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neuauflage

Die Wüsten Geschichten – Die Wahrheit über Sindbad, Aladin und Co

Erstellt von Werner Karl am 11. Mai 2012

Aster, Christian von
Die Wüsten Geschichten
Die Wahrheit über Sindbad, Aladin und Co
 
Periplaneta; 1. Auflage 03.2012
Aus der Reihe: Edition Drachenfliege
Orientalische Märchen, 1001 Nacht
ISBN 978-3-940767-89-9
*Musik u. Audiobearbeitung von Kery, David C.
Texte geschrieben und gesprochen von Christan von Aster
Seiten/Umfang: ca. 72 Seiten/13,5 x 13,5 cm
Buch (Paperback) & CD (Laufzeit ca. 51 min.)

www.periplaneta.com
www.vonaster.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Wer kennt sie nicht, die „Geschichten aus 1001 Nacht“? Oh, Entschuldigung, die ganz Jungen unter uns wohl nicht mehr, die hängen an ihren Elektronik-Kisten und dillern, was das Zeug hält. Vielleicht sind aber einige von ihnen durch solche Spiele/Filme wie „Prince of Persia – Sand der Zeit“ (2010) auf den – orientalischen – Geschmack gekommen und sind genau wie wir damals von den Geheimnissen des Orients fasziniert.

„Ali Baba und die 40 Räuber“, „Der Dieb von Bagdad“, „Sindbad, der Seefahrer“ usw. führten und führen uns auch heute in einen Teil der Erde, der so völlig anders ist als Europa. Bildschöne Frauen, traumhafte Landschaften und ungewöhnliche Speisen sind da ja noch die realistischen Bestandteile. Verwoben mit fliegenden Teppichen, Wunderlampen, sich magisch öffnenden Schatzkammern und dergleichen mehr machen sie aber erst so richtig Lust auf diese Abenteuer.

Aber wir wissen längst nicht alles, was o. g. Helden und Schurken, getan, erlebt oder erlitten haben. Christian von Aster zeigt uns hier seine Sicht auf scheinbar bekannte Märchen. Seine äußerst angenehme Stimme vermag es, sich in die verschiedenen Rollen zu wandeln, ist stimmungsvoll, flüsternd, drohend, humorvoll, hintersinnig und wirklich ein Hörgenuss. Ich rate jedoch allen, zuerst die Geschichten und Gedichte zu lesen und sich erst danach die CD anzuhören. Schließen Sie dabei die Augen … und Sie werden sich Seite an Seite mit Ali Baba in der Wüste wiederfinden … Schätzen und Dschinns nachjagen und die Sonne auf der Haut spüren.

Dürfte ich 10 von 10 goldenen Drachmen verteilen, erhielte der Wort- und Sprach-Dschinn Christian von Aster alle 10. Am Lagerfeuer und warmen Sommerabenden ein wunderschönes Bändchen, um daraus Kindern und Erwachsenen vorzulesen. Mein Dank an den Verlag Periplaneta. In Zeiten von Krach-Peng-Bumm-Produkten so ein wunderschönes Teil zu verlegen, ist mutig und sollte durch viele Nachfolgebände weitergepflegt werden.

CD Inhalt:
1. Gin*
2. Sheikh Fahouds Panther*
3. Der letzte Räuber Ali Babas*
4. Miasmatisches Mirakelspiel am Rande des Bazars*
5. Sheherazades vollständige Entschleierung*
6. Aladins Erben
7. Der Diebesprinz von Yashnapur*
8. Sindbads vermutlich letzte Reise*
9. Die finale Arabeske (Instrumental)*

Copyright © 2012 by Werner Karl

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Für die Liebe, für die Kunst

Erstellt von Werner Karl am 27. November 2011

Lukas, Clint
Für die Liebe, für die Kunst
Stories ohne Kompromisse

Verlag: Periplaneta
Aus der Reihe: Edition Mundwerk
Erscheinungsdatum: 1. Auflage 09.2011
ISBN 978-3-940767-81-3
Poetry-Slam
Einband – flex. (Paperback)
Seiten/Umfang: ca. 120 S. – 19,0 x 13,5 cm
Extra: Audio-CD mit 10 ausgewählten Texten
Geschrieben und gesprochen von Clint Lukas

www.periplaneta.com
www.aml-media.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Berlin. Unsere Hauptstadt. Unsere Visitenkarte für die Welt in Sachen Politik, Kultur und Sozialfälle aller denkbaren Sorten. Arm aber sexy. Und die Stadt, die von Clint Lukas geliebt und heimgesucht wird. Zwar in Neustadt an der Weinstraße geboren, hat er sich aber in Berlin perfekt integriert. Sozusagen ein echter Berliner mit rheinland-pfälzischem Migrationshintergrund.

Die Bühne des Poetry-Slam ist Lukas´ zweites zuhause. Dort passt er wie die Faust aufs Auge und seine kleinen kompromisslosen Geschichten dürften so manchem Berliner aus der Seele sprechen. Wie viel davon Klischee ist (Ficken, Saufen, Kotzen, nix arbeiten, rumlabern, irgendwas mit „Kunst“ machen, irgendwann „groß rauskommen“) muss er uns selbst mal sagen. Aber jede einzelne Story trifft den Nagel auf den Kopf. Eben kompromisslos.

Dabei ist er witzig, sentimental, ein Partyanimal und ein Arschloch, wenn er seine Freundin zum x-ten Mal mit irgendeiner Tussi betrügt. Aber ist der Clint in den Geschichten auch der reale Clint? Oder pflegt er die Rolle des Außenseiters, des ewigen Verlierers, des Beziehungsunfähigen und des unerkannten Genies, um noch mehr Weiber- und Saufgeschichten aufschreiben zu können? Autobiografie oder gut gewählte Szenen, in denen sich der Real-Berliner wiederfindet und sich bedauernd/stolz/befriedigt auf die Schulter haut und denkt: „Ja, ick bin so. Und mene Alte is jenauso.“?

Die 120 Seiten lesen sich flott und sind genau das, was auch ich mir als Bayer, nein als Franke, von Berlinern schon immer gedacht habe. Und trotzdem nagt in mir die Befürchtung, dass ich Lukas auf den Leim gegangen bin und er mit listig schmunzelndem Grinsen und einer lässig im Mundwinkel qualmenden Kippe sich totlacht, über meine Vorurteile gegenüber der Stadt, seinen Bewohnern und der ewigen Betonung, dass diese Stadt so cool ist, der Inbegriff von Leben und Kunst ja sowieso.

Und er ist fähig, seine Stimme zwischen seinem Alter Ego, seinen Kumpels und diversen Weibern hin und her wechseln zu lassen. Seine 10 besten Geschichten liest er mit Coolness und Emotion zugleich und wieder tappe ich ihm in die Falle. Spaß macht das Büchlein samt CD aber in jedem Fall.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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Victorianisch

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2011

Victoria-Louise Seifried
Victorianisch

periplaneta
ISBN 9783940767615
Kurzgeschichten, Slam
Originalausgabe 2010
Broschiert, 90 Seiten mit CD

www.periplaneta.de

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Mundwerk …

Hinter diesem Wort verbirgt sich so einiges. Gibt man es bei einem bekannten Internetsuchdienst ein, so erfährt man beispielsweise, dass es eine Vereinigung von Kieferorthopäden gibt, die sich so nennt, oder auch ein internationales Filmcatering für Kino – Fernsehen – Werbung – Musikproduktionen und Tourneeservice mit mobilem Aufenthaltsraum. Ein deutschsprachiges A-Cappella-Comedy-Ensemble findet sich ebenso wie ein Theater gleichen Namens.

Kürzlich fand ich das Wort bei einem Titel aus dem Programm des Verlages periplaneta, der immer wieder für positive Überraschungen in meinem Bücherregal bzw. beim Lesen der Bücher, bevor sie in besagtes Regal wandern, sorgt. Das Buch aus der Edition Mundwerk (die sich mit Bühnentexten, Comedy, Kabarett und Slam beschäftigt) ist mit seinen 13,5 x 13,5 cm und 90 Seiten ein eher kleiner Vertreter seiner Sorte, doch kann es Victorianisch inhaltlich betrachtet durchaus mit den größeren aufnehmen. Ergänzend sind die Buchtexte mit einer CD versehen. Alles wurde von der Autorin Seifried verfasst und gesprochen. Einige Titel auf der CD kann man im Buch nachlesen, sie sind gegenüber denen, die sich nicht dort finden, bis auf die letzte Nummer mit der Musik von „Big Plaice in the Desert“ untermalt. Interessierte können übrigens Hörproben auf der periplaneta-Seite finden.

Das Buch selbst ist – nicht nur auf dem Umschlag – mit Fotos versehen, die die Autorin zusammen mit dem Shar Pei Pucca harmonisch auf einem Sofa zeigen. Während außen Hochglanz und Farbe wirken, verblassen innen die Motive in ihrer Schwarz-Weiß-Optik keineswegs (allein die Schuhe würden mich nach dem Buch greifen lassen….).

Seifrieds Seite bei myslam.net verrät, dass die junge Studentin der Psychologie, Philosophie und Politikwissenschaften sich seit 2007 im Bereich Poetry- oder Saal-Slam engagiert und gleich im ersten Jahr Berlinmeisterin wurde. Neben zahlreichen Auftritten bei Kulturprojekten, Wettbewerben und Lesungen kann man sie neben YouTube auch seit 2008 wöchentlich im Fernsehen bei Lettra TV finden. Und wer den Quatsch Commedy Club kennt, der weiß vielleicht auch, dass sie sich dort im Wettbewerb so gut durchgesetzt hat, dass sie diesen Monat im Finale für den Titel Quatsch Comedy Talent 2011 kämpft.

2010 unterschrieb sie bei periplaneta und in diesem Zusammenhang kam Ende des vergangenen Jahres das Buch mit CD in der Edition Mundwerk heraus, das momentan vor mir liegt, bzw. gerade auch aus den Lautsprechern um mich herum schallt. In ihren kurzen Prosa-Texten und Gedichten widmet sich die junge, vielversprechende Autorin querbeet Themen in unserer Gesellschaft.  Dingen, die ihr im Alltag begegnen. Ihren Namen zum Programm machend, nutzt sie dabei ihre Sprache – Viktorianisch. Das ist für sie nämlich nicht einfach nur ein Zeitalter oder eine Modeerscheinung, wie sie gleich eingangs erklärt. Gleichzeitig kann man aber auch erkennen, dass es nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Lebenseinstellung ist.

Wer mit offenen Augen, einer gesunden Portion Neugier und auch mit der Tendenz sich für gewisse Dinge mal in die Nesseln zu setzen, durchs Leben geht, der kann wie Seifried mit einem witzigen und selbstironischen Augenzwinkern und bisweilen auch mit biestiger Eloquenz in konzentrierten Pointen so profane Dinge wie Eiscreme und Schokolade, das seltsame Verhalten an Heiligabend oder gesperrte Kreditkarten thematisieren. Gleichzeitig aber auch Missstände (wie etwa in Viitourol începe), Ängste und andere Emotionen ansprechen und dabei den erhobenen Zeigefinger aufrüttelnd und nachdenklich machend, nicht aber hochmütig belehrend wirken lassen. Die von Seifried beschriebenen und/oder gesprochenen Episoden gehen bei aller Kürze unter die Haut. Sie fesseln durch Humor und Besinnung, durch Wortwahl wie durch Betonung.

Fazit

Buch und CD überzeugen, machen förmlich Lust auf mehr und bekommen fünf Punkte von fünf Punkten.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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Armageddon TV

Erstellt von Werner Karl am 13. April 2011

Christian von Aster
Armageddon TV

Periplaneta Verlag, 2011 (2.Aufl.)
Social Fiction
ISBN 978-3-940767-72-1
Umfang: 216 Seiten
Cover: Johannes Schönfeld

www.vonaster.de
www.periplaneta.com

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In gar nicht so ferner Zukunft ist Fernsehunterhaltung auch der brutalsten Art auf dem absteigenden Ast; die Zuschauerzahlen sinken permanent und der faktisch den Markt beherrschende Medien-Konzern Poe Network sieht nur eine Chance auf Besserung: Es muss ein neuer Knüller her. Und dafür ist ihm jedes Mittel Recht …

Eigentlich möchte ich hier gar nicht mehr verraten, denn dafür ist von Asters gnadenlos bösartige Aussicht auf zukünftige TV-Formate einfach viel zu gut, und weil,  trotz aller bissigen Mediensatire sie nur allzu realistisch, ja – wie zu befürchten – sogar wahrscheinlich ist.

Da gibt es ein aktuelles „Spiel“, in dem sich bis an die Zähne mit scharfen Waffen ausgerüstete Mannschaften im wahrsten Sinne des Wortes bekämpfen. Maschinengewehre, Granaten, bis hin zu Panzern und anderem sonst nur Militär und Polizeisondereinheiten vorbehaltenen Waffen, stehen ihnen zur Verfügung. Nur ein verwundeter, letztlich ein toter Gegner, ist ein guter Gegner. Das „Spiel“ erinnert an Szenen aus Rollerball, einer frühzeitigen, verfilmten Variante dieses Spiel, bei dem ebenfalls getötete Gegner aus den Überlebenden Sporthelden machten und niemand in ihnen Mörder sah, geschweige denn, das Spiel selbst als pervertierte Ware für das übersättigte Publikum und die von normalen Sportevents gelangweilte Gesellschaft.

Von Asters Roman ist die konsequente Weiterentwicklung von Formaten wie Big Brother und Dschungelcamp mit der Lust am Voyeurismus, Paintball, Ego-Shootern und anderen brutalen Killerspielen. Wenn einmal die Gesellschaft so abgestumpft ist, dass ihnen nur noch hochauflösende Plasmabilder effektvoll in 3D ins Wohnzimmer spritzende Blutfontänen einen Kick – und den Medienkonzernen die benötigten Einschaltquoten – liefert, dann haben wir Armageddon TV erreicht.

Saugut. Gnadenlos. Prädikat Empfehlenswert. Mit einer Ausnahme: Holländische TV-Manager sollten dieses Buch nie in die Hände bekommen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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Der rote Ozean

Erstellt von Werner Karl am 31. März 2011

Marcel René Klapschus
Der rote Ozean

periplaneta
ISBN 9783940767639
Fantasy
1. Auflage 2011
Taschenbuch, 222 Seiten

www.periplaneta.com
www.marcel-klapschus.com

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Der 1986 im damaligen West-Berlin geborene Autor veröffentlichte sein erstes Buch „Yuma 23“ 2007 als kostenloses E-Book, 2008 erschien bei BOD „Die Rückkehr der Phoenix“. Im Jahr 2009 begann der in Schleswig-Holstein lebende Informatiker mit der Arbeit an Der rote Ozean. Zwölf Monate später stand die Rohfassung des 2011 von periplaneta veröffentlichten Romans. Da Klapschus der westlichen Wertegesellschaft nach eigenen Aussagen kritisch gegenübersteht, handelt Der rote Ozean von einem Glaubenskrieg der zu einem Endzeitszenario führt. Der Autor hat seine Geschichte ins Jahr 2027 verlegt und bietet ihr einen Zeitrahmen bis Anfang 2030, bevor er im letzten Kapitel einige Jahre weiterspringt. Die Handlungsorte sind der Nahe Osten, mit Israel und dem Libanon, sowie die Ostküste der Vereinigten Staaten. Die Orte könnten teilweise beliebig getauscht werden, die Geschichte selbst jedoch ohne Weiteres auch im hier und jetzt spielen, da er keine technischen Fortschritte oder Neuerungen beschreibt.

Die Dystopie mit fantastischen Elementen handelt von Brian. Einem jungen Amerikaner mit libanesischen Wurzeln, der mit seinen Eltern aus den Staaten in den Nahen Osten gezogen ist. In der Familie gibt es Muslime wie Christen und Klapschus streift kurz das, was die Menschen in dieser Region tatsächlich teilweise leben – religionsübergreifende Beziehungen trotz aller politischen und religiösen Schwierigkeiten. Doch all das endet, als ein seltsames Wesen einen gewaltsamen Tod findet, das von beiden Seiten als göttlich anerkannt und für sich beansprucht wird. Schuldzuweisungen führen zu einem unerbittlichen Krieg. Was in der Realität bereits seit Jahrhunderten immer wieder im Kleineren aufflammt, wird hier bis zur bitteren Neige ausgetragen und bekommt noch eine neue Dimension. Denn zeitgleich beginnt sich der Ozean blutrot zu verfärben. Der Regen, der vom Himmel fällt, ist genauso gefärbt. Wasser schmeckt nicht mehr wie Wasser und ganze Kontinente versinken unaufhörlich in der nicht aufzuhaltenden roten Flut. Die Covergestaltung passt in ihrer eher minimalistischen Art sehr gut. Es zeigt auf einem Felsen in einem blutroten Meer einen zusammengekauerten Engel, dessen erhobene Flügel (genau wie die Schrift) von einem blutigen Regen durchnässt werden.

Obwohl Klapschus einen relativ einfachen Schreibstil erkennen lässt und seinen Roman in kurze Kapitel teilt, was dazu führt, dass man die Geschichte in einem Rutsch durchlesen kann, macht er es dem Leser gleichzeitig nicht ganz einfach, an Der rote Ozean dran zu bleiben. Er bedient sich einiger Klischees und bleibt in seinen Beschreibungen nicht wirklich durchgehend logisch oder konsequent. Passend zu den dystopischen Elementen sind seine Figuren blass. Einzig sein christlich getaufter Hauptcharakter Brian, mit dem er wenig zartfühlend umgeht und aus dessen Sicht (wenn auch nicht von ihm) Der rote Ozean erzählt wird, wird etwas klarer herausgearbeitet. Doch wirkt er wenig sympathisch, oft mürrisch, feige und stellenweise geradezu fatalistisch stupide.  Er ist neben der jungen Muslima Khayra anscheinend der Einzige, der einen nuklearen Angriff auf Beirut unverletzt überstanden hat und gilt als eine Art Erlöser der Menschheit, ist aber definitiv kein Held.

Ich kann nicht behaupten, dass das Buch ganz schlecht ist, dafür ist allein die Grundidee viel zu gut. Auch der Engel der Brian ab dem Angriff auf Beirut immer wieder besucht, hat mir gefallen. Dasselbe gilt auch für das Ende, das sich im Kapitel 62 auf etwas mehr als einer Seite findet. Ich würde zu viel verraten, wenn ich jetzt explizit darauf eingehe, was dort vorkommt. Es scheint mir jedoch der einzig logische und vor allem richtige Schluss für viele Probleme, die die Erde derzeit hat. Ebenfalls gut fand ich, dass der Autor trotz des Religionskrieges keine missionarisch wirkende Partei für Muslime oder Christen ergreift, sondern den Fokus hier eindeutig auf den zerstörerischen Fanatismus richtet.

Doch es gibt zu viele Tatsachen, mit denen man einfach ohne weitere Erklärung konfrontiert wird, die jedoch dringend einer solchen bedurft hätten. Es gibt zu viele Wenn und Aber in der Geschichte. Zu viele glückliche Zufälle, die Brian betreffen. Vieles mag in der künstlerischen Freiheit begründet liegen, alles lässt sich damit jedoch nicht begründen. Obwohl Klapschus es geschafft hat, die geringe Lernfähigkeit der Menschheit beziehungsweise deren religionsübergreifende Verbohrtheit zu vermitteln, gibt es zu viel Störendes, als dass mich Der rote Ozean wirklich begeistert hätte. Möglicherweise wäre es sinnvoll gewesen, aus dem jetzt vorliegenden Roman eine allenfalls 100seitige Novelle zu machen oder ihn um mindestens 400 Seiten auszubauen. Dann hätte vermutlich die Chance bestanden, ihn so packend zu formulieren, wie die Idee es verdient. Wer die Geschichte unvoreingenommen lesen möchte, sollte den Rest meiner Buchbesprechung auf keinen Fall lesen, denn darin möchte ich ein paar Beispiele aufführen.

Beginnen möchte ich mit dem Wesen, das gleich zu Anfang des Romans auftaucht und umkommt. Völlig unabhängig davon, dass Brian den Vorfall, bei dem er zugegen ist, unsinnigerweise eher als Anschlag auf sein Leben bezeichnet, wundert sich niemand wirklich über das Wesen an sich. So etwas gab es anscheinend vorher noch nicht. Obwohl Menschen vor Ort waren, gibt es keine wirklichen Zeugen. Es gibt mageres Bildmaterial, aber genau genommen weiß niemand, was dort wirklich passiert ist. Das hindert Muslime wie Christen jedoch nicht daran, das unbekannte, sich wieder ins Nichts auflösende Wesen aufgrund eines einzigen, gesprochenen Satzes sofort als göttlich zu erkennen, für sich zu beanspruchen und den mehr als vage beschriebenen Mord auf grausamste Weise zu rächen.

Kurz darauf findet ein Attentat statt. Für dieses wird laut Regierung der christlichen Welt – die sich Christliche Föderation nennt – Khayras Vater verantwortlich sein. Der soll eine Hochzeitsgesellschaft samt Gebäude in die Luft gesprengt haben und damit für Brian, der mit seiner Familie eben neben Khayra und ihrer Familie dort anwesend war, der Mann sein, der den Tod seiner Familie verschuldet hat. Beirut wird im gleichen Augenblick mit Nuklearwaffen verwüstet und atomar verseucht. Oder war es doch Khayras Vater, der eine Atombombe gezündet hat? Wenn ja, scheint es fraglich, dass er das überlebt hat. Genauso wie es fraglich scheint, dass ausgerechnet er den eventuell doch eher kriegerisch erfolgten Gegenschlag zu dem angeblich auf das Wesen verübte Attentat überlebt hat. Das soll er aber laut Aussage der Christlichen Föderation, denn Brian wird nach seiner Ausbildung auf ihn angesetzt und soll ihn töten und will es auch tun, damit seine Familie gerächt ist. Ein Selbstmordattentat wäre tatsächlich nachvollziehbar gewesen, denn so etwas ist genau wie Fanatiker im Allgemeinen leider viel zu oft traurige Realität. Doch auf den Gedanken, dass Brians Familie auch durch den nuklearen Angriff ums Leben gekommen wäre und Brian auch gar nicht unterscheiden konnte, was denn nun zuerst erfolgte, kommt der Junge nach seiner Ausbildung nicht. Da erscheint es fast nebensächlich, dass Brian sofort erkennt, dass eine Atombombe gezündet wurde und er sich deshalb logischerweise vor Strahlung fürchtet. Aus dem Grund verzichtet er darauf, aus seinem praktischerweise wiedergefundenen Zuhause Nahrungsmittel mitzunehmen. Die gleichermaßen verstrahlten Decken oder Kleidung scheinen ihm jedoch absolut kein Kopfzerbrechen zu bereiten.

Es könnte natürlich daran liegen, dass der Autor, die Geschichte ins Jahr 2027 verpflanzt hat und er gedanklich davon ausgeht, dass in dieser Zukunft sogar in absoluten Katastrophenszenarien alles bis ins Kleinste weltweit überwacht wird. Die Herscharen von Mitarbeiten, die ein solches Überwachungssystem tragen, könnten durchaus im schriftstellerisch möglichen Bereich liegen. Ob diese Vermutung stimmt, ist jedoch offen. Denn leider bringt Klapschus das dem Leser zuvor nicht nahe und so scheint es wenig nachvollziehbar oder gar glaubwürdig, dass die Armee der Vereinigten Staaten Brian in dem radioaktiv verstrahlten, völlig verwüsteten Stück Land nur kurz nach dem Angriff findet, in die Staaten bringt und ihn als Soldat für den Glaubenskrieg ausbildet. Das alles übrigens, während zeitgleich die komplette Westküste der Vereinigten Staaten untergeht und dort Millionen von Menschen ein blutrotes und nasses Grab finden.

Ähnlich schwer nachvollziehbare Geschehnisse häufen sich. Liegt es an Streichungen? An Textpassagen, die der Überarbeitung zum Opfer fielen, das so vieles einfach als hinzunehmende Tatsache präsentiert wird? Dinge wie der Verlust von Brians Unterschenkels gegen Ende der Geschichte deuten fast darauf hin, denn mit dieser Tatsache wird man genau wie mit vielen anderen einfach konfrontiert, während anderes ausgeschmückt wird, das wenig aussagekräftig scheint.

Oder nehmen wir Khayra. Ihre Wandlung vom unschuldigen Teenager in eine Soldatin beziehungsweise Attentäterin bekommt man kaum mit. Die Wandlung an sich wäre nachvollziehbar. Was jedoch wenig authentisch wirkt, ist ihre Vorgehensweise bei den beiden Attentaten im Roman. Beide finden im Hoheitsgebiet der Christlichen Föderation statt. Bei dem, was Khayra vorhat, sollte man meinen, dass sie so lange wie möglich unsichtbar und angepasst an ihre Umgebung vorgeht, um ihre Mission zu erfüllen. Das tut sie aber nicht. Statt dessen hüllt sie sich in einem Land, das unerbittlich gegen Muslime vorgeht, in einen Tschador. Zieht das eine Mal zwar anscheinend feindselige Blicke auf sich, schafft es beide Male aber problemlos nicht nur den Sprengstoff, sondern auch sich selbst durch sämtliche Reihen und Sperren zu manövrieren. Diese Sache lässt sich nicht nur mit den Strukturen erklären, die zwangsläufig kollabiert sein müssen, sondern wirkt einfach nur wie ein Klischee.

Völlig unabhängig davon ist da noch die alles verschlingende blutrote Flut. 2012-gleich schaffen die Überlebenden beider Religionen es im Geheimen Archen zu bauen, die einen kleinen Teil der Bevölkerung retten können. Klingt logisch, wie sollte man sonst überleben, wenn die Erde versinkt. Was weniger logisch ist, ist die Frage, wie das geklappt haben soll. Innerhalb weniger Monate geht Klapschus Erde sprichwörtlich unter. Abgesehen von Hunderten von Millionen Toten durch die Flut dürften auch die Zerstörungen und Toten durch die kriegerische Auseinandersetzung dazu führen, dass jegliche Infrastruktur weltweit komplett zusammenbricht. Trotzdem werden die Archen pünktlich fertig. Trotzdem kommen Briefe (von Khayra an Brian und umgekehrt, wenn auch mit einiger Zeitverzögerung) an, was wiederum dem aus Verständnisgründen angenommenen Überwachungsszenario widerspricht. Trotzdem findet sich genügend Benzin und Kerosin, dass Khayra mal eben vom Nahen Osten nach Amerika fliegen und Brian mal eben mit einem Auto zu einem Café kommen können, wo sie, tief verhüllt, alles in Schutt und Asche legt – bis auf Brian und sich selbst.

Weil sie ihn liebt und hasst? Das in der Inhaltsangabe stehende „In diesem Chaos begegnen sich Brian und Khayra, die sich lieben und hassen lernen….“ kann nicht überzeugen, sondern ist eine weiterer Punkt, der einfach behauptet wird. Am sich lieben lernen kann man als Leser nicht teilnehmen, da ihre gemeinsame Zeit, sich auf eher nichtssagende Minimalstbegegnungen beschränkt. Sie sprechen kaum miteinander und für Liebe auf den ersten Blick ist der angebliche Hass zu krass. Der wiederum ist hauptsächlich durch ein paar wenige Sätze von Leuten begründet, die ihnen einreden, dass die jeweils andere Religion an allem schuld und deren Vernichtung der einzige Weg ist, vor der roten Flut gerettet zu werden. Selbst Jugendliche – und als solche lernen wir Khayra und Brian zumindest flüchtig kennen (sie ist zu Beginn 15, er ein Jahr älter) – lassen mehr eigenständiges Denken erwarten, als die beiden trotz und Brian auch schon vor dem Trauma in Beirut erkennen lassen. Gleichwohl ist der angebliche Hass zwischen den beiden auch gar nicht vorhanden. Sie tötet ihn nicht, trotz passender Gelegenheit, rettet ihn quasi sogar mehr als einmal. Und auch er trägt mehr oder weniger einmal dazu bei, dass sie überlebt.

Das Wie und Warum, die angebliche Motivation für bestimmte Handlungen aller wird nicht erklärt und erscheint zum Teil mühsam konstruiert. Außerdem scheinen der Libanon und der Rest der Vereinigten Staaten trotz des riesigen Meeres dazwischen plötzlich sehr nah beisammen. Immerhin starten die Kampfjets an der Ostküste problemlos in ihren Einsatz im Nahen Osten. Direkt über einen Trupp in Ausbildung befindlicher Soldaten samt Brian, der gerade einen 3-Meter-Schutzwall gegen eine Flut stapelt. Eine Flut übrigens,  die jeglichen physikalischen Grundsätzen zum Trotz die Rockys völlig überschwemmt, den gerade gestapelten Schutzwall und die dahinter stehenden Häuser jedoch nur bedingt, bevor sie sich wieder zurückzieht. Nicht nur hier zeigt sich übrigens etwas von der Feigheit Brians, die ich eingangs angesprochen habe. Er und seine Kameraden bekommen den Befehl, sich zurückzuziehen, als die Flut immer näher kommt. Sie fliehen (warum andere jedoch vor Ort bleiben oder bleiben müssen und fleißig weiter Sandsäcke wuchten, bleibt offen). Brian regt sich im Zusammenhang mit der Flucht über seine Kameraden auf, denen es scheinbar nichts ausmacht, einen weiteren Kameraden zurückzulassen und diesen dadurch zu verlieren. Macht er selbst etwas? Denkt er etwa daran, ihn zu retten? Dreht er um? Sucht er ihn? Nein. Stattdessen beobachtet er wenig später aus einem Hochhaus andere Soldaten, die immer noch fleißig stapeln und seinen verletzten Kameraden, der verzweifelt versucht, sich noch zu retten, bevor die Flut ihn einholt. Posthum ist er dafür der Einzige, der sich freiwillig um das Grab des entsprechenden Kameraden kümmert.

Ein Beispiel für die fatalistisch stupid wirkende Haltung Brians? Fast gegen Ende der Geschichte wird er von der Gegenseite gefangen genommen. Nach einem Flugzeugabsturz landen er und ein Muslim auf einer Insel im Meer, wo er … sagen wir mal die Erkenntnis gewinnt, dass die Motivation für diesen Krieg auf beiden Seiten nicht stimmen kann. Kurz darauf wird er von der eigenen Armee gefunden und quasi gerettet, wobei ihm nochmals vor Augen geführt wird, die dumm die Menschen sich verhalten. Ändert Brian nach dem eigentlich sehr klärenden Vorfall sein Verhalten? Nein, warum auch? Kaum bekommt er den Befehl, nimmt er die ihm in die Hand gedrückte Waffe und schießt auf alles, was muslimisch sein könnte. Auch seine Rettung ist – nebenbei bemerkt – kaum zu rechtfertigen. Der Marine egal welcher Armee dürfte es äußerst schwer fallen, sich ohne Karten und Kenntnisse über neu entstandene Untiefen, bzw. auf dem eigentlich doch ziemlich bewegt sein müssenden Ozean, zielgerichtet auf eine bis dahin unbekannte Insel zuzubewegen, um einen einzigen Mann zu retten. Vom Sinn oder Unsinn dieser Rettungsmaßnahme ganz zu schweigen, denn der gleichen Militärführung macht es ja nichts aus, ihn als angeblichen Erlöser in diesem Krieg kämpfen zu lassen.

Fazit

Der Autor möchte – wie er im Nachwort anmerkt – bewusst keine Antworten liefern. Wie er auf Seite 222 schreibt, möchte er den Leser dazu bringen, nach einem Besuch in einer fantastischen Welt, die Dinge aus dem Alltag mit einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es ist zweifellos eine schriftstellerische Kunst, die Gedankenwelt der Leser anzustoßen, mitzureißen, mitdenken zu lassen und letztlich doch dorthin zu führen, wohin der Autor sie haben möchte. Eine noch größere ist es, wenn Leser die so gewonnenen neuen Gedanken in ihren Alltag mitnehmen und gar integrieren, keine Frage. Das Fatale an Klapschus Umsetzung des wirklich guten Grundgedankens ist jedoch, dass sich mir automatisch unzählige Fragen zu fehlender Logik und Konsequenz (wobei ich das Ende selbst hiervon abgrenzen möchte) seiner Geschichte aufdrängen, jedoch kaum eine zu der problematischen Thematik selbst.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Die große Kannibalenschau

Erstellt von Werner Karl am 20. November 2010

CKLKH Fischer
Die große Kannibalenschau

periplaneta
ISBN 978-3940767608
historischer Roman
Originalausgabe 2010
Umschlaggestaltung
Taschenbuch, 240 Seiten

www.periplaneta.com
www.cklkh.de

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Zum Autor

Hinter dem auf dem Buchcover seltsam wirkenden Namen CKLKH Fischer verbirgt sich der Autor, Musik- und Kulturjournalist Christian Fischer. Neben seiner Tätigkeit für verschiedene Magazine wie etwa Melodie & Rhythmus oder auch Motor.de, war er Mitherausgeber der 2001 eingestellten Literaturzeitschrift Der kleine Dilettant. Doch damit nicht genug. Der Poet-2000-Stipendiat arbeitete in der Assistenz des Geschäftsführers des Maas-Verlages, lektorierte bei Heyne und Goldmann erschienene Bücher von Mark Pätzold und schrieb neben zwei Drehbüchern für Whiteport Film auch den hier vorgestellten Roman Große Kannibalenschau.

Zum Buch

Es ist abgesehen von Fischers Debütroman auch der 60. Roman aus dem Hause periplaneta. Gemäß der Inhaltsangabe entführt der Autor seine Leserschaft darin nach

Hamburg im September 1899.

In Europa ziehen Völkerschauen Millionen von Besuchern an. Sie bestaunen Eskimos, Beduinen oder Negerstämme, die im Zoo, Varieté und Zirkus zur Schau gestellt werden. Die Nachfrage nach den Wilden ist riesig. Und so sucht Agent Heinrich Hermann für die Spektakel im Tierpark Hagenbeck in den Kolonien nach den exotischsten Exemplaren. Eben zurückgekehrt von einer strapaziösen Reise nach Deutsch-Neuguinea, wo er einen Stamm Kopfjäger unter Vertrag genommen hat, genießt er die Zeit mit seiner Familie, die ihn viel zu selten sieht. Doch ihm ist nur wenig Ruhe vergönnt, denn eines Morgens, als er gerade beim Kaffee sitzt, meldet das Dienstmädchen aufgeregt:

„Herr Hermann? Da ist jemand vom Tierpark. Er sagt, Sie sollen schnell mitkommen. Er sagt, es eilt. Er sagt auch, Ihre Wilden würden – streiken.  Und sie hätten sich einen Anwalt genommen.“

CKLKH Fischers historischer Roman über die Zeit der Menschenzoos ist manchmal grotesk, oft auch etwas schräg und sehr kurzweilig. Tolle Unterhaltung für Wilde, Herrenmenschen und für deren Nachfahren.

Treffender könnte sein Roman nicht beschrieben werden. Der Autor hat das Buch in drei Handlungsstränge geteilt. Der Erste umfasst eine Reise Hermanns nach Neuguinea zur Beschaffung neuer Objekte für Hagenbeck. Der Zweite sein Leben, seine Familie und die Ausstellungszeit in Hamburg. Der dritte in die beiden anderen geschickt verwobene Strang Hermanns Kampf mit sich selbst.

Meine Meinung

In seinem Debütroman führt der Autor den Leser in eine bizarre und skurrile Welt, die faszinierend kurzweilig unterhält und gleichsam ein Gedankenkarussell in Gang setzt, das nicht so einfach zu stoppen ist. Der Roman selbst mag zwar fiktiv sein, die der Geschichte zugrunde liegende Idee besitzt jedoch durchaus einen historischen Kontext, an den sich Fischer größtenteils hält.

Es scheint einerseits schwer vorstellbar, was man zu lesen bekommt. Wer würde heute noch in einen Zoo gehen, um jemandem dabei zuzusehen, wie er kocht? Andererseits hat sich, auch wenn heute die sogenannten Wilden größtenteils zivilisiert sind und damit uninteressant geworden zu sein scheinen, doch ein ähnliches Phänomen bis in die heutige Zeit gerettet. Immerhin gibt es Menschen, die sich an irgendwelchen Orten zusammenpferchen lassen, um ihre Kunststückchen und verbalen Ergüsse für ihre Anhängerschaft vor laufender Kamera vorzuführen. Und noch immer finden sich weltweit seltsamerweise Zuschauer aus allen Bevölkerungsschichten, die mehr oder weniger gebannt zusehen.

Damals jedoch waren es Menschen, die – im Gegensatz zu den Figuren in Fischer Roman oder den Teilnehmern irgendwelcher Fernsehsendungen – vermutlich nicht freiwillig gekommen sind, um Hagenbeck-Besucher (oder die anderer Zoos, Zirkusse, Varietés) zu ergötzen. Menschen, die oftmals und allenfalls als Tiere bezeichnet und stellenweise weitaus schlimmer behandelt wurden. Aus ihrem natürlichen Umfeld und ihren Familien gerissen und zur Schau gestellt. Und, falls sie das Pech hatten hier einer der zahlreich auf sie einstürmenden Krankheiten zu erliegen, weit ab der Heimat und ihren Vorfahren nicht würdig beigesetzt, sondern eventuell seziert und für die Ewigkeit konserviert zu werden. Und das alles vielleicht, nachdem sie zuvor in ihrer Heimat bereits feststellen mussten, dass die seltsamen Fremden, die übers Meer zu ihnen gekommen waren, nicht so nett waren, wie sie anfangs schienen. Sie in bestimmten Situationen zwar als so menschlich betrachteten, dass sie für Mischlingsnachwuchs mit ihnen sorgten, ansonsten jedoch als amüsante Alternative zu sonstigen Haustieren oder als billige, beliebig austauschbare, arbeitende Kreaturen sahen.

Klingt bitter und nach keinem Kapitel unserer Geschichte, auf das wir stolz sein können, kommt aber dank Fischers Idee, die Wilden den Spieß umdrehen zu lassen, sie als geschäftstüchtige, durchaus gewiefte Figuren und nicht als absolut hilf- und willenlose Kreaturen darzustellen, anders herüber.

Exotische Länder und Lebewesen. Eine bei allem Mangel an Zivilisation lockende Freiheit. Eine gewisse Machtposition in der Fremde und die Chance auf Bewunderung, wenn er erfolgreich heimkehrt. All das steht seinem engen bürgerlichen, scheuklappenbehaftetem Dasein gegenüber. Mit all dem muss Fischers Protagonist fertig werden und zeigt die Tendenz, daran zu zerbrechen. Seine Erlebnisse, seine Ängste, seine Hoffnungen. Von all dem schreibt Fischer überaus lebendig und tiefgründig und schafft es gleichzeitig das Ganze dezent und unkompliziert zu gestalten. Sein humoriger Schreibstil und seine greifbaren Beschreibungen sowohl der einzelnen Handlungsschauplätze als auch der versnobten, ach so zivilisieren Bürgerschaft in Europa, respektive Hamburg, mit überaus bigotten Ansichten, machen seinen Debütroman zu einem Buch für mich, das ich mit Sicherheit nochmals lesen und gerne weiterempfehlen kann.

Fazit

Skurrile und kurzweilige Unterhaltung vor einer realen historischen Kulisse. Macht eindeutig Lust auf mehr.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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TROLL!

Erstellt von Werner Karl am 15. April 2010

trollChristian von Aster
TROLL!

Periplaneta, Edition Drachenfliege
ISBN 9783940767448
Fantasy
2. Auflage, Dezember 2009
Cover:
www.benswerk.de
Buch mit 2 Audio CDs
56 Seiten, 13,5 x 13,5 cm

www.periplaneta.com
www.vonaster.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Ich will dich warnen vor dem Übel, das da trägt den Namen Troll. Sieh dich vor im Wald wo der Troll im Schatten lauert. Und in den Bergen sieh dich vor, wo er zwischen Felsen ruht. Böse, dumm und gefährlich ist der Troll. Mehr nicht.“ Das ist es, was die Menschen seit jeher über sie berichten, über die Trolle. Und da sie nichts weiter sind als böse, dumm und gefährlich, haben es sich die Menschen zum Ziel gesetzt, sie auszulöschen: Die Trolle. Also macht sich Ragnar, in die Fußstapfen seiner Väter tretend, auf, mit 15 Jahren ein großer Trolljäger zu werden und möglichst viele Trolle landauf und landab zu besiegen und in Stein zu verwandeln.

Christian von Aster selbst liest in diesem Hörbuch die TROLL! Geschichte und trägt uns in sieben fantastischen Geschichten wundersame Dinge vor. Auf seiner Reise begegnet Ragnar den unterschiedlichsten Trollen. Er stellt bei jeder Begegnung ganz klar seine Absicht in den Vordergrund in dem er sich dem jeweiligen Troll vorstellt mit den Worten: „Ich bin Ragnar, Sohn von Leif, der heldenhaft im Kampf mit Trollen fiel und der ein Sohn von Einar gewesen. Trolljäger bin ich, wie schon meine Väter es waren, und sechs Steine um Linköping künden von meinem Ruhm.“

Tatsächlich jedoch kommt es bei allen Begegnungen nicht zum Kampf zwischen dem großen Trolljäger und den „bösen, dummen und gefährlichen Trollen“. Vielmehr erzählen die Trolle jeweils eine Geschichte und diese Geschichte ist vollkommen anders als Ragnar sie sich vorstellt. Dennoch verwandeln sich die Trolle auf wundersame Weise zu Stein und Ragnar wähnt sich ein großer Trolljäger zu sein. Mit einer fantastischen Stimme trägt der Autor selbst hier die Trollgeschichten vor und zieht den Zuhörer in seinen Bann. Die Wahrheit über die Trolle scheint vollkommen anders, als die Menschen sie seit jeher ihren Nachkommen vermitteln und so zeugen die Geschichten, die die Trolle erzählen vielmehr von der Bosheit, der Dummheit und der Gefährlichkeit der Menschen selbst. Sein wird hier zum Schein.

Eine TROLL Saga, die den Zuhörer einlädt sich Gedanken zu machen über Steine, Bücher, Gut und Böse und noch viel mehr. Besonders schön ist auch die Trollmusik, die den Zuhörer auf eine jeweils neue Geschichte einstellt. Neben den zwei Audio CDs enthält das Buch noch Angaben zu den Fragen wie der Autor zu den Trollen kam und wie Periplaneta trollig wurde. Das Einhornmärchen „Die letzte Jagd am Nimrodstein“ rundet das Ganze ab und vermittelt gleichfalls Gedankenansätze über das Verhalten des Menschen an sich.

Ein fantastischer Ansatz mit vielen Wahrheiten.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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