Phantastik

Der Ursprung der Welt

Was als phantastische Reise zurück in die Vergangenheit zunächst fasziniert, entwickelt sich zum Darstellung eines (realen historischen) Verbrechens. Der Autor möchte kriminelles Tun und zeitgenössische Nazi-Gräuel in einen Zusammenhang bringen, ohne dieser Herausforderung gewachsen zu sein: kein Lektüre zum Nachdenken, sondern eine verpasste Gelegenheit.

Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes

Dieser Band sammelt einen Roman und drei Kurzgeschichten des russischen Schriftstellers (1934-2003), die noch nicht auf Deutsch vorlagen. Bulytschow glänzt mit erstaunlich unverbrämter Kritik an totalitären Machtstrukturen, die sich wie von ihm beschrieben auch in der post-sowjetischen Ära wiederentdecken lassen, weshalb diese Sammlung keineswegs als SF-‚Ostalgie‘ abzuhaken ist: Dieses Projekt eines ehrgeizigen Kleinverlags ist eine erfreuliche Entdeckung.

Exodus 2727 – Die letzte Arche

An Bord eines Raumschiffs, das viele Jahre unterwegs sein wird, erwacht die aktuelle Crew und stellt fest, dass die schiffsführende KI sie belügt. Lebensgefährliches geht vor, und die Auflösung des Rätsels ist keineswegs der Schlüssel zur Rettung … – SF-Abenteuer mit Krimi-Einschlag. Die Handlung ist nicht neu, wird aber unterhaltsam entwickelt, was für solides Lesefutter sorgt.

Rejoice – Die letzte Entscheidung

Außerirdische Intelligenzen schicken eine Künstliche Intelligenz ins Sonnensystem, um die zerstrittene Menschheit vor der Selbstvernichtung zu bewahren. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig, weshalb die Mission zu scheitern droht … – Autor Erikson dreht an einem großen Rad, ohne es wirklich in Bewegung setzen zu können. Der Plot wirkt schematisch, die Umsetzung weist logische Brüche auf – ein naives SF-Spektakel.

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv

Mit einem Team wagemutiger Historiker reist Madeleine Maxwell in die Vergangenheit. Die Missionen sind gefährlich und scheitern oft an Kleinigkeiten, zumal Ms. Maxwell weder geduldig noch übermäßig geschickt agiert … Auftakt einer bereits mehr als zehn Bände umfassenden SF-Serie, deren Autorin spannende und humorvolle (aber nicht hintergründige) Zeitreise-Garne spinnt: Leicht-Lektüre.

Der Stern von Granada

Ein Komet sorgt im 14. Jh. dafür, dass der Zeitstrom sich einen neuen Weg bahnt. In Spanien kann sich ein fortschrittliches und tolerantes muslimisches Reich gegen die kriegerischen christlichen Nachbarn behaupten. Es wird zum Zentrum einer Entwicklung, die gravierende Fehler der realen Historie vermeidet … – Sorgfältig recherchierte Mischung als Alternativwelt- und Historienroman, dessen Verfasser mit großem Geschick eine „Was-wenn?-Handlung abseits der üblichen Genreklischees erzählt.

The Colony – Ein neuer Anfang

Die letzten Menschen der zerstörten Erde siedeln sich auf einem fremden Planeten an. Verschwörer hintertreiben die Verständigung mit den intelligenten Einheimischen … – Die Frage nach dem Motiv sorgt für (kriminalromanähnliche) Spannung. Eingebettet in anschaulich beschriebene außerirdische Landschaften, weiß die Handlung (= Mittelteil einer Trilogie) zusätzlich durch gut gezeichnete Figuren zu gefallen.