Mortal Engines – Der grüne Sturm

Philip Reeve:
Mortal Engines – Der grüne Sturm
(Mortal-Engines-Serie, Bd. 3)

Originaltitel: Infernal Devices (2005)
Deutsche Erstausgabe: 2019 (Fischer Verlag/Fischer Tor 70214)
Übersetzung: Nadine Püschel und Gesine Schröder
Cover: Guter Punkt, München, unter Verwendung eines Motivs von Ian McQue
382 Seiten
ISBN-13: 978-3-596-70214-5

von Gunther Barnewald

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Um die abfallende Spannungskurve des zweiten Bandes vergessen zu lassen, bedient sich Autor Philip Reeve hier eines Tricks: Er springt 16 Jahre in die Zukunft und zeigt Tom und Hester als Eltern eines aufsässigen Teenagers. Wren ist in der friedlichen Umgebung von Anchorage, der defekten Traktionsstadt, aufgewachsen. Diese hat ihre letzte Ruhestätte in einem grünen und fruchtbaren Teil des ehemaligen Nordamerika gefunden. In der dortigen Einsamkeit lässt es sich friedlich und komfortabel leben.

Doch Wren langweilt sich und möchte ähnliche Abenteuer erleben wie ihre Eltern. Deshalb ist sie begeistert, als sich einige „verlorene Jungs“, die im fernen England eine Diebesbande aus Kindern und Jugendlichen bilden, heimlich in Anchorage mit ihrem ehemaligen Mitglied Caul treffen. Doch Caul will die Bande nicht unterstützen, die auf der Suche nach einem geheimnisvollen Buch aus Zinn ist.

Deshalb bietet sich Wren an, den Dieben das Buch aus der hiesigen Bibliothek zu beschaffen, wenn diese sie als ‚Bezahlung‘ mit auf ihre Tour nehmen. Doch kaum hat der Teenager das geheimnisvolle Buch gestohlen, überschlagen sich die Ereignisse, und bald ist Wren in mehr Abenteuer verwickelt, als sie je in ihrem Leben erleben wollte …

Teil drei fährt wieder alles auf, was dieses Epos schon im ersten Teil opulent zu bieten hatte: grandiose Ideen, tolle Atmosphäre, interessante Charaktere und vor allem viel, aber wohldosierte Action, die der Autor mit Verve zu inszenieren weiß.
Der Zeitsprung stellt dabei eine Art Jungbrunnen dar, denn der Kampf zwischen den „Traktionisten“, die dem „Städtedarwinismus“ frönen – fahrbare Städte kämpfen miteinander, die Unterlegenen werden ausgeschlachtet, ihre Bewohner als Sklaven verkauft – und denen, welche die Menschen fest ansiedeln wollen, nähert sich dem Finale.

Die Anti-Traktionisten werden vom sogenannten „grünen Sturm“ angeführt. Deren Anführerin ist die maschinelle, fast unsterbliche Wiedergeburt von Anna Fang. Auch die Überreste des Stalkers Shrike wurden exhumiert und wiederbelebt, sodass dieser auf der Seite der Anti-Traktionisten erneut eingreifen kann.

Auf der Gegenseite findet sich neben einigen deutschen Panzerstädten vor allem das eher idyllische Brighton, einst ein englisches Seebad, wieder. Hier will man die Bande der „verlorenen Jungs“ auslöschen, deren unterseeischen Stützpunkt zerstören und den Anführer – den „Onkel“ – entmachten. Bürgermeister und damit Oberhaupt von Brighton ist ein alter Bekannter von Tom und Hester: der verlogene und intrigante Forscher und Bestsellerautor Nimrod Pennyroyal, der Tom einst beinahe tötete und mit beider Luftschiff aus Anchorage flüchtete. So schließen sich die Kreise. Alte Feinde begegnen sich erneut, Fehden werden wieder aufgenommen, neue Protagonisten (Wren, aber auch der junge Fishcake) treten auf.

Auf wunderbaren 380 Seiten erschafft Philip Reeve den bunten und faszinierenden Kosmos einer ‚entgleisten‘ Zukunft, die in der Science Fiction nur selten dermaßen innovativ und abenteuerlich anzutreffen ist. (Spontan fällt mir nur John Brosnans noch genialere Trilogie um die „Himmelsherren“ ein, die Reeves Entwurf übertrifft und eine ähnlich abgefahrene, hochkreative und intelligente Geschichte erzählt).

Es ist schön dass Fischer Tor die vier Bände der Kerngeschichte herausbringt. Drei Prequels und einen Storyband gibt es außerdem; man wünscht sich ihr übersetztes Erscheinen, was aber vom Verkaufserfolg des Ursprungsquartetts abhängt. Daumen drücken und vor allem: Kaufen!

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

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