Piratenbraut

piratenbrautJessica Brandon
Piratenbraut

cbt-Verlag, München, 06/2009
TB, Jugendbuch, Abenteuer, Geschichte
ISBN 978-3-570-30603-1
Titelgestaltung von N. N.

www.cbt-jugendbuch.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Beim Stichwort ‚Piraten’ stellen sich die meisten eine verwegene Bande von schrulligen Chaoten vor, die mit Wein, Weib und Gesang magischen Schätzen hinterher jagt und gegen despotische Gesellschaften oder Gouverneure – manchmal gegen noch schurkischere Halsabschneider – kämpft. Dass die Wirklichkeit ganz anders ausgesehen hat und vor allem facettenreicher ist, als man denkt, verraten Sachbücher und Romane, die sich intensiv mit den Freibeutern der Meere beschäftigen und dabei nicht nur auf die gängigen Klischees zurückgreifen. Denn genau so unterschiedlich wie die Männer und Frauen waren, die zu Piraten wurden, sind auch der Umgang der Obrigkeit und der Handelsfahrer mit ihnen. Jessica Brandon entführt auf die kanarischen Inseln des 18. Jahrhunderts. Die Eilande vor der Küste Afrikas sind nicht nur von den Spaniern in Besitz genommen worden, sie dienen auch einem anderen Zweck: als Sprungbrett und Zwischenstation für alle, deren Ziel Amerika oder Asien ist.

Aus diesem Grunde haben die Bewohner auch eine Ahnung von den Gütern, die aus fremden Landen herbei geschafft werden. Und hier können auch diejenigen, die ihren Lebensunterhalt nicht mit ehrlicher Arbeit verdienen, wichtige Informationen sammeln. Davon weiß die junge Sancha allerdings nicht viel. Sie sieht nur, dass ihr glückliches Leben sich dem Ende zuneigt. Da ihre Eltern schon früh bei einem Piratenüberfall starben und sie bei einer verwitweten Tante aufwuchs, kann sie keine Mitgift aufweisen, für die sie ein Mann von besserem Stand heiraten würde. Zudem ist sie hoch gebildet und viel zu klug für eine Frau. Aus diesem Grunde bleibt ihr nur das Kloster. Doch Sancha weiß schon jetzt, dass sie die strenge Zucht und Ordnung nicht lange ertragen wird.

Deshalb erscheint es wie ein Wink des Himmels, als eines Tages ein junger Mann in ihrem Alter auftaucht. Er behauptet, für sich und seinen Kapitän einen Lehrer zu suchen. Sie beide wollen Lesen und Schreiben lernen. Das junge Mädchen ahnt, dass hier etwas nicht ganz stimmt, aber sie sagt trotzdem zu. Auch ihre Tante kann schnell überzeugt werden, denn diese ist selbst in Not, da ihr Mann hohe Schulden hinterlassen hat. Sie schließt sich ihrer Nichte und dem Schiffsjungen Manuel deshalb ebenfalls an. Als beide erkennen, dass sie auf einem Piratenschiff gelandet sind, gibt es leider kein Zurück mehr. So fügen sich die Frauen in ihr Schicksal; die Tante übernimmt die Rolle des Kochs, während Sancha, wie vereinbart, den Kapitän und Manuel unterrichtet. Nach und nach verschaffen sie sich den Respekt der meisten Seeleute und des Kapitäns und finden schließlich heraus, welche Rolle ‚El Moro’ für die kanarischen Inseln eigentlich spielt und warum. Und eines Tages entdeckt Sancha durch Zufall, was den Piratenkapitän antreibt, das Lesen zu lernen.

Eigentlich ist „Piratenbraut“ nicht der passende Titel, denn auch wenn sich eine Romanze zwischen Manuel und Sancha entwickelt, spielt die Liebe eine untergeordnete Rolle in der Geschichte. Stattdessen beschäftigt sich Jessica Brandon viel lieber mit der Schilderung des alltäglichen und nicht ganz so abenteuerlichen Lebens der Piraten, das nur wenigen bekannt ist und das eher belanglos verlief. El Moro macht vielleicht nicht so ertragreiche Beute wie seine Kollegen in der Karibik, aber seine Männer und er haben ein sicheres Auskommen, und die Gefahren beim Überfall auf Handelssegler aus Amerika hielten sich bisher in Grenzen. Um so mehr träumen die Männer natürlich von Goldschiffen und Schätzen, die andere Piraten verborgen haben.

Man erfährt viel vom alltäglichen Leben der Piraten, wie unterschiedlich diese in ihrem Wesen sind, und warum ein redlicher Mann sich dazu entscheidet, Pirat zu werden. Von brutalen Schurken und Halsabschneidern bis hin zu Seemännern, die einfach nur überleben wollen und von ihrem Gewissen gequält werden, gibt es alles. Dazu kommen natürlich ein Mädchen, das auf seine Weise auch eine Außenseiterin ist, und ihre Tante, die sich zwar in ihre Rolle gefügt hat, aber auch noch einmal ausbricht. Sie sind die Beobachter, die den Lesern helfen, sich in der fremden Welt dieser Piraten zurechtzufinden.

„Piratenbraut“ ist bis auf das Ende nicht unbedingt dramatisch oder spektakulär, aber dennoch liebevoll und warmherzig erzählt. Das Buch dürfte vor allem den Lesern gefallen, denen der geschichtliche Aspekt wichtig ist und weniger das Abenteuer oder eine Romanze.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)
 
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