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Herr der Maschinen

Erstellt von Werner Karl am 27. August 2010

Jean Dufaux (Text), Philippe Xavier (Zeichnungen) & Jean-Jacques Chagnaud (Farbe)
Herr der Maschinen
Kreuzzug 23

(sfbentry)
Croisade: Le maitre des machines, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 01/2010
HC-Album, Fantasy, History, Adventure
ISBN 978-3-940864-39-0
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Philippe Xavier

www.splitter-verlag.de
http://lambiek.net/artist/d/dufaux_jean.htm
http://lambiek.net/artist/x/xavier_p.htm
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Titel erhältlich bei buch24.de
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Robert von Tarent wurde zum Anführer der Kreuzfahrer gewählt, die Hierus Halem befreien und den Leichnam des heiligen X3 bergen wollen. Ihr Vormarsch wird jedoch vom Heer des Sultans Ab’Dul Rasim und durch den tödlichen Wüstenwind gestoppt. Um die Machtposition ihres Geliebten Robert zu sichern, schließt Eleonore, die Gemahlin von Gunther von Flandern, einen Pakt mit dem Herrn der Maschinen, der entgegen ihrer Wünsche diese Gelegenheit ergreift, um Robert, der nach einem Blick in den Spiegel der Sünderin Magdalena immer mehr seinen Ängsten und dem Wahn verfällt, durch ein Gottesurteil aus dem Weg zu räumen.

Unterdessen wird Eleonores Schwester Syria, die in Gunther verliebt ist, von Ab´Dul Rasim aus dem Harem des grausamen Sarek Pascha errettet. Obwohl ein Orakel ihn warnte, verliebt sich der Anführer der Muslime in die schöne Christin, und sie ist durchaus geneigt, sich ihm hinzugeben, aber dann erinnert sie sich an Gunther, über dessen Schicksal sie nichts weiß. Dieser hat mittlerweile Kontakt zu den Juden von Samarand aufgenommen und möchte sie um Unterstützung für die Kreuzfahrer bitten. Im Gegenzug will er sie vom Aar, dessen Hüter die Juden sind, befreien, doch müssen die mutigen Ritter, die das monströse Wesen in seinem unterirdischen Reich aufstöbern, einen hohen Preis zahlen.

Die Story orientiert sich an realen Geschehnissen und historischen Persönlichkeiten (dazu gibt es auch ein Vorwort des Autors, ergänzt durch einige Abbildungen), wobei es den Künstlern gelingt, die unheilvolle Atmosphäre des Konflikts einzufangen, das Denken und Handeln der Protagonisten, die Kinder ihrer Zeit sind, glaubwürdig darzustellen und alles durch eine Portion Magie zu einer phantastischen Abenteuererzählung auszubauen, die vertraut und fremd zugleich erscheint. Bd. 1 der vierteiligen Serie „Kreuzzug“ stellte das Setting, die Akteure und die Problematik vor. Im zweiten Album wurden die Intrigen vorangetrieben und weitere Charaktere eingeführt. Im dritten Teil stehen die Hauptfiguren an einem Scheideweg: Sie müssen eine Wahl, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen wird, treffen, mit Verlusten, hässlichen Wahrheiten und den Folgen ihres Tuns fertig werden.

Genauso wie die Christen untereinander zerstritten sind und über ihre Machtkämpfe den eigentlichen Grund ihres Hierseins fast vergessen haben – natürlich geht es den Kreuzfahrern in erster Linie um Ruhm und Reichtümer, und ihre Gier legitimieren sie durch den Auftrag ihrer religiösen Führer, die ebenfalls weltliche Interessen haben -, gibt es auch in den Reihen der Muslime Personen, die eigene Ziele verfolgen und keine Skrupel kennen. Als dritte Kraft halten sich die Juden bislang im Hintergrund. Welche Konsequenzen sich aus den jüngsten Bündnissen und Entwicklungen für alle Parteien ergeben, ist noch offen, und so bleibt die Spannung nach reichlichen Appetithäppchen gewahrt. Die Geschichte wird in wunderschönen, detailreichen Bildern wiedergegeben, klammert aber auch die grausigen Seiten von Verrat und Krieg nicht aus.

Die Sinnlosigkeit der Gräuel, die auf einige Fanatiker zurückgehen, wird deutlich gezeigt und steht in einem schockierenden Kontrast zu den wenigen ruhigen Szenen, die vage hoffen lassen, dass eine Verständigung trotzdem möglich ist und weitere Blutbäder vermieden werden können. Als Bonbon gibt es wieder zwei aufklappbare Seiten, die das tragische Schicksal von Robert von Tarent schildern, der zu viel wollte und einen schwerwiegenden Fehler beging. „Kreuzzug“ ist eine großartige Reihe, die es mit Titeln wie „Einhorn“, „Die Druiden“ und „Silbermond über Providence“ aufnehmen kann. Die Story ist spannend und voller Überraschungen, die Charaktere und menschlichen Tragödien können überzeugen, und die Illustrationen sind eine wahre Augenweide. Sammlern schöner Comic-Alben und den Freunden des historisch-phantastischen Genres kann man die Serie nur wärmstens empfehlen!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Wohin die Ströme fließen

Erstellt von Werner Karl am 27. August 2010

Manuel Bichebois (Text) & Didier Poli (Zeichnungen)
Wohin die Ströme fließen
Kind des Blitzes 3

(sfbentry)
L’enfant de l’orage: Oú portent les courants, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 03/2009
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-940864-27-7
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Didier Poli

www.splitter-verlag.de
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Das Findelkind Laith überrascht und ängstigt seine Freunde vom Stamm der Dafows, als er durch die Kraft des Blitzes einen verunglückten Spielkameraden ins Leben zurückholt. Diese Fähigkeit erregt schnell das Interesse anderer, die Laith für ihre Pläne missbrauchen wollen, und der Junge muss fliehen. Auf der Suche nach Hinweisen, wer seine Mutter war und wieso er über diese mysteriöse Kraft verfügt, gerät er schließlich in Gefangenschaft. Man nimmt ihm die Blutseine, das einzige Andenken an die Tote, ab und zwingt ihn, als Taucher zu arbeiten. Zufällig stößt er erneut auf den Arzt Dalun, der sich in derselben Stadt niedergelassen hat. Gemeinsam entdecken sie ein geheimes Labor, und die tragische Geschichte von Laith und seiner Mutter wird enthüllt …

„Kind des Blitzes“ fing recht viel versprechend an, ließ mit Bd. 2 jedoch etwas nach, da die Handlung durch mehrere Handlungsebenen und Zeitsprünge zerfaserte und es kaum relevante Informationen gab, die des Lesers Neugierde hätten wach halten können. Wer trotzdem dem dritten Teil eine Chance gibt, wird nach einem zähen Beginn mit einer deutlichen Steigerung belohnt. Ab dem Aufeinandertreffen von Hauptfigur Laith und Dalun erfährt man endlich mehr über die Blutsteine, die Herkunft von Laiths Mutter und welche Bewandtnis es mit der seltsamen Fähigkeit des Jungen, Blitze zu kontrollieren, auf sich hat.

Nach diesen Enthüllungen und der Wiedervereinigung mit den Freunden aus dem Dorf hätte die Geschichte vielleicht mit einem Happy End abgeschlossen werden können, aber nein: Auf diesen ersten Zyklus soll ein weiterer folgen. Tatsächlich verläuft die Begegnung mit den anderen Jugendlichen überhaupt nicht gut, und nach einer neuerlichen Tragödie hadert Laith nicht nur mit dem, was er ist, sondern auch die Freunde stehen ihm zwiespältig gegenüber. Ein glückliches Ende scheint ferner denn je. In Folge wurden mit den Antworten, die man erhielt, neue Fragen aufgeworfen: Kann sich Laith mit dem, was er erfuhr, arrangieren und sich eine friedliche Zukunft aufbauen? Werden ihm die Freunde Verständnis entgegen bringen? Holt der Krieg alle früher oder später ein? Was wird dann aus Laith, dessen Geheimnis einigen machtlüsternen Kriegstreibern bekannt ist? Welche Rolle wird Dalun künftig innehaben?

Will man wissen, wie es weitergeht, muss man schon die nächsten Bände abwarten. Die detailreichen, stimmungsvoll kolorierten Illustrationen machen Lust auf mehr. Auch die ungewöhnlichen Figuren, die teils menschlich, teils tierisch erscheinen, sind mal etwas anderes, wird die Fantasy doch meist von Menschen, Elfen, Zwergen u. ä. Standardvölkern dominiert. Ihre Konflikte sind reizvoller als die Machtkämpfe und Kriegswirren an anderen Orten.

„Kind des Blitzes“ ist eine bislang dreiteilige Serie, die ein zwiespältiges Gefühl hinterlässt. Einerseits spielen die Künstler mit bekannten Motiven des Genres, und die Story wirkt mitunter etwas konfus, doch die Charaktere sind interessant, die Illustrationen gefällig, es gibt interessante Ansätze, und das Ende macht neugierig auf das Kommende. Es empfiehlt sich, ein wenig in den Bänden zu blättern, bevor man sich für oder gegen den Kauf entscheidet.

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Das Feuer der Zeit

Erstellt von Werner Karl am 21. Juli 2010

Christophe Aeleston & Dominique Latil (Text), Thierry Labrosse (Zeichnungen), Didier Arpin (Farben)
Das Feuer der Zeit
Morea 3

(sfbentry)
Moréa: Le feu du tempes, Frankreich, 02/2004
Splitter Verlag, Bielefeld, 10/2008
HC-Album, Comic, SF, Fantasy
ISBN 978-3-939823-92-6
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Thierry Labrosse

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www.latil.org/latil_divers.htm
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Gegen Ende des 21. Jahrhunderts befindet sich die Erde fest in der Hand gigantischer Konzerne. Einer davon ist die DWC, dank der Kuba zu einer der führenden Wirtschaftsmächte zählt. Nachdem der Clan der Doloniacs, der die DWC kontrollierte, durch Attentate bis auf eine junge Sekretärin namens Morea ausgelöscht wurde, stieg diese überraschend zur neuen Chefin auf. Sie ist aber noch sehr viel mehr als eine schnell lernende Geschäftsfrau – nämlich ein Drache und als solcher in einen uralten Konflikt involviert. Während Wesen von Moreas Art für eine blühende Zukunft eintreten, wollen die Engel Düsternis über die Erde bringen. Ausgerechnet diesen skrupellosen Feinden fällt Morea in die Hände und wird auf eine Orbitalstation entführt.

Um dem Geheimnis der Drachen um ihre Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, wird Morea grausamen Tests unterzogen: Sobald sie das Bewusstsein erlangt, tötet man sie durch einen gezielten Kopfschuss und beobachtet den Heilungsprozess. Morea weiß schon nicht mehr, wie oft sie auf diese Weise gestorben ist zurückkehrte, als es ihr gelingt, die Peiniger zu überwältigen. Aber wohin kann sie fliehen? Um sie herum sind die Engel und nichts als der Weltraum. Unterdessen rangeln die drei Morea unterstellten Direktoren, die über den angeblichen Tod ihrer Chefin informiert wurden, um die Führungsposition innerhalb der DWC. Gegen den Willen von zwei der potentiellen Nachfolger startet Ritter Terkio, ein Drache und der Einzige, dem Morea vertrauen kann, einen verzweifelten Befreiungsversuch, denn er ist davon überzeugt, dass sein Schützling noch lebt.

Nachdem im ersten Band, „Das Blut der Engel“, der auf sechs Alben angelegten „Morea“-Serie das Setting, die Hauptfiguren und der zugrunde liegende Konflikt vorgestellt wurden, erfuhr man im zweiten Teil, „Das Rückgrat des Drachens“, durch ein konkretes Beispiel, wie sehr sich die Welt in knapp einhundert Jahren im Vergleich zu bekannten Begebenheiten verändert hat und wie weit die Engel zu gehen bereit sind, um ihre Pläne zu realisieren. An diesem Punkt setzt „Das Feuer der Zeit“ als dritte Episode die Handlung nahtlos fort, und es empfiehlt sich, die vorherigen Bände gelesen zu haben, damit man weiß, worum es überhaupt geht. Zwar wurden bislang nur vage Informationen gegeben, doch ist es notwendig, mit dem Hintergrund und den Problemen der Akteure vertraut zu sein. Dass eine Lektüre sowieso viel mehr Spaß macht, wenn man alle Teile in der richtigen Reihenfolge liest, versteht sich von selbst. Diesmal kommt die Story ein gutes Stück weiter, denn nicht nur wird enthüllt, wo sich die Engel verbergen, sondern auch warum sie geheime Forschungsergebnisse der DWC gestohlen haben (Bd. 2). Ihre Pläne sehen noch viel Schlimmeres für die Menschheit vor, als zu befürchten war.

Auch die Direktoren des Unternehmens, die hoffen, nun an Moreas Stelle treten zu können, legen ihre Karten auf den Tisch, wenngleich es hier keine großen Überraschungen gibt. Die Frage ist eher, wer überlebt die Intrigen, bis Morea wieder da ist? Falls sie überhaupt zurück kommt … Wofür Terkio Sorge tragen will. Ohne dass er und Morea etwas davon ahnen, braut sich immer mehr Unheil zusammen, es gibt weitere Brennpunkte auf der Erde, und noch viele Fragen harren einer Antwort. Es scheint, als habe Terkio Morea nicht alles über die Drachen und ihren ewigen Kampf erzählt, und auch die Engel haben viel Wissen verloren. Man darf auf weitere Enthüllungen gespannt sein und darauf, wie Morea das, was sie zuletzt erfahren hat, nutzen wird. Erneut wurden zwar einige Rätsel gelöst, doch gleichzeitig stellten sich weitere Fragen. Der arlestonsche Humor kommt etwas zu kurz, dafür erreicht die Spannung einen neuen Höhepunkt.

Die grausamen Experimente der Engel verdeutlichen, dass man mit diesem Gegner kein Mitleid zu haben braucht – aber war es wirklich nötig, die Titelheldin mehrmals durch Kopfschüsse zu ermorden und dies zu zeigen? Dass sie fliehen kann – nackt! -, mildert diese Szenen keineswegs ab, wenngleich sich männlichen Lesern ein erfreulicher Anblick bietet, zumal die Illustrationen von Thierry Labrosse sehr ansprechend sind. Man mag der Ansicht sein, weniger wäre hier mehr gewesen, aber das ist, wie vieles, Geschmacksache. Alles in allem ist „Morea“ ein packendes SF-Abenteuer mit einer guten Dosis Erotik und einer kleineren Prise Humor, das sich an ein reiferes Publikum wendet. Genre-Fans werden bestens unterhalten.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Wo sich die Winde kreuzen

Erstellt von Werner Karl am 20. Juli 2010

Manuel Bichebois (Text) & Didier Poli (Zeichnungen)
Wo sich die Winde kreuzen
Kind des Blitzes 2

(sfbentry)
L’enfant de l’orage: La croisée des vents, Frankreich, 2005
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 08/2008
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-9408642-6-0
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Didier Poli

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Das Findelkind Laith wird vom Stamm der Dafows aufgenommen und groß gezogen. Als er auf wundersame Weise einen verunglückten Jungen ins Leben zurückholt, enthüllen die Zieheltern Laith das Wenige, was sie über ihn wissen. Das einzige Andenken an seine echte Mutter sind die „Blutsteine“, die schon bald die Gier anderer wecken, doch noch größer ist das Interesse an den mysteriösen Kräften des „Kind des Blitzes“, die so mancher für seine eigenen Zwecke nutzen möchte. Zwar kann Laith seinen Häschern entkommen, aber das Dafow-Dorf wird überfallen, all seine Bewohner werden nieder gemetzelt und die Kinder entführt.

Laith bleibt nicht viel Zeit zum Trauern, denn er muss seine Flucht fortsetzen. Auch will er seine Freunde finden und das Rätsel um seine Herkunft lösen. Begann der erste Band recht viel versprechend, auch wenn sich die Künstler bekannter Motive bedienten, so enttäuscht die Fortsetzung „Wo die Winde sich kreuzen“ etwas, da man weder Näheres über das Geheimnis von Laith und die Blutsteine erfährt noch eine geradlinige, spannende Handlung vorfindet. Die Geschichte zerfasert in zu viele Handlungsebenen, und es ereignen sich kleine Zeitsprünge, durch die es dem Leser überlassen bleibt, sich selbst so manches Detail auszudenken, was wohl passiert sein mag, dass es zu dieser Situation kam.

Das macht den zweiten Teil der Trilogie zu einem typischen ‚Mittelband„, der die Story kaum voranbringt, da nach der Einführungsphase die wesentlichen Informationen für den Schluss aufgespart werden, der gewiss noch einige Überraschungen bereithält. Selbst die aufwändigen Zeichnungen können dieses Manko kaum ausgleichen, denn man erwartete einfach mehr nach dem interessanten Auftakt.

Natürlich wird man als Sammler, „Wo sich die Winde kreuzen“ nicht missen wollen, stellt das Album doch ein Bindeglied zwischen „Blutsteine“ und „Wohin die Ströme fließen“ dar, und Geschehnisse, die jetzt noch verwirrend erscheinen, könnten sich als notwendige Vorarbeit für ein fulminantes Finale entpuppen. Schätzt man abenteuerliche Fantasy-Comics, in denen sich zur Abwechslung keine Standard-Völker wie Elfen, Trolle, Orks usw. tummeln, dann wird man sicher gern einen Blick in die Trilogie „Kind des Blitzes“ werfen wollen. Die Alben überzeugen durch aufwändige Illustrationen und eigentümliche Charaktere, die Story lässt im zweiten Band etwas nach, doch der Cliffhanger deutet auf einen spannenden Schluss hin.

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Die Sintflut

Erstellt von Werner Karl am 7. Juni 2010

die-sintflutDenis Bajram
Die Sintflut
Universal War One 4

(sfbentry)
Universal War One: Le déluge, Frankreich, 2001
Splitter-Verlag, Bielefeld, 9/2007
HC-Album, Comic, SF
ISBN 978-3-939823-15-5
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Titelgestaltung von Dirk Schulz

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Nachdem im Sonnensystem eine mysteriöse Mauer auftauchte, gelingt es einer Gruppe wagemutiger Astronauten, in die Region dahinter einzudringen, das Phänomen zu erforschen – und es zu zerstören. Sie wissen nun: Zeitreisen sind möglich. Können sie diese Erkenntnis nutzen, um den Untergang der Erde abzuwenden? Die wenigen Stunden, die ihnen bleiben, um den tödlichen Satelliten der ICC zu finden, rinnen ihnen davon. Kalish und seine Kameraden setzen alle Hebel in Bewegung, um die Erde zu retten. Sie sind ihrem Ziel so nahe, doch dann…

… dann läuft das Ultimatum ab.

Eine neue Mauer taucht auf und zerschneidet die Erde. Autos werden durchtrennt, Hochhäuser stürzen ein, die Erdkruste bricht auf, der Planet explodiert…

Der vierte Band der sechsteiligen Serie „Universal War One“ endet mit einem wahren Knaller: Die Erde stirbt. Man nimmt nichts vorweg, wenn man das verrät, denn bereits das Titelbild kündigt das Ende an. Wer die Serie seit Bd. 1 aufmerksam verfolgt, dürfte damit gerechnet haben – selbst wenn man mit den dubiosen und doch sympathischen, weil menschlichen Protagonisten der Schwadron Purgatory hoffte, dass ihre Zeit-Manipulationen erfolgreich sein würden. Ganz knapp sind sie jedoch gescheitert. Ist das nun wirklich das Ende von den Astronauten und von der ganzen Erde? Oder kann der geniale Kalish das Blatt noch einmal wenden? Ist dies der Auslöser des großen Krieges, von dem im Klappentext die Rede ist und der der Serie den Titel gibt?

Nach dem Cliffhanger wird erst der kommende Band Antworten geben. Zweifellos werden diese so unbequem sein wie bisher und neue Fragen aufwerfen. Tatsächlich verlangt die Lektüre Aufmerksamkeit und Mitdenken, denn statt Raumschlachten bietet sie physikalische und philosophische Theorien, statt gefälliger Helden fragwürdige Charaktere mit mehr als nur einem dunklen Fleck auf der weißen Weste, statt spannend-lockerer Unterhaltung ein Drama, dessen gesamtes Ausmaß schwer zu erfassen ist und nicht von ungefähr an den ‚11. September’ erinnert.

„Universal War One“ wendet sich an die SF-Fans unter den Comic-Lesern, die anspruchsvolle Lektüren bevorzugen. Die Serie ist keine leichte Kost und überzeugt nicht nur durch einen komplexen Inhalt sondern auch durch realistische, düstere Illustrationen.

Copyright © 2008 by Irene Salzmann (IS)
 
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Der Krater von Alexandria

Erstellt von Werner Karl am 24. Mai 2010

der-krater-von-alexandriaChristophe Arleston & Audrey Alwett (Text), Pierre Alary (Zeichnungen) & Jean-Paul Fernandez (Farben)
Der Krater von Alexandria
SinBad 1

(sfbentry)
Sinbad: Le cratère d’Alexandrie, Frankreich, 2008
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 10/2008
HC-Album, Fantasy, Adventure
ISBN 978-3-940864-81-9
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Eric Stalner

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Mit Hilfe der Wunderlampe wurde Aladin Kalif von Bagdad. Allerdings ließ er sich von der Macht, die der Djinn ihm verlieh, korrumpieren. Als er erfährt, dass einer seiner Söhne ihn eines Tages töten wird, schickt er seine Soldaten in den Harem. Eigentlich sollten sie die Knaben lediglich in die Verbannung senden, doch, angestachelt von dem Djinn, töten sie die Kinder und ihre Mütter, die sich schützend vor sie werfen. Nur ein Junge entgeht dem Massaker, da ihn die Mutter rechtzeitig in einem Körbchen durch einen Brunnen, der zu einem unterirdischen Fluss führt, aussetzen kann.

Sinbad wird von einem Kaufmann gefunden und aufgezogen. Als junger Mann will er das Rätsel um seine Herkunft lüften und verlässt den Ziehvater mit einem Sack voller magischer Dinge, die er im Laufe der Jahre sammelte. Sinbads Ziel ist die Insel der grausamen Zauberin Turabah. Er hofft, seine kleinen Schätze gegen den „Krater von Alexandria“ tauschen zu können. Das Trinkgefäss soll, wenn es mit delphischem Wein gefüllt wird, einen Blick in die Vergangenheit erlauben. Turabah ist jedoch nicht bereit, den Krater aus der Hand zu geben. Heimlich schleicht sich Sinbad in die Schatzkammer, um das Objekt zu stehlen. Dabei wird er von Azna, dem weißen Panther, überrascht …

Christophe Arleston, dessen spannende und humorvolle Geschichten – darunter „Lanfeust von Troy“, „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ und „Morea“ – den Freunden francobelgischer Comics zweifellos bekannt sind, präsentiert mit „Sinbad“ seinen nächsten Streich. Illustriert wird die Reihe von Pierre Alary, der mit „Belladonna“ debütierte. Munter mischt der Autor bekannte Motive aus Märchen, Mythen und Legenden, um ein dichtes, farbenfrohes, orientalisches Setting einschließlich einiger Aha-Effekte zu schaffen: So wird Titelheld Sin(d)bad zum Sohn von Aladin, der jedoch zusammen mit seinem Djinn böse geworden ist, was die Farbgebung (erst rosa, nun blau) verdeutlicht. Sinbads Mutter belauscht den aufschlussreichen Dialog, und das Kind überlebt genauso wie Moses. Das Motiv der Kinds- bzw. Vatertötung findet man sowohl in der „Bibel“ (Herodes, Moses) mehrmals als auch in der der griechisch-römischen Sagenwelt (Uranos/Kronos/Zeus, Ödipus). Anspielungen auf das Orakel von Delphi, die Bibliothek von Alexandria mit all dem aufgezeichneten Wissen, das Labyrinth des Minotaurus, den Vogel Roc, Daedalos & Ikaros, Meerjungfrauen, Werwesen u. v. m. finden sich zudem.

Schon nach wenigen Panels ist klar, Sinbad ist ein wahrer Filou – ein kleiner Gauner, Betrüger und Frauenheld. Dennoch hat er die Sympathien der Leser auf seiner Seite, denn praktisch alle Leute, denen er begegnet, haben mehr Dreck am Stecken als er, sei es der Hüne, der seine Schwester tötete, nachdem sie von Sinbad ‚entehrt’ worden war, oder auch Turabah, die aus Langeweile ihre Sklaven ermorden lässt. Der erste Band stellt das Setting, die Akteure und die Problematik vor, die reichlich ausgeschmückt wurde und eine Menge Abenteuer und Spaß verspricht. Als Leser weiß man mehr als der Titelheld, jedoch längst nicht alles, außerdem kennt dieser jede Menge Trick, um der Handlung unerwartete Wendungen zu verleihen. Die Illustrationen, die mit detailreichen Hintergründen und überzeichneten Figuren aufwarten, unterstützen gelungen den Arlestonsche Humor.

Schätzt man die Comic-Serien des Autors oder hat man Spaß an Reihen wie „Marlysa“ und „Alim der Gerber“, wird man auch „Sinbad“ eine Chance geben wollen. Schon der Auftaktband bietet viel Handlung, so dass man sicher sein kann, dass weitere opulent inszenierte Abenteuer folgen werden.

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Das Blutopfer

Erstellt von Werner Karl am 23. Mai 2010

das-blutopferEric Stalner (Text und Zeichnungen) & Jean-Jacques Chagnaud (Farben)
Das Blutopfer
Die Legende von Malemort 3

(sfbentry)
Le roman de Malemort: Le don du sang, Frankreich, 2001
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 09/2009
HC-Album, Fantasy, Adventure, Geschichte
ISBN 978-3-86869-023-1
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Eric Stalner

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Anthea ist es geglückt, zusammen mit Ritter Malperthuis, dem Zwerg Arnulf, der Bordellwirtin Frau Agnes und dem Jungen Arvid dem grausigen Verließ zu entkommen. Seither such sie nach Graf Colbus de Malemort, der ihnen geholfen, sich jedoch gleich wieder zurückgezogen hatte, da Anthea voller Entsetzen auf sein wahres Wesen reagierte. Inzwischen bedauert sie ihr Verhalten, denn sie ist dankbar und zugleich fasziniert von dem Vampir. Als sie und Arvid von einem Adligen bedroht werden, greift Colbus ein und saugt dem Neffen des Bischofs von Montgarac, seinem Feind, der ihn zu dem gemacht hat, der er nun ist, das Blut aus. Anschließend will er es zu Ende bringen und tritt dem Bischof gegenüber, aber Anthea will nicht zulassen, dass Colbus stirbt. Sie findet ihn, von vielen Pfeilen durchbohrt. Allein ihr Blut könnte ihn wieder erstarken lassen …

Man sollte „Unter dem Mondlicht“ und „Das Tor des Vergessens“ gelesen haben, um zu verstehen, worum es in „Das Blutopfer“, dem dritten Band der „Legende von Malemort“ geht, denn die Geschehnisse bauen aufeinander auf. Erklärungen werden keine geliefert, das Garn der Geschichte wird stattdessen weiter abgespult, und bekommt man Antworten, dann in Form von Rückblenden, die verraten, was vor vielen Jahren passierte und zu der Feindschaft zwischen Colbus und dem Bischof führte bzw. wie der Graf zum Vampir wurde. Diesmal geht es etwas ruhiger zu, es geschieht nicht viel Spektakuläres, da sich die Flüchtlinge verstecken und Anthea nach Colbus sucht. Spannung wird dadurch erzeugt, dass sie immer wieder Soldaten in der Menge sieht, die sie erkennen könnten, und Arvid durch Leichtsinn eine Gefahr für sie beide heraufbeschwört.

Colbus Wunsch, nicht länger als Monster mit all seinen traurigen Erinnerungen leben zu müssen, kommt etwas unerwartet und wirkt in Hinblick auf die Situation unlogisch: Warum sollte er nach all den Jahren ungestüm und ohne Plan angreifen? Weshalb will er sterben, bevor die Rechnung beglichen ist? Nur weil er sein Dasein als Vampir satt hat und Anthea im ersten Moment erschrocken zurückwich? Tatsächlich liegt ihm viel an dem Mädchen, dessen Herkunft noch nicht geklärt wurde, und seinen alten Freunden, dem Ritter und dem Zwerg, die schutzlos zurückbleiben würden.

So fühlt man sich angesichts der ‚Kurzschlusshandlung’ etwas ratlos, doch tut dies der Spannung keinen Abbruch, zumal die Beziehung zwischen Colbus und Anthea nun neu definiert wird. Außerdem möchte man gern wissen, wie es weiter geht und welche Geheimnisse die Protagonisten noch mit sich herum tragen. Ob es eine Romanze zwischen den Hauptfiguren geben wird, bleibt abzuwarten. Dieses Drama spielt sich vor einer Kulisse ab, die man als das Frankreich des 13. Jahrhunderts erkennt. Adel und Klerus herrschen mit Willkür, die Standesschranken zwischen Arm und Reich wiegen schwer, wer vom ‚wahren Glauben’ abweicht, wird von der Inquisition als Ketzer oder Hexe verbrannt. Ob Unschuldige dabei sterben, spielt für die Mächtigen keine Rolle.

Erik Stalner präsentiert die Story in wunderschönen, manchmal schon märchenhaft anmutenden Bildern mit atmosphärischer Kolorierung. Vor allem die detailgetreuen Hintergründe laden zum längeren Betrachten ein. Fraglos ist „Die Legende von Malemort“ einer der schönsten francobelgischen Comics, die derzeit bei Splitter erscheinen, und wer Freude an Titeln wie „Die Legende der Drachenritter“, „Marlysa“ oder „Kreuzzug“ hat, wird auch diesen Sechsteiler gern seiner Sammlung hinzufügen.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
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Der Qa’dj

Erstellt von Werner Karl am 2. Mai 2010

kreuzzugJean Dufaux (Text), Philippe Xavier (Zeichnungen) & Jean-Jacques Chagnaud (Farbe)
Der Qa’dj
Kreuzzug 2

(sfbentry)
Croisade: Le Qua’dj, Frankreich, 2008
Splitter-Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 05/2009
HC-Album, Fantasy, History, Adventure
ISBN 978-3-940864-38-3
Aus dem Französichen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Philippe Xavier

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Bei dem vergeblichen Versuch, Hierus Halem zu erobern und den Leichnam des heiligen X3 zu bergen, stirbt Gregor von Arkos, und sein Heer wird aufgerieben. Seinem ehrgeizigen Nachfolger Robert von Tarent stehen in Folge zu wenige Ritter zur Verfügung, um den Kreuzzug fortzusetzen. Eleonore, seine Geliebte und Gemahlin von Gunther von Flandern, ist bereit, den hohen Preis des Herrn der Maschinen zu bezahlen, wenn er sie unterstützt. Sogar ihre Schwester Syria, die Gunther liebt und der ihre Gefühle erwidert, will Eleonore opfern. Die Karawane, mit der Syria reist, wird überfallen. Alle werden ermordet, und sie selber erwartet im Harem von Sarek Pascha ein grausames Schicksal. Für Sultan Ab´Dul Rasim ist es eine Frage der Ehre, die Christenprinzessin aus der Gewalt dieses Monsters zu befreien, doch was hat er mit ihr vor?

Unterdessen suchen Gunther und sein Freund Nakasch nach einem Weg, die drohende Niederlage der Kreuzfahrer abzuwenden. Aber um die Hilfe der Juden von Samarand zu erhalten, muss erst der mysteriöse Aar besiegt werden, über den zu wachen sie gezwungen sind. Gunther glaubt, dass er weiß, was zu tun ist, und wagt sich zusammen mit Osarias, dem Anführer der Juden, Balko, einem seiner Leute, und Nakasch in die unterirdische Welt des Aar vor, der plötzlich und gnadenlos zuschlägt …

Nachdem im ersten Band der zugrunde liegende historische Kontext, das Setting, die wichtigsten Protagonisten und ihre Konflikte vorgestellt wurden, konzentriert sich der zweite Teil auf die Handlung und die Fortführung der Intrigen. Zahlreiche Personen sind involviert, die Schauplätze wechseln, Verrat und Magie sorgen für unerwartete Wendungen. Die Geschichte kommt ein gutes Stück voran, doch ist „Kreuzzug 2“ ein typischer ‚Mittelband’, dessen Vorgeschichte man zum besseren Verständnis kennen sollte, in dem sehr viel passiert, der auch mit einigen spannenden Cliffhangern endet – aber keinerlei Antworten gibt. Alles ist offen, und man muss auf jeden Fall die beiden Folgebände lesen, will man erfahren, was als nächstes passiert und ob es wenigstens für einige der Sympathieträger ein Happy End gibt.

Die Geschehnisse, wenngleich sie fiktiv sind, basieren auf historischen Ereignissen, Charakteren und Mythen; anhand der Namen kann man so manche Vorlage erkennen. Dadurch, dass nicht mit Gewalt verfremdet und modifiziert wird, bleiben die logischen Folgen erhalten, die Story ist atmosphärisch dicht und stimmig. Die Protagonisten sind Kinder ihrer Zeit, die im Namen ihrer Religion das heilige Grab befreien und Ungläubige bekehren oder auslöschen wollen – dies gilt für alle verfeindeten Mächte -, die aber in Wirklichkeit nach Ruhm, Macht und Reichtum streben. Diejenigen, die versuchen, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, sind in der Minderzahl. In opulenten Bildern, die voller Details und ansprechend koloriert sind, beschreiben die Künstler die Vorgänge, ohne die Gräuel von Kampf und Krieg, von Fanatismus und Wahnsinn zu beschönigen – eine Warnung, dass es in bewaffneten Konflikten nur Verlierer gibt und die Unbeteiligten die größten Opfer bringen müssen. Als Bonbon gibt es zwei aufklappbare Seiten, die somit über vier Seiten in drei Panels das Heranrücken des Herrn der Maschinen und seines Heeres zeigen.

„Kreuzzug“ ist ein faszinierendes Epos, das historische und phantastische Motive gelungen mischt. Die Story ist vielschichtig, spannend, voll menschlicher Tragödie; die Illustrationen sind aufwändig und wunderschön. Hat man Freude an Serien wie „Einhorn“, „Die Druiden“ oder „Die Legende von Maelmort“, wird man auch von dieser Tetralogie begeistert sein.

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Der weiße Prophet

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2010

der-weise-prophetWilfrid Lupano (Text), Virginie Augustin (Zeichnungen, Farbe)
Der weiße Prophet
Alim der Gerber 3

(sfbentry)
Alim le tanneur: La terre du prophète pale, Frankreich, 2007
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 11/2009
HC-Album, Fantasy
ISBN 978-3-940864-95-6
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Virginie Augustin

www.splitter-verlag.de
http://lambiek.net/artists/a/augustin_virginie.htm
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„Alim der Gerber“, seine kleine Tochter Bul und Schwiegervater Pepeh müssen ihre Heimat verlassen, da sie etwas entdeckt haben, was alles infrage stellt, woran sie und alle Bewohner Jesameths bisher geglaubt haben. Opfergeber Khelob duldet keine Ketzer, die seine Position gefährden könnten, und lässt die Familie von einer Armee unter der Führung des fanatischen Torq Djihid jagen, während er selber die Mitglieder des Iasubiner Rates ermordet. Knapp können die Flüchtlinge entkommen, während ihre Verfolger eine blutige Spur hinterlassen. Aber dann passiert ein Unglück: Das Luftschiff mit Alim und Bul an Bord wird beschädigt, es stürzt ab, seine Insassen werden getrennt. Dank eines kleinen Ballons überlebt Alim, doch findet er sich in einem weit entfernten Land wieder – ohne Bul. Die Eingeborenen nehmen den Fremden gefangen, töten ihn aber nicht, da sie die Rache der Geister fürchten. Schließlich nimmt ihn ein Zauberer mit sich, um die einfachen Menschen durch seine Macht über den angeblichen Dämon zu beeindrucken. So vergehen zehn Jahre, bis Alim endlich von Gumseh, einem Karawanenführer aus Birrmo, befreit wird.

Von ihm erfährt Alim, dass Khelob seine Macht gefestigt und weiter ausgedehnt hat. Er lässt sich in Birrmo als der Befreier vom grausamen Schlangenkult verehren, denn noch ahnt die Bevölkerung nicht, dass lediglich eine erbarmungslose Herrschaft durch eine andere ersetzt wurde. Khelob plant eine Expedition zu einer geheimnisvollen Insel, auf der der Prophet geweilt haben soll. In seinem Gefolge befinden sich auch Torq Djihid, der Zauberer und Alim, der das Risiko der Entdeckung eingeht, um Bul wieder zu finden …

Zwischen dem zweiten und dritten Band vergehen zehn Jahre. Man erfährt in kurzen Szenen, was Alim in dieser Zeit zustieß, unterbrochen durch Rückblenden, in denen an die Personen erinnert wird, die er verloren hat. Das Schicksal Buls, die nun ein Mädchen von vielleicht 15 Jahre ist, bleibt ungeklärt.

Die Suche nach ihr wird zur Triebfeder von Alims weiterem Handeln. Obwohl er befürchten muss, durch eine unbedachte Äußerung des dubiosen Zauberers verraten oder von jemandem aus Khelobs Gefolge erkannt zu werden, mischt er sich unter die Soldaten und Zivilisten, die nach einer mysteriösen Insel suchen. Torq Djihid hat bereits ein Auge auf Alim und dem Zauberer, kann sich aber noch nicht erklären, was ihm an den beiden missfällt. Das persönliche Drama von Alims Familie ist eingebettet in einen Kontext, der Kritik übt an der Verquickung von Religion und Politik, an einem Glaubenssystem, das auf Lügen und Dogmen basiert, an einer menschenverachtenden Kastengesellschaft, an der Machtgier und Skrupellosigkeit religiöser Fanatiker – an einem Leben, in dem eine kleine Oberschicht den Bürgern des eigenen Landes und anderer Länder unsägliches Leid zufügt. Die Namen lassen keinen Irrtum zu, auf welche aktuellen Ereignisse, Nationen und Religionen die Künstler mit dem moralischen Zeigefinger deuten.

Auch das Setting ist entsprechend gewählt. War der Hintergrund zunächst orientalisch-tibetisch angehaucht, wirkt er nun afrikanisch-mittelamerikanisch. Trotz der Verfremdung (Flora und Fauna) erkennt man die historischen und zeitgenössischen Vorbilder. Vor allem die Landschaften und Gebäude sind detailreich gezeichnet und wunderschön anzuschauen, während die Figuren comichaft wirken. Alim hat seit seiner Flucht viel erlebt und durchgemacht; er hat sich weiterentwickelt und bekommt vom Leben so manche neue Chance geboten. Allerdings nimmt er die Gelegenheiten nicht wahr, sondern begibt sich erneut in Gefahr, denn er kann und will er Bul nicht vergessen. So geht seine Suche weiter, und man darf gespannt sein, ob er die Tochter in Bd. 4 findet und was ihr widerfahren ist. Zudem fragt man sich, was Khelob am Ziel seiner Reise erwartet und wann ihn jemand stoppt.

„Alim der Gerber“ ist eine packende Fantasy-Serie mit exotischem Flair, die Lesern gefallen wird, die Spaß an Titeln wie „Das Wolkenvolk“, „Ganarah“ oder „Luuna“ haben.

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Und warum nicht die Hölle …

Erstellt von Werner Karl am 20. April 2010

und-warum-nicht-die-hollee280a6Kris (Text), Guillaume Martinez (Zeichnungen), Nadine Thomas & Kness (Farben)
Und warum nicht die Hölle …
Die Welt von Lucie 1

Le monde de Lucie (Et pourqouis pas l’enfer …), épisodes 1, 2 et 3; (Rester en vie …) épisode 4, Frankreich, 2007/08
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 12/2009
HC mit Schutzumschlag im Comicheft-Format, Mystery-Thriller
ISBN 978-3-86869-097-2
Aus dem Französischen von Monja Reichert und Steffen Haubner
Lettering und Titelgestaltung unter Verwendung einer Illustration von Guillaume Martinez von Dirk Schulz

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www.kness.net/
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Eine Gruppe Maskierter wirft einen Molotow-Cocktail in ein weihnachtlich geschmücktes, vor Besuchern berstendes Kaufhaus. Die Zahl der tragischen Opfer geht in die Hunderte, und nur eine Ruine bleibt zurück. Die kleine Margaret überlebte die Katastrophe wie durch ein Wunder ohne Verletzungen und wird seither, weil sie sich in einer Art Wach-Koma befindet, in einer psychiatrischen Klinik betreut. Dr. Emma Chapman vermutet, dass die Patientin in telepathischer Verbindung zu einer anderen Person steht, denn hin und wieder spricht sie Russisch. Die Ärztin wendet sich an ihren Ex-Freund Dr. Sascha Iablokov, einen Telepathen, hoffend, dass er in diesem Fall weiter helfen kann. Die wenigen Spuren scheinen nach Rumänien und in die ehemalige Sowjetunion zu führen. Der Name ‚Lucie’ fällt.

Ein Inspektor der Antiterror-Brigade befürchtet, dass er mit normalen Mitteln nicht vorankommt, denn er hat eine Leiche, die auf unbekannte Weise zu Tode kam und den Namen ‚Lucie’ wie ein Stigma auf der Handfläche trägt. Er wendet sich an einen Spezialisten und Bekannten von Sascha. Unterdessen finden Straßenkinder ein verstört wirkendes Mädchen, das ein Nachthemd mit dem eingestickten Namen ‚Lucie’ trägt. Vor allem Soledad kümmert sich rührend um Lucie, die lange keinen Ton von sich gibt. Schließlich werden sie aufgestöbert – und es sind Leute von der ‚Church of God’, die das Feuer auf eine der ihren und die jungen Ausreißer eröffnen. Allein Lucie wollen die Angreifer lebend haben …

Der erste Teil von „Die Welt von Lucie“ beinhaltet die Hefte 1 – 4 von 8. Die Serie ist somit auf zwei Bände angelegt, die aufwändig als Hardcover mit Schutzumschlag gestaltet sind und Comicheft-Format haben. Die Geschichte wartet mit mehreren wechselnden Handlungs- und Zeitebenen sowie zahlreichen Akteuren auf. Als Leser begleitet man vor allem ‚die Guten’, die sich mit Problemen konfrontiert sehen, die weit über das hinausgehen, was zunächst vermutet wurde, und die äußerst gefährlich sind. Man weiß kaum mehr als Emma, Sascha, Soledad und die anderen, die alle einen Faden in der Hand halten, der mit dem Rätsel um Lucie und Margaret verknüpft ist. Auf unterschiedliche Weise werden sie in einen Konflikt hineingezogen, der seinen Anfang vor Jahren mit den Experimenten der Sowjets an Psi-Begabten nahm und an deren Resultaten noch immer unbekannte Gruppierungen interessiert sind.

Man fühlt sich an „Akte X“ erinnert, nur dass es hier kein Mulder-Scully-Duo gibt, das sich bei der Recherche ergänzt. Stattdessen hat man es mit Einzelgängern zu tun, die ein vordergründiges Problem lösen wollen und erst nach und nach die Tragweite dessen, worauf sie sich eingelassen haben, zu erahnen beginnen. Vor dem Leser liegen die einzelnen Informationen wie die Teile eines Puzzles; er darf die richtigen Stellen für sie suchen und versuchen, das Gesamtbild vorzeitig zu erraten. Die Titel gebende Lucie und telepathische Experimente scheinen der Schlüssel zu sein. Das Mädchen wirkt jedoch, als stamme es aus einer anderen Zeit. Steckt etwa noch mehr dahinter? Und wer sind die skrupellosen Mörder, die Unschuldige in die Luft sprengen und Kinder erschießen? Wozu brauchen sie Lucie? Die Antworten wird erst der nächste Band geben, der gewiss noch einige Überraschungen parat hält.

Die Illustrationen sind eher einfach und klar, minimalistisch und mit überwiegend schlichten Hintergründen versehen. Sie lenken nicht von den Dialogen ab und bringen Ruhe in eine Handlung, die langsam und sorgfältig aufgebaut wird. Interessanterweise verdeutlicht die Kolorierung Szenenwechsel, die man als solche vielleicht nicht gleich erkannt hätte. „Die Welt von Lucie 1“ ist ein spannender Mystery-Thriller, der einiges mit „Akte X“ und den Inszenierungen des französischen Krimis der série noire gemein hat und doch eigene Wege geht. Man bekommt viel Comic zum angemessenen Preis, sollte aber ein wenig darin blättern, um festzustellen, ob Thema und Stil zusagen. Schätzt man klare Bilder und eine aufbauende Erzählweise, gibt man dem Thriller gegenüber der Mystery den Vorzug, dürfte der Titel vor allem bei einem reiferen Publikum auf Interesse stoßen.

Copyright © 2010 Irene Salzmann (IS)

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