Bio- & Autobiografien

Im Schatten

Biografie eines aus der Geschichte quasi getilgten Mannes, der zu den Entdecker-Pionieren der großen Nord- und Südpol-Expeditionen zählte, diesen Ruhm jedoch nicht vermitteln wollte oder konnte und ins Abseits gedrängt wurde. Die außerordentlich spannende Lebensgeschichte wirft einen objektiven Blick auf ‚Helden‘, die diese Rolle nicht selten an sich gerissen und dabei wenig Menschenfreundlichkeit bewiesen haben: Nichts ist spannender als die Realität!

Selkirks Insel

Die Geschichte von Alexander Selkirk, der 1704 auf einer einsamen Pazifikinsel ausgesetzt wird und sich mehr als vier Jahre völlig allein durchschlagen muss, bis er gerettet wird, wurde zur Vorlage der Geschichte von Robinson Crusoe. Diana Souhami löst die Fiktion von der historischen Wahrheit, der sie indes selbst wieder literarische Qualitäten verleiht, indem sie Selkirks Geschichte als Gelegenheit nutzt, einen Blick auf die Welt des frühen 18. Jahrhunderts zu werfen. Dies geschieht in kurzen, schlaglichtartigen Kapiteln und stilistisch auf beachtlichem Niveau. Das Ergebnis ist ein ‚Geschichtsbuch‘ mit Romanqualität.

Jules Verne. Biographie

Zum 100. Todesjahr erschien diese Biografie des Schriftstellers Jules Verne (1828-1905) Volker Dehs stellt Verne nie als isoliertes Individuum, sondern als Bürger Frankreichs dar, das während des 19. Jahrhunderts gewaltigen Veränderungen und Entwicklungen unterworfen war. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich Vernes Leben und Werk wirklich deuten. Das geschieht in diesem Buch überzeugend; es darf daher mit Fug und Recht als Standardwerk bezeichnet werden (das sich manchmal ein wenig anstrengend liest, weil der Verfasser auf kein biografisches Detail verzichten mag). Mehr als 35 s/w-Abbildungen und umfangreiche Anhänge runden das Werk ab.

Lex Barker. Die Biographie

Leben und filmisches Werk des Lex Barker, der als US-Schauspieler in Europa und hier in Deutschland den Gipfelpunkt einer ungewöhnlichen, aber doch exemplarischen Karriere erklomm: als ‚Star der zweiten Reihe‘, der sich Ruhm und Reichtum hart erarbeiten musste, doch rasch in Vergessenheit geriet, als sein ‚Typ‘ nicht mehr gefragt war … – Aufwändig recherchierte, immens faktenreich rekonstruierte und opulent bebilderte Biografie mit Vorbild-Charakter; viele Fragen, die zu stellen einem nie eingefallen wäre, sind beantwortet. Merkwürdig muten indessen die zahlreichen Zitate aus Knallbunt-Gazetten à la „Bravo“ an, die gar nicht zu den vielen seriösen Quellen passen, aus denen ebenfalls geschöpft wurde.

Die Seele meines Vaters

Aus dem polaren Norden bringt der ‚Forschungsreisende‘ Peary 1897 sechs Eskimos mit, die in New York ausgestellt werden. Bald sterben sie in der für sie ungesunden Umgebung; ihre Überreste werden seziert und im Museum ausgestellt, wo der einzige Überlebende später seinen Vater in einer Vitrine entdeckt … – Das Zeitalter der Entdeckungen hat seine Schattenseiten, unter denen der Rassismus weit oben rangiert. Autor Harper erinnert stellvertretend und sehr eindringlich an eine besonders trübe Episode.

Die Geister von Kap Sabine

1881 startet die erste Polarexpedition der USA gen Nordpol, den es um der Anerkennung unbedingt zu erreichen gilt. Dem charismatischen Anführer Augustus Greely folgt eine Crew, die ihm in Sachen Unfähigkeit rein gar nichts schuldig bleibt. Das große Unternehmen scheitert kläglich, endet in Grauen, Mord und Kannibalismus … – Hervorragende Darstellung einer unmöglichen Mission, gleichzeitig das Panorama einer Zeit, die dem nationalen Triumph wie selbstverständlich Menschenleben zu opfern bereit war.

Görings Reich

Hermann Göring, in der Nazi-Hierarchie direkt hinter Adolf Hitler stehend, ließ 1933 ein Jagdhaus errichten, das er zu einem Privatschloss ausbaute und mit geraubter Beutekunst vollstopfte. Carinhalls Mythos als Hort märchenhafter Schätze und geheimer Nazi-Bunker wurde durch die Zerstörung 1945 vollendet. Die Realität wurde für dieses Buch akribisch recherchiert und vorbildlich ausgebreitet. Carinshalls Geschichte wird sie mit der Biografie Hermann Görings verklammert. Hinter dem Nazi-Monument treten Größenwahns und brutaler Menschenverachtung zutage. Zahlreiche selten oder nie gezeigte Fotos, Pläne und Karten runden das informative und spannende Werk ab.

Crime Wave. Auf der Nachtseite von L. A.

Elf „True-Crime“-Storys, Kurzgeschichten und Autobiografisches aus der Feder von James Ellroy. Die Beiträge erschienen ursprünglich in einem US-Magazin und beschäftigen sich mit der fiktiven und tatsächlichen Geschichte der Filmstadt Los Angeles, wobei Ellroy sich auf die kriminellen Aspekte konzentriert, zu denen er, ein ehemaliger Verbrecher, selbst Substanzielles beizutragen weiß: interessant und intensiv, zumal die Leidenschaft des Verfassers sich jederzeit mitteilt.

Omen – Das Horror-Journal, Nr. 1

Ein (weiterer) Versuch, in Deutschland ein professionelles Magazin zu etablieren, das Kurzgeschichten und Hintergrund-Informationen zum aktuellen Horror-Genre, zu seiner Geschichte und seinen Autoren präsentiert. Der Info-Part besticht durch sein solides sekundärliterarisches Fundament. Die Stories belegen primär die weitgehende Abwesenheit einschlägiger deutscher Talente; es siegen nach Punkten oder sogar durch K. O. die angelsächsischen Profis. Insgesamt ein Projekt, das trotz diverser Schwächen Interesse und finanzielle Unterstützung seitens möglichst vieler Käufer verdient. (Eine Hoffnung, die sich rasch zerschlug).

AC/DC – Maximum Rock ’n‘ Roll

Mehr als 40 Jahre Geschichte einer dem Zeitgeist den Stinkefinger zeigenden Rockband werden auf mehr als 600 opulent gestalteten Seiten aufgeblättert. Den Schwerpunkt bilden die aufregenden Anfänge, wobei neben grundsätzlichen Fakten unwichtige Kleinigkeiten aufgegriffen werden, die den Lesern ‚beweisen‘ sollen, dass AC/DC unkonventionelle Teufelskerle sind. „Maximum Rock ’n‘ Roll“ ist stattdessen das erschreckend beliebige Porträt einer aufregenden Band, deren Werdegang ebenso ehrfürchtig wie unkritisch nacherzählt und mit langweiligen Fotos illustriert wird.