Sachbuch

Im Land der grünen Ameisen

Im August 1860 bricht in Melbourne eine große Expedition auf, die den Kontinent Australien durchqueren und die Nordküste erreichen soll. Die Reise durch 5000 Kilometer unwirtliches, kaum besiedeltes, feindseliges Land endet in einer Katastrophe, die acht Menschen das Leben kostet und sich in einen nationalen Skandal verwandelt … – Kritische Neubewertung einer historischen ‚Großtat‘, die das zeitgenössische Denken berücksichtigt, die Wahrheit hinter verklärenden Worten sucht und zu einem eher bestürzenden Resultat kommt: gut recherchiertes, spannend geschriebenes und mit trockenem Witz belebtes Sachbuch.

Im Bett mit dem König

Eine Geschichte königlicher Geliebter an europäischen Königshöfen; nicht chronologisch geordnet oder die Biografien ausgewählter Damen präsentierend, sondern den zentralen Aspekten des Mätressentums gewidmet: Welcher Herkunft waren diese Frauen, wie erregten sie des Herrschers Aufmerksamkeit, auf welche Weise hielten sie es lebendig, wie sah der Alltag einer Mätresse aus, mit welchen Rivalen und Feinden musste sie rechnen, was geschah mit ihren Kindern, was mit ihr selbst, wenn des Königs Interesse erlosch? Solche und viele andere Fragen werden faktenreich beantwortet. Viele oft bizarre Anekdoten sorgen für ungläubiges Kopfschütteln und Heiterkeit. Der in lockerem Ton gehaltene Text rundet ein historisch nicht sehr tiefgründiges, aber informatives und durchweg lesbares Sachbuch ab.

Im Schatten

Biografie eines aus der Geschichte quasi getilgten Mannes, der zu den Entdecker-Pionieren der großen Nord- und Südpol-Expeditionen zählte, diesen Ruhm jedoch nicht vermitteln wollte oder konnte und ins Abseits gedrängt wurde. Die außerordentlich spannende Lebensgeschichte wirft einen objektiven Blick auf ‚Helden‘, die diese Rolle nicht selten an sich gerissen und dabei wenig Menschenfreundlichkeit bewiesen haben: Nichts ist spannender als die Realität!

Selkirks Insel

Die Geschichte von Alexander Selkirk, der 1704 auf einer einsamen Pazifikinsel ausgesetzt wird und sich mehr als vier Jahre völlig allein durchschlagen muss, bis er gerettet wird, wurde zur Vorlage der Geschichte von Robinson Crusoe. Diana Souhami löst die Fiktion von der historischen Wahrheit, der sie indes selbst wieder literarische Qualitäten verleiht, indem sie Selkirks Geschichte als Gelegenheit nutzt, einen Blick auf die Welt des frühen 18. Jahrhunderts zu werfen. Dies geschieht in kurzen, schlaglichtartigen Kapiteln und stilistisch auf beachtlichem Niveau. Das Ergebnis ist ein ‚Geschichtsbuch‘ mit Romanqualität.

Beethovens Locke

1827 wurde Ludvig van Beethoven auf dem Totenbett eine Locke vom Haupt geschnitten. 1995 tauchten diese Haare wieder auf und wurden zum Mittelpunkt einer spektakulären, von den Medien ausgeschlachteten Untersuchung, welche die wahre Ursache von Beethovens Ende klären sollte. Parallel dazu recherchierte man aufwändig den historischen Weg der berühmten Locke in die Gegenwart … – Autor Russell Martin folgt beiden Untersuchen, die rasch den Charakter kriminalistischer Nachforschungen annehmen. Trotz lückenhafter Quellen können die meisten Rätsel gelöst werden. Wie das gelang – oder manchmal nicht -, schildert Martin in dieser spannenden, manchmal etwas pathetischen Mischung aus Sachbuch und Thriller.

Schneetiger

Eine Geschichte des Bergsteigens im Himalaya aus der Sicht der nepalesischen Sherpas, die den großen, weißen Forschern jahrzehntelang Arsch & Gepäck auf die höchsten Gipfel dieser Welt hinterher trugen, bis sie sich emanzipierten und für den eigenen Ruhm zu kraxeln begannen … – Sehr gut und vor Ort recherchiertes, durch viele Interviews mit bisher kaum oder gar nicht befragten Zeitzeugen angereichertes Sachbuch, das eine Lücke in der Himalaya-Historie schließt und Licht auf viele bisher unbekannte Kapitel wirft, was nebenbei manchen gefeierten Berghelden plötzlich recht unvorteilhaft beleuchtet.

Kannibalen!

Weniger ein Buch als ein reines Fan-Produkt, das die schlüssiger Bearbeitung des vor allem italienischen (S)Exploitation-Films der 1960er bis 1980er Jahre vorgibt … – Formal und vor allem inhaltlich ist dies ein Offenbarungseid. Stilistisch entweder grausig oder unfreiwillig erheiternd, strotzt dieses Machwerk vor Fehlern, schürft aus denkbar flachen Quellen und ist nichts als ein Fixpunkt für Spott und Fremdschämen.

Star Trek Voyager – Das offizielle Logbuch

Sieben Jahre „Star Trek – Voyager“, präzise bis penibel nacherzählt von Paul Ruditis, dem „offiziellen“ Chronisten dieser vierten ST-Serie. Ausführliche Inhaltsangaben werden begleitet von Beschreibungen der „Voyager“, ihrer Crew, diverser Aliens und fremder Orte, an denen man sich tummelte. Fast völlig fehlen Hintergrundberichte, von Kritik ist an keiner Stelle die Rede. Das Bildmaterial beschränkt sich auf Bildausschnitte aus den TV-Folgen sowie sorgfältig arrangierte Standaufnahmen; es gibt keine Fotos davon, was hinter den Voyager-Kulissen geschah. Es bleibt die ordentlich layoutete und sauber gedruckte, aber von Nebensächlichkeiten wimmelnde Faktensammlung eines besessen anmutenden ST-Fans, die in dieser Ausführlichkeit kaum interessiert und über weite Strecken langweilt.

Die Vögel. Der Filmklassiker von Alfred Hitchcock

Der Versuch, Hitchcocks Mystery-Klassiker zu interpretieren, gerät der Autorin nach gelungener Präsentation der grundlegenden Film-Fakten zum Rohrkrepierer. Krampfhaft versucht Paglia, „Die Vögel“ als Manifest eines Feminismus‘ zu deuten, wie sie ihn definiert. Fakten werden gebogen und notfalls gebrochen, um diesem Zweck zu dienen: ein Sachbuch, wie es nicht sein sollte.

Menschen gegen Monster

Der urzeitliche Weg des Menschen über die noch unbesiedelte Erde war auch ein Kampf gegen die örtliche Tierwelt, welche die Neuankömmlinge nie mit offenen Armen, aber mit weit geöffneten Mäulern begrüßte. Intelligenz ermöglichte unseren Vorfahren, sich ihre Nische zu ertrotzen … – Das Begleitbuch zu einer erfolgreichen BBC-Serie schildert den Stand der Forschung und zeigt die Vorzeit und ihre Bewohner in (digitalen) Bildern: Wissenschaft anschaulich und spannend, wenn auch sehr light, da die Besiedlungsgeschichte des ganzen Planeten verkürzt dargestellt wird und die Autoren übertreiben, indem sie Jahrtausende der Menschheitsgeschichte als permanenten Kampf gegen angebliche Monster dramatisieren: dennoch empfehlenswert.