M – Eine Stadt sucht einen Mörder

m-eine-stadt-sucht-einen-morderJon J. Muth & Fritz Lang
M – Eine Stadt sucht einen Mörder

M, USA, 2008
Nach dem Drehbuch des Filmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder
 von Fritz Lang und Thea von Harbou (1931)
Cross Cult, Ludwigsburg, 6/2009
HC, Graphic Novel im Comicformat, Krimi, Drama
ISBN 9783941248205

Aus dem Amerikanischen von Jochen Ecke
Titelillustration und Zeichnungen von John J. Muth

www.cross-cult.de
www.jonjmuth.com/

Fritz Lang war in mehr als nur einer Hinsicht ein visionärer Pionier und Filmemacher. Nach dem utopischen SF-Klassiker „Metropolis“ entstand nur ein paar Jahre später und als einer der ersten deutschen Tonfilme „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, in dem er den Mythos vom schwarzen Mann real machte. Nicht länger waren brutale Serienkiller nur der Realität und der Sensationspresse vorbehalten, sie bekamen auch im Kino durch den jungen Peter Lorre erstmals Gesicht und Stimme. Und der 1931 veröffentlichte Film überschritt ein weiteres Tabu: Erstmals waren Kinder die Opfer von Besessenheit und Gier. Eine bedrückende graue Stimmung liegt über einer europäischen Großstadt, irgendwann gegen Ende der 1920er Jahre. Allein die Kinder versuchen, sich durch Spiele aufzumuntern, aber ihre Lieder schrecken die Erwachsenen noch mehr auf. Konnte man seinen Nachwuchs zuvor noch damit erschrecken, dass der ‚Schwarze Mann’ kommen und sie holen würde, so ist das inzwischen bittere Realität geworden.

In der letzten Zeit sind immer wieder Kinder spurlos verschwunden, und es wird sogar gemunkelt, dass man ihre Leichen gefunden habe. Genaueres weiß man aber nicht, da die Polizei nichts nach außen dringen lässt. Dort ist man selbst ratlos, denn mit einem solchen Fall ist man bisher noch nicht konfrontiert worden. Zwar klappert man die üblichen Verdächtigen ab und zieht in den zwielichtigen Vierteln mehr Razzien als sonst durch, aber finden können sie keinen Schuldigen. Da sie sich zu sehr bedrängt fühlen und nur noch möchten, dass wieder Ruhe einkehrt, kommen die Diebe, Bettler und sonstigen Verbrecher zusammen, denn in diesem Fall ist man sich einig. Man will den Außenseiter finden, der diese Morde begeht. Und so entwickelt die Unterwelt einen ausgeklügelten Plan, um den wahren Mörder zu finden. Tatsächlich gelingt es einem Taschendieb, einen unauffälligen jungen Mann bei frischer Tat zu beobachten und zu markieren. Und so beginnt die Hetzjagd auf den von nun an mit einem „M“ gebrandmarkten Unbekannten…

Wer den Film gesehen hat, kann feststellen, wie genau sich Jon J. Muth an das Drehbuch und die Bildsprache des Films gehalten hat. Schon alleine die fotorealistischen Zeichnungen atmen die Atmosphäre, die der Film auf heutige Zuschauer haben dürfte. Leicht vergilbt und unscharf werfen sie einen Blick auf eine unwirkliche und fremde, graue Welt der Angst und Depression, spielen wie die Schwarz-Weiß-Filme mit Licht und Schatten und entwickeln eine ganz eigene Bildsprache. Die Geschehnisse nehmen einen sehr ruhigen und fast schon unspektakulären Verlauf, tatsächlich aber kommt es nicht auf die Action an, sondern eher auf die intensive und eindringliche Atmosphäre, die zeigt, wie sich die Stimmung von Fassungslosigkeit und Angst schließlich in Wut verwandelt und am Ende sogar die Polizei zum Retter des Schuldigen macht.

Wie der Film ist auch die Graphic Novel ein eher schweres Kaliber. Sie arbeitet mit unterschwelligen Hinweisen, stellt Moral und Gerechtigkeit in Frage und überlässt es dem Zuschauer, ob er den Mörder als Bestie oder als Opfer der Umstände sehen möchte. Die Atmosphäre der Depression in den frühen 1930er kommt sehr gut zum Tragen, ebenso wie die Hilflosigkeit der Menschen, die zum ersten Mal mit einem solchen Verbrechen konfrontiert werden. Und auch der moderne Leser kann sich fragen, wie er sich in diesem Falle verhalten würde, denn man kommt sehr schnell dazu, sich mit den Jägern zu solidarisieren.

Ergänzt wird der Band noch durch Essays zum Thema, das später nur ein weiteres Mal in „Es geschah am helllichten Tag“ aufgegriffen wurde, zu dem Film, seiner Entstehungsgeschichte und seiner Wirkung auf die Zuschauer und die Umsetzung in die Graphic Novel. Das macht „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu einer Geschichte, die gerade in der heutigen Zeit, in der immer offener über Kindesmissbrauch und Mord durch männliche Straftäter berichtet wird, aktueller ist denn je.

Christel Scheja (CS)
 
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M – Eine Stadt sucht einen Mörder

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