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neuauflage

Parasiten

Erstellt von Werner Karl am 26. Januar 2012

Marina Heib
Parasiten

Piper Verlag
ISBN 978-3-492-27300-8
Thriller
Erschienen Dezember 2011
Umschlagkonzept: semper smile, München
Umschlagmotiv: Artwork Cornelia Niere
Umfang: 336 Seiten, kartoniert

www.piper-verlag.de
www.marinaheib.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Marina Heib, geboren in St. Ingbert/ Saarland, lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Hamburg. Nach ihren Kriminalromanen “Der Bestatter”, (vormals veröffentlicht unter dem Titel: “Weißes Licht”), “Eisblut” und “Tödliches Ritual” und “Puppenspiele” ist “Parasiten” der fünfte Fall für die Sonderermittler um Christian Beyer.

Zur Handlung:

Ein toter junger Volontär einer Zeitung, ein weiterer Ermordeter aus angesehenem Kreis, der nicht auffindbare homosexueller Pianist Danylo, dann seine ebenso verschwundene beste Freundin und Musikerin Sofia  … in welchem Zusammenhang steht dieses? Zudem wurden in die Wunden der Opfer kleine Insekten platziert, die ihre Beute systematisch annagen. Auf welches Täterprofil würde dies deuten?

Kommissar Beyer der Soko Bund ist in diesem Fall sehr viel auf der Suche. An verschiedenen Orten, nach verschiedenen Personen. Und nach einem Tatmotiv, da die Opfer aus unterschiedlichen Schichten stammen sowie nach Zeugen, die nach kurzer Zeit nicht mehr oder nur sporadisch auffindbar sind. Dies macht es einer Falllösung doch sehr schwer. Jedoch müssen sich Hinweise in der Musikbranche finden lassen, denn Danylo und Sophie sind junge Künstler im aufsteigenden Bereich, Danylo hatte eine Beziehung mit dem ermordeten Volontär und einiges deutet auf die elitäre Gruppe der “Norddeutschen Musikabende” hin. Denn hier scheint es insbesondere auch um wichtiges verschwundenes und belastendes Material zu gehen … 

Mein Fazit:

Gemäß dem Klappentext, der Beschreibung des Buches und insbesondere des Titels erwartet man bei dem Buch “Parasiten” die Jagd auf einen Serienkiller, der seine toten Opfer mit den kleinen Tieren wie Milben, Spinnen und ähnliches Getier versieht. Ebenso reizte mich der zwar etwas schauderhafte Prolog sehr, wo ein Mann vergiftet und Bekanntschaft mit diesen Insekten macht, sowie ein weiteres Opfer schon angefressen aufgefunden wird. Eine nette Idee für einen psychisch Kranken, der sein Unwesen treibt. Doch dem ist in der Hauptsache hier nicht so. Letztendlich driftet die Suche nach dem Täter in viele andere Bereiche ab, es geht sehr vordergründig um das Geschäft mit dem Frauenhandel, die schmutzigen Machenschaften der Mitglieder einer Elitegesellschaft sowie das skrupellosen Mafiamethoden im Ostblock.

Die Geschichte selbst wirkt stellenweise auf mich sehr konstruiert und weist Längen auf, die sich leider auch auf die ansonsten durchgängige Spannung auswirken. Die vielen wechselnden Schauplätze zwischen Deutschland und den angrenzenden östlichen Ländern beeinflussen den klaren Handlungsstrang ebenso, die unterschiedlichen Ebenen im Erzählfluss, die mir in den vorherigen Bänden sehr gut gefallen haben, wirken hier teilweise störend. Die Brutalität der Zwangsprostitution lässt mich als Leser schon sehr nachdenklich zurück, da man hier sicher realistische Züge finden kann.

Zusammengefasst bin ich bei diesem 5. Band von Marina Heib hin- und her gerissen. Für mich persönlich hat sich nicht ganz das erfüllt, was ich mir von der Inhaltsangabe versprochen habe. Zu erwähnen ist aber die interessante Aufteilung des Buches in verschiedene Abschnitte mit Überschriften, die ich man, wenn man sich im musikalischen Bereich auskennt, als Ausdrücke der Vortagsbezeichnungen erkennen kann und sich im Bezug zur Handlung und den Protagonisten wieder finden lassen.

Ich denke, als Fan von Kommissar Beyer ist auch das Buch Nr.5 ein Muss, doch es ist meines Erachtens leider nicht das Beste aus der Reihe.
   
Copyright © 2012 by Sandra Stockem

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Nightshifted – Medizin um Mitternacht

Erstellt von Werner Karl am 21. Januar 2012

Cassie Alexander
Nightshifted – Medizin um Mitternacht
Nightshifted Band 1

Nightshifted  (2012)
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-26849-3
Fantasy
Erschienen 2012
Übersetzer Charlotte Lungstraß
Titelbild Sabrina Erken
Umfang 384 Seiten

www.piper-verlag.de
www.cassiealexander.com

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Autorenporträt

Cassie Alexander arbeitet sowohl als Krankenschwester als auch als Schriftstellerin. Am liebsten hat sie Alchemie, Blut und Wissenschaft – in genau dieser Reihenfolge. Als angehende Autorin nahm sie am renommierten Clarion West Workshop teil und gehört heute den Science Fiction Writers of America an. Ihre »Nightshifted«-Trilogie ist Cassie Alexanders phantastisches Debüt.

Vorwort

Mit “Nightshifted – Medizin um Mitternacht” legt Cassie Alexander ihren ersten Band der Trilogie rund um die Krankenschwester Edie Spence vor. Der zweite Band erscheint bereits im März unter dem Titel “Nightshifted – Visite bei Vollmond”. Der dritte Band ist in Arbeit.

Zum Buch

Edie Spence ist eine motivierte und junge Krankenschwester und sie arbeitet an einem Ort, von dem andere Menschen nicht einmal wissen, dass es ihn gibt: die Abteilung Y 4 im County West. Hier muss sie sich mit Spezies herumschlagen, mit der der Rest der Menschheit nur selten in Kontakt kommt: Zombies, Vampire und Werwölfe, um nur einige zu nennen. An allem schuld, ist nur ihr Bruder, der von einem Drogenentzug in den nächsten taumelt und dabei immer öfter die Grenze zum Tod streift. Um ihn clean zu bekommen, hat Edie eine Abmachung mit den unheimlichen Schatten getroffen. Als durch Edies verschulden auf der Arbeit ein Patient stirbt und Edie bei dem Versuch seinen letzten Wunsch zu erfüllen einen Vampir tötet gerät sie nicht nur zwischen die Fronten, sondern auch in Lebensgefahr …

Fazit

Bei diesem Roman kommen Leser die Aktion gepaart mit Liebeleien und Rätselraten lieben voll auf ihre Kosten. Auch der Thrillfaktor kam hier nicht zu kurz: eine Überraschung jagte die nächste und stellte nicht nur die Hauptprotagonistin vor neue Herausforderungen. Der Schreibstil und die gewählte Ich-Perspektive ließen den Leser tief in das Buch einsteigen und rissen ihn mit. Charaktere mit Ecken und Kanten und passender Hintergrundstory komplettierten den Roman und ließen Raum für eine weitere Entwicklung der Figuren in den Folgeromanen. Der Witz und Charme der Hauptcharakterin boten einem viel Raum zur Identifikation.

Ein Buch, das den Leser packt und Lust auf mehr macht.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

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Das Weltreich der Deutschen – Von kolonialen Träumen, Kriegen und Abenteuern

Erstellt von Werner Karl am 18. Januar 2012

Guido Knopp
Das Weltreich der Deutschen – Von kolonialen Träumen, Kriegen und Abenteuern

Pendo im Piper Verlag, München,
überarbeitete TB-Ausgabe: 09/2011
TB 6489, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-492-26489-1
Titelgestaltung von semper smile, München nach einem Entwurf
von glanegger.com
unter Verwendung von Abbildungen von Paul Almasy/Corbis und SZ Photo Scherl
Fotos und Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen

www.piper.de

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Als das deutsche Kaiserreich Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kolonien strebte, um im Reigen der Imperialmächte mittanzen zu können, war die Welt schon weitgehend von diesen aufgeteilt worden. Dennoch gelang es, Gebiete in Afrika und Asien/Ozeanien zu beanspruchen. Der Traum von Reichtümern und Lebensraumgewinn war jedoch sehr schnell ausgeträumt, da sich die Kolonien als überaus kostenintensiv entpuppten und obendrein die meisten Auswanderer Nordamerika bevorzugten. Vor allem Händler ließen sich in Deutsch-Südwest, Ostafrika und auf den Südsee-Inseln nieder, beuteten die Einheimischen aus und beraubten sie jeglicher Würde durch unmenschliche Gesetze.

Unruhen, Aufstände und Kriege waren die Folge und forderten auf beiden Seiten viele Opfer, die vermeidbar gewesen wären. Tatsächlich findet man in den Legitimierungsversuchen für die Unterdrückung und das Töten bereits das Motiv vom ‚Herrenvolk„ und den ‚minderwertigen Wilden„, das später in die Ideologie des Dritten Reichs Eingang fand. Eine gegenteilige Entwicklung lässt sich aber auch beobachten: So mancher, der die Kriegsgräuel erlebte, stellte die Kämpfe, das Töten und den Sinn der Kolonien infrage, doch fanden diese frühen Pazifisten kein Gehör und wurden zu Außenseitern in einer Gesellschaft, die die Übersee-Besitzungen aus Prestigegründen erhalten wollte und mit wohligem Schaudern die Zeitungsartikel über blutige Massaker und Menschenfresser las.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutschland sämtliche Kolonien aberkannt, mit der Begründung, dass die Besatzer den Einheimischen keinen Fortschritt sondern nur Schaden gebracht hätten – etwas, das auch den anderen Kolonialmächten anzulasten ist, aber der Sieger bestimmt bekanntlich die Regeln. Sachlich, kompetent und aus vielen Quellen zitierend schildert Prof. Dr. Guido Knopp die kurze Zeit Deutschlands als Kolonialmacht. Anders als in diversen Filmen, in denen edle Abenteurer, Händler, Politiker und Soldaten den sogenannten Wilden den Segen der Zivilisation bringen, sie als Freunde gewinnen und von ihnen unterstützt werden im Kampf gegen ihre eigenen verblendeten Stammesgenossen, wird in diesem Buch nichts romantisiert, beschönigt oder sogar verdreht.

Man erfährt, welche schwierige Situation die wenigen Kolonisten vorfanden, die ihr Glück in Deutsch-Südwest, in Ostafrika und in der Südsee machen wollten, welche Probleme auf sie zukamen, die sie teilweise durch die schlechte Behandlung der Einheimischen selbst verschuldet hatten, und die Folgen daraus. Während die Eingeborenen oft nur bemüht waren, der Folter und dem Hungertod zu entkommen, versuchten die Kolonialherren, mit Gewalt ihre Ansprüche durchzusetzen und kannten auch gegenüber Flüchtenden keine Gnade. Die Zahlen der Opfer sind erschütternd. Untermauert werden die Texte durch zahlreiche Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß, die passend ausgewählt wurden und nicht minder eindringlich sind. Eine Zeittafel, ein Personenregister und ein Verzeichnis weiterführender Bücher runden ab.

Zu Recht steht „Das Weltreich der Deutschen“ auf der Spiegel-Bestseller-Liste, denn der Autor informiert wertfrei und fachkundig über das Thema. Dank der vielen Zitate und Fotos liest sich das Buch auch nicht trocken. Es wendet sich an geschichtsinteressierte Personen, die mehr über die deutschen Kolonien erfahren wollen und bietet sich darüber hinaus als begleitendes Material für den Geschichtsunterricht in der Schule an.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Das Isis-Tor

Erstellt von Werner Karl am 15. Januar 2012

Marliese Arold
Das Isis-Tor

Piper Verlag, München, 05/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Urban Fantasy
ISBN 978-3-492-70168-6
Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung einer
Abbildung von Anke Koopmann mit Motiven von Shutterstock
Abbildungen im Innenteil von N. N.
Autorenfoto von Ernst Arold

www.piper.de
www.piper-fantasy.de
www.marliese-arold.de
www.guter-punkt.de
www.ankeabsolut.de
www.shutterstock.com

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Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die 35-jährige Archäologin Sonja Morhardt hat sich bereits damit abgefunden, nur das Anhängsel ihres Lebensgefährten, dem renommierten Ägyptologen Claus Bronnbach, zu sein, als ihr unerwartet eine Chance geboten wird. Der Leiter eine Grabungsstätte in Ägypten ist verschollen, und jemand soll seine Arbeit fortsetzen: die Suche nach dem Grab der Nofretete. Claus ist wenig begeistert davon, dass Sonja Umzug und Familienplanung hinten anstellt und zugreift – und tröstet sich prompt mit einer Studentin. Nach anfänglichen Problemen mit den neuen Kollegen vor Ort kann sich Sonja endlich ihrer Aufgabe widmen. Zufällig lernt sie den Physiker Jonas Steffens kennen, der eine Theorie über Zeitportale aufgestellt hat und in Ägypten Recherchen betreibt. Zwar kann sich Sonja mit seinen Ideen nicht anfreunden, doch dann stoßen die beiden auf „das Isis-Tor“ und finden sich in der Vergangenheit wieder, in die Ära Echnatons und Nofretetes.

Sogleich werden sie als Spione, die einen Anschlag auf den Pharao verüben wollen, festgenommen. Unerwartet Hilfe erhalten Sonja und Jonas von dem Wesir Nachtpaaten, der sich als Zeitreisender zu erkennen gibt, aber eine Gegenleistung für seinen Beistand fordert: Sie sollen für ihn das magische Totenbuch der Isis beschaffen, das vielleicht das Geheimnis der Unsterblichkeit birgt und sich in Nofretetes Besitz befindet …

Marliese Arold, Jahrgang 1958, ist seit den 1980er Jahren freie Autorin und hat rund 180 Bücher veröffentlicht, vorwiegend für junge Leser und oft mit phantastischen Themen. „Das Isis-Tor“ ist an ein erwachsenes Publikum adressiert mit Akteuren, die wenigstens 30 Jahre alt sind, mit beiden Beinen fest im Berufsleben und in einer Beziehung stehen. Sonja Monhardt, die Hauptfigur, ist eine von vielen Akademikerinnen, denen es kaum möglich ist, in einer Männerwelt Karriere zu machen, und die in ihrer Beziehung klein gehalten wird, bis sie sich dazu entschließt, ihre vielleicht letzte Chance zu nutzen, selbst wenn das zum Bruch mit ihrem Freund führt.

Auch in Ägypten, am Ort des Geschehens, hat Sonja keinen leichten Stand. Die Kollegen fühlen sich übergangen, weil man ihnen einen Neuling vor die Nase setzte. Allerdings muss sie sich nicht lange mit diesem Problem befassen, da nach dem Schritt durch „das Isis-Tor“ das eigentliche Abenteuer beginnt – im Stil von Diana Gabaldon & Co.: Sonja und Jonas reisen in die Vergangenheit und werden dort mit einer Welt konfrontiert, in die der moderne Mensch nur schwerlich überleben kann. Sie sind nicht mit den Begebenheiten vertraut, verfügen über keine Ausrüstung, sprechen nicht oder kaum die Sprache und, und, und. Natürlich werden sie auch noch verhaftet und sollen sterben.

Doch dann nimmt die Handlung eine Wende, denn mit viel Glück können die beiden fliehen und finden Helfer, die jedoch nicht alle aus selbstlosen Motiven handeln. Magie kommt ein weiteres Mal ins Spiel, als Sonjas Körper einem der alten Götter als Gefäß dient und sie ein gefährliches Ritual über sich ergehen lassen muss, um den unerwünschten Gast loszuwerden – oder zu sterben. Die einzelnen Handlungsstränge fügen sich zusammen, alle noch offenen Fragen werden beantwortet.

Die Autorin erfindet das Rad nicht neu, versteht es aber, ihre Leserschaft spannend zu unterhalten – insbesondere Mädchen und junge Frauen ab 15 Jahre, die Fantasy und romantische Entwicklungen vor einem historischen Hintergrund schätzen, der nicht zu sehr ins Detail geht, aber die typischen Bilder, in diesem Fall vom Alten Ägypten, vor dem inneren Auge entstehen lässt. Freilich wird das Glück stellenweise schon arg strapaziert, und das Ende kommt nicht ganz unerwartet, doch wird die Zielgruppe rundherum zufriedengestellt. Das Cover ist ansprechend und wirkt nicht überladen. Es wird geziert von einem ägyptisch anmutenden Motiv und ist versehen mit erhabener, goldener Schrift.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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Du bist, was Du schläfst

Erstellt von Werner Karl am 10. Dezember 2011

Tobias Hürter
Du bist, was Du schläfst
Was zwischen Wachen und Träumen alles geschieht

Piper Verlag
ISBN 978-3-492-05454-6
Sachbuch
Mit 14 Illustrationen
Erschienen im September 2011
Illustrationen: Sven Binner
Umfang: 272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

www.piper-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Zum Autor:

Tobias Hürter, Jahrgang 1972, studierte Philosophie und Mathematik in München und Berkeley. Er war Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete als Redakteur beim MIT Technology Review und bei der ZEIT. Seit 2008 schreibt er als freier Autor unter anderem für P.M., die ZEIT und ZEIT Wissen. Sein Bett steht in München.

Zum Buch:

“Wenn ich ein guter Schläfer wäre, dann hätte ich dieses Buch nie geschrieben.”

Vermutlich ist hier schon etwas Wahres dran! Tobias Hürter lenkt den Leser in seinem Buch als Selbstversuch durch die Zeit einer Nacht und beschreibt die einzelnen Schlafphasen kapitelweise sehr ausführlich und hintergründig. Er nimmt sich diesem umfangreichen Thema neu an und recherchiert in alle Richtungen nach Gründen, warum man gut oder schlecht schläft, welche Abläufe bewusst und unbewusst im Ruhezustand ablaufen.

Hürter beruft sich auf historisch erforschte Punkte und verweist manchmal sogar bis ins Mittelalter. Dies mischt er  mit den neusten Ergebnissen aus der Schlafforschung des Schlaflabors. Erstaunlicherweise arbeitet das Gehirn als so genannte Steuerzentrale nachts fast mehr als tagsüber, denn es sortiert und versucht das Erlebte zu gliedern, eine Ablage ähnlich eines Archivs. Zudem stellt er sich weiteren Themen (Warum gähnt man? Ist gähnen ansteckend? Wie ist das mit den Schnarchern?), deckt Mythen auf und zeigt kleine Lösungswege, wie man das natürliche Schlafempfinden leiten kann.

Denn Menschen, die gut einschlafen und auch schlafen, haben tagsüber die besseren Karten. Sie sind ausgeglichener und leben gesünder, da der Schlaf heilend und erholend nachhaltig auf uns wirkt!

Mein Fazit:

Trotz meiner eigentlich guten Schlaffähigkeiten hat mich das Thema dieses Buches sehr interessiert. Denn wer weiß schon, was nachts im Kopf alles passiert, während man schläft? Und was man darüber dann auch nicht weiß?

Interessant ist auch, dass sein Buch in Echtzeit zu lesen ist, von der Zeit des Einschlafens am späten Abend bis zum Aufwachen am frühen Morgen. Daher hat Tobias Hürter sein Buch in Kapitel unterteilt, die die Uhrzeit festhalten und listet in Stichworten auf, was in den einzelnen Phasen passiert. Dies habe ich jedoch leider nicht in einer Nacht durchhalten können, obwohl die Lektüre keinesfalls ermüdend wirkt!

Ein interessantes Buch für jeden, der doch mal wissen möchte, welche Phänomene da eigentlich im Kopf ablaufen, von deren Hintergründen man so nichts mitbekommt. Besonders beruhigt hat mich, dass als Fazit das Schlafen nicht als Schwäche sondern als Kunst oder besondere Fähigkeit angesehen wird. Ich bin daher froh, dass ich zumindest in diesem Punkt ganz besondere Fähigkeiten besitze!

Ich empfehle dieses Buch gerne an alle Neugierigen, die sich mit dem Thema Schlaf beschäftigen möchten und Interesse an dem facetten- und rätselreichsten Organ im Körper haben: dem Gehirn!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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Unwiderstehlich untot

Erstellt von Werner Karl am 23. November 2011

Karen Chance
Unwiderstehlich untot
Cassie Palmer 4

Curse the Dawn, USA, 2009
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 05/2010
TB, Romantic Mystery, Urban Fantasy, Horror
ISBN 978-3-492-26736-6
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst
Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung eines Motivs von artist partners ltd, London
Autorenfoto von N. N.

www.piper.de
www.karenchance.com
www.guter-punkt.de

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„Unwiderstehlich untot“ ist der vierte Band der „Cassie Palmer“-Serie. Wenigstens noch ein Roman soll folgen („Hunt the Moon“), und darüber hinaus gibt es noch einige Kurzgeschichten, welche sich dieses Settings bedienen, die aber bislang nicht in Deutschland veröffentlicht wurden. Es empfiehlt sich, die Vorgänger-Bände – „Untot mit Biss“, „Hinreißend untot“, „Für immer untot“ – gelesen zu habe, denn die Geschehnisse bauen aufeinander auf, die Handlung spielt an verschiedenen Orten und wartet mit einer Vielzahl bekannter und neuer Figuren auf, die eine komplizierte, mitunter wechselhafte Beziehung zur Titelheldin unterhalten.

Ohne entsprechendes Hintergrundwissen fasst man nur schwer Fuß in einer quirlig-romantischen, durchaus spannenden Geschichte, in der stellenweise der rote Faden in scheinbaren Nebensächlichkeiten verschwindet. Cassie Palmer ist eine Seherin, sie kann mit Geistern kommunizieren und durch die Zeit reisen. Diese Gabe macht sie wertvoll für die Vampire, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen haben. Als Cassie herausfindet, dass einige von ihnen für das Schicksal ihrer Angehörigen verantwortlich sind, sinnt sie auf Rache. Ihren Plänen entgegen kommt, dass unverhofft die Kräfte der Pythia auf sie übergehen.

Allerdings gerät Cassie dadurch umso mehr ins Fadenkreuz rivalisierender Gruppen, die sich ihre Fähigkeiten zunutze machen wollen. In Folge buhlen die Vampire und die Magier vom Weißen und vom Schwarzen Zirkel um ihre Gunst – oder wollen sie umbringen. Oft weiß Cassie nicht, wem sie vertrauen darf, denn selbst ihre Verbündeten legen nicht alle ihre Karten auf den Tisch oder entpuppen sich nach einer Weile als Verräter. Die Situation eskaliert, als auch noch der Gott Apollo Jagd auf sie macht, denn er verlieh der Pythia ihre Gaben und will sie nun zurück haben …

Die Handlung ist reich an Action und Dramatik. Zeitreisen, Verfolgungsjagden und magische Kämpfe wechseln einander in einem rasanten Tempo ab. Darüber bleibt kaum Zeit zum Luftholen, und doch schafft es die Autorin, so manche humorige Entwicklung in Form kurioser Figuren, einem Körpertausch und den witzigen Kommentaren der Hauptfigur einzubauen. Etwas auf der Strecke bleibt die Romantik, und es ist auch noch immer offen, wem Cassies Herz gehört. Vielleicht ihrem loyalsten Gefährten John Pritkin, der sich für sie opfern will, dem attraktive Vampir Mircea, in den sie schon als Kind verknall war, oder …?

Man sollte der Lektüre reichlich Aufmerksamkeit schenken, um keine Feinheiten zu verpassen und dem roten Faden folgen zu können. Vorkenntnisse aus den anderen Büchern sind sehr hilfreich. Die Autorin schreibt flott, zeitgenössisch und Zielgruppen orientiert: Die „Cassie Palmer“-Reihe wendet sich an Leserinnen ab 15 Jahre, die nicht nur eine Paranormal Romance lesen wollen, sondern auch eine spannende und phantastische Lektüre wünschen. Karen Chance erfüllt alle Erwartungen.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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Dark Love

Erstellt von Werner Karl am 17. November 2011

Lia Habel
Dark Love
Band 1

Dearly, Departed (2011)
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-70219-5
Steampunk, Kinder & Jugend, Liebe & Romantik
Erschienen 2011
Übersetzer Diana Bürgel
Titelbild CPI
Umfang 512 Seiten

www.piper-fantasy.de
www.liahabel.com

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Zum Autor

Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu »Dark Love« hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte.  (Quelle: Piper)

Vorwort

Der vorliegende Band “Dark Love” ist der erste Band einer Serie mit bisher unbestimmter Länge. Die Autorin arbeiten bereits an dem zweiten Band mit dem Titel “Dearly, Beloved” für den es noch keinen Erscheinungstermin gibt.
       
Zum Buch

Nora Dearly lebt im Jahre 2195 in einem Zeitalter voller Krieg und Zerstörung. Die Zivilisation wurde wieder aufgebaut und die Regeln der alten Aristokratie in Kraft gesetzt. Man erbt nun Wohlstand und Status, das Aufsteigen in eine andere Gesellschaftsschicht ist fast unmöglich geworden. Nora hat Glück gehabt geht auf eine Schule für reiche Mädchen und gehört zur gesellschaftlichen High Society. Sie hat nur das Problem, dass sie nicht dazugehören möchte. Ihr Vater hat sie zu einem Mädchen erzogen, das gerne selbst denkt und sich keinem Mann unterwerfen möchte. Des Weiteren neigt sie zu Sturköpfigkeit und liebt es Widerworte zu geben. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie in die Obhut ihrer Tante überstellt, die sie auf ein Internat schickte und nun von Nora verlangt reich zu heiraten, da sie das zu verwaltende Vermögen heruntergewirtschaftet hat. Doch dann kommt der Tag, der alles verändert. Nora wird von den Grauen, einer Zombiearmee von der die Zivilbevölkerung nichts weiß, angegriffen. Doch ein schöner Unbekannter eilt zu ihrer Rettung, der junge Soldat Bram. Nora beginnt den jungen Soldaten immer mehr zu mögen und vertraut ihm sogar ihr Leben und das ihrer Freunde an. Es gibt nur ein Problem: Bram ist bereits tot …

Fazit

Zuerst einmal möchte ich vorwegschicken, dass ich Zombies auf den Tod nicht ausstehen kann. Ich finde sie eklig, gruselig und wirklich abstoßend, auch wenn mir das Untotkonzept an sich gefällt. Mit entsprechenden Vorurteilen trat ich an diesen Roman heran und war wirklich positiv überrascht. Dies lag nicht daran, dass man hier nur eine romantisierte Darstellung des Zombiemythos verwendet hätte, sondern daran wie gut das Konzept ausgeführt war. Die eine Hälfte der Zombies tat schon, was Zombies im Allgemeinen tun: Die Lebenden verfolgen, ihnen das Fleisch von den Knochen reißen, sie infizieren und sich in ihre Bestandteile auflösen. Die andere Hälfte behielt aber einen Rest ihres Verstandes und konnte den Impuls unterdrücken, Menschen als lebende Snackbar zu verwenden. Schon allein durch diese differenzierte Darstellung der Seuche gewann der Roman viele Grauschattierungen, etwas was ich an einer wirklich guten Geschichte schätze.

Hinzu kam ein interessanter, wenn auch recht ungewöhnlicher Erzählstil, an den ich mich erst nach etwa einem Drittel des Buches gewöhnen konnte. Die Autorin wechselt während der Erzählung zwischen 5 verschiedenen Ich-Erzählern. Dies brachte zwar ab und an den Fluss der Story etwas ins Stocken, eröffnete aber wirklich interessante Perspektiven. Besonders gut gelungen war der Wechsel der Perspektiven zwischen den Figuren Zombie und Mensch und der sich durch den Wechsel eröffnenden neuen und mitreißenden Handlungsstränge. Die konstruierte Welt an sich wirkte auf mich äußerst faszinierend durch die Kombination von modernen und viktorianischen Elementen. Die Grenzen von Gut und Böse verschwammen regelmäßig und stellten ab und an mein Weltbild an sich infrage.

Die Handlung war abwechslungsreich, actiongeladen und herzanrührend romantisch. Die Liebesgeschichte über die Grenzen von Leben und Tod hinweg rührte mich immer wieder zu Tränen und ließ mich voll im Leid der Hauptcharaktere aufgehen. Der offene Schluss versetzte mir schon einen kleinen Stich, weil ich wirklich nur zu gerne gewusst hätte, wie es weitergeht. Zu meinem persönlichen Glück ist aber von der Autorin eine Fortsetzung geplant, die die Liebesgeschichte hoffentlich zu einem guten Schluss führt.

Ein Buch, das es schafft, alle Grenzen zu überwinden und eine fantastische neue Welt zu erschaffen.

Copyright © 2011 by Yvonne Rheinganz

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Quantum

Erstellt von Werner Karl am 7. November 2011

Hannu Rajaniemi
Quantum

The Quantum Thief, GB, 2010
Piper Verlag, München/Zürich, dt. Erstausgabe: 03/2011
PB mit Klappbroschur, SF
ISBN 978-3-492-70193-8
Aus dem Englischen von Irene Holicki
Umschlaggestaltung von N. N.

www.piper-fantasy.de
http://tomorrowelephant.net

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„Quantum“ ist der Debütroman des finnischen Autors Hannu Rajaniemi, der dem Klappentext zufolge in Schottland lebt und arbeitet, außerdem wohl auf Englisch schreibt. Der Roman spielt überwiegend auf dem Mars, aber nicht in der nahen Zukunft. Der Meisterdieb Jean le Flambeur wird aus seinem Gefängnis aus dem Asteroidengürtel befreit. Seine Befreierin, die mit diversen technischen und biologischen Gimmicks aufgerüstete Kämpferin Mieli, bringt ihn auf den Mars (sie verfügt selbstverständlich auch über ein intelligentes Super-Raumschiff).

Auf dem Planeten betätigt sich der Kunststudent Isidore Beautrelet nebenberuflich als Detektiv. Jean le Flambeur und Isidore Beautrelet begegnen sich auf der ‚Carpe-Diem-Party‘ des ‚Millenars‘ Christian Unruh – der erste, um zu stehlen, der zweite, um es zu verhindern.

„Quantum“ ist ein sehr detailreicher Roman. Der Mars wird beherrscht von der Oubliette, deren Charakter nicht völlig klar wird. Informationen, Erinnerungen und Privatsphäre sind ein wichtiger und reproduzierbarer Bestandteil der Gesellschaft, ebenso die mehrfache Wiedergeburt ihrer Mitglieder (deren Lebenszeit als Währung gehandelt wird). Außerhalb des Mars existiert noch der Sobornost, der noch rätselhafter bleibt, offenbar aber der Auftraggeber von Mieli ist. Damit einher geht Techno-Babble aus der Quantenphysik, der Informationstechnologie und der Biowissenschaft, und zwar permanent, inklusive futuristischer Kämpfe. Der Autor zeigt sich als sehr einfallsreich; viele seiner technischen Kreationen erschließen sich dem Verständnis des Lesers allerdings nicht komplett.

Das kann freilich nicht nur auf der Nachlässigkeit des Autors, sondern auf seinen Intentionen beruhen. Die Auseinandersetzungen, in die Jean le Flambeur und Isidore Beautrelet verwickelt werden, rütteln an den Grundfesten der marsianischen Oubliette. Verschiedene Interessensgruppen kämpfen gegeneinander. Das ist ein Standard-Plot, der von dem technischen Brimborium, das der Autor präsentiert, überlagert wird. Jean le Flambeur kehrt zwar zunächst ohne Gedächtnis auf den Mars zurück, kann aber den Plan, den er vor seiner Gefangennahme schmiedete, wieder entdecken, führt ihn aber nicht aus – das erledigt sein Widersacher. Auf die übrige Handlung hat das keine Auswirkungen, ebenso wie einige Dialog lastige Kapitel am Ende des Romans.

Es ist nicht auszuschließen, dass „Quantum“ vor allem der persönliche Entwurf des Autors für weit fortgeschrittene Zukunftstechnologien ist, die auf den heutigen beruhen. Allerdings bleibt vieles davon rudimentär und fantasyhaft. Es ist jedoch der einzige Grund, der für die Wahl des Mars als Handlungsschauplatz einleuchtet – ansonsten hätte der Autor jeden x-beliebigen Planeten wählen oder erfinden können. Der Autor hält sich die Option zur Fortsetzung von „Quantum“ offen – vielleicht geben die etwaigen Nachfolgeromane mehr Informationen über die Oubliette, den Sobornost und über die Funktionsweisen der diversen Technologien der „Quantum“-Zukunftswelt preis. Wenn Hannu Rajaniemi das überhaupt will.

Für einen Debütroman ist „Quantum“ passabel. Einen neuen (Autoren-) Stern sieht man mit Hannu Rajaniemi in der Science Fiction aber noch nicht aufgehen. Es ist bedenkenswert, auf eine etwaige preisgünstigere Taschenbuchausgabe von „Quantum“ zu warten.

Copyright © by Armin Möhle (armö)

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Nebelsturm

Erstellt von Werner Karl am 28. Oktober 2011

Johan Theorin
Nebelsturm
Jahreszeiten-Quartett 2

Nattfåk, Schweden, 2008
Piper Verlag, München/Zürich
dt. Erstausgabe: 10/2009, Nachdruck: 02/2011
Krimi
HC, ISBN 978-3-492-05091-3
TB, ISBN 978-3-492-26367-2
Aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps
Titelgestaltung von Cornelia Niere unter Verwendung
von Motiven von Mauritius Images und Shutterstock

www.piper.de
www.www.johantheorin.com
www.shutterstock.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Nebelsturm“ ist nach „Öland“ (2007, deutsche Fassungen als gebundene Ausgabe 2008 und als Taschenbuch 2009 im Piper Verlag) das zweite Buch des achtundvierzigjährigen schwedischen Autors Johan Theorin, das inzwischen auch als Taschenbuch-Ausgabe vorliegt „Nebelsturm“ stellt zugleich den zweiten Band des Jahreszeiten-Quartetts dar, das mit „Öland“ als Herbst-Roman begann – „Nebelsturm“ spielt in den Monaten Oktober bis Dezember und auf der rauen, einsamen (schwedischen) Insel Öland:

Der Lehrer Joakim Westin hat auf Öland den Hof Åludden erworben, der vor mehr als zweieinhalb Jahrhunderten als Sitz für einen Leuchtturmwärter inklusive seiner Familie und Dienerschaft errichtet wurde. Åludden wurde aus der Ladung eines gestrandeten Schiffes erbaut, weshalb es als verflucht gilt (Joakim Westin entdeckt im Laufe der Handlung in der Scheune des Anwesens die in einer Holzwand eingeritzten Namen der Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten unter unheilvollen Umständen auf dem Hof Åludden gestorben sind). Als er auf der Rückfahrt von Stockholm ist, erreicht ihn die Nachricht, dass seine Tochter Livia im Meer ertrunken ist – tatsächlich ist es jedoch seine Frau Katrine, die ums Leben kam. Die Polizei hält den Tod Katrines für einen Unfall; die junge Polizistin Tilda Davidsson, gerade erst nach Öland versetzt, zweifelt daran, findet jedoch keine Hinweise auf ein Verbrechen.

Gleichzeitig beginnt eine Diebesbande, in Öland ihr Unwesen zu treiben, in deren Visier auch der Hof Åludden gerät. Das weitere Geschehen wird aus der Sicht der diversen Protagonisten erzählt: Joakim Westin, der den Tod seiner Ehefrau nicht akzeptieren kann und ihn seinen Kindern verschweigt, gleichzeitig aber auch Neues aus der Geschichte der Familie Katrines erfährt (die u. a. auf dem Hof Åludden lebte). Tilda Davidsson, die sich gegen ihre Kollegen durchsetzen muss, sich aus der Affäre mit ihrem Ausbilder löst und selbst in der Vergangenheit ihrer Familie recherchiert. Die Diebesbande, deren Anführer zusehends gewalttätiger wird. Dazwischen sind Kapitel eingestreut, die Geschehnisse aus der Vergangenheit Åluddens schildern, bei denen (in der Regel) Menschen zu Tode kamen.

Im „Nebelsturm“ und auf dem Hof Åludden kommt es zu dem dramatischen Showdown zwischen den Protagonisten, die der Erwartungen erfahrener Leser nicht entspricht, da er in keinem Zusammenhang mit dem Tod Katrines steht. Die Aufklärung der Umstände ihres Todes erfolgt eher en passant; das Motiv mutet weit hergeholt an. Dabei wird auch der vermeintliche Fluch des Hofs Åludden in das Rationale gerückt. Es hätte auch überrascht, wenn Johan Theorin tatsächlich einen Kriminalroman mit Mystery-Einschlag hätte schreiben wollen. Das enttäuscht nicht, wohl aber die nebensächlich anmutende Aufklärung des Todes von Katrine Westin. Andererseits setzt sich der Roman dadurch von den Konventionen des Genres ab. Möglicherweise liegt die Stärke des Autos weniger in der überzeugenden Konstruktion einer Krimihandlung, sondern vielmehr in der authentisch wirkenden und atmosphärisch dichten Darstellung von Charakteren, Einzelschicksalen und Schauplätzen.

„Nebelsturm“ ist jedenfalls geeignet, das Interesse an den weiteren Romanen Johan Theorins zu wecken.

Copyright © 2011 by Armin Möhle (armö)

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Flammen im Sand

Erstellt von Werner Karl am 27. Oktober 2011

Gisa Pauly
Flammen im Sand

Sylt-Krimi mit Mamma Carlotta 4
Piper, München, 06/2010
PB, Krimi
ISBN 978-3-492-25837-1
Titelgestaltung Eisele Grafik-Design, München unter
Verwendung eines Fotos von Anja Weber-Decker

www.piper.de
www.gisa-pauly.de

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Carlotta Capella – „Mamma Carlotta“ – ist erneut bei ihrem Schwiegersohn Erik Wolf und ihren beiden Enkeln Carolin und Felix auf Sylt zu Besuch. Und natürlich gerät sie stante pede in den nächsten Fall, den Erik Wolf aufzuklären hat, und ermittelt auf ihre typisch resolut-naive und höchst sympathische Weise auf eigene Faust, was wieder einmal für etliche Schmunzler während des Lesens sorgt.

Carolin will nach bereits etlichen gehegten Berufswünschen nun Modedesignerin werden und absolviert ein Praktikum im Modeatelier von Yvonne Perrette und ihrer Schwester Geraldine Bertrand. Mamma Carlotta und ihre Enkelin sollen dort auch bei der nächsten Modenschau mitlaufen. Yvonne ist Mamma Carlotta sehr sympathisch und ihre Schwester Geraldine das genaue Gegenteil – auch weil diese ein Verhältnis mit dem verheirateten Baustoffhändler Wilko Tadsen haben soll, der moralisch an seine im Rollstuhl sitzende Frau gefesselt ist. Sofort ergreift Mamma Carlotta Partei für die ‚arme Gelähmte‘, und ihre Antipathie Geraldine gegenüber wächst, so wie ihr Mitleid für Yvonne, die eine Beziehung mit dem gewalttätigen Jannes Pedersen (Wilkos bester Freund) führt, dem das Haus gehört, in dem sich ihr Modeatelier befindet.

Die Turbulenzen gehen los, als bei Bauarbeiten an einem Hotel ein Skelett gefunden wird, ein menschliches, das ca. 5 Jahre dort lag und bei dem es sich vermutlich um die Überreste einer Frau handelt. Einer, die ermordet worden sein muss, denn am Schädel werden Verletzungen gefunden. Sonderbarerweise ist genau in der Zeit Jannes’ Frau Elske verschwunden. Angeblich hat sie ihn verlassen und einen Abschiedsbrief geschrieben.

Mamma Carlottas Sylter ‚Freunde‘ Tove Griess (Imbissbudenbesitzer) und Fietje Tiensch (Strandwärter) sind natürlich auch wieder mit von der Partie, und besonders Tove scheint in diesen Fall direkt involviert zu sein. Mamma Carlotta knüpft aber auch Kontakt zu neuen Menschen wie Marikke Tadsen, die gelähmte Frau von Wilko, und wird von ihr auf einen Kaffee eingeladen, aber auch zu einer der Nachbarinnen ihres Schwiegersohns. Weitere Personen betreten die Bühne – z. B. Stefan Lürsen, der Schwager der Staatsanwältin, und dessen Vater (lebt im Pflegeheim), der immer von einem großen Geheimnis stammelt, und Menno Koopmann, Chefredakteur des Inselblatts.

Es geht also wieder einmal rasant zu – rund um Mamma Carlotta. Es gibt Tote, einen seltsamen ‚Handel‘ mit Luxusuhren und sonderbare ‚Beziehungen‘ jedweder Art. So scheint die der französischen Schwestern Yvonne und Geraldine auch nicht völlig ungetrübt zu sein, aber Geraldine hatte auch Kontakt zu Elske (waren Brieffreundinnen) – und irgendwie sind alle miteinander verwoben, und nichts scheint so zu sein, wie es nach außen wirkt. Nichts will recht passen, und alle hüten Geheimnisse. Und schnell fragt sich der Leser: Wurde Elske von ihrem gewalttätigen Mann ermordet? Ist das Skelett, das man gefunden hat, ihres? Ein Zahnabdruck soll Antwort auf diese Frage bringen. Was bedeuten Mamma Carlottas Beobachtungen über sonderbare Geschehnisse in Toves Imbiss, der plötzlich renoviert wird? Woher stammt der Geldsegen? Dann erscheint Geraldine auch noch bei Erik Wolf und meldet, dass ihre Schwester verschwunden ist …

Ab dann überstürzen sich die Ereignisse. Gisa Pauly unterhält gewohnt kurzweilig und souverän, mit einem Augenzwinkern, mit viel menschlicher Wärme, die Mamma Carlotta verströmt, dennoch spannend und vor allem wieder ohne Länge. Dank mittlerweile vier Bänden verleiht die Autorin den Charakteren immer mehr Tiefe, und der Leser erhält das Gefühl, zusammen mit Mamma Carlotta einen weiteren Besuch auf der Insel und in der Familie Wolf und ihrem Umfeld abzustatten. Vor allem löst dieser Band den Wunsch in einem aus, wiederkehren zu können oder Mamma Carlotta auch visuell in Serie gehen zu sehen.

Die Aufmachung des Bandes ist wieder gewohnt solide – im üblichen Taschenbuchformt. Leider haben die vier „Mamma Carlotta“-Bände kein einheitliches Layout (Buchumschläge), was bei einer Reihe/Serie ins Auge sticht. Das ist aber auch das einzige kleine Manko. „Mamma Carlottas“ vierter Fall ist spritzig, menschlich warm, humorvoll und spannend – und stets umweht von einer imaginären Inselbrise. Das weckt Lust auf mehr!

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

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