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Durch das Universum bis hierher

Erstellt von Michael Drewniok am 18. Mai 2010

shatner-universum-coverWilliam Shatner/David Fisher
Durch das Universum bis hierher
Die Autobiographie

Originaltitel: Up Till Now. The Autobiography (New York : Thomas Dunne Books/St. Martin’s Press 2008)
Übersetzung: Thorsten Wortmann
Deutsche Erstausgabe (geb.): Juli 2009 (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)
361 S.
ISBN-13: 978-3-89602-879-2

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Von der Pike abwärts: Karriere mit Fehlzündungen

Obwohl Shatner – gewollt oder unwillkürlich, weil es seine Art ist oder sein soll – in seiner autobiografischen Darstellung sprunghaft ist, gern zwischen Zeiten und Themen ‚springt‘ und ein Faible für unterhaltsame aber ablenkende Anekdoten an den Tag legt, folgen seine Erinnerungen insgesamt einem chronologischen Faden. Sowohl der berühmte Kirk als auch der berüchtigte Shatner wurden 1931 in Kanada als Sohn eines jüdischen Billig-Schneiders geboren („Ein kleiner jüdischer Junge aus Montreal“). Die Herkunft und die Erinnerung an ständige Geldnot erwiesen sich als prägend. Immer wieder kommt Shatner auf seine Existenz-Ängste zurück, die ihn zwingen, praktisch jede Rolle anzunehmen, weil er fürchtet, ansonsten aus dem Geschäft zu sein.

William Shatner gehört zu einer Generation junger Nordamerikaner, die nicht mehr in den II. Weltkrieg und in keinen der späteren US-Kriege ziehen musste. Nachdem er seine Liebe zu den darstellenden Künsten entdeckt hatte, konnte er sich ihnen deshalb kompromisslos widmen. Nach 1945 boomte die Unterhaltungsindustrie in Radio, Theater und Film. Hinzu kam wenig später das Fernsehen. Junge Darsteller fanden hier zwar keine hohen Gagen aber ein breites Betätigungsfeld („Anfänge im Radio und Fernsehen“, „Mr. Broadway erobert die Stadt“). Shatner schildert die Möglichkeiten, die freilich mit hartem Konkurrenzdruck einhergingen. Der junge Schauspieler musste seinen Job auf die harte Tour lernen. Er beging Fehler, traf falsche Entscheidungen, wurde hereingelegt – und arbeitete praktisch rund um die Uhr.

Ersten Erfolgen am Theater und im Fernsehen („Ein Star wird geboren“) folgten immer wieder Durststrecken und Routinerollen. Shatner gehörte zum Fußvolk seiner Zunft. Er spielte Gastrollen in beinahe sämtlichen Serien der 1950er und 60er Jahre, ohne dabei ein Profil zu entwickeln, das sein Wiedererkennen garantierte. Shatners ‚Karriere‘ drohte deshalb zu versanden; 1966 war nach anderthalb Jahrzehnten harter Arbeit der Durchbruch weiterhin fern – und die Zeit lief gegen den nicht mehr ganz jungen Schauspieler.

Der lange Weg zum Shatman

Dies änderte sich auch nicht, als Shatner im genannten Jahr als Captain Kirk auf der „Enterprise“ anheuerte („Der Weltraum – unendliche Weiten“). Für ihn war dies ein Job wie viele andere, weshalb es ihn weder überraschte noch erschütterte, als „Star Trek“ schon nach drei Jahren abgesetzt wurde. Shatner machte weiter wie bisher und registrierte nur nebenbei und ganz allmählich das Aufkommen des „Star-Trek“-Kultes. Währenddessen zog der Schauspieler geschieden und pleite per Wohnmobil von Drehort zu Drehort und nahm erst recht jeden möglichen und unmöglichen Job an („Shiva“).

In den 1970er Jahren erlebte Shatner privat und beruflich schwierige Zeiten. Die Erinnerung daran kann auch der betont humorvolle Ton nicht überdecken („I’m a rocket man!“). Erst die Neuauflage der klassischen „Star-Trek“-Serie im Kino brachte ihn endlich auf die Gewinnerseite. Shatner startete durch, nutzte den Ruhm und den Kult-Status der Kirk-Rolle, wurde Regisseur, Drehbuchautor und Produzent („Cop, Regisseur & Comedian“).

Anfang der 1990er Jahre heiratete Shatner zum dritten Mal. Der Ehe mit Nerine Kidd und ihr tragisches, von den Medien gierig aufgegriffenes Ende widmet Shatner ein eigenes Kapitel („Notruf“). Dies gilt auch für den Tod seines Alter Egos („Kirks Ende“), dem zuzustimmen Shatner inzwischen als eine der zahlreichen Fehlentscheidungen seiner turbulenten Karriere betrachtet.

Die Autobiografie klingt in der Gegenwart aus, die William Shatner abermals verheiratet und beruflich erfolgreicher denn je erlebt. An den Ruhestand kann und will das rüstige aber bald 80-jährige Multi-Talent weiterhin nicht denken.

Ein real phantastisches Leben

Dass William Shatner seinem Erstaunen über das Erlebte und Überstandene immer wieder Ausdruck verleiht, können seine Leser nach der Lektüre dieser Autobiografie problemlos verstehen. Unabhängig von der (ohnehin aus der Ferne nicht zu beantwortenden) Frage nach seinen oft und gern angeprangerten Schauspiel- oder Charakterschwächen ist Shatner nicht nur ein Veteran seiner Zunft, sondern ein Zeitzeuge, dessen Erfahrungen in Film, Fernsehen, Theater u. a. Darstellungsformen sechs Jahrzehnte umfassen. Shatner hat alles gemacht, er arbeitete als Schauspieler, Regisseur, Autor, Sänger oder Moderator.

Die Rolle als James T. Kirk erwies als Glücksfall seines Lebens. Oft wird Shatner auf den unternehmungslustigen Captain des Raumschiffs „Enterprise“ reduziert und seine Privatperson mit ihm gleichgesetzt. Schaut man sich die unglaubliche Zahl von Figuren an, in die er schlüpfte, wird deutlich, dass Shatner mehr ist als der eitle, übertrieben agierende, viel zu jungen Frauen hinterherjagende Toupet-Träger, als den ihn jüngere Generationen kennengelernt zu haben glauben: Auf diese Weise bleibt man nicht 60 Jahre in einem äußerst schnelllebigen Geschäft aktiv oder gar erfolgreich.

Gleichzeitig ist Shatner ein cleverer Selbstvermarkter, der selbst die negativen Seiten seines Images für sich umzumünzen weiß. ‚Seine‘ Autobiografie ist dafür ein perfektes Beispiel. Shatner firmiert als Autor; mit der Lupe muss man den Namen David Fisher suchen, der die Vorgaben des „Shatman“ in einen lesbaren Text verwandelt hat. Artig dankt ihm Shatner in seinem Vorwort für die ‚Mitarbeit‘, entlarvt sich aber später als ‚Verfasser“ zahlreicher Romane mit der Information, stets nur Ideen für das grobe Gerüst einer Geschichte in den Raum zu werfen, aus denen anschließend ‚Co-Autoren‘ ein weiteres Buch machen, das Shatner in ‚seine‘ Literaturliste aufnimmt.

Autobiografie mit Botschaft

Selbstbewusst und sensibel, rücksichtslos und freundlich, gerissen aber nicht klug: So möchte sich Shatner dargestellt wissen. Er gibt vor, die Rolle des „Shatman“ nur zu spielen, was seine Kritiker im Gegensatz zu seinen echten Fans angeblich nicht begreifen. Shatner unterlegt seine Äußerungen und Aktionen gern mit einem Kontext, den er nachträglich erläutert. Eingestreute Geständnisse charakterlicher Schwächen sollen entwaffnend wirken. Nicht nur einmal gibt Shatner zu, dass Wahrheit für ihn auch ein Stoff ist, den er verformt und verdreht, um ihn für seine Zwecke zu nutzen. Gleichzeitig gibt er sich als Autobiograf betont offen und ehrlich, was er durch eine einfache, kumpelhafte, man könnte auch sagen: anbiedernde Sprache unterstreicht. Mit der Diskrepanz muss sich der Leser auseinandersetzen. Zur stetigen Verunsicherung tragen Shatners Abschweifungen bei, die oft in Hinweisen auf die Verkaufsangebote auf seiner Website münden; der geschäftstüchtige Autor bedient sich hier jener Nachrede, er sei geizig und geldgierig.

Auf diese Weise spricht Shatner Vorwürfe selbst an, um sie dann zu ‚erklären‘ und Stück für Stück zu entkräften. Als Biograf hält er auf diese Weise die Fäden auch dann noch fest in der Hand, wenn es in Lebensabschnitte geht, in denen Shatner keine gute Figur macht. Das schließt auch die Jahre der „Star-Trek“-Fernsehserie ein. Shatner räumt dieser Phase verständlicherweise breiten Raum ein. Dabei verhehlt er die Schwierigkeiten mit seinen Schauspielerkollegen oder mit dem Fernsehstudio nicht, übernimmt ein wenig Verantwortung, um anschließend die Dinge so zurechtzurücken, bis man ihn beinahe als Opfer übler Nachrede betrachten möchte.

Das Gedächtnis ist ein subjektiv arbeitendes Funktionselement des Hirns. Shatner hat früher einmal behauptet, ihm seien die „Star-Trek“-Jahre längst entfallen. Dafür wartet er in seiner Biografie mit erstaunlichen Details auf. Shatner hat Rollen in dreistelliger Zahl gespielt. Trotzdem scheint ihm jede Figur präsent zu sein. Ist dies ‚echtes‘ Erinnern oder das Ergebnis nachträglicher Recherche, die als Erinnerung ‚getarnt‘ wurde?

Autobiografie eines Insiders

Dieser Verdacht keimt während der Lektüre oft auf. Er mindert die positiven Seiten einer Autobiografie, deren Verfasser (nennen wir ihn der Einfachheit halber weiterhin so) Zeitzeuge einer Film- und Fernsehgeschichte ‚von unten‘ ist. Vor allem der Fan des phantastischen Genres wird immer wieder über Shatner stolpern, der sowohl in der SF als auch im Horror zahlreiche und manchmal sogar tiefe Spuren hinterlassen hat. Shatner war und ist beileibe nicht nur Captain Kirk, sondern auch Bob Wilson in der klassischen „Twilight-Zone“-Episode „Terror at 20.000 Feet“ (1963), Mark Preston im Grusel-Heuler „The Devil’s Rain“ (1975; dt. angemessen dümmlich „Nachts, wenn die Leichen schreien“) oder Walter H. Bascom in der SF-Serie „TekWar“ (1995-96).

Ganz unten und ganz oben: Shatner ist seit sechs Jahrzehnten ein Teil der modernen US-Unterhaltungs-Industrie. Selbst wenn er sich vor allem an und in Anekdoten erinnert, blieben übergreifend Interessantew haften. Shatner kennt den Alltag vor und hinter der Kamera. Auf dieser Ebene liest sich seine Autobiografie nicht nur unterhaltsam, sondern liefert Hintergrundwissen aus einer Branche, die längst nicht so glanzvoll ist wie sie sich selbst gern gibt.

Unterm Strich offenbart sich der „Shatman“ so, wie er sich zu offenbaren gedenkt, während er völlige Ehrlichkeit suggeriert, um dies gleichzeitig zu relativieren. Dies sollte der Leser bedenken, der sich gleichzeitig auf eine oft interessante, unterhaltsame und dabei im positiven Sinn ‚leichte‘ Lektüre einstellen kann.

Autor

William Shatner wurde am 22 März 1931 in der kanadischen Großstadt Montreal geboren. Er wurde schon in jungen Jahren Schauspieler und trat zunächst im Theater auf. 1956 ging Shatner in die USA und zum Broadway. Parallel dazu spielte er in zahlreichen TV-Dramen, die damals noch live gesendet wurden. Zwei Jahre später tauchte Shatner in „The Brothers Karamazov“/„Die Brüder Karamasow“ an der Seite von Yul Brunner und Maria Schell im Kino auf.

Der echte Durchbruch blieb aus. Viele Jahre spielte Shatner in Kinofilmen und TV-Shows der B- und C-Kategorie. Darin lieferte er trotz seiner theatralischen bis pathetischen Darstellungsweise durchaus achtbare Leistungen ab. 1966 bis 1969 folgte die Hauptrolle in der „Star-Trek“-Serie, die von einer weiteren Durststrecke und den für Shatner typischen Rollen in billigen Filmen und Fernsehserien gefolgt wurde. Erst die Rückkehr als Captain Kirk in den „Star-Trek“-Kinofilmen brachte ihm endlich Erfolg. Er nutzte ihn geschickt, um eine Karriere als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Gang zu bringen. Seine Aktivitäten als Schauspieler schränkte Shatner gleichzeitig keineswegs ein, versuchte sich als Sänger, wurde Pferdezüchter, gründete eine Firma für Spezialeffekte („Core Digital Effects“) und entwickelte schriftstellerische Ambitionen.

Auch im Alter denkt Shatner nicht an den Ruhestand. Er legt sich ein Arbeitspensum auf, das einen halb so alten Mann schrecken könnte (s. www.williamshatner.com). In seiner Rolle als unwürdiger Greis besetzt er im Kulturleben der USA etwa dieselbe Nische wie hierzulande Dieter Bohlen oder früher Verona Feldbusch und hat sich als Trash-Ikone und Amerikas liebster Toupet-Träger eine solide Alterskarriere aufgebaut. William Shatner ist in vierter Ehe verheiratet und lebt heute in Südkalifornien und Kentucky.

[md]

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Die Kunst der weiblichen Unterwerfung

Erstellt von Werner Karl am 20. Dezember 2009

die-kunst-der-weiblichen-unterwerfungClaudia Varrin
Die Kunst der weiblichen Unterwerfung

The Sensual Joys of Female Submission, USA, 2001
Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 3/2007
TB, Sachbuch, Erotik
ISBN 9783896027733
Aus dem Amerikanischen von Markus Sailer
Titelbild von Bianca Krause

www.Schwarzkopf-Schwarzkopf.de
www.claudiavarrin.com
www.bianca-krause.de

Gerade wenn es die eigenen Vorlieben und heimlichen Gelüste betrifft, werden viele Menschen sehr schnell schweigsam. Denn auch wenn Erotik und Sex in den Medien allzeit präsent sind, bedeutet das nicht, dass man wildfremden Menschen seine eigenen Sehnsüchte mitteilt, gerade wenn sie ein wenig von der Norm abweichen. Besonders Frauen hüten sich oft, darüber zu reden, dass sie es genießen, in einer Liebesnacht dem männlichen Partner hilflos ausgeliefert zu sein und ihm zu dienen wie eine Sklavin. Denn in der heutigen Zeit wird das Motiv häufig benutzt, um in der Realität ihr selbstbewusstes Verhalten und den Wunsch nach Gleichberechtigung zu unterdrücken, da Frauen sich in den Augen vieler (auf diese Weise) ohnehin gerne unterordnen wollen.

Um Frauen dabei zu helfen, zu ihren verborgenen Sehnsüchten zu stehen und dennoch selbstbewusst zu bleiben, wenn sie sich nicht erotischen Spielen hingeben, beschäftigt sich Claudia Varrin in ihrem zweiten Buch mit der „Kunst der weiblichen Unterwerfung“. Zunächst äußert sie sich sehr lange und sehr ausführlich, wie es überhaupt dazu kommt, dass man als moderne und selbstbewusste Frau bereit dazu ist, sich so fallen zu lassen, geht auf den schmalen Grad zwischen freiwilliger Hingabe und Vergewaltigung ein und beschreibt den Genuss, den man durch die völlige Unterordnung erleben kann. Sie erzählt, was man sich bewusst machen und an Vorbereitungen treffen sollte, bevor man sich darauf einlässt. Denn schon ein kleiner Fehler kann verheerende Folgen haben und Vertrauen zerstören.

Ein weiterer großer Teil ist dem Sadismus und Masochismus gewidmet, ebenso den, mit der Demütigung verbundenen, Spielen und Fetischen. Dabei geht sie etwas emotionaler vor als in „Die Kunst der weiblichen Dominanz“. Zwar setzt sie sich auch mit den negativen Auswirkungen dieses Wunsches auseinander und gibt entsprechende Warnungen aus, wann man Grenzen setzen sollte und wie man sich wehren kann; alles in allem steht sie aber der weiblichen Unterwerfung viel emotionaler und begeisterter gegenüber als ihren Dasein als Domina und bestätigt damit unterschwellig auf jeden Fall wieder die Vorurteile.

Insgesamt bleibt sie sehr vage und überlässt es dem Leser, ob er sich von den Erklärungen und Beschreibungen angesprochen fühlt oder das Buch genervt beiseite legt. Als Lesebuch für Paare ist es jedenfalls nicht geeignet, da nur auf die weibliche Seite eingegangen, die Verantwortung der männlichen aber so gut wie ganz verschwiegen wird. „Die Kunst der weiblichen Unterwerfung“ gibt einen interessanten, wenn auch sehr einseitigen Einblick in die Welt der etwas ungewöhnlicheren Spielart der Liebe, die gerade vom weiblichen Partner völlige Selbstaufgabe verlangt und leider oft genug auch Eingang in das reale Leben fernab der erotischen Fantasien findet.

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
Die Kunst der weiblichen Unterwerfung

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Die Kunst der weiblichen Dominanz

Erstellt von Werner Karl am 5. November 2009

die-kunst-der-weiblichen-dominanzClaudia Varrin
Die Kunst der weiblichen Dominanz

The Art of Female Sensual Dominance – A Guide for Woman, USA, 1998
Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 3/2006
TB, Sachbuch, Erotik
ISBN 9783896027108
Aus dem Amerikanischen von Markus Sailer
Titelfoto von Bianca Krause
Illustrationen von Cynthia Lechan

www.Schwarzkopf-Schwarzkopf.de
www.claudiavarrin.com
www.bianca-krause.de

Sex ist ein Thema, über das die meisten Menschen auch heute nur hinter vorgehaltener Hand sprechen, wenn es sie selbst betrifft. Anders sieht es aus, wenn es um Fremde geht; da werden besondere Spielarten der Erotik eher misstrauisch betrachtet und belächelt. Doch hat sich so mancher nicht schon einmal insgeheim gewünscht, in die Rolle einer Domina und eines Sklaven oder eines Herrn und seiner demütigen Sklavin zu schlüpfen? Für alle, die nicht nur davon träumen, sondern insgeheim überlegen, ob sie nicht vielleicht doch versuchen sollen, in diese Rollen zu schlüpfen, gibt es nun das Buch „Die Kunst der weiblichen Dominanz“ von Claudia Varrin, selbst eine aktive Domina aus Amerika. Das Buch bietet nicht nur einen Überblick über die unzähligen Spielarten, in denen die Frau die Herrin ist und sich der Mann ihr demütig unterwirft, sondern beschreibt auch die wichtigsten Praktiken und erklärt, wie weit man wirklich gehen darf, ohne dem anderen Schaden zuzufügen.

Sie gibt einen Einblick in die weit gefächerte Szene, in der es nicht nur Liebhaber von Fetischen, Fesseln und erotischer Folter gibt, sondern auch Männer, die in richtige Rollen wie die eines unterwürfigen Sklaven oder eines Ponys schlüpfen, und Frauen, die sie beherrschen. Sie beschreibt, wie man auch als Anfänger einen Bezug dazu bekommen kann, was immer dabei zu beachten ist, angefangen von Warnhinweisen, welche Körperzonen tabu sind, und was man bei Schlägen und Fesseln beachten muss, bis hin zu Vorschlägen für das passende Ambiente und wie die Stopp-Wörter aussehen können, mit denen der unterwürfige Partner seine Grenzen setzen kann. Sie erläutert genauer, was es mit Bondage, Crossdressing, Disziplinierung, Fetischen, Wasserspielen, Sinnesentzug und –reizungen, aber auch mit Partyspielen und vielem anderen mehr auf sich hat.

Dabei bleibt sie außergewöhnlich nüchtern und distanziert, so dass der Leser sich nicht unbedingt an den Beschreibungen ‚aufgeilen’, aber schon einen ersten Einblick in die Bereiche der Erotik bekommen kann, die für die meisten Menschen eher als pervers gelten und nicht viel mit Leidenschaft und Liebe zu tun haben. Dadurch schafft sie einen guten Abstand, auch wenn man ihren Erläuterungen die eigene Begeisterung anmerkt. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sich von den Erklärungen und Beschreibungen, die sehr allgemein bleiben, angeregt fühlen soll – oder das Buch wieder weg legt, weil es nicht seinen Erwartungen entspricht. Alles in allem ist „Die Kunst der weiblichen Dominanz“ weniger ein erotisches Lesebuch als ein interessantes Sachbuch über besondere Spielarten der Liebe, das neugierigen Lesern einen ersten, wenn auch oberflächlichen Eindruck geben kann und das heikle Thema insgesamt doch sehr geschmackvoll behandelt. (CS)

Titel bei Amazon.de:
Die Kunst der weiblichen Dominanz

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Gwen -Tagebuch meiner Lust

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. Juni 2009

Christoph Brandhurst
Gwen -Tagebuch meiner Lust

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 3/2007
TB, Erotik, 978-3-89602-771-9, 240/990
Titelfoto von Gwen
Ab 18 Jahren – für Kinder und Jugendliche nicht geeignet!

www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
www.marcel-feige.de

Die sexuelle Revolution hat dazu geführt, dass Bücher mit erotischem Inhalt nicht mehr nur verschämt unter dem Ladentisch oder über den Versandhandeln verkauft werden, sondern für jeden zugänglich in den Regalen und Ständern der Buchhandlungen zu finden sind. Dabei sind viele Werke nicht unbedingt als spannende Werke der Fiktion konzipiert, sondern werden gerne als Erfahrungsberichte ausgegeben.

Ein solcher Fall ist „Gwen – Tagebuch meiner Lust“. Aufgezeichnet von Christoph Brandhurst alias Marcel Feige, plaudert dort ein modernes junges Mädchen über Lust und Leidenschaft in ihrem Leben.

Gwen ist dreizehn Jahre alt, als sie während einer Urlaubsreise nach Griechenland das erste Mal in ihrem Leben mit einem jungen Mann in einer Umkleidekabine Sex hat, wenngleich sie noch nicht entjungfert wird. Schon vorher hatte das Mädchen keine Probleme damit, sich mit der körperlichen Liebe zu beschäftigen. Nach diesen ersten Erfahrungen gibt es kein Halten mehr. Gwen findet Geschmack am Sex und versucht auch nach dem Urlaub, mehr davon zu bekommen, selbst wenn das erste Zusammensein mit einem nur wenig älteren Jungen eher eine Ernüchterung ist und ihr nicht viel bringt. Dennoch bleibt sie auf der Suche nach wirklich befriedigenden Partnern und besucht dabei auch Clubs und Diskos in die sie noch gar nicht darf.

Dann tritt Ben in ihr Leben und lehrt sie durch die Freuden und Leiden des SM wahre Lust zu empfinden. Das bricht auch die letzten Dämme der Zurückhaltung in dem jungen Mädchen. Sie hat den Gipfel höchster Lust erklommen und will das nicht mehr missen. Wie ein Schmetterling flattert sie von einer Blüte zur anderen, kennt bald die angesagten Szeneläden und Swingerclubs. Sie sagt weder zu Männern noch zu Frauen nein, wenn ihr diese im Bett gefallen.

Ihrer Mutter erzählt sie erst nach und nach davon, merkt aber auch, dass sie freie Hand hat, wenn sie bestimmte Regeln einhält, so dass sie sich mit knapp 20 Jahren zu einer sexuell erfahrenen und unabhängigen Frau entwickelt hat, die sich nimmt, was sie will, und klare Prinzipien und Vorstellungen hat.

In den 1960er Jahren schockierte Oswald Kolle die Nation mit der Filmreihe „Schulmädchenreport“ und zahlreichen Ablegern. Damals wurde das Bild von sexuell aktiven jungen Mädchen gezeichnet, die sich zwar nehmen, was sie wollen, aber in der Liebe doch letztendlich den unterwürfigen Part spielen. Und an diesem Bild hat sich nicht ganz so viel geändert, wenn man Bücher wie „Gwen – Tagebuch meiner Lust“ betrachtet.

Der Roman erfüllt weitestgehend die Klischeevorstellungen von dem sexuell enthemmten Teenager, der sozusagen von einem älteren Mann ‚erweckt’ wird und danach Lust und Leidenschaft braucht, um das Leben zu genießen. Liebe und Romantik spielen dabei keine Rolle. Statt eines wohligen Kribbelns im Bauch braucht sie bereits im Alter von vierzehn Jahren viel mehr als nur Jungmädchen-Phantasien und erfüllt damit eher die „Lolita“- und Flittchenträume von Männern, als wirklich eine sexuell emanzipierte junge Frau zu sein. Denn die Sprache, in der sie von ihren Erlebnissen erzählt ist eher männlich-vulgär als weiblich-selbstbewusst.

Um noch frei verkauft werden zu können, bleibt das Buch in seinen Beschreibungen eher zurückhaltend. Wer deftig-detaillierte Äußerungen über den Akt oder die gängigen SM-Praktiken erwartet hat, wird bitter enttäuscht, denn das Meiste wird nur angedeutet oder angerissen und ist im Grunde in der Öffentlichkeit bekannt.

Ob das Buch für ihn oder sie erotisch ist, muss der Leser vermutlich selbst entscheiden, denn die Geschmäcker gehen bei diesem Thema bekanntlich sehr weit auseinander. Tatsache ist nur, dass es im Prinzip nichts Neues erzählt und im Grunde nur gängige Klischees vertieft und auch von der Spannung her viel zu wünschen übrig lässt. (CS)

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GWEN: Tagebuch meiner Lust

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„Ich nenne es da unten“ – Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex

Erstellt von Detlef Hedderich am 14. März 2009

Bianca Krause & Christoph Brandhurst
„Ich nenne es da unten“ – Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2006, Neuauflage: 2/2009
TB, Erotik, Erfahrungsberichte, 978-3-89602-709-2, 221/895
Titelfoto von Bianca Krause

www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
www.marcel-feige.de

Erotik ist ein Thema, mit dem sich viele Menschen beschäftigen, worüber sie aber nicht gerne offen sprechen, da der Bereich immer noch mit einem starken Tabu belegt ist. Vor allem Frauen werden dazu angehalten, sich in den Gesprächen und Diskussionen zurückzuhalten, auch wenn ihre nackten Körper überall präsent sind.

Durch die anerzogenen Verbote und Schamgefühle sind viele immer noch darin gehemmt, ihre Sexualität frei auszuleben oder zumindest offen darüber zu sprechen, ihre Gedanken und Emotionen in Worte zu fassen, die dem gerecht werden, was sie empfinden.

„Ich nenne es da unten“ ist eines der Bücher, das die Erfahrungsberichte der Frauen gesammelt hat, denen es gelungen ist, frei über ihre Vagina, die Lust und den Sex zu sprechen.

Die Bandbreite der Erzählstile ist dabei sehr interessant:

Während manche nur verschämt andeuten, was in ihnen vorgeht, seit sie ihre ersten Erlebisse mit Männern hatten, werden andere sehr direkt und benutzen bewusst eine vulgäre Sprache. Gerade wenn sie dazu tendieren, sich sadomasochistischen Praktiken oder Gruppensex auf Wunsch des Mannes hin als Sklavin zu unterwerfen oder als Domina aufzutreten. Manche der Geschichten lesen sich so, als wären sie einer pornographisch-erotischen Sammlung entsprungen, gerade wenn es um Gruppensex, den Wunsch, eine Prostituierte oder eine Sklavin zu sein, geht. Aber es gibt auch sehr nüchterne Erzählungen über die Enttäuschungen, die Frauen erlebt haben, nachdem das erste Mal ihre Träume wie eine Seifenblase hat zerplatzen lassen und die Partner sich als sehr selbstsüchtig erwiesen haben.

Wirklich interessant ist eigentlich nur das Vorwort, das erklärt, wie Frauen hierzulande mit Erotik und Sex umgehen und welchen Schwierigkeiten sie sich dabei zu stellen haben. Allerdings bestätigen die Herausgeber mit der Auswahl der Erfahrungsberichte nur die Klischees und Vorurteile, die man von vornherein hat.
Wirkliche Lösungen bietet es nicht, und auch das Gefühl, mit seinen Erfahrungen und Enttäuschungen nicht alleine zu sein, kommt nur in wenigen Geschichten auf.

Das merkt man schon allein daran, dass Frauen kein eigenes Vokabular entwickelt haben, um ihr Geschlechtsorgan zu benennen, sondern oft nur auf die vulgären Bezeichnungen aus der Pornoindustrie zurückgreifen.

Alles in allem ist die Sammlung eher enttäuschend und ernüchternd, da ihr eine klare Linie und Mut machende Beschreibungen fehlen.

„Ich nenne es da unten“ scheitert an seinem eigenen Anspruch. Zwar berichten Frauen von ihren Erfahrungen mit dem Thema Sex, aber wirkliche Aussagen treffen sie nicht. Insgesamt ist das Buch eher eine Sammlung von erotischen Geschichten unterschiedlichster Art, von verhalten bis derb. (CS)

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Ich nenne es “Da unten”. Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex.

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