Phantastik

Mortal Engines – Der grüne Sturm

16 Jahre nach den Ereignissen der beiden Vorgängerbände verschlägt es die Tochter der beiden Hauptfiguren ins ferne England, wo sie in den Kampf zwischen einer ‚alternativen‘ Lebensgesellschaft von Jugendlichen und einer (allzu) etablierten Stadtgemeinschaft gerät, die von einem alten Feind der Eltern angeführt wird … – Erneut ideen- und actionreich geht die „Mortal-Engines“-Serie in die dritte Runde. Durch den Zeitsprung wird frischer Wind in die Handlung geblasen, die deshalb unterhaltungsstark ihr Finale erreicht: gelungener Abschluss einer original längst ausgeweiteten Serie.

Der Atlas der besonderen Kinder

Begleitet von einigen der „Besonderen Kinder“ begibt sich Jacob Portman auf eine Odyssee durch die USA, um nach magischen Relikten seines Großvaters zu fahnden, was selten ohne gefährliche Zwischenfälle gelingt … – Nachdem die Geschichte eigentlich erzählt ist, ‚zwingt‘ der Erfolg den Verfasser zur Fortsetzung seines Werkes. Weiterhin gut geschrieben und im Detail einfallsreich, lässt sich der ‚Relaunch‘ zäh an und endet allzu offen; hinzu kommt die Aufweichung jener Attribute, die den Kindern echte, d. h. im Rahmen der Handlung plausible Besonderheit verlieh: Die Faszination der Serie franst recht deutlich aus.

Zeit-Bombe

Ungeachtet aller Schutzmaßnahmen werden die Mitglieder einer Partei gezielt umgebracht. Ein unkonventionell ermittelnder Polizist findet heraus, dass der Attentäter unter Einsatz der Zeitreise mordet; eine Erkenntnis, die ihm der Täter selbst nicht grundlos ermöglicht hat … – Heiligt der (gute) Zweck alle Mittel? Autor Tucker spielt diese Frage vor allem spannend, aber durchaus auch moralisch sowie konsequent durch, wobei der Text dem Inhalt nicht immer gewachsen ist, d. h. Abschweifungen und Logiklöcher aufweist: dennoch interessant (und angenehm kurz).

Bird Box

Mysteriöse Wesen, deren Anblick jeden Menschen in den Tod treibt, haben die Erde besetzt. Nur kleine Menschengruppen überleben, weil sie sich verstecken und ihre Augen bedecken, wenn sie sich ins Freie wagen. Malorie und ihre beiden Kinder müssen ihr Haus verlassen und über einen Fluss eine neue Heimstatt erreichen … – Das Grauen bleibt stets unsichtbar und deshalb besonders erschreckend. Für echte Schreckensmomente sorgt beinahe ausnahmslos der Mensch. Die simple, aber gut entwickelte Idee wird zudem nicht ausgewalzt: spannendes Grusel-Kammerspiel.

Relaisstation Venus

Im Vorfeld der Sonne sorgt die „Relaisstation Venus“ dafür, dass die von Menschen besiedelten Planeten miteinander Kontakt halten können. Fern der Erde muss die Besatzung immer wieder improvisieren, wenn gefährliche Zwischenfälle für Funkstelle sorgen oder die Station selbst in Raumnot gerät … – Fünf Storys aus der „Goldenen Ära“ der Science Fiction, in der dank Fortschritt und Technik alles möglich schien und der einfallsreiche Naturwissenschaftler über den Politiker oder den Geldsack triumphierte: Abenteuer und Technobabble in heute so nicht mehr möglicher Verknüpfung und SF-Nostalgie für hartgesottene Genre-Fans.

Der letzte Atemzug

Als eine Seuche die USA mit tollwütigen Kannibalen überschwemmt und in Anarchie stürzt, schlägt die Stunde von Survival-Freak Eddie Keeper, der frei von Justiz, Moral u. a. Schwächen einer neuen Welt seinen Stempel aufdrücken, d. h. nicht nur die Zombies, sondern auch Kriminelle und liberale Weichlinge ausrotten kann … – Trivialliterarisch werden hier die Primitiv-Träume derer wahr, die den Weltuntergang nicht nur erwarten, sondern herbeisehnen, um anschließend eine Grunz-Nation nach fundamentalistischen Vorgaben zu gründen: selbstentlarvender Dumpf-Schund.

Projekt Raumstation

Ständig wird der Bauplatz der ersten Raumstation von Spionen und Saboteuren heimgesucht. Bomben, Gift, Überfälle: Die mutigen Verteidiger werden auf harte Proben gestellt, aber da sich hier wackere US-„Jungens“ (und ein „Mädchen“) zusammentun, haben die Strolche letztlich keine Chance … – Trash-SF vom gar nicht Feinsten; hier gibt es weder Logik noch Verstand, sondern ausschließlich Action und Pathos, was sich viele Jahre später selbstentlarvend lustig liest: DIESE Zukunft ist ein Witz (mit zwei Fortsetzungen).

Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.

Die Mumie

Nachdem ihre verbotene Liebe vor drei Jahrtausenden ein grausames Ende fand, versucht Frevel-Priester Imhotep in der Gegenwart (des Jahres 1932) ‚seine‘ Königin Ankhesenamen zu neuem Leben zu erwecken. Der vorgesehene Körper gehört der jungen Helen, weshalb ein magisches Tauziehen zwischen Imhotep, Helen und ihren Verehrer, dem Archäologen Frank, beginnt … – Sehr spät entstand dieser Roman zum Horrorfilm-Klassiker von 1932 (Titelrolle: Boris Karloff). Recht stimmungsvoll wird primär eine Liebesgeschichte erzählt, deren Horror-Elemente vor allem aus heutiger Sicht dezent wirken.

Der sechste Mond

Schwierigkeiten in einer Schürf-Kolonie auf dem Saturnmond Titan rufen Erd-Colonel Benedict auf den Plan. Begleitet von Sohn Tuck bemüht er sich, zwei verfeindete Kolonisten-Gruppen zu befrieden. Während der Colonel erfolglos bleibt, freundet sich Tuck mit einem Einheimischen an. Gemeinsam decken sie das gefährliche Geheimnis der Kolonie auf … – Science-Fiction-Abenteuerroman, der (damals) aktuelles astronomisches Wissen mit einer ‚lehrreichen‘ Handlung verknüpfte, wobei Autor Nourse nicht so plump vorging wie andere SF-Kollegen: kein Klassiker, höchstens nostalgisch angestaubte Unterhaltung.