Science Fiction

Mortal Engines – Jagd durchs Eis

An Bord des Luftschiffs „Jenny Haniver“ werden Hester und Tom von bekannten und unbekannten Gegnern gejagt. Sie werden auf den nordamerikanischen Kontinent verschlagen, wo sie in neue Konflikte verwickelt werden … – Sehr actionlastig sorgt Autor Reeve im zweiten Band der „Mortal-Engines“-Serie für durchaus gelungene Unterhaltung, die mit dem inhaltlich besser strukturierten Erstling nicht ganz mithalten kann.

Das sechste Erwachen

Die Besatzung eines Generationsraumschiffs erwacht zwischen den Leichen ihrer Klon-‚Vorgänger‘. Niemand weiß, was geschehen ist, oder kennt den Grund für den Massenmord, doch der Täter muss einer der ihren sein; da solidarisches Teamwork wichtig, aber Misstrauen lebensnotwendig ist, wird die Aufklärung zum existenziellen Problem … – Die ungewöhnliche Mischung aus Science-Fiction-Thriller und „Locked-Room“-Mystery spielt geschickt mit den Elementen beider Genres, ohne sich auf die Ereignisse vor Ort zu beschränken: Dem Leser wird nach und nach eine ebenso interessante wie spannende Vor- bzw. Hintergrundstory enthüllt.

Die fliegenden Bomben

Der moderne Fernverkehr ermöglicht Fahrgeschwindigkeiten von 850 km/h, was Unfälle in Katastrophen und Tragödien verwandelt. Drei-Personen-Streifen einer hochgerüsteten Polizei sollen dafür sorgen, dass die Strecken frei bleiben, was selten ohne Zwischenfälle gelingt … – Quasi dokumentarisch entwirft Autor Raphael eine Zukunft, die Verkehrsteilnehmern eine beinahe uneingeschränkte ‚freie Fahrt‘ gestattet – dies unter Berücksichtigung sämtlicher (spektakulärer) Konsequenzen: Obwohl diese ‚Zukunft‘ gründlich von der Realität überholt wurde, bleibt die Geschichte interessant.

Das Ding aus einer anderen Welt

Ein außerirdischer Gestaltwandler infiltriert eine isolierte Antarktis-Station. Er kann die Gestalt seiner Opfer fast perfekt annehmen, sodass niemand weiß, ob sein Gegenüber noch Mensch oder schon ein „Ding“ ist … – Daraus entwickelt sich die übliche Story aus verhängnisvoll falschen Verdachtsmomenten und Verfolgungsjagden, die hier jedoch angemessen simpel, spannend und temporeich erzählt wird: ein lesenswürdiges Buch zu einem klassischen B-Movie.

Ingenieure des Kosmos

Ende des 7. Jahrtausends retten zwei Weltraum-Reporter eine verschollene Wissenschaftlerin. Im Kryonik-Tiefschlaf hat sie die telepathischen Rufe der „Kosmischen Ingenieure“ vernommen, die am Rand des Universums mit bösartigen Chaos-Mächten ringen. Ein kleines Menschenteam macht sich durch Zeit und Raum auf, um den „Ingenieuren“ zur Seite zu stehen … – Ausgerechnet Clifford D. Simak, der später durch seine ‚ruhige‘ und jeglichem Gigantismus abholde Science Fiction berühmt wurde, legt als Frühwerk eine „Space Opera“ vor, die unbekümmert den Naturgesetzen trotzt und ebenso flach wie spannend unterhält: Nostalgie pur!

Tödlicher Schnee

Über einer US-amerikanischen Kleinstadt fällt ‚Schnee‘ der unheimlichen Art; er ist hungrig und saugt seinen Opfern die Körperflüssigkeiten aus. Ein Reporter, seine Freundin, zwei Wissenschaftler und der skeptische Sheriff versuchen dem Vampir-Schnee den Garaus zu machen … – Was sich liest wie das Drehbuch zu einem typischen SF-B-Movie der 1950er Jahre, hat es nie auf die Leinwand geschafft; schon damals fehlte wohl das erforderliche Quäntchen Originalität. Nichtsdestotrotz ist dieser vergessene Roman erstaunlich unterhaltsam und sorgt für wohlige Trash-Stimmung.

Mortal Engines – Krieg der Städte

In ferner Zukunft rollen gewaltige Städte durch öde Landschaften und bekämpfen einander. In London geraten Tom und Hester in ein Komplott, dessen Urheber die globale Alleinherrschaft ‚ihrer‘ Metropole planen und den Untergang der anderen Städte in Kauf nehmen … – Erster Band einer 2018 verfilmten Serie, die das eher abenteuerliche als trostlose Bild einer fernen, lebensfeindlichen Erde zeichnet: turbulent, einfalls- und anspielungsreich.

Starship – Verloren im Weltraum

Seit Äonen fliegt ein Generationsraumschiff durchs Weltall. Das Ziel ist längst vergessen, die Besatzung in primitive Stämme zerfallen, deren Mitglieder einander bekämpfen. Um dem dumpfen Stillstand zu beenden, begibt sich eine kleine Gruppe auf die gefährliche Suche nach dem legendären „Kapitän“ … – Das Ringen um die eigene Geschichte bzw. Identität im Rahmen einer Weltraumfahrt wird intensiv, d. h. abenteuerlich und düster zugleich dargestellt. Schon in diesem Frühwerk erweist sich Brian W. Aldiss als Meister der Science Fiction, deren Hightech er durch klug erdachte soziale Extrapolationen ergänzt: Im Mittelpunkt steht der Mensch, für den Zukunft hier keineswegs Fortschritt bedeutet.

Die Unheilbaren

Ein Blitzkrieg verheert den Osten der USA. Der halbe Kontinent ist verwüstet, die Bevölkerung verseucht. Da kein Gegenmittel bekannt ist, werden die wenigen Überlebenden mit Waffengewalt ferngehalten. Im Osten herrschen Hunger und Tod. Ein Ex-Soldat versucht die Grenze zu durchbrechen … – Diese scheinbar typische „Doomsday“-Science-Fiction aus der Ära des Kalten Krieges überrascht durch eine differenzierte Weltsicht. Der Angreifer wird nie enthüllt; Autor Tucker konzentriert sich auf den Überlebenskampf der Opfer, die von ihren eigenen Mitbürgern ausgegrenzt werden, bis sie hoffentlich bald gestorben sind: keine Lektüre für Trump-eltiere.

Planet der Stürme

Auf seiner langen, bisher vergeblichen Suche nach der verschollenen Erde strandet Earl Dumarest auf Gath. Dort steht der jährliche ‚Sturm‘ bevor, der nicht nur die Luft bewegt, sondern auch Menschenhirne mit lebensgefährlichen Folgen beeinflusst. Der Versuch einer rechtzeitigen Abreise scheitert, stattdessen wird Dumarest in eine politische Intrige verstrickt und legt sich mit dem mysteriösen Cyclan an … – Der erste von mehr als 30 Serienbänden bietet ein flaches, leidlich unterhaltsames Science-Abenteuer und erstaunt bzw. deprimiert durch ein düsteres, keineswegs fortschrittliches Zukunftsbild: SF von gestern, simpel, aber passagenweise durchaus effektvoll.