Phantastik

Die siebte Geissel

1348 erforscht ein spanischer Arzt die Pest und gerät dabei ins Visier der stets misstrauischen Inquisition. Sechseinhalb Jahrhunderte später stößt eine Forscherin auf seine Präparate und entfesselt ahnungslos eine neue, dieses Mal globale Pestwelle … – Interessante, gut recherchierte Mischung aus Historienroman und Wissenschaftsthriller, die aber unter Klischees leidet und sich in einer „Against-All-Odds“-Lovestory vertändelt, ohne deshalb jedoch zu Boden zu gehen.

Alle diese Welten

Im Abschlussband der „Bobieversum“-Trilogie kämpfen der ‚Ur-Bob‘ und seine ‚Klone‘ erneut galaxisweit gegen hungrige Aliens, die sich die ohnehin stark reduzierte Menschheit in ihre Speisekammern hängen will. Zwar wird die Handlung zu ihrem Ende gebracht, wobei Schwung und Ideenreichtum weitgehend aufgebraucht wirken: vor allem für Leser der Auftaktbände unterhaltsam, aber insgesamt aufgrund allzu vieler versäumter Chancen auch enttäuschend.

Shirker

Ein ausgebrannter Spekulant gerät im neuseeländischen Auckland zufällig auf die Spur eines womöglich unsterblichen Serienmörders. Fasziniert und auf der Suche nach einem neuen Lebensinhalt kommt er diesem mit fatalen Folgen zu nahe … – Mit kühlen Worten und knappen Sätzen erzählt der Autor nicht nur einen (phantastischem) Thriller, sondern schildert auch ein sinnleeres Großstadtleben. Das Ergebnis ist konsequent düster, rätselhaft und sehr spannend; kurzum: ein gar nicht alltägliches Lesevergnügen.

Die verlorene Stadt

Im vierten Teil der „Mortal-Engines“-Serie führt Autor Reeve sämtliche Handlungsstränge zusammen, und die Schicksale der Hauptfiguren werden aufgeklärt. Das erfordert deutlich mehr Buchseiten als bisher, doch das Finale gelingt = wird spannend und einfallsreich vorbereitet und inszeniert, weshalb man als Leser mit einem lachenden und einem weinenden Auge bzw. dem Wunsch nach einer Veröffentlichung auch der Prequel-Trilogie zurückbleibt!

Jenseits der Zeit

Nachdem die Menschheit mit den gefährlichen Trisolariern lange friedlich und fruchtbar koexistiert hat, flammt der Konflikt erneut auf und droht das gesamte Universum zu erfassen … – Im dritten Teil seiner Trilogie dreht Autor Liu erneut am ganz großen Rad. Die Gesamtstory wird spannend fortgesetzt, doch das aus dem Startband bekannte Ideenfeuerwerk bleibt aus. Ebenfalls störend wirkt die für ein SF-Werk dieser (behaupteten) Bedeutung an den Tag gelegte Xenophobie: Letztlich ist die „Trisolaris“-Trilogie ein unterhaltsames SF-Spektakel, aber kein Leitstern einer ‚globalisierten‘ Science Fiction.

Die Rückkehr der Drachen

Auf der Voodoo-Wissenschaft-Schiene reisendes ‚Sachbuch‘, das stets nur zweifelhafte ‚Beweise‘ für, aber nie gegen „Die Rückkehr der Drachen“ liefert, dabei aus trüben Quellen fischt, sich in ein Gespinst nie belegbarer Kreuzverweise verwickelt, aus Legenden und realen Naturphänomenen abenteuerlich Traumsaurier konstruiert sowie sich überhaupt im Besitz der einzigen, nur von Blinden & Blöden negierten Wahrheit wähnt: amüsant als Kompendium längst bekannter Pseudo-‚Rätsel‘, dies aber eindeutig unfreiwillig = ein überflüssiges (Mach-)Werk.

Der Besucher

Ein schiffbrüchiger Raumfahrer muss auf der Außenhülle eines außerirdischen Raumschiffs ‚mitreisen‘. Durch eine der Luken wird er Zeuge eines Geschehens, dessen Verursacher ihm nunmehr nach dem Leben trachten … – Die Story basiert auf einer berühmten Kurzgeschichte, die u. a. von Alfred Hitchcock verfilmt wurde. Sie funktioniert sowohl als Hommage, als auch als spannende Geschichte und bleibt dabei angenehm kurz.

Die Vergessenen von Eden

In einem abgelegenen Teil Afrikas haben waschechte Urmenschen überlebt. Die Sensation lockt mediengeile Glücksritter an, während Wissenschaftler mit reinen Forscherherzen in Lebensgefahr geraten, weil eine Rebellion ausbricht … – Schon der Titel weist darauf hin, dass hier das Loblied des ‚unverdorbenen‘ Alt-Menschen gesungen wird, der von verdorbenen Nachfahren ausgelöscht zu werden droht; die Story liest sich trotz des zeitweiligen Klischee-Dauerfeuers spannend.