Sachbuch

Görings Reich

Hermann Göring, in der Nazi-Hierarchie direkt hinter Adolf Hitler stehend, ließ 1933 ein Jagdhaus errichten, das er zu einem Privatschloss ausbaute und mit geraubter Beutekunst vollstopfte. Carinhalls Mythos als Hort märchenhafter Schätze und geheimer Nazi-Bunker wurde durch die Zerstörung 1945 vollendet. Die Realität wurde für dieses Buch akribisch recherchiert und vorbildlich ausgebreitet. Carinshalls Geschichte wird sie mit der Biografie Hermann Görings verklammert. Hinter dem Nazi-Monument treten Größenwahns und brutaler Menschenverachtung zutage. Zahlreiche selten oder nie gezeigte Fotos, Pläne und Karten runden das informative und spannende Werk ab.

„Nur für Erwachsene“ – Rock- und Popmusik: zensiert, diskutiert, unterschlagen

Mit Hilfe von Schallplatten- und CD-Covern aus fünf Jahrzehnten spielen die Verfasser durch, was in der Rock- und Popmusik ‚erlaubt‘ ist oder zum Wohle des (nur scheinbar mündigen) Bürgers, der unschuldigen Jugend & des guten Geschmacks verboten gehört … – Die generellen Fakten, die für und wider eine Musikzensur sprechen, werden zwar knapp aber einleuchtend thematisiert und kommentiert. Die Aussagekraft der aufgelisteten Beispiele historischer Zensurereignisse leidet jedoch unter einer gewissen Zusammenhanglosigkeit – dieses Buch ist ein Ausstellungskatalog. Die Brisanz des Themas Zensur kann daher nur bedingt vermittelt werden.

Traumfabrik Hollywood. Wie Stars gemacht und Mythen geboren wurden

Werbung und Film scheinen seit jeher siamesische Zwillinge im Geiste der Übertreibung bzw. der Lüge zu sein. Autor Sennett belegt, wie diese Verbindung Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, um in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ein pseudo-reales Eigenleben zu entwickeln … – Das hochinteressante Thema wird weniger tiefschürfend als breit dargestellt. Trotzdem ein fesselndes Sachbuch, das zudem reich und kundig bebildert ist.

Das Heureka-Prinzip

Wie wäre es mit einer Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten? Was bedeutet eigentlich „wissenschaftliches Arbeiten“? Im Allgemeinen bringt man den Begriff nur mit furchtbar schlauen Menschen in Verbindung und solchen, die viel (fachliches) Wissen angehäuft haben. Diese Perspektive vergrößert natürlich die Distanz und macht das Ganze zu etwas Abgehobenem und für den normalen Menschen Unerreichbarem. Dass dem ganz und gar nicht so ist, sondern dass die entsprechenden Fertigkeiten prinzipiell allen zur Verfügung stehen und von vielen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, bereits angewendet werden, versucht Chad Orzel, Professor für Physik und Astronomie, den Lesern in seinem Buch Das Heureka-Prinzip – Entdecke den Wissenschaftler in dir zu vermitteln.

Omen – Das Horror-Journal, Nr. 1

Ein (weiterer) Versuch, in Deutschland ein professionelles Magazin zu etablieren, das Kurzgeschichten und Hintergrund-Informationen zum aktuellen Horror-Genre, zu seiner Geschichte und seinen Autoren präsentiert. Der Info-Part besticht durch sein solides sekundärliterarisches Fundament. Die Stories belegen primär die weitgehende Abwesenheit einschlägiger deutscher Talente; es siegen nach Punkten oder sogar durch K. O. die angelsächsischen Profis. Insgesamt ein Projekt, das trotz diverser Schwächen Interesse und finanzielle Unterstützung seitens möglichst vieler Käufer verdient. (Eine Hoffnung, die sich rasch zerschlug).

AC/DC – Maximum Rock ’n‘ Roll

Mehr als 40 Jahre Geschichte einer dem Zeitgeist den Stinkefinger zeigenden Rockband werden auf mehr als 600 opulent gestalteten Seiten aufgeblättert. Den Schwerpunkt bilden die aufregenden Anfänge, wobei neben grundsätzlichen Fakten unwichtige Kleinigkeiten aufgegriffen werden, die den Lesern ‚beweisen‘ sollen, dass AC/DC unkonventionelle Teufelskerle sind. „Maximum Rock ’n‘ Roll“ ist stattdessen das erschreckend beliebige Porträt einer aufregenden Band, deren Werdegang ebenso ehrfürchtig wie unkritisch nacherzählt und mit langweiligen Fotos illustriert wird.

Wer hat denn den gedreht?

Bevor sie starben und ihr einmaliges Insiderwissen mit ins Grab nahmen, befragte der junge Journalist und spätere Regisseur Peter Bogdanovich Filmschaffende, die in der „Goldenen Ära“ Hollywoods gearbeitet und Meisterwerke auf die Leinwand gebracht hatten. Viele Jahre später stellte Bogdanovich diese Interviews in einem grandiosen Sammelband vor, der eine große Zeit des klassischen Kinos kundig und ebenso informativ wie anekdotenreich aufleben lässt: ein Meisterwerk!

Methodisch korrektes Biertrinken – Radioaktiver Bierschaum, leuchtende Gurken und eine Rakete mit Schnapsantrieb

Der erste Gedanke, den ich beim Betrachten des Covers von Methodisch korrektes Biertrinken hatte, war, dass genau das in den Vordergrund gestellt wurde, was einen typischen Physiker ausmacht: der Spaß am Experimentieren (auch wenn der angekokelte Daumen vielleicht nicht geplant war), die Formel (selbst die gewieftesten kommen nicht darum herum) und das Bier. Neben den abgebildeten Atomen ist insbesondere das Bier allgegenwärtig, einerseits als offensichtlich wichtiger Bestandteil des Nahrungsspektrums (das kenne ich aus eigener Erfahrung), andererseits als Möglichkeit, die oft staubige Formelwüste erträglicher zu gestalten (siehe Formel auf dem Cover). Zumindest auf den ersten Blick scheint sich also ein fröhliches und recht feuchtes Lesevergnügen anzubahnen – wenn da nicht die Physik mit ihrer Exaktheit und ihren Ruf, Spaß abweisend zu sein, wie ein Damoklesschwert über jeder Art Lektüre dieser Art hängen würde.

Horror Cinema. Die besten Gruselfilme aller Zeiten

In zehn Kapiteln, die sich an prominenten Sujets orientieren, werden das Genre Horrorfilm und in einem zweiten Teil 50 historisch relevante Horrorfilme vorgestellt. Während das Bildmaterial auch in seiner Wiedergabequalität über die gesamte Distanz überzeugen kann, bleiben zumindest die Autoren des ersten Teils an der Oberfläche, referieren oft kaum mehr als Filmtitel und verbreiten Allgemeinplätze. Die deutsche Fassung fasst frühere Verlagstitel zwischen zwei Deckeln neu zusammen. Inhaltliche Fehler der Erstausgabe wurden korrigiert, ältere Texte aktualisiert, und der sensationell günstige Kaufpreis versöhnt zusätzlich mit den genannten Mängeln.

Unter Wasser

Seit Jahrzehnten taucht Fotograf und Biologe Curtsinger vor allem in die kalten, dunklen Meere und Seen dieser Welt. Ihm gelangen Bilder von Tieren, die so noch niemand in ihrer natürlichen Umgebung sah. Haie, Wale und Robben aber auch scheinbar unspektakuläre Wesen wie Quallen, Schwämme oder Seeflöhe mutieren vor seiner Linse zu atemberaubenden Fabeltieren, die in kurzen, informativen Texten (Autor: ebenfalls Curtsinger) als integrale Bestandteile ihrer speziellen Ökosysteme beschrieben werden: sowohl ein Augenschmaus als auch ein Lesevergnügen.