Historisch

Wrack

Ein alter Mann erzählt von einem verschollenen Entdeckerschiff, will aber vor allem Zeugnis über sein Leben und einige düstere Geschehnisse ablegen … – Vorgeblich ist dies eine Abenteuergeschichte mit Krimi-Elementen, was der Verfasser geschickt als Köder für seine Leser einsetzt, denn primär geht es hier tatsächlich um eine Lebensgeschichte, die jedoch sowohl spannend als auch so geschrieben ist.

Die siebte Geissel

1348 erforscht ein spanischer Arzt die Pest und gerät dabei ins Visier der stets misstrauischen Inquisition. Sechseinhalb Jahrhunderte später stößt eine Forscherin auf seine Präparate und entfesselt ahnungslos eine neue, dieses Mal globale Pestwelle … – Interessante, gut recherchierte Mischung aus Historienroman und Wissenschaftsthriller, die aber unter Klischees leidet und sich in einer „Against-All-Odds“-Lovestory vertändelt, ohne deshalb jedoch zu Boden zu gehen.

2020 – SPIEGEL Geschichte Geistesblitze 2020 – (Kalender)

Auf 53 Wochenblättern präsentiert der Wandkalender SPIEGEL Geschichte Geistesblitze 2020 von Harenberg Erfindungen, Erkenntnisse und Errungenschaften, die maßgeblich zur Entwicklung unserer Kultur, Wissenschaft und Technologie beigetragen haben. Die Spanne reicht dabei von der Entstehung des Pfluges bis hin zur Düngung mit künstlichem Ammoniak, vom ersten Kompass bis zur bemannten Raumfahrt, vom Abakus bis zur virtuellen Realität; es werden Geschichten aus vorgeschichtlicher Zeit erzählt, aus der jüngsten Vergangenheit und auch der Gegenwart und das quer durch alle Wissenschaften und Bereiche der Technik.

Beethovens Locke

1827 wurde Ludvig van Beethoven auf dem Totenbett eine Locke vom Haupt geschnitten. 1995 tauchten diese Haare wieder auf und wurden zum Mittelpunkt einer spektakulären, von den Medien ausgeschlachteten Untersuchung, welche die wahre Ursache von Beethovens Ende klären sollte. Parallel dazu recherchierte man aufwändig den historischen Weg der berühmten Locke in die Gegenwart … – Autor Russell Martin folgt beiden Untersuchen, die rasch den Charakter kriminalistischer Nachforschungen annehmen. Trotz lückenhafter Quellen können die meisten Rätsel gelöst werden. Wie das gelang – oder manchmal nicht -, schildert Martin in dieser spannenden, manchmal etwas pathetischen Mischung aus Sachbuch und Thriller.

Das Vermächtnis von Mont Saint-Michel

Vor fast einem Jahrtausend verschwand eine bedeutende Reliquie. Sie könnte einem kriminellen Kirchenfürsten den Weg auf den Papststuhl bahnen, weshalb dieser zwei Wissenschaftler, die sich ihm idealistisch in den Weg stellen, die Mafia auf die Hälse hetzt … – Einer jener Munkel-Thriller, deren Autoren im Kielwasser von Dan Brown nach Lesern fischen, die den Vatikan gern als Brutstätte uralter Geheimnisse und Intrigen sehen. Der Plot ist – freundlich ausgedrückt – unkompliziert und die Figurenzeichnung flach wie die sprichwörtliche Briefmarke, was die unfreiwillige Komik des Werkes nicht ausgleichen kann.

Drei Mann im Boot … Ganz zu schweigen vom Hund!

Drei junge Engländer beschließen Ende des 19. Jahrhunderts eine vierzehntägige Bootsfahrt die Themse hinauf. Sie alle haben den angelsächsischen Sinn fürs Abenteuer gepachtet, ihn aber bisher nie unter Beweis stellen müssen, was ihre Kahnpartie in eine endlose Kette peinlicher, urkomischer, mit knochentrockenem Humor geschilderter Zwischenfälle verwandelt … – Klassischer Bestseller des humoristischen Romans, der frisch wie am ersten Tag wirkt. Die Schilderung einer Bootsreise gewinnt zusätzlichen Charme als nostalgischer Rückblick in eine längst versunkene „gute, alte Zeit“.

Der Freund, der keiner war

Das Attentat auf das World Trade Center weckt bei einem alten Bankier die Erinnerung an einen vor vielen Jahren auf einem anderen Kontinent begangenen Mord. Er reist zurück in die alte Heimat, um sich mit seiner Tat auseinanderzusetzen … – Kein Roman, sondern eine auf Buchformat geblähte Novelle, die auf den Leuchtturm-Ruf ihres Verfassers als literarischer Mahner und Denker setzt, aber nur eine weitere, recht zäh lesbare Reflexion über das Kapitalthema Schuld & Sühne darstellt.

Die Vergessenen von Eden

In einem abgelegenen Teil Afrikas haben waschechte Urmenschen überlebt. Die Sensation lockt mediengeile Glücksritter an, während Wissenschaftler mit reinen Forscherherzen in Lebensgefahr geraten, weil eine Rebellion ausbricht … – Schon der Titel weist darauf hin, dass hier das Loblied des ‚unverdorbenen‘ Alt-Menschen gesungen wird, der von verdorbenen Nachfahren ausgelöscht zu werden droht; die Story liest sich trotz des zeitweiligen Klischee-Dauerfeuers spannend.

Franklin Flyer

Der junge US-Amerikaner Franklin Flyer, ein Abenteuer und Erfinder, wird in den 1930er Jahren in eine Nazi-Verschwörung verwickelt. Später steigt er zu einem der reichsten Männer des Landes auf, während er gleichzeitig als Geheimagent im Dienst der Regierung die Welt bereist und dabei haarsträubende Abenteuer erlebt … – Ein ‚literarischer‘ Abenteuerroman. Was das sein soll, muss der Leser selbst entscheiden. Objektiv beurteilt ist „Franklin Flyer“ ein fabelhaft geschriebenes, sehr unterhaltsames, mit einprägsamen Figuren besetztes Stück ‚Edel-Pulp‘. Überflüssig wirken diverse übernatürliche Elemente, weil sie gar zu deutlich als intellektuelle Spielerei ohne echten Handlungsbezug erkennbar sind.

Zerbrechliche Dinge

Diese Kurzgeschichtensammlung enthält Prosa und Lyrik von Neil Gaiman aus den Jahren 1995 bis 2006. Während sich Form und Atmosphäre durchweg auf hohem Niveau bewegen, bleibt der Inhalt oft zurück, weil der Autor allzu bekannte Handlungen quasi zitiert bzw. in Klischees schwelgt: insgesamt eher durchschnittliche Kollektion mit einigen hochklassigen ‚Ausreißern‘.