Die goldenen Dächer von Lhasa

die-goldenen-dacher-von-lhasaFederica de Cesco
Die goldenen Dächer von Lhasa

Arena Verlag, Würzburg, 1/2009
TB, Jugendbuch, Abenteuer
ISBN 9783401501154
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de

Federica de Cesco ist nicht nur eine Weltenbummlerin, die mehrere Sprachen fließend spricht, sondern auch eine fleißige Kinderbuchautorin. Selbst nach einer Generation werden ihre zeitlosen Werke, die von dem Leben in anderen Kulturen erzählen immer wieder neu aufgelegt, so wie etwa der bereits 1974 erschienene Roman „Die goldenen Dächer von Lhasa“.

Ein junges Mädchen erhält die Aufzeichnungen der Frau, nach der sie benannt wurde, und erlebt so mit, wie ihre Namensschwester Carrie ein großes Abenteuer besteht, das auch tödlich für sie hätte enden können: Diese andere wächst als Tochter eines Arztes und begeisterten Bergsteigers in Darjeeling in Indien, also im Schatten des Himalaya, auf. Zu Beginn des Jahres 1959 muss sie mit dem Verlust ihres Vaters fertig werden, der von einer Bergtour nicht zurückgekehrt ist. Man bietet ihr an, die Ausbildung im College fertig zu machen und dann als Englischlehrerin für die Einheimischen zu arbeiten. Da es kaum andere Möglichkeiten gibt, nimmt das Mädchen erst einmal an.

Im Verlauf des Jahres freundet sie sich mit einer anderen Schülerin an: Karma stammt aus Tibet und ist die Tochter eines Ministers des Dalai-Lama. Sie will ihre Englischkenntnisse verbessern, um ihrem Vater zur Seite stehen zu können. Weil sie Carrie bald sehr gerne mag, lädt sie diese ein, mit ihr zurück nach Llasa zu reisen, um gemeinsam das tibetische Neujahrsfest zu begehen. Das wird für die junge Engländerin eine Reise in eine andere Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Sie beginnt, die Tibeter zu lieben und freundet sich auch mit dem chinesischen Arzt Cheng-Li an, der nicht so arrogant wie die anderen Chinesen ist. Doch gerade als die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht haben, fahren Panzer in der Hauptstadt auf. Die Mädchen entgehen nur knapp dem Massaker, Cheng-Li, der sie gedeckt hat, bleibt zurück. Das ist der Anfang einer entbehrungsreichen Flucht voller Hoffen und Bangen.

Federica de Cesco verbindet nicht zum ersten Mal Zeitgeschichte mit einem typischen Mädchenroman. Neben der Beschreibung der fremdartigen Kulturen, die Carrie kennen lernt, stehen natürlich auch typische Mädchenvorlieben im Vordergrund, speziell die Begeisterung für Pferde und Reiten. Da Mode und Liebe eine eher untergeordnete Rolle einnehmen, wendet sich die Geschichte eher an jüngere Leserinnen um die zwölf Jahre. Dementsprechend niedrig hält die Autorin den Pegel der Gewalt. Sie klammert die gewaltsame Annexion Tibets nicht aus, verzichtete aber darauf, die Massaker und die Grausamkeiten zu beschreiben.

Letztendlich erlaubt sie den Leserinnen noch einmal einen wehmütigen Einblick in eine Kultur, die vor mehr als fünfzig Jahren zerstört wurde und wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren wird. Das macht das Buch zu einem interessanten Streifzug durch die Geschichte und in eine Region, die sonst so gut wie nie Thema von Romanen ist, gerade nicht im Jugendbuch-Bereich. Zwar ist der Verlauf der Handlung für ältere Leser sehr gut durchschaubar, aber das macht die dichte Atmosphäre der Geschichte mehr als wett. „Die goldenen Dächer von Lhasa“ ist ein typischer Roman aus der Feder von Federica de Cesco, der vor allem durch die liebevollen Kulturbeschreibung und die intensive Stimmung punkten kann.

Copyright © 2010 Christel Scheja (CS)
 
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