Schuldig – Die dunklen Fälle des Harry Dresden 8

Jim Butcher
Schuldig
Die dunklen Fälle des Harry Dresden Band 8

(sfbentry)

Feder & Schwert Taschenbuch (2011)
608 Seiten, ISBN 978-3-86762-102-1
Originaltitel: Proven Guilty
Übersetzung: Dominic Heinrici
Lektorat: Oliver Hoffmann
Korrektorat: Melanie Vajda
Illustration: Chris McGarth

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Nach seinem letzten großen Abenteuer, wird es für Harry Dresden diesmal ziemlich persönlich und der magiebegabte Detektiv sitzt mal wieder zwischen allen Stühlen. Da muss er sich auf einem Horrorfilmfestival mit scheinbar lebendig gewordenen Monstern herumschlagen, sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen, sich alten Freunden stellen und dafür Sorge tragen, dass ihm sein Kopf keinen Strich durch die Rechnung macht. Als wäre das nicht genug, muss er als Wächter für den Weißen Rat agieren und nebenbei auch noch auf einen Teenager acht geben. Da liegt es auf der Hand, dass sich einige Sachen überschneiden und es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Situation eskaliert. Und dann, genau dann, wird es erst richtig kompliziert …

Das sich der Verlag Feder & Schwert der Reihe „Harry Dresden“ angenommen hat, ist für alte und neue Fans eine wirklich runde Sache. Jim Butchers Held wider Willen kann so weiterhin auf dem deutschen Markt sein Unwesen treiben und für spannende Unterhaltung sorgen. Allerdings geht es in Band 8 etwas ernster zu Sache. Während es im vorherigen Buch („Erlkönig“, Feder & Schwert 2011) zeitweise recht humorvoll war, wirkt „Schuldig“ um einiges düsterer. Zwar gibt es noch immer Stellen an denen geschmunzelt werden muss, aber das liegt an den meist zynischen Sprüchen, die Romanheld Harry Dresden auf den Lippen hat. Wie auch sonst sollte er mit manch abstrusen Situationen umgehen?

Hier kommt ein weiterer Aspekt des Romans zum Vorschein. Die Absurdität der Situation, das Phantastische, eingehüllt in den Mantel der Normalität. Das wird bereits anfangs sehr deutlich, wenn Harry Dresden, in seiner Funktion als Wächter, einer Hinrichtung beiwohnen muss, die Versammlung kurz darauf die Mäntel ablegt und darunter normale, bürgerliche Menschen zum Vorschein kommen. Das ist ein starker, ein heftiger Kontrast. Hier wird schon eingeläutet, was sich durch den ganzen Roman zieht: Die moralische Frage nach Gut und Böse, nach Schwarz und Weiß, nach Anstand und Moral, nach Gerechtigkeit und Legitimation. Harry Dresden bewegt sich in einer Grauzone, die immer dunkler wird. Und das wird von Jim Butcher gnadenlos forciert.

Die größte Stärke des Autoren ist dabei, dass er seine Figuren einfach beschreibt und nachvollziehbar agieren lässt. Harry, seine Freunde und Feinde wirken authentisch, bringen Farbe ins Leben. Zwar sind die Männer ganze Kerle und die Frauen verdammt heiß, aber trotzdem wirkt alles glaubhaft, denn die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das stellt Butcher klar. Seine Figuren haben alle einen Makel, und sei es ein noch so kleiner, mag er nun körperlich oder seelisch sein. Hier zeigt sich ein weiterer Aspekt, den Butcher ausleuchtet, zum Thema macht. Jim Butcher erzählt mit seinen phantastischen und abenteuerlichen Geschichten von der Menschlichkeit und dem ewig Menschlichen. Und alles in einer gewaltigen Kulisse aus Grusel, Fantasy, Action und – zu guter Letzt – Liebe.

Schön ist hier, dass Jim Butcher eine außergewöhnlich flotte Schreibe besitzt, die in der Übersetzung durch Dominic Heinrici nie an Fahrt verliert. Es gibt keine großartigen Stilblüten oder sperrige Passagen, in denen sich die Hirnwindungen verdrehen und den Leser mit einem brummenden Kopf ausspucken. Nein, „Schuldig“ ist Trivialliteratur, ist schnell und leicht zu lesen, verführt dazu, in einem durchgezogen zu werden. „Schuldig“ ist textliches Ecstasy, eine Droge, ein Rausch. Und trotzdem geht die Handlung in die Tiefe, bietet Subebenen an, auf denen sich der Leser bewegen kann. Aber das ist kein Zwang, sondern nur ein Angebot. Die Geschichte und die Handlung zu reflektieren, ist allerdings ein Teil des großen und ganzen Spaßes.

Jim Butcher hat – mal wieder – einen tollen Roman abgeliefert. Die Übersetzung und Überarbeitung von Feder & Schwert liest sich dabei sehr gut, von kleineren Fehlern abgesehen (Buchstabendreher, Leerzeichen zu viel). Einzig störend ist nur das Wort „Knet“, das für „Knete“ verwendet wird. Scheinbar ist hier eine persönliche Kurzform von „Knetmasse“ eingeflossen und dem Korrektorat durch die Lappen gegangen. Jedenfalls wird das Wort „Knet“ mehrmals verwendet. Da stockt der Lesefluss doch für einen Wimpernschlag.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass „Schuldig – Die dunklen Fälle des Harry Dresden Band 8“ mal wieder ein spannender Knaller ist, in dem viel von Harry Dresdens Privat- und Gefühlsleben offengelegt wird. Für Fans der Reihe natürlich ein Muss, aller anderen die das Genre mögen, sollten unbedingt hineinlesen. Auch für Quereinsteiger geeignet.

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