Lone Wolf & Cub 27

lone-wolf-cub-27Kazuo Koike
Lone Wolf & Cub 27

Japan, 1995
Panini Comics, Stuttgart, 5/2009
TB, Manga, Historie, Action, Samurai
ISBN 9783866077201
Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand
Titelbild von Guy Davis & Vince Locke
Zeichnungen von Goseki Kojima

www.paninicomics.de
http://www.koikekazuo.jp/english/english.html
www.guydavisartworks.com
http://voncelocke.com
www.tv-asahi.co.jp/kozure2/

Achtundzwanzig Bände mit jeweils um die 300 Seiten umfasst das preisgekrönte Samurai-Epos „Lone Wolf and Cub“ von Kazuo Koike und Goseki Kojima. Wie keine andere Saga um die Standes bewussten und nach strengen Regeln lebenden Krieger Japans geht sie auf deren Kodex ein und stellt auch die Lebenswelt der einfachen Menschen dar. Die Geschichte um den durch eine heimtückische Intrige zum heimatlosen Vagabunden gewordenen Mann an der Seite des Shogun ist jedenfalls keine leichte und humorvolle Unterhaltung. Zwar gibt es die eine oder andere Stelle zum Schmunzeln, aber auf der anderen Seite dominieren ernste Bedrohungen und Gefahren, düstere Erkenntnisse und die Tatsache, dass man nur wenigen Menschen wirklich sein Leben anvertrauen kann.

Im vorletzten Band warten Ogami Itto alias Kozure Ogami und sein Sohn Daigoro auf das letzte Duell mit Yagyû Retsudô. Vier Jahre hat er gebraucht, um den Anführer des Clans, der ihm Stellung, Frau und Besitz genommen hat, in diese Position zu drängen. Zwar haben die beiden Männer schon einmal die Klingen gekreuzt, aber eine Flutkatastrophe machte es ihnen unmöglich, den Kampf fort zu setzen.

Nun warten er und das Kind darauf, dass der alte Mann zu ihnen zurückkehrt. Die Zeit wird ihnen nicht lang, denn Flüchtlinge, die die Flutkatastrophe überlebt haben, nehmen sie ohne Ansehen der Person in ihrer Mitte auf. Vor allem der kleine Junge erlebt noch einmal einige Momente des Glücks. Derweil hat der Vorkoster Abe-no-Kaii, der in den Besitz der von Ogami beschafften Yagyû-Briefe gekommen ist, den Herrn der Yagyû des Verrats beschuldigt. Der Shogun lässt Retsudô erst einmal unter Arrest stellen, denn der Vorkoster stirbt, ehe er seine Anschuldigungen zementieren kann. Auch in der Gefangenschaft bleibt der alte Mann nicht untätig, denn er hat längst noch nicht alle Karten ausgespielt. Er lässt die letzten Getreuen im ganzen Land zusammenrufen und trägt ihnen auf, Ogami Itto zu töten, während er selber einen bösen Plan ersinnt, um den Shogun zu täuschen und wieder auf seine Seite zu bringen. Dabei ist ihm keine noch so heimtückische List zu schade.

Und während er den Reumütigen mimt und den Herrscher aus dem Haus der Tokugawa nachdenklich macht, zieht sich die Schlinge um den einsamen Wolf und sein Kind zusammen. Wie auch in vielen anderen Bänden der Serie mischen sich dynamisch gezeichnete und manchmal recht schonungslose Darstellungen von Kampf und Mord mit lebendigen Alltagsschilderungen, kleinen Anekdoten und Andeutungen auf historische Geschehnisse. Man merkt, dass die Saga in der Edo-Zeit spielt, einige Jahrzehnte nachdem die Tokugawa an die Macht genommen sind und Ausländern verboten haben, das Land zu betreten.

Zwar ist Ogami Itto ein unbesiegbarer Kämpfer, aber anders als in anderen Samurai-Mangas gibt es hier kein Pathos sondern nüchternen, manchmal bitteren und grausamen Realismus. Siege werden nicht in den Himmel gejubelt, sondern zwiespältig dargestellt. Dem Helden ist immer bewusst, dass auch er ein Mörder ist und nicht nur seine Feinde. Dazu kommt, dass viele Bösewichte nicht wirklich finster und unbelehrbar sind. Die meisten von ihnen haben eine eigene Geschichte, die ihr Ableben oftmals sehr viel tragischer wirken lässt, als man zunächst vermutet hätte.

Dazu erfährt man einiges über die Einstellung der Samurai zu Leben und Ehre, die Gesellschaft im späten 17. Jahrhundert und warum viele Intrigen im Land der aufgehenden Sonne anders ablaufen, als man es von Europa her kennt. Alles in allem wird man immer wieder zum Mit- und Nachdenken gezwungen und kann in eine gänzlich andere Gedankenwelt eintauchen. Vertieft man sich in sie, versteht man schon bald, warum sie auch in der westlichen Welt, so in Amerika, einen gewissen Kultstatus besitzt.

Trotzdem ist „Lone Wolf and Cub“ niemals langatmig oder gar langweilig. Der Autor und der Künstler wissen genau, wie sie Action und Drama gewichten müssen. Und auch die Übersetzung kann sich sehen lassen, ist John Schmitt-Weigand doch nicht nur ein Fachmann in Sachen Sprache sondern auch Geschichte und liefert viele weitergehende Informationen zu Begriffen, Namen, Themen und Bräuchen. Mit Recht kann man „Lone Wolf and Cub“ als Klassiker des Manga betrachten, der auch literarische Qualitäten besitzt. Aus diesem Grund ist die Reihe auch und vor allem für ältere Leser interessant, die zum einen Interesse an der japanischen Geschichte haben, auf der anderen Seite aber auch Comic-Lektüre mit ein wenig Tiefgang mögen. (CS)

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