Buchrezicenter.de

neuauflage

Mansïouran

Erstellt von Werner Karl am 28. Juni 2011

Jean-Charles Gaudin (Text), Dimitri Armand (Zeichnungen, Farben) & Ariatib (Farben)
Mansïouran
Angor 2

(sfbentry)
Angor: Mansïouran, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 01/2011
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-86869-164-1
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Dimitri Armand

www.splitter-verlag.de
http://mishkin.canalblog.com/
http://lordmishkin.deviantart.com/
www.indigo-online.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Evrane, Tallin und Lorky, drei Jugendliche, haben das kleine Dorf, in dem sie aufwuchsen, heimlich verlassen, um fern vom Königreich Angor ihr Glück zu machen. Von zwei toten Reisenden nahmen sie die Pferde und konnten so recht schnell die Küstenstadt Bradelank erreichen. Allerdings werden sie von den Wachen schnell aufgestöbert und müssen fliehen, um nicht als Mörder abgeführt zu werden. Unverhofft bekommen die drei Hilfe von einem Fremden, der sie in das Geheimnis des Medaillons einweiht: Wenn man sich an seinem Dorn sticht,

verwandelt man sich in ein älteres Selbst. Tatsächlich gelingt es auf diese Weise, die Verfolger abzuschütteln – und vor allem Lorky ist begeistert von seinem erwachsenen, hünenhaften und sehr männlichem Alter Ego. Es dauert nicht lange, dass er von Tallin die Herausgabe des Schmuckstücks fordert, schließlich gehört es ihnen allen. Lorkys Gier erweist sich als großer Fehler, denn Räuber nehmen ihm das Medaillon ab, während er seine Kindergestalt innehat. Nun ist guter Rat teuer: Wo sollen die Jugendlichen nach den Wegelagerern suchen? Und wie können sie das rätselhafte Schmuckstück zurück bekommen?

Nahtlos geht die Geschichte weiter und schildert die neuen Abenteuer der jungen Ausreißer. Wie nicht anders zu erwarten, entwickelt sich der Traum von der Freiheit und einem selbst bestimmten Leben schnell zum Albtraum: Man lastet ihnen den Mord an zwei Reisenden an, und ein mysteriöses Medaillon eröffnet ihnen ungeahnte Möglichkeiten, doch verlieren sie es genauso plötzlich, wie sie Teile seines Geheimnis entdeckten. Doch immer, wenn die Situation aussichtslos erscheint, passiert etwas, wodurch die Jugendlichen wieder Hoffnung schöpfen. Es ist weniger das magische Amulett, das ihnen weiter hilft, vielmehr sind es neue Freunde, die ihnen begegnen und die ihnen selbstlos Unterstützung gewähren.

Das ist fast schon zu schön, um wahr zu sein, so dass man bloß hoffen kann, dass der Autor nicht ständig Deus ex Machina hervor zaubert, sondern er es den Protagonisten auch ermöglicht, aus eigener Kraft die eine oder andere Lösung für ihre Probleme zu finden. Immerhin stößt der Retter aus Bd. 1 zu ihnen. Über den echsenhaft wirkenden Mansïouran erfährt man erst jetzt Näheres. Es scheint, als wären die Jugendlichen durch den Besitz des Medaillons in einen Konflikt zwischen den sogenannten ‚Spähern„ und den ‚Finsteren„ geraten, die beide nach magischen Artefakten suchen; die einen, um sie in Sicherheit zu bringen, damit durch sie kein Unheil entsteht, die anderen, um die Macht der ‚Bruderschaft der roten Zauberer„ zu stärken.

Auch dieses Album endet mit einem Cliffhanger, der offen lässt, ob die Flüchtlinge vom Regen in die Traufe geraten oder ob ihnen eine Atempause gewährt wird und sich eine Gelegenheit ergibt, weitere Antworten zu erhalten. Die Illustrationen halten das Niveau und setzen die packende, abenteuerliche Story um die drei sympathischen Helden gelungen um. Vor allem die realistisch anmutenden Hintergründe und die verspielten Kleidungsstücke wissen zu gefallen. „Angor“, die Fantasy-Serie von Jean-Charles Gaudin („Marlysa“) und Dimitri Armand („Salamandre“), spricht vor allem jene Comic-Leser an, die Spaß an Abenteuer-Geschichten mit einer guten Portion Magie, einem augenzwinkernden Humor und schönen Zeichnungen haben.

Schätzt man Titel wie „Alim der Gerber“, „Ganarah“ oder „Kind des Blitzes“, wird man auch von dieser auf sechs Bände angelegten Reihe sehr gut unterhalten.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | Keine Kommentare »

Die Kriegerinnen von Troy 1 – Yquem der Großzügige

Erstellt von Werner Karl am 26. Mai 2011

Christophe Arleston & Melanÿn (Text), Dany/Daniel Henrotin (Zeichnungen), Jean-Louis Mourier (Special Effects)
Yquem der Großzügige
Die Kriegerinnen von Troy 1

(sfbentry)
Les guerrières de Troy: Yquem le Généreux, Frankreich, 2010
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 03/2011
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-86869-255-6
Aus dem Französischen von Delia Wüllner-Schulz
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Dany

www.splitter-verlag.de
www.lanfeust.com/
www.askell.com/
www.digibulles.com/Dany/
www.danybd.com/
http://lambiek.net/artists/m/mourier_jl.htm

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Mit „Lanfeust von Troy“ fing alles an. Die Serie von Scotch Arleston („Die Schiffbrüchigen von Ythaq“, „Morea“, „Sindbad“ etc.) erfreute sich schon bald so großer Beliebtheit, dass er zusammen mit verschiedenen Zeichnern einen Spin Off nach dem anderen folgen ließ.

Schlägt man das Hardcover-Album „Yquem der Großzügige“, den ersten Band der neuen Reihe „Die Kriegerinnen von Troy“, die diesmal nicht bei Carlsen sondern bei Splitter erscheint (so wie einst „Lanfeust“, der im ‚alten„ Splitter Verlag startete), auf, findet man als erstes eine chronologische Übersicht über alle Serien, was sich gewiss schon viele Fans wünschten. Am Ende erfreuen drei textfreie Cover- und Sonderillustrationen. Zwei davon ergeben zusammengesetzt ein zweiseitiges Bild. Nachdem die Söldnerinnen Lynche und Raya ihre jüngsten Aufträge erledigten, die eine erfolgreich, die andere nicht, begegnen sie sich in einer Kneipe des Purpurhafens erneut. Auch wenn sie hin und wieder auf verschiedenen Seiten kämpfen, sind sie doch Freundinnen.

Unverhofft zieht eine Karawane durch die Ortschaft, um Spenden für die hungernden Kinder von Delpont zu sammeln. Ihr Anführer, der charismatische Yquem, erreicht dank seiner magischen Stimme die Zuhörer, die sich der Aufforderung nicht entziehen können. Auch Raya ist fasziniert, zumal sie ihr unstetes, gefährliches Leben satt hat und etwas Sinnvolles tun möchte. Sie schließt sich dem Zug als Wächterin an. Auch Lynches Interesse ist geweckt, denn Yquem und sein Gefolge reisen im Zeichen ihres Herrn, der ein Schildkröten-Symbol benutzt, das sie als Tattoo am Körper trägt. Yquem antwortet jedoch nur ausweichend auf ihre drängenden Fragen, so dass Lynche beschließt, mit Mürgl zu reden. Vielleicht kann Yquems Herr das Rätsel um Lynches Herkunft lüften. Sie ahnt nicht, dass eine raffinierte Falle auf sie wartet …

Mit hohen Erwartungen tritt man an jede „Troy“-Serie heran – und „Die Kriegerinnen von Troy“ erfüllen mühelos alle Wünsche, die man an den Fantasy-Comic richtet: Die Handlung ist spannend, voller unerwarteter Wendungen und wartet mit einem Geheimnis auf, dessen Wurzeln in die Vergangenheit reichen. Bei den Hauptfiguren handelt es sich um drei schöne, leicht bekleidete Söldnerinnen – zu Lynche und Raya stößt später Issan -, die nicht nur wissen, wie man mit Waffen umgeht, sondern auch magische Fähigkeiten besitzen. Ihre Widersacher verfügen ebenfalls über besondere Gaben und sind äußerst skrupellos, wie Lynche und Raya schon bald feststellen müssen. Sie geraten in eine prekäre Lage, und Issan könnte zum Zünglein an der Waage werden, je nachdem, wie sie sich entscheidet. So endet der erste Band, der das Setting, die wichtigsten Akteure und den Konflikt vorstellt, mit einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Die Story ist packend, spritzig, witzig und entbehrt auch nicht einer Portion softer Erotik. Sie ist flüssig erzählt und zieht den Leser schnell in den Bann. Dafür sorgen auch die stimmungsvoll kolorierten, schönen Illustrationen von Dany („Andy Morgan“, „Oliver und Calumbine“, „Oh La La“ usw.).

„Yquem der Großzügige“ ist ein gelungener Auftakt-Band, der Lust auf Mehr macht. Die Fantasy-Freunde und insbesondere die „Troy“-Fans unter den Comic-Sammlern kommen an den „Kriegerinnen von Troy“ nicht vorbei. Eine tolle neue Serie, die hält, was der Name Arleston verspricht!

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | Keine Kommentare »

Die Herren von Cornwall 1 – Das Blut von Lyonesse

Erstellt von Werner Karl am 25. Mai 2011

Sylvain Cordurié (Text), Alessio Lapo (Zeichnungen), Olivier Héban (Farben)
Das Blut von Lyonesse
Die Herren von Cornwall 1

(sfbentry)
Les seigneurs de Cornwall: Le sang du Loonois, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 12/2010
HC-Album, Comic, Fantasy, History
ISBN 978-3-86869-232-7
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Alessio Lapo

www.splitter-verlag.de
http://sylvaincordurie.over-blog.com/
http://lapoalessio.blogspot.com/
http://olivierheban.canalblog.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Während Arthur Pendragon gegen die Pikten und die Scoten kämpf, nutzt Duncan, der König von Hibernia, die Gelegenheit, Cornwall zu erobern. Trotz erbitterten Widerstands sind die Kornen letztendlich machtlos, denn gemeiner Verrat ebnete den Eindringlingen den Weg. König Mark von Cornwall wird zum tributpflichtigen Vasall. Vor diesem Hintergrund siedelt Sylvain Cordurié seine Geschichte um „Die Herren von Cornwall“ an: Rivalen von Lyoness ist in der Stunde höchster Not der einzige Gefolgsmann, auf den sich König Mark verlassen kann. Allerdings weiß König Duncan um die Treue und Magie des Ritters und plant, ihn als erstes aus dem Weg zu räumen.

Hilfe erhält er dabei von der Fee Gloredell, die ihre Schwestern, die loyal zu ihrem Land standen, ermordet und die Druiden zur Neutralität gezwungen hat. Zum Dank fordert sie, Duncans Gemahlin und Königin zu werden. Rivalens Frau und seine Söhne Gethelin, der ein begnadeter Waffenbauer ist, und Tristan, der die Magie der Natur spürt und benutzen kann, müssen vor Duncans Leuten und den monströsen Formoriern, die in die Burg Tintagel eindringen, fliehen – und nicht alle können ihrem Schicksal entrinnen.

„Das Blut von Lyonesse“ fließt in Strömen, die Tragödie formt die Hauptfigur des oder der kommenden Album/Alben. Tatsächlich wird hier die Vorgeschichte von „Tristan und Isolde“, einer der bekanntesten mittelalterlichen Erzählungen, geschildert. Man geht davon aus, dass der Stoff keltischen Ursprungs ist. Im Laufe der Jahrhunderte diente er immer wieder vor allem englischen und französischen Dichtern als Vorlage für ihre Werke und wurde mit dem Artus-Mythos verknüpft. Von daher ist es auch keine große Überraschung zu lesen, wer letztlich zu den Überlebenden des Massakers gehört.

An diesem nahmen nicht nur erfahrene Krieger sondern auch magische Wesen teil: die Elfe Gloredell, die nach Macht strebt, und die Formorier, missgestaltete Riesen aus der irischen Mythologie (die u. a. auch in Michael Moorcocks „Corum“-Saga auftauchen). Ihrer Magie und dem Verrat haben König Mark und seine Getreuen wenig entgegenzusetzen, und so entfaltet sich vor dem Betrachter ein grausiges Drama, in dessen Verlauf auch so mancher Hoffnungsschimmer zunichte gemacht wird. Man nimmt Anteil an dem Leid, das den Protagonisten, die man schnell lieb gewonnen hat, widerfährt. In kleinen Szenen wurden sie glaubwürdig und individuell geschildert, so dass man eine Beziehung zu ihnen aufbaute.

Die Illustrationen sind aufwändig und detailreich, weisen aber keine gleichbleibende Qualität auf. Es gibt Panels, die elegant und nahezu realistisch anmuten neben solchen, die hölzern und comichaft wirken. Insbesondere die Gesichter sind teilweise wie bei Karikaturen verzerrt und wurden durch zu kräftige Tuschestriche ihrer Lebendigkeit beraubt. Trotzdem vermag der Band das Interesse von Comic-Freunden, die Fantasy und historische Abenteuer-Erzählungen schätzen, zu wecken. Die Story beruht zwar auf einer bekannten Sage, doch wurde sie atmosphärisch dicht und überzeugend umgesetzt. Vor allem der Rahmen, der am Anfang und Ende der Tragödie im Stil eines Gobelins die Geschichte der Invasion beschreibt, ist eine reizvolle Idee. Man darf gespannt sein, was sich das Künstler-Team für Bd. 2, „Das Patenkind der Feen“, ausgedacht hat.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy, Historisch | Keine Kommentare »

Götterdämmerung 0 – Der Fluch des Rings

Erstellt von Werner Karl am 25. Mai 2011

Nicolas Jarry & Jean-Luc Istin (Text), Djief/Jean-François Bergeron & Gwendal Lemercier (Zeichnungen), Djief & Joël Mouclier (Farben)
Der Fluch des Rings
Götterdämmerung 0

(sfbentry)
Le crepuscule de dieux: La malédiction deL‘anneau, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 05/2010
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-86869-131-3
Aus dem Französischen von Delia Wüllner-Schulz
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Gwendal Lemercier

www.splitter-verlag.de
http://istin.free.fr/
www.jeanlucistin.com/
www.djief.com/
http://gwen-crea.blogspot.com/
http://jo.mouclier.free.fr/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Alberich flieht aus dem unterirdischen Reich der Nibelungen nach Midgard und erliegt dort den Verlockungen der Hüterinnen des Rheingolds. Jedoch verspotten die Schönen Alberich, der seine Wahl trifft: Er tötet die Hüterinnen, stiehlt den Schatz und schmiedet mit Mimes Hilfe den Ring, der Macht über alle Dinge verleiht. Unterdessen haben die Riesen Fafnir und Regin den Wall um Midgard fertiggestellt und verlangen von Göttervater Wotan als Lohn Idun. Um die Göttin der Jugend zu retten, hört Wotan auf Loges Rat, den Riesen stattdessen den Ring anzubieten, den er von Alberich nach einem heftigen Kampf gewinnt. Allerdings spürt auch Wotan die verheerende Macht des Kleinods und kann sich nur schweren Herzens von ihm trennen. Während Regin und Fafnir dieser Kraft schon bald zum Opfer fallen und um den Besitz des Rings streiten, sucht Wotan nach einem Mittel, sich von der Qual des Verlusts zu befreien. Er begibt sich auf Wanderschaft und begegnet Ilda, mit der er einen Sohn zeugt, sehr zum Verdruss seiner Gemahlin Fricka. Die „Götterdämmerung“ nimmt ihren unheilvollen Lauf …

„Ragnarök“ oder „Die Götterdämmerung“ ist die nordische Sage vom Untergang der Asen und der ganzen Welt. Geschichten daraus inspirierte Autoren, Comic-Künstler und Regisseure zu mehr oder minder freien Adaptionen, darunter auch das Team um Jean-Luc Istin. Im Prolog „Der Fluch des Rings“, der als „Götterdämmerung 0“ die Trilogie zur Tetralogie erweiterte, wird die Vorgeschichte erzählt: Weder Menschen, Riesen und Nibelungen noch die Götter sind frei von Gier nach Macht, Ruhm und Reichtum. Sie ist der Auslöser für List, Verrat und Mord. Viele begehren das Rheingold und den Titel gebenden Ring und ignorieren die Warnungen, dass der Schatz seinem Besitzer Unglück bringt. Schon bald fordert er die ersten Opfer, und auch Wotan begeht einen schweren Fehler, der die „Götterdämmerung“ einleitet.

„Der Fluch des Rings“ ist ein gelungener Appetizer voller großartiger Illustrationen, die neugierig machen, wie es weiter geht, selbst wenn man die tragische Geschichte kennt. Wie haben Nicolas Jarry und Jean-Luc Istin den Stoff umgesetzt, wen als Hauptfiguren ausgewählt? Können die Zeichner das hohe Niveau halten? Die Antworten geben die Folgebände. Als kleines Extra findet man auf den letzten Seiten „Skizzen & Entwürfe“ von Gwendal Lemercier nebst Erklärungen zu den abgebildeten Figuren. Trotz des bekannten Stoffs weiß der Prolog zur „Götterdämmerung“ zu überzeugen, da interessante Charaktere in einer reizvoll inszenierten Handlung gemäß ihrer Bestimmung, der sie nicht entrinnen können, agieren und doch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten. Die Zeichnungen sind realistisch und sehr ansprechend, dazu stimmungsvoll koloriert. Schätzt man Titel wie „Siegfried“, „Das Einhorn“ oder „Die Druiden“, wird man auch diese vierteilige Serie mit Begeisterung lesen.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | Keine Kommentare »

Angor 1 – Flucht

Erstellt von Werner Karl am 23. Mai 2011

Jean-Charles Gaudin (Text), Dimitri Armand (Zeichnungen, Farben) & Ariatib (Farben)
Flucht
Angor 1

(sfbentry)
Angor: Fugue, Frankreich, 2008
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 08/2010
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-86869-163-4
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Dimitri Armand

www.splitter-verlag.de
http://mishkin.canalblog.com/
http://lordmishkin.deviantart.com/
www.indigo-online.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Tallin, Evrane und Lorky leben in einem kleinen Dorf im Königreich Angor. Die Gesellschaft ist in ein strenges Kasten-System gegliedert, das für jeden die Zukunft bestimmt. Vergeblich lehnen sich die drei dagegen auf. Keiner von ihnen möchte sein Leben als Bauer fristen und mit einem von den Eltern ausgewählten Partner verheiratet werden. Viel lieber würden die Jugendlichen als Krieger Ruhm und Gold erlangen.

Unerwartet ergibt sich eine Chance: Tallin beobachtet zwei unbekannte Reiter, die in Streit geraten. Einer wird erstochen, und als Tallin ihn aus dem Wasser zu ziehen versucht, wird er von dem zweiten angegriffen. Zum Glück ist Evrane zur Stelle und tötet den Mann. Die beiden nehmen sich die Pferde und verlassen zusammen mit Lorky heimlich das Dorf. Im Besitz eines der Männer hatte sich ein seltsames Medaillon befunden, an dem sich Lorky verletzt. Zum Entsetzen seiner Freunde bricht er fiebernd zusammen, und sein Gesicht durchläuft zahlreiche Veränderungen, bis er wieder zu sich kommt. In der nächsten Stadt stellt Tallin Nachforschungen über das Schmuckstück an, doch bevor er Näheres in Erfahrungen bringen kann, tauchen Wachen auf, die offenbar nach ihm und seinen Gefährten suchen …

„Angor“ beginnt als ‚Milieu-Studie„: Der Leser lernt die Welt der drei Hauptfiguren Tallin, Lorky und Evrane kennen, die genauso wenig wie ihre Angehörigen oder andere Jugendliche eine Wahl haben, die Gestaltung ihres Lebens betreffend, denn die Zukunft ist ihnen vorbestimmt. Zwar bemühen sie sich, ihr Schicksal zu ändern, doch alle Hoffnungen werden letztlich zerschlagen. Darum beschließen sie, das Dorf hinter sich zu lassen und ihr Glück in der Ferne zu suchen. Angeblich gibt es andere Reiche, in denen Wissen und Können wichtiger ist als die Herkunft. Sie ahnen jedoch nicht, worauf sie sich einlassen, denn die beiden Toten sind für die Wachen Grund genug, die Verfolgung der vermeintlichen Mörder aufzunehmen – und sie stöbern Evrane, Tallin und Lorky sehr schnell auf. Das Medaillon sorgt für eine Überraschung und wirft erwartungsgemäß neue Fragen auf. Antworten wird es jedoch frühestens im nächsten Band geben, auf den man nun voller Spannung wartet: Können die Jugendlichen ihre Verfolger abschütteln? Wer ist ihr neuer Freund – falls er ein Freund ist? Woher stammt das Medaillon, und über welche Magie verfügt es?

An erster Stelle rangiert das Abenteuer. Obwohl mit Evrane ein Mädchen dabei ist und eine Dreiecksbeziehung denkbar scheint, wurde auf romantische Verwicklungen verzichtet. Die drei sind Kameraden und scheinen dies, trotz gewisser Veränderungen, zunächst auch zu bleiben. Die Magie spielt für die Handlung eine bedeutende Rolle, doch wird sie im Moment moderat und nicht als Allheilmittel eingesetzt. Die Illustrationen sind etwas comichaft, aber detailreich und insgesamt sehr ansprechend. Die Panels wurden stimmungsvoll koloriert. Das Cover ist repräsentativ für den Inhalt. Der erste Band der Fantasy-Serie „Angor“ bietet einen gelungenen Auftakt: Vor dem Leser entfaltet sich eine phantastische, abenteuerliche Welt, die jungen Protagonisten sind sympathisch und werden sehr individuell beschrieben, sie stoßen schon bald auf ein Geheimnis und gefährliche Gegenspieler. Die Handlung wird bestens von den gefälligen Zeichnungen transportiert. In der Summe weckt das große Erwartungen für Bd. 2 ff.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | Keine Kommentare »

Das Zeichen der Ythen

Erstellt von Werner Karl am 1. Januar 2011

Das Zeichen der Ythen
Die Schiffbrüchigen von Ythaq, Band 7

(sfbentry)
OT: Les Naufragés d’Ythaq: La Marque des Ythes
Text: Christophe Arleston
Zeichnungen: Adrien Floch
Farben: Claude Guth
Spezialeffekte: Sébastien Lam
Ü: Tanja Krämling
Lettering: Delia Wüllner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 58 Seiten
ISBN: 978-3-940864-90-1
Verlag: Splitter Verlag, 2010

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Granit, Callista, Tao sowie ihre neuen Verbündeten aus dem Dorf der Gestrandeten erhalten von dem gefangen gesetzten Krurgor neue Informationen über seine Wenigkeit, das Spiel der Ythen und weitere Mitspieler wie Leah, Ennak oder Dhokas. Während die kleine, eingeschworene Gruppe um die Astro-Navigatorin das Geheimnis der Ythen in dem fast zerstörten Tempel (vgl. Band 6, Aufstand der Spielfiguren) endgültig zu lösen gedenkt, beschließen die übrigen Gestrandeten, in einem selbst gebauten Boot von der Insel zu fliehen. Kaum dass sie das Eiland verlassen haben wird an anderer Stelle der leblose Körper Narvaths an Land gespült. Nachdem der junge Techniker das Bewusstsein wiedererlangt und zur Gruppe zurückgefunden hat, stellt Fraine fest, dass Narvath von den Ythen augenscheinlich massiv verändert wurde und nur noch dem Äußeren und seinen Erinnerungen nach ein Mensch zu sein scheint. Da man ihm nicht länger traut, entschließt man sich, ihn zusammen mit Krurgor abseits der Gruppe an einen Baum zu fesseln. Doch diese Maßnahme erweist sich in der nächsten Nacht als nutzlos: Narvath „erwacht“, befreit sich und tötet den ersten von vier Trägern der elementaren Kräfte.

An anderer Stelle, auf hoher See, werden die Insel-Flüchtlinge Opfer von Piraten, die wiederum selbst Opfer der zerstörerischen Kräften der Ythen werden, sodass sie allesamt zur Insel zurückkehren müssen. Hier bemächtigen sich die Räuber einiger Geiseln, um die Bewohner zum Bau eine weiteren seetauglichen Schiffs zu zwingen. Zunächst läuft diese ganze Aktion relativ friedlich ab, bis etwas geschieht, das Granit ihre Gluter-Kräfte entfesseln lässt.

Handlungsseitig stellt dieses siebte Album nach dem schon schwächelnden fünften Band erneut einen „Griff ins Klo“ dar – um es drastisch auszudrücken. Der Handlungsbogen um die Piraten, der innerhalb dieses Comics extrem viel Raum einnimmt, ist nicht nur nicht originell, er verpufft – im wahrsten Sinne des Wortes – schlussendlich in heißem Rauch. Die verschwendete Seiten hätte Arleston dazu nutzen sollen, entweder die Grund-Story um die Havarien und das Spiel  voranzutreiben, oder aber die Charaktere neu zu positionieren oder wenigstens zu vertiefen. Mit Ymeldo von Krurgor erfährt immerhin eine der bisherigen Hauptfiguren eine bemerkenswerte Umdeutung, wobei dessen Rekrutierung des „Was-eigentlich?“ als Spieler bedauerlicherweise insgesamt hausbacken und unspannend daherkommt.   

Das Artwork, die Zeichnungen Flochs sowie die Koloration Guths, sind – wie gehabt – kräftig, lebendig, dynamisch, mit einem Wort: hinreißend. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Rückblenden in Krurgors Vergangenheit, die sich in visueller Hinsicht durch eine zarte, unaufdringliche Dämpfung der Bunt-Farben sowie eine leichte Reduzierung des Hell-Dunkel-Kontrastes auszeichnen, die ansonsten jedoch dieselbe Dynamik wie der Rest der Zeichnungen entfalten.

Fazit: Auf Grund des lebendigen Artworks und trotz der in weiten Teilen drögen, auf der Stelle tretenden Story  knapp empfehlenswert.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | 1 Kommentar »

Aufstand der Spielfiguren

Erstellt von Werner Karl am 31. Dezember 2010

Aufstand der Spielfiguren
Die Schiffbrüchigen von Ythaq, Band 6

(sfbentry)
OT: Les Naufragés d’Ythaq: La révolte des pions
Text: Christophe Arleston
Zeichnungen: Adrien Floch
Farben: Claude Guth
Ü: Tanja Krämling
Lettering: Delia Wüllner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 56 Seiten
ISBN: 978-3-939823-89-5
Verlag: Splitter Verlag, 2009

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Während Kriegsherr Khengis die brennenden Trümmer der Kometenstaub im Eismeer versinken sieht, sind seine Gedanken schon bei der Verfolgung des mutierten, kaum mehr menschlich zu nennenden Ex-Verbündeten Hetzel. Derweil findet sich die Gruppe um Granit – Narvath, Callista, Krurgor, Tao und Fraine – auf einer tropischen Insel wieder. Ein Missverständnis zwischen den dort heimischen Baumbewohnern – den friedfertigen Pandhe – und den Schiffbrüchigen führt zu einem Kampf und zeitigt schließlich das Ergebnis, dass Callista fürderhin zwei verwaisten Pandhe-Kindern eine Ziehmutter sein muss. Beim Erkunden des mit dichtem Dschungel überwucherten Eilandes treffen sie schließlich am Strand auf eine Siedlung freundlich gesinnter Menschen, die wie die Neuankömmlinge ebenfalls auf der Insel erwachten, ohne zu wissen, warum.

Die erste Nacht im Lager verläuft für Narvath alles andere als angenehm. Albträume plagen den Techniker und als ihn Fraine daraufhin untersucht, stellen sie fest, dass sich die Skopander-Infektion weiter in Narvaths Körper ausbreitet und ihn in ein „Etwas“ verwandeln wird, sollten sie die Transformation nicht aufhalten können. Tags darauf zwingt ein unnatürlicher Sturm die Einwohner des kleinen Dorfes, in einem nahe gelegenen alten Tempel Schutz zu suchen. Die Erkundung der halb unter Wasser stehenden Ruine führt die Gruppe schließlich in eine große Kammer, in der Granit nicht nur der Hintergrund ihrer Odyssee klar wird, sondern sich auch ein Verräter offenbart. Für Narvath allerdings kommt die Erkenntnis zu spät, denn er ist es, den die Ythen – die Drahtzieher eines perfiden Spiels -  eigentlich wollen.

In Bezug auf das Artwork war Ythaq schon bisher keine Serie der zurückhaltenden Koloration. Mit dem sechsten Album übernimmt nun Claude Guth den Koloristen-Stab von Crazytoons. Der Unterschied ist zwar nicht gewaltig, aber dennoch deutlich sichtbar: Guths Farbgebung ist nicht weniger bunt (und damit visuell lebendig) und zusätzlich noch einen Tick kräftiger bzw. satter als die der ersten Bände.

Die Story erfährt erfreulicherweise eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorgängeralbum. Nicht nur, dass die Handlung forciert wird und die Hintergründe der Raumschiff-Havarien sowie der besonderen Fähigkeiten einiger Gestrandeter klarer werden als je zuvor, auch der Humor ist in Gestalt der beiden kleinen Pandhe-Kinder zurück. Dazu noch ein Schuss barbusiger Erotik und viel, viel Action … und fertig ist ein rundum unterhaltsames Abenteuer-Comic. In editorischer Hinsicht rundet eine kleine Cover-Galerie Band 6 der Ythaq-Reihe ab. 

Fazit: Dynamisch, lebendig, spannend. Kurz und gut: ein hin- und mitreißendes Science-Fiction-Abenteuer.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga | Keine Kommentare »

Die Sogromzüchter

Erstellt von Werner Karl am 29. Dezember 2010

Die Sogromzüchter
Thorinth Band 2

(sfbentry)
OT: Thorinth: Les epancheurs de sogrom
Text & Artwork: Nicolas Fructus
Ü: Tanja Krämling
Lettering: Kai Frenken
Ausstattung: HC, Albumformat, 56 Seiten
ISBN: 978-3-86869-033-0
Verlag: Splitter Verlag, 2009

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

In Begleitung der jungen Elide sowie zweier Schnuffel wandert der Mann ohne Namen auf der Suche nach seiner nach Thorinth verbannten Frau, Madalis, durch das gegenüber der Außenwelt abgeschlossene Turmlabyrinth, das einst von Amodef geplant und von der Architektin Esiath in einen entarteten Ort verwandelt wurde, über den nun der „Narrenwächter“ herrscht. Eines Nachts rettet der Namenlose einen alten Mann – Borlan, Meister der Ebene des Wassers – der in einem Brunnen Selbstmord begehen will; die gute Tat erschöpft den Retter so sehr, dass erneut der Geist Amodefs in ihn dringt, um ihm einen Handel vorzuschlagen: im Austausch für Hinweise, die zu Madalis führen, erwartet er Informationen – „gezogen“ unmittelbar aus dem Geiste des Namenlosen -, die er auf Grund seines speziellen Zustandes nicht mehr ohne Hilfe erlangen kann. Der Suchende willigt ein, so dass er zunächst erfährt, dass Madalis der Kaste der Sandorath – der Selbstmordattentäter – beigetreten ist, und ihn ein weiterer Hinweis in ein skurriles Pfahldorf zu einem Arzt führt, der die Frau unmittelbar nach ihrer Ankunft versorgt haben soll.

Auf Grund der äußerst bizarren Umstände in diesem Dorf ist es nicht ganz einfach, weitere Informationen über den Verbleib Madalis’ zu erhalten, aber schließlich findet sich jemand, der dem namenlosen Mann sowie seiner Begleiterin weiter helfen kann und der ihnen den Weg zu einem Unterschlupf weist, in dem Madalis augenscheinlich jene Unsterblichkeits-Experimente fortsetzte, die zu ihrer Verbannung geführt haben. Zudem findet sich eine Spur zu einem geheimnisvollen, maskierten Fremden namens Lank-Milo, der mit der Frau geschäftlich verbandelt ist und der sich als extrem unkooperativ erweist, als ihn der Sucher schließlich stellt.

Ein kurzer Kampf belehrt den Maskierten eines Besseren, so dass er den Namenlosen sowie Elide zu einem neuen bizarren Ort führt: einem riesigen Friedhof, an dem die Sogromzüchter ihrer seltsamen Arbeit nachgehen. Nicht sonderlich erfreut über das Auftauchen der Fremden, nehmen  die Thorinther den Mann und seine Begleiterin gefangen, verurteilen sie zu einem langsamen Tode, schließen sie lebendig in steinerne Sarkophage ein und stoßen diese in eine nasse Tiefe, auf dass die Körper der Verurteilten das Sogrom nähren.  

Während das erste Album, „Der Narr ohne Namen“, in Teilen etwas behäbig und unklar daher kommt, entfacht in diesem zweiten Band Autor und Künstler Nicolas Fructus ein Feuerwerk an bizarren, abgedrehten und humorvollen Ideen, treibt die Handlung zügig bzw. actionreich voran und lässt eine ganze Reihe von Figuren aufmarschieren, deren Skurrilität und psychische Deformiertheit sich auch in ihrem Äußeren widerspiegelt. Zugleich gelingt es ihm, den Hintergrund Thorinths und zentraler Protagonisten zu vertiefen, ohne ihnen dabei den geheimnisvollen Nimbus zu nehmen.

Nicht nur der Inhalt, sondern auch das Artwork erfahren eine signifikante qualitative Steigerung: klarere Kontraste und mutigere Farben machen den visuell etwas breeigen Eindruck des Vorgängerbandes vergessen und geben dem Leser nun stärker die Möglichkeit, sich tiefer mit der „verrückten“ Bilderwelt Fructus’ auseinander zu setzen.

Fazit: Originell, humorvoll, bizarr: eine unterhaltsame, leichte Geschichte, angesiedelt in einer abgedrehten Welt. Klasse!

Copyright © 2009 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga | Keine Kommentare »

Der Krater von Alexandria

Erstellt von Werner Karl am 28. Dezember 2010

Der Krater von Alexandria
SinBad, Band 1

(sfbentry)
OT: Sinbad: Le cratère d’Alexandrie
Text: Christophe Arleston & Audrey Alwett
Zeichnungen: Pierre Alary
Farben: Jean-Paul Fernandez
Ü: Monja Reichert
Lettering: Dirk Schulz
Ausstattung: 64 Seiten, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-81-9
Verlag: Splitter Verlag, 2008

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Sinbads Kindheit steht unter einem guten Stern: geboren im Harem des Kalifen Aladin ist er das einzig überlebende Kind eines Massakers, welches der Herrscher auf Grund einer Intrige seines Lampengeistes unwissentlich unter seiner Familie anrichten lässt. Von seiner Mutter in einem Körbchen ausgesetzt landet er bei dem Händler Merkes, der ihn wie seinen Sohn auf der im arabischen Golf gelegenen Insel Qarawh großzieht. Viele Jahre sind ins Land gegangen als für Sinbad der Tag des Abschiedes kommt. Getrieben von einer Sehnsucht nach dem Wissen um seine wahren Eltern zieht der junge Mann alleine hinaus in die Welt, ausgestattet mit allerlei falschen und echten magischen Tand, den er in einem Sack auf dem Rücken trägt, einem großen Selbstbewusstsein, einem scharfen Verstand und einer gehörigen Portion Skrupellosigkeit…

Einerseits hilft es dem Abenteurer zwar weiter, dass er ein Schlitzohr ist, andererseits jedoch ist sein Ruf nicht der allerbeste, sodass er zunächst eine unschöne Begegnung mit dem Bruder einer von ihm entehrten jungen Frau überleben muss, bevor er sich dem eigentlich Ziel seiner Suche nähern kann. Und dieses Ziel ist ein mystischer Kelch – der „Krater von Alexandria“ -, der sich im Besitz der Zauberin Turabah befindet und der die Vergangenheit zeigt, wenn man in mit den richtigen Ingredienzien befüllt. Als Sinbad schließlich auf der Insel der Hexe ankommt, ist die Frau nicht nur anders, als er es erwartet hat, sondern sie nimmt ihn auch dank seines Charmes verhalten freundlich auf. Allerdings ändert diese Zuvorkommenheit nichts daran, dass es sich bei der wankelmütigen, ungeduldigen und rücksichtslosen Turabah um eine Person handelt, die man sich nicht zur Feindin machen sollte, will man nicht eines unschönen Todes durch die Waffe einer ihrer unmenschlichen Wachen sterben. Aber genau diese Feindschaft muss Sinbad riskieren, will er den „Krater von Alexandria“ erringen.

Während von Christophe Arleston eine ganz Reihe Comic-Serien auf Deutsch erschienen sind – darunter „Die Schiffbrüchigen von Ythag“ (dt. bei Splitter) oder die in der magischen Welt „Troy“ angesiedelten Comics (dt. bei Carlsen) -, ist Zeichner Pierre Alary mit nur einer „deutschen“ Serie – „Belladona“ (dt. bei Splitter) – ein relativ unbeschriebenes Blatt. Dass es sich bei dem Autor um einen routinierten Schreiber handelt, steht von Beginn der Geschichte an außer Frage. Mühelos gelingt es ihm, dem märchenhaft verklärten Hintergrund einer der zentralen Figuren des „Tausendundeine Nacht“-Geschichten-Kanons, welcher insbesondere auf Kinder ein magische Faszination ausübt, eine erwachsene Note zu verleihen, in den orientalischen Zauber Härte, Brutalität und Grausamkeit einfließen zu lassen, der charmanten Art des Hauptprotagonisten eine dunkle Attitüde entgegen zu setzen. Spannend und dynamisch entspinnt sich eine phantasievolle Geschichte, voller Rätsel und Geheimnisse, deren Entschlüsselungen sich in diesem ersten Album noch nicht einmal ansatzweise andeuten.

Im Artwork Alarys steht eindeutig die Figur im Mittelpunkt der Bilder, welche mit markanten Linien umrissen wird und in deren Physiognomie sich einem leicht karikatur- bzw. toonhaften, vereinfachenden Ansatz folgend der Charakter zumindest teilweise widerspiegelt. Der Künstler versteht sich auf die dynamische, lebendige Inszenierung der Handlung und bildet im Zusammenspiel mit der Koloration Fernandez’, die zwar nicht vor Buntfarben zurückschreckt, aber allzu starke Kontraste vermeidet und sich eher um gedeckte Töne bemüht, den orientalischen Hintergrund atmosphärisch stimmig ab. In editorischer Hinsicht ergänzt ein kommentierter Blick in das Skizzenbuch Alarys die gefällige Visualisierung.

Fazit: Ein märchenhafte, in leichte Bilder gebannte Geschichte, garniert mit einigen düsteren Szenen, getragen von einem charmanten Schlitzohr. Äußerst unterhaltsam … auch für diejenigen, die glauben, zu alt für 1001 Nacht zu sein.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga | Keine Kommentare »

Kinder des Abgrundes

Erstellt von Werner Karl am 27. Dezember 2010

Kinder des Abgrundes
Silbermond über Providence, Band 1

(sfbentry)
OT: Lune d’argent sur Providence: les enfants de l’abîme
Text & Artwork: Eric Herenguel
Ü: Tanja Krämling
Lettering: Delia Wüllner-Schulz
Ausstattung: 72 Seiten, HC, Albumformat
ISBN: 978-3-940864-79-6
Verlag: Splitter Verlag, 2008

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Wir schreiben das Jahr 1880. Die junge Miss Cathy Gatling trifft in der kleinen in New Hampshire gelegenen Ortschaft Providence ein, um den Nachlass des alten Spencer zu regeln. Nach einer kurzen Vorstellung bei ihrer Pensionswirtin und einem überaus freundlichen Empfang dort, muss sie ihres Auftrags wegen den Sheriff des Ortes, einen gutmütigen Hünen namens James Stuart, aufsuchen. Von ihm erfährt Cathy, dass Spencer von einem Unbekannten ermordet wurde, wird zum Ort des Verbrechens geführt und hört hier erstmalig von den äußerst seltsamen Umständen des Todes; zugleich entspinnen sich zwischen der jungen Frau und dem verbal etwas unbeholfenen Stuart zarte, sachte Bande, fußend auf gegenseitiger Sympathie.

Kurz darauf gibt es erneut zwei Tote; und wieder sind die Umstände seltsam: während es sich bei dem eigentlichen Mord um einen Unfall zu handeln scheint, ist die Todesursache des zweiten Opfers augenscheinlich ein Herzanfall. Dennoch fängt die Stimmung in der Stadt an zu brodeln, beginnt der Pfarrer, die Angst der Menschen durch das Predigen apokalyptischer Szenarien anzuheizen. Als schließlich der vierte Tote gefunden wird – diesmal ohne jeden Zweifel grausam ermordet und zwar quasi unter den Augen der Öffentlichkeit -, steht plötzlich der Sheriff im Mittelpunkt der allgemeinen Kritik, da er es offensichtlich weder vermag, den oder die Täter zur Strecke zu bringen, noch die Bewohner Providences zu schützen. Das Misstrauen der  Menschen geht soweit, dass der Bürgermeister einen professionellen „Privatjäger“ anreisen lässt, einen bösartigen und skrupellosen Mann namens Dixon Deadwood, der sich vor allem durch seinen Hass auf Indianer und Schwarze auszeichnet.

Zum Eklat kommt es während eines Dorffestes: der Schmied des Städtchens, ein Indianer namens Ironcloud, versucht um den Ort der Lustbarkeit, eine alte Scheune, einen Schutzkreis zu ziehen und wird dabei von Deadwood ertappt. Nur Stuarts Eingreifen ist es zu verdanken, dass der Jäger den Indianer nicht sofort erschießt, wobei allerdings nicht verhindern kann, dass Ironcloud übel zusammen geschlagen wird. Bis auf Stuart scheint lediglich Cathy Mitleid mit dem Mann zu haben und hilft ihm, vom Ort des Geschehens fortzukommen. Aus Dankbarkeit schenkt ihr der Indianer ein Mondsteinamulett, dass sie vor den Monstern des Waldes schützen soll. Und nicht nur Ironcloud scheint mehr über die Hintergründe der Morde zu wissen, auch andere Gemeindemitglieder scheinen in etwas Unheimliches involviert, das seinen Ursprung in einer anderen Welt haben könnte.

Dass ein exzellenter Künstler sich auch auf das Schreiben spannender Comic-Geschichten versteht, kommt zwar ab und an vor, ist allerdings bedauerlicherweise immer noch selten. Eric Herenguel ist einer dieser Glücksfälle für das Genre, die in beidem – Texten und Zeichnen – Hervorragendes zu leisten vermögen. Sein Artwork ist schlichtweg von überwältigender Atmosphäre: mit leichter Hand gezeichnete, lebendige, individuelle Figuren, stimmungsvolle, idyllische Landschaften und  Stadtansichten,  lebendige Perspektiven, Bildabwicklungen und Schnitte, die eine Nähe zum Kino nicht verleugnen können, zahlreiche mit Bedacht gesetzte Details sowie eine abwechslungsreiche, kunstvolle Koloration, die sich schwerpunktmäßig zwar heller und pastellener Töne bedient, die aber auch vor kräftigen Farben nicht zurückschreckt, wenn es der szenische Kontext erfordert, bieten dem Auge des Betrachters eine Fülle, welche „Kinder des Abgrundes“ zu einem visuellen Hochgenuss macht.
 
Doch nicht nur in künstlerischer Hinsicht ist das Comic ein Highlight, auch die Geschichte selbst ist rundherum gelungen: ein stimmiger, spannend inszenierter Mix aus Krimi und Western mit starkem Mystery- bzw. Horror-Einschlag, sympathische oder wenigstens interessante Figuren, lockere natürliche Dialoge sowie ein Vielzahl von Geheimnissen, die sowohl ethnologischen, als auch „cthuloiden“ Hintergrunds sein könnten, lassen keinerlei Langeweile aufkommen. Editorisch abgerundet wird das Album durch einen Blick in Herenguels Skizzenbuch, in dem er nicht nur explizit auf die grafische Entwicklung der Monster eingeht, sondern der auch zahlreiche weitere Hintergrundinformationen für den interessierten Leser bereit hält.

Fazit: Ein hochspannender Genre-Mix aus Western, Krimi und Horror, der den Leser auch wegen des grandiosen Artworks von der ersten Seite in den Bann schlägt.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga | Keine Kommentare »