Bermuda

Thomas Finn
Bermuda

Originalausgabe = dt. Erstausgabe [Paperback]: September 2020 (Droemer Verlag)
Covergestaltung: Stefan Hilden, hildendesign.de
Coverabbildung: HildenDesign (unter Verwendung mehrerer Motive von shutterstock.com)
522 Seiten
ISBN 978-3-426-22719-0

von Gunther Barnewald


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Vorab eine freudige Nachricht: Nachdem der Autor ein Jahrzehnt eher suboptimale phantastische Romane geschrieben hat, die vor allem durch unglaubwürdige Wendungen und oft unerträglich klischeehafte Handlungen ‚bestachen‘, ist ihm mit „Bermuda“ endlich wieder ein lesbarer und vor allem (einigermaßen) unterhaltsamer SF- und Horrorthriller gelungen.

Zwar wird auch hier an altbekannten Klischees nicht gespart, aber die Story ist spannend, die Aufdeckung der Rätsel packend, und vor allem fügen sich die einzelnen Puzzleteile hinterher sogar recht gut zusammen.

Wer auf reine Logik und Naturwissenschaft setzt, sollte freilich die Finger von diesem Buch lassen. (Telepathie sollte man als ‚Realität‘ schon mal schlucken.) Dennoch fällt auf, dass die Wendungen der Geschichte nicht so hanebüchen geraten sind, dass man den Roman nach 100 oder spätestens 150 Seiten wutentbrannt und enttäuscht in die Ecke werfen will – eine leider häufige Reaktion bei Romanen von Thomas Finn, der manchmal so begabt und begnadet schreibt wie in „Der Funke des Chronos“, aber dann wieder die erbärmliche geistige Flickenschusterei betreibt, an der man als Leser verzweifelt. „Bermuda“ ist jedenfalls schmissig, unterhaltsam, noch einigermaßen logisch und vor allem nicht zu trivial.

Alles beginnt mit einem ‚unsinkbaren‘ Kreuzfahrtschiff, welches in einem Sturm im Bermuda-Dreieck etwas tut, was eigentlich nicht vorgesehen ist (ta-ta-taaa, große Überraschung!): Es sinkt.

Nur wenige Passagiere und Besatzungsmitglieder – so der Deutsche Alex Kirchner und die mexikanische Servicekraft Itzil Pérez – überleben das Desaster. Sie werden an den Strand einer geheimnisvollen Vulkaninsel angeschwemmt, während das Schiff auf der Seite in der Bucht zum Liegen kommt.

Doch warum hat es bereits Rost angesetzt? Was ist mit den anderen Wracks von Schiffen (darunter ein Segler aus dem 16. Jahrhundert), Flugzeugen und Hubschraubern, die sich auf der Insel finden? Warum kam es an Bord eines kleinen Flugzeugs zu Kannibalismus? Was weiß der geniale brasilianische Ingenieur, den man auf der Insel trifft, und was haben die Soldaten der Navy zur Zeit des Zweiten Weltkrieges entdeckt?

Nahrungsmittelknappheit und Streitigkeiten entzweien die Überlebenden. Als dann fremdartige humanoide Wesen die Menschen nachts angreifen, scheint deren Schicksal besiegelt …

Alte Legenden der Maya und Inka u. a. Völker, das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks: Der Autor lässt kaum einen Als-ob-Mythos aus, aber gerade wenn er wieder zu dick auftragen will, zieht die Handlung an. Man muss auch nicht jede Anspielung ernstnehmen (Roswell bzw. Area 51 sei Dank!).

Insgesamt ist dem Autor ein spannender Phantastik-Roman gelungen – beileibe kein Meisterwerk, aber doch spritzige Unterhaltungsliteratur, lesbar und voller einprägsamer Bilder, flott geschrieben, mit glaubhafter Atmosphäre und einigermaßen interessanten Charakteren.

Copyright © 2020 by Gunther Barnewald

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