Buchrezicenter.de

neuauflage

Acht Wochen verrückt

Erstellt von Werner Karl am 16. Februar 2012

Eva Lohmann
Acht Wochen verrückt

Steinbach Sprechende Bücher
ISBN 978-3-86974-097-3
Hörbuch
Erschienen November 2011
4 CDs, Leicht gekürzte Autorenlesung
Hördauer: 275 Minuten

www.sprechendebuecher.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Autorin und Sprecherin:

Eva Lohmann, Jahrgang 1981, arbeitet als Inneneinrichterin und Werbetexterin in Hamburg. »Acht Wochen verrückt« ist ihr erster Roman.

Das Hörbuch:

Mila ist jung, noch keine 30 Jahre alt, aber es geht ihr nicht gut. Jeden Morgen schleppt sie sich zur Arbeit, gibt sich einem immer wiederkehrenden Tagesablauf hin, der ihr keinen Spaß mehr zu bereiten scheint. Sie hat keine Lust mehr auf das Leben, auf Freunde, auf Partys und zieht sich mehr und mehr zurück in ihr eigenes Schneckenhaus. Immer öfter fühlt sie sich dem Alltag nicht gewachsen, möchte weinen, sich einfach nur fallenlassen. Sie schluckt Schmerzmittel und Schlaftabletten, aber das Leben lässt sich durch Medikamente nicht verändern. Und dann geschieht das, was sich schon lange vorher angekündigt hat: Milas Seele kann nicht mehr und ihr Körper macht schlapp. Sie wird in eine psychosomatische Klinik eingewiesen.

Acht Wochen verbringt Mila in der Klinik, acht Wochen um ihr Burn Out, ihre Depression, in den Griff zu bekommen. Acht Wochen zwischen Magersüchtigen, Bulimiekranken, Menschen, die sich an Händen und Armen ritzen, Menschen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können und weiteren Menschen, die an Depressionen und Burn Out leiden. Acht Wochen in einer Welt, die viele weit von sich weisen, die viele nicht verstehen, aber auch einer Welt, die in unserer Gesellschaft für viele mehr und mehr zur Realität wird. Stress im Beruf, zu hohe Ansprüche, Druck von außen und noch weitere Faktoren bringen mehr und mehr Menschen an den Rand ihres Leistungsvermögens. Eine Depression steht kurz bevor.  

Die Autorin hat Mila zur Protagonisten ihres Romans und damit dieses Hörbuchs gemacht. Mila aber ist ein Stück weit Eva Lohmann selbst, die in diesem Buch ihre eigenen Erlebnisse niedergeschrieben hat. Dies gelingt ihr sehr feinfühlig. Die Depression wird betrachtet aus den Augen einer Betroffenen. Dem Hörer erschließt sich eine Welt, in der er sich vielleicht in vielen, vermutlich aber zumindest in einigen Punkten wiedererkennen wird. Die Schilderungen über die Zeit des Klinikaufenthaltes sind dazu geeignet Betroffenen die Angst vor ihrer Krankheit zu nehmen, einer Krankheit, die heutzutage leider einfach normal ist.

Um es mit den Worten der Autorin und Sprecherin zu sagen: „Wie verrückt muss man eigentlich sein um in dieser Welt nicht verrückt zu werden?“  Um das zu verhindern sollte man wohl tatsächlich viel öfter einmal auf sein Herz hören, sich auf sich selbst besinnen. Und schließlich ist es doch ganz sicher so, dass jeder Mensch ein wenig verrückt ist und wer von sich behauptet das nicht zu sein, der hat sich wohl noch nie mit sich selbst beschäftigt.

Mich hat dieses Hörbuch sehr berührt. Vielleicht hat es auch mir selbst vor Augen geführt, was ich eigentlich schon vorher wusste: Man sollte sein Leben in die Hand nehmen und wenn man äußeren Einflüssen so weit ausgeliefert ist, dass man sich ihnen nicht mehr entziehen und sie vor allen Dingen nicht ändern kann, dann muss man ihnen wohl den Rücken zudrehen. An dieser Stelle muss man sich aufraffen, der Hängematte entfliehen und wieder nach vorne sehen. Es gibt viele Möglichkeiten sein Leben zu leben und es selbst zu gestalten. Wir sollten es versuchen.

„Acht Wochen verrückt“ das ist eine lockere Geschichte über ein großes Problem unserer Gesellschaft, welches hier von der Autorin selbst hervorragend vorgetragen wird.

Copyright © 2012 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Als gebundenes Buch ist „Acht Wochen verrückt“ bei Piper erschienen. 

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Im Juli 2012 erscheint das Buch auch als Taschenbuch, ebenfalls im Piper Verlag.

Abgelegt unter Hörbuch & Hörspiel | Keine Kommentare »

Rimbaud und die Dinge des Herzens

Erstellt von Werner Karl am 27. Januar 2012

Samuel Benchetrit
Rimbaud und die Dinge des Herzens
Gelesen von Leonhard Hohm

Steinbach Sprechende Bücher
ISBN 978-3-86974-088-1
Hörbuch
Erschienen 2011
4 CDs, autorisierte Hörfassung
Hördauer: 287 Minuten

www.sprechendebuecher.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Der Autor:

Samuel Benchetrit (*1973) ist ein Multitalent: Schriftsteller, Drehbuchautor, Filmemacher, Theaterregisseur und Schauspieler. Er wurde für sein Werk bereits vielfach ausgezeichnet. So erhielt er 2008 den Preis für das beste Drehbuch beim Sundance Festival, und für den vorliegenden Roman bekam er 2009 den traditionsreichen Prix Populiste.

Der Sprecher:

Leonard Hohm (*1990) ist seit dem Abschluss seines Schauspielstudiums festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz. Er war bereits in diversen Hörspielproduktionen des HR und von Deutschlandradio Kultur zu hören.

Die Geschichte:

Der 10-jährige Charles, genannt Charly, lebt in einem Pariser Vorort. Seine Eltern stammen aus Mali und Charles Vater ist bereits vor vielen Jahren in die Heimat zurückgekehrt und die Familie hat schon lange nichts mehr von ihm gehört. Charlys Mutter arbeitet bei einem älteren Ehepaar und führt dort den Haushalt. Sein großer Bruder Henry ist drogensüchtig und treibt sich meist irgendwo herum. Eigentlich ist Charly es gewohnt, dass die Polizei hin und wieder in seinem Wohnturm, dem Rimbaud Wohnturm, auftaucht. Manchmal suchen sie nach seinem Bruder oder sind wegen anderer Dinge dort, aber heute ist es anders. Die Polizei ist gekommen und nimmt seine Mutter mit, seine Maman, die ihm doch so viel bedeutet und Maman hat nicht mal ein Lächeln für ihn übrig.

Charly schwänzt an diesem Tag die Schule und macht sich auf die Suche nach seinem Bruder. Vielleicht weiß dieser warum die Polizei Mutter abgeholt hat und wo sie jetzt ist. Nur wo soll Charly seinen Bruder finden?

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive geschildert und man hat das Gefühl der Sprecher selbst, Leonard Hohm, ist der kleine verzweifelte Charles, der trotz der wechselnden Gefühle, die in ihm toben, an das Leben und die Menschen glaubt. Der Hörer begibt sich gemeinsam mit Charly auf den Weg durch die Vororte von Paris, auf die Suche nach der Wahrheit und er erfährt gemeinsam mit dem kleinen sympathischen Protagonisten etwas über die wichtigen Dinge im Leben und über die Dinge des Herzens. Nicht nur seine Mutter, sondern auch die kleine Mélanie ist für Charly eine wichtige Person, ein geliebter Mensch.

Charly versprüht Charme, zeigt Lebensfreude auch in Situationen in denen andere Menschen verzweifeln würden. Er ist begeisterungsfähig und offen.

Als Zuhörer möchte man ihm helfen seine Mutter zu finden, sein Leben wieder in normale Bahnen zu lenken.

Eine rührende Geschichte, deren sehr offenes Ende mich dann doch etwas überrascht hat. Charly wird seinen Weg im Leben vermutlich finden, aber ich persönlich hätte ihm mehr gewünscht als das. Seine Suche sollte nicht nur mir als Zuhörerin einen Blick auf seine Dinge des Herzens gewähren, sondern auch für ihn selbst mit Erfolg gekrönt sein. Das hat mich letztendlich etwas gestört.

Dennoch ist „Rimbaud und die Dinge des Herzens“ eine zauberhafte Geschichte, die hier durch den Sprecher Leonard Hohm überzeugend gelesen wird.

Copyright © 2012 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Als Buch ist Rimbaud und die Dinge des Herzens im Aufbau Verlag erschienen. 

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Hörbuch & Hörspiel | Keine Kommentare »

Das lässt sich ändern

Erstellt von Werner Karl am 5. Oktober 2011

Birgit Vanderbeke
Das lässt sich ändern

Steinbach Sprechende Bücher
ISBN 978-3-86974-085-0
Hörbuch
Erschienen 2011
3 CDs, ungekürzte Autorenlesung
Hördauer: 228 Minuten

www.sprechendebuecher.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Autorin und Sprecherin:

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 in Dahme (Brandenburg), lebt mit ihrem Mann in Südfrankreich. Ihre Romane wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Alberta empfängt einen Liebhaber“ und „Das Muschelessen“.

Das Hörbuch:

Birgit Vanderbeke, die Autorin selbst, liest hier in ungekürzter Fassung ihren Roman „Das lässt sich ändern“.

Die Erzählerin kommt aus gutem Hause, es mangelt in ihrem Leben an nichts. Sie besucht die Schule, macht einen Abschluss und studiert. Dann verliebt sie sich. Der geliebte Mann ist Adam Czupek. Er stammt aus einer kinderreichen Handwerkerfamilie, die Mutter durchgedreht, das Leben einfach.

Es kommt wie es kommen muss. Adam Czupek wird von ihren Eltern nicht anerkannt, nicht für standesgemäß befunden. Er lebt „draußen“ während die Erzählerin und ihre Familie „drinnen“ leben. Aber das soll sich ändern, denn durch die Liebe zueinander lebt fortan auch die Tochter aus gutem Hause „draußen“. Familie und Freunde wenden sich ab und als auch noch die Wohnungskündigung ins Haus flattert, zieht die mittlerweile auf 4 Personen gewachsene Familie hinaus aufs Land. Dort hat eine Freundin ein altes Haus geerbt und Adam hilft bei der Instandsetzung. Dafür leben die Czupeks fortan mit in diesem Haus.

Die hier beschriebene Beziehung lebt von den eigentlich unterschiedlichen Charakteren, die sich aufeinander einlassen. Sie liebt das Wort, die Sprache. Er bevorzugt das Handeln, das Tun. Jeder aber respektiert den Anderen und so lernt sie zu handeln und er zu sprechen.

Adam Czupek ist einfach und doch wissend, engagiert und interessiert und so gestaltet er sein Leben auf eine ganz besondere Weise. Er möchte Dinge erhalten, die durch moderne Technik verdrängt werden. Was soll denn einmal sein, wenn niemand mehr weiß, was er mit den eigenen Händen anfangen kann? Hat Adam damit nicht sogar Recht? Sind wir nicht auf unser altes Wissen angewiesen? Können wir heute noch ohne die Hilfe moderner Technik überleben?

Diese Geschichte ist einfach zauberhaft. Probleme gibt es eigentlich nicht. Das Leben ist harmonisch und so finden sich schnell neue Freunde. Der Bauer nebenan spielt dabei eine genau so große Rolle wie die türkische Nachbarsfamilie.

„Das lässt sich ändern“. Ja, genau so ist es und daher empfehle ich dieses Hörbuch einfach jedem, und rate den Worten unbefangen zu lauschen und danach zu überlegen, ob man nicht selbst viel zu sehr dazu beiträgt, dass es ein Draußen und ein Drinnen überhaupt gibt.

Eigentlich möchten wir doch alle so glücklich und zufrieden leben wie die Czupeks, aber wir tun es nicht. Wir haben es in der Hand, ändern wir es!

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Als gebundenes Buch ist „Das lässt sich ändern“ bei Piper erschienen.

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Birgit Vanderbeke – Das lässt sich ändern. (Hörbuch – Erschienen 2011 – 3 CDs, ungekürzte Autorenlesung!)

Abgelegt unter Belletristik, Hörbuch & Hörspiel, Preisrätsel auf sfbasar.de | 1 Kommentar »

Das blaue Kreuz/Der verborgene Garten/Die sonderbaren Schritte

Erstellt von Werner Karl am 22. März 2011

Gilbert Keith Chesterton
Das blaue Kreuz/Der verborgene Garten/Die sonderbaren Schritte
Father Browns Einfalt 1

Hörbuch mit ungekürzten Erzählungen der Sammlung aus dem Insel Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 03/2010
2 CDs im Jewel-Case
Hörbuch, Krimi
ISBN 978-3-86974-010-2
Laufzeit: ca. 157 Min.
Übersetzung aus dem Englischen von Hanswillhelm Haefs
Gelesen von Michael Schwarzmaier
Titelbild von N. N.

www.sprechendebücher.de
www.krimiwelten.de
www.father-brown.de
www.chesterton.org/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die meisten Deutschen werden „Pater Brown“ vermutlich durch die Verfilmungen mit Heinz Rühmann aus den frühen 1960er Jahren kennen. Allerdings beruhen sie nur sehr rudimentär auf den Kurzgeschichten von G. K. Chesterton, da bereits die deutschen Übersetzungen aus dieser Zeit eher glättend und verharmlosend waren. Seit einigen Jahren gibt es allerdings eine dem Original wesentlich mehr entsprechende Übersetzung von Hanswilhelm Haefs. Auf dieser beruht das Hörbuch, das drei Kurzgeschichten aus der Sammlung auf zwei CDs präsentiert. Diese werden von Michael Schwarzmaier gelesen.

In „Das blaue Kreuz“ soll Father Brown ein altes und kostbares silbernes Kreuz nach London bringen, damit es Priester aus dem Ausland an seinen eigentlichen Bestimmungsort weiterleiten können. Natürlich ahnt er zunächst nicht, dass einer der Männer, der sich freundlich um ihn bemüht, in Wirklichkeit der französische Meisterdieb Hercule Flambeau ist. Doch ein anderer weiß schon Bescheid und ist ihm seit Frankreich auf der Spur …

„Der verborgene Garten“ ist eigentlich nur durch das Haus des Pariser Polizeichefs Valentin zu betreten. Doch dann verliert ein Amerikaner, der zu Gast ist, buchstäblich seinen Kopf. Wer ist dafür verantwortlich? Father Brown sucht nach der Antwort. „Die sonderbaren Schritte“ führen Hercule Flambeau und Father Brown wieder zusammen. Der Meisterdieb plant, den Club der ‚Zwölf wahren Fischer‘ zu bestehlen. So treffen die beiden aufeinander, weil der katholische Pater gerade in dem elitären Haus anwesend ist, nachdem unter den Bediensteten jemand verstarb. Man merkt schon, dass die Geschichten gut hundert Jahre alt sind. Durch sie weht ein Hauch viktorianischen und edwardianischen Stils, das britische Empire ist noch nicht wie die anderen Staaten Europas vom Krieg gezeichnet – und die eigentliche Geschichte entwickelt sich sehr behäbig, verzichtet auf plakative Action. Sie setzt mehr auf detaillierte Schilderungen der Menschen und ihrer Handlungen.

Doch im Gegensatz zu den Erzählungen um „Sherlock Holmes“, die zur gleichen Zeit spielen und auch einen Mann in den Mittelpunkt stellen, der sich die Taten genauer ansieht, setzt Chesterton nicht auf die Kombination von Indizien, sondern auf die Menschen. Wie ein Profiler studiert der katholische Pfarrer die beteiligten Personen, versetzt sich in sie hinein und kann so besser verstehen, was sie zu ihren Taten trieb. Auch wenn er das Beichtgeheimnis wahrt, lehrt es ihn doch viel über die Natur des Menschen. Das alles ist gepaart mit einem fast schon naiven Gottvertrauen in das Gute im Menschen. Und so ist Father Brown auch in erster Linie an der Reue der Täter interessiert und nicht unbedingt an deren Bestrafung, auch wenn sie natürlich am Ende der Polizei übergeben werden.

Diese Punkte kommen in der Neuübersetzung besonders gut zur Geltung und sprechen von der feinsinnigen Menschenkenntnis des Autors ebenso wie von seiner Lust am Philosophieren. Das Hörbuch fängt diese Elemente sehr gut ein und wird dadurch zu einem tiefgründigen Genuss. Man hat nicht nur Freude an der Findigkeit des Paters, sondern denkt auch über seine Worte nach. Es ist schön, dass man sich dieser kleinen Perlen des Krimi-Genres angenommen hat und sie endlich auch einem größeren Publikum in ansprechender Form als Hörbuch präsentiert. Viele, die „Pater Brown“ ganz anders kennen, werden jetzt jedenfalls erfahren können, das erheblich mehr in den Geschichten steckt als nur leichter, naiv scheinender Humor und eine gewitzte Spürnase, die eigentlich im Auftrag des Herrn unterwegs sein sollte.

Copyright © 2011 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Hörbuch & Hörspiel, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Der tibetische Verräter

Erstellt von Werner Karl am 13. Januar 2011

Eliot Pattison
Der tibetische Verräter
Shan Tao Yun 6

The Lord of Death, USA, 2008
Nach dem gleichnamigen Romans „Der tibetische Verräter“, Aufbau-Verlag, Berlin, 08/2009
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 09/2009
4 CDs, Hörbuch, Krimi
ISBN 978-3-88698-456-5
Laufzeit: ca. 275 Min.
Aus dem Englischen von Thomas Haufschild
Gekürzte Lesung von Bernd Rumpf
Titelillustration von steinbach sprechende bücher

www.sprechendebuecher.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eliot Pattison hat mit der Figur des Chinesen Shan eine sehr kontroverse Figur geschaffen. Dieser war einst einer der besten Kriminologen des Landes, bis er den falschen Leuten auf die Füße trat. Verbannt in ein Arbeitslager in Tibet lernte er viel von den ebenfalls dort gefangenen Mönchen und Lamas Er nimmt in der Folgezeit viel von der Lebensart der Tibeter an, auch wenn er von Geburt her ein Chinese ist, und fühlt sich dem unterdrückten Volk inzwischen mehr verbunden als seinem eigenen. So bleibt er nach seiner Entlassung bei einigen versteckt lebenden Mönchen und verdient sich seinen Unterhalt durch Gelegenheitsarbeiten. Shan arbeitet als Bergführer in einem Basislager am Mount Everest.

Zu seinen Hauptaufgaben gehört der Abtransport toter Sherpas und Bergsteiger, ein Job, um den sich kein anderer kümmern will. Doch sein eigentliches Ziel ist es, an seinen Sohn oder wichtige Leute heran zu kommen, die erst in einem Strafarbeitslager waren, aber nun als Versuchskaninchen in eine ‚Spezialklinik„ in den Bergen gebracht wurden. Bisher hat er noch keinen Weg gefunden, wie er das bewerkstelligen soll. Als er wieder einmal einen Toten in die Täler bringt, entdeckt er eine schicke Limousine, die von der Straße abgekommen zu sein scheint. Doch als er sich nähert, um festzustellen, ob er helfen kann, findet er nur zwei Frauen, eine tot, eine im Sterben liegend. Beide sind erschossen worden. Shan weiß, dass er besser verschwinden sollte, da sich die chinesischen Soldaten, die sich nähern, kaum die Mühe machen werden, nach einem weiteren Täter zu suchen.

Doch zu spät. Er wird verhaftet, gefoltert und erwartet schon bald seine Hinrichtung. Aber dann wendet sich das Blatt, denn ein anderer Verdächtiger wird gefunden und scheinbar überführt – Oberst Tan, der Chef des Lagers, der als einziger die Macht hätte, Shans Sohn aus der Klinik zu holen. Und so versucht der Ex-Ermittler einen Deal: Er will die Unschuld von Tan beweisen, wenn dieser den jungen Mann in das normale Arbeitslager zurück holt.

Anders als die vorhergehenden Abenteuer ist „Der tibetische Verräter“ persönlicher, und es geht zum ersten Mal nicht darum, Tibeter zu retten und direkte Ungerechtigkeiten gegenüber den Ureinwohnern dieses Himalaya-Reichs zu aufzuzeigen. Das geschieht eher indirekt, den Shan wird in die Intrigen von Unternehmern und korrupten Politikern verwickelt, die ihren Teil vom Tourismus in Tibet abhaben wollen. Und dass sie vor Mord an hochrangigen Leuten aus der Regierung nicht zurückschrecken, zeigt der Tod der Ministerin. Darin verwickelt sind diesmal interessanterweise auch Leute aus dem Westen, die sich als genauso hinterhältig erweisen wie ihre chinesischen Rivalen und Partner.

Der Kriminalfall ist jedoch Nebensache, denn wieder einmal beschäftigt sich der Autor mehr mit dem Drumherum. Shan erlebt am eigenen Leibe, wie die Chinesen Tibeter und Verräter wie ihn behandeln. Die entsprechenden Folterszenen sind zwar nicht überspitzt dargestellt, gehen aber in ihrer Direktheit unter die Haut. Man bekommt sehr deutlich die beklemmende und bedrückende Atmosphäre mit, die über dem Land liegt. Und durch entsprechende Berichte ahnt der Leser durchaus, dass dies nicht nur Imagination des Autors ist. Dennoch kann die Geschichte nicht ganz so fesseln wie die der Vorgänger. Vielleicht weil die tibetische Kultur und das Leben in dem Land diesmal eine untergeordnete Rolle spielen, vielleicht auch weil die Intrigen und Machenschaften durchschaubarer sind als früher. Oder es liegt an der Kürze, die verhindert, dass auch die Figuren neben Shan Profil gewinnen.

An der Lesung selbst liegt es nicht, denn Bernd Rumpf liest sehr klar und bewegt, gibt den einzelnen Personen Stimme und Leben, ohne zu übertreiben. Alles in allem ist „Der tibetische Verräter“ vielleicht schwächer als seine Vorgänger, bleibt aber immer noch über dem Durchschnitt üblicher Krimikost, was sicherlich auch an den Themen und dem Setting liegt, die schon alleine sehr brisant sind.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Hörbuch & Hörspiel, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Das Erlkönig-Manöver

Erstellt von Werner Karl am 25. November 2010

Robert Löhr
Das Erlkönig-Manöver

Hörbuch nach dem gleichnamigen im Piper Verlag erschienenen Roman „Das Erlkönig-Manöver“
steinbach sprechende Bücher, Schwäbisch Hall, 06/2008
6 CDs, Hörbuch in Papp-Display, Belletristik, Historical, Krimi
ISBN 978-3-88698-935-5
Laufzeit: ca. 452 Min.
Gelesen von Helge Heynold
Titelgestaltung unter Verwendung eines Bildes von Caspar David Friedrich

www.sprechendebücher.de
www.robert-loehr.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Das ausgehende 18. und das beginnende 19. Jahrhundert ist nicht nur die Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen, sondern auch der großen Geister, die noch heute in der Literatur, Philosophie und den Wissenschaften eine wichtige Rolle spielen und unvergessen sind. Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Alexander von Humboldt werden nun von Robert Löhr zu Helden einer fiktiven Agentengeschichte.

Deutschland im Jahr 1805: Mit Sorge beobachtet die Welt die Ambitionen von Napoleon Bonaparte, der zwar schon länger Frankreich kontrolliert, nun aber durch seine Kaiserkrönung deutlich gemacht hat, dass er sich nicht allein mit diesem Land zufrieden geben will. Und Deutschland bekommt das als erstes zu spüren, gehören doch die Gebiete westlich des Rheins bereits zum französischen Einflussbereich. Da trägt Herzog Carl August von Sachsen an die illustre Runde, zu der Goethe, Schiller, von Humboldt, Bettina Brentano und Achim von Arnim gehören, eine äußerst ungewöhnliche Bitte heran. Die fünf erfahren, dass Louis Charles, der Sohn von Marie Antoinette und Louis XVI., dem letzten Herrscherpaar aus dem Haus der Bourbonen, nicht im Kerker gestorben ist, wie alle angenommen haben, sondern überlebt hat. Der junge Mann ist nun achtzehn Jahre alt, und damit könnte er als rechtmäßiger Erbe den Thron Frankreichs besteigen – sowie den Usurpator und Emporkömmling Napoleon stürzen, der nicht mehr nur dem Adel Europas ein Dorn im Auge ist.

Der Dauphin hält sich angeblich in Mainz auf, das von den Franzosen besetzt ist, und droht unter Umständen enttarnt zu werden. Es gibt nicht lange etwas zu überlegen. Goethe, Schiller, von Humboldt und die beiden anderen sagen zu, der Angelegenheit nachzugehen, denn sie erkennen die Tragweite dessen, was passieren könnte, wenn das Vorhaben, durch den Dauphin Napoleon zu entmachten, gelingt. Doch wie so oft ist das Unterfangen mit Schwierigkeiten und Tücken verbunden, die niemand wirklich voraussehen konnte. Schon bald müssen sie nicht nur mit ihrem Verstand und ihrem Listenreichtum kämpfen, sondern auch mit Pistole, Degen und blanker Faust, denn Napoleon und seine Geheimdienstleute schlafen nicht …

Natürlich kann man sich denken, dass das Unterfangen nicht so gelingt, wie es sich die Helden am Anfang vorstellen, denn der Roman kehrt am Ende zu den realen historischen Entwicklungen zurück. Aber es ist sehr unterhaltsam, die Gestalten, die man nur als steife und idealisierte Vorbilder der deutschen Kulturgeschichte kennt, einmal in voller Aktion und sehr menschlich zu erleben. Da gibt es Degenduelle, Schießereien, man sprengt eine Brücke und ertrinkt dabei fast im Rhein oder wird schwach, wenn einen die einzige Frau der Gruppe anschmachtet. Das alles wird sehr ausführlich in Szene gesetzt, was die Handlung eher behäbig macht. Glücklicherweise gibt es im Hörbuch durch die Straffung keine allzu großen Längen. Die Helden bleiben meistens ihrer Bildung und ihrem Stand zwar treu und lösen vieles mit der Feder, dem Wort oder Verstand, aber sie geben sich auch schon einmal recht menschlich und schlagen kurzerhand zu, wenn man sie nicht ernst nimmt, fangen Streit an, der in einer handfesten Prügelei endet, oder sonnen sich in ihrem Ruf als Frauenverführer und sagen bei eindeutigen Angeboten nicht „nein“.

Hin und wieder gestatten sie sich natürlich auch den einen oder anderen Fehler und Schwächen, aber das macht sie nur umso lebendiger. Helge Heynold bringt dies dem Hörer nahe, auch wenn er ansonsten eher bedächtig und ruhig liest, so dass man seinem Vortrag sehr gut folgen kann. Aber er erlaubt es sich hin und wieder auch, Emotionen einzubringen, die die Figuren nachvollziehbarer machen, wenn auch leider nicht immer dort, wo es möglich wäre. Alles in allem erweist sich „Das Erlkönig“-Manöver als solides Hörbuch, das die Essenz der humorvollen Geschichte voller literarischer Zitate sauber wiedergibt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Belletristik, Historisch, Hörbuch & Hörspiel, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Wie in einem Traum

Erstellt von Werner Karl am 12. Mai 2010

wie-in-einem-traumUlli Olvedi
Wie in einem Traum

Nach dem gleichnamigen Roman „Wie in einem Traum“,
Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 11/2008
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 09/2008
5 CDs auf Displays im Juwel-Case
Hörbuch, Belletristik, Drama, Philosophie, Esoterik
ISBN 978-3-88698-936-2
Laufzeit: ca. 340 Min.
Textbearbeitung von Holger Michel
Autorisierte Hörfassung gelesen von Anne Fink
Titelgestaltung von steinbach sprechende bücher unter Verwendung eines Fotos von Phil Borges, Seattle
1 Booklet à 4 Seiten mit Glossar

www.sprechendebuecher.de
www.ulli-olvedi.gmxhome.de/
www.annefink.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Maili verliert erst ihre Eltern, die von Räubern ermordet wurden, dann ihren kleinen Bruder, der diese Schreckenstat nicht verkraften konnte. Ein Onkel und eine Tante kümmern sich um das Mädchen, und alles scheint sich zum Guten zu wenden, als ein junger Mann andeutet, er wolle sie heiraten. Nachdem er jedoch Maili zu vergewaltigen versuchte, beschließt sie, einen Schlussstrich unter dieses Leid erfüllte Leben zu ziehen. Durch die Vermittlung der Verwandten findet sie Aufnahme in einem Kloster in der Nähe von Katmandu. Auch auf der Reise beobachtet sie vieles, was sie in tiefe Traurigkeit stürzt, darunter, wie Grenzsoldaten – Maili weiß nicht, ob es chinesische oder nepalische Truppen sind – tibetische Flüchtlinge aus dem Bus zerren, sie schlagen, ausrauben und abführen.

Kurz vor dem Ziel lernt sie den jungen Mönch Sönan, der in einem benachbarten Kloster lebt, kennen und verliebt sich. Während sie von ihm träumt, praktiziert sie eifrig die Lehren Buddhas. Ihr größter Wunsch ist es, nicht mehr leiden zu müssen, aber sie kommt nicht so schnell voran, wie sie es möchte, zumal sie erst Lesen und Schreiben und später Tibetisch lernen muss. Als Sönan ihr gesteht, dass er ihre Gefühle erwidert, stürzt sie das umso mehr in Hoffen – dass sie zusammen glücklich werden können – und Bangen – wie lange sie ihre unschuldige Beziehung geheim halten können. Die Geschichte beginnt als Drama. Man erfährt von den Lebensumständen in einem nepalischen Dorf, insbesondere von den Verlusten der Hauptfigur Maili, die schließlich glaubt, das Leid nicht länger ertragen zu können, und entscheidet, sich in ein Kloster zurückzuziehen, sich den Lehren Buddhas zu widmen und allen Schmerz hinter sich zu lassen. Dieser Wunsch ist die Triebfeder für ihr Handeln und Denken.

Immer wieder streut die Autorin Ulli Olvedi Szenen ein, wie man sie aus den Nachrichten kennt: das brutale Vorgehen der Soldaten gegen Zivilisten und vor allem gegen tibetische Flüchtlinge, die Machtlosigkeit der Regierung angesichts schlimmer Gewalttaten und der Armut in manchen Regionen, die Entwicklungshilfe aus dem Westen. Auch die Rolle der Frau wird angesprochen, gezielt in Hinblick auf die Ungleichbehandlung der Mönche und Nonnen, denn Letztere haben weniger Rechte und dürfen z. B. nicht studieren. Maili verliebt sich in Sönan, doch dominiert die Romanze nicht die Geschichte; vielmehr fügt sie sich als weiteres Mosaiksteinchen gelungen in das Gesamtbild vom Klosterleben ein, in dem ihr Freundschaft und erstaunlich viel Verständnis von den Nonnen, der exzentrischen Yogini und dem Rinpoche entgegengebracht werden. Trotz ihrer starken Gefühle füreinander wollen Maili und Sönan ihr Gelübde nicht brechen und finden eine glaubwürdige Lösung.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung von Maili, die anfangs sehr kindlich, verträumt, scheu, aber auch aufbegehrend ist. Ihr Wunsch, nie mehr leiden zu müssen, ist zunächst egoistisch, doch als sie begreift, dass jeder leidet, wird ihr persönliches Bedürfnis immer kleiner, das der anderen entsprechend wichtiger. Obwohl sie sich zunächst schwer tut, ihr rebellisches Temperament zu bezähmen, lernt sie durch Selbstdisziplin und Meditation, sich selber und die Welt um sich herum in einem anderen Licht zu sehen, schließlich Kraft aus ihren Erkenntnissen zu schöpfen.

Das ist auch die Message des Romans bzw. Hörbuchs. Eingebettet in ein bittersüßes, romantisches Drama sind Worte des Trostes, die sich an Menschen wenden, die sich großen Problemen stellen und Verluste verarbeiten müssen. Es wird der Rat gegeben, die Dinge nicht nur aus einer Richtung zu betrachten, nicht die Schuld bei anderen zu suchen, statt zu hadern, die Situation zu akzeptieren und das Mögliche zu tun, damit es wieder besser wird – für einen selber und alle anderen. „Wie in einem Traum“ ist ein Buch, das zu Herzen geht und viele interessante Ansätze bietet, wie man mit Trauer, Angst und sonstigem Leid umgehen kann.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Belletristik, Esoterik, Hörbuch & Hörspiel | Keine Kommentare »

A-Gruppe 06 – Ungeschoren

Erstellt von Werner Karl am 25. Oktober 2009

ungeschorenArne Dahl
Ungeschoren

En midsommarnattsdröm, Schweden, 2003
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 10/2007
Nach dem gleichnamigen Buch, erschienen bei Piper Verlag, München, 2003
6 CDs im Jewel-Case mit Pappbox, Hörbuch, Krimi
ISBN 9783886983032
Spieldauer ca. 454 min.
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Titelgestaltung von N. N.
Sprecher: Till Hagen
Textbearbeitung: Hannelene Limpach
Aufnahmeleitung: Francois Smesny
Technik: Lambda Audiovision, Berlin, Andreas Fuhrmann

www.sprechendebuecher.de
www.piper.de
www.arnedahl.net

Die A-Gruppe für Verbrechen mit internationaler Bedeutung hat unter ihrer neuen Leiterin Kerstin Holm mehr als genug zu tun. Eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Mordfällen wird an sie heran getragen: Eine kurdische junge Frau, die ihren Bruder tötet, ehe er sie umbringen kann. Ein Medienkritiker, der den Chef eines Senders erschießt, weil dessen Programm allzu menschenverachtend ist. Eine erschlagene polnische Krankenschwester. Eine Leiche im Wasser. Jeder Tag bringt eine neue Aufgabe und sehr rasch gelingt es, die ersten Verdächtigen festzunehmen, die alle Eines haben: ein wirklich gutes Motiv und genug Verzweiflung oder Hass, um einen Mord zu begehen. Trotzdem verbindet diese scheinbar klaren Mordfälle noch etwas anderes, das die Spezialisten der schwedischen Polizei an die Grenzen ihrer Ermittlungsfertigkeiten bringt: Keiner der potentiellen Mörder scheint wirklich schuldig zu sein. Ist es Mittsommermagie, wie die junge Kurdin behauptet? Oder gibt es jemanden, der die Gedanken von Menschen lesen kann, die kurz vor einer schrecklichen Entscheidung stehen?

Die ganze Situation wird mehr als nur ein mörderisches Rätsel für die Leute der A-Gruppe, als ein anonymer Denunziant einen von ihnen bei der Abteilung für Inneres anschwärzt und sie schließlich erkennen müssen, dass der Drahtzieher hinter den Fällen – der flüchtige Geist der Mittsommernacht – ein ganz persönliches Interesse an der schwedischen Sondereinheit hat, und sie ihm alle bereits begegnet sind…

Arne Dahl präsentiert eine anfangs sehr verworrene Kriminalgeschichte mit zahlreichen mysteriösen Fällen, die lange ungeklärt bleiben und dem Leser irgendwann – wie auch den Protagonisten der A-Gruppe – das Gefühl geben, in den Morden, Verdächtigen, Ermittlungen und neuen Verbrechen ein wenig verloren zu gehen. Das Empfinden weicht aber hinter sehr viel Neugierde und Spannung zurück, als sich das Muster der Geschichte nach und nach abzuzeichnen beginnt, und man ist eingeladen, sich selber neben den Hauptfiguren seine Gedanken zu machen. Es sind gerade auch diese Figuren, die den Roman sehr lebendig machen, denn niemand ist dort nur eine Schablone oder erfüllt nahtlos ein Klischee – Arne Dahl stellt richtige Menschen in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Leute mit Wünschen, Schwächen, Stärken, Abgründen und Loyalitäten, mit Zweifeln und genialen Einfällen – und mit ziemlich vielen Kindern, denn die Mitglieder der A-Gruppe jonglieren nicht nur mit den Ermittlungen, sondern mit einem ganzen Rudel mehr oder minder Neugeborener, was der Geschichte aber durchaus etwas Charmantes gibt, so wie auch die Liebe zum Detail und zu genauen Beobachtungen am Rande.

Arne Dahl beeilt sich nicht mit der Geschichte, er setzt nicht auf Action und Dramatik, sondern ist ein Autor der stilleren Szenen, die sich entwickeln können, in denen die Menschen und ihre Worte wirken. Und das beherrscht er wunderbar. Die perfekte Ergänzung zu dem Roman ist der Synchronsprecher Till Hagen, der in seiner ruhigen, aber keineswegs monotonen Art liest. Er schafft, was anderen Hörbuchsprechern manchmal kaum gelingen will: ohne übertrieben zu schauspielern, gibt er jeder Person eine eigene Note, einen persönlichen Ausdruck, und niemals wirkt jemand dabei überzogen. Auch Frauen jeden Alters oder Kinder sind, von Hagen gesprochen, ernst zu nehmende und angenehm zu hörende Figuren.

In der Kombination der eng gewobenen Kriminalgeschichte von Arne Dahl und der angenehmen Erzählweise von Till Hagen ist das Hörbuch „Ungeschoren“ wirklich empfehlenswert und verspricht über 450 Minuten höchst interessanter Unterhaltung. (BvdB)

Titel bei Amazon.de:
Ungeschoren

Abgelegt unter Hörbuch & Hörspiel, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Damaskus – Der Geschmack einer Stadt

Erstellt von Werner Karl am 24. Oktober 2009

damaskus-e28093-der-geschmack-einer-stadtMarie Fadel & Rafik Schami
Damaskus – Der Geschmack einer Stadt

Nach dem gleichnamigen Buch „Damaskus – Geschmack einer Stadt“
Hanser-Verlag, München, 2002
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 7/2008
3 CDs in Papp-Display, Hörbuch, Belletristik, Kultur, Geschichte, Essen & Trinken
ISBN 9783886987528, ca. 199 Min.
Gelesen von Rafik Schami und Andrea Hörnke-Trieß
Titel und Innenfotos von verschiedenen Künstlern
Extra: 40-seitiges Rezeptbuch

www.sprechendebücher.de
www.rafik-schami.de

1946 wurde Rafik Schami in Damaskus geboren, 1971 kam er nach Deutschland, um Chemie zu studieren, und blieb nach seiner Promotion im Land. Er zog in die Pfalz. Schließlich begann er zu schreiben und wurde 1989 mit „Erzähler der Nacht“ im deutschen Raum bekannt. Doch seine Heimat hat er niemals vergessen, auch wenn sie ihm selbst seit einiger Zeit verschlossen ist. Ein Projekt, dem deutschen Leser Damaskus und vor allem das christliche Viertel, in dem er aufgewachsen ist, näher zu bringen, drohte zu scheitern. Dann aber kam seine Schwester Marie Fadel auf eine Idee. Sie würde als Geschichtenerzählerin fungieren, und ihr Bruder sollte die Schilderungen in entsprechende Worte fassen. Da ihre Heimat aber mehr als nur ein Ort ist, beschlossen beide, der Stadtbeschreibung auch noch ein Kochbuch mit typisch syrischen Gerichten hinzuzufügen, um Interessierten auch die Sinnlichkeit des Orient näher zu bringen. Von der Idee und ihrer Ausführung erzählt Rafik Schami in den einführenden Kapiteln des Hörbuches, dann lässt er seine Schwester mit der Stimme von Andrea Hörnke-Trieß zu Wort kommen.

Sie erzählt von einem Damaskus fernab der Touren, die Reisenden nur ein unvollständiges Bild der Stadt geben. Zwar stellt sie auch die weltberühmte Omajaden-Moschee vor, zeichnet aber vor allem ein Bild des täglichen Lebens im christlichen Viertel. Sie berichtet von der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner im Schatten großer Ereignisse, dem Miteinander von Christen verschiedener Konfessionen, Juden und Moslems. Sie beschreibt die Menschen aus ihrer Nachbarschaft liebevoll mit allen Marotten und Eigenheiten, klärt über Vorurteile auf und gibt humorvolle Anekdoten zum Besten. Leicht ist zu erkennen, dass auch in der streng patriarchalischen Welt der Mann nicht immer die Hosen anhat und manche Kinder leider zu sehr nach den Eltern schlagen, auch wenn man sie nach bestem Wissen und Gewissen erzieht.

Sie erklärt schließlich auch Hintergründe zu den Gerichten, so dass schließlich ein umfassendes, sehr warmherziges und lebendiges Bild der Stadt entsteht. Was ist „Damaskus – der Geschmack einer Stadt“ eigentlich? Ein Kochbuch, in dem die Hintergründe der kulinarischen Köstlichkeiten erklärt werden? Eine Kulturbeschreibung, die auch sehr intensiv auf Speisen und Getränke eingeht? Oder ein sehr persönlicher Blick zweier Geschwister auf eine Welt, die sie lieben und doch vermissen? Im Grunde alles zusammen, denn die Rezepte sind nicht nur so einfach dahin geschrieben, sondern mit allen möglichen Tipps und Anekdoten verbunden. Viele davon sind einfach nachzukochen, andere wieder sehr kompliziert und aufwendig. Die Stadtbeschreibung spricht auch noch Geschmack und Geruch an.

All das ist zudem noch stimmungsvoll mit Musik unterlegt und wird sehr lebhaft von der Sprecherin vorgetragen, so dass man nicht anders kann, als ihren Worten fasziniert zu lauschen und sich verzaubern zu lassen. Die Welt von „1001 Nacht“ erwacht in diesem Moment wirklich wieder zum Leben. Aus diesem Grund macht „Damaskus – Der Geschmack einer Stadt“ nicht nur Spaß beim Hören, sondern verlockt einen auch, das eine oder andere Gericht auszuprobieren, und macht Lust, die Stadt eines Tages vielleicht auch einmal selbst kennen zu lernen. (CS)

Titel bei Amazon.de: Damaskus – Der Geschmack einer Stadt

Abgelegt unter Belletristik, Hörbuch & Hörspiel, Kochen & Servieren, Kunst & Kultur | Keine Kommentare »

Die wundersamen Abenteuer des Mulla Nasrudin

Erstellt von Günther Lietz am 27. August 2009

Bei Amazon.deThomas Poppe
Die wundersamen Abenteuer des Mulla Nasrudin

steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall,10/2008
1 CD, Hörbuch, Belletristik, märchenhafte Parabel, Humor, 978-3-88698-942-3, Laufzeit: ca. 72 Min., gesehen 1/09 für EUR 14.99
Textauswahl mit Musik von Mourad X
Gelesen von Till Hagen
Cover von N. N.
www.sprechendebuecher.de
www.mouradx.de
www.tawabil.de

Ist es im deutschsprachigen Raum ein Schelm wie Till Eulenspiegel, der mit Witz, List und Verstand die braven und humorlosen Spießbürger an der Nase herumführte und viele Generationen amüsierte, so ist es in der islamischen Welt von Russland bis zu den Philippinen, von Nordafrika bis China eher Mulla Nasrudin, der mit seinen Streichen zum festen Bestandteil des Repertoires der Geschichtenerzähler gehört.

Thomas Poppe bietet nun eine Auswahl von kurzen und sehr kurzen Geschichten, die von humorvollen Anekdoten bis hin zu frechen Witzen reichen. Die meisten der gut 75 Texte sind auch im Vortrag kaum länger als eine Minute.

Inhaltlich haben sie eine große Bandbreite. Sie sind belehrend wie „Wirklichkeit und Wahrheit“, in der er dem König eines Landes und seinen Wachen klar macht, dass es nicht möglich ist, die Menschen durch die Androhung der Todesstrafe zu wahrheitsgetreuen Aussagen zu bewegen, da die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt. Dann macht er deutlich, dass „Dankbarkeit seine Grenzen hat“, wenn ein Nachbar immer und immer wieder betonen muss, dass er den anderen vor dem Sturz in einen Weiher gerettet habe. Nicht zuletzt nutzt er in „Nächstenliebe“ die Großzügigkeit eines Mannes, der sich eigentlich vorgenommen hat, sich nicht noch einmal von ihm narren zu lassen, erneut aus.

Der Schelm tritt immer wieder in wechselnden Rollen auf, als Meister, Lehrer, Richter, Arzt, Bettler oder Narr, der zumeist an seinem großen Turban zu erkennen ist und auf einem Eselchen durch das Land reitet.

Die Anekdoten und Witze greifen nur all zu menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen auf, die nicht nur im islamischen Raum zu finden sondern auf der ganzen Welt gültig sind. Man kann über die frechen Streiche und pfiffigen Dialoge lachen, ohne sich verletzt zu fühlen. Dann halten die Texte einem gleichzeitig aber auch den Spiegel vor und man kommt nicht umhin, über sich selbst, seine Vorurteile und seine Handlungsweisen nachzudenken.

Trotz des immer wieder deutlich spürbar erhobenen Zeigefingers und des belehrenden Untertons kommt die Unterhaltung nicht zu kurz, denn Till Hagen erzählt die kleinen Geschichten pointiert und lebhaft wie ein richtiger Geschichtenerzähler. Die stimmungsvollen Musikstücke von Mourad X sorgen zudem dafür, dass die richtige Atmosphäre entsteht.

So bietet „Die wundersamen Abenteuer des Mulla Nasrudin“ für jung und alt humorvolle Unterhaltung, die vor allem in der Grundaussage leicht zu verstehen ist, auch wenn Kinder den einen oder anderen Hintergrund anhand ihres fehlenden Wissens noch nicht ganz nachvollziehen können. Das trübt den Gesamteindruck jedoch nicht. (CS)

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Belletristik, Hörbuch & Hörspiel, Satire & Humor | Keine Kommentare »