Buchrezicenter.de

neuauflage

Zwischen Nacht und Dunkel

Erstellt von Werner Karl am 21. April 2012

Stephen King
Zwischen Nacht und Dunkel

(sfbentry)
Originaltitel: Full Dark, No Stars (2010)
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
Horro
München: Verlagsgruppe Random House 2012
Heyne Taschenbuch 43634
Umfang 527 Seiten
ISBN 978-3-453-43634-3

www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Der vorliegende Band enthält vier “kürzere” Werke des Meisters, wobei aus den ersten beiden Erzählungen noch vor einigen Jahrzehnten ein jeweils eigenständiges Taschenbuch entstanden wäre. Während “1922” immerhin 185 Seiten hat, bringt es “Big Driver” auch noch auf fast 160. Nur der dritte Text mit dem Titel “Faire Verlängerung” kann mit etwas mehr als 40 Seiten als Story bezeichnet werden, während die letzte Geschichte “Eine gute Ehe” mit knapp 120 Seiten als einziges die Länge einer Novelle hat. Da aber heutzutage oft nur noch dickere Bücher wahr genommen und gekauft werden, erscheinen alle in einem Band, was aber durchaus Sinn ergibt, haben alle vier ein ähnliches Thema, welches unter dem Oberbegriff “Vergeltung” subsumiert werden könnte.

So tötet in “1922” ein Ehemann seine Frau mit Hilfe des 14jährigen Sohnes, den er vorher dazu überredet hat, da die Ehefrau wegziehen und ihr Erbe verkaufen will, was den Besitz der gemeinsamen Farm gefährden würde. Doch der Mord bringt den Tätern kein Glück, wie eine Lawine bricht immer größeres Unglück über beide herein und zerstört deren Leben… Im zweiten Werk wird eine Krimiautorin nach einer Tageslesereise in eine Falle gelockt, vergewaltigt und als tot an einem einsamen Ort abgelegt. Doch sie lebt, kann sich glaubhaft tot stellen und schließlich sogar entkommen. Zuerst will sie die Polizei alarmieren, aber ihre Schamhaftigkeit verbietet dies und immer mehr kommt sie auf die Idee, selbst Rache zu nehmen und alle an der Tat beteiligten aufzuspüren und auszulöschen. Und da in den USA auch “ältliche Jungfern” bewaffnet sind…

In “Faire Verlängerung” erkauft sich ein Mann eine längere Lebenszeit, indem er jemand anderen ans Messer liefert, den er schon immer gehasst hat. Hier zeigt der Protagonist auf sehr eindrückliche Art und Weise, was es heißt, wenn man zu jemandem sagt: “Wer dich zum Freund hat, der braucht keine Feinde mehr”. Im letzten Text entdeckt eine zufriedene Ehefrau nach fast drei Jahrzehnten Ehe, dass ihr Mann schon seit seiner Jugend ein entsetzliches Doppelleben führt. Aber auch er entdeckt sofort, dass sie ihn entdeckt hat…

Alle vier Geschichten sind wie immer spannend und fesselnd zu lesen. Es würde nicht verwundern, wenn die eine oder andere verfilmt würde, denn die Bilder, die der Autor von den Augen des Lesers entstehen lässt, sind wahrlich eines Meisters unter den Schriftstellern würdig. Zumal gerade aus Kings kürzeren Texten nicht die schlechtesten Verfilmungen entstanden sind, man denke hier nur an Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers, Die Verurteilten oder Der Musterschüler, um nur einige Beispiele zu nennen. Besonders packend sind dabei die beiden ersten Erzählungen, denn sowohl die Farm des Jahres 1922 und die Menschen dieser Zeit und ihre Denkweise werden sehr plastisch vor den Augen des Lesers, als auch die überzeugende Protagonistin und deren grausames Schicksal in “Big Driver” nimmt den Leser für sich ein. Neben den Protagonisten besticht vor allem die authentisch wirkende Atmosphäre.

Auch die kurze Story “Faire Verlängerung”, obwohl scheinbar weniger brachial zu Beginn als die beiden ersten, zeigt ihr Horrorgesicht im Verlauf der Handlung immer drastischer. Sie ist vielleicht, trotz ihrer Kürze, sogar der beste weil einfallsreichste Text im vorliegenden Band, zumal King dem alten Sujet des Pakts mit dem Teufel hier einen wunderbaren neuen Dreh verpasst. Sie dürfte Balsam auf die Seele jedes Paranoikers sein, der schon immer wusste, das gerade die besten Freunde die wahrlich schlimmsten Feinde sein können. Deutlich schwächer dagegen die Novelle “Eine gute Ehe”, in der zwar die Ausgangssituation wunderbar erdacht ist, die Fortgang der Handlung aber doch etwas zu wünschen übrig lässt. Hier wäre ein kräftiger Schuss Paranoia und ein sich gegenseitig Belauern der Ehepartner eher die Methode gewesen, die Spannungsschraube effektiver anzuziehen.

So aber bleibt der Leser hier eher indifferent, alles löst sich zur allgemeinen Zufriedenheit auf, was arg enttäuschend scheint, der Spannungsgehalt hält sich in Grenzen. Zu glatt für alle, auch für den Leser, endet dieser Text, bei dem man als einziges hier veröffentlichtes Werk das Gefühl nicht los wird, der Autor habe nicht das Optimale aus der Vorlage heraus geholt, vor allem emotional nicht. Die Stärke der drei anderen Texte, dass man als Leser hin und her geworfen wird in der Bestimmung von Gut und Böse, von Recht und Unrecht und von der Frage, auf wessen Seite man sich emotional schlagen soll, fehlt bei “Eine gute Ehe leider völlig”. Hier ist von Anfang an alles klar, die Karten sind verteilt und das Ende klischeehaft absehbar. Schade um die schöne Grundidee!

Insgesamt ist das vorliegende Taschenbuch aber doch für alle Leser atmosphärischer Spannungsliteratur empfehlenswert, auch wenn die einzige Novelle hier enttäuscht. Wie bei den meisten kürzeren Texten des Autors gilt auch für Zwischen Nacht und Dunkel: Einfach anfangen zu Schmökern und dieses auf jeder Seite genießen so lange die Lektüre reicht, was in diesem Fall immerhin über 500 Seiten sind (oder, ohne die enttäuschende Novelle, auch fast noch 400)!

Copyright © 2012 by Gunther Barnewald

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Horror | 1 Kommentar »

Garstige Gnome

Erstellt von Werner Karl am 29. Juli 2011

Royce Buckingham
Garstige Gnome

(sfbentry)
Goblins. An Underearth Adventure, USA, 2008
Penhaligon/Random House GmbH, München, 11/2010
PB mit Klappbroschur
Urban Fantasy, Comedy
ISBN 978-3-7645-3021-1
Aus dem Amerikanischen von Joannis Stefanidis
Titelgestaltung von Max Meinzold/HildenDesign, München
Autorenfoto von Jon Brunk

www.penhaligon.de
www.roycebuckingham.com/
www.hildendesign.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eigentlich sollte PJ während der Abwesenheit seines Vaters, dem einzigen Polizist von Sumas, auf den kleinen Sam, der wegen einiger gestohlener Feuerwerkskörper im Gefängnis sitzt, aufpassen, bis er abgeholt würde, doch dann gibt ein Meldegerät an der Grenze zu Kanada ein Signal: Jemand hat illegal US-amerikanischen Boden betreten, vermutlich ein Schmuggler. Die Jungen beschließen, nach dem Rechten zu sehen und das Schmuggelgut sicherzustellen, um PJs Vater zu beeindrucken. Im Dunkeln überfahren sie den Fremden, verfrachten ihn notgedrungen ins Auto und sperren ihn in eine Zelle. Zu ihrer Überraschung haben sie keinen ‚normalen„ Grenzgänger gefasst, sondern ein Wesen, das entfernt an einen großen Affen erinnert und offenbar intelligent ist.

Da Tiere nicht in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fallen, informiert PJ die Tierfänger, die schon einen Moment später vor der Tür stehen: ein junger Mann und eine junge Frau in grauen Umhängen, die Schwerter bei sich führen und den ‚mutierten Affen„ während seines Ausbruchsversuchs durch einen gezielten Stich zum ‚Auslaufen„ bringen. Den beiden Jungen wird nun klar, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt. Statt sich jedoch mit den vagen Erklärungen von Whitey und Bree zufrieden zu geben und alles im Sinne ihrer eigenen Sicherheit schnellstens zu vergessen, wagt sich Sam durch den Tunnel in jene unterirdische Welt, in der die Gnome und die Wächter leben. PJ hat keine andere Wahl, als ihm und den anderen zu folgen, um Sam zu retten, der tiefer in der Bredouille steckt, als er ahnt …

Eigentlich ist „Garstige Gnome“ ein Jugendbuch: Die Handlung nimmt sich selber nicht ernst, das Wohl und Wehe der Menschheit liegt in den Händen von Teenagern, und die Gnome sind nicht nur garstig, sondern auch ziemlich blöd; ansonsten hätten die jungen Helden auch keine Chance, sich gegen sie zu behaupten. Auf der anderen Seite gibt sich der Autor nicht zimperlich, denn diverse Monster, viele Gnome und auch etliche Wächter verlieren ihr Leben. Es gibt einige grausige Szenen, die für zu junge Leser oder zart besaitete Gemüter doch etwas happig ausfallen, selbst wenn im nächsten Moment die Handlung mit einer heiteren Szene aufgelockert wird. In Folge ordnet man den Titel in die Rubrik ‚All Age-Fantasy„ ein, denn das reifere Publikum wird ebenfalls gut unterhalten, wenn es sich auf den humorigen Stil und die Protagonisten im Teenager-Alter einlassen kann.

Royce Buckingham, der Verfasser von „Dämliche Dämonen“ und „Mürrische Monster“ (diese Reihe ist unabhängig von „Garstige Gnome“), bedient sich der Theorie von der ‚hohlen Erde„ und entführt seine Leser in ein unterirdisches Reich, das von den Titel gebenden Gnomen und allerlei Getier (gigantische Insekten, Monster) bevölkert wird. Zusammen mit Sam, der die treibende Kraft darstellt, und PJ, der zunächst zaudert, doch immer wieder für eine Überraschung gut ist, erfährt man, dass es sich die Wächter zur Aufgabe gemacht haben, die Tunnel zu hüten, damit kein Gnom die Menschenwelt entdeckt. Zwar mögen diese Kreaturen nicht allzu klug sein, aber sie lernen durch Nachahmung. Fielen moderne Waffen in ihre Hände, wäre eine Katastrophe die Folge. Schon bald geht es für die Jungen nicht mehr allein darum, den Gnomen zu entkommen und sich an die Erdoberfläche in Sicherheit zu bringen. Ihre neuen Freunde brauchen Hilfe, denn nach den letzten Kämpfen sind kaum noch Wächter übrig, und in der Festung des Gegners braut sich bereits neues Unheil zusammen. Schon nach wenigen Zeilen folgt man gebannt der Story, die sich selber immer wieder verulkt.

„Garstige Gnome“ ist ein spannender und witziger Pageturner für Fantasy-Freunde aller Altersstufen.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Fantasy | 7 Kommentare »

Die Gesellschaft des Abendsterns

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Brandon Mull
Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns

(sfbentry)
Originaltitel: Rise of the Evening Star (2008)
Ins Deutsche übertragen von Hans Link
München: Verlagsgruppe Random House 2010
Penhaligon Tradepaperback
445 Umfang Seiten
ISBN 978-3-764-53035-8

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Der vorliegende Roman ist der zweite, in sich abgeschlossene Roman um die Abenteuer der Geschwister Kendra und Seth, die vor kurzem entdeckt haben, dass auf dem riesigen Gut, auf dem ihre Großeltern leben, Fabelwesen zu Hause sind und dass Magie tatsächlich funktioniert.

Aktuell steht das Ende des Schuljahrs an und Kendra bereitet sich darauf vor, in die High School zu wechseln, während der zwei Jahre jüngere Seth sich gerade in der Middle Scholl etabliert hat. Wenige Tage vor Schuljahresende wird plötzlich ein neuer Schüler in Kendras Klasse versetzt, den das Mädchen schnell als Fabelwesen identifiziert, denn während sie einen hässlichen, entstellten Gnom wahrnimmt, verlieben sich ihre Freundinnen gleich in den gutaussehenden Neuen. Auch Seth meint einen ganz normalen Mitschüler wahrzunehmen, da Kendra jedoch in ihrem ersten Abenteuer in Fabelheim von den Feen berührt wurde, kann der Zauber des Neuen sie nicht täuschen.

Doch der neue Mitschüler erweist sich bald als Gefahr für ihre Freundinnen, so dass Kendra, Seth und ein älterer Magier, der sich als Freund des Großvaters vorstellt, etwas gegen ihn unternehmen wollen. Doch der neue Magierfreund erweist sich bald als Mitglied der intriganten Gesellschaft des Abendsterns, welche alle bösen Dämonen befreien und für sich nutzen möchte und die zudem die Zerstörung aller magischen Enklaven anstrebt. Bevor die Geschwister wissen was ihnen passiert, lastet ein schwerer Fluch auf Seth und den beiden gelingt nur mit Mühe die Flucht nach Fabelheim. Doch auch hier ist ein Verräter am Werk und bald ist die Existenz von Fabelheim akut gefährdet, wenn es den beiden Jugendlichen nicht gelingt, sowohl Seths Fluch als auch den eines schauerlichen Widergängers zu lösen, der bei allen Lebewesen extremste Ängste und Entsetzen auslöst…

Auch der zweite Band der Serie ist unterhaltsam, abenteuerlich und geschickt konstruiert, was jedoch nicht darüber hinweg täuscht, dass die Geschichte etwas zu lang geraten ist. So gelingt es dem Autor leider nicht, die Spannung durchgängig aufrecht zu erhalten und gerade am Ende des ersten Drittels hat der Roman erhebliche Längen. Etwas enttäuschend ist auch die fehlende Weiterentwicklung der Charaktere. Die neu eingeführten Figuren bleiben blaß und klischeehaft, die bekannten Protagonisten verharren auf dem Stand des ersten Abenteuers, und speziell in diesem Punkt hätte man vom Autor etwas mehr Mut und Initiative erwarten dürfen. Dass trotzdem Spannung aufkommt, liegt an einigen guten Ideen des Autors, so sind vor allem die beschriebenen Zaubertränke oder auch das Auftauchen des gruseligen Widergängers Highlights der Geschichte.

Der etwas übertriebene Showdown am Ende des Buchs ist dagegen Geschmackssache. Jugendliche Leser werden wahrscheinlich begeistert sein über die Action, wer sich jedoch im Genre auskennt wird wohl eher zurückhaltend auf die völlig überzogene und unglaubwürdige Zurschaustellung martialischer Klischees reagieren. Hier macht sich dann eher Enttäuschung breit.

Insgesamt ist der zweite Roman um Fabelheim leider nicht ganz so gut und gelungen wie der erste Band. Trotzdem ist Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns noch immer gut lesbar und meistenteils auch spannend, so dass die Lektüre empfohlen werden kann. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass dem Autor Brandon Mull in seinem dritten Band der Serie wieder mehr einfallen wird, er auch den Figuren wieder mehr Zeit und Energie widmet, um Längen besser zu überbrücken und das Niveau anzuheben. 

Copyright © 2010 by Gunther Barnewald

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Fantasy | Keine Kommentare »

Jagdzeit

Erstellt von Werner Karl am 29. Mai 2010

jagdzeitClaudia Toman
Jagdzeit

Diana Verlag
Verlagsgruppe Random House
ISBN 978-3-453-35399-2
Fantasyroman
Originalausgabe 05/2010
Umschlaggestaltung | Hauptmann & Kompanie Werbeagentur,
Zürich, Teresa Mutzenbach
Taschenbuch, 336 Seiten

www.diana-verlag.de
www.claudiatoman.blogspot.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zu etwa gleichen Teilen in Mittelerde, Phantasien, Märchenmond und Derry, Maine. Nach dem Schulabschluss packte sie die Theatersucht, und so arbeitete sie als Regisseurin und Regieassistentin in Wien, Tokio und Tel Aviv. Seit 2001 betreut sie die Vorstellungen der Kinderoper an der Wiener Staatsoper. Ihr Leben teilt sie mit einer eigenwilligen Katzendame. „Jagdzeit“ ist nach „Hexendreimaldrei“ ihr zweiter Roman.

Zum Buch:

Oliva treibt es für einige Tage aus der Stadt hinaus, in das kleine Bergdorf W., in dem sie hofft bei einem Blind Date den Mann fürs Leben zu finden. Gleichzeitig sollen das Wochenende und die Abwechslung ihr aus der derzeitigen Schreibblockade heraushelfen.

Bereits zu Beginn ihres Aufenthaltes macht Olivia die Feststellung, dass sämtliche Bewohner des Dorfes sich merkwürdig verhalten. Olivia fühlt sich unwohl. Auch dem anderen Besucher des Ortes, einem Privatdetektiv namens Adrian Alt gegenüber, der die Angewohnheit hat, seine Getränke nur aus geschlossenen Behältern, wie Dosen und Tetra Packs, zu sich zu nehmen, steht Olivia skeptisch gegenüber. Die Dorfbewohner selbst scheinen allen Fremden gegenüber argwöhnisch und wollen keine Eindringlinge in ihrem Dorfleben dulden.

Nachdem Olivia herausgefunden hat, dass die Bewohner des Ortes entweder sehr alt werden oder schon im frühen Kindesalter sterben, überschlagen sich die Ereignisse. Und so findet Olivia sich alsbald im nahe gelegenen Wald wieder. Eine Stadtpflanze mit Stöckelschuhen inmitten der Natur und das ohne erforderliche Hilfsmittel. Nicht nur ihren eigenen Ängsten ausgesetzt, begegnet Olivia dort auch noch sprechenden Waldkäuzen und Wölfen und schließlich sogar einer Hexe. Jedenfalls mangelt es Olivia hier nicht an Inspirationen.

Mit ihrem zweiten Roman Jagdzeit entführt uns die Autorin Claudia Toman in die unterschiedlichsten Genre der Literatur und lässt sicherlich jeden Leser mit der Frage zurück: Was genau habe ich denn da jetzt gelesen? Ein wenig von allem würde ich sagen: Krimi, Fantasy, Frauenroman. Die Geschichte rund um die Protagonistin Olivia ist abenteuerlustig, humorvoll, spannend und vieles mehr. Bereits die Person Olivia selbst ist eine gelungene Mischung.

Sehr schön werden im Buch die Zeitsprünge gelöst. Im Präsens schildert die Autorin den Aufenthalt von Olivia im Wald aus deren Sicht, also in der Ich-Form. Alles was vorher geschah wird auch aus Olivias Sicht, aber in der Vergangenheit geschildert. Schließlich begleitet den Leser auch noch ein dritter Handlungsstrang, der die Dinge aus Sicht des Privatdetektivs Adrian Alt beleuchtet.

Wenngleich Olivias Erlebnisse im Dorf W. und im Wald etwas kurios erscheinen, so bringt doch das Ende eine logische Erklärung mit sich. Eine Erklärung die, wie das ganze Buch, einem Märchen entnommen zu sein scheint. Eine wunderschöne Idee eines Genre Mix, geschickt umgesetzt. Eine Geschichte, an der nicht nur das weibliche Geschlecht Gefallen finden dürfte.

Das Buch kann unbedenklich auch ohne Kenntnis des Vorgängerbuches Hexendreimaldrei gelesen werden. Auf den dritten Teil darf man sicher jetzt schon gespannt sein….

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Und für alle, die die Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen möchten, hier der Hinweis auf das Vorgängerbuch:
Hexendreimaldrei
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Fantasy | Keine Kommentare »

Die Welt in den Wolken

Erstellt von Werner Karl am 30. März 2010

die-welt-in-den-wolkenJay Amory
Die Welt in den Wolken

Originaltitel: The Fledging of Az Gabrielson (2006)
Aus dem Englischen von Joannis Stefanidis
München: Verlagsgruppe Random House 2009
Blanvalet Taschenbuch 24473
Science Fiction
Umfang 447 Seiten
ISBN 978-3-442-24473-7

www.randomhouse.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Auch wenn man es wohl in Zeiten der Verkaufs- und Beliebtheitsdominanz der Fantasyliteratur kaum noch registrieren mag: Das vorliegende Buch ist ein “lupenreiner” SF-Roman (und dies ist nicht im Sinne des Mißbrauchs dieses Wortes durch Gerhard Schröder gemeint). Allerdings leider kein guter!

Der 16jährige Azrael Gabrielson, kurz Az genannt, lebt nach einer verheerenden Katastrophe auf der Erdoberfläche wie viele andere Menschen in einer Stadt über den Wolken. Seit vielen Generationen leben hier schon Menschen und haben sich diesem Leben in der dünnen Luft angepasst. Jeder hat flugfähige Flügel und die menschlichen Körper wiegen nicht mehr allzu viel. Nur Az ist in einer Hinsicht eine fatale Ausnahme: Denn er hat als fast einziger Mensch in den Städten über den Wolken keine Flügel. Aber genau dies macht ihn geeignet für ein riskantes Unternehmen, denn die Rohstofflieferungen von der Erdoberfläche werden immer weniger und drohen zu versiegen. Deshalb wird Az von der Präsidentin des Luftvolks darum gebeten, mit einem der schnellen, gigantischen Aufzüge nach unten zu reisen und zu erforschen, was dort vor sich geht.

Az beschließt das Wagnis einzugehen und reist zur Erdoberfläche, welche dauerhaft in graue Wolken gehüllt ist. Dort entdeckt er schnell, dass noch viele Erdenmenschen leben und sich eine Art Religion etabliert hat, deren Priester nicht nur selbst gut leben, sondern auch dafür sorgen, dass die Himmelsstädte weiterhin beliefert werden. Mittlerweile regt sich jedoch Widerstand gegen die Priester, und immer mehr der ausgebeuteten Arbeiter solidarisieren sich und begehren gegen die Herrschaft der Priester auf. Als Az von den Erdlingen entdeckt und enttarnt wird, wird er gefangen genommen und das alte, etablierte System droht zu zerbrechen…

Was spannend klingt, ist leider nur in der ersten Hälfte der Geschichte wirklich überzeugend. Leider gehen dem Autor nach ca. 150 Seiten definitiv die Ideen aus. Danach wirkt fast alles nur noch klischeehaft, vor allem die Protagonisten sind unglaubwürdig, allen voran der intrigante Politiker mit dem entlarvenden Namen Alan Dampfsager, der allzu eindeutig als Bösewicht herhalten muss. Noch viel ärgerlicher ist jedoch, dass der Autor sich keine Gedanken gemacht zu haben scheint, woher die Nahrung auf einer Erde ohne Sonnenschein kommt. So gibt es auch nur einen einseitigen Austausch von Waren und Rohstoffen, welcher nur von unten nach oben stattfindet. Betrachtet man sich dies genauer, erscheinen die Menschen der Lüfte als Volk von Schmarotzern und Ausbeutern, die auf Kosten der Erdlinge ein üppiges Dasein führen, ohne etwas im Gegenzug dafür zu leisten.

Dass der Autor sich dann auch noch eindeutig auf die Seite dieser Ausbeuter stellt, alle, die gegen das System kämpfen, diffamiert und Az zum unreflektierten und gleichgültigen Dummerjan macht, dem nur die Erhaltung des alten Systems am Herzen liegt und der keinerlei Mitleid mit den geschundenen Erdbewohnern hat, wäre wohl früher als erzreaktionär bezeichnet worden, als man solche Worte noch in den Mund nahm. Ähnlich wie in “Metropolis” frisst die Revolution jedoch ihre Kinder und “Die Welt in den Wolken” wartet mit fast identischem Plot auf, was einen mehr als faden Beigeschmack bei mitfühlenden, sozial engagierten Lesern hinterlassen dürfte.

Aber auch über diesen ethischen Mangel hinaus ist das vorliegende Buch eine Enttäuschung, da der Autor dem eigenen Niveau des ersten Drittels zum Opfer fällt, denn der Rest der Geschichte ertrinkt in ideenlosen Oberflächlichkeiten, fader Action und Klischees. Schade, denn zumindest der Beginn des Romans ist gut lesbar und verheißt ein interessantes Sujet mit exotischer Atmosphäre. Doch Jay Amory erstickt alle guten Ansätze im Keim durch triviale Charaktere und Platitüden, nur die enorme Schriftgröße transportiert den Leser schlußendlich ans Ende der Geschichte (hätte man solche Erzählungen früher doch auf maximal 250 Seiten abgedruckt!).

Eine leider verschenkte Idee, aus der viel mehr hätte werden können und sollen.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Abgelegt unter Science Fiction | Keine Kommentare »

Das Herz der Tänzerin

Erstellt von Werner Karl am 18. März 2010

das-herz-der-tanzerinVictoria Hislop
Das Herz der Tänzerin

Verlag: Diana HC
Pappband mit Schutzumschlag
Originaltitel: The Return
ISBN: 9783453290693
Übersetzt von Felenda, Angelika
Umfang: 512 Seiten

www.diana-verlag.de
www.randomhouse.de

Die Liebe, Kampf ums Überleben, das Schicksal und die schmerzhafte Trennung einer Familie mit verschiedenen politischen und somit gefährlichen Ansichten in den 30iger Jahren des 20.Jahrhunderts bilden die Grundlage der Geschichte um die Familie Ramirez während des spanischen Bürgerkriegs. Man taucht in die Erzählung ein, indem zunächst eine Rahmenhandlung aufgebaut wird. Sonia, eine unglücklich verheiratete Engländerin um die Dreißig, entdeckt ihre Liebe zum Tanz, indem sie mit ihrer Freundin Maggie während eines Urlaubs in Grenada einen Salsa-Tanzkurs belegt. In einer Bar lernt sie den älteren Besitzer Miguel kennen, dessen Erzählungen sie faszinieren.

Sie lernt durch ihn die Geschichte der Familie Ramirez kennen, deren Sohn Ignacio als berühmter Matador auf einem Plakat in der Bar abgebildet ist. Die weiteren Söhne, Antonio – der älteste und Emilio – ein sensibler und feinfühliger Gitarrist sowie die im tänzerisch talentierte Tochter Mercedes wachsen in Grenada auf. Ihre Eltern, Pablo und Concha führen hier eine Bar. Mercedes ist in ihrem Leben dem Tanz verfallen, schon als Mädchen tanzt sie als Flamencotänzerin und verliebt sich im jugendlichen Alter in Javier, einen ausgezeichneten Gitarristen. Die aufkommenden Wirren des Bürgerkriegs entzweien die Familie sowie Javier und Mercedes recht bald: Ignacio verteidigt seine faschistischen Standpunkte und gilt als Verräter seiner Freunde und Nachbarn, so dass er auf der Strasse von seinen Kontrahenten getötet wird. Emilio wird aufgrund seiner Homosexualität verhaftet und überlebt seine Gefangennahme nicht. Auch Pablo wird eingesperrt, weil seine Frau am Radio den falschen Sender eingestellt hat. Antonio macht sich mit Freunden auf, um an der Front gegen Franco zu kämpfen und Mercedes entscheidet, sich auf die Suche nach Javier zu begeben. Doch ihre lange Suche bleibt erfolglos und aufgrund der politischen Lage entscheidet sie sich zur Überfahrt und Bleibe in England.

Ich gebe zu, dass ich aufgrund der Leseprobe eine etwas andere Vorstellung über diesen Roman hatte. Der Hauptbestandteil der Geschichte ist eindeutig der spanische Bürgerkrieg und das damit verbundene Leid und Elend der Menschen. An den Familienmitgliedern der Familie Ramirez wird erzählt, wie unterschiedlich der Krieg das Schicksal der Menschen lenkt. Verrat, Erschießungen, Hunger, Armut und Angst vor Folter, ausgelöst von einem Anführer (Franco), welches ein ganzes Land in sich zerbricht. Hier haben die Anfänge einer Liebesgeschichte keine Chance, es wird deutlich, dass hier nur noch das Überleben zählt. Der Flamenco bildet hierzu eine wortlose Ausdrucksweise über die Verarbeitung der Ereignisse im Tanz und Aufarbeitung des erfahrenen Leids.

Das Buch ist sehr gefühlvoll, wirkt auf mich aber auch sehr beklemmend aufgrund der Kriegsschilderungen. Es liest sich sehr flüssig, teilweise entstehen meines Erachtens jedoch Längen, die sich mir zu sehr im Kriegsgeschehen verlieren. Traurig ist auch die ziellose und hoffnungslose Suche von Mercedes nach Javier, welcher im Gefängnis festgehalten wird und seine Leidenschaft als „Guitarrista“ nicht mehr ausüben kann. Da hatte ich mir – leider- einen anderen Ausgang gewünscht. Das „Herz der Tänzerin“ kommt mir etwas zu kurz im Geschehen. Aber auch dies passt zu dem, was uns die Autorin vermutlich vermitteln möchte: Dass durch den Krieg alle Hoffnungen jeglicher Art gewaltsam zunichte gemacht werden…

Sonia als Person bildet den Rahmen der Geschichte zu Beginn und am Ende. Ab und zu werden kurze Passagen von ihr eingesetzt. Erst spät bemerkt sie, dass auch ihr Leben mit der Familie Ramirez verstrickt ist und ihr weiteres Leben noch stark prägen wird. Mehr sei noch nicht verraten…

Das Cover des Buches ist sehr freundlich gehalten, ein tanzendes Paar, umgeben von Blumen und Vögeln in frischen Pastellfarben vermittelt eine stimmungsvolle Fröhlichkeit. Dies steht etwas im Kontrast zur eigentlichen Geschichte, vielleicht ist es auch die Wehmut nach Liebe, Tanz und Zweisamkeit. Daher gefällt mir die Gestaltung grundsätzlich sehr gut. Fazit: Ein empfehlendwerte s Buch, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Ohne Frage ein sehr anspruchsvoller Roman, mit dem Krieg als gewichtiger Hintergrund einer Familiengeschichte, der ein normales Leben nicht zulässt.

Copyright © 2010 by Sandra Stockem (ss)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Belletristik, Liebe & Romantik | Keine Kommentare »