Männerheld

Katja „Libby Reads“ Kober
Männerheld
Steiner-Brothers 2

Cursed Side, München, 04/2012
TB, dt.  Illustrated Novel, Gay Romance, Drama
ISBN 978-3-942451-09-3
Titelillustration, 14 SW-Illustrationen und Skizzen im Innenteil von Janine Sander
Leseempfehlung: Ab 16 Jahre!

www.cursed-side.de
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http://arnienna.livejournal.com/
http://mrsrabbit.deviantart.com/

Titel erhältlich bei Amazon.de

Abel Steiner setzte schon als Kind seinen Kopf durch und sonnte sich in der Bewunderung anderer. In der Pubertät kam er mit seiner Freundin weniger zurecht als mit einem Kameraden aus dem Fußball-Verein. Statt jedoch zu seinen Gefühlen zu stehen, leugnete Abel eine Liebe, die erwidert wurde, und gab dadurch mehr als einen guten Freund auf. Als junger Erwachsener bewährte sich Abel in der Firma seines Vaters und fing eine Beziehung mit seinem Kollegen Max Arndt an, verlor diesen jedoch an seinen jüngeren Bruder Noah. Seither hadert Abel mit seinem Schicksal, ist er doch ein toller Hecht, besser als die anderen, und wenn etwas schief geht, dann trifft die Schuld niemals ihn. Er jagt von einem One-Night-Stand zum anderen, bis ihm der attraktive Student Levi begegnet, der sich überhaupt nichts von Abel gefallen lässt – im Gegenteil. Immer wieder laufen sich die beiden über den Weg und machen einander durch Gemeinheiten das Leben schwer, bis sie schließlich miteinander im Bett landen, weit davon entfernt, einander zu verstehen und ehrlich zu sein …

„Männerheld“ ist nach „Harlekin“ der zweite in sich abgeschlossene Gay Romance-Roman von Katja „Libby Reads“ Kober, der sich mit den Amouren der „Steiner-Brothers“ befasst. Standen im Debut-Band Noah und Max im Mittelpunkt, die einen langen Weg gehen und Familiengeheimnisse aufdecken mussten, bevor sie sie Glück finden durften, ist nun der ‚Unsympath‘ Abel an der Reihe, dessen Image aufgebessert werden soll, indem seine Sicht der Dinge in den Fokus gerückt wird. Das gelingt jedoch überhaupt nicht, denn Abel ist ein Narziss, ein von sich eingenommener Egoist, den man selbst dann nicht mag, wenn man ihm etwas Mitgefühl ob der Gemeinheiten von Levi und einiger unglücklicher Entwicklungen entgegenbringt. Die Geschehnisse werden aus seiner Perspektive geschildert – und das ist die eines ‚Arschlochs‘. Wer Abel freundlich begegnet, wird von oben herab behandelt, ausgenutzt, gedemütigt. Kein Wunder, dass sich Max einem anderen zuwendet. Die seltenen Verlustängste von Abel sind dann auch meist nur Prestigeprobleme. Tatsächlich hat er bloß ein einziges Mal wirklich geliebt und diese Liebe verleugnet. Der Zufall offeriert zwar eine zweite Chance, aber ist diese nach so vielen Jahren reell? Und was ist mit Levi, von dem Abel nicht loskommt, obwohl dieser bereits einen anderen love interest hat?

Die Autorin wechselt regelmäßig zu Ereignissen, die in der Vergangenheit stattfanden, um Abels Charakter zu definieren, seine Motive zu begründen und der Handlung etwas Spannung zu verleihen. Das liest sich zeitweilig etwas verwirrend, da Dinge thematisiert werden, die mal weiter zurückliegen oder erst vor kurzer Zeit passierten, und nicht immer ist gleich der Sinn dahinter nachvollziehbar. Völlig unnötig ist Abels Raserei unter Alkoholeinfluss, die zu einem Unfall führt und zunächst offen lässt, ob er diesen überlebt bzw. in welcher Verfassung. Der Vorfall hat keinen nennenswerten Einfluss auf den Handlungsverlauf, sondern unterstützt noch den negativen Eindruck, den man von der Hauptfigur hat. Tatsächlich verfolgt man die Geschichte nicht ganz so interessiert wie „Harlekin“, weil Abel keine Person ist, mit der man leiden möchte, und weil auch Levi nicht sonderlich nett ist. Die anderen Charaktere, die man teilweise schon kennt, haben bloß kleine Rollen inne und fungieren meist als Mahner und Vermittler, ohne für große Überraschungen sorgen zu können.

In Konsequenz ist man doch etwas enttäuscht. Die Autorin schreibt durchaus flüssig, unterhaltsam und routiniert, doch misst man „Männerheld“ zwangsläufig an „Harlekin“. Natürlich kann man nicht immer eine Steigerung erwarten, doch „Männerheld“ hat einfach nicht das, was sich viele romantische Leserinnen wünschen, nämlich liebenswerte Hauptfiguren und eine Handlung, die aus dem Saulus nachvollziehbar und auf spannende Weise einen Paulus macht. Man sollte ein wenig in dem Buch blättern, denn solche ‚Anti-‘ … äh … „Männerhelden“ treffen nicht den Geschmack von jeder Frau, die Boys Love in ihren diversen Varianten liest.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de

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