Monster 8: Mein namenloses Idol

Naoki Urasawa
Monster 8: Mein namenloses Idol, Japan, 1998

EMA, Köln, 1. Auflage: 1/2004
TB, Manga, Psycho-Thriller, 978-3-89885-687-4, 206/650 (sfbentry)
Aus dem Japanischen von Mario Hirasaka

www.manganet.de

Endlich ist es dem Arzt Kenzo Tenma gelungen, das „Monster“ Johann aufzuspüren. Sein ehemaliger Patient ist inzwischen ein erwachsener Mann, dessen Pfad eine blutige Spur quer durch Deutschland hinterlassen hat. Nicht nur an seinen einstigen Peinigern hat er sich gerächt, sondern jeden aus dem Weg geräumt, der für ihn und seine Pläne eine Bedrohung hätte darstellen können.

Um dem Morden ein Ende zu bereiten, will Tenma Johann bei einer öffentlichen Feier erschießen. Seine Freunde möchten ihn davon abhalten, damit er nicht selbst zum Mörder wird, doch wie sollen sie das anstellen, wenn sie nicht einmal wissen, wo er sich verbirgt?

Dass es gar nicht so leicht ist, jemanden umzubringen, erst recht nicht für jemanden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Leben zu retten, wird Tenma langsam bewusst. Allerdings will er seine Schwäche überwinden.

Unterdessen fällt Johann in einer Bibliothek ein altes Kinderbuch in die Hände. Unvermittelt beginnt er zu weinen und bricht zusammen…

Der Psycho-Thriller „Monster“ nähert sich einem ersten großen Höhepunkt:

Tenma hat Johann gefunden, und er scheint sogar die Gelegenheit zu bekommen, den Massenmörder unschädlich zu machen. Doch der Preis, den Tenma dafür zahlen muss, ist hoch. Nachdem er fälschlich des Mordes beschuldigt wurde, würde ihn eine solche Tat wirklich zu einem Verbrecher machen.

Man darf spekulieren, ob er im entscheidenden Moment abdrücken kann oder ob seine Skrupel stärker sind. Immer wieder zeigen kleine Szenen, dass Tenma mit Leib und Seele Arzt ist und Leben bewahren will, selbst wenn ihm sein Eingreifen Zeit kostet und es die Polizei auf seine Spur bringt. Der innerliche Konflikt droht, ihn zu zerreißen.

Auch Johann scheint den einen oder anderen wunden Punkt zu haben. Die Psychologen vermuten, dass er eine gespaltene Persönlichkeit besitzt. Während ein Teil für das Töten verantwortlich ist, wünscht der andere Hilfe. Was mag das für ein Buch gewesen sein, das Johann so zusetzte? Was hat er gesehen? Welche Erinnerungen wurden wach?

Die Handlung ist spannend und dramatisch. Zwischendurch nimmt Naoki Urasawa immer mal das Tempo heraus, um den Höhepunkt ein wenig aufzuschieben. Die entsprechenden Szenen sind allerdings keine Füllsel, sondern beleuchten die realistisch aufgebauten Charaktere und ihre Motive und enthalten weitere Hinweise, die man wie Puzzlestücke dem Gesamtbild hinzufügen darf.

Die Geschehnisse spielen momentan in München, und wer mit der bayerischen Metropole vertraut ist, wird Plätze und Gebäude wieder erkennen. Auch dieses Lokalkolorit verleiht der Serie einen ganz besonderen Reiz.

„Monster“ wendet sich an ein reiferes Publikum, das Freude an weniger verbrauchten Themen und an anspruchsvoller Unterhaltung hat. Konnten Titel wie „Ring“, „Homunculus“ oder „Holiday“ fesseln, dann sollte man auch in diese Reihe unbedingt hinein schauen. Da die Geschehnisse aufeinander aufbauen, empfiehlt es sich, die Lektüre bei Bd. 1 zu beginnen. (IS)

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Monster, Bd. 8: Mein Namenloses Idol

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