Horror

Midnight, Texas – Geisterstunde

Wahrsager Manfred und Auftragsmörderin Olivia tun sich zusammen, um den Mord an einer zwar alten, vor allem jedoch reichen Frau zu klären, bevor die Polizei den tatverdächtigen, aber unschuldigen Manfred festnimmt; die tatsächlichen Übeltäter verfolgen dies mit zunehmender Sorge … – Teil 2 der „Midnight-Texas“-Serie bietet eher Krimi-Kost als Mystery, weiß aber mit sachten Seltsamkeiten zu gefallen und bietet insgesamt anspruchslose Unterhaltung.

Draculas Rivalen

Sammlung von zehn Kurzgeschichten, in denen unterhaltsam und manchmal einfallsreich bewiesen wird, dass der Vampir-Kosmos Platz genug für Blutsauger bietet, deren Name nicht Dracula lautet; klassischer Grusel trifft auf den eher trashigen Horror der „Pulp“-Ära, hinzu kommen einige moderne Storys: keine Meisterwerke, aber sämtliche Storys sind „Edward“- und „Betsy“-frei und schon deshalb die Lektüre wert!

Höllenschlund

Ein urzeitlicher Riesenhai geht auf Menschenfang, während ein besessener Wissenschaftler sich an seine Flossen heftet, um ihn auszuschalten … – Schier unfassbar in seiner Mischung aus schlecht inszenierter Action und einschlägigen Uralt-Klischees, schlägt dieser Schmalspur-Thriller durch seine holzschnitthafte Figurenzeichnungen dem Fass (bzw. den Lesern) endgültig die Krone (oder die Flosse) ins Gesicht.

Die Anatomie des Teufels

In Barcelona geht 1888 ein Serienmörder um. der seine Opfer rätselhaft verstümmelt. Die Polizei ist nicht nur unfähig, sondern auch korrupt, weshalb sich ein junger Gelehrter, ein abgebrühter Journalist und ein Medizinstudent zusammentun, um den Täter zu stellen, der jedoch gut in Barcelonas Oberschicht vernetzt ist … – Aus bewährten Versatzstücken stellt Autor Llobregat geschickt einen Thriller zusammen, der Historie, Krimi und Horror effektvoll und spannend mischt: gutes Lesefutter, das selten überrascht, aber durchgängig unterhält.

Amputiert

Obdachlos und verzweifelt gerät Michael Fox in die Fänge eines skrupellosen ‚Arztes‘, der ihn im Verlauf wahnwitziger ‚medizinischer‘ Experimente buchstäblich in Stücke schneidet … – Die simple bzw. geradlinige und mit drastischen Effekten nicht sparende Story erinnert an den Trash-Horror-Papst Richard Laymon, ist aber vor allem stilistisch besser geraten: Splatter-Grusel mit gefühlvoll gedachten jedoch klischeestarken Zwischenspielen.

Wie Schatten über totem Land

Die Befreiung zweier Schwestern aus der Gewalt eines sadistischen Irren endet 1902 als blutige Orgie grotesker Gewalt, wobei sich die Unterschiede zwischen Verbrechern und Rettern zunehmend verwischen … – Quasi existenzieller Western, der die archaische Landschaft als Bühne eines Geschehens nutzt, das die Allgegenwart des Bösen im Menschen nicht nur darstellt, sondern förmlich zelebriert und dabei (pseudo-) literarisch aufpimpt; der Verfasser ist bemerkenswert einfallsreich, wenn es darum geht, Gewalt in Worte zu fassen: als Historien-Horror unterhaltsam.

Die Überfahrt

Auf einem skandinavischen Fährschiff geht es hoch her: Der Alkohol ist zollfrei und billig, es wird heftig getrunken, die Hemmungen schwinden. Die üblichen Exzesse werden durch zwei mitreisende Vampire erheblich verstärkt, denn die Suff-Fähre verwandelt sich in ein Totenschiff … – Die ungewöhnliche Kulisse sorgt für Interesse, doch ungelenk und viel zu ausführlich setzt Autor Strandberg sein Garn an, das erst nach Ausbruch der Vampir-Katastrophe in Schwung kommt und diese vor allem blutig auf die Spitze treibt: Grusel-Mission recht bedingt erfüllt.

Die gesammelten Geschichten und Des Teufels Wörterbuch

Ursprünglich in vier Bänden sammelte der Haffmans Verlag die Kurzgeschichten, ‚Fabeln‘ und Aphorismen des Schriftstellers Ambrose Bierce (1842-1913/14), der zu den (lange vergessenen) Meistern der US-amerikanischen Literatur gehört und in seinen Werken grausige Realität und gruselige Fiktion sowohl eigenwillig wie eindringlich darzustellen weiß: Diese Sammlung demonstriert Zorn und Talent eines auch gegen sich selbst unbarmherzig kritischen Menschen.

Totenlicht

Leonard, in dessen Oberstübchen bedenkliche Unordnung herrscht, ist bei der Untersuchung eines angeblichen Geisterhauses verschwunden. Auf Bitten der Mutter macht sich Cousin Paul in die Wildnis auf, um ihn zu suchen, stößt dabei jedoch auf Leonards Großvater, der nachweislich schon lange tot ist … – Gelungene Mischung aus Psychothriller und Horror; der Mensch bzw. sein Hirn bilden die Quelle des eigentlichen Schreckens, was erfreulich überzeugend in Szene gesetzt ist.

Golem

Ende des 19. Jahrhunderts sollten magisch belebte Lehm-Menschen („Golems“) die jüdische Gemeinde von Lowensport schützen. Das misslang bzw. gipfelte in einem Massaker. Während die Tragödie in Vergessenheit geriet, blieb das Wissen um die Golems erhalten; sie sollen nun Gangstern helfen, den lokalen Drogenmarkt zu übernehmen … – Verfasseruntypisch, d. h. nicht auf die bloße Reihung ekliger Sex-Szenen beschränkt, erzählt Edward Lee auf zwei Zeitebenen eine Geschichte, die sich in der Gegenwart verzahnt; dies buchstäblich, denn Lees Golems sind Mord-Monster, die für Horror der simplen, aber unterhaltsamen Art sorgen.