Science Fiction

Gegner des Systems

In den zur Diktator entarteten USA nutzen Rebellen eine Erfindung, die sie auf Ameisenformat schrumpfen und die Verteidigung des bisher übermächtigen Gegners unterwandern lässt. Der schlägt brutal zurück, was den Einfallsreichtum der Freiheitskämpfer erst recht herausfordert … – Autor Watkins kombiniert Orwells „1984“ mit einer typischen Science-Fiction-Idee: der Miniaturisierung des Menschen, der sich den Überraschungen des Mikrokosmos‘ stellen muss. Die simple Handlung leidet unter (zu) vielen, detailfroh geschilderten Kampf- und Metzel-Szenen, bleibt aber – auch aufgrund ihrer Kürze – in der Spur und ist spannend.

Saturn im Morgenlicht

Zum ersten Mal werden deutschen Lesern (elf) Storys aus dem „Magazine of Fantasy and Science Fiction” vorgestellt; klassische SF-Themen (Kontakt mit Außerirdischen, Zeitreisen, zukünftige Supertechnik) mischen sich mit Erzählungen, die das Seltsame, Unerwartete in eine ‚normale‘ Gegenwart einbrechen lassen. Auch sonst ist das ‚überraschende‘ Ende, das der Handlung womöglich erst im letzten Satz eine gänzlich neue Wendung gibt, den meisten Autoren wichtig, wobei Jahrzehnte nach dem Ersterscheinen viele Storys altmodisch verstaubt wirken – und sind: SF als nostalgischer Rückblick.

Artemis

Mondfrau Jazz schlägt sich auf der Luna-Kolonie Artemis durch – meist hart an der Grenze zur Legalität, die sie dieses Mal jedoch (unfreiwillig) zu weit hinter sich lässt, weshalb nicht nur die mondeigene Polizei, sondern auch finstere Killer von der Erde hinter ihr her sind … – Nach seinem Sensationsdebüt versucht sich Autor Weir an einem geradlinigen SF-Thriller, der recht zäh beginnt, bis eine simple, aber spannende Handlung in Gang kommt, die sich keiner Neu-Ideen bedient, sondern ‚nur‘ unterhält: klassisches SF-Handwerk wird unnötig und kontraproduktiv zum ‚Bestseller‘ gehypt.

Kinder des Lichts

Gattinnen-Mörder Largwell trifft die ebenfalls flüchtige Joan; das ungleiche Paar gerät in ein Sperrgebiet des Militärs, das dort ganz besondere Kinder hütet, was auf keinen Fall öffentlich bekanntwerden darf … – Der Kalte Krieg schürte die Angst vor einem atomaren III. Weltkrieg. Dieser Apokalypse soll hier ein Schnippchen geschlagen werden, wobei die Moral im Trump-Stil zur Nebensache wird. Vergleichsweise betulich erzählt Autor Lawrence eine Geschichte, die wesentlich intensiver verfilmt wurde: typisch ‚langsamer‘, reichlich angestaubter britischer SF-Katastrophen-Roman.

Cain – Golem des Satans

Ein gezüchteter Super-Soldat macht sich selbstständig und wird von seiner ‚Mutter‘ und einem Priester verfolgt, die seinem nicht nur mörderischen, sondern womöglich höllischen Treiben Einhalt gebieten wollen … – „Christian Science Fiction“ der üblichen Art, d. h. genretypisch bierernst, unfreiwillig komisch, mit holzschnitthaften Figuren und peinlichem Halleluja-Pathos: Lektüre als Form der Selbstkasteiung.

Das Experiment

Der Russe Andrej Woronin kommt 1951 in eine Stadt, die von Menschen aus unterschiedlichen Zeitebenen bewohnt wird. Sie nehmen am „Experiment“ teil, dessen Zweck sich den Beteiligten nie wirklich erschließt … – Science-Fiction-verbrämte und kritische Allegorie auf den realen = irrwitzigen Sozialismus der Sowjetunion. Aufgrund totalitärer Gesetzesvorgaben mussten die Autoren mit Chiffren arbeiten, die der heutige Leser nur noch ansatzweise entschlüsseln kann: als literarisches Zeugnis einer unheilvollen Vergangenheit hochinteressant, als Romanunterhaltung eher zäh.

Die Expedition der „Space Beagle“

Drei alte und eine neue Story verschmolz A. E. van Vogt zu einem Science-Fiction-Klassiker der altmodischen Art: Ideenreich aber logikfern und auch deshalb meist spannend (und manchmal peinlich) schildert der Autor eine Forschungsreise im Weltall, deren Teilnehmer mit bizarren, seltsamen, in der Regel aggressiven Außerirdischen zusammentreffen – eine faszinierende Begegnung mit der Vergangenheit der Zukunft.

Ich bin viele

Der gefrierkonservierte Physiker Johannson wird im 22. Jahrhundert ‚geweckt‘, in eine Künstliche Intelligenz verwandelt und in den Dienst einer fundamentalistischen US-Regierung gepresst; an Bord einer Raumsonde bereits Johannson das Universum, wobei er sich und seine Sonde ständig ‚kopiert‘. Später kehrt er auf eine Erde zurück, deren Menschheit kurz vor der Selbstzerstörung steht, was Johannson verhindern will … – Der erste Band der „Bobiversum“-Serie steckt das Terrain ab, auf dem sich eine Handlung abspielt, die (oberflächlich) zivilisationskritisch und primär abenteuerlich von einer Zukunft erzählt, in der irgendwie alles möglich ist: moderne Space Opera und Lesefutter.

Das sechste Erwachen

Sechs Menschen erwachen an Bord eines Raumschiffs. Sie sind allein, sie wurden geklont – und einer von ihnen ist ein Mörder. Parallel zum Versuch der Rettung wächst bei der Gruppe der Verdacht, nur Darsteller in einem monströsen ‚Spiel‘ zu sein … – Mischung aus Science Fiction und Krimi bzw. Thriller; die Autorin entwirft das Panorama einer Zukunft, die in Sachen ‚Unterhaltung‘ mehr als einen Schritt zu weit gegangen ist: Spannung und Gesellschaftskritik werden unterhaltsam kombiniert.