Krimi & Thriller

Geheimnis in Weiß

Als ihr Zug im Schnee steckenbleibt, versucht sich eine buntgemischte Reisegruppe zu Fuß durchzuschlagen, strandet aber in einem einsamen Haus. Dort spielt sich offenbar Kriminelles oder sogar Unheimliches ab, weshalb die Gruppe einerseits versucht, die Ereignisse zu rekonstruieren, während sie sich andererseits mysteriöser Eindringlinge erwehren muss … – Klassischer Kriminalroman eines zu Unrecht fast völlig vergessen Autors, der diesen Thriller mit quasi-phantastischen Einlagen und ungewöhnlichen Figuren ‚würzt‘. Der komplexe Plot wird wider Erwarten plausibel aufgelöst: eine wunderbare Wiederentdeckung!

Der rote Stier

Eigentlich möchte Nero Wolfe nur seine preiswürdigen Orchideen ausstellen, doch er wird in die Fehde zweier mächtiger Familien gezogen und muss einen Mord klären, den offensichtlich ein wütender Stier begangen hat … – Auch Fall Nr. 6 muss Nero Wolfe jenseits seines bequemen Heims in New York lösen. Das Ergebnis ist ein für die Serie ungewöhnlich turbulentes Garn, das von lebhaft umgesetztem Lokalkolorit, einem bizarren Plot und kraftvollen Figuren geprägt wird: Die erstmals ungekürzte und neu übersetzte Neuausgabe bereitet daher erst recht Vergnügen!

Riptide – Mörderische Flut

Auf einer kleinen Insel lockt ein vergrabener Piratenschatz, den allerdings raffinierte Todesfallen schützen. Per Hightech versucht ein Team von Spezialisten das alte Raubgut trotzdem zu bergen, wobei jeder Irrtum buchstäblich mörderische Konsequenzen nach sich zieht … – Auf dem Fundament einer realen Schatzinsel spinnt das Autorenduo ein eher generisches als spannendes Garn, das ebenso leichen- wie klischeereich einem spektakulären Finale entgegenstrebt: Lesefutter, dessen Energie das Leserhirn immerhin sporadisch anregen kann.

Die Morde von Pye Hall

Ein anscheinend durch Selbstmord umgekommener Schriftsteller hinterlässt ein unvollständiges Romanmanuskript, in dem seine Lektorin versteckte Hinweise auf alte, nie aufgedeckte Verbrechen zu entdecken glaubt. Sie folgt dieser Spur und gerät in Lebensgefahr, da sie erfolgreicher ist, als es dem Täter lieb sein kann … – Das vollständig wiedergegebene Manuskript ergibt einen Roman im Roman und ist gleichzeitig Schlüssel für die Ereignisse der Gegenwart. Die Mischung aus kundig wiederbelebten Rätselkrimi alter angelsächsischer Schule und modernem = psychologisch und sozialkritisch aufgepolstertem Thriller funktioniert nur bedingt, doch die daraus resultierende Doppelstory ist – Blicke hinter die Kulissen des Verlagswesens inklusive – spannend und gut geschrieben.

Phöenix aus Asche

1937 explodiert das deutsche Luftschiff „Hindenburg“ am Himmel über Lakehurst in den USA. Noch Jahre später versucht einer der Überlebenden zu klären, wieso dies geschah; er entlarvt nicht nur die Urheber, sondern findet seine verschollene Liebe wieder … – Mischung aus Historien-Thriller und Liebesgeschichte, wobei die Verknüpfung nicht immer gelingt; auch aufgrund der persönlichen Verbindung des Verfassers zur „Hindenburg“-Historie – sein Vater steuerte das Luftschiff – entwickelt sich dennoch eine spannende, berührende Geschichte.

Marlowe

1935 soll der Kölner Kriminalpolizist Gereon Rath in einen tödlichen Verkehrsunfall ermitteln; scheinbar reine Routine, doch der allzu pflichtbewusste Beamte gewinnt unfreiwillig einen tiefen – und lebensgefährlichen – Blick in die lokale Unterwelt, die eng mit den nationalsozialistischen Machthabern verbandelt ist … – Band 7 der Gereon-Rath-Serie verknüpft abermals gekonnt historisches Lokalkolorit mit einem spannenden Kriminalfall.

Yahi – Wald der Toten

In einem Urwald des US-Staates Washington wird die Leiche eines Wanderers gefunden. Tatwaffe scheint ein jahrtausendealter Speer zu sein. Wer könnte ihn mit übermenschlicher Kraft geschleudert haben? Als weitere Opfer auftauchen, bittet das FBI den Anthropologen Professor Oliver um Hilfe … – Der zweite Roman der Gideon-Oliver-Reihe stellt eine Mischung aus Krimi- und Science-Thriller dar, wobei die Wissenschaft auch im Dienst einer Botschaft steht, die sich aus der belasteten Kolonialgeschichte Nordamerikas speist: Mit manchmal zu deutlich erhobenem Zeigefinger erzählt der Autor eine oft eher interessante als spannende Geschichte.

Das Verbrechen

Als man US-Staat Oklahoma Erdöl entdeckt, sprudelt es ausgerechnet auf indianischem Grundbesitz. Die Osage werden reich, doch ab 1920 beginnen sie zu sterben. Das Gesetz interessiert sich wenig dafür, was das junge FBI auf den Plan ruft. Schwierige Ermittlungen decken ein Mordkomplott auf, in das lokale Geschäftsleute, Politiker, Juristen und Ordnungshüter verstrickt sind … – Bis heute warten die Osage vergeblich auf Gerechtigkeit oder wenigstens vollständige Aufklärung. Autor Grann deckt kundig ein düsteres Kapitel der jüngeren US-Historie auf, das er durch eigene Recherchen um bisher unbekannte Fakten bereichern kann.

Mord in Cornwall

In seinem Haus am Strand wird der herzlose Julius Tregarthan umgebracht. Zu den Verdächtigen gehören u. a. seine unterdrückte Nichte und ihr psychisch labiler Bräutigam. Weil die Indizienlage schwach ist, bezieht Inspector Bigswell den krimibegeisterten Pfarrer in die Ermittlungen ein … – Dieser Roman aus der „Goldenen Ära“ des britischen Rätselkrimis ist nicht so geschickt geplottet wie die Klassiker des Genres, kann das aber durch die gut charakterisierten Figuren und den eleganten Schreibstil wettmachen: eine willkommene Wiederentdeckung.

Dirty White Boys

Aus einem Hochsicherheitsknast brechen drei Schwerverbrecher aus, die nichts mehr zu verlieren haben und sich erbarmungslos ihren Fluchtweg durch spärlich besiedelte Landstriche bahnen. Die Polizei setzt sich auf ihre blutige Spur, und bald stellt sich die Frage, wer bei dieser Jagd mehr Schaden anrichtet … Kompromisslos harter und gewaltreicher, aber ungemein spannender Thriller mit erstaunlicher Figurenzeichnung und zynischem Blick auf „Gesetz“ und „Verbrechen“, die hier zunehmend in einer Grauzone verschmelzen.