Horror

Eine Leiche zum Advent

Seit jeher werden zur Weihnachtszeit spannende und gruselige Geschichten erzählt bzw. heutzutage lieber gelesen. Herausgeber Otto Penzler präsentiert 49 Storys aus anderthalb Jahrhunderten. Einiges ist hoffnungslos veraltet, vieles sorgt noch heute für Vergnügen, und manches ist zeitlos genial. „Eine Leiche zum Advent“ bietet für jeden Leser Krimi- und Gruselspaß, der keineswegs auf die Weihnachtszeit beschränkt bleiben muss: eine vorzügliche, zudem fest gebundene und dennoch kostengünstige Sammlung.

Wolfsmond

Weiterhin ziehen Revolvermann Roland von Gilead und seine Gefährten dem Dunklen Turm entgegen, der Zentrum und Stütze des Universums darstellt. In der Mittwelt – Ort der Handlung – tun sich Dimensionsportale, Zeitfallen u. a. Hindernisse auf. Zusätzlich aufgehalten wird die Gruppe von den Bewohnern eines Grenzdorfes, das von einer Horde maskierter Finsterlinge belagert wird. Gemeinsam nimmt man den Kampf gegen eine gewaltige Übermacht auf … – Der fünfte Band der „Dark-Tower“-Serie ist ein Episoden-Epos mit enormen Längen, das Substanz durch Geschwätz, nur vorgeblich geheimnisvolle Andeutungen und das Recycling früheren King-Werken ersetzt. Zwar gelingen dem Verfasser durchaus fesselnde Szenen, die aber durch generellen Leerlauf entwertet werden: ein Buch für jene, die wissen wollen, wie‘s weitergeht.

Das Ding aus einer anderen Welt

Ein außerirdischer Gestaltwandler infiltriert eine isolierte Antarktis-Station. Er kann die Gestalt seiner Opfer fast perfekt annehmen, sodass niemand weiß, ob sein Gegenüber noch Mensch oder schon ein „Ding“ ist … – Daraus entwickelt sich die übliche Story aus verhängnisvoll falschen Verdachtsmomenten und Verfolgungsjagden, die hier jedoch angemessen simpel, spannend und temporeich erzählt wird: ein lesenswürdiges Buch zu einem klassischen B-Movie.

Riptide – Mörderische Flut

Auf einer kleinen Insel lockt ein vergrabener Piratenschatz, den allerdings raffinierte Todesfallen schützen. Per Hightech versucht ein Team von Spezialisten das alte Raubgut trotzdem zu bergen, wobei jeder Irrtum buchstäblich mörderische Konsequenzen nach sich zieht … – Auf dem Fundament einer realen Schatzinsel spinnt das Autorenduo ein eher generisches als spannendes Garn, das ebenso leichen- wie klischeereich einem spektakulären Finale entgegenstrebt: Lesefutter, dessen Energie das Leserhirn immerhin sporadisch anregen kann.

Tödlicher Schnee

Über einer US-amerikanischen Kleinstadt fällt ‚Schnee‘ der unheimlichen Art; er ist hungrig und saugt seinen Opfern die Körperflüssigkeiten aus. Ein Reporter, seine Freundin, zwei Wissenschaftler und der skeptische Sheriff versuchen dem Vampir-Schnee den Garaus zu machen … – Was sich liest wie das Drehbuch zu einem typischen SF-B-Movie der 1950er Jahre, hat es nie auf die Leinwand geschafft; schon damals fehlte wohl das erforderliche Quäntchen Originalität. Nichtsdestotrotz ist dieser vergessene Roman erstaunlich unterhaltsam und sorgt für wohlige Trash-Stimmung.

Das Heim

Eine neue Patientin bringt das Grauen mit in das Seniorenheim „Nebelfenn“. Dort breitet es sich aus, während der Sohn der Verursacherin und eine Pflegerin versuchen, Herkunft und Motiv der mysteriösen Macht zu erkennen, um sie austreiben zu können … – Viel zu gut gelingt dem Verfasser die Schilderung echter Missstände, wie sie in der modernen ‚Altenpflege‘ beinahe alltäglich sind. Der ‚echte‘ Horror hat vor diesem deprimierenden Hintergrund keine echte Chance zu erschrecken, sodass Autor Strandberg sich quasi selbst ein Bein stellt: immerhin gut bzw. eindringlich geschrieben.

Midnight, Texas – Nachtschicht

In Midnight, der etwas anderen, weil von übernatürlichen Bürgern bewohnten texanischen Kleinstadt, sorgt eine Selbstmord-Epidemie für Opfer. Eine junge Hexe wird unfreiwillig in Ereignisse entwickelt, die womöglich den Untergang der Welt zur Folge haben … – Der dritte Band der „Midnight“-Serie ersetzt die bewährte Mischung aus Atmosphäre und skurriler Handlung durch Horror-Action; ein Versuch, der nur bedingt glückt, aber dennoch in eine spannende Story eingebunden ist.

Brüchige Siege

Im Kriegsjahr 1943 wird ein blutjunges US-Landei Baseball-Profi. Danny Boyle kämpft gegen Vorurteile, persönliche Probleme sowie spielerische Rückschläge und wird dabei allmählich erwachsen, wobei ihm ein besonderer Teamkamerad und Freund hilft: Frankensteins Monster … – Ungewöhnlicher „Coming-of-Age“-Roman, dessen Autor selbst für Laien spannend von einer besonderen Episode der Baseball-Geschichte erzählt und dem das Kunststück gelingt, das genannte ‚Monster‘ völlig überzeugend darin unterzubringen: seiten- und inhaltsstarkes Lesefutter!

Mind Control

Nach Jahren im Koma erwacht „Mercedes-Mörder“ Hartsfield und entdeckt, dass er die Hirne seiner Mitmenschen manipulieren kann, was ihm die Gelegenheit verschafft, wieder als Killer tätig zu werden sowie Rache an denen zu nehmen, die ihn einst aufhalten konnten … – Der letzte Band der Bill-Hodges-Trilogie greift auf die Ereignisse des Auftaktromans zurück. Während der Krimi-Anteil so gut wie verschwindet, kehrt Stephen King zum Übernatürlichen zurück und legt ein routiniert geschriebenes Garn vor, das sich autorentypisch sehr gut lesen lässt, obwohl es keineswegs originell ist.

Cain – Golem des Satans

Ein gezüchteter Super-Soldat macht sich selbstständig und wird von seiner ‚Mutter‘ und einem Priester verfolgt, die seinem nicht nur mörderischen, sondern womöglich höllischen Treiben Einhalt gebieten wollen … – „Christian Science Fiction“ der üblichen Art, d. h. genretypisch bierernst, unfreiwillig komisch, mit holzschnitthaften Figuren und peinlichem Halleluja-Pathos: Lektüre als Form der Selbstkasteiung.