Riptide – Mörderische Flut

Douglas Preston/Lincoln Child
Riptide – Mörderische Flut

Originaltitel: Riptide (New York : Grand Central Publishing 1998)
Übersetzung: Thomas H. Merk
Deutsche Erstausgabe: 2000 (Droemer Verlag)
508 Seiten
ISBN-10: 3-426-19442-2
Neuausgabe: Juli 2001 (Knaur Verlag/TB-Nr. 61914)
508 S.
ISBN-13: 978-3-426-61914-8
eBook: März 2011 (Knaur Verlag)
1472 KB
ISBN-13: 978-3-426-55718-1

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Das geschieht:

1696: Der Pirat Edward „Red Ned“ Ockham überfällt vor der nordamerikanischen Ostküste ein spanisches Schatzschiff. An Bord befindet sich der geniale Architekt Sir William Macallan. Nur ihn verschont Ockham, denn er soll ein Versteck für die Schätze bauen, die der Pirat zusammengerafft hat. Vor der Küste von Maine beginnt Macallan auf der kleinen Insel Ragged Island sein Werk. Der geniale Baumeister ersinnt eine mit Fallen gespickte Schatzgrube, die ohne Kenntnis des Schlüssels nicht betreten werden kann. Da Macallan ahnt, dass Ockham ihn nach Beendigung des Werks umbringen wird, rächt er sich, indem er ihm heimlich einige ganz besonders gemeine Fallstricke einfügt.

Noch Jahrhunderte später bemühen sich Schatzsucher aus der ganzen Welt vergeblich, das Rätsel von Ragged Island zu lösen, Insel und Schatz gelten längst als verflucht. Auch die Familie Hatch hat einen hohen Preis zahlen müssen. Vor dreißig Jahren Jahren schlichen sich die Brüder Johnny und Malin Hatch zur Insel. Sie fanden einen bisher unbekannten Zugang zur Schatzgrube, doch Johnny fiel einer von Macallans Todesfallen zum Opfer.

Malin Hatch wurde ein anerkannter Mediziner und Forscher. Den Verlust des Bruders hat er nie verwunden. Nun stellt sich ihm Kapitän Neidelman vor, dessen Lebenstraum es ist, Ockhams Schatz zu heben. Er verfügt über die Mittel, die Ausrüstung und die Leute, es zu versuchen – und er hat das geheime Tagebuch William Macallans gefunden, das dieser als Ockhams Gefangener geführt hat. Nach anfänglichem Widerstreben schließt Hatch sich Neidelman und seinen Bergungsspezialisten an. Nach anfänglichen Rückschlägen macht die Suche gute Fortschritte – bis sich zeigt, dass der schon dreihundert Jahre tote Macallan noch einige Asse im Ärmel versteckt hält. Im bizarren Labyrinth der Schatzgrube gibt es bald die ersten To¬ten. Hatch rät zum Rückzug, doch Neidelman und seine Crew hat das Goldfieber gepackt. Allen Warnungen zum Trotz graben sie weiter, bis sich Macallans Fluch spät aber umso spektakulärer erfüllt …

Von der „Insel der Eichen“ zur „Insel der Felsen“

„Riptide“ lehnt sich eng an eine reale Geschichte an; Auf der kleinen Atlantikinsel Oak Island vor der Küste Neuschottlands, Kanada, fanden drei Jugendliche, die hier Enten jagen wollten, 1795 eine zugeschüttete Grube und zurückgelassenes Werkzeug, dessen Alter man auf etwa ein Jahrhundert schätzte. Diesen Aufwand hatte jemand sicherlich nicht umsonst getrieben, weshalb man davon ausging, dass hier etwas Wertvolles vergraben wurde. Dass Piraten im Spiel waren, war eine Theorie, die sich rasch selbstständig machte.

In den folgenden Jahren setzten aufwändige, letztlich aber ergebnislose Versuche ein, den vermuteten Schatz in der Erde zu bergen. Der Prolog, mit dem Preston und Child ihren Roman einleiten, ist faktisch eine Zusammenfassung tatsächlicher Ereignisse. Dann wird die Geschichte aller¬dings fiktiv, denn bis heute ist es niemandem gelungen, auch nur in die Nähe des sagenhaften Schatzes zu kommen. Auch die Historiker tappen noch völlig im Dunkeln, was den wahren Erfinder der genialen Gruben-Konstruktion angeht. Douglas Preston schloss sich ihnen zumindest journalistisch an. Er bereiste Oak Island 1988 und schrieb einen vielbeachteten Artikel für das „Smithsonian Magazine“.

Piraten, vergrabene Schätze, Labyrinthe voller Todesfallen, Skelette, uralte Flüche – kann man sich eine Ansammlung abgedroschenerer Klischees vorstellen? Falsche Frage! Gibt es etwas Spannenderes? Nein! „Riptide“ – das Wort bezeichnet eine gefährliche Rückströmung auf dem Meer – ist buchstäblich ein Seemannsgarn, gesponnen von zwei ausgefuchsten Meistern der populären Unterhaltung. Wie das häufig so ist, fragt man sich nach der Lektüre dieses Buches, wieso vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist, das Rätsel von Oak Island als Aufhänger für eine Geschichte zu wählen, denn ein idealeres Fundament lässt sich schwer vorstellen. (Fünf Jahre nach „Riptide“ kam übrigens der erste Teil der Filmserie „Pirates of the Carribean“ – dt. „Fluch der Karibik“ – in die Kinos dieser Welt, deren Fortsetzungen diese weiterhin ebenso einfältig wie erfolgreich heimsuchen.)

Segelschiff-Grips gegen digitale Wunder

Preston und Child bringen das ehrwürdige Genre des Abenteuer-Romans auf den neue¬sten Stand. Ihre Schatzgräber rücken der verfluchten Insel mit allen Wundermitteln zu Leibe, die Wissenschaft und Technik zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufbieten kön¬nen. Den Autoren gelingt es, Geheimnis und High-Tech in Einklang zu bringen. Die entstandene Geschichte reiht sich in diese Serie von Werken ein, die als „Science Thriller“ längst ein eigenes Genre bilden.

Bei aller Hochspannung weist „Riptide“ leider einige blinde Flecken auf, die lästig dort dem Leser aufstoßen, wo Figuren gezeichnet werden. Wieso verwandelt sich Kapitän Neidelman, den die Autoren als besonnenen Bergungsfachmann mit jahrzehntelanger Erfahrung einführen, praktisch von einem Moment zum anderen in einen schäumenden, mordlustigen Irren? Ist es eigentlich eine unumstößliche Regel, dass sobald irgendwo ein Schatz gehoben werden soll, ein fanatischer Priester auf der Bildfläche erscheint, der einen Feldzug gegen solches aus immer unerfindlichen Gründen sündhafte Tun anzettelt? Wie kommt Dr. Hatch zu seinem Ruf als Medi¬ziner, wenn selbst der dümmste Leser schon hundert Seiten vor ihm weiß, dass radio¬aktive Vergiftung die Schatzsuchern mattsetzt?

Ein wenig übel nimmt man schließlich die allzu gefällige Auflösung des Abenteuers auf. In der zusammenstürzenden Grube kämpfen die ‚Guten‘ mit den ‚Bösen‘ und um ihr Leben, während unter ihnen Ockhams Schatz in einem gähnenden Abgrund versinkt und über ihren Köpfen ein Gewittersturm wütet. Auf der Leinwand würde das sicher toll aussehen, aber eine Überraschung ist dieser Schluss nicht.

Von solchen Einschränkungen abgesehen, verfliegt die Zeit bei der Lektüre dieses Romans wie im Fluge. „Riptide“ raubt seinen Lesern die Nachtruhe, weil es schwer ist sich loszureißen, sobald einen die trotz ihrer Mängel gut gestrickte Geschichte erst einmal in ihren Bann gezogen hat.

Autoren

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte ausgiebig, nämlich Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und Englische Literatur. Erstaunlicherweise immer noch jung an Jahren, nahm er anschließend einen Job am „American Museum of Natural History“ in New York an. Während der Recherchen zu einem Sachbuch über „Dinosaurier in der Dachkammer“ – gemeint sind die über das ganze Riesenhaus verteilten, oft ungehoben gebliebenen Schätze dieses Museums – arbeitete Preston bei St. Martin‘s Press von einem jungen Lektor namens Lincoln Child zusammen. Thema und Ort inspirierten das Duo zur Niederschrift eines ersten Romans: „Relic“ (1994; dt. „Das Relikt – Museum der Angst“).

Wenn Preston das Hirn ist, muss man Lincoln Child, geboren 1957 in Westport, Connecticut, als Herz des Duos bezeichnen. Er begann schon früh zu schreiben, entdeckte sein Faible für das Phantastische und bald darauf die Tatsache, dass sich davon schlecht leben ließ. So ging Child – auch er studierte übrigens Englische Literatur – nach New York und wurde bei St. Martins Press angestellt. Er betreute Autoren des Hauses und gab selbst mehrere Anthologien mit Geistergeschichten heraus. 1987 wechselte Child in die Software-Entwicklung. Mehrere Jahre war er dort tätig, während er an den Feierabenden mit Douglas Preston an „Relic“ schrieb. Erst seit dem Durchbruch mit diesem Werk ist Child hauptberuflicher Schriftsteller. (Douglas Preston ist übrigens nicht mit seinem ebenfalls schriftstellernden Bruder Richard zu verwechseln, aus dessen Feder Bestseller wie „The Cobra Event“ und „The Hot Zone“ stammen.)

Selbstverständlich haben die beiden Autoren eine eigene Website ins Netz gestellt. Unter „www.prestonchild.com“ wird man großzügig mit Neuigkeiten versorgt (und mit verkaufsförderlichen Ankündigungen gelockt).

Der Hintergrundinformation dient diese Website.

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