Nachtschattenwald

Kathrin Tordasi
Nachtschattenwald

Originalausgabe = dt. Erstaushabe: 2021 (Sauerländer Verlag/S. Fischer 2021)
Cover: Isabelle Hirtz, Hamburg (Incraft), u. Maximilian Meinzold
349 Seiten
ISBN 978-3-7373-5812-5

von Gunther Barnewald


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In der nahen Zukunft hat sich das Gesicht der Welt völlig verändert. Berlin ist größtenteils von einem grünen Pflanzendschungel überwuchert. Die wenigen noch lebenden Menschen haben ihre wenigen Refugien der Zivilisation, halten sich aber vor allem nachts von den ‚wilden‘ Regionen des Waldes fern. Handys funktionieren, genauso wie andere Fernmeldetechniken nicht mehr. Niemand scheint zu wissen, was im Rest der Welt vor sich geht.

Als Finn sechs Jahre alt ist und mit seiner dreizehnjährigen Schwester Hannah unterwegs ist, gehen die Geschwister im Nachtschattenwald verloren. Als Hannah Hilfe holen will, verschwindet sie. Finn wird am nächsten Tag im Wald gefunden. Die Erwachsenen erzählen, dass alle im Wald verschwundenen Menschen vom Mondwandler entführt und in dauerhaften Schlaf versetzt werden. Niemand bemüht sich die Vermissten zu suchen, um nicht selbst zu verschwinden.

Sechs Jahre später treffen Finn und seine Freundin Samira auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich vorgenommen haben, den Mondwandler aufzuspüren und zu vernichten. Finn und Samira sind entsetzt, denn sie befürchten, dass bei dem geplanten Brandanschlag auch alle Entführten sterben könnten.

Deshalb beschließen sie, mit Hilfe des Mädchens Elli den Mondwandler früher zu finden und die Schlafenden zu befreien. Mit Hilfe eines seltsamen Frosches, der wie ein Kompass funktioniert, aber nur von Finn bedient werden kann, gelingt es dem Trio tatsächlich den Mondwandler aufzuspüren. Zu spät merken die Jugendlichen, dass sie verfolgt wurden, zumal sie ein Geheimnis entdecken, dass ihr Weltbild für immer gründlich erschüttert …

Tordasis Jugendbuch ist unterhaltsame Lektüre, ‚hängt‘ aber zwischen den Seiten 150 und 200. Erst nachdem die Autorin die Geheimnisse ihrer Welt lüftet und der Leser deren Mysterien enträtseln kann, steigt der Spannungsgehalt der Geschichte wieder rapide an.

Der Autorin gelingt es, das Niveau einer eigentlich diffusen und eher uninteressanten Fantasy-Welt in eine SF-Sphäre zu verwandeln, die uns alle angehen sollte, da sie starke Bezüge zur heutigen Klimaproblematik aufweist. Die naturwissenschaftliche Ausarbeitung einer glaubhaften Zukunftswelt bedeutet, dass sich die erzählte Geschichte an ihrer Glaubwürdigkeit und den naturwissenschaftlichen Details messen lassen muss; eine Herausforderung, der die Autorin gewachsen ist.

Damit erhält die hier beschriebene Welt deutlich mehr Relevanz als eine ‚typische‘, d. h. oberflächliche Fantasy-Welt, die uns gut unterhalten, aber nicht wirklich ansprechen oder gar betroffen machen soll.

Tordasi gelingt es, den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden und stattdessen innovative Ideen zu entwickeln, obwohl diese sich wie schon angemerkt erst jenseits von Seite 200 offenbaren. Dies ist jedoch die einzige Schwäche eines ansonsten unterhaltsamen, intelligenten und phantasievollen Romans, den man Lesern empfehlen kann, die mit den hier geäußerten Ideen etwas anfangen können.

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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