Monster 4

Naoki Urasawa
Monster 4

Japan, 1995
EMA, Köln, 6/2003
TB, Manga, Psycho-Thriller, 978-3-89885-683-6, 200/650
Aus dem Japanischen von Mario Hirasaka
www.manganet.de

(sfbentry)

Jahre nachdem Dr. Kenzo Tenma einem kleinen Jungen durch eine komplizierte Operation das Leben rettete, muss er erkennen, dass seine gute Tat nur Böses zur Folge hatte: Johann entpuppt sich als ein wahres Monster, dessen Pfad von Leichen gesäumt ist. Um seinen Fehler zu korrigieren, lässt sich Tenma von einem Söldner alles beibringen, was man können muss, um einen anderen Menschen zu töten.

Unabhängig von ihm sucht auch Nina nach ihrem Bruder, denn er hat ihre Adoptiveltern ermordet. Sie hofft, an ihn heran zu kommen, indem sie sich mit dem zwielichtigen Babyface trifft. Während sie in dessen Haus wartet, hört sie die Hilferufe einer eingesperrten Prostituierten, von der sie erfährt, welche schrecklichen Pläne Babyface und seine Kumpanen ausgeheckt haben: Sie wollen ein Viertel mit hohem Ausländeranteil in Brand stecken.

Unterdessen wird Tenma zu General Wolf gebracht, der Johanns Fähigkeiten als erster erkannte und längst begriffen hat, dass sein Zögling aufgehalten werden muss. Die Hinweise, dass der junge Mann unter einer gespaltenen Persönlichkeit leidet, verdichten sich.

Spannend geht die Jagd weiter. Man fühlt sich wie in einem Film. Wechselnde Handlungsebenen mit vielen – und nur notwendigen – Protagonisten ergänzen einander und liefern dem Leser immer neue Puzzlestücke. Zwar weiß man, dass Johann ein skrupelloser Killer ist, doch die wahren Ausmaße seines Handelns zeichnen sich erst nach und nach ab, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Das „Monster“ ist hochintelligent und allen immer einen Schritt voraus. Wer mit ihm in Berührung kam, vergisst ihn nicht und trägt schwer an den Folgen, falls er das Treffen überlebte.

Allerdings ist Johann nicht der einzige Verbrecher, der aufgehalten werden muss. Geschickt nutzt er den Fanatismus ausländerfeindlicher Gruppen, die nach seinen Plänen einen Stadtteil, der fast nur von Türken bewohnt wird, in Schutt und Asche legen sollen. Nina und Tenma erfahren davon und setzen alle Hebel in Bewegung, um die ahnungslosen Leute zu warnen und die Brandstifter rechtzeitig zu finden. Darüber lassen sie sogar die Chance aus, Johann aufzustöbern, und beweisen, dass sie im Gegensatz zu ihm ihre Menschlichkeit noch nicht verloren haben.

Die Situation wird ohnehin noch komplizierter. Wenn es stimmt, dass Johann schizophren ist, dann wäre er als Kranker für seine Taten nicht verantwortlich. Ist es immer noch richtig, ihn unter diesen Umständen töten zu wollen? Sollte man ihm nicht besser zu helfen versuchen? Das sind jedoch Fragen, die erst beantwortet werden können, nachdem man des „Monsters“ habhaft wurde – und bis dahin ist noch ein langer Weg.

Die Geschichte wird in realistischen Bildern erzählt, für die tatsächlich existierende Orte als Vorlage dienten. Die Handlung spielt in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden und Dortmund. Wer aus der Region stammt, wird gewiss die eine oder andere Lokalität wieder erkennen. Auch das macht einen Teil des Reizes dieser Serie aus.

„Monster“ ist ein faszinierender, realistischer Psycho-Thriller mit interessanten Charakteren und reichlich Lokalkolorit, der sich an ein reifes Publikum wendet. Wer Serien wie „Homunculus“ oder „Anne Freaks“ schätzt, wird auch von diesem Titel bestens unterhalten. (IS)

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Monster, Bd. 4: Ayses Freundin

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