der Familie Vanderborg in den Hintergrund, als der Zweite Weltkrieg ausbricht.

Obwohl Amanda mit dem Vampirfluch belastet ist, gelingt es der Autorin, glaubhaft das menschliche Wesen in ihrer Protagonistin zu zeigen. Mit viel Feingefühl erzählt Bianka Minte-König die aufkeimende Liebe, die Conrad Lenz und Amanda einander näher bringt. Die Verzweiflung der Heldin mit Biss bezüglich des Fluchs wird sehr deutlich dargestellt. Amanda versucht alles, um ihren Trieb zu unterdrücken. Mehrere Male schwebt Lenz in Gefahr, ein Opfer ihrer Blutgier zu werden, und stets schafft es die Titelheldin, das Tier in sich zu zügeln und an die Leine zu legen.

Mit dem zweiten Band der „Vanderborg-Chroniken“ hat es die Autorin geschafft, an die hohen Erwartungen, die der Vorgängerband weckte, anzuschließen. Sie lässt ihre Heldin durch die Hölle gehen, und auch ihre anderen Figuren erweisen sich als äußerst leidensfähig. Dies ist aber bei Leibe kein Manko. Im Gegenteil, dadurch wirken die Figuren glaubhaft. Die Bösewichter sind ebenfalls interessant, da sie äußerst bedrohlich wirken und sehr intelligent agieren. Alles in allem bietet dieser Band einiges an Inhalt für etliche nette Mußestunden. Dramatik, Romantik und viel Seele sorgen dafür, die Leser in den Bann zu ziehen. Die Vergangenheit wird lebendig, und die fiktive Story wird geschickt in den historischen Kontext integriert.

Für Leserinnen, die eher leichte Kost wie die „Bis(s) …“-Reihe bevorzugen, ist von diesem Band allerdings abzuraten. Der Abschlussband der „Vanderborg-Chroniken“ soll den Titel „Louisa – Mein Herz so schwer“ tragen und ab Herbst 2011 erhältlich sein.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Bianka Minte-König: Amanda – Deine Seele so wild. Die Dunkle Chronik der Vanderborgs 2.

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Portal des Vergessens

Erstellt von Werner Karl am 24. Juni 2011

Stephan R. Bellem
Portal des Vergessens

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 01/2011
TB, Urban Fantasy
ISBN 978-3-8000-9533-9
Titelgestaltung von Isabelle Hirtz/HildenDesign, München
Autorenfoto von Johannes Findling

www.otherworld-verlag.com
www.srbellem.de
www.hildendesign.de

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Der junge Student Peter hat seit einem Autounfall, bei dem seine Eltern tödlich verunglückten, sein Gedächtnis verloren. Jede Nacht wird er von Träumen gequält. Darin erlebt er die Geschichte von Vryn, einem jungen Krieger. Dieser ist auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder Vorlook.

Je mehr Peter über Vryn und sein Leben erfährt, umso deutlicher wird ihm bewusst, dass er sich in der modernen Welt, die er bewohnt, kein bisschen zu Hause fühlt. Nur in seinen Träumen scheint er ein sinnvolles Dasein zu führen. Er vertraut sich seiner Psychotherapeutin Dr. Wünschler an, die ihn seit seinem Unfall betreut.

Während Peter versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen, lernt er Nora kennen und lieben. Endlich scheint der junge Student sein seit dem Unglück sehr chaotisches Leben in ruhigere Bahnen lenken zu können. Da taucht plötzlich eine weitere Frau auf, die von den Behörden für verrückt erklärte Netyra. Warum bloß kommt sie ihm so verdammt vertraut vor? Endlich beschließt er, den Dingen auf den Grund zu gehen, und erfährt, dass nicht alles immer so ist, wie es zu sein scheint.

Nicht erst seit seinem Buch „Bluttrinker“ ist der Autor in der deutschen Phantastik-Szene bekannt. Stephen R. Bellem, Jahrgang 1981, gewann beim ‚Deutschen Phantastik Preis 2008„ mit seinem Roman „Tharador“ den 2. Platz in der Kategorie “Bester deutschsprachiger Roman”.

Seine Bücher erzählen Geschichten aus fernen Welten. Deren Entwicklungsstufe ist meistens mit der des europäischen Mittelalters vergleichbar. Seine Storys handeln dabei von jungen Kriegern, aber auch von wehrhaften Frauen, die diesen in nichts nachstehen. Oft geht es um Magie und eine Bedrohung, die das Universum der jeweiligen Helden in den Abgrund stürzen lässt.

Der vorliegende Roman hebt sich wohltuend von den anderen bis jetzt erzählten Geschichten ab. Der Gegensatz von hochtechnisierter Welt und dem Land des Kriegshandwerks haben einen besonderen Reiz. Auch wird der Leser bis zuletzt im Unklaren gelassen, ob der Protagonist schlicht und ergreifend den Verstand verliert oder ob doch ein Körnchen Wahrheit in seinen Träumen liegt.

Die miteinander agierenden Personen werden wirklichkeitsgetreu beschrieben. Die Faszination liegt eindeutig in dem Wechsel der beiden Welten, in denen Peter/Vryn ‚lebt„. Dieser Band verfügt auf jeden Fall über das Potential, verfilmt zu werden. Am Ende der Geschichte scheint es so, als würde eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen.

Leseratten, die fantastische Geschichten mögen, welche mit der vertrauten Welt und magischen Orten verknüpft sind, werden von „Portal des Vergessens“ sehr gut unterhalten. Die Romantik wird bei dieser Story nicht außer Acht gelassen, so dass auch Leserinnen Gefallen an dem Titel finden dürften.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

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Amputiert

Erstellt von Michael Drewniok am 3. April 2011

Gord Rollo
Amputiert

Originaltitel: The Jigsaw Man (New York : Leisure Books 2008)
Übersetzung: Michael Krug
Deutsche Erstausgabe (Paperback mit Klappenbroschur): Januar 2011 (Otherworld Verlag)
333 S.
ISBN-13: 978-3-8000-9538-4

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Das geschieht:

Nachdem Ehefrau und Sohn vor drei Jahren bei einem Autounfall zu Tode kamen, ist Michael Fox zum obdachlosen Säufer heruntergekommen. Auf den Straßen der Stadt Buffalo, US-Staat New York, fristet er ein elendes Dasein, das er eines Tages durch Selbstmord beenden will. Als er auf den Zug wartet, der ihn überfahren soll, hält ihn Alexander Drake mit einem bizarren Angebot zurück: Für nicht legale Experimente sucht sein Dienstherr, der berühmte Neurochirurg Nathan Marshall, Menschen, die sich Körperteile amputieren lassen. Fox könnte für den Verlust seines rechten Armes 2 Mio. Dollar kassieren. Zwar ist ihm persönlich das Geld gleichgültig, doch er will es Arlene, seiner verbliebenen Tochter, die sich von ihm losgesagt hat, als Erbe hinterlassen.

Fox lässt sich also auf den Deal ein. Zusammen mit drei weiteren Versuchskaninchen wird er in Marshalls zur Festung ausgebaute Privatklinik geschafft. Zu spät wird ihm klar, dass er einem modernen Dr. Frankenstein in die Hände gefallen ist. Nathan Marshall ist der „Jigsaw Man“, der sich seinen Traum vom künstlich aus Körperteilen zusammengepuzzelten Menschen erfüllen will. „Im Namen der Wissenschaft“ ist ihm jedes Mittel und jedes Verbrechen recht.

Fox und seine Leidensgenossen werden Stück für Stück auseinandergenommen und ihre Körperteile ‚verarbeitet‘. Sterben dürfen und sollen sie nicht, denn die arm- und beinlosen Körper taugen immer noch als lebendige Blutbänke. Gequält und ohne Hoffnung vegetiert Fox dahin, bis Marshall ein neues Experiment plant: Ist es möglich, ein Gehirn in einen künstlichen Körper zu verpflanzen? Die Antwort stürzt Fox in einen Abgrund neuer Schrecken; sie verschafft ihm allerdings auch die Möglichkeit, buchstäblich wieder auf die Beine zu kommen und von Rache nicht mehr nur träumen zu müssen …

Altes Blut im jungen Schlauch

Mary Wollstonecraft Shelley hat es 1818 auf Anhieb richtig gemacht: „Frankenstein or: The Modern Prometheus“ war nicht nur der erste ‚moderne‘ Roman, der sich intensiv mit dem Thema des künstlichen Menschen beschäftigte, sondern auch Vorbild für eine endlose Reihe ähnlicher Geschichten, in denen sich die von der Autorin aufgeworfenen Fragen mehr oder weniger deutlich wiederfinden.

Shelley hatte erkannt, dass sie beiden Seiten eine Stimme geben musste: dem Schöpfer und seinem Geschöpf. Sie ging damit über die Grenzen des ‚nur‘ unterhaltsamen Horrors – den es auch zu ihrer Zeit gab – weit hinaus. Wie stabil dieses Fundament war, belegen beinahe zwei Jahrhunderte später Existenz und Intensität von „Amputiert“, einer Geschichte, die vorgeblich Hommage für einen früh verstorbenen Trash-Meister ist, aber tatsächlich die „Frankenstein“-Gruselmär modernisiert und trivialisiert nacherzählt.

Besagter Trash-Meister war Richard Laymon (1947-2001), dessen unterirdisches Niveau Gord Rollo allerdings niemals erreicht; ein Scheitern, das ihn nicht traurig stimmen sollte. „Amputiert“ ist immer noch trashig genug, weist aber darüber hinaus eine richtige Story, echte Figuren und einen Erzählstil auf, der deutlich mehr zu bieten hat als Stammeln und spätpubertäres Schwelgen in Sex & Crime.

Horror ohne Zwischentöne

„Amputiert“ lautet recht marktschreierisch der deutsche Titel, aber auch „The Jigsaw Man“ beschränkt sich nicht auf die Andeutung dessen, womit es der Leser zu tun bekommen wird. Die Logik bleibt dagegen außen vor, was u. a. bedeutet, dass die Frage ausgeklammert bleibt, wie Nathan Marshall sein privates Reich des Schreckens errichten und geheim halten konnte. Da die Abwesenheit offizieller Rechtshüter für diese Geschichte unerlässlich ist, blendet Rollo ihre Existenz quasi aus.

Ihm geht es um den Effekt: Marshall hat seine Residenz zwar mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts errichtet. Trotz Hightech und Edelstahl-Geglitzer ist diese Klinik immer noch die alte Burg Frankenstein mit ihren kahlen Steinmauern, den tiefen Kerkern und vor allem mit dem Labor und den funkensprühenden oder blubbernden Instrumenten und Glaskolben. Diener Fritz hat sich in den schwulen Sadisten Alexander Drake verwandelt sowie vervielfältigt, denn weitere Schergen wuseln durch Marshalls Festung: Zum Trash-Horror gehört ein hoher Bodycount, der wiederum viel Kanonenfutter benötigt.

Gemordet wird mit blutigen Details, die in den Labor-Szenen sogar noch drastischer werden: Dr. Frankenstein verschmilzt mit Herbert West, dem 1922 von H. P. Lovecraft (1890-1937) erfundenen und 1985, 1990 und 2003 von Jeffrey Combs in drei rabiaten Splatter-Filmen verkörperten „Re-Animator, der stellvertretend für alle „mad scientists“ steht, die den durchaus redlichen und eher verblendeten als irren oder bösartigen Urvater aller Monster-Macher abgelöst haben.

Das Böse ist … böse

So ist Nathan Marshalls Drang, dem verstümmelten Sohn zu einem neuen Körper zu verhelfen, in der Tat nur ein moralisches Feigenblatt. Falls Marshall überhaupt jemals ein echter Forscher war, hat er den wissenschaftlichen Kodex längst ad acta gelegt. Zum „Re-Animator“ kommt ein Gutteil Mengele, denn Marshall experimentiert um des Experimentierens willen. Er maßt sich offen an, wie Gott zu sein, während eine entsprechende, sehr viel vorsichtigere Äußerung Frankensteins im gleichnamigen Filmklassiker von 1931 noch zensiert wurde.

Natürlich sind Marshall und seine Schurken trotz bzw. gerade wegen ihrer Grausamkeiten absurde, beinahe lächerliche Gestalten. Sie wirken eindimensional, wenig überzeugend und scheinen für ein unsichtbares Publikum den Teufel eher zu spielen. Es fehlt jene Charaktertiefe, die das echte Böse begleitet, was es freilich für Rollo unbrauchbar macht: Seine Schurken müssen theatralisch sein!

Hin und wieder probiert es der Verfasser mit Zwischentönen. Schwester Junie, als hartherzige Vettel eingeführt, wird später weich und enthüllt, wie Marshall sie kaufen und in seine Erfüllungsgehilfin verwandeln konnte. Ihr Schicksal ist tragisch, es lässt jedoch kalt, weil Rollo sich einer Tatsache nicht bewusst ist: Während Action und Horror mit oder trotz Klischees funktionieren können, trifft dies auf ‚echte‘ Emotionen nur bedingt zu. Daher wirken die auch Szenen in der „Blutkammer“ der lebenden Torsos nicht erschütternd und traurig, sondern endlos und kitschig.

Das Gute ist … langweilig

Die Konturenschwäche schließt die Hauptfigur ausdrücklich ein. Michael Fox ist ein Jedermann, den ein hartes Schicksal in die Knie zwang. Unfalltod der Familie, Trunksucht, Verlust von Job und Heim, Bruchlandung in der Gosse – die Schläge prasseln förmlich auf Fox und den Leser ein, denn Rollo nimmt sich viel Zeit, seinen traurigen Helden entsprechend einzuführen. Wiederum wäre weniger mehr, doch dies ist ein Motto, dem der Verfasser generell nicht zu folgen gedenkt.

Auch später klärt uns Fox ausführlich über seinen jeweiligen Gemütszustand auf. Allerdings tragen diese Informationen nunmehr zur Handlung bei: Aus Michael Fox, dem Loser, wurde erst das Ersatzteillager und dann das Monster gleichen Namens. Wie man sich fühlt, wenn einem Arme und Beine amputiert werden, bis schließlich das Hirn in einen fremden Körper montiert wird, beschreibt Rollo lebhaft und erneut unter Einsatz bekannter Klischees, die im Horror-Zusammenhang – s. o. – ihren Zweck erfüllen.

Im Finale treffen sich Shelley und Rollo wieder. Zwar zieht Fox sich nicht in die Einöde der Arktis, sondern nur auf den nächsten Bahndamm zurück, aber er sucht dort nach klassischem Vorbild sein Ende. Das Monster ist seiner Existenz müde. Zuvor hat es natürlich dafür gesorgt, dass die Menschheit, die auch im 21. Jahrhundert noch (oder erst recht) nicht „reif“ für das Wissen um die Erschaffung künstlichen Lebens ist, keine neuen Ungeheuer schaffen kann. In der Hollywood-Burg Frankenstein gab es dafür einen speziellen Hebel; wenn man ihn – wie in „Bride of Frankenstein“ (1935; dt. „Frankensteins Braut“) zog, flog das Labor des Bösen in die Luft. Diese elegante Methode findet sich in vielen alten Horrorfilmen. Rollo weicht von dieser ‚Vorlage‘ ab und denkt sich eine umständlichere aber realistischere Methode aus, um einen spektakulären Schlusspunkt unter seine rasante Schauermär zu setzen.

Harter Horror auf feinem Papier

„Amputiert“ ist ein grobes Garn, das – der Geschichte folgend – für die deutsche Ausgabe seinem grell gecoverten Originalkörper entnommen und in ein ebenso schlichtes wie hochwertiges Gewand transplantiert wurde. Zwar kündigt auch der neue Titel deutlich an, dass es heftig zur Sache gehen wird, doch das Cover zeigt nur (z. T. durchgeprägte) Buchstaben auf grauem Grund, was durchaus ein wenig kontraproduktiv wirkt.

Im Zuge der geschilderten Operation leistete auch der Übersetzer ausgezeichnete Arbeit; der eingedeutschte Gord Rollo liest sich angenehm flüssig. Trash sollte sich – für Laymon kommt diese Erkenntnis zu spät – auf den Inhalt einer Geschichte beschränken; stilistische Qualität verhilft dieser dagegen sehr wohl zu einem höheren Unterhaltungswert. Als Paperback mit Klappenbroschur liegt „Amputiert“ bei dennoch moderatem Verkaufspreis zusätzlich angenehm in der Leserhand.

Autor

Gord Rollo wurde 1967 im schottischen St. Andrews geboren. Im Alter von vier Jahren emigrierte er nach Kanada; die Familie ließ sich in Dunnville, einer Kleinstadt in der Provinz Ontario, nieder. Dort wuchs Rollo auf. Er studierte am Sheridan College in Oakville, Ontario, Betriebswirtschaft.

Nach eigener Auskunft schrieb Rollo schon in frühen Jahren. Er bevorzugte Genre-Unterhaltung und hier Horror und Science Fiction. Zunächst veröffentlichte er Kurzgeschichten und edierte 2001 und 2002 selbst zwei Storysammlungen. 2006 veröffentlichte Rollo „Crimson“, seinen Debütroman, in einem Kleinverlag. Seit „The Jigsaw Man“ (dt. „Amputiert“) interessieren sich auch große Verlage für die Werke, der seit einiger Zeit zusätzlich versucht, als Drehbuchautor Fuß zu fassen.

Offizielle Homepage von Gord Rollo.
Gord Rollo auf Myspace.

[md]

Titel bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Gord Rollo – Amputiert.

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Die Flammen der Dunkelheit

Erstellt von Werner Karl am 17. August 2010

Evelyne Okonnek
Die Flammen der Dunkelheit

(sfbentry)
Otherworld Verlag/Ueberreuther Verlag, Wien (A),
PB, Horror
ISBN 978-3-8000-9509-4
Titelgestaltung von Nele Schütz Design, München unter Verwendung einer Illustration von Geoff Taylor

www.otherworldverlag.com
www.ueberreuther.at/
www.evanjo.de/
www.geofftaylor-artist.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Es ist eine düstere Welt, in die die Jungen Glic und Dallachar geboren werden, der eine als Kind einer Magd, der andere als Erbe des Inselkönigreiches. Nicht nur leben sie in einem Land, in dem seit Hunderten von Jahren kaum mehr die Sonne scheint und ewiger Regen herrscht, zugleich suchen die Häscher der Gottheit Jalluth hier nach den Nachkommen der Dämonen, die ursprünglich dieses Land bewohnten und die sie vor dreihundert Jahren besiegt hatten. Das Blut dieser Wesen zeigt sich noch immer in den Menschen, die man an ihren sonderbaren Augen und ihrer großen Kraft erkennt, und gnadenlos werden diese Unglücklichen verfolgt und auf grausamste Weise hingerichtet. Eine alte Prophezeiung spricht davon, dass zwei Halbblütige, geboren während der gleichen Mondfinsternis, der Herrschaft der Priester und dem ewigen Regen ein Ende machen, sowie die Sonne zurück bringen können. So werden Glic und Dallachar Spielfiguren großer Mächte, die sie vernichten oder für ihre Zwecke, zur Rettung aller, einsetzen wollen.

Ein verworrener Kampf beginnt, der sich über Jahre hinzieht und letztlich in einer großen und entscheidenden Schlacht endet. „Die Flammen der Dunkelheit“ knüpft ein dichtes Netz, in das nicht nur die aktuellen Erlebnisse der beiden Jungen und der sie umgebenden Leute einfließen, sondern auch die Geschichte der Insel, die Bedeutung der Prophezeiung und das Intrigenspiel der unterschiedlichen Mächte, die um die Vorherrschaft ringen. Dabei werden die Zusammenhänge erst nach und nach klarer, und der Leser wird mit Spannung von einem Rätsel zum anderen, von einer Lösung zur nächsten geleitet, bis das anfänglich noch undurchschaubare Bild immer deutlicher wird – zusammen mit den Protagonisten kann er so die Geheimnisse hinter dem Schicksal der Insel und ihrer Bewohner lüften.

Bis zur Hälfte des Buches entsteht dadurch ein spannender, dichter Erzählfluss, dessen Phantasie und Stimmigkeit viel Freude machen. Einfühlsam und detailreich bringt Okonnek ihre Charaktere zusammen, widmet ihnen viel Zeit und gibt ihnen Raum, sich zu entfalten und dem Leser nahe zu kommen. Leider ändert sich das in der zweiten Hälfte des Romans deutlich. Wie in einem Zeitraffer fliegen plötzlich Jahre und Monate vorbei – es ist zum Beispiel ein fraglicher Kunstgriff, die jungen Helden für sechs Jahre in einem Kellerloch zu verstecken, letztlich nur damit sie von Kindern zu Männern werden und ihnen neue Handlungsmöglichkeiten offen stehen. Dies reißt den Roman spürbar auseinander.

Im zweiten Teil überschlagen sich die Geschehnisse, die zuweilen nicht sehr logisch begründet sind, wenn eigentlich sehr kluge Charaktere mit einem Mal dumme Handlungen begehen, da diese dann wichtige Veränderungen auslösen müssen. Die Protagonisten verlieren sich schließlich in einer wilden, blutigen Schlacht um die Hauptstadt des Reiches, in der die Autorin einen hohen, betont beiläufigen und willkürlichen Blutzoll fordert. Zwar versucht sie die sprunghafte Handlung im zweiten Teil des Romans durch die Gedankengänge der Charaktere zusammen zu schweißen, doch fasert der schön gewebte Erzählteppich des Anfangs trotzdem spürbar aus. Die spannend und schön gemachte Grundgeschichte, die letztlich auch noch in einer interessanten Überraschung endet, geht in einem Gewirbel weitgehend unter, in dem sich auch die Hauptfiguren zu verlieren scheinen.

Somit hinterlässt das sehr ansehnlich aufgemachte Buch aus dem Otherworld Verlag einen etwas gemischten Eindruck – eine innovative und gute Geschichte, die auch am Schluss noch mehr von der einfühlsamen Schreibweise ihres Anfangs hätte vertragen können.

Copyright © 2010 by Britta van den Boom (BvdB)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Dämonenfeuer

Erstellt von Werner Karl am 4. Juli 2010

damonenfeuerMichael Laimo
Dämonenfeuer

(sfbentry)
Fires Rising, USA, 2008
Otherworld Verlag, Kalsdorf bei Graz (A)/Überreuther Verlag, Wien (A), Erstausgabe: 01/2010
PB mit Klappbroschur, Horror, Mystery
ISBN 978-3-8000-9519-3
Aus dem Amerikanischen von Michael Krug
Titelgestaltung und Autorenfoto von N. N.

www.otherworld-verlag.de
www.laimo.com

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Manhattan im Jahre 2008: Zum Abriss freigegeben, bietet die ehrwürdige Kirche St. Peter statt Gläubigen nur noch einigen Obdachlosen Zuflucht, die sich in der ehemaligen Priesterwohnung eingenistet haben. Als einer von ihnen in einer Baugrube unter der Kirche eine alte Holztruhe findet und öffnet, befreit er damit unabsichtlich eine dämonische Wesenheit, die in einen alten Kelch gebannt war. Sofort übernimmt diese das Kirchengebäude und wendet sich gegen ihn und seine Kameraden. Es beginnt ein verzweifelter Kampf auf Leben und Tod, dessen Ausgang mehr entscheiden wird, als die Männer zunächst ahnen. Denn für die gesamte Menschheit wird das Ende aller Tage anbrechen, sollten sie dieses Ding nicht stoppen.

Ihre einzige Hoffnung im Kampf gegen das Wesen ist Pater Pilazzo, der ehemalige Priester von St. Peter. Doch die Helfer des Dämons sind ihm bereits dicht auf den Fersen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Mit jeder Stunde wird das Böse immer mächtiger und sammelt seine Truppen, die Chaos und Verwüstung säen. Schon bald scheint es, als könne nichts sie mehr aufhalten …

„Dämonenfeuer“ ist der erste Roman des New Yorker Schriftstellers Michael Laimo, der ins Deutsche übersetzt wurde. Zuvor veröffentlichte er bereits fünf weitere Bücher, sowie zahllose Kurzgeschichten und wurde bereits zwei Mal für den begehrten Bram Stoker Award nominiert. Um es kurz vorweg zu sagen: Wer ein Freund des leisen, subtilen Horrors ist, wird mit „Dämonenfeuer“ von Michael Laimo nicht glücklich werden. Schon der Prolog wirft den Leser mitten in die grausige Geschichte um den dunklen Kelch und dessen Opfer, und auch in den nächsten Kapiteln geht es Schlag auf Schlag weiter. Dabei zieht der Autor wirklich alle Register des religiösen Horrors: Blutige Stigmata, apokalyptische Visionen, vom Bösen Besessene und grausige Opferszenen wechseln sich im rasanten Tempo ab und lassen keine Verschnaufpause zu.

Charaktere und Schauplätze sind dabei eher zweitrangig und wirken nur skizzenhaft ausgearbeitet. Dies lässt das Buch insgesamt etwas unausgegoren wirken, was schade ist, da die Idee, ausgerechnet Obdachlose, die ausgestoßenen und vergessenen Mitglieder der Gesellschaft, zu den Rettern selbiger zu machen, eine Menge mehr Potential bieten würde. Doch Michael Laimo konzentriert sich beim Erzählen seiner Geschichte vor allem auf die Schrecken, die er mit ihr heraufbeschwören will. Während seine Dialoge und Charakterisierungen oft auf das Nötigste beschränkt sind, schwelgt er regelrecht in den detailliert und plastisch beschriebenen Horror- und Splatter-Szenen. Diese liefern immer wieder starke Schockmomente in einer Geschichte, die ansonsten eher gradlinig und fast schon nüchtern erzählt ist. Wer direkt geschriebene Horrorgeschichten mag und ein wenig Splatter für Zwischendurch sucht, der ist mit Michael Laimos „Dämonenfeuer“ gut bedient.

Copyright © 2010 by Birgit Scherpe (BS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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EarthCore

Erstellt von Michael Drewniok am 13. Juni 2010

sigler-earthcore-cover-heyne-2010Scott Sigler
EarthCore

Originalausgabe: Earthcore (2001; als Buch Calgary : Dragon Moon Press 2005)
Übersetzung: Michael Krug
Deutsche Erstausgabe (geb.): Juni 2008 (
Otherworld Verlag)
384 S.
ISBN-13: 978-3-9026-0704-1
Als Taschenbuch: Juni 2010 (
Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 43507)
624 S.
ISBN-13: 978-3-453-43507-0

Titel bei Buch24.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Der alte Prospektor Sonny McGuiness kann sein Glück kaum fassen, als er in den Bergen der Wah-Wah-Moutains tief in der Wüste des US-Staates Utah auf die legendäre Jessup-Mine stößt. Anderthalb Jahrhundert war sie verschollen, und noch länger gilt sie bei den Ureinwohnern der Region als verflucht, da Goldgräber und später Höhlenforscher hier beunruhigend regelmäßig spurlos verschwanden. Zuletzt ereilte 1942 drei Studenten dieses Schicksal, aber zuvor bargen sie ein seltsames, viele Jahrtausende altes Messer aus purem Platin, das für Menschenhände untauglich wirkt. Die Archäologin Veronica Reeves hat ein gussgleiches Messer in Argentinien entdeckt; offenbar gab oder gibt es im Inneren der Erde eine uralte, mächtige Kultur, die den ‚oben‘ lebenden Menschen feindlich gesonnen ist.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Fundstätte in Utah ist allerdings nicht möglich. Der mächtige, sowohl rechtlich als auch moralisch außerhalb der Norm agierende EarthCore-Konzern ist McGuiness auf die Schliche gekommen und hat ihn zur ‚Zusammenarbeit‘ erpresst. Modernste Technik wird heimlich zur Mine geschafft, die sich als gewaltiges, künstlich geschaffenes Höhlensystem entpuppt, dessen Zentrum ein gewaltiger, unermesslich wertvoller Block puren Platins bildet. Diesen Schatz will EarthCore-Manager Connell Kirkland mit wirklich allen Mitteln sowohl geheim halten als auch heben. Dazu bedient er sich notfalls der psychopathischen Killerin Kayla Meyers, die freilich längst das Lager gewechselt hat und das Wissen um die Mine an EarthCores Konkurrenz verkaufen will.

Fünf Kilometer dringt die Bohrfräse in die Erdkruste vor. In ewiger Dunkelheit stören die (neu-) gierig dorthin vorrückenden Menschen, zu denen sich inzwischen Veronica Reeves gesellt hat, Kreaturen auf, die spinnefeind auf die Gäste aus der Helligkeit reagieren. Entschlossen, die Eindringlinge auszurotten, strömen sie aus der Tiefe, um ihre planvoll von der Außenwelt abgeschnittenen Opfer zu zerschnetzeln …

Schatten und Dinge, die in ihnen lauern

Uralte Furcht und Hightech-Wissen: Theoretisch sollte das Wissen den meisten Ängsten den Garaus machen. Doch das menschliche Reptilien-Gehirn ist noch präsent, und es greift nach wie vor steuernd in die Angriffs- und Verteidigungs-Aktivitäten seines Trägers ein, dessen Bauplan nie wirklich grundlegend modernisiert wurde. Gespeichert blieben und abgerufen werden deshalb Reize und Reaktionen, die dem urzeitlichen Höhlenbewohner angemessener sind als dem selbstbewussten Herrn oder der Dame der Schöpfung.

Wer dies auf die Probe stellen möchte, begebe sich im Einklang mit der Handlung dieses Romans in eine Höhle und schalte tief in deren Inneren das Licht ab. Selbst der Skeptiker wird nach kurzer Zeit erleben, wie die Vernunft mit archaischer Beklemmung zu kämpfen beginnt. Dass Ohren, Nase und Haut die Sinnesaufgaben der Augen zu übernehmen beginnen, bietet dabei keinen Trost, da der Mensch der Jetztzeit solche Signale nicht mehr korrekt auszuwerten weiß. Unbeeinträchtigt bleibt jedoch seine Vorstellungskraft. Diese stimuliert besagtes Reptilien-Gehirn, und das drückt den Alarmknopf.

Somit bietet eine Höhle ideale Voraussetzungen für spannende Geschichten, obwohl die thematische Spannbreite beschränkt bleibt: Es kann im Grunde immer nur darum gehen, dass in der Dunkelheit jemand hockt, der sich besser orientieren kann als das zitternde Opfer. Dieser Plot funktioniert jedoch prächtig. Wir wissen, dass hinter der nächsten Biegung kein Höhlenbär mehr auf uns wartet. Trotzdem stellen sich unsere Haare immer noch auf, selbst wenn wir über eine Expedition ins düstere Innere der Erde nur lesen.

Das Angst-Eisen schmieden, bis es heiß wird

Das Vergnügen steigt, wenn sich ein Autor wie Scott Sigler des Jobs annimmt, seine Leser in Angst & Schrecken zu versetzen. Literarische Ehren wird er zwar kaum jemals beanspruchen dürfen, doch in Sachen Unterhaltung ist sein Talent außerordentlich. „EarthCore“ ist ein Weird-&-Science-Fiction-Thriller der trivialen Art: ein „No-Brainer“, wie Sigler selbst sein Werk nennt. Originelle Ideen wird der Leser nicht finden. Die Story ist – freundlich umschrieben – gut abgehangen, die Figuren wurden aus Tiefen der Klischee-Kiste hervorgelockt, die noch unter dem Handlungsort zu orten sein dürften.

Dem Spaß tut dies keinen Abbruch, denn Sigler umgeht die daraus eigentlich automatisch resultierende Abklatsch-Ödnis, indem er die Kopie kräftig nachfärbt. „EarthCore“ ist reines, gelungenes Fabulieren. Sigler hat ein erstaunliches Gespür für Timing. Die Spannung wird klassisch langsam aufgebaut, wobei sorgsam vielversprechende Hinweise auf das sich anbahnende Grauen eingestreut werden. Selbstverständlich ist die alte Mine verflucht; für entsprechende Vorfälle gibt es ‚historische‘ Quellen, die Sigler seine Protagonisten in stimmungsvoll verstaubten Archiven finden lässt.

Obwohl die Figuren dem Baukasten des trivialen Abenteuers entnommen wurden, bemüht sich Sigler um Ambivalenz. ‚Gut‘ und ‚böse‘ werden sorgfältig miteinander verwoben. Selbst die sadistische Kayla hat ihre schwachen Momente. Eine Figurenentwicklung ist ausdrücklich Element des Roman-Konzepts. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass dies tatsächlich funktioniert. Zu allem erfreulichen Überfluss reibt uns der Verfasser solche emotionalen Momente nicht aufdringlich unter die Nase, sondern integriert sie geschmeidig in die Handlung, die dadurch keine Sekunde ins Stocken gerät – eine Talent, über das nicht gerade viele „No-Brainer“-Autoren verfügen.

An alle Leser wird gedacht

Für den historisch eher desinteressierten Leser bietet „EarthCore“ viel Technobabbel, denn schließlich ist es keine Kleinigkeit, ein Fünf-Kilometer-Loch in die Erdkruste zu bohren. Hightech überwindet zudem reale Hindernisse, die sich auf dir Handlung auswirken könnten; beispielsweise ist die enorme Abbildungskraft der beschriebenen Erdschichten-Tomografie reines Wunschdenken. Auch sonst bedient sich Sigler gern aus dem Fundus der Science Fiction. Den Leser stört dies nicht, denn er ist daran gewöhnt, dass man ihm naturwissenschaftliche und technische Superleistungen vorgaukelt – beschwert sich etwa jemand über die Märchen-Labors in den „CSI“-TV-Serien?

Allemal erweist sich „EarthCore“ als wahre Wundertüte. Aus einem Mystery- und Wissenschafts-Thriller wird eine Abenteuer-Geschichte, in der schließlich ‚echte‘ SF-Elemente die Oberhand gewinnen. Genrereinheit war und ist weder Vorschrift noch Tugend, doch selten wirkt die Mixtur so harmonisch wie hier. Dabei erschien „EarthCore“ ursprünglich als Fortsetzungsroman. Die ‚Nähte‘ zwischen den Episoden hat der Verfasser sauber kaschiert.

Selbst eine übliche und typische Enttäuschung hält sich in Grenzen: Ist die Katze aus dem Sack, entpuppt sie sich in der Regel als sehr gewöhnliche Kreatur. Auch die Silberkäfer und Felskraken aus „EarthCore“ können der zuvor aufgebauten Erwartungshaltung nicht standhalten. Mit seinem unbändigen Erzähldrang vermag Sigler dies zu überspielen. Er verzettelt sich nicht mit unnötigen Nebenschauplätzen, sondern hält die Story geradlinig und hart am Wind. Klug hält er immer neue Details parat, mit dem er unser Interesse entfachen kann. Es bleibt spannend bis zum Schluss; keine geringe Leistung bei einem Roman dieses Umfangs!

Mit „EarthCore“ schließt Scott Sigler nicht nur zu Science-Thriller-Autoren wie Michael Crichton oder Douglas Preston & Lincoln Child auf, sondern deklassiert sie, während grobschlächtige Fließband-Fabulierer wie James Rollins („Sub Terra“) oder Matthew Reilly („Ice Station“) sich schamvoll in noch tiefere Höhlen als Siglers Felskraken verkriechen sollten.

Eine interessante Veröffentlichungsgeschichte

Mit „EarthCore“ wollte Scott Sigler 2001 zum Pionier einer damals noch in den Kinderschuhen steckenden Publikationstechnik werden, denn dieser Roman war als eBook geplant. Der Plan zerschlug sich, und ein frustrierter Scott veröffentlichte sein Buch, dessen Rechte an ihn zurückgefallen waren, 2005 als Podcast. Dies hatte noch kein Autor gewagt. Scott setzte auf die Mund-zu-Mund-Propaganda seiner Leser und lag richtig. 2005 erschien „EarthCore“ als gedrucktes Buch in einem Kleinverlag, 2006 als kostenpflichtiger iTunes-Download. Der Erfolg bestärkte Sigler in dem Entschluss, auch zukünftig durch Podcast-‚Erstveröffentlichungen‘ auf seine Romane aufmerksam zu machen.

In Deutschland wurde Sigler erst 2008 und dann praktisch zeitgleich von zwei Verlagen ‚entdeckt‘. „Infected“ (dt. „Infiziert“) erschien als Taschenbuch im Heyne Verlag, „EarthCore“ gebunden bei Otherworld. Nachdem „Infiziert“ zahlreiche Leser fand und Heyne weitere Titel veröffentlichen wollte, war klar, dass Sigler dorthin wechseln würde, wo man ihn besser bezahlen konnte. 2010 ging auch „EarthCore“ diesen (noch) seltenen Weg von einem deutschen Kleinverlag zu einer modernen Buchfabrik.

Autor

Scott Sigler wurde in Cheboygan, US-Staat Michigan, geboren. Hier wuchs er auf und studierte Journalismus und Marketing. Seine dabei erworbenen Kenntnisse kamen Sigler zupass, als er Ende der 1990er Jahre als Autor tätig wurde. Abseits ausgefahrener bzw. blockierter Wege zu den etablierten Printmedien setzte er von Anfang an auf digitale Vertriebswege. „Earthcore“, sein Romanerstling, erschien gratis als Podcast. Das Buch wurde zahlreich heruntergeladen und verschaffte Sigler ein festes Stammpublikum, das er bis heute hält, indem er seine Werke zunächst weiterhin ins Netz stellt; manche Romane und Siglers Kurzgeschichtensammlungen erschienen bisher sogar ausschließlich dort.

Auch mit seinen Fans hält Sigler online engen Kontakt: Er reagiert so auf einen Markt, in dem gedruckte Bücher nur mehr ein Segment des Gesamtangebotes bilden. Als literarische Vorbilder bezeichnet Sigler Stephen King und Jack London. Er ist verheiratet, lebt und arbeitet in San Francisco.

[md]

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Dämonisches Tattoo

Erstellt von Werner Karl am 20. Mai 2010

damonisches-tattooBrigitte Melzer
Dämonisches Tattoo

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A)/Verlag Carl Ueberreuter, Wien (A), 01/2010
PB, Mystery-Thriller
ISBN 978-3-8000-9512-4
Titelgestaltung von init. Büro für Gestaltung, Bielefeld, unter Verwendung von Fotos von Corbis, Düsseldorf

www.otherworld-verlag.com
www.ueberreuter.at
www.brigitte-melzer.de

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Titel erhältlich bei Booklooker.de

Ein Serienmörder macht Washington D.C. unsicher. Seine Opfer: Frauen, die alleinstehend sind oder deren Männer erst spät nach Hause kommen, denn der Täter nimmt sich für seine Opfer sehr viel Zeit. Die FBI-Agenten Chase Ryan und Frank Cassell wollen den Killer aus der Reserve locken, doch schließlich wird Cassells Frau selbst zum Opfer des bestialischen Mörders. Außer sich vor Wut und Verzweiflung lässt sich Frank auf ein indianisches Ritual ein. Ein Tattoo, vermengt mit dem Blut des Killers, das an einem der Tatorte sichergestellt wurde, kann eine magische Verbindung zum Mörder herstellen. Dadurch vermag der Träger der Tätowierung nicht nur durch die Augen des Täters schauen, die Verbindung hat eine noch viel schrecklichere Wirkung: Stirbt einer der beiden Pole, so wird auch der andere Teil den Tod finden.

Dem Wahnsinn nahe überwältigt Frank seinen einstigen Freund und Kollegen Chase Ryan und lässt ihm das Tattoo stechen. Er weiß, wenn er Chase Ryan tötet, stirbt auch der Mörder von Cassells Frau. Chase gelingt die Flucht. Gejagt von der Polizei und seinem ehemaligen Partner versucht Ryan, den Killer mit Hilfe der magischen Verbindung zu finden. Die Journalistin Kate, die er bei seiner Flucht gekidnappt hat, steht ihm dabei hilfreich zur Seite. Doch dann geraten Kate und Chase selbst in das Visier des Killers …

„Dämonisches Tattoo“ ist bereits Brigitte Melzers zweiter Titel, der unter dem Label Otherworld erscheint, denn die deutsche Autorin hat bereits mit „Die Dämonenseherin“ einen sehr erfolgreichen Dark Fantasy-Roman abgeliefert. Das vorliegende Buch ist ein in sich abgeschlossener Mystery-Thriller, der einen Vergleich mit internationalen Schriftstellerkollegen, wie beispielsweise Dean Koontz, nicht zu scheuen braucht; zumindest nicht mit dessen neueren Werken. Bereits der Beginn des Romans ist sehr spannend und intensiv in Szene gesetzt. Aus der Sicht des Killers erlebt man den kaltblütigen Mord an Cassells Frau mit, bevor der Fokus auf den Tatort und die Ermittlungen umschwenkt und der Leser die wichtigsten Personen des Romans kennen lernt. Dass sich Chase Ryan und Kate Lombardi anfangs nicht ausstehen können, bringt etwas Würze in die Beziehung der beiden Protagonisten, vor allem, wenn man die Verbindung der beiden Charaktere zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet.

Was die Autorin dem amerikanischen Beststellerautor Dean Koontz leider auch gleichgetan hat, ist die kitschige Gutmenschatmosphäre, die später zwischen den beiden Helden immer wieder deutlich spürbar wird. Nachdem Chase Ryan, gemeinsam mit Kate die Flucht gelungen ist, sackt der Roman in ein Spannungstief, aus dem er erst herauskommt, als Chase Kontakt mit seiner Kollegin Munarez von der Mordkommission aufnimmt. „Rasant, fesselnd, romantisch“ steht auf dem Klappentext zu lesen. Im Mittelteil wurde eindeutig zu viel Wert auf das Wort „romantisch“ gelegt, und die erotischen Szenen zwischen dem Pärchen kann man getrost überspringen. Einzig die kurzzeitige Verbindung zwischen Chase und dem Killer, während des Liebesaktes, beinhaltet etwas Beklemmendes. Nichtsdestotrotz wurde viel von dem Potenzial des originellen Plots verschenkt. Ausnehmend gut gelungen ist der Autorin hingegen das Finale, das in Punkto Action und Dramatik noch einmal kräftig anzieht. Wirklich bangen muss man um die Hauptfiguren nicht, auch wenn die Entführung von Kate äußerst perfide gestaltet wurde.

Der Roman lässt sich dank des unterhaltsamen Schreibstils der Autorin und des gefälligen Satzspiegels sehr flüssig lesen und dürfte vor allem Thrillerfans mit einem ausgeprägten Hang zum Romantischen gefallen. Das großformatige Taschenbuch wirkt dank der Klappbroschur und des erhaben herausgearbeiteten Titels sehr edel. Covermotiv und Farbgestaltung harmonieren perfekt miteinander und machen den Roman zu einem echten Hingucker. „Dämonisches Tattoo“ ist ein packender Psycho-Thriller mit ausgeprägten Längen im Mittelteil. Vor allem romantisch veranlagte Thriller-Leser kommen hier auf ihre Kosten. Nichtsdestotrotz ein spannendes Lesevergnügen, dessen Lektüre man nicht bereuen wird.

Copyright © 2010 by Florian Hilleberg (FH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Bluttrinker

Erstellt von Werner Karl am 19. Mai 2010

bluttrinkerStephan R. Bellem
Bluttrinker

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 1/2010
TB, Fantasy
ISBN 978-3-8000-9515-5
Umschlaggestaltung von init, Büro für Gestaltung, Bielefeld, unter
Verwendung von Fotos von Harry Pettis, Andrew Davis/Trevillion Images
Karte von Joseph Koó
Autorenfoto von N. N.

www.otherworld-verlag.com
www.srbellem.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Andrul überlebt ein Massaker, das die Trolle unter seinen Soldaten angerichtet haben. Er flieht in die Sümpfe und weiß doch, dass es hoffnungslos ist. Denn die Trolle jagen ihn, und da sie unvorstellbare Kräfte haben, die ihnen eine wahnsinnige Ausdauer verleiht, werden sie Andrul letztendlich einholen und ihn ebenso grausam töten wie seine tapferen Gefolgsleute. Aber mitten im Sumpf erscheint ihm ein gottgleiches Wesen. Er wird vor die Wahl gestellt, hier und jetzt zu sterben oder neu zu erstehen, mit übermenschlichen Kräften ausgestattet. Doch der Preis ist hoch.

Iphelia tut alles, um das Leben ihres neugeborenen Sohnes und ihr eigenes zu verlängern. Dabei geht sie einen Pakt ein, der sie aller Menschlichkeit zu berauben scheint. Throndimar verliert bei einem Raubzug der Barbaren seine geliebte Frau und ihr ungeborenes Kind. Nun zählt nur noch eines für ihn: Rache. Barsjk soll sich zum alleinigen Herrscher über die Menschenvölker erheben oder er wird keinen Beistand von den Elfen erhalten, selbst wenn das ihre eigene Vernichtung bedeuten würde. Hier werden vier Schicksale erzählt. Männer und Frauen, die nie zu träumen wagten, einmal in so ein gewaltiges Abenteuer verstrickt zu werden. Doch das Schicksal führt diese verschiedenen Menschen zusammen. Dabei kennen alle nur eines: um die Vorherrschaft der Menschen zu kämpfen und einen Platz in dieser Welt zu finden.

Bellem beweist dass er nicht umsonst als einer der außergewöhnlichsten Newcomer im Fantasy-Bereich gehandelt wird. Wer seine Bände über „Die Chroniken des Paladin“ gelesen hat, wird auch diese Geschichte verschlingen. Wieder einmal ist es dem Autor gelungen, mit einem Buch das Sword & Sorcery-Genre zu bereichern. Die Geschichte spielt in Kandura, dem Land, in dem schon die Trilogie „Die Chroniken des Paladin“ spielten. Obwohl der vorliegende Band eigenständig ist, kann man ihn durchaus als Vorgeschichte zu „Die Chroniken des Paladins“ betrachten, zumal alte Bekannte wie der Elf Faeron auftauchen.

Das Titelbild zeigt eine düstere Gestalt, die einen schwarzen Kapuzenumhang trägt. Im Hintergrund sieht man die undeutlichen Schatten einer Insel auf der eine Stadt oder Burg thront. Der Umschlag ist eierschalengelb gehalten. Außer der schwarzen Farbe, die sparsam bei Insel, Gestalt und einem Vogel eingesetzt wurde, fallen die roten Blutstropfen dem Leser sofort ins Auge. Der Titel und der Name des Autors sind ebenfalls in Schwarz. Beim Titel erinnern das „l“ und das „t“ an Säbel und Schwerter. Wer über den Titel streicht, merkt, dass dieser sich vom Umschlagbild abhebt, erhaben ist.

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren und Fans von Sword & Sorcery-Stories werden auch diesen Band gerne lesen. Wer Fantasy-Geschichten wie „Der Herr der Ringe“ oder Spiele wie „Sacred“ liebt, dürfte auch an diesem Roman Gefallen finden.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
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Herbst: Beginn

Erstellt von Michael Drewniok am 5. April 2010

moody-autumn1-coverDavid Moody
Herbst: Beginn

(sfbentry)
Originaltitel: Autumn (London : Infected Books 2005)
Deutsche Erstausgabe: September 2007 (Otherworld Verlag)
Übersetzung: Michael Krug
293 S.
ISBN-13: 978-3-9502185-7-2

Das geschieht:

Das Ende der Welt kommt aus buchstäblich heiterem Himmel und in Gestalt eines Virus‘, der die Kehlen der betroffenen Menschen so gründlich zuschnürt, dass sie binnen Minuten ersticken. Zu Milliarden sinken sie so zu Boden und bilden ein Leichenfeld, über das die wenigen Überlebenden voller Grauen irren.

Nicht einmal im Angesicht der Apokalypse finden die Menschen zueinander. Uneinigkeit droht in offene Gewalt umzuschlagen. Wenn sie nicht streiten, lähmen Trauer und Fassungslosigkeit die Überlebenden. Das Ende der Zivilisation hinterlässt unzählige stinkende Leichen und eine zerfallende Infrastruktur. Der Herausforderung eines Neuanfangs sind längst nicht alle gewachsen.

Die mühsam gewahrte Ordnung zerbricht, als das Unerwartete geschieht: Die Toten erwachen, sie stehen auf und laufen durch die Straßen. Anfänglich nehmen sie keine Notiz von den Lebenden und scheinen jegliche Intelligenz eingebüßt zu haben. Dennoch beschließt das Trio Michael, Emma und Carl die Stadt zu verlassen und sich auf dem Land zu verschanzen, wo erwartungsgemäß weniger Leichen wandeln.

Ein einsam gelegener Bauernhof scheint der ideale Zufluchtsort zu sein, als sich neues Unheil ankündigt: Die Toten zeigen Anzeichen einer instinkthaften Intelligenz. Sie werden auf den Hof aufmerksam, belagern ihn und reagieren zunehmend aggressiv. Bald ist es grausige Gewissheit: Sie werden zu Zombies mit enormem Appetit auf Menschenfleisch.

Im Inneren des Hofes liegen die Nerven blank. Soll man die neue Heimat verteidigen oder flüchten? Die Gruppe spaltet sich und verliert den Zusammenhalt genau dann, als ein Großangriff der Zombies bevorsteht …

Lebende Streithähne & untote Störenfriede

Nichts grundsätzlich Neues im Zombie-Genre: So lässt sich „Herbst: Beginn“ nüchtern charakterisieren. Die Welt geht unter bzw. die Menschheit stirbt, und die Leichen stehen wieder auf. Was es über ein solches Ereignis zu spekulieren gibt, hat George A. Romero in seinen Zombie-Filmen seit 1968 erschöpfend beantwortet. Das Erwachen weniger Überlebender auf einer katastrophenbedingt menschenleeren Erde ist als Plot sogar noch älter.

Wären die wandelnden Toten die einzige Schwierigkeit, mit denen besagte Überlebende zu kämpfen hätten, könnte es sogar langweilig werden, denn Zombies sind (oder waren) im Grunde Kreaturen, deren Gefährlichkeit sorgfältig inszeniert werden muss. Der klassische Untote entwickelt zwar Appetit auf Menschenfleisch, ist jedoch langsam und schwerfällig; entweder muss er in Massen auftreten, oder seine Opfer sind gezwungen, sich aufgrund persönlicher Dämlichkeit in Bedrängnis zu bringen. Seit der Neuverfilmung von „Dawn of the Dead“ gibt es auch recht rasante Zombies. David Moody bedient sich in „Herbst: Beginn“ allerdings der guten, alten Torkelmänner, die zudem durch Zeit und Witterung ziemlich brüchig werden.

Sie wachen nicht als Menschenfresser auf, sondern kommen erst allmählich zu Bewusstsein – ein kluger Zug des Verfassers, denn es gibt ihm bzw. der kleinen Gruppe der Überlebenden die Zeit, sich ihrer Situation bewusst zu werden. Noch bevor die Leichen aufstehen, hat sich eine für das Zombie-Genre unverzichtbare Situation eingestellt: Zwischen den Lebenden brechen Konflikte los. Sie sind eigentlich banal, schwächen in dieser Krise jedoch die Gruppe, sorgen für Ablenkung, verhindern planvolles Handeln und lassen die Zombies erst auf diese Weise zur echten Gefahr werden.

Man dreht sich im Kreis

Moody treibt es förmlich auf die Spitze: In „Herbst: Beginn“ herrscht zwischen den Lebenden permanent Hader. Er stellt dies einerseits als typisch menschlich hin und versucht es in dieser Zuspitzung andererseits durch den Stress zu erklären, in die das Ende der Zivilisation die wenigen Überlebenden gestürzt hat.

Das daraus resultierende Geschehen ist aus vielen anderen Zombie-Romanen und Filmen bekannt aber schlüssig. Trotzdem wirkt die Story beliebig. Es gibt viele Zwischenfälle aber keine echten Höhepunkte. Die Protagonisten bewegen, verschanzen und trennen sich, finden erneut zueinander und irren erneut durch eine lebensfeindlich gewordene Welt. Moody mag damit die Rat- und Ziellosigkeit seiner Figuren unterstreichen zu wollen, doch den Leser beschleicht der Verdacht, der Autor habe einfach geschrieben, was ihm gerade in den Kopf kam, und die Auflösung begonnener Handlungsstränge auf die Zukunft in Gestalt möglicher Fortsetzungen verschoben. Nur als Ouvertüre zu einem Zombie-Epos betrachtet, lässt „Herbst: Beginn“ den Kritiker vorsichtig urteilen; vielleicht kommt die Story ja noch in Gang.

Nur Auftakt, kaum Handlung

Ein weiterer Schwachpunkt dieses Romans liegt in der Figurenzeichnung. Moody investiert sichtlich Mühe in die Gestaltung glaubhafter Charaktere, die dennoch klischeehaft bleiben. Er beschränkt sich nie darauf, Michael, Carl und Emma mit den Zombies raufen zu lassen, sondern gönnt ihnen immer wieder die Zeit, über den Verlust ihrer Familien, Freunde und letztlich ihrer Welt zu trauern. Diese Trauer in bewegende und überzeugende Worte zu fassen, ist Moody nicht gegeben. Er behauptet Gefühle, weiß sie aber nicht zu vermitteln.

Das beste Beispiel bildet die merkwürdige Episode, in der Moody Carl unvermittelt aus dem ländlichen Exil ausbrechen und in die Stadt zu seiner toten Familie zurückkehren lässt. Als er dort angekommen ist, besinnt er sich plötzlich anders und beschließt, sich zu dem Bauernhof zurückzukämpfen, in dem sich noch Michael und Emma verborgen halten. Dabei stellt er sich so ungeschickt an, dass die Zombies den Hof überrennen, verfällt dem Wahnsinn, und zwingt Michael und Emma dazu, ihr Domizil in wilder Flucht zu verlassen. Hier zwingt Moody eine Figur viel zu offensichtlich zu Handlungen, die das im letzten Drittel stecken gebliebene Geschehen neu in Gang bringen sollen.

Auch Michael oder Emma hätten durchdrehen können. Sie plus Carl sind austauschbare Figuren, an deren Schicksal der Leser kaum Anteil nimmt; dafür ist ihr Verhalten zu sprunghaft und kaum nachvollziehbar. Daran ändern auch jene Kapitel nicht, in denen Moody seine Protagonisten in der Ich-Form erzählen lässt, was ihnen die Möglichkeit gibt, tief in die eigene Seele zu blicken und Auskunft darüber zu geben, was dort vorgeht. Leider fördern sie nur Allgemeinplätze ans Tageslicht.

Zombies können nicht alles richten

„Herbst: Beginn“ ist kein Höhepunkt der Phantastik und ganz sicher kein „Kult“, wie auf dem hinteren Buchdeckel behauptet wird. Nicht einmal in der Zombie-Nische kann es diesbezüglich einen vorderen Rang beanspruchen. Dass dieser Roman in einem kleinen Verlag erschien, darf dafür freilich nicht als Indiz gewertet werden; vor allem die großen Verlage werfen permanent Trash auf den Buchmarkt, zu dem Moodys Werk nicht zu zählen ist. Er liefert auf nicht gar zu niedrigem Niveau solide Unterhaltung. Ob er in diesem Job besser wird, bleibt abzuwarten. In England läuft Moodys „Autumn“-Reihe gut; es gibt also ein Publikum, das – gewiss nicht grundlos – die Fortsetzungen goutiert.

Die deutsche Ausgabe von „Herbst: Beginn“ gefällt als gut übersetztes, mit nur wenigen Druckfehlern behaftetes, hübsch düster gestaltetes, preisgünstiges Taschenbuch. Für das Cover wurde kein anonymes Banalfoto aus einem Billig-Bildstock verwendet, sondern eine stimmungsvolle Zeichnung angefertigt. Die Bindung ist robust und flexibel gleichzeitig. Dies sind Aspekte, die den Durchschnittsleser vermutlich weniger interessieren, Bücherfreunde und Sammler hingegen registrieren und zu schätzen wissen.

Filmischer Weltuntergang – die billige Variante

2009 entstand in Kanada ein Spielfilm zum ersten Band der „Autumn“-Serie. Regisseur Steven Rumbelow und Autor David Moody selbst schrieben ein Drehbuch, das die Romanvorlage allzu kongenial bewahrte. Der Wille zum ebenso unterhaltsamen wie anspruchsvollen Epos ist spürbar, doch die hölzerne Umsetzung sowie ein Budget, dessen Höhe vermutlich der EEG-Kurve des durchschnittlichen Zombies entspricht, lassen das ehrgeizige Projekt scheitern. Nur in wenigen Szenen kann „Autumn“, der Film, vermitteln, was David Moody vorschwebte.

Autor

David Moody (geb. 1970 nahe Birmingham/England) gehört als Schriftsteller zu den Außenseitern seiner Zunft. Er hat die üblichen Startprobleme eines jungen, unbekannten und von den Verlagen als unkalkulierbares Risiko abgelehnten Autors nicht vergessen und setzt deshalb auf das Internet, um seine Romane zu vermarkten. Auf seiner Website wird Moody zudem als Kontrollfreak bezeichnet, der jeden Aspekt der Veröffentlichung seiner Werke zu organisieren gedenkt. „Autumn“ wurde von ihm ins Netz gestellt und zum unentgeltlichen Download freigegeben, lange bevor diese Geschichte in Buchform (selbstverständlich im Eigenverlag „Infected Books“) erschien. Angeblich geschah dies mehr als 500.000 Mal, was Moodys Karriere nachhaltig in Gang brachte.

[md]

Titel bei Booklooker.de
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