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neuauflage

Die roten Hügel

Erstellt von Werner Karl am 18. Januar 2011

Die roten Hügel
Allein – Band 4

OT: Seuls – Les cairns rouges
Text: Fabien Vehlmann
Artwork:  Bruno Gazzotti
Comic
Übersetzung: Horst Berner
Lettering: Mirko Piredda
Ausstattung: 56 Seiten, HC, 30 cm x 21,4 cm
ISBN: 978-3-941-27963-6
Verlag: Piredda Verlag, 2009

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Nach dem tragischen Tod des machtbesessenen Anführers des Haifisch-Clans (vgl. Band 3), begleiten einige der neuen und fremden Kinder die fünf Freunde – Dodji, Leila, Terry, Camilla und Yvan – in deren Domizil in einem Grand-Hotel in der Stadt. Auch wenn die Neuankömmlinge sehr unterschiedliche Interessen haben und zuweilen recht exzentrischen Zeitvertreiben wie „Einrichtungsgegenstände mit Baseball-Schlägern zertrümmern“ nachgehen, sind nur zwei der Neuen wirkliche Außenseiter: die unheimlichen Geschwister mit den toten Augen, Alexander und Selene.

Das organisierte Zusammenleben wird gestört, als eines Nachts der Herr der Messer in eine Versammlung der Kinder stürzt und vor ihnen nach Hilfe stammelnd blutüberströmt zusammenbricht. Nicht wissend, wer oder was den ehemaligen Widersacher so zugerichtet hat, brechen einige Kinder in kleinen Teams in die neblige Stadt auf, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Es dauert nicht lange bis sie erste merkwürdige Anzeichen finden: in den Straßen aufgetürmte Müllberge, die mit roter Farbe markiert sind; unmittelbar darauf treffen sie auf die Affen: mit Zirkuskostümen bekleidete Tiere, deren Augen rot zu glühenden scheinen, die mit einer bemerkenswerten Intelligenz gesegnet sind und die augenscheinlich das Geschwisterchen des Herrn der Messer entführt haben.

Ein erster Befreiungsversuch misslingt angesichts der Intelligenz und der animalischen Wildheit der Tiere, so dass die Kinder gezwungen sind, Hals über Kopf zu fliehen. Dodji – die Verantwortung für das Desaster übernehmend – beschließt daraufhin, seine Führungsposition aufzugeben und die Gruppe zu verlassen. Nun ist es an Leila und vor allem Yvan, über sich selbst hinaus zu wachsen, um das Kleinkind zu retten. Und nicht nur äußere Gefahren bedrohen die Kinder, auch zwei der Ihren  verfolgen Pläne, die nichts Gutes ahnen lassen und die auf den Tod Camilas, des Kindes also, das sie  aus unerfindlichen Gründen fürchten, abzuzielen scheinen.

Lebten die bisherigen Alben der Reihe von der feinen Psychologisierung sowohl der einzelnen Charaktere, als auch der Gruppendynamik sowie von der unterschwelligen Mystery-Atmosphäre, so geht es in „Die roten Hügel“ deutlich handfester zur Sache, nehmen nicht immer ganz plausibel inszenierte Action und – mit den menschlich handelnden Affen – ein vordergründiges Horror-Moment vergleichsweise viel Raum ein. Diese neue Ausrichtung stellt zwar einen Bruch im Storytelling dar und wirkt in Teilen sehr effekthascherisch, allerdings tut das der Spannung keinen Abbruch, zumal dieses vierte Album mit einem wirklich üblen – sehr, sehr üblen – Cliffhanger endet.

Das Artwork ist von gewohnt exzellenter Qualität, wobei Bruno Gazzotti durchaus erneut und verstärkt sein Händchen für die dynamische Visualisierung von Action-Sequenzen unter Beweis stellt.

Fazit: Weniger tiefgründig als die ersten Bände, dennoch, spannend, dynamisch und unterhaltsam.

Copyright © 2009 Günther Lietz

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Sherlock Holmes fürchtet gar nichts

Erstellt von Werner Karl am 30. Dezember 2010

Sherlock Holmes fürchtet gar nichts
Baker Street, Band 1

(sfbentry)
OT: Baker Street – Sherlock Holmes n’a peur de rien
Szenario: Pierre Veys
Zeichnungen: Nicolas Barral
Farben: Scarlett Smulkowski & Leonardo („Tossing the caber“)
Lettering: Mirko Piredda
Ausstattung: 48 Seiten, HC, A4-Format
ISBN: 978-3-941279-35-3
Verlag: Piredda Verlag, 2010

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Sir Arthur Conan Doyles Romanfigur Sherlock Holmes gehört zweifellos zu den prägenden Protagonisten eines jedweden Krimi-Genres, egal ob Film, Theater, Roman oder Hörspiel und dürfte mit großem Abstand der bekannteste Detektiv der leichteren Weltliteratur sein und – bis auf Weiteres auch – bleiben. ( Lediglich im Comic sind bislang andere Eigenschaften – lustige Capes, Spandex-Strumpfhosen, coole Knarren oder eine Hardboiled-Attitüde – gefragt als der brillante Intellekt und das Understatement, mit denen der hagere Engländer aufwarten kann).

Der langen Liste unterschiedlichster Adaptionen, Interpretationen und Inspirationen dieser bzw. durch diese Figur fügen Autor Pierre Veys und Zeichner Nicolas Barral ihre humoristische, eigenwillige Comic-Sicht des Wirkens und Schaffens des größten Kriminal-Intellektuellen aller Zeiten hinzu. In fünf Kurzgeschichten, einem One-Pager – dem Epilog – sowie drei einzelnen Cartoons zeigen uns die Kreativen einem Holmes, der zwar äußerlich der Figur Doyles ähnelt, dessen Verhalten jedoch so gar nicht zu dem passen will, was man gemeinhin mit den außergewöhnlichen Detektiv assoziiert. Veys’ Holmes ist arrogant, eitel, nachtragend, eifersüchtig und hinterhältig, wobei der Leidtragende dieser Charakterschwächen zwar in der Regel Dr. Watson ist, aber auch Inspektor Lestrade oft nicht ganz ungeschoren davonkommt.

In ihrem ersten Fall müssen Holmes und Watson den Grund für die merkwürdige Ohnmacht Lord Beverages ermitteln, welche den Gentleman auf seinem Segelboot ereilte und ihn über Bord gehen ließ. War es der Sandsack eines Heißluftballons, der Lord Beverage niederstreckte oder ist der ältere Herr doch eher der Typ „Verlauster Zechbruder“? Der seltsame Herztod Colonel Nortons lässt Lestrade an Holmes’ und Watsons Tür klopfen. Hat den alten Haudegen sein indischer Diener um die Ecke gebracht, war es der schwachsinnige Sohn des Colonels oder doch etwas Abwegigeres? Holmes hat einen Verdacht, Watson jedoch die richtige Spürnase.

Dass Schotten seltsame Röcke präferieren, ist hinlänglich bekannt; dass sie in ihrer Freizeit gerne Baumstämme in ritterlichem Wettstreit schleudern, ist hingegen eher ein offenes Geheimnis. Während ihres Urlaubs in den schottischen Highlands werden unsere beiden Detektive von Lestrade belästigt, der  erfahren haben will, dass während eines solchen „Tossing the Caber“-Wettkampfes in Edinburgh ein Attentat auf die anwesende Queen verübt werden soll. Doch welcher der nicht nur exzentrisch gekleideten Anwesenden ist der Strolch, der die Königin von England zu ihren Ahnen schicken will? Der Diebstahl in einem Museum, bei dem nur rote Gegenstände gestohlen worden sind, gibt nicht nur der Polizei Rätsel auf. Holmes findet zwar schnell eine Erklärung, was er jedoch nicht ahnt ist, dass genau dieses von Professor Moriarty erwartet wurde. Fall Nummer fünf führt erneut in ein Museum, aus dem die Mumie des Chepseth gestohlen wurde, um Lösegeld dafür zu erpressen. Steckt dahinter erneut Moriarty? Und vor allem: wie konnte die Mumie verschwinden?

Pierre Veys Story, die in der Perspektive an Doyles Vorbild ausgerichtet ist und das Geschehen überwiegend aus Watson Sicht erzählt, überzeugt von Anfang an nicht nur durch einen feinen, schwarzen und gehässigen Humor, der sich insbesondere in Holmes kindischen Reaktionen auf Watsons gemütliche, lakonische, zumeist korrekte und zuweilen wehrhafte Einwürfe zeigt, sondern auch durch insgesamt leichte Dialoge sowie eine generell erfrischende Situationskomik insbesondere in jenen Momenten, in denen der überheblich-aristokratische Holmes aus mehr oder weniger nichtigen Anlässen die Contenance verliert.

So stimmig die beiden Hauptprotagonisten, so liebevoll entworfen auch die Nebenfiguren, angefangen bei der resoluten Köchin Mr. Hudson, deren Haggis jedem Connosiereur die Grüne ins Gesicht treibt, über den geduldigen, orientierungslosen Lestrade bis hin zu den zahlreichen spleenigen Lords und Ladys der englischen Society. Grafisch orientiert sich Nicolas Barral mit seinem hageren, großen, mittelalten Holmes und dem dicklichen, älteren Watson an den hinlänglich bekannten Bildern, die man beim Klang dieser Namen vor Augen hat. wobei er nach semi-funny-Manier Proportionen, Posen sowie Mimiken karikaturhaft überzeichnet. Seinen klaren, nicht bis ins letzte ausgearbeiteten, historisch stimmigen Zeichnungen sind dabei auf die Figuren fokussiert und strahlen in Verbindung mit Scarlett Smulkowski Kolorationen eine charmante Lebendigkeit und Frische aus.

Ein kleiner Wermutstropfen trübt in editorsicher Hinsicht diese ansonsten rundum gelungene Comic-Album: In einigen Narrative-Boxes – und zwar in jenen, in denen aus Watsons Tagebuch zitiert wird – ist der Text in einer winzigen Schreibschrift gelettert, welche so mühsam zu entziffern ist, dass der Lesefluss regelmäßig ins Stocken gerät.

Fazit: Eine humorvoll leichte Adaption bzw. Interpretation, in der ein gutmütig-intelligenter Watson unter einem kindisch-cholerischen Holmes leidet und beide zusammen von den

Kochkünsten Mrs. Hudsons geängstigt werden.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Miss Endicott 2 – Der Aufstand

Erstellt von Günther Lietz am 16. Januar 2010

Bei Amazon.deMiss Endicott 2  – Der Aufstand

Serie: Miss Endicott, Band 2
OT: Miss Endicott 2
Szenario: Jean-Christophe Derrien
Zeichnungen: Xavier Fourquemin
Kolorierung: Scarlett Smulkowski
Ü: Martin Surmann
Lettering: Mirko Piredda
Ausstattung: 80 Seiten, HC, A4-Format
ISBN: 978-3-941279-33-9
Verlag: Piredda Verlag, 2009

Patricia Endicotts totgeglaubte Mutter, Maggie, ist zurück und enthüllt ihrer Tochter, dass ihre Beerdigung eine Inszenierung, eine Scharade war, um anschließend die aus Indien zurückkehrende Patricia als Lockvogel für den Meister missbrauchen zu können. Anders als ihre Tochter zeichnet sich die Alte nämlich durch ein cholerisches Temperament  sowie einen Hang zu Waffen, zu Rücksichtslosigkeit und drastischen Maßnahmen aus, so dass sich die beiden überwerfen, kaum dass sie einander begegnet sind.

Während Maggie, Wallace, Konrad und die beiden Stadtstreicher in den Tunneln unter London nach der Maschine des wahnsinnigen Erfinders suchen, erhält Patricia eine erschreckende Nachricht, die sie dazu veranlasst, gegen die Gruppe zu arbeiten und sie zu verraten: das ihr anvertraute Kind, Kevin, wurde von den Schergen des Meisters entführt, die damit drohen, dem Kleinen etwas anzutun, sollten Maggie und ihre Kameraden die Maschine finden.

Lediglich Kevins alter Hausdiener, Konrad, durchschaut Patricias Verrat, stellt die junge Frau zur Rede und erfährt so von der Entführung des Jungen.

Die junge Miss Endicott entscheidet sich dafür, den Knaben auf eigene Faust zu suchen, um ihn aus den Klauen seiner Entführer zu befreien. Tatsächlich dauert es nicht allzu lange, bis sie das Versteck auf dem Lande ausfindig gemacht hat. Der anschließende Kampf mit den Entführern verläuft allerdings etwas anders als erwartet, denn die Täter legen eine unerwartete Vorsicht im Umgang mit Kevin an den Tag, sodass es Patricia dank ihrer Kampfkünste nicht schwer fällt, ihn zu erretten, auch wenn nun neue Fragen auftauchen, die in das Haus des Kleinen weisen.

In London spitzt sich zwischenzeitlich die Lage zu: nicht nur, dass sich die Vergessenen unter dem Banner der Revolution endgültig gegen die überirdischen Bewohner der Stadt erheben, sondern auch dass Maggie  erneut auf ihre Nemesis, den Meister trifft.

Als Patricia und der Junge die umkämpfte Stadt schließlich erreichen, werden sie Zeuge eines tragischen Zwischenfalls, der Miss Endicotts Leben eine neue Wendung gibt.

Dadurch, dass die auferstandene Maggie sofort die Ermittlungen beziehungsweise den Kampf an sich reißt und ihre Tochter gleichsam auf ein Abstellgleis schiebt, beginnt der zweite Band mit einem Bruch, von dem er sich erst zum Ende hin erholt, denn im Gegensatz zu ihrer Tochter ist die Alte weder interessant, noch geheimnisvoll oder sympathisch, sondern ein regelrechter Kotzbrocken mit einer eindeutigen Affinität zu Gewalt. Schlussendlich führt der Auftritt der Mutter zu der Frage, wie eine solche Person die Position als Schlichterin überhaupt glaubhaft ausfüllen konnte, und geht damit zu Lasten der inneren Glaubwürdigkeit der Geschichte.

Während Patricia deutlich in den Hintergrund tritt, gewinnt die Action innerhalb des Settings zunehmend an Bedeutung, wobei der Erzählfluss insgesamt in einzelnen Szenen etwas stockend und richtungslos wirkt; zudem verliert die Story durch den neuen Schwerpunkt an zauberhafter Hintergründigkeit, gewinnt dafür andererseits deutlich an „steampunkiger“ Atmosphäre und auch an Härte.

Während sich die Geschichte selbst etwas orientierungslos ausnimmt, ist das leichte, klare , vom Seiten-Layout her traditionelle Artwork Fourquemins nach wie vor ohne Makel. Die äußerst lebhaft gestalteten, skurril überzeichneten Figuren sowie die leicht surrealen Architekturen und Maschinen nehmen in Verbindung mit der zurückhaltenden, stimmungsvollen Koloration  Smulkowskis den Leser von der ersten Seite an gefangen.

Zwar weniger originiell, dafür jedoch deutlich actionreicher als das erste „Miss Endicott“-Album, weiß auch dieser Abschlussband des Zweiteilers in Bezug auf Story und Artwork – sowieso – zu überzeugen … und macht nicht zuletzt Hoffnung auf einen neuen Zyklus.

(Frank Drehmel)

“Miss Endicott 2  – Der Aufstand” bei Amazon.de
“Miss Endicott 2  – Der Aufstand” bei Buch24.de

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Die Gifticks – Gesamtausgabe Band 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. November 2009

Bei Buch24.deDie Gifticks – Gesamtausgabe Band 1

OT: Les Krostons – Intégrale 1
Szenario: Paul Deliège
Artwork: Paul Deliège & Arthur Piroton
Lettering: Mirko Piredda
Ausstattung: 112 Seiten, HC, A4-Format
ISBN: 978-3-941279-57-5
Verlag: Piredda Verlag, 2009

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen franko-belgischen Serien blühte der Kult um die Gifticks, jenen drei kleinen, durch und durch bösartigen Wesen, deren Schöpfer ein – wie wir in der Geschichte „Die Herkunft der Gifticks“ (L’origine des Krostons) erfahren – der verzweifelte, mittelalterliche Künstler und Alchimist Krostonius gewesen sein soll, bei uns eher im Verborgenen, da die letzte deutsche Veröffentlichung rund 30 Jahre zurückliegt.

Mit dem Piredda Verlag hat es sich nun ein vergleichsweise junges Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, als Mahner und Warner die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit auf diese gemeinen Wichtel zu lenken, die für so viele Unglücke verantwortlich zeichnen könnten.

Der vorliegende erste Sammelband der auf drei Alben angelegten Gesamtausgabe umfasst sechs Geschichten, davon zwei in gewöhnlichem Albenumfang sowie vier deutlich kürzere.

Geheimnisvolle Bedrohung (La menace des Krostons)

Comic-Autor und -zeichner Max Ariane – aus nahe liegenden Gründen soll hier nur ein Pseudonym Verwendung finden; sein echter Name ist den Verantwortlichen des Magazins „Spirou“ bekannt -  steckt in einer Schaffenskrise. Szenario und Gags seiner neuen Serie werden zwar von den Spirou-Redakteuren abgenickt, aber seine Figuren sind den Verantwortlichen nicht markant genug.

Als sich auch nach Tagen vergeblicher Zeichenversuche und Grübelns keine Erleuchtung am düsteren Horizont abzeichnet, fällt ihm zufällig ein Zettel seines Sohnes in die Hände, auf dem drei kleine Kerlchen mit grünen Mänteln, roten Schlapphüten und niedlichen Bömbchen dargestellt sind, deren Name Gifticks lauten soll. Von schierer Begeisterung überwältigt macht sich Max daran, diese kleinen Wesen, die genau das sind, wonach er in den vergangenen Tagen suchte, abzuzeichnen, nicht wissend, dass er sie dadurch zum Leben erweckt, und noch weniger ahnend, dass es sich um bis ins Mark verdorbene Kerlchen handelt, die in ihrem Bestreben, die Menschheit zu unterjochen, vor keiner Untat – bis hin zum Mord – zurückschrecken.

Für Max Ariane und seine Familie nimmt damit das Unglück seinen Anfang und schon bald müssen sie feststellen, dass ihr nacktes Leben und das ihrer Freunde auf dem Spiel steht, sollten die Gifticks nicht wieder eingefangen werden. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn die Wichte können sich zweidimensional machen.

Gefahr aus der Druckerpresse (Les Krostons sortent de presse)

Nachdem es Max Ariane gelungen war, mit tatkräftiger Unterstützung eines Freundes die Gifticks zu überlisten, steht nun neues Ungemach ins Haus, denn auf Grund eines bedauerlichen Zufalls kommen die Wichte wieder frei. Dabei stellt sich als Glück im Unglück heraus, dass der erneute Ausbruch auf dem Anwesen Arthur Flamberges erfolgt, eines älteren Herren, der durchaus um die Gefahr durch die kleinen Monster weiß.

Dennoch haben Arthur, Max und Kumpel Georg alle Hände voll zu tun, die Lage unter Kontrolle zu bringen, denn die bösartigen Gnome setzten am schwächsten Glied in der ganzen Kette, bei Arthurs Neffen Jonas, an, indem sie dem Jungen drohen und ihn aufs Übelste manipulieren. Und  – wie gehabt – schrecken sie auch nicht vor Mord nicht  zurück.

In den restlichen Geschichten – „Die Herkunft der Gifticks“ (L’origine des Krostons), „Das Ei der Gifticks“ (L’oeuf des Krostons), „Die Geburtstagstorte“ (Le gâteau d’anniversaire) und „Das Lied der Gifticks“ (La chanson des Krostons) – lässt uns Autor Paul Deliège an zum Teil weit in der Vergangenheit liegenden Untaten der kleinen Ungeheuer teilhaben.

Die Frage, weshalb Delièges Gifticks ein ähnlicher Publikumserfolg wie beispielsweise Hergés „Tim und Struppi“ oder auch  Piere Serons „Minimenschen“ – um zwei beliebige zu nennen – versagt blieb, lässt sich spätestens nach Lektüre der ersten Geschichte erahnen. Zum einen mangelt es zumindest der ersten Story auf der grafischen Ebene an der Zeitlosigkeit vergleichbarer Reihen, das heißt, Figuren, Accessoires und Ambiente sind Bild gewordenes 70er-Jahre-“Savoir vivre“, zum anderen bleibt dem geneigten Leser ein ums andere Mal das Lachen im Hals stecken, denn die Gifticks sind keine spaßigen kleinen Kerle mit lustiger Aussprache, sondern pure Bösartigkeit. Darüber hinaus ist der Ansatz, eine nicht nur visuell realistische Kriminal-Geschichte voller Suspense, in der zudem fast schon satirisch über das eigene Medium reflektiert wird, mit Elementen des Funny-Comics zu kombinieren,  – euphemistisch ausgedrückt – gewagt.

Angemerkt sei, dass in den folgenden Geschichten sowohl der humoristischen Aspekt etwas stärker betont wird als in „Geheimnisvolle Bedrohung“, als auch der realistische Ansatz in Grafik wie Zeitbezug zurückgenommen wird – nicht zuletzt weil ab der zweiten Story Deliège für Szenario und Artwork gleichermaßen verantwortlich zeichnet -, sodass es dem Leser leichter fällt, sich auf das  Ungewöhnliche einzulassen. Wer es wagt, der wird mit spannenden, humorvollen und kurzweiligen Abenteuern im Retro-Look bestens unterhalten.

Wer Spaß an nostalgischen Comics, kurzweiligen Geschichten und einzigartigen Figuren findet, der ist mit diesem ersten Band der Gesamtausgabe bestens bedient.

(Frank Drehmel)

“Die Gifticks – Gesamtausgabe Band 1″ bei Buch24.de
“Die Gifticks – Gesamtausgabe Band 1″ bei Amazon.de

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Die Missgeburt

Erstellt von Günther Lietz am 4. November 2009

Bei Buch24.deDie Missgeburt

Die Legende vom Changeling, Band 1
OT: La legende de changeling – Le mal-venu
Szenario: Pierre Dubois
Zeichnungen: Xavier Fourquemin
Kolorierung: Scarlett Smulkowski
Ü: Martin Sturmann
Lettering: Mirko Piredda
Ausstattung: 56 Seiten, HC, A4-Format
ISBN: 978-3-941279-27-8
Verlag: Piredda Verlag, 2009

Wir schreiben das späte 19. Jahrhundert: in Dartmoor, einer idyllischen Landschaft in der südenglischen Grafschaft Devon, fristet die vierköpfige Bauernfamilie Jobson ein zwar bescheidenes, aber dennoch erfülltes, naturverbundenes Leben.

Während der Heuernte geschieht das Unglück: die kleine Sheila, die auf Geheiß der Mutter ihren Baby-Bruder Peter in seinem Körbchen behüten soll, nimmt den Kleinen mit in den Wald und stellt ihn unter einem Weißdornbusch ab, um anschließend beim selbstvergessenen Spielen ins Grüne zu entschwinden. Als sie zurückkehrt, ist Peter fort.

Voller Trauer und in Furcht davor, dass Feen das Kind geholt haben könnten, führt die Mutter nach erfolgloser Suche einige Nächte später am Ort des Verschwindens ein mystisches Ritual durch, in welchem sie die Wesen aus der Anderswelt um Rückgabe ihres Sohnes bittet. Und tatsächlich: am nächsten Morgen steht das Körbchen vor ihrem Haus, darin ein Kind. Obgleich es nicht ihr Kind ist – wie der Vater einwendet – nimmt die Mutter das kleine Wesen als ihren Sohn Peter an.

Nach einigen Jahren ist Scrubby – so der Spitzname Peters – zu einem frechen Knirps herangewachsen, den eine intensive Naturverbundenheit und ein tiefes Gespür für die Tierwelt mit in die Wiege gelegt worden zu sein scheint.

Während eines Ausflugs mit seiner Schwester Sheila lockt ihn eine Erscheinung in den verwunschenen Feenwald, wo er erstmalig einem alten Mann begegnet, der sich zwar über seine Identität in Schweigen hüllt, der den Jungen in der folgenden Zeit jedoch in die Mysterien der Natur einführt, der Geschichten aus der Frühzeit zum Besten gibt, als Feen und Menschen gemeinsam über die Erde wandelten, und der Srubby die Augen für die seltsamen  Wesen um sie herum öffnet – für die Dryaden, Baumnymphen, Nixen, für Jenny Greenteeth oder Shellycoat, für Knockers, Gwarchelles, Sith und wie sie alle heißen.

Doch irgendwann sind die schönen Tage vorüber. Eine Missernte zwingt die Jobsons – wie viele andere Menschen – dazu, ihre Felder zu verlassen, und ihr Auskommen in London zu suchen. Obgleich die sozialen und hygienischen Zustände in der Großstadt katastrophal sind, findet sich Scrubby schnell in den dreckigen Gassen und zwischen den geduckten Häusern zurecht, begreift die Stadt als einen Dschungel anderer Art, in dem es ebenfalls neue Wunder und Vertrautes zu entdecken gibt. Doch nicht alle Wesen der Stadt sind den Menschen freundlich gesinnt. Ein geheimnisvoller Mann mit rot glühenden Augen kreuzt den Weg des Jungen, ein Mann, der kurz darauf für den Tod des Vaters verantwortlich zeichnen wird.

Die Figur des Changelings, des Wechselbalgs gehört als mythischer Archetypus nicht nur zum europäischen Sagenkreis, sondern fand in Literatur, Film und Spiel vielfältige Beachtung. Obgleich damit das Grund-Thema dieses Comic-Albums alles andere als neu ist, gelingt es Dubois, Fourquemin und Smulkowski von der ersten Seite an, eine Geschichte zu entwickeln, in der sich traditionelle Elemente und neuzeitlich distanzierte Interpretation eine zauberhafte und originelle Verbindung eingehen, indem die unterschiedlichen Grundstimmungen immer wieder durch verstörende Elemente durchbrochen werden, die den sozial- und fortschrittskritischen Unterton der Story unterstreichen. So wird die vordergründige Idylle der Natur durch den geradezu gewalttätigen Habitus der Mutter konterkariert, während Andeutungen verborgener Lebendigkeit – die Ratten in der Gosse, die Pflanzen an den Zäunen der Hinterhöfe oder die Parkanlagen – der urbanen Tristesse  einen Hauch von Mystik verleihen.

Im Artwork visualisieren Zeichner Fourquemin und Koloristin Smulkowski mit viel Sinn für Atmosphäre die unterschiedlichen Handlungsorte, die weiten, grünen Landschaften, die lebendigen, lichtdurchspielten oder dunklen Wälder, die engen, grauen Gassen der Stadt sowie die in den gelblichen Schein von Gaslichtern getauchten Straßen. Die Figuren selbst weisen markante, lebendige, oftmals knorrige und leicht satirisch überspitzte Physiognomien auf und zeichnen sich insbesondere in ihrer Körpersprache durch eine hinreißende, dynamische Präsenz aus.

Eine wunderschön geschriebene und gezeichnete, tiefe Geschichte voller Mystik und Dramatik. Nicht nur Anhängern mythologischer Fantasy ist dieses außergewöhnlich stimmige Comic unbedingt zu empfehlen. (3xPRT)

(Frank Drehmel)

“Die Missgeburt” bei Buch24.de
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BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Stefan Kepplinger
2.Brigitte Mrozek
3.Marianne Gerber
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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