Ullstein

Methodisch korrektes Biertrinken – Radioaktiver Bierschaum, leuchtende Gurken und eine Rakete mit Schnapsantrieb

Der erste Gedanke, den ich beim Betrachten des Covers von Methodisch korrektes Biertrinken hatte, war, dass genau das in den Vordergrund gestellt wurde, was einen typischen Physiker ausmacht: der Spaß am Experimentieren (auch wenn der angekokelte Daumen vielleicht nicht geplant war), die Formel (selbst die gewieftesten kommen nicht darum herum) und das Bier. Neben den abgebildeten Atomen ist insbesondere das Bier allgegenwärtig, einerseits als offensichtlich wichtiger Bestandteil des Nahrungsspektrums (das kenne ich aus eigener Erfahrung), andererseits als Möglichkeit, die oft staubige Formelwüste erträglicher zu gestalten (siehe Formel auf dem Cover). Zumindest auf den ersten Blick scheint sich also ein fröhliches und recht feuchtes Lesevergnügen anzubahnen – wenn da nicht die Physik mit ihrer Exaktheit und ihren Ruf, Spaß abweisend zu sein, wie ein Damoklesschwert über jeder Art Lektüre dieser Art hängen würde.

Showdown

Außerirdische rüsten die New York State Library mit allerlei Hightech-Schnickschnack zur Arena um, in der sie sieben Gladiatoren zum Kampf auf Leben und Tod antreten lassen. Der Sieger erobert für sein Volk die Herrschaft über die Galaxis, die dann die auch im Kosmos offenbar üblichen 1000 Jahre währen wird. Unfreiwillig für die Menschheit am Start sieht sich der Unfallchirurg Stephen Swain, der anders als seine Gegner völlig ungerüstet in die Schlacht ziehen muss … Nullkommafünfdimensionale, actionlastige und absolut anspruchsfreie, aber durchaus spannend erzählte, auf Tempo getrimmte Science Fiction-Plotte, die durch endlose Verfolgungsjagden und mainstreamzensierte Metzeleien auf Überlänge gebracht wird.

Freak

Die Suche nach einem untergetauchten Ehepaar führt den einarmigen Privatdetektiv Dan Fortune mehrfach in die Irre, wird von diversen Morden begleitet und endet in einem Bordell wie aus dem Wilden Westen, das einem psychopatischen Gangsterboss als Hauptquartier dient … – Trotz des absurd anmutenden Plots ist dies ein klassischer, sehr atmosphärischer „private-eye“-Krimi mit Spannung, nie gefühlsduseliger Melancholie und deutlicher Gesellschaftskritik.

Meerhimmelblau

Liane ist Bibliothekarin. Seit fast 21 Jahren ist sie mit ihrem Mann Jochen, Oberstudienrat, verheiratet und nun will dieser alleine nach Venedig und dort eine Auszeit nehmen. Er hat sich dafür beurlauben lassen und möchte sich von der Muse küssen lassen. Liane ist verwirrt. Wie gerne würde sie mit ihm nach Venedig reisen, dorthin wo sie auch ihre Hochzeitsreise gemeinsam verbrachten. Aber Jochen möchte Distanz. Schließlich kommt ihn dort eine junge Referendarin besuchen. Als Jochen dann noch seinen langjährigen Freund Klaus in der gemeinsamen Wohnung einquartiert…

Die weiße Straße

Im Süden der USA wecken Rassisten die Geister der Vergangenheit, die Sühne für einen vor langer Zeit begangenen Lynchmord fordern. Zwischen allen Fronten versucht Privatdetektiv Charlie Parker, den aktuellen Tod eines Mädchens zu klären – und dabei am Leben zu bleiben … – Ungemein spannender, mit drastischen Gewaltszenen nicht sparender, atmosphärisch intensiver Thriller, in den sich Elemente des Phantastischen mischen. Wo es funktioniert, entsteht eine ebenso unheimliche wie poetische Zwischenwelt, in der die Lebenden und die Toten Seite an Seite existieren.

Polizisten leben gefährlich

In einer US-amerikanischen Großstadt eröffnet ein Mörder die Jagd auf Polizeibeamte, die er aus dem Hinterhalt niederschießt. Unter großem Druck auch der Medien versuchen die Kollegen, den Täter dingfest zu machen, bevor der nächste Cop zu Boden geht … – Schon der erste von insgesamt 55 Romanen um das 87. Revier bietet knappe, spannende, dabei gefühlsduselfreie aber keineswegs emotionslose Krimi-Unterhaltung und verdeutlicht, wieso die ein halbes Jahrhundert fortgesetzte Serie so erfolgreich war: ein moderner Klassiker.

Die Robinson-Morde

Auf einer dänischen Insel geht in einem Seniorenheim offenbar ein ‚Sterbehelfer‘ um. Eine zufällig anwesende Journalistin wird in das Geschehen verwickelt. Während die Polizei im Dunkeln tappt, kommt sie einem alten und ungesühnten Verbrechen auf die Spur, in das die meisten Inselbewohner verwickelt sind … – Skandinavien-Krimi der typischen Sorte, d. h. sorgfältig geplottet und mit mehr als einem Hauch Sozialkritik veredelt; trotz der relativen Ereignislosigkeit unterhaltsam aber kein Meilenstein des Genres.

Der Mordfall Skarabäus

In einem Privatmuseum wird ein Mann erschlagen; alle Spuren weisen auf den gelehrten Hausherrn hin, was in dieser übertriebenen Klarheit den skeptischen Privatdetektiv Philo Vance auf den Plan ruft … – Der fünfte Band der Vance-Serie ist ein höchst komplexer, beinahe abstrakter Rätsel-Krimi, der dennoch (und trotz des unsympathischen Helden) genrereinen, nostalgisch unterhaltsamen Lesestoff bietet.

Identity

Ein für die US-Regierung wertvoller aber todkranker Waffenexperte kommt in den Genuss eines Körpertausches, doch der Geist des ‚Vorgängers‘ ist noch sehr präsent und stürzt den wieder jungen Forscher in eine Krise, die ihn erst seine Identität und dann sein Leben zu kosten droht … – Wissenschaftsthriller mit SF-Elementen, dessen nicht unbedingt originelle Story temporeich und dicht erzählt wird. Längen im Mittelteil werden durch den gefälligen Stil und politisch hübsch unkorrekte Spitzen nur teilweise ausgeglichen: leichte Unterhaltung der zunehmend misslungenen Art.