Das erste Buch des Blutes

Band 1 der „Bücher des Blutes“, mit denen Clive Barker in den frühen 1980er Jahren seinen Durchbruch als Verfasser phantastischer Geschichten und Romane erlebte: sechs Storys, einst bahnbrechend, noch heute bemerkenswert in ihrer Mischung aus virtuoser, atmosphärisch dichter Handlung und drastischem Nebeneinander von Sex & Splatter, aber unverdient darunter leidend, dass allzu viele Nachahmer den ‚Barker-Stil‘ aufgegriffen haben.

Geheimnis in Rot

Seit jeher duckt sich Familie Melbury vor ihrem herrischen Oberhaupt, das zudem den Daumen auf der Geldbörse hält. Ausgerechnet zu Weihnachten platzt einem Angehörigen der Kragen, was besagtes Oberhaupt nicht überlebt. Die Polizei steht vor einer ganzen Schar nur bedingt trauernder Nachfahren und Erben mit fragwürdigen Alibis … – Die schöne, sorgfältig übersetzte Buchausgabe ermöglicht hierzulande die Erstbekanntschaft mit einer Autorin, die den klassischen britischen Kriminalroman durchaus kraftvoll mit drei Werken bereicherte.

Das Experiment

Der Russe Andrej Woronin kommt 1951 in eine Stadt, die von Menschen aus unterschiedlichen Zeitebenen bewohnt wird. Sie nehmen am „Experiment“ teil, dessen Zweck sich den Beteiligten nie wirklich erschließt … – Science-Fiction-verbrämte und kritische Allegorie auf den realen = irrwitzigen Sozialismus der Sowjetunion. Aufgrund totalitärer Gesetzesvorgaben mussten die Autoren mit Chiffren arbeiten, die der heutige Leser nur noch ansatzweise entschlüsseln kann: als literarisches Zeugnis einer unheilvollen Vergangenheit hochinteressant, als Romanunterhaltung eher zäh.

Asche und Gold

Ein Historiker stößt bei seiner Suche nach den Wurzeln des Bösen auf eine uralte und weltweite Verschwörung, hinter der womöglich der Teufel persönlich steckt, und folgerichtig in lebensgefährliche Abenteuer … – Im Gewand eines Unterhaltungs-Thrillers steckt eine ‚metaphysische‘ Betrachtung des Bösen als elementare Kraft. Diese Schere klafft allerdings zu weit, um das von der Autorin gewünschte Ergebnis zu erzielen: trotzdem ein ungewöhnlicher und lesenswerter Roman.

Acht schwarze Pferde

Zum vierten Mal fordert ein genialer Verbrecher das 87. Polizeirevier zu einem ‚Ratespiel‘ heraus, an dessen Ende ein ganz großes Ding steht. Der Wettlauf beginnt, und am Laufbahnrand bleiben Leichen zurück … – Der 38. Roman der Serie um das 87. Revier bringt den mysteriösen, psychopathischen, unterhaltsamen „Tauben“ zurück. Dabei wird deutlich, dass zum ‚Spiel‘ auch Mord gehört, was der Story einen ernsten Unterton verleiht; auch aufgrund der (inzwischen reizvoll veralteten) Detailschilderung der Polizeiarbeit ist dies ein lesenswerter Krimi.

Die Bewegung

Der junge Bewohner eines ‚besessenen‘ Hauses wird einerseits von spukhaften Erscheinungen verfolgt, während er andererseits in eine Art Traumwelt abdriftet, die ihn psychisch stark zu seinem Nachteil verändert bzw. manipuliert … – Spannender, durch diverse Gewaltszenen manchmal verstörender Roman, der Realität und Phantastik überzeugend miteinander verknüpft und gekonnt eine düstere Atmosphäre erzeugt.

Horror. Klassische und moderne Gruselgeschichten von Charles Dickens bis Ernest Hemingway

22 kurze und längere Geschichten erzählen von einem Schrecken, der nicht immer übernatürlich ist, sondern im Menschenhirn geboren wird, wo er sich monströs entwickelt und für einen realen Horror verantwortlich ist, vor dem jedes Gespenst kapitulieren muss. Die Herausgeberin gibt sich streng literarisch, liegt dabei keineswegs immer richtig, legt aber insgesamt eine Sammlung vor, die ihre Wirkung nicht verloren hat, obwohl (oder gerade weil) manche Story inzwischen nostalgisch tüchtig angestaubt = veredelt ist.

Fata Morgana

Auf einem zur Besserungsanstalt umgebauten Landgut trachtet offenbar jemand der reichen Hausherrin nach dem Leben. Die besorgte Schwester schleust eine alte Freundin – die kriminalistisch erfahrene Miss Marple – in die Villa ein. Dennoch kommt es zum Mord; zwar nicht an besagter Hausherrin, aber Miss Marple spürt, dass Ermittlungseile notwendig ist … – Der fünfte Roman mit Miss Marple (= Christies 43. Kriminalroman) bietet Mystery und Rätsel in (allzu) routinierter Vollendung, liefert aber genretypische Kost und die übliche = finale Überraschung.

Nichts ist verziehen

Ein Klassentreffen führt nach vielen Jahren alte Feinde und alte Freunde wieder zusammen. Die Stimmung ist ungewöhnlich, irgendwie angespannt. Dazu trägt auch bei, dass das Klassentreffen an dem Ort stattfindet, an dem man bereits zu Schulzeiten einmal groß gefeiert hat: eine Hütte im Wald, die einem ehemaligen Lehrer gehört. Schnell sind alle leicht angetrunken und dann kommt das böse Erwachen: Ein Toter. Und dabei soll es nicht bleiben.

Blumen für sein Grab

In der englischen Provinz treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Die kriminalistisch dilettierende Freundin der Gattin des letzten Opfers quartiert sich in deren Landhaus ein, um dort nach Hinweisen fahnden, was ihrem Lebensgefährten, einem leibhaftigen Kriminalpolizisten, gar nicht gefällt, so dass er sich selbst an den Ort des Geschehens begibt. Folgerichtig wird unser Mörder bald nervös und fühlt sich zu neuerlichen Untaten hingerissen … – Siebter Band einer Serie, deren Potenzial faktisch erschöpft ist. Ein hanebüchener Plot will erfolglos unter unzähligen falschen Spuren verborgen werden. Gefühlsduselige Endlos-Diskussionen drehen sich im Kreis. Das Ergebnis: Herzschmerz mit sanften Spannungselementen; Fortsetzung folgt.