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neuauflage

Das gefrorene Lachen

Erstellt von Werner Karl am 1. Januar 2012

Susanne Gerdom
Das gefrorene Lachen

(sfbentry)
Ueberreuter
ISBN 978-3-8000-5636-1
Jugendbuch / Fantasy
Erschienen 2011
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München,
unter Verwendung von Fotos von FinePic, München
Hardcover, 414 Seiten
Altersempfehlung ab 12 Jahren

www.ueberreuter.at
www.susannegerdom.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Susanne Gerdom wurde 1958 geboren und ist am Niederrhein in Rheinhausen aufgewachsen. Sie absolvierte eine Buchhandelslehre, versuchte sich an Pantomime und Clownerie und beschäftigte sich mit dem Theater. Sie verbrachte einige Jahre als Schauspielerin und Regisseurin in Düsseldorf. Später begann sie Fantasy und Science-Fiction zu schreiben. Sie lebt und arbeitet seit 2008 am linken Niederrhein.

Zum Buch:

„Vorhang auf! Die Bühne ist bereit – Das Spiel kann beginnen“,

so lädt die Autorin Susanne Gerdom ihre Leserschaft ein in das Königreich Almay einzutreten. Ein beschauliches und friedliches Königreich ist Almay und schon in Kürze soll der Sohn des Königs die Thronfolge antreten. Ein großes Fest steht bevor. Der Kronprinz August ist mit der Tochter des Hofzauberers, Pippa, befreundet und eigentlich immer mit ihr zusammen. Als Pippa während der Feierlichkeit erfährt, dass ihr Freund sich verloben soll, ist sie zutiefst enttäuscht, denn eigentlich ist August doch seit Kindertagen mit ihr verlobt. Als dann der Zauberer Ostwind auftaucht und Pippas Vater Laurentio herausfordert, verändert sich die Szenerie. Der König, die Königin und das Königsschloss sind plötzlich verschwunden. Fortan regiert der neue mächtige König Ostwind und verbietet Theater-, Tanz- und Musikveranstaltungen und vieles mehr.

Durch das Land zieht das Wandertheater von Maestro Spinelli mit dem Zauberer Lorenzo und seiner Gehilfin Pippa, dem Weißclown Alonso und seinem Gehilfen August, dem Riesen Zarter Blütenzauber und vielen anderen Artisten und Bühnenhelfern und bringt etwas Abwechslung in die kleinen Ortschaften, deren Leben sich seit der Regentschaft des neuen Königs so verändert hat. Das Leben im Theater selbst ist oft hart und trostlos und Pippa sucht immer häufiger Trost und vor allem Zuwendung bei Zarter Blütenzauber, der zwar nicht mir ihr spricht, ihr aber auf liebevolle Art Speisen bereitet und sie mit seinen selbstgemachten Glückskeksgedichten zum nachdenken bewegt. Mehr als einmal hat Pippa das Gefühl sich an irgendetwas zu erinnern, etwas das so nahe ist und doch so fern, etwas das nicht wirklich an die Oberfläche kommen will.

„Das gefrorene Lachen“ ist ein magischer Ausflug in die Welt der Zauberei und die Welt des Theaters. Hier ist der Leser gefordert seine Sinne zu schärfen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nichts ist was und wie es scheint und so ist diese Geschichte für jeden Leser eine fantastische Erfahrung und ein großes Rätselspiel.

Mit zauberhaften Worten und unter Beteiligung wahrhafter Märchenfiguren wird dieses Buch zu einer Reise durch eine Geschichte wie aus 1001 Nacht. Eine magische Erfahrung. Susanne Gerdom überzeugt hier in jeder Hinsicht und lädt nicht nur junge Menschen sondern auch Erwachsene ein in die bunte und manchmal auch schwarz/weiße Theaterwelt zu versinken.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Die Chroniken von Narnia

Erstellt von Michael Drewniok am 27. Dezember 2011

Clive Staples Lewis
Die Chroniken von Narnia

(sfbentry)
Originaltitel: The Complete Chronicles of Narnia (London : Collins 1998)
Übersetzung: Ulla Neckenauer (Bd. 1-4), Lisa Tetzner (Bd. 5,6), Hans Eich (Bd. 7)
Deutsche Erstveröffentlichung dieser Gesamtausgabe (geb.): September 2005 ( Ueberreuter Verlag)
526 S.
ISBN-13: 978-3-8000-5186-1
Als 7-bändige Gesamtausgabe im Schuber (geb.): September 2010 (Ueberreuter Verlag)
1308 Seiten
ISBN-13: 978-3-8000-5576-0
Als 7-bändige Taschenbuch-Gesamtausgabe im Schuber: September 2010 (Ueberreuter Verlag)
1308 Seiten
ISBN-13: 978-3-8000-5584-5

Titel bei Buch24.de (Gesamtausgabe in einem Band)
Titel bei Libri.de (Gesamtausgabe in einem Band)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Die sieben Bände des angelsächsischen Kinder- und Jugendbuchklassikers in einer schön aufgemachten Gesamtausgabe:

1. Die Wunder von Narnia (The Magican’s Nephew, 1955), S. 7-72

London im Jahre 1900/Narnia-Jahr 0: Möchtegern-Magier Andrew Ketterley schickt seinen Neffen Digory Kirke und dessen Freundin Polly Plummer auf die Reise in ein Reich zwischen Zeit & Raum. Dort betreten sie durch einen Zauberteich die tote Welt Charn und geraten an die böse Hexenkönigin Jadis, die sie in die Menschenwelt verfolgt und hier sogleich die Herrschaft an sich reißen will. Zwar gelingt es den Kindern, die Hexe zurück in die Zwischenwelt zu locken, doch dort stürzen alle durch einen anderen Teich in die noch unbelebte Welt Narnia, die Aslan, der goldene Schöpferlöwe, gerade mit Licht und Leben erfüllt. Jadis will sich nunmehr Narnia unterwerfen. Digory muss eine gefährliche Mission antreten, um die junge Welt zu retten.

2. Der König von Narnia (The Lion, the Witch and the Wardrobe, 1950), S. 73-134

London 1940/Narnia-Jahr 1000. Die Kinder Lucy, Suse, Edmund und Peter werden aus der von deutschen Bombern attackierten Stadt evakuiert und im Landhaus des exzentrischen aber freundlichen Professors Digory Kirke einquartiert. In einem der vielen Räume des verwinkelten Gebäudes entdecken sie einen Wandschrank, der sich als Portal in ein Märchenreich jenseits unserer Welt entpuppt. Narnia steht inzwischen unter dem Bann der „Weißen Hexe“ Jadis, die sich selbst zur Königin ernannt und einen ewigen Winter über das Land gelegt hat. Aslan, der goldene Löwe, der zwischen den Welten wandeln kann, entsendet Lucy und ihre Freunde Jadis Zauber zu brechen.

3. Der Ritt nach Narnia (The Horse and His Boy, 1954), S. 135-210

London 1940/Narnia-Jahr 1014: Im fernen Kalormen plant der Sklavenjunge Shasta gemeinsam mit dem sprechenden Streitross Bree die Flucht ins nördlich gelegene Narnia. In der Hauptstadt Tashbaan werden sie zufällig Zeugen einer Verschwörung: Kronprinz Rabadash will mit einem Heer die Länder des Nordens unterwerfen. Nun ist es an Shasta und Bree – denen sich inzwischen die vor einer Zwangsehe mit dem hässlichen Wesir von Kalormen flüchtende Arawis und das gleichfalls sprechende Pferd Hwin zugesellt haben – den Invasoren zuvorzukommen und die Könige von Archenland und Narnia rechtzeitig zu warnen.

4. Prinz Kaspian von Narnia (Prince Caspian, 1951), S. 211-286

London 1941/Narnia-Jahr 2303: Lucy, Suse, Edmund und Peter kehren ins Land Narnia zurück. Dort sind seit ihrem ersten Besuch mehr als 1000 Jahre verstrichen. Narnia wurde von den Telmarern erobert. Sie haben die sprechenden Tiere und Fabelwesen in die Wildnis vertrieben und führen ein strenges, freudloses Regiment. Auf dem Thron sitzt der Usurpator Miraz, der seinen Bruder, den König, beseitigen ließ. Ein solches Ende plant er nun auch für seinen ahnungslosen Neffen Kaspian, doch dieser wird rechtzeitig gewarnt und kann flüchten. Gemeinsam mit den Erdmenschen und unter Führung des rechtzeitig zurückkehrenden Aslan geht Kaspian gegen den Tyrannen vor.

5. Die Reise auf der Morgenröte (The Voyage of the „Dawn Treader“), S. 287-370

London 1942/Narnia-Jahr 2306: König Kaspian unternimmt mit seinem Schiff, der „Morgenröte“, eine Expedition in Narnias unbekannte östliche Meere, wo er nach sieben treuen Gefolgsleuten seines Vaters sucht, die sein böser Onkel einst dorthin entsenden ließ. Das Schicksal in Gestalt des Löwen Aslan stellt ihm per Zauber seine irdischen Gefährten Lucy und Edmund zur Seite, die dieses Mal von ihrem Cousin Eustachius Knilch begleitet werden. Piraten, Stürmen, Seeungeheuern und vielen anderen Gefahren muss die Besatzung der „Morgenröte“ trotzen, bis sie ihre Mission erfüllt hat.

6. Der silberne Sessel (The Silver Chair, 1953), S. 371-452

London 1942/Narnia-Jahr 2356: Der alte König Kaspian begibt sich zum letzten Mal auf große Fahrt, um endlich das Schicksal seines Sohnes und Erben Prinz Rilian zu klären, der vor Jahren von der bösen Schlangenhexe entführt wurde. Narnias Thron droht zu verwaisen, was nicht geschehen darf. Der Löwe Aslan holt aus der Menschenwelt die Kinder Eustachius Knilch und Jill nach Narnia. Sie sollen Rilian suchen und finden. Die Spur führt in den wilden, kalten Norden. Gemeinsam mit dem skurrilen Moorwackler Trauerpfützler machen sich die Kinder auf den Weg. Die Hexe hat freilich schon von ihrer Mission erfahren und stellt tückische Fallen auf.

7. Der letzte Kampf (The Last Battle, 1956), S. 453-524

London 1949/Narnia-Jahr 3555: Der Affe Listig streift seinem dummen Gefährten, dem Esel Wirrkopf, eine alte Löwenhaut über. Den sprechenden Tieren und Fabelwesen von Narnia gaukelt er vor, dies sei ihrer aller Herr, der Löwe Aslan, dem sie bedingungslos zu gehorchen hätten. Da Aslan schon viele Jahre nicht mehr erschienen ist, gelingt der Schwindel. Listig holt die Kalormen ins Land, das er im Namen Aslans plündern und versklaven lässt. Tirian, der letzte König von Narnia, ist machtlos. Aber Aslan ist keineswegs tot. Während Tirian die Kräfte Narnias gegen Listig und die Invasoren mobilisiert, holt der Löwe alle Menschen, die je für Narnias Wohl gekämpft haben. Eustachius und Jill folgen Digory Kirke, Polly, Peter, Edmund sowie Lucy; sie nehmen Teil an der letzten, alles entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse, die Narnias Schicksal entscheiden wird.

Siebenfach-Klassiker als Pracht-Ausgabe

Alle sieben Bände der „Narnia“-Sage, vereinigt in einem großen, dicken, auf feines Kunstdruckpapier gedruckten, schön und farbig illustrierten und verzierten Prachtwerk:
Die „Narnia“-Saga war schon vor dem ersten Disney-Spektakel von 2005 Literaturklassik und Kult – ein wenig auch in Deutschland, wo die Geschichten um das sagenhafte Land, das u. a. durch einen Kleiderschrank zu erreichen ist, 1957 zuerst und seither in unzähligen Ausgaben veröffentlicht wurden. Viele schon ältere Zeitgenossen werden sich erinnern, in ihrer Jugend Narnia bereits besucht zu haben. Nicht nur an den Nachwuchs, sondern auch an sie wendet sich dieser Sammelband.

Die Faszination der Vergangenheit stellt sich freilich erstaunlich schwer oder gar nicht mehr ein, so viel Freude das Wiedersehen auch bereitet. Man kann es pompös damit begründen, dass die Unschuld der Jugend verflogen ist. Gemeint ist allerdings eher, dass die „Narnia“-Bücher trotz Neuübersetzung in Stil und Ausdruck oft sowohl geschraubt als auch altmodisch bis angestaubt wirken. Zudem hat man gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Die „Narnia“-Saga ist ein doppeldeutiges Werk. Das Märchen ist eher eine Allegorie, die fest im Christentum verwurzelt ist. Der Verfasser will seinen (jungen) Lesern etwas sagen, sie überzeugen; will er sie womöglich auf seine Seite ziehen?

Unterhaltung mit Untertönen

Manipulation im Dienst der guten Sache ist ein Vorwurf, der gegen die „Narnia“-Bücher oft erhoben wird. Allerdings sind die Kinder des 21. Jahrhunderts aus anderem Holz geschnitzt als ihre ‚Vorfahren‘ in den 1950er Jahren. C. S. Lewis’ Entwurf einer besseren (aber nie idealen) Welt werden sie sicherlich kaum im Rahmen eines neuen Kreuzzugs realisieren wollen. Stattdessen werden sich die jungen Leser wie zu allen Zeiten an spannenden, mal ernsten, mal lustigen Geschichten in fantastischen Welten erfreuen, die bis ins Detail kunstreich und liebevoll ausgetüftelt wurden. In Narnia steht eine Straßenlaterne mitten im Wald, sitzen Biberfrauen hinter der Nähmaschine, tragen Faune Regenschirme und Mäuse Degen. Dabei verliert Lewis die (komplizierte) Chronologie seiner Welt nie aus den Augen. Wir hören in späteren Bänden immer wieder von alten Bekannten, treffen sie womöglich wieder. In Narnia – da walte Aslan – ist nichts unmöglich.

Zudem wurden die „Narnia“-Geschichten im Laufe der Jahre immer besser. Der Verfasser bekam seinen Stoff sichtlich in den Griff. Er baute seine Fantasiewelt aus, brachte immer neue, exotische Länder und deren groteske Bewohner hervor. Spätestens „Der silberne Sessel“ und vor allem „Der letzte Kampf“ beantworten die Frage, wieso diese „Kinderbücher“ mit den „Herr-der-Ringe“-Büchern von J. R. R. Tolkien verglichen werden.

Mit britisch skurrilem Witz, dessen Hintersinn von Kindern vielleicht nicht erkannt aber dessen Komik sehr wohl honoriert wird, vermeidet Lewis offen missionarische oder gar fanatische Untertöne. Auf der anderen Seite ist er ein Kind seiner Zeit. Das macht sich z. B. in „Der Ritt nach Narnia“ bemerkbar. Das Reich Kalormen ist deutlich der arabischen Welt aus 1001 Nacht nachempfunden. Aus heutiger Sicht bedient sich Lewis dabei einer politisch höchst unkorrekten Sichtweise. Seine Kalormenen sind allesamt dunkelhäutig, verschlagen, grausam. Hellhäutig, hoch gewachsen und edel präsentieren sich dagegen die Menschen aus Archenland und Narnia. Dies ist das zeitgenössische Herrenmenschendenken des kolonialen Weltreichs Großbritannien, in dem und mit dem Lewis aufgewachsen war und das er verinnerlicht hatte.

Integraler Bestandteil der „Narnia“-Geschichten sind seit ihrer Erstveröffentlichung die Illustrationen von Pauline Baynes (1922-2008). C. S. Lewis selbst war auf sie aufmerksam geworden, als er Zeichnungen sah, die sie für ein Büchlein seines Freundes Tolkien („Farmer Giles of Ham“) schuf. Obwohl seither andere Künstler eigene Narnia-Interpretationen vorgelegt haben, gelten Baynes’ Bilder weiterhin als die Narnia-Illustrationen. Für die „Complete Chronicles of Narnia“ kolorierte sie Baynes selbst 1998 nach ihren Vorstellungen.

Narnia von unten

Narnia ist eine Welt, in der Kinder die Hauptrolle spielen. Erwachsene kommen selbstverständlich vor; sie werden jedoch aus der ‚Untersicht‘ der jungen Protagonisten beschrieben und benehmen sich einerseits unverständlich oder töricht, andererseits unerträglich jovial. Kinder sind dagegen offener. Ihnen fällt es leicht eine Realität zu akzeptieren, in der es Hexen, Fabelwesen oder sprechende Tiere gibt. (Lewis schildert in „Die Wunder von Narnia“ sehr anschaulich, wie es Onkel Andrew die Erfahrungen eines langen Lebens voller Alltäglichkeiten unmöglich machen, Narnias Tiere zu verstehen – er hört nur Knurren & Fauchen und fürchtet sich.)

Dabei begeht Lewis niemals den Fehler, seine jungendlichen Figuren als reine Engel zu verklären. Sie streiten sich, entscheiden oft falsch. In „Der König von Narnia“ verfällt Edward sogar der Weißen Hexe und verrät seine Gefährten. Solches Verhalten, so Lewis, gehört zum Leben. Man lernt daraus und macht es dann besser. Deshalb gehen die „Narnia“-Geschichten trotz manchmal tragischer Ereignisse schließlich gut aus. Das ist nicht realistisch, liest sich jedoch für Kinder (und für Erwachsene) tröstlich.

Wieso einem Widerling wie Eustachius Knilch in „Die Reise auf der Morgenröte“ das Privileg einer Narnia-Reise vergönnt wird, wird unter dieser Prämisse verständlich. Autor Lewis verwendet auch ihn als ‚didaktisches Modell‘: Der unausstehliche Eustachius bringt sich durch seinen Eigensinn und die Weigerung, ein Teil des ‚Teams‘ der „Morgenröte“ zu werden, in gewaltige Schwierigkeiten. Er muss lernen, sich an- und einzupassen, was ihn im Sinne des Verfassers zu einem wertvolleren Menschen reifen lässt. (Keine Sorge, Lewis hirnwäscht Eustachius nicht zum Elite-Narniaisten: Rückfälle in sein altes, störrisches Wesen kämen immer wieder vor, merkt der Autor trocken an.)

Aslan, der goldene Löwe, steht kaum verhohlen für Gott bzw. Christus. Er erschafft Narnia in „Die Wunder von Narnia“ und hat dies wohl schon mit vielen Welten, die Erde eingeschlossen, getan. Aslan ist ein gütiger aber strenger Gott. Er zwingt seine ‚Kinder‘ nicht zum Gehorsam, sondern lässt ihnen die Wahl. Vor falschem Verhalten warnt er, doch er verhindert es nicht. Deshalb müssen diejenigen, welche der Versuchung erliegen, die Konsequenzen tragen. Freilich wacht Aslan im Hintergrund. Gerät seine Schöpfung in eine Gefahr, die ihre Bewohner überfordert, ist er um der Rettung willen durchaus bereit sich zu opfern (in „Der König von Narnia“) – auch dies eine deutliche biblische Parallele, zumal er wieder aufersteht.

Narnia – die Filme

2004 wurde für die Kinowelt ein Jahr des kollektiven Heulens & Zähneknirschens. 2001 bis 2003 war in jedem Dezember eine neue Episode des Peter-Jackson-Filmepos‘ „Der Herr der Ringe“ in die Lichtspielhäuser der Welt gekommen. Selbst wenn die übrigen Monate des Jahres nicht so gut gelaufen waren, brachten Frodo, Gandalf & Co. die Bilanzen zuverlässig in Ordnung. 2004 fehlte diese sichere Bank; es machte sich in der Einnahmestatistik durchaus unerfreulich bemerkbar.

Ein neuer Fantasy-Dauerbrenner musste her. Von J. R. R. Tolkien zu C. S. Lewis ist der Weg gar nicht so weit; die beiden waren zu Lebzeiten Freunde und diskutierten ihr Werk. Lewis’ „Narnia“-Reihe kann in Sachen Kultstatus und Auflagezahl durchaus mit dem „Herrn der Ringe“ mithalten.

„Der König von Narnia“, 2005 gedreht nach dem 1950 entstandenen „The Lion, the Witch and the Wardrobe“, kleckerte nicht, sondern klotzte. Die Spezialeffekte stellten selbst den „Herrn der Ringe“ in den Schatten. Der Film wurde (fast hysterisch) als das (Weihnachts)- Ereignis des Kinojahres beworben, nein: den potenziellen Zuschauern eingehämmert. Ein Erfolg bei Kritik und Publikum, der mit dem „Herrn der Ringe“ mithalten konnte, blieb zwar aus. Freilich war „Der König von Narnia“ alles andere als ein Fehlschlag, weshalb 2008 und 2010 Fortsetzungen entstanden und weitere Teile geplant sind.

Autor

Clive Staples Lewis wurde am 29. November 1898 im nordirischen Belfast als zweiter Sohn des Anwalts Albert Lewis und seiner Ehefrau Flora Hamilton Lewis geboren. Mit seinem älteren Bruder Warnie verlebte er eine geborgene Kindheit in Little Lea, dem großen, verwinkelten Haus, das später in den „Narnia“-Büchern als Landhaus des alten Digory Kirke wieder auftaucht. Eine weitere Parallele zur Romanwelt lässt sich in der schweren Erkrankung von Flora Lewis erkennen. 1908 starb sie; der Witwer schickte seine Söhne in ein Internat nach London. Clive hasste es dort – in „Prinz Kaspian“ lässt er seine jungen Narnia-Reisenden über ähnliche Probleme klagen und schildert die telmarischen Internate als Brutstätten schweinsgesichtiger Jungs und dicker, dummer Mädchen, in „Der silberne Sessel“ lässt er Jill und Eustachius mit sichtlicher Genugtuung ihre von einer irren Leiterin terrorisierte „Experimentalschule“ aufmischen – und war glücklich, als das Haus 1910 schließen musste und er nach Belfast zurückkehren konnte.

Ab 1916 studierte Lewis am University College zu Oxford University Antike und Englische Literatur, Philosophie sowie Alte Geschichte. Unterbrochen durch seinen Militärdienst im I. Weltkrieg, schloss Lewis 1925 seine Studien mit Auszeichnung ab. Er wurde Dozent für Englisch am Magdalen College in Oxford. Dort blieb er 29 Jahre, dann ging er als Professor für Mittelalter- und Renaissance-Literatur in die Universitätsstadt Cambridge. In dieser Zeit entstanden zahlreiche literaturwissenschaftliche Bücher und Artikel.

Während seiner Jahre am Magdalen College wurde Lewis Schriftsteller. Ein erstes großes Werk („The Pilgrim’s Regress“, dt. „Flucht aus Puritanien“) erschien 1933 und thematisierte seinen langen, schwierigen Weg vom Atheismus zum Christentum. Lewis’ intensive Beschäftigung mit Glaubensfragen floss immer in sein belletristisches Werk ein. Gleichzeitig blieb er stets ein strenger Wissenschaftler, der ein durchaus szientistisches Weltbild besaß.

Zu einem phantastischen Klassiker wurde seine Perelandra-Trilogie („Out of the Silent Planet“, 1938, dt. „Jenseits des schweigenden Sterns“; „Perelandra“/„Voyage to Venus“, 1943, dt. „Perelandra“; „That Hideous Strength“, 1945, dt. „Die böse Macht“), eine Mischung aus ‚christlicher‘ Science Fiction und mystischer Fantasy, dessen Hauptfigur Lewis nach seinem Freund J. R. R. Tolkien, dem Schöpfer des „Herrn der Ringe“, formte.

Lewis‘ Hauptwerk wurde die siebenbändige „Narnia“-Reihe, entstanden zwischen 1950 und 1956. Das Projekt eines „anspruchsvollen“ Kinderbuchs traf auf viel Kritik; man riet Lewis, sich seines schriftstellerischen Ranges zu besinnen und ‚richtige‘ Literatur zu verfassen. Freund Tolkien hielt die „Narnia“-Geschichten gar für missraten, was Lewis sehr kränkte. Der zunächst flaue Absatz der Bücher schien den Skeptikern Recht zu geben. Mundpropaganda brachte erst den Erfolg und dann den Quantensprung. Die Gesamtauflage der „Narnia“-Bücher, die seit ihrer Entstehung niemals außer Druck waren, wird auf mehr als 90 Millionen Exemplare geschätzt. Lewis hatte den idealen Weg gefunden, seine Ansichten in einfachen Worten einem möglichst großen Publikum nahe zu bringen.

Mit dem siebten Band schloss Lewis die Saga offiziell ab; es blieben keine losen Enden. 1957 heiratete er die Schriftstellerin Joy Davidham. Sie erkrankte bald an Krebs; die Pflege ließ dem Gatten wenig Zeit zum Schreiben und belastete ihn zudem psychisch. Nach Joys Tod 1960 begann Lewis selbst zu kränkeln. Er gab sein Lehramt auf und zog sich ins Privatleben zurück. Am 22. November 1963 ist Clive Staples Lewis gestorben. Sein Tod blieb fast unbemerkt, denn am selben Tag wurde in Dallas US-Präsident John F. Kennedy erschossen. Als Wissenschaftler und Schriftsteller ist Lewis indes längst eine feste, noch immer präsente Größe geblieben.

Diese Biografie und – stark verkürzte – Werkschau von C. S. Lewis stützt sich auf diesen ausgezeichneten Artikel: www.quod-est-dicendum.org/Literatur/Lewis_01_03_03_tg.htm (dt.).

Gedruckt erschienen 2005 zwei Sachbücher mit ausführlichen Hintergrundinfos:

- Michael Coren: C. S. Lewis. Der Mann, der Narnia schuf (1994; „The Man Who Created Narnia – The Story of C.S. Lewis“), Verlag Brendow, 143 S.
- Markus Mühling: Gott und die Welt von Narnia. Eine theologische Orientierung zu C. S. Lewis’ „Der König von Narnia“, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 147 S.

[md]

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Sternenkraut

Erstellt von Werner Karl am 31. Oktober 2011

Susanne Mittag
Sternenkraut

(sfbentry)
Ueberreuter
ISBN 978-3-8000-5649-1
Kinder- und Jugendbuch
Erschienen September 2011
Umschlagillustration: Dirk Schulz, animagic GmbH, Bielefeld
Umschlaggestaltung: Herbert Ahnen, animagic GmbH, Bielefeld
Hardcover, 224 Seiten
Altersempfehlung ab 10 Jahren

www.ueberreuter.at
www.susannemittag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Susanne Mittag wurde 1967 geboren und wohnte bereits in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg. Bei so vielen Umzügen brauchte sie etwas, das sie immer bei sich tragen konnte, und so kam sie zu ihren Träumen und Geschichten. Irgendwann fanden diese ihren Weg aufs Papier. 2001 machte Susanne Mittag ihr Hobby zum Beruf. Sie lebt als freie Schriftstellerin mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Esslingen.

Zum Buch:

Stella hat bereits im jungen Alter von zwei Jahren ihre Mutter verloren. Vielleicht ist das der Grund weshalb sie so anders ist als viele gleichaltrige Mädchen und Jungen. Am allerliebsten hält sie sich im Blumenladen ihres Vaters auf. Seltsamerweise scheint sie eine ganz besondere Beziehung zu Blumen und Pflanzen jeglicher Art zu haben, denn unter ihrer Pflege grünt und blüht einfach alles. Stella spricht auch fließend walisisch und führt das auf ihre Mutter zurück, da diese aus Wales kam. Das glaubt Stella zumindest, bis sie es ausprobiert und feststellen muss, dass ihre Sprache wohl nicht walisisch ist. Was aber spricht sie dann?

Als dann plötzlich im Blumenladen und auch bei ihr zu Hause ein Mann auftaucht, der nach der Pflanzenflüsterin sucht, ist Stella mehr und mehr verwirrt. Der Fremde fragt nach einem Schlüssel, den sie von ihrer Mutter bekommen haben soll. Stella glaubt sich an einen Schlüssel zu erinnern und findet diesen auch wenig später in einer Schmuckkiste ihrer Mutter auf dem Dachboden. Aber ihr fällt noch etwas Sonderbares auf: Der Mann hat mit ihr in dieser anderen Sprache gesprochen, der Sprache von der sie nicht weiß, was es für eine ist.

Den Schlüssel zeigt Stella am nächsten Tag einem Jungen namens Kian, den sie neu kennen lernt und der sich als Enkel des Nachbarn ausgibt. Aber dann steckt der Junge den Schlüssel einfach in die Luft, in eine angebliche Tür, eine für Stella nicht vorhandene Tür. Es knackt und kurz darauf  findet Stella sich samt Kian in einer anderen Welt wieder, einer Welt, die auf eine Pflanzenflüsterin gewartet hat, in der man nach einer ganz bestimmten Pflanze namens Sternenkraut sucht und einer Welt, die nur aus Höhlen zu bestehen scheint. Vor Stella liegt ein großes Abenteuer und dabei kommt sie auch ihrer eigenen Vergangenheit ein ganzes Stück näher.

Sternenkraut ist ein Buch für ganz junge Leser ab 10 Jahren und so natürlich auch sprachlich für die Zielgruppe recht einfach gehalten. Die Geschichte sprüht nur so vor Ideen und der Leser taucht Seite um Seite weiter ein in eine zauberhafte, ursprüngliche Welt, in der Leben noch ganz anders funktioniert als in unserer heutigen Zeit. Hier sind Respekt und ein Leben im Einklang mit der Natur an der Tagesordnung und eigentlich liegt es doch auf der Hand, warum gerade Stella diese Welt erkunden darf.

Viele Ansätze im Buch werden zwar nicht vollkommen aufgeklärt und bleiben offen, aber andernfalls wäre ein solches Buch für junge Leser sicherlich auch zu umfangreich geworden. Auf jeden Fall aber ist die Geschichte auch lesenswert für Erwachsene, die gerne wieder einmal Kind sein wollen und fantastische Geschichten lieben.

Die Gestaltung des Hardcovers ist wunderschön und passt einfach perfekt zum Titel des Buches. Ranken, Pflanzen und ein grünes Cover, das ist eine Aufforderung das Buch zu öffnen und in die Welt von „Sternenkraut“ einzutauchen.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

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Amputiert

Erstellt von Michael Drewniok am 3. April 2011

Gord Rollo
Amputiert

Originaltitel: The Jigsaw Man (New York : Leisure Books 2008)
Übersetzung: Michael Krug
Deutsche Erstausgabe (Paperback mit Klappenbroschur): Januar 2011 (Otherworld Verlag)
333 S.
ISBN-13: 978-3-8000-9538-4

Titel bei Buch24.de
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Das geschieht:

Nachdem Ehefrau und Sohn vor drei Jahren bei einem Autounfall zu Tode kamen, ist Michael Fox zum obdachlosen Säufer heruntergekommen. Auf den Straßen der Stadt Buffalo, US-Staat New York, fristet er ein elendes Dasein, das er eines Tages durch Selbstmord beenden will. Als er auf den Zug wartet, der ihn überfahren soll, hält ihn Alexander Drake mit einem bizarren Angebot zurück: Für nicht legale Experimente sucht sein Dienstherr, der berühmte Neurochirurg Nathan Marshall, Menschen, die sich Körperteile amputieren lassen. Fox könnte für den Verlust seines rechten Armes 2 Mio. Dollar kassieren. Zwar ist ihm persönlich das Geld gleichgültig, doch er will es Arlene, seiner verbliebenen Tochter, die sich von ihm losgesagt hat, als Erbe hinterlassen.

Fox lässt sich also auf den Deal ein. Zusammen mit drei weiteren Versuchskaninchen wird er in Marshalls zur Festung ausgebaute Privatklinik geschafft. Zu spät wird ihm klar, dass er einem modernen Dr. Frankenstein in die Hände gefallen ist. Nathan Marshall ist der „Jigsaw Man“, der sich seinen Traum vom künstlich aus Körperteilen zusammengepuzzelten Menschen erfüllen will. „Im Namen der Wissenschaft“ ist ihm jedes Mittel und jedes Verbrechen recht.

Fox und seine Leidensgenossen werden Stück für Stück auseinandergenommen und ihre Körperteile ‚verarbeitet‘. Sterben dürfen und sollen sie nicht, denn die arm- und beinlosen Körper taugen immer noch als lebendige Blutbänke. Gequält und ohne Hoffnung vegetiert Fox dahin, bis Marshall ein neues Experiment plant: Ist es möglich, ein Gehirn in einen künstlichen Körper zu verpflanzen? Die Antwort stürzt Fox in einen Abgrund neuer Schrecken; sie verschafft ihm allerdings auch die Möglichkeit, buchstäblich wieder auf die Beine zu kommen und von Rache nicht mehr nur träumen zu müssen …

Altes Blut im jungen Schlauch

Mary Wollstonecraft Shelley hat es 1818 auf Anhieb richtig gemacht: „Frankenstein or: The Modern Prometheus“ war nicht nur der erste ‚moderne‘ Roman, der sich intensiv mit dem Thema des künstlichen Menschen beschäftigte, sondern auch Vorbild für eine endlose Reihe ähnlicher Geschichten, in denen sich die von der Autorin aufgeworfenen Fragen mehr oder weniger deutlich wiederfinden.

Shelley hatte erkannt, dass sie beiden Seiten eine Stimme geben musste: dem Schöpfer und seinem Geschöpf. Sie ging damit über die Grenzen des ‚nur‘ unterhaltsamen Horrors – den es auch zu ihrer Zeit gab – weit hinaus. Wie stabil dieses Fundament war, belegen beinahe zwei Jahrhunderte später Existenz und Intensität von „Amputiert“, einer Geschichte, die vorgeblich Hommage für einen früh verstorbenen Trash-Meister ist, aber tatsächlich die „Frankenstein“-Gruselmär modernisiert und trivialisiert nacherzählt.

Besagter Trash-Meister war Richard Laymon (1947-2001), dessen unterirdisches Niveau Gord Rollo allerdings niemals erreicht; ein Scheitern, das ihn nicht traurig stimmen sollte. „Amputiert“ ist immer noch trashig genug, weist aber darüber hinaus eine richtige Story, echte Figuren und einen Erzählstil auf, der deutlich mehr zu bieten hat als Stammeln und spätpubertäres Schwelgen in Sex & Crime.

Horror ohne Zwischentöne

„Amputiert“ lautet recht marktschreierisch der deutsche Titel, aber auch „The Jigsaw Man“ beschränkt sich nicht auf die Andeutung dessen, womit es der Leser zu tun bekommen wird. Die Logik bleibt dagegen außen vor, was u. a. bedeutet, dass die Frage ausgeklammert bleibt, wie Nathan Marshall sein privates Reich des Schreckens errichten und geheim halten konnte. Da die Abwesenheit offizieller Rechtshüter für diese Geschichte unerlässlich ist, blendet Rollo ihre Existenz quasi aus.

Ihm geht es um den Effekt: Marshall hat seine Residenz zwar mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts errichtet. Trotz Hightech und Edelstahl-Geglitzer ist diese Klinik immer noch die alte Burg Frankenstein mit ihren kahlen Steinmauern, den tiefen Kerkern und vor allem mit dem Labor und den funkensprühenden oder blubbernden Instrumenten und Glaskolben. Diener Fritz hat sich in den schwulen Sadisten Alexander Drake verwandelt sowie vervielfältigt, denn weitere Schergen wuseln durch Marshalls Festung: Zum Trash-Horror gehört ein hoher Bodycount, der wiederum viel Kanonenfutter benötigt.

Gemordet wird mit blutigen Details, die in den Labor-Szenen sogar noch drastischer werden: Dr. Frankenstein verschmilzt mit Herbert West, dem 1922 von H. P. Lovecraft (1890-1937) erfundenen und 1985, 1990 und 2003 von Jeffrey Combs in drei rabiaten Splatter-Filmen verkörperten „Re-Animator, der stellvertretend für alle „mad scientists“ steht, die den durchaus redlichen und eher verblendeten als irren oder bösartigen Urvater aller Monster-Macher abgelöst haben.

Das Böse ist … böse

So ist Nathan Marshalls Drang, dem verstümmelten Sohn zu einem neuen Körper zu verhelfen, in der Tat nur ein moralisches Feigenblatt. Falls Marshall überhaupt jemals ein echter Forscher war, hat er den wissenschaftlichen Kodex längst ad acta gelegt. Zum „Re-Animator“ kommt ein Gutteil Mengele, denn Marshall experimentiert um des Experimentierens willen. Er maßt sich offen an, wie Gott zu sein, während eine entsprechende, sehr viel vorsichtigere Äußerung Frankensteins im gleichnamigen Filmklassiker von 1931 noch zensiert wurde.

Natürlich sind Marshall und seine Schurken trotz bzw. gerade wegen ihrer Grausamkeiten absurde, beinahe lächerliche Gestalten. Sie wirken eindimensional, wenig überzeugend und scheinen für ein unsichtbares Publikum den Teufel eher zu spielen. Es fehlt jene Charaktertiefe, die das echte Böse begleitet, was es freilich für Rollo unbrauchbar macht: Seine Schurken müssen theatralisch sein!

Hin und wieder probiert es der Verfasser mit Zwischentönen. Schwester Junie, als hartherzige Vettel eingeführt, wird später weich und enthüllt, wie Marshall sie kaufen und in seine Erfüllungsgehilfin verwandeln konnte. Ihr Schicksal ist tragisch, es lässt jedoch kalt, weil Rollo sich einer Tatsache nicht bewusst ist: Während Action und Horror mit oder trotz Klischees funktionieren können, trifft dies auf ‚echte‘ Emotionen nur bedingt zu. Daher wirken die auch Szenen in der „Blutkammer“ der lebenden Torsos nicht erschütternd und traurig, sondern endlos und kitschig.

Das Gute ist … langweilig

Die Konturenschwäche schließt die Hauptfigur ausdrücklich ein. Michael Fox ist ein Jedermann, den ein hartes Schicksal in die Knie zwang. Unfalltod der Familie, Trunksucht, Verlust von Job und Heim, Bruchlandung in der Gosse – die Schläge prasseln förmlich auf Fox und den Leser ein, denn Rollo nimmt sich viel Zeit, seinen traurigen Helden entsprechend einzuführen. Wiederum wäre weniger mehr, doch dies ist ein Motto, dem der Verfasser generell nicht zu folgen gedenkt.

Auch später klärt uns Fox ausführlich über seinen jeweiligen Gemütszustand auf. Allerdings tragen diese Informationen nunmehr zur Handlung bei: Aus Michael Fox, dem Loser, wurde erst das Ersatzteillager und dann das Monster gleichen Namens. Wie man sich fühlt, wenn einem Arme und Beine amputiert werden, bis schließlich das Hirn in einen fremden Körper montiert wird, beschreibt Rollo lebhaft und erneut unter Einsatz bekannter Klischees, die im Horror-Zusammenhang – s. o. – ihren Zweck erfüllen.

Im Finale treffen sich Shelley und Rollo wieder. Zwar zieht Fox sich nicht in die Einöde der Arktis, sondern nur auf den nächsten Bahndamm zurück, aber er sucht dort nach klassischem Vorbild sein Ende. Das Monster ist seiner Existenz müde. Zuvor hat es natürlich dafür gesorgt, dass die Menschheit, die auch im 21. Jahrhundert noch (oder erst recht) nicht „reif“ für das Wissen um die Erschaffung künstlichen Lebens ist, keine neuen Ungeheuer schaffen kann. In der Hollywood-Burg Frankenstein gab es dafür einen speziellen Hebel; wenn man ihn – wie in „Bride of Frankenstein“ (1935; dt. „Frankensteins Braut“) zog, flog das Labor des Bösen in die Luft. Diese elegante Methode findet sich in vielen alten Horrorfilmen. Rollo weicht von dieser ‚Vorlage‘ ab und denkt sich eine umständlichere aber realistischere Methode aus, um einen spektakulären Schlusspunkt unter seine rasante Schauermär zu setzen.

Harter Horror auf feinem Papier

„Amputiert“ ist ein grobes Garn, das – der Geschichte folgend – für die deutsche Ausgabe seinem grell gecoverten Originalkörper entnommen und in ein ebenso schlichtes wie hochwertiges Gewand transplantiert wurde. Zwar kündigt auch der neue Titel deutlich an, dass es heftig zur Sache gehen wird, doch das Cover zeigt nur (z. T. durchgeprägte) Buchstaben auf grauem Grund, was durchaus ein wenig kontraproduktiv wirkt.

Im Zuge der geschilderten Operation leistete auch der Übersetzer ausgezeichnete Arbeit; der eingedeutschte Gord Rollo liest sich angenehm flüssig. Trash sollte sich – für Laymon kommt diese Erkenntnis zu spät – auf den Inhalt einer Geschichte beschränken; stilistische Qualität verhilft dieser dagegen sehr wohl zu einem höheren Unterhaltungswert. Als Paperback mit Klappenbroschur liegt „Amputiert“ bei dennoch moderatem Verkaufspreis zusätzlich angenehm in der Leserhand.

Autor

Gord Rollo wurde 1967 im schottischen St. Andrews geboren. Im Alter von vier Jahren emigrierte er nach Kanada; die Familie ließ sich in Dunnville, einer Kleinstadt in der Provinz Ontario, nieder. Dort wuchs Rollo auf. Er studierte am Sheridan College in Oakville, Ontario, Betriebswirtschaft.

Nach eigener Auskunft schrieb Rollo schon in frühen Jahren. Er bevorzugte Genre-Unterhaltung und hier Horror und Science Fiction. Zunächst veröffentlichte er Kurzgeschichten und edierte 2001 und 2002 selbst zwei Storysammlungen. 2006 veröffentlichte Rollo „Crimson“, seinen Debütroman, in einem Kleinverlag. Seit „The Jigsaw Man“ (dt. „Amputiert“) interessieren sich auch große Verlage für die Werke, der seit einiger Zeit zusätzlich versucht, als Drehbuchautor Fuß zu fassen.

Offizielle Homepage von Gord Rollo.
Gord Rollo auf Myspace.

[md]

Titel bei Buch24.de
Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Gord Rollo – Amputiert.

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WASP

Erstellt von Günther Lietz am 14. Februar 2009

Wolfgang Hohlbein
WASP

Ueberreuter Verlag, Wien/A, 7/2008
HC, Mystery-Thriller, 978-3-8000-5436-7, 960/2490
Titelbildgestaltung von Init unter Verwendung eines Fotos von Mauritius Images
www.ueberreuter.at
www.hohlbein.com
www.hohlbein.net

Wolfgang Hohlbein wird von vielen als ‚Meister der Phantastik’ bezeichnet und hält schon seit vielen Jahren den Thron als unangefochtener Star der Fantasy-Autoren-Szene besetzt. Fast alle seine Romane sind zu Bestseller-Ehren gekommen und werden auch heute noch immer wieder aufgelegt.

Der Stil und die Qualität seiner Romane mag Geschmackssache sein, aber eines kann man ihm unangefochten zugestehen: Wie kein anderer deutscher Autor weiß er aktuelle Strömungen und Trends für sich zu nutzen.

Er hat in den gut dreißig Jahren seines Schaffens bewiesen, dass er vielfältige Themen aufgreifen kann – vom Tenniskrimi über epischer Fantasy bis hin zu knallharter Action-SF, Mystery und Horror. Zwar ist er seinem Stil weitestgehend treu geblieben, zu Hause war und ist er jedoch in vielen Untergenres der Phantastik, und auch heute ist er immer noch so flexibel, dass er sich auf neue Strömungen in der Literatur einstellen kann.

Das belegt er mit seinem neusten Roman „WASP“ einmal mehr.

Dieses Kürzel steht natürlich nicht nur für eine Insektenart sondern auch für eine radikale Organisation von Umweltschützern, mit denen es die Helden zu tun bekommen. Alles beginnt damit, dass der junge Praktikant Wayne Fotos von einem merkwürdigen Feld auf seiner Heimatinsel machen und dann einen Bericht verfassen soll.

Die vermeintlich langweilige Aufgabe erweist sich schnell als gefährliches Abenteuer, denn auf dem Feld zeichnet sich von der Luft aus nichts anderes als ein Kornkreis ab. Kaum fliegen der Junge und sein Pilot darüber, setzt die Elektronik des Helikopters aus, und sie können von Glück sagen, dass sie noch sicher den Boden erreichen. Sie landen neben dem Feld. Herr Ehrlicher, der Bauer, dem das Land gehört, ist nicht gerade begeistert und macht auch keinen Hehl daraus. Wayne merkt aber, dass der Landwirt und der Pilot einander offensichtlich sehr gut kennen, denn sie streiten sich nicht wie Fremde.

Zunächst wollen sie sich erst einmal von dem Schock erholen. Doch schon am nächsten Tag erscheint ein Artikel unter Waynes Namen, der den Piloten diskreditiert und als unfähig darstellt. Wayne wirft erzürnt und frustriert den Job bei der Zeitung hin, weil er genau weiß, dass er diesen Artikel nicht geschrieben hat, und sucht seinen Piloten auf, um sich zu entschuldigen und alles zu erklären.

Dort lernt er auch dessen Tochter Patricia kennen, die zunächst sehr reserviert und wütend ist, dann aber mit ihm zusammen ihren Vater rehabilitieren will. Deshalb akzeptiert Wayne schließlich auch das Angebot des Zeitungschefs, doch erst einmal weiter zu machen. Vielleicht kann er als Mitglied der Presse mehr heraus bekommen.

So sieht er sich den Bauernhof noch einmal an und stellt dort merkwürdige Dinge fest. Ganz offensichtlich fallen alle elektronischen Geräte aus, wenn er dem Kornkreis zu nahe kommt. Er hat dort seltsame Visionen und glaubt, einen Saurier zu sehen, und nicht zuletzt scheinen Bienen und Wespen völlig verrückt zu spielen.

Als sich die merkwürdigen Vorfälle häufen, schaut Wayne sich auch noch in der weiteren Umgebung um und entdeckt mit Patricias Hilfe, die sich als Computer-Crack und begabte Hackerin outet, dass ganz offensichtlich eine weltweit agierende Firma namens „World Industries“ mit der ganzen Sache zu tun zu haben scheint.

Und welche Rolle spielt die vor der Küste errichtete Bohrinseln ‚Arc Royale’? Hat man dort wirklich nur Öl gefördert – oder auf der Plattform auch noch andere Dinge getrieben, wie die Mitglieder einer radikalen Umweltschutzorganisation behaupten und durch verschiedene Aktionen beweisen wollen?

Ehe sie sich versehen, stecken Wayne und Patricia tiefer in der Sache, als sie sich vorstellen können, und es gibt kein Zurück mehr.

Eine actionreiche Handlung, die immer wieder von überraschenden Wendungen bestimmt ist, ein leicht erhobener Zeigefinger und nicht zuletzt ein Gemisch aus vertrauten Elementen zeichnen „WASP“ aus. Der Roman ist ein waschechter Öko-Thriller, der aktuelle Schlagzeilen über das Bienensterben und die negative Weiterentwicklung anderer Insektenarten ebenso berücksichtigt wie das, was etwa Frank Schätzings „Der Schwarm“ so beliebt gemacht hat. Ein wenig ähneln sich die Bücher, auch wenn sich Wolfgang Hohlbeins Werk in einem viel kleineren Rahmen abspielt und mit viel weniger Personen und Handlungsorten auskommt.

Wie so oft ist der Roman eher handlungsorientiert. Auch wenn man viel über die Figuren erfährt, so lernt man sie doch nicht wirklich kennen. Sie erfüllen ihre Rollen in der Geschichte, die zwar sehr routiniert und flüssig geschrieben ist, aber doch aufgebläht wirkt.

Zwar wird der Roman niemals wirklich langweilig, da er den Leser immer wieder durch gefährliche Situationen und kryptische Andeutungen bei der Stange hält, aber irgendwann fragt man sich doch, ob die eine oder andere Szene wirklich nötig gewesen wäre und etwas zum Gesamtbild beiträgt.

Unangenehm fällt auf, dass sich die Ereignisse gerade auf den letzten zwanzig Seiten überstürzen und eine Lösung präsentieren, die zwar ganz gut passt und stimmungsvoll ist, aber doch noch viele Fragen offen lässt, die sich durch die Geschichte ergeben haben.

Denn nun weiß man zwar, dass die Insekten sich durchaus als Wächter der Erde verstehen und mit ihren Aktionen deutlich gemacht haben, dass sie sich als hochintelligente Hüter der Welt betrachten, aber was die Menschen mit dem Wissen nun tun werden, bleibt ungeklärt. Gerade weil der Autor den Leser so lange hingehalten hat, wirkt die recht einfache Auflösung jetzt eher dünn und enttäuschend.

„WASP“ ist letztendlich ein typischer Hohlbein-Abenteuer-Roman, spannend geschrieben, durchaus realistisch bei der Schilderung von Angriffen und ihren Folgen auf die Menschen, mit Helden, die am Ende alles geben, und einer leider auch viel zu schlichten Auflösung, die dem Werk in den Augen erfahrener Leser eigentlich nicht gerecht wird.

Das macht „WASP“ zu einem spannenden Öko-Thriller für junge Erwachsene, die noch nicht so viel gelesen haben.

Das Buch hätte zwar einige deutliche Kürzungen vertragen können, ist aber routiniert und ohne Längen geschrieben, so dass man nicht all zu enttäuscht sein muss. (CS)

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