Fantasy

Zerbrechliche Dinge

Diese Kurzgeschichtensammlung enthält Prosa und Lyrik von Neil Gaiman aus den Jahren 1995 bis 2006. Während sich Form und Atmosphäre durchweg auf hohem Niveau bewegen, bleibt der Inhalt oft zurück, weil der Autor allzu bekannte Handlungen quasi zitiert bzw. in Klischees schwelgt: insgesamt eher durchschnittliche Kollektion mit einigen hochklassigen ‚Ausreißern‘.

Der Atlas der besonderen Kinder

Begleitet von einigen der „Besonderen Kinder“ begibt sich Jacob Portman auf eine Odyssee durch die USA, um nach magischen Relikten seines Großvaters zu fahnden, was selten ohne gefährliche Zwischenfälle gelingt … – Nachdem die Geschichte eigentlich erzählt ist, ‚zwingt‘ der Erfolg den Verfasser zur Fortsetzung seines Werkes. Weiterhin gut geschrieben und im Detail einfallsreich, lässt sich der ‚Relaunch‘ zäh an und endet allzu offen; hinzu kommt die Aufweichung jener Attribute, die den Kindern echte, d. h. im Rahmen der Handlung plausible Besonderheit verlieh: Die Faszination der Serie franst recht deutlich aus.

Die große Mammuthöhle

Tief unter der Erdoberfläche stößt eine kleine Forschergruppe auf ein Unterweltreich, in dem Riesenspinnen, Saurier, fleischfressende Pflanzen und wilde Urmenschen ihr Unwesen treiben. Die Forscher geraten in arge Bedrängnis, verirren sich und müssen sich den Weg zurück in die Oberwelt erkämpfen, was nicht ohne Opfer abgeht … – Der Plot ist wüst (und dreist) aus Genre-Klassikern zusammengeraubt, die Umsetzung gelinde gesagt schlicht, die Figurenzeichnung eine Sammlung abgestandener Klischees: Diese Kuriosität aus dem Bodensatz deutscher Nachkriegs-Phantastik sagt viel Interessanten über die zeitgenössische SF-Szene aus.

Der Atem einer anderen Welt

Neben der irdischen Realität existieren ‚Traumwelten‘, die den Naturgesetzen enthoben sind. Viele Kinder reisen dorthin, manche kehren unfreiwillig in die Wirklichkeit zurück und werden in einem besonderen Internat betreut. Als dort ein Mord geschieht, machen sich einige Insassen als Ermittler in das Traumland des Opfers auf … – „Der Atem …“ sammelt drei Kurzromane, von denen nur der erste überzeugen kann. Teil 2 ist vor allem Wiederholung des Bekannten, Teil 3 verzettelt sich in einer zunehmend die logische Bodenhaftung verlierenden, nur behaupteten Exotik.

Reise in die Unterwelt

Cugel der Schlaue nimmt an der Suche nach einem verschollenen Magier teil. Wie üblich ist er in erster Linie um das eigene Wohl besorgt und haut Freunde wie Feinde kräftig übers Ohr, wobei seine Pläne letztlich stets scheitern und Cugel kaum sein Leben retten kann … – Die Neubelebung des von Jack Vance geschaffenen Anti-Helden Cugel bietet abermals bunte, mit sarkastischen Seitenhieben nicht sparende Abenteuer-Fantasy, kann trotz schräger Einfälle nicht mit dem ‚Original‘ mithalten, ist aber dennoch unterhaltsam und amüsant.

War of Gods – Krieger des Nordens

Hadding, vertriebener Kronprinz von Dänemark, wächst zu einem gewaltigen Krieger heran, erobert sein Erbe zurück und führt manche Schlacht gegen machtgierige Feinde, wobei die Götter ihm zur Seite stehen oder ihm schaden; eine seltsame Beziehung, die Hadding erst nach seinem Tod aufklären kann … – Autor Anderson nutzt eine vorzeitliche dänische Legende und erzählt sie neu, wobei er den altertümlichen Sprachduktus behutsam übernimmt, inhaltliche Lücken füllt und sich erfolgreich bemüht, den grimmigen, die Macht des Schicksals beschwörenden Stil der Vorlage in einen spannenden Roman zu übertragen.

Unten am Fluss – Watership Down

Die Suche nach einer neuen Heimat wird am Beispiel einer Gruppe wilder Kaninchen geschildert. Die Perspektivenabsenkung auf Löffelohrhöhe raubt der detailreichen Geschichte keineswegs den epischen Atem, zumal die Figurenzeichnung ungemein fein ist und dem Verfasser jenseits jeglicher Lächerlichkeit die Schöpfung einer eigenständigen Kaninchen-Kultur gelingt: ein Höhepunkt der Tier-Fantasy!

Mortal Engines – Jagd durchs Eis

An Bord des Luftschiffs „Jenny Haniver“ werden Hester und Tom von bekannten und unbekannten Gegnern gejagt. Sie werden auf den nordamerikanischen Kontinent verschlagen, wo sie in neue Konflikte verwickelt werden … – Sehr actionlastig sorgt Autor Reeve im zweiten Band der „Mortal-Engines“-Serie für durchaus gelungene Unterhaltung, die mit dem inhaltlich besser strukturierten Erstling nicht ganz mithalten kann.

Wolfsmond

Weiterhin ziehen Revolvermann Roland von Gilead und seine Gefährten dem Dunklen Turm entgegen, der Zentrum und Stütze des Universums darstellt. In der Mittwelt – Ort der Handlung – tun sich Dimensionsportale, Zeitfallen u. a. Hindernisse auf. Zusätzlich aufgehalten wird die Gruppe von den Bewohnern eines Grenzdorfes, das von einer Horde maskierter Finsterlinge belagert wird. Gemeinsam nimmt man den Kampf gegen eine gewaltige Übermacht auf … – Der fünfte Band der „Dark-Tower“-Serie ist ein Episoden-Epos mit enormen Längen, das Substanz durch Geschwätz, nur vorgeblich geheimnisvolle Andeutungen und das Recycling früheren King-Werken ersetzt. Zwar gelingen dem Verfasser durchaus fesselnde Szenen, die aber durch generellen Leerlauf entwertet werden: ein Buch für jene, die wissen wollen, wie‘s weitergeht.

Schiff der Seelen

Auf seiner langen Reise ins ferne Khurdisan gerät Brak, der Barbar aus dem Norden, immer wieder in bedrohliche Situationen. Die Zivilisation und hinterlistige Mitmenschen überfordern den naiven Mann, der zudem einen mächtigen Zauberer verärgert, in eine verfluchte Ruinenstadt stolpert und ins Totenreich geschickt wird … – In den Fußstapfen Conans wandelt Brak, ohne diese ausfüllen zu können. Autor Jakes erzählt von einer Reise, die er durch immer neue Episoden beliebig verlängern konnte: Durchschnittliche Abenteuer-Fantasy als unterhaltsames Lesefutter.