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neuauflage

Dämonisches Tattoo

Erstellt von Werner Karl am 20. Mai 2010

damonisches-tattooBrigitte Melzer
Dämonisches Tattoo

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A)/Verlag Carl Ueberreuter, Wien (A), 01/2010
PB, Mystery-Thriller
ISBN 978-3-8000-9512-4
Titelgestaltung von init. Büro für Gestaltung, Bielefeld, unter Verwendung von Fotos von Corbis, Düsseldorf

www.otherworld-verlag.com
www.ueberreuter.at
www.brigitte-melzer.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Ein Serienmörder macht Washington D.C. unsicher. Seine Opfer: Frauen, die alleinstehend sind oder deren Männer erst spät nach Hause kommen, denn der Täter nimmt sich für seine Opfer sehr viel Zeit. Die FBI-Agenten Chase Ryan und Frank Cassell wollen den Killer aus der Reserve locken, doch schließlich wird Cassells Frau selbst zum Opfer des bestialischen Mörders. Außer sich vor Wut und Verzweiflung lässt sich Frank auf ein indianisches Ritual ein. Ein Tattoo, vermengt mit dem Blut des Killers, das an einem der Tatorte sichergestellt wurde, kann eine magische Verbindung zum Mörder herstellen. Dadurch vermag der Träger der Tätowierung nicht nur durch die Augen des Täters schauen, die Verbindung hat eine noch viel schrecklichere Wirkung: Stirbt einer der beiden Pole, so wird auch der andere Teil den Tod finden.

Dem Wahnsinn nahe überwältigt Frank seinen einstigen Freund und Kollegen Chase Ryan und lässt ihm das Tattoo stechen. Er weiß, wenn er Chase Ryan tötet, stirbt auch der Mörder von Cassells Frau. Chase gelingt die Flucht. Gejagt von der Polizei und seinem ehemaligen Partner versucht Ryan, den Killer mit Hilfe der magischen Verbindung zu finden. Die Journalistin Kate, die er bei seiner Flucht gekidnappt hat, steht ihm dabei hilfreich zur Seite. Doch dann geraten Kate und Chase selbst in das Visier des Killers …

„Dämonisches Tattoo“ ist bereits Brigitte Melzers zweiter Titel, der unter dem Label Otherworld erscheint, denn die deutsche Autorin hat bereits mit „Die Dämonenseherin“ einen sehr erfolgreichen Dark Fantasy-Roman abgeliefert. Das vorliegende Buch ist ein in sich abgeschlossener Mystery-Thriller, der einen Vergleich mit internationalen Schriftstellerkollegen, wie beispielsweise Dean Koontz, nicht zu scheuen braucht; zumindest nicht mit dessen neueren Werken. Bereits der Beginn des Romans ist sehr spannend und intensiv in Szene gesetzt. Aus der Sicht des Killers erlebt man den kaltblütigen Mord an Cassells Frau mit, bevor der Fokus auf den Tatort und die Ermittlungen umschwenkt und der Leser die wichtigsten Personen des Romans kennen lernt. Dass sich Chase Ryan und Kate Lombardi anfangs nicht ausstehen können, bringt etwas Würze in die Beziehung der beiden Protagonisten, vor allem, wenn man die Verbindung der beiden Charaktere zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet.

Was die Autorin dem amerikanischen Beststellerautor Dean Koontz leider auch gleichgetan hat, ist die kitschige Gutmenschatmosphäre, die später zwischen den beiden Helden immer wieder deutlich spürbar wird. Nachdem Chase Ryan, gemeinsam mit Kate die Flucht gelungen ist, sackt der Roman in ein Spannungstief, aus dem er erst herauskommt, als Chase Kontakt mit seiner Kollegin Munarez von der Mordkommission aufnimmt. „Rasant, fesselnd, romantisch“ steht auf dem Klappentext zu lesen. Im Mittelteil wurde eindeutig zu viel Wert auf das Wort „romantisch“ gelegt, und die erotischen Szenen zwischen dem Pärchen kann man getrost überspringen. Einzig die kurzzeitige Verbindung zwischen Chase und dem Killer, während des Liebesaktes, beinhaltet etwas Beklemmendes. Nichtsdestotrotz wurde viel von dem Potenzial des originellen Plots verschenkt. Ausnehmend gut gelungen ist der Autorin hingegen das Finale, das in Punkto Action und Dramatik noch einmal kräftig anzieht. Wirklich bangen muss man um die Hauptfiguren nicht, auch wenn die Entführung von Kate äußerst perfide gestaltet wurde.

Der Roman lässt sich dank des unterhaltsamen Schreibstils der Autorin und des gefälligen Satzspiegels sehr flüssig lesen und dürfte vor allem Thrillerfans mit einem ausgeprägten Hang zum Romantischen gefallen. Das großformatige Taschenbuch wirkt dank der Klappbroschur und des erhaben herausgearbeiteten Titels sehr edel. Covermotiv und Farbgestaltung harmonieren perfekt miteinander und machen den Roman zu einem echten Hingucker. „Dämonisches Tattoo“ ist ein packender Psycho-Thriller mit ausgeprägten Längen im Mittelteil. Vor allem romantisch veranlagte Thriller-Leser kommen hier auf ihre Kosten. Nichtsdestotrotz ein spannendes Lesevergnügen, dessen Lektüre man nicht bereuen wird.

Copyright © 2010 by Florian Hilleberg (FH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Bluttrinker

Erstellt von Werner Karl am 19. Mai 2010

bluttrinkerStephan R. Bellem
Bluttrinker

(sfbentry)
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 1/2010
TB, Fantasy
ISBN 978-3-8000-9515-5
Umschlaggestaltung von init, Büro für Gestaltung, Bielefeld, unter
Verwendung von Fotos von Harry Pettis, Andrew Davis/Trevillion Images
Karte von Joseph Koó
Autorenfoto von N. N.

www.otherworld-verlag.com
www.srbellem.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Andrul überlebt ein Massaker, das die Trolle unter seinen Soldaten angerichtet haben. Er flieht in die Sümpfe und weiß doch, dass es hoffnungslos ist. Denn die Trolle jagen ihn, und da sie unvorstellbare Kräfte haben, die ihnen eine wahnsinnige Ausdauer verleiht, werden sie Andrul letztendlich einholen und ihn ebenso grausam töten wie seine tapferen Gefolgsleute. Aber mitten im Sumpf erscheint ihm ein gottgleiches Wesen. Er wird vor die Wahl gestellt, hier und jetzt zu sterben oder neu zu erstehen, mit übermenschlichen Kräften ausgestattet. Doch der Preis ist hoch.

Iphelia tut alles, um das Leben ihres neugeborenen Sohnes und ihr eigenes zu verlängern. Dabei geht sie einen Pakt ein, der sie aller Menschlichkeit zu berauben scheint. Throndimar verliert bei einem Raubzug der Barbaren seine geliebte Frau und ihr ungeborenes Kind. Nun zählt nur noch eines für ihn: Rache. Barsjk soll sich zum alleinigen Herrscher über die Menschenvölker erheben oder er wird keinen Beistand von den Elfen erhalten, selbst wenn das ihre eigene Vernichtung bedeuten würde. Hier werden vier Schicksale erzählt. Männer und Frauen, die nie zu träumen wagten, einmal in so ein gewaltiges Abenteuer verstrickt zu werden. Doch das Schicksal führt diese verschiedenen Menschen zusammen. Dabei kennen alle nur eines: um die Vorherrschaft der Menschen zu kämpfen und einen Platz in dieser Welt zu finden.

Bellem beweist dass er nicht umsonst als einer der außergewöhnlichsten Newcomer im Fantasy-Bereich gehandelt wird. Wer seine Bände über „Die Chroniken des Paladin“ gelesen hat, wird auch diese Geschichte verschlingen. Wieder einmal ist es dem Autor gelungen, mit einem Buch das Sword & Sorcery-Genre zu bereichern. Die Geschichte spielt in Kandura, dem Land, in dem schon die Trilogie „Die Chroniken des Paladin“ spielten. Obwohl der vorliegende Band eigenständig ist, kann man ihn durchaus als Vorgeschichte zu „Die Chroniken des Paladins“ betrachten, zumal alte Bekannte wie der Elf Faeron auftauchen.

Das Titelbild zeigt eine düstere Gestalt, die einen schwarzen Kapuzenumhang trägt. Im Hintergrund sieht man die undeutlichen Schatten einer Insel auf der eine Stadt oder Burg thront. Der Umschlag ist eierschalengelb gehalten. Außer der schwarzen Farbe, die sparsam bei Insel, Gestalt und einem Vogel eingesetzt wurde, fallen die roten Blutstropfen dem Leser sofort ins Auge. Der Titel und der Name des Autors sind ebenfalls in Schwarz. Beim Titel erinnern das „l“ und das „t“ an Säbel und Schwerter. Wer über den Titel streicht, merkt, dass dieser sich vom Umschlagbild abhebt, erhaben ist.

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren und Fans von Sword & Sorcery-Stories werden auch diesen Band gerne lesen. Wer Fantasy-Geschichten wie „Der Herr der Ringe“ oder Spiele wie „Sacred“ liebt, dürfte auch an diesem Roman Gefallen finden.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Herbst: Beginn

Erstellt von Michael Drewniok am 5. April 2010

moody-autumn1-coverDavid Moody
Herbst: Beginn

(sfbentry)
Originaltitel: Autumn (London : Infected Books 2005)
Deutsche Erstausgabe: September 2007 (Otherworld Verlag)
Übersetzung: Michael Krug
293 S.
ISBN-13: 978-3-9502185-7-2

Das geschieht:

Das Ende der Welt kommt aus buchstäblich heiterem Himmel und in Gestalt eines Virus‘, der die Kehlen der betroffenen Menschen so gründlich zuschnürt, dass sie binnen Minuten ersticken. Zu Milliarden sinken sie so zu Boden und bilden ein Leichenfeld, über das die wenigen Überlebenden voller Grauen irren.

Nicht einmal im Angesicht der Apokalypse finden die Menschen zueinander. Uneinigkeit droht in offene Gewalt umzuschlagen. Wenn sie nicht streiten, lähmen Trauer und Fassungslosigkeit die Überlebenden. Das Ende der Zivilisation hinterlässt unzählige stinkende Leichen und eine zerfallende Infrastruktur. Der Herausforderung eines Neuanfangs sind längst nicht alle gewachsen.

Die mühsam gewahrte Ordnung zerbricht, als das Unerwartete geschieht: Die Toten erwachen, sie stehen auf und laufen durch die Straßen. Anfänglich nehmen sie keine Notiz von den Lebenden und scheinen jegliche Intelligenz eingebüßt zu haben. Dennoch beschließt das Trio Michael, Emma und Carl die Stadt zu verlassen und sich auf dem Land zu verschanzen, wo erwartungsgemäß weniger Leichen wandeln.

Ein einsam gelegener Bauernhof scheint der ideale Zufluchtsort zu sein, als sich neues Unheil ankündigt: Die Toten zeigen Anzeichen einer instinkthaften Intelligenz. Sie werden auf den Hof aufmerksam, belagern ihn und reagieren zunehmend aggressiv. Bald ist es grausige Gewissheit: Sie werden zu Zombies mit enormem Appetit auf Menschenfleisch.

Im Inneren des Hofes liegen die Nerven blank. Soll man die neue Heimat verteidigen oder flüchten? Die Gruppe spaltet sich und verliert den Zusammenhalt genau dann, als ein Großangriff der Zombies bevorsteht …

Lebende Streithähne & untote Störenfriede

Nichts grundsätzlich Neues im Zombie-Genre: So lässt sich „Herbst: Beginn“ nüchtern charakterisieren. Die Welt geht unter bzw. die Menschheit stirbt, und die Leichen stehen wieder auf. Was es über ein solches Ereignis zu spekulieren gibt, hat George A. Romero in seinen Zombie-Filmen seit 1968 erschöpfend beantwortet. Das Erwachen weniger Überlebender auf einer katastrophenbedingt menschenleeren Erde ist als Plot sogar noch älter.

Wären die wandelnden Toten die einzige Schwierigkeit, mit denen besagte Überlebende zu kämpfen hätten, könnte es sogar langweilig werden, denn Zombies sind (oder waren) im Grunde Kreaturen, deren Gefährlichkeit sorgfältig inszeniert werden muss. Der klassische Untote entwickelt zwar Appetit auf Menschenfleisch, ist jedoch langsam und schwerfällig; entweder muss er in Massen auftreten, oder seine Opfer sind gezwungen, sich aufgrund persönlicher Dämlichkeit in Bedrängnis zu bringen. Seit der Neuverfilmung von „Dawn of the Dead“ gibt es auch recht rasante Zombies. David Moody bedient sich in „Herbst: Beginn“ allerdings der guten, alten Torkelmänner, die zudem durch Zeit und Witterung ziemlich brüchig werden.

Sie wachen nicht als Menschenfresser auf, sondern kommen erst allmählich zu Bewusstsein – ein kluger Zug des Verfassers, denn es gibt ihm bzw. der kleinen Gruppe der Überlebenden die Zeit, sich ihrer Situation bewusst zu werden. Noch bevor die Leichen aufstehen, hat sich eine für das Zombie-Genre unverzichtbare Situation eingestellt: Zwischen den Lebenden brechen Konflikte los. Sie sind eigentlich banal, schwächen in dieser Krise jedoch die Gruppe, sorgen für Ablenkung, verhindern planvolles Handeln und lassen die Zombies erst auf diese Weise zur echten Gefahr werden.

Man dreht sich im Kreis

Moody treibt es förmlich auf die Spitze: In „Herbst: Beginn“ herrscht zwischen den Lebenden permanent Hader. Er stellt dies einerseits als typisch menschlich hin und versucht es in dieser Zuspitzung andererseits durch den Stress zu erklären, in die das Ende der Zivilisation die wenigen Überlebenden gestürzt hat.

Das daraus resultierende Geschehen ist aus vielen anderen Zombie-Romanen und Filmen bekannt aber schlüssig. Trotzdem wirkt die Story beliebig. Es gibt viele Zwischenfälle aber keine echten Höhepunkte. Die Protagonisten bewegen, verschanzen und trennen sich, finden erneut zueinander und irren erneut durch eine lebensfeindlich gewordene Welt. Moody mag damit die Rat- und Ziellosigkeit seiner Figuren unterstreichen zu wollen, doch den Leser beschleicht der Verdacht, der Autor habe einfach geschrieben, was ihm gerade in den Kopf kam, und die Auflösung begonnener Handlungsstränge auf die Zukunft in Gestalt möglicher Fortsetzungen verschoben. Nur als Ouvertüre zu einem Zombie-Epos betrachtet, lässt „Herbst: Beginn“ den Kritiker vorsichtig urteilen; vielleicht kommt die Story ja noch in Gang.

Nur Auftakt, kaum Handlung

Ein weiterer Schwachpunkt dieses Romans liegt in der Figurenzeichnung. Moody investiert sichtlich Mühe in die Gestaltung glaubhafter Charaktere, die dennoch klischeehaft bleiben. Er beschränkt sich nie darauf, Michael, Carl und Emma mit den Zombies raufen zu lassen, sondern gönnt ihnen immer wieder die Zeit, über den Verlust ihrer Familien, Freunde und letztlich ihrer Welt zu trauern. Diese Trauer in bewegende und überzeugende Worte zu fassen, ist Moody nicht gegeben. Er behauptet Gefühle, weiß sie aber nicht zu vermitteln.

Das beste Beispiel bildet die merkwürdige Episode, in der Moody Carl unvermittelt aus dem ländlichen Exil ausbrechen und in die Stadt zu seiner toten Familie zurückkehren lässt. Als er dort angekommen ist, besinnt er sich plötzlich anders und beschließt, sich zu dem Bauernhof zurückzukämpfen, in dem sich noch Michael und Emma verborgen halten. Dabei stellt er sich so ungeschickt an, dass die Zombies den Hof überrennen, verfällt dem Wahnsinn, und zwingt Michael und Emma dazu, ihr Domizil in wilder Flucht zu verlassen. Hier zwingt Moody eine Figur viel zu offensichtlich zu Handlungen, die das im letzten Drittel stecken gebliebene Geschehen neu in Gang bringen sollen.

Auch Michael oder Emma hätten durchdrehen können. Sie plus Carl sind austauschbare Figuren, an deren Schicksal der Leser kaum Anteil nimmt; dafür ist ihr Verhalten zu sprunghaft und kaum nachvollziehbar. Daran ändern auch jene Kapitel nicht, in denen Moody seine Protagonisten in der Ich-Form erzählen lässt, was ihnen die Möglichkeit gibt, tief in die eigene Seele zu blicken und Auskunft darüber zu geben, was dort vorgeht. Leider fördern sie nur Allgemeinplätze ans Tageslicht.

Zombies können nicht alles richten

„Herbst: Beginn“ ist kein Höhepunkt der Phantastik und ganz sicher kein „Kult“, wie auf dem hinteren Buchdeckel behauptet wird. Nicht einmal in der Zombie-Nische kann es diesbezüglich einen vorderen Rang beanspruchen. Dass dieser Roman in einem kleinen Verlag erschien, darf dafür freilich nicht als Indiz gewertet werden; vor allem die großen Verlage werfen permanent Trash auf den Buchmarkt, zu dem Moodys Werk nicht zu zählen ist. Er liefert auf nicht gar zu niedrigem Niveau solide Unterhaltung. Ob er in diesem Job besser wird, bleibt abzuwarten. In England läuft Moodys „Autumn“-Reihe gut; es gibt also ein Publikum, das – gewiss nicht grundlos – die Fortsetzungen goutiert.

Die deutsche Ausgabe von „Herbst: Beginn“ gefällt als gut übersetztes, mit nur wenigen Druckfehlern behaftetes, hübsch düster gestaltetes, preisgünstiges Taschenbuch. Für das Cover wurde kein anonymes Banalfoto aus einem Billig-Bildstock verwendet, sondern eine stimmungsvolle Zeichnung angefertigt. Die Bindung ist robust und flexibel gleichzeitig. Dies sind Aspekte, die den Durchschnittsleser vermutlich weniger interessieren, Bücherfreunde und Sammler hingegen registrieren und zu schätzen wissen.

Filmischer Weltuntergang – die billige Variante

2009 entstand in Kanada ein Spielfilm zum ersten Band der „Autumn“-Serie. Regisseur Steven Rumbelow und Autor David Moody selbst schrieben ein Drehbuch, das die Romanvorlage allzu kongenial bewahrte. Der Wille zum ebenso unterhaltsamen wie anspruchsvollen Epos ist spürbar, doch die hölzerne Umsetzung sowie ein Budget, dessen Höhe vermutlich der EEG-Kurve des durchschnittlichen Zombies entspricht, lassen das ehrgeizige Projekt scheitern. Nur in wenigen Szenen kann „Autumn“, der Film, vermitteln, was David Moody vorschwebte.

Autor

David Moody (geb. 1970 nahe Birmingham/England) gehört als Schriftsteller zu den Außenseitern seiner Zunft. Er hat die üblichen Startprobleme eines jungen, unbekannten und von den Verlagen als unkalkulierbares Risiko abgelehnten Autors nicht vergessen und setzt deshalb auf das Internet, um seine Romane zu vermarkten. Auf seiner Website wird Moody zudem als Kontrollfreak bezeichnet, der jeden Aspekt der Veröffentlichung seiner Werke zu organisieren gedenkt. „Autumn“ wurde von ihm ins Netz gestellt und zum unentgeltlichen Download freigegeben, lange bevor diese Geschichte in Buchform (selbstverständlich im Eigenverlag „Infected Books“) erschien. Angeblich geschah dies mehr als 500.000 Mal, was Moodys Karriere nachhaltig in Gang brachte.

[md]

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Die Wurmgötter

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Januar 2010

keene-wurmgoetter-coverBrian Keene
Die Wurmgötter

Originaltitel: Earthworm Gods/The Conqueror Worms (North Webster : Delirium Books 2005)
Übersetzung: Michael Krug
Deutsche Erstausgabe (geb.): November 2007 (Otherworld Verlag)
283 S.
ISBN-13: 978-3-9502185-9-6
(sfbentry)

Das geschieht:

Seit mehr als 40 Tagen regnet es auf dem gesamten Erdball. Gewaltige Fluten haben die Küstenregionen sämtlicher Kontinente verwüstet. Das Wasser steigt ständig. Die Zivilisation ist zusammengebrochen, die meisten Menschen sind tot oder auf der Flucht dorthin, wo das Wasser sie nicht erreicht. Wer sich den großen Evakuierungen nicht angeschlossen hat, blieb isoliert und ohne Nachrichten zurück. So wird es auch bleiben, denn ein Kommunikationsnetz existiert nicht mehr.

Im US-Staat West Virginia gehört Teddy Garnett zu denen, die sich störrisch weigerten, ihr Heim zu verlassen. Über 80 Jahre ist er alt und mag dem Wetter nicht weichen. Da er sein Haus hoch auf einem Berg errichtet hat, blieb er von der Flut verschont. Doch Garnett ist einsam, Lebensmittel und Brennstoff für den Stromgenerator drohen ihm auszugehen. Zudem bemerkt er Seltsames im ewigen Regen: Eine aggressive Schimmelart breitet sich aus und befällt Tiere und Pflanzen. Schlimmer ist jedoch eine akute Würmerplage. Garnett führt das zunächst auf die Feuchtigkeit zurück, bekommt es aber mit der Angst zu tun, als er erlebt, wie plötzlich riesenhafte und fleischhungrige Würmer an der Erdoberfläche erscheinen.

Wie gewaltig diese wirklich werden können, weiß eine kleine Menschengruppe, die gerade aus der versunkenen Stadt Baltimore entkommen ist. Dort hatte sie sich in einem Hochhaus verbarrikadiert, denn in den Ruinen lauerten offenbar wahnsinnig gewordene Zeitgenossen, die an eine Rückkehr uralter Götter als Auslöser der neuen Sintflut glauben und ihnen Menschenopfer bringen. Tatsächlich treiben seltsame Wesen ihr Unwesen in den Fluten, und sie dringen ins Landesinnere vor.

Der Weg der Flüchtlinge endet vor Garnetts Hütte, in der man sich erneut einigelt: Aus dem Boden steigen Monsterwürmer, deren Gier auf Menschenfleisch unersättlich ist …

Der Wurm als Monster & Metapher

Der Mensch teilt diese Erde seit Jahrmillionen mit den Würmern: unzähligen Würmern, die teilweise äußerst unerfreuliche Ernährungsgewohnheiten an den Tag legen, in der Regel schleimig sind und manchmal bemerkenswerte Längen erreichen. Er mag sie nicht oder fürchtet sie, doch in der Regel bleibt die Koexistenz zwischen Mensch und Wurm friedlich, weil letzterer tief in der Erde oder im Meer lebt und ersterem erst zu Leibe rückt, wenn er (oder sie) in Friedhofserde ruht.

Was wäre allerdings, blieben Würmer nicht klein und ängstlich, sondern würden riesig und angriffslustig? Keine angenehme Vorstellung; obwohl Riesenwürmer ohne Knochenstütze vermutlich unter ihrem Eigengewicht zusammenbrächen, lässt die Vorstellung trotzdem schaudern. Zu fremdartig wirken diese Tiere. Kein Wunder, dass Würmer in der Mythologie des Menschen keine sympathischen Rollen besetzen. Den sprichwörtlichen Wurm im Apfel kennt jede/r; er symbolisiert, dass unter einer glänzenden Oberfläche schon die Verderbnis lauern kann. Der Wurm (oder die Schlange) Ouroboros, der sich selbst in den Schwanz beißt, steht für den ewigen Kreislauf des Lebens, dessen Ende immer einen neuen Anfang beinhaltet, doch andererseits ist es der Wurm, der nach dem Tod unter der Erde auf uns wartet.

In der Unterhaltungsliteratur dominiert der Wurm als schreckliche Kreatur aus der Unterwelt. Bram Stoker, der Autor von „Dracula“, schrieb 1911 „Lair of the White Worm“ (dt. „Das Schloss der Schlange“); das Untier weist gewisse Ähnlichkeit mit den Wurmgöttern auf, die Brian Keene über die Menschheit herfallen lässt. Er verschmilzt den Wurm mit dem gallertigen Dämonen-Gott Cthulhu, den H. P. Lovecraft (1890-1937) einst zu ewigem literarischen Leben erweckte. (Eigentlich tritt Cthulhu ja in Tintenfisch-Gestalt auf; Brian Keene ließ sich offenbar vom Lovecraft-Epigonen Brian Lumley inspirieren, der in seinem „Titus-Crow“-Zyklus [1974-1989] die Menschheit durch die wurmigen Chtonier terrorisieren ließ.)

Apokalypse in Episoden

Allzu genau nimmt es Keene indes weder mit der Mythologie noch mit dem Cthulhu-Mythos. Die Herkunft seiner Wurmgötter deutet er nur an und tut gut daran, denn eine Klärung widerspräche der Intention seiner Geschichte. Der Untergang der Welt findet außerhalb der Sicht seiner Figuren statt, die nur über Ursache und Ausmaß der Katastrophe spekulieren können.

„Die Wurmgötter“ ist in doppelter Hinsicht ein episodenhafter Ausschnitt aus einem Geschehen, das auch dem Leser unklar bleibt. Keene verzichtet sogar auf einen stringenten Handlungsbogen. Sein Buch zerfällt in drei Teile: die Geschichte des alten Teddy Garnett, die Abenteuer der Baltimore-Gruppe und der Überlebenskampf der Überlebenden beider schließlich vereinter Gruppen. Die Wirksamkeit dieser Differenzierung bleibt fraglich; stattdessen sinniert der Leser über der Frage, ob Keene überfordert mit der Gestaltung einer durchgängigen Handlung war. Die beiden ersten Teile stehen im Grunde ohne logische Verbindung nebeneinander und werden für das Finale nur notdürftig zusammengeführt. Die Geschichte leidet darunter, weil sie ab Seite 119 mit Teil 2 praktisch neu beginnt. Stilistisch fällt dieser zudem ab: Während sich Keene in Teil 1 Zeit für den Aufbau der Ereignisse nimmt, setzt er hier allzu simpel auf Action, Gewalt und Sex.

Die menschliche Zukunft: üblich düster

Viele spannende Episoden hat sich der Verfasser ausgedacht. Grandios ist indes vor allem sein Gespür für Stimmungen. Das Grauen einer im Wasser versinkenden Welt vermag Keene ausdrucksstark zu schildern. Schlechter schneidet er ab, sobald er seine Protagonisten reden und miteinander agieren lässt. Der Mensch ist kein für die Krise geeignetes Wesen, lautet Keenes Credo; Egoismus und Irrsinn kommen zum Vorschein, wird die dünne Tünche der Zivilisation abgekratzt. Wie sich dies äußert, bleibt bei ihm freilich Klischee. Keenes schlechtester Einfall bleiben in dieser Hinsicht die ‚Satanisten‘ von Baltimore, die sich genauso (dämlich) benehmen wie die Spinner aus 1001 schlechten Hollywood-Streifen.

Das Ende bleibt offen; zumindest in dieser Hinsicht beugt sich der Verfasser nicht der Happy-End-Fraktion. Bis es soweit ist, legt er keine Zimperlichkeit an den Tag, wenn es darum geht, die Reihen seiner Figuren zu lichten. Niemand ist sicher, Sympathie keinesfalls eine Garantie für Überleben. Für diese Konsequenz ist man Keene dankbar, denn sie stellt ein angenehmes Gegengewicht zu den genannten Schwächen dar (zu denen sich noch ein Stützen auf plakativen Ekelszenen gesellt, die allzu offensichtlich effekthascherischer Selbstzweck sind.)

Starke Würmer aber blasse Figuren

Die Zweiteilung der Handlung setzt sich in der Figurenzeichnung fort. Mit Teddy Garrett ist Keene definitiv eine Hauptperson gelungen, die im Gedächtnis bleibt: ein alter Mann aus einfachen Verhältnissen, der ausgiebig über sein Leben reflektiert und zu einer echten Persönlichkeit reift. Flach bleiben dagegen die Flüchtlinge aus Baltimore, deren Denken und Handeln oft nicht nachzuvollziehen ist und eher den Konventionen des Horrorromans als der Logik folgen.

Vor allem die Schwachen und die Bösen gerinnen zum Popanz. Bei Keene werden sie entweder wahnsinnig oder von Dämonen besessen. In beiden Fällen mutieren sie zu Massenmördern und ergehen sich in endlosen Drohreden, in denen sie düster über anstehende Apokalypsen unken und sich auch sonst lächerlich benehmen.

Auf die ‚göttliche‘ Herkunft der Würmer hätte Keene übrigens problemlos verzichten können. Er geht ohnehin nur ansatzweise darauf ein (und produziert dabei primär Kinderbibel-Horror). Letztlich bleibt absolut ungeklärt, wer oder was sich hinter den Würmern verbirgt. Sie könnten durchaus biologische Mutationen sein, die von der Flut an die Oberfläche getrieben wurden. Der große Behemoth-Wurm zeigt keine Anzeichen von Intelligenz. Leviathan, sein aquatisches Gegenstück, der angebliche Cthulhu, scheint auch keine Ahnung zu haben, was er mit der Erde, die ihm in den Schoß gefallen ist, anfangen soll. Wozu also das mythologische Fundament, wenn Keene nie wirklich auf ihm aufbaut und seine Mammut-Würmer den ganz und gar irdischen Wurmgetümen aus den „Tremors“-Filmen anpasst?

„Die Wurmgötter“ sind unterm Strich die auf dem Fernsehen bekannten „Monster der Woche“, Keenes Roman ist spannender Horror mit nur behauptetem Tiefgang, der allerdings handwerklich sauber präsentiert wird. Dass man zunächst mehr erwartet, liegt an der wirklich schönen Buchgestalt, die der Otherworld-Verlag der deutschen Ausgabe dieses Romans spendierte. Sie wurde fest in rotes Leinen gebunden, sauber gedruckt, mit einem handgemalten (!) Cover (von Abrar Ajmal – er lässt seinen Behemoth-Wurm wie einen Shai-Hulud aus den „Dune“-Romanen von Frank Herbert aussehen) versehen und flüssig (vom Michael Krug) übersetzt. Negativ ins Auge fallen höchstens die sich häufenden falschen Worttrennungen, die auf eine zu hastige Endredaktion hindeuten.

Autor

Brian Keene (geboren 1967) wuchs in den US-Staaten Pennsylvania und West Virginia auf; viele seiner Romane und Geschichten spielen hier und profitieren von seiner Ortkenntnis. Nach der High School ging Keene zur U.S. Navy, wo er als Radiomoderator diente. Nach Ende seiner Dienstzeit versuchte er sich – keine Biografie eines Schriftstellers kommt anscheinend ohne diese Irrfahrt aus – u. a. als Truckfahrer, Dockarbeiter, Diskjockey, Handelsvertreter, Wachmann usw., bevor er als Schriftsteller im Bereich der Phantastik erfolgreich wurde.

Schon für seinen ersten Roman – „The Rising“ (2003), eine schwungvolle Wiederbelebung des Zombie-Subgenres – wurde Keene mit einem „Bram Stoker Award“ ausgezeichnet. Ein erstes Mal hatte er diesen Preis schon zwei Jahre zuvor für das Sachbuch „Jobs In Hell“ erhalten. Für seine Romane und Kurzgeschichten, ist Keene seitdem noch mehrfach prämiert worden. Sein ohnehin hoher Ausstoß nimmt immer noch zu. Darüber hinaus liefert er Scripts für Comics nach seinen Werken. Außerdem ist Keene in der Horror-Fanszene sehr aktiv. Sein Blog „Hail Saten“ gilt als bester seiner Art; die Einträge wurden in bisher drei Bänden in Buchform veröffentlicht.

Brian Keene hat natürlich eine Website, die sehr ausführlich über sein Werk und seine Auftritte auf Lesereisen informiert. Über den Privatmann erfährt man allerdings nichts; es gibt nicht einmal die obligatorische Kurzbiografie.

[md]

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Feuer im Norden

Erstellt von Werner Karl am 5. Dezember 2009

feuer-im-nordenRobin Gates
Feuer im Norden
Runlandsaga 2

Otherworld Verlag, Graz/A, dt. Erstausgabe: 10/2008
TB, Fantasy
ISBN 9783902607140
Titelillustration von Claudia Flor
Karte und Autorenfoto von N. N.

www.otherworld-verlag.com
www.runland.de
www.blue-dream.org
www.fantasie-welt.com/claudia-flor/index.htm
www.io-home.org/portfolios/f/index_html

Nur indem der Magier Margon und seine Frau, die Heilerin Thaja, ihr Leben opferten, konnten Arcad, der Elf, und der angehende Adept Enris mit den Kindern Themet und Mirka aus der Gewalt von Ranair fliehen. Dieser ist ein Serephin in Menschengestalt und eines der Wesen, das verhindern will, dass die Götter des Chaos wieder in die Welt gelangen. Die Serephin schworen, das Menschengeschlecht zu vernichten, da eine Prophezeiung besagt, dass nur das Blut des Menschengeschlechtes mächtig genug sei, die Götter des Chaos aus ihrer Verbannung zu befreien. Sollte dies gelingen, würde das Gleichgewicht, dessen Schale sich immer mehr zu Gunsten der Ordnung wandelt, wiederhergestellt werden (Bd. 1).

Enris und Arcad versuchen, die Dorfbewohner zu warnen, doch in Andostaan wird wertvolle Zeit verschwendet, da die Menschen dort zuerst überzeugt werden müssen. Und die Zeit läuft unerbittlich ab. Noch während der Bürgerrat zusammentritt, um die Ereignisse zu besprechen, greifen die Krieger der Serephin an und vernichten das Dorf. Nur mit Hilfe von Suvare, der Besitzerin eines Schiffes, gelingt es einem kleinen Teil der Bevölkerung zu fliehen. Nun ruht alle Hoffnung auf den Schultern von Enris und Arcad. Doch auch andere mächtige Wesen wurden von den Göttern beauftragt, diesen beiden zu helfen. Aus verschiedenen Teilen Runlands kommen die Krieger zusammen. Ihnen wurde nur mitgeteilt, dass noch andere wie sie selbst dazu bestimmt sind, Runland zu retten. Nun müssen sie sich finden, um gemeinsam der schrecklichen Bedrohung entgegenzutreten. Es geht nicht nur darum, einen Krieg zu gewinnen. Die ganze Menschheit wäre zum Untergang verdammt, und die Götter des Chaos wären unwiederbringlich verloren.

Wer den ersten Teil der „Runlandsaga“ kennt, wird den vorliegenden Band genussvoll verschlingen. Die einzelnen Charaktere, die in Bd. 1 vorgestellt wurden, gewinnen an Tiefe und wachsen dem Leser ans Herz. Keine Friede, Freude, Eierkuchenerzählung wird hier wiedergegeben, sondern gerade der Widerstand der einzelnen Helden macht dieses Buch so besonders. Die Hauptpersonen müssen sich erst zusammenraufen, bevor ihre einzigartigen Fähigkeiten dazu führen können, sich wirksam gegen die Serephin zu verteidigen. Robin Gates ist ein wahrer Meister des Fantasy-Genres. Jeder, der Spaß an Geschichten über Drachen, Elfen und Werwölfe hat, sollte sich diese Saga nicht entgehen lassen.

Petra Weddehage (PW)

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Feuer im Norden

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Unter dunklen Schwingen

Erstellt von Werner Karl am 27. Oktober 2009

unter-dunklen-schwingenAlisha Bionda (Hrsg.)
Unter dunklen Schwingen

Otherworld Verlag, Graz/A, Originalausgabe: 5/2009
PB, Horror, Dark Fantasy
ISBN 9783902607164
Titel- und Innenillustration von Mark Freier
(sfbentry)

www.otherworld-verlag.com
www.alisha-bionda.net/
www.freierstein.de

Die elf phantastischen Storys in dem Band stehen unter dem Motto „Unter dunklen Schwingen“, die einzige Vorgabe der Herausgeberin an ihre Autorinnen und Autoren. Neben dem Cover fertigte Mark Freier auch kongeniale und brillante (Eingangs-) Illustrationen zu den Storys an. Geflügelte Wesen in der Phantastik sind u. a. Vampire und Engel. „Unter dunklen Schwingen – geht der Tod auf die Jagd“ von Christoph Hardebusch pirscht sich die letzte Vampirin an ihr Opfer heran, um eine Überraschung zu erleben. „Geht der Tod auf die Jagd“ ist prägnant verfasst.

Einen größeren Handlungsfaden spinnt Barbara Büchner in „Unter dunklen Schwingen – zieht dich die Blutgräfin in ihren Bann“. Es ist nicht nur die umfangreichste Geschichte in dem Band, sondern auch die konventionellste. Jene Blutgräfin ist eine Vampirin, die vor Jahrhunderten besiegt wurde und nun wiederkehrt. Der klassische Vampirjäger darf ebenso wenig fehlen wie andere Sujets und Handlungselemente von Vampirromanen. Damit wird „Zieht dich die Blutgräfin in ihren Bann“ zu dem uninteressantesten Beitrag der Anthologie. Um nichts weniger als um die Existenz der menschlichen Welt geht es in „Unter dunklen Schwingen – entscheidet der Feuerengel über die Geschicke der Welt“ von Arcana Moon. Alisha Bionda gibt sich in „Unter dunklen Schwingen – trifft dich Ischariots Kuss“ mit weniger zufrieden: Wer beherrscht die Welt?! Zwölf dunkle Jünger, die im Passauer Dom hausen?! Das ist schon etwas origineller als „Entscheidet der Feuerengel über die Geschicke der Welt“!

In „Unter dunklen Schwingen – wächst manch Aberglaube“ von Uschi Zietsch verspielt ein Volk durch Kurzsichtigkeit seine Zukunft. Eine drastische Stellungnahme gegen Intoleranz gegenüber Andersartigen. Schön erzählte, um mehr oder minder alltäglichere Ereignisse kreisende (in verschiedenen Epochen) Kurzgeschichten verfassten Andreas Gruber, Aino Laos, Marc-Alastor E. E., Dominik Irtenkauf und Tanya Carpenter und Mark Staats. In „Unter dunklen Schwingen – nimmt der Wahnsinn seinen Lauf“ von Andreas Gruber gerät der Schulfreund des Protagonisten, später er selbst, unter den verhängnisvollen Einfluss eines – Puzzlespiels. Ein Gasthaus spielt in „Unter dunklen Schwingen – gesteht ein jeder seine Schuld“ von Aino Laos die Hauptrolle. Das Gebäude entlässt seine Gäste nur, wenn sie ihre Morde gestehen – und das Wirtshausehepaar erlebt eine Überraschung.

Marc-Alastor E. E. und Dominik Irtenkauf siedelten ihre Kurzgeschichten in der Vergangenheit an. Die atmosphärisch dichte Story „Unter dunklen Schwingen – gehen Wunder ihren Gang“ von Marc-Alastor E. E. spielt im Viktorianischen (?!) London und schildert die Geschichte des jugendlichen Waisen und Kohleträgers Firminus Becket zwischen Verfolgung, Krankheit, einem Kindermörder und dem Schicksal seiner Pflegemutter. „Unter dunklen Schwingen – kauert Gottes Kind“ von Dominik Irtenkauf spielt irgendwo zwischen Marnurg und Limburg. Ein Mädchen verwandelt sich, zieht sich stetig von ihrem Vormund zurück und offenbart ihr Geheimnis – dem Leser, nicht ihrem Onkel.

Tanya Carpenter und Mark Staats lassen in „Unter dunklen Schwingen – zerbricht die Unsterblichkeit“ ihren verfluchten, unsterblichen Protagonisten durch die Jahrhunderte reisen, auf der Suche nach seiner Erlösung, nach der Reinkarnation seiner Geliebten. Eine Story, die tragisch endet. Einer gewissen Tragik entbehrt auch „Unter dunklen Schwingen – ist kein rechter Bund zu schließen“ von Mark Freier nicht. Der Protagonist wird von jenem Dämon heimgesucht, an den ihn (seine inzwischen verstorbene) Mutter seinerzeit verpfändete. Welche „Gegenleistung“ sie erhielt, geht aus der Story aber nicht hervor.

„Unter dunklen Schwingen“ bietet eine Reihe von thematisch breit gefächerten, interessanten und lesenswerten phantastischen Kurzgeschichten an. Selbst wenn man manche Plots erfahrenen Lesern bekannt erscheinen mögen, so ist in fast allen Beiträge ein Engagement der Autorinnen und Autoren spürbar, das einer Reihe ihrer arrivierten Kolleginnen und Kollegen inzwischen völlig abgeht. (armö)

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Unter dunklen Schwingen

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Der Sucher – Ein Daresh-Roman

Erstellt von Werner Karl am 13. Oktober 2009

der-sucher-e28093-ein-daresh-romanKatja Brandis
Der Sucher – Ein Daresh-Roman

Otherworld Verlag Graz/A, 10/2007
HC mit Schutzumschlag, Fantasy
ISBN
9783950218589
Titel- und Innenillustration von Claudia Flor

www.otherworld-verlag.com
www.blue-dream.org
www.fantasie-welt.com/claudia-flor/index.htm
www.io-home.org/portfolios/f/index_html

Tjeri aus der Gilde des Wassers schafft, was eigentlich keinem sonst gelingt: Er wird Lehrling bei Udiko, dem größten aller Sucher, und lernt von ihm die Kunst des Findens. Ob verlorene Gegenstände, vermisste Personen, wichtige Zutaten oder sogar vergessene Träume – ein Sucher ist in der Lage, alles aufzuspüren. Doch kurz nach seiner Meisterprüfung findet Tjeri viel mehr, als er selber gedacht hätte, nämlich Aufträge und Abenteuer, die ihn in alle vier Provinzen des Landes führen und ganz Daresh betreffen. Zusammen mit dem Sucher Merwyn und Joelle, die nach ihrer verschollenen Schwester fahndet, kommt er auf seiner Jagd nach einer geheimnisvollen Silberschale an sonderbare Orte und besteht vielerlei Gefahren, bis er in der Felsenburg der obersten Herrscherin des Reiches fast sein Ende findet. Wenn nicht die Halbmenschen wären, die ihm den Namen ‚Jederfreund’ gegeben haben und gewillt sind, ihm um fast jeden Preis zu helfen…

Das Erste, was an Katja Brandis’ Roman fasziniert, ist, dass sie den Leser mitten in die unbekannte, sehr liebevoll und detailreiche Welt Daresh schickt und er sich Stück für Stück ein Bild von dem Leben dort, von Sitten, Gebräuchen, Tier- und Pflanzenwelt macht, alles durch die Augen der Charaktere, für die die sonderbarsten Dinge ganz selbstverständlich sind. Diese Art, sich der Welt mit ihren vielen Besonderheiten zu nähern, ist sehr spannend und nimmt einen rasch gefangen. Dabei hilft es, dass Brandis die Hauptfigur Tjeri gleich von Beginn an als eine sympathische, offene und humorvolle Person darstellt, die zwar offensiv ihre Ziele verfolgt, dabei aber nicht rücksichtslos oder selbstmitleidig ist, wie man es sehr häufig in Erzählungen finden, die damit spielen, dass der jugendliche Held erst aus allen Irrungen der Pubertät in sein Heldendasein hinein wachsen muss. Auch Tjeri verändert sich durch seine Abenteuer und wird erwachsener, aber er bleibt stets positiv und nachvollziehbar, so dass es leicht ist, ihm Erfolg und Glück zu wünschen. Auch die anderen Hauptfiguren zeichnen sich durch diese Art der sympathischen Authentizität aus.

Neben der abenteuerlichen Geschichte, bei der sich zwei Haupt-Handlungsstränge aus der Sicht Tjeris und der Katzenmenschenfrau Mi’raela schließlich zu einem verknüpfen und alle Puzzleteile in der wunderbar wohl geordneten Welt einer Fantasy-Erzählung an ihren Platz fallen, ist es die Beschreibung des Landes Daresh mit den vier Gilden, die sehr reizvoll ist. Nicht nur Landschaften und Tierwelt werden eindrücklich beschrieben, sondern auch die Bewohner mit ihren gut durchdachten, stellenweise recht extremen Eigenarten. Diese Art des Erzählens macht neugierig auf mehr Einblicke in die Welt von Daresh und auch auf die sehr schöne, frische und durchweg angenehme Schreibweise der Autorin.

„Der Sucher“ ist ein genussvoller Ausflug in eine phantastische Welt, eine spannende Rundreise mit Gefährten, die man zu vermissen beginnt, sobald man das Buch geschlossen hat. (BvdB)

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Amandus Greif und die Spur der Prinzen

Erstellt von Werner Karl am 6. Oktober 2009

amandus-greifFrank Bardelle
Amandus Greif und die Spur der Prinzen

Frankreich, 2007
Otherworld Verlag, Graz/A, dt. Erstveröffentlichung: 10/2008
TB, Fantasy
ISBN 9783902607133
Titelillustration von Folko Streese

www.otherworld-verlag.de
www.epilogue.net/cgi/database/art/list.pl?gallery=19831

Amandus Greif fällt aus allen Wolken, als plötzlich drei finstere Gestalten in seinem Trödelladen auftauchen und die Herausgabe eines magischen Kästchens fordern. Erst die geheimnisvolle, exotische Waldfrau Rava kann den Schurken Einhalt gebieten und nimmt Amandus mit in ein fantastisches Königreich. Dort offenbart sie dem verwunderten Mann, dass er eigentlich ein Magier und Astronom ist, der dem machthungrigen Zauberer Borengar in die Quere gekommen ist, der auf den Thron kommen will und daher die Prinzen des Fürsten entführen ließ. Gemeinsam mit dem furchtsamen Alchemisten Grauling und der Waldfrau Rava begibt sich Greif auf eine abenteuerliche und irrwitzige Reise auf der Suche nach den Prinzen, verfolgt von den Söldnern und Helfern Borengars…

Frank Bardelle liefert mit „Amandus Greif und die Spur der Prinzen“ einen vergnüglichen, unterhaltsamen Fantasy-Spaß ab, der alle Altersgruppen ansprechen dürfte. Die Charaktere sind schrill, bunt, witzig, und selbst die Bösewichte tragen mit ihrer eigenen Art von trockenem, schwarzem Humor zum Unterhaltungswert des Büchleins bei.

Bardelle wartet in seiner Novelle mit vielen fantastischen Ideen auf und vermeidet dabei das Kopieren berühmter Autorenkollegen wie Terry Pratchett. „Amandus Greif“ ist eine eigenständige, innovative Fantasy-Geschichte mit einem gut durchdachten Plot. Das Ende kommt bedauerlicherweise sehr abrupt und endet offen, so dass die Hoffnung bestehen bleibt, dass Bardelle bald eine Fortsetzung der Abenteuer von Amandus Greif nachlegt.

Die Geschichte gehört sicherlich nicht zur so genannten ‚hohen Literatur’, doch Genre-Fans dürften voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Die Story ist nicht der erwartete Großangriff auf die Lachmuskeln, vermag aber ein, zwei triste Nachmittage kurzweilig zu gestalten. Wer sich aber ein wenig ernsthafter und bodenständiger unterhalten möchte, sollte die knapp zehn Euro anderweitig investieren.

Das Cover von Folko Streese ist ebenso schrill und bunt wie die Geschichte von Frank Bardelle. Das Taschenbuchformat des Otherworld-Verlags liegt unheimlich gut in der Hand, und das Papier ist von erstklassiger Qualität. In Punkto Aufmachung hat Otherworld bei den Kleinverlagen die Nase vorn.

„Amandus Greif und die Spur der Prinzen“ ist ein harmloser, unterhaltsamer Fantasy-Spaß für Groß und Klein – kein Höhepunkt der humoristischen Phantastik, aber ein kurzweiliger, einfallsreicher Zeitvertreib. (FH)

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Tharador

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Juni 2009

Stephan R. Bellem
Tharador

Die Chroniken des Paladins 1
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 6/2007
TB, Fantasy, 978-3-9502185-6-5, 356/995
Titelillustration von Jan Balaz
Karte von Pesch
Autorenfoto von N. N.

www.otherworld-verlag.com
www.srbellem.de
www.janbalaz.com

Der Kontinent Kanduras konnte einst von einer Schar Helden vor dem bösen Magier Karandras gerettet werden. Allerdings gelang es nicht, das Buch ‚Karand’, die Quelle allen Übels, zu vernichten. Stattdessen wurde es an einem geheimen Ort verborgen, mit einem Schutzbann versehen und sollte für alle Zeiten von den Zwergen gehütet werden.

Jahre später begibt sich der machtgierige Magier Tarvon Xandor auf die Suche nach dem verschollenen Buch. Er will sich die ganze Welt untertan machen und scheut vor keiner Untat zurück, um sein Ziel zu erreichen. So hetzt er die Orks zu einem Krieg gegen die Menschen auf und macht einen bislang unbescholtenen Soldaten zu seiner Kreatur. Daraufhin wendet sich Dergeron gegen seine alten Kameraden, insbesondere gegen Tharador.

Dieser wird seit einer geraumen Weile von merkwürdigen Träumen geplagt. Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, desertiert er zusammen mit seinem Freund Queldan.

Unterwegs schließt sich ihnen der Berserker-Zwerg Khalldeg an – und es kommt zu einer ersten Begegnung mit Dergeron und Xandor. Der finsteren Magie haben die tapferen Kämpfer wenig entgegenzusetzen.

Während für Queldan jegliche Hilfe zu spät kommt, rettet im letzten Moment ein Unbekannter Tharador und Khaldegg das Leben.

Tharador erfährt nun endlich von seiner Abstammung und seiner Aufgabe: Er ist der neue Paladin, der auserwählt wurde, Kanduras vor Xandor und der Macht des Buches ‚Karand’ zu schützen. Weitere Gefährten stoßen hinzu, darunter der Elf Faeron und die Diebin Calissa. In den Händen dieser zusammen gewürfelten Gruppe liegt nun das Schicksal der Welt…

Gerade die Fantasy ist sehr ausgeschöpft, und es fällt den Autoren immer schwerer, etwas Neues zu erfinden. Stephan R. Bellem ist es in „Tharador“ leider nicht gelungen, mit einigen überraschenden Einfällen aufzuwarten und eine spannende, abwechslungsreiche Handlung aufzubauen. Die Story entpuppt sich als eine Sammlung bekannter Versatzstücke, die Protagonisten entsprechen gängigen Archetypen, der Stil ist so pathetisch, dass sich das Buch fast schon wie eine Parodie liest.

Zum Paladin ernannt entwickelt sich Tharador schnell zum überlegenen Superhelden. Queldan als Heldenbegleiter wird früh durch andere Gefährten ersetzt, denn ein tragisches Opfer muss verdeutlichen, wie skrupellos die Widersacher sind. Mit Faeron, Khalldeg und Calissa kommen Standard-Völker und –Figuren wie Elfen, Zwerge und Diebinnen/Ex-Prostituierte ins Spiel. Der Magier Gordan muss im Hintergrund bleiben, sonst hätte es Tharador zu einfach. Die Bösen sind natürlich böse, allen voran der finstere Magier Xandor, sein Handlanger Dergeron, die Orks und die Goblins.

Der Autor hat damit praktisch jedes Volk abgehakt, das seit dem „Herrn der Ringe“ scheinbar in keinem heroischen Fantasy-Roman fehlen darf. Aber was bei Wolfgang Hohlbein, Markus Heitz, Alfred Bekker und einigen anderen funktionieren mag, klappt nicht in jedem Fall. Freilich kann man auch nicht den umgekehrten Pfad beschreiten und alles weglassen, was bereits in unzähligen Büchern durchgenudelt wurde, doch ein Mittelweg und mehr eigene Ideen wären sicherlich machbar gewesen.

Positiv fällt auf, dass der Orkkönig Ul’goth nachvollziehbare Motive hat, die ihn aus dem Einerlei an Bösewichtern herausheben. Nach der Eroberung der Stadt Suran möchte er sich dort mit seinem Volk niederlassen und es aus der Barbarei holen.

Schade, dass Stephan R. Bellem nicht öfter versucht hat, sich durch solche Details von den Genre-Klischees zu lösen.

Auch die übliche Reise, die die Helden durch die Lande führt und sie das eine oder andere Abenteuer erleben lässt, bevor es zum Showdown kommt, fehlt nicht. Das Buch endet, wie erwartet, und die Weichen werden sogleich für die Fortsetzung gestellt.

„Tharador“ möchte High Fantasy sein, ist aber eher Sword & Sorcery und weit von dem entfernt, was man beispielsweise durch Robert E. Howards „Conan“, Fritz Leibers „Fafhrd & Grey Mouser“ oder Michael Moorcocks „Elric von Melniboné“ mit dem Genre verbindet. Gerade dem lese-erfahrenen Publikum bietet der Auftakt-Band der „Paladin“-Trilogie nichts Neues.

Nur jüngere Leser, für die ein Fantasy-Roman eine Quest, den Kampf von eindimensional Guten gegen die ebenso eindimensional Bösen, Tolkiens Völker und Genre-Archetypen beinhalten muss, werden sich von der Lektüre gut unterhalten fühlen. (IS)

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Tharador. Die Chroniken des Paladins 01.

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Herbst: Beginn

Erstellt von Detlef Hedderich am 13. März 2009

David Moody
Herbst: Beginn

Autumn, GB, 2001 (u. a. kostenlose Online-Ausgabe)
Otherworld Verlag, Graz (A), 9/2007
TB, Horror, 978-3-95021-857-2, 289/995 (sfbentry)
Aus dem Englischen von Michael Krug
Titelillustration von Jan Balaz
Personenregister am Ende des Romans

www.otherworld-verlag.de
www.djmoody.co.uk/
www.janbalaz.com/

Es geschieht an einem vollkommen normalen Morgen mitten in der Woche: Plötzlich ersticken Millionen Menschen und fallen im wortwörtlichsten Sinne tot um. Die Überlebenden sind ein verschüchterter Haufen Menschen, die sich mit Mühe an die bisher bekannten Verhaltensregeln halten.

In einem baufälligen Gemeindezentrum im Norden Englands liegt so eine kleine Enklave Überlebender, unter ihnen die drei Protagonisten dieses Romans: Emma, Michael und Carl. Sie alle fallen von Anfang an auf in den mageren Resten derer, die den Tod überlebten, und so tut es auch nicht Wunder, als sie schließlich ihr Glück anderswo versuchen.

Doch keiner der drei rechnete damit, dass die Toten aufstehen würden…

Wer jetzt seufzend denkt und wieder so ein Zombie-Roman, dem sei beigepflichtet.
Was der noch relativ frische und innovativ erscheinende Otherworld Verlag seinen möglichen Lesern zuwirft, ist gerade in den letzten Jahren einmal zu oft wiedergekäut worden. Aus diesem Roman eine Reihe machen zu wollen, grenzt geradezu ans Groteske, denn schlimmer geht’s nimmer wird hier wohl nicht zutreffen.

Aber warum? Nun, die Antwort ist recht einfach. Die in der Vita des Autors so hoch gelobten lebensechten Figuren könnten gar nicht stereotypischer sein: Carl, der Gebeutelte, der sich um seine Familie sorgt, Michael, der Held wider Willen, der natürlich zarte Bande ignoriert, die ihn mit Emma, der natürlich einzigen und äußerst hilfsbedürftigen Frau in diesem Trio, binden. Da versteht selbst ein Laie mehr von Medizin als sie, die ja Medizin studiert hat…

Zum zweiten gibt es einen gewissen Widerspruch im Roman. Zu Anfang weiß niemand, was genau geschehen ist. Dass die Katastrophe vielleicht nicht nur Großbritannien betrifft (wobei die Betonung eindeutig auf vielleicht liegt, denn letztendlich weiß es keiner der Probanten bis zum Schluss), wird zwar recht schnell klar – allerdings auch nicht wirklich endgültig geklärt. Dann, plötzlich, reden alle nur noch von einem ‚Virus’. Sicher mag das nahe liegen, allerdings klärt der Autor das bis zum bitteren Ende nicht. Es kann auch andere Ursachen geben, man muss sich nicht an Ego-Shooter-Games par Excellenze halten.

Dazu kommt die wirklich von der ersten Seite an vorhersehbare Handlung. Wer einschlägige und gerade in den letzten Jahren boomende Zombie-Filme und diverse Remakes gesehen hat, weiß, worauf er sich verlassen darf. Stellenweise fragt man sich beim Lesen, wer zuerst da war, das Remake von „Dawn of the Death“ oder „Herbst: Beginn“. Selbst wenn nicht soviel Blut und Gemetzel (naturgemäß!!!) stattfinden, wirklich ergiebig ist das Ganze nicht, eher ermüdend. Da legt man lieber eine DVD ein und lässt sich berieseln…

Schließlich und endlich muss leider auch die Übersetzung dran glauben. Ob Herr Krug besonders innovativ sein wollte oder einfach nur unter dem ‚Keine-Lust-Virus’ litt, es gibt einige wirklich üble Patzer im Roman, die aus der sonst guten Sprache herausstechen und wirklich wehtun. Dabei hat der Übersetzer doch schon öfter gezeigt, dass er es kann. Was also stimmte nicht?

Alles in allem ein wirklich schwacher Auftakt zu dieser Horror-Reihe. Das einzige wirklich Positive ist das hervorragende Titelbild; auf den Rest kann der Leser tatsächlich verzichten. (RSch)

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Herbst: Beginn: BD 1

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