Western

Wie Schatten über totem Land

Die Befreiung zweier Schwestern aus der Gewalt eines sadistischen Irren endet 1902 als blutige Orgie grotesker Gewalt, wobei sich die Unterschiede zwischen Verbrechern und Rettern zunehmend verwischen … – Quasi existenzieller Western, der die archaische Landschaft als Bühne eines Geschehens nutzt, das die Allgegenwart des Bösen im Menschen nicht nur darstellt, sondern förmlich zelebriert und dabei (pseudo-) literarisch aufpimpt; der Verfasser ist bemerkenswert einfallsreich, wenn es darum geht, Gewalt in Worte zu fassen: als Historien-Horror unterhaltsam.

Zebulon

Nach einer Schießerei zwischen Leben und Tod schwebend, begibt sich Trapper, Räuber und Mörder Zebulon Shook auf eine unstete Odyssee durch einen nicht nur wilden, sondern völlig aus den Fugen geratenen, von Außenseitern und Getriebenen bevölkerten US-Westen … – Kein ‚richtiger‘, sondern ein ‚psychodelischer‘ Western, der Ort und Zeit einerseits aufleben lässt, um andererseits eine metaphysisch mehrdeutige Geschichte zu erzählen, die jeder Leser nach Herzenslust interpretieren darf: schräg und stimmungsvoll, schön übersetzt, zudem ‚künstlerisch‘ trivial genug, um ‚literarisch‘ gepolte Kritiker vor die Köpfe zu stoßen.

Der Mann, der Liberty Valance erschoss

Senator Stoddard gilt als Held, der einst den berüchtigten Revolverhelden Liberty Valance im fairen Zweikampf tötete, Karriere machte und eine schöne Frau heiratete. Tatsächlich ist die schöne Geschichte eine Lüge, der Stoddard endlich ein Ende bereiten will … – Der scheinbar simple Western als tragische Dreiecksgeschichte und bissige Abrechnung mit dem schönen Schein einer glorifizierten Vergangenheit: auch als Roman zum klassischen Film von John Ford (1962) ein Vergnügen mit Widerhaken.

Skull Moon

In einem Wild-West-Nest kommen 1878 zwielichtige Bürger bizarr zu Tode. Ein US-Marshall untersucht den Fall und muss feststellen, dass eine uralte, böse Kreatur geweckt wurde, um ein bitteres Unrecht zu rächen … – Bis es zum großen, besonders gewalttätigen Finale kommt, bleibt dem Verfasser genug Raum, um detailreich die Zergliederung diverser Pechvögel zu schildern. Interessant ist die gänzlich pathosfreie Darstellung eines wahrlich wilden = nur oberflächlich ‚zivilisierten‘ Westens: ein interessanter Zwitter aus Western- und Horrorroman.

Ein Grab in Texas

Rancher Frank Gault jagt den Mörder seiner Frau. Der wurde gerade beerdigt, aber Gaults Rachedurst und Misstrauen lassen ihn weiter nachforschen, wodurch er in ein ganz anderes Verbrechen verwickelt wird, dessen Nutznießer den lästigen Störenfried definitiv loswerden wollen … – Obwohl die Geschichte im „Wilden Westen“ spielt, ist sie eher ein Krimi. Die völlige Abwesenheit von Genre-Klischees und Sentimentalitäten sorgen zusammen mit beachtlichen Figurenzeichnungen für spannende, zeitlose Unterhaltung.

Die Geier von Wahpeton

Eine Gangsterbande, terrorisiert ein Wild-West-Städtchen. Der Sheriff heuert einen Revolverhelden an, der dem Treiben ein Ende bereiten soll. Dieser muss feststellen, dass sein Auftraggeber der Anführer der Bande ist … – Dass Robert E. Howard, der Schöpfer des Barbarenkriegers Conan, auch Western-Storys schrieb, ist hierzulande kaum bekannt. Das Ergebnis ist. interessant, denn Howard macht zwischen Corcoran und Conan kaum einen Unterschied. „Im Schatten der Geier“ entwickelt sich dadurch zum Fantasy-Western und überrascht mit bizarren Einfällen.

Die Stunde des Todes

Ex-Marshal Toller hat geheiratet und ist Farmer geworden. Als die Bank- und Eisenbahnräuber-Brüder Brunner das County terrorisieren, zwingt man ihn gegen seinen Willen zurück in den Dienst, obwohl die Chancen denkbar schlecht stehen … – Die nicht nur im Western-Genre beliebte Geschichte vom tapferen Mann, den sein Pflichtbewusstsein wider alle Vernunft zum Handeln zwingt, wird routiniert, ohne Pathos und spannend erzählt, wobei der Verfasser weder ein Heldenlied singt noch sich auf simple Schwarz-Weiß-Zeichnung beschränkt: schmackhaft abgehangene Lektürekost.

Rache für Little Bighorn

Die Schlacht am Little Bighorn hebt den Krieg zwischen den indianischen Ureinwohnern und der ‚weißen‘ Bevölkerung auf eine neue, grausame Ebene. Nur wenige Beteiligte bemerken, wie sie kontinuierlich verrohen, ohne sich dem verhängnisvollen Sog indessen entziehen zu können  – Am Beispiel dreier junger Männer zeichnet der Verfasser diesen fatalen Weg literarisch nach. Während der deutsche Titel teilweise irreführend die Rache in den Vordergrund stellt, geht es primär um ein (weiteres) blutiges Kapitel im Werden der US-Nation, dessen Nachwirkungen längst nicht Geschichte sind.

Ein Menü mit blauen Bohnen – Lucky Luke 92

Das 92. Album „Ein Menü mit blauen Bohnen“ beinhaltet sieben voneinander unabhängige Geschichten aus fast 40 Jahren (1966 – 2004)! Dementsprechend sind verschiedene Texter beteiligt, darunter der unvergessene René Goscinny, und als Zeichner teilen sich Morris und Achdé den Band. Natürlich kann man auch eine gewisse Weiterentwicklung der Themen, des Erzählstils und der Illustrationen beobachten. Am meisten fällt auf, dass in den späteren Abenteuern der Titelheld nicht mehr raucht, sondern auf einem Strohhalm kaut.

Audie Murphy. Eine Bio- und Filmografie

Das Buch beschreibt Leben und Filmwerk des Kriegshelden und Schauspielers Audie Murphy (1924-1971), der heute weitgehend vergessen ist aber einst den Amerikanischen Traum verkörperte. Tatsächlich war Murphy ein unzugänglicher Mensch, den Kindheitserinnerungen plagten, der für seine Kriegsheldentaten mit lebenslangen Albträumen büßte und dessen Privatleben Unglück und Chaos prägten. Die stets sachliche, gut recherchierte Biografie leidet in erster Linie unter einem unattraktiven Layout, das fälschlich den Eindruck einer Billigproduktion erweckt.