Only Words

Tina Anderson & Caroline Monaco
Only Words

USA, 2007
The Wild Side, Amberg, 3/2009
PB, US-Manga, Drama, Geschichte, Underground, Boys Love
ISBN 9783939484127
Aus dem Amerikanischen von Simone Neblich-Spang
4 Farbseiten
Ab 18 Jahre – nicht für Kinder und Jugendliche geeignet!
www.thewildside.biz
www.lemonshop.de
http://tina-anderson.net/
http://kheelan.deviantart.com/

1939 fielen deutsche Truppen in Polen ein, um durch die Verschiebung der Ostgrenzen ‚Lebensraum’ zu schaffen. Die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben, und deutsche Familien wurden angesiedelt. Gleichzeitig geriet die katholische Kirche in Polen, die dem Widerstand stets neue Impulse gab, unter Druck. Ihre Einrichtungen wurden geschlossen; Priester, Mönche und Nonnen verhaftet und ermordet.

Seitdem das Seminar in Swinemünd geschlossen wurde, besucht Koby eine normale Schule, hält jedoch an seinem Wunsch fest, Priester zu werden. Er ist ein wenig beliebter Außenseiter unter den Klassenkameraden, die teils aus Deutschen, teils aus Einheimischen bestehen, die sich Vorteile davon versprechen, wenn sie sich der Hitlerjugend anschließen. Trotzdem bringt Koby immer wieder den Mut auf, sich einzumischen, wenn die jungen Nazis andere schikanieren.

Dadurch zieht er die Aufmerksamkeit von Oskar auf sich, der ihm unverhohlen droht. Wirklich Angst verspürt Koby allerdings nicht – im Gegenteil: Das herrische, dominante Auftreten Oskars weckt in ihm geheime Bedürfnisse…

Tina Anderson ist eine amerikanische Autorin polnischer Abstammung, die für ihre homoerotischen Doujinshi, Comics und Romane bekannt ist, welche bei Verlagen wie Yaoi Press, Dramaqueen usw. publiziert wurden. In Zusammenarbeit mit der Illustratorin Caroline Monaco schuf sie den Manga „Only Words“, der ursprünglich fortgesetzt werden sollte, aber voraussichtlich ein Oneshot bleiben wird, da die Zeichnerin sich anderen Genres und Themen zuwandte.

The Wild Side hat mittlerweile die Werke mehrerer einheimischer, aber auch internationaler Künstlerinnen im Bereich Boys Love veröffentlicht. Obwohl auch „Only Words“ in diesem Genre angesiedelt ist, weicht der Manga von dem ansonsten auf Unterhaltung ausgerichteten Programm ab und entpuppt sich als etwas völlig anderes. Der Inhalt von „Only Words“ ist äußerst sensibel, denn reale, sehr düstere Geschichte – der Einmarsch deutscher Truppen in Polen mit all seinen Folgen – lieferte den Hintergrund. Man merkt, dass die Autorin ausführliche Recherchen betrieb und vermutlich Erinnerungen ihrer Angehörigen, die zu den Betroffenen zählten, einfließen ließ. Die Atmosphäre der Erzählung, die fast schon wie ein Zeitdokument wirkt, ist äußerst bedrückend.

Die Hauptfiguren sind nicht wirklich sympathisch und bleiben auf Distanz zum Leser. Koby ist der typische Loser, der frömmelt, andere anschwärzt, seine wahren Gedanken und Wünsche jedoch verbirgt bzw. in diesem Gesellschaftssystem verbergen muss, während Oscar grausam erscheint, aber ebenso ein Opfer ist wie jene, für die er den ‚Herrenmensch’ spielt bzw. spielen muss. Beide könnten nicht gegensätzlicher sein; allein ihre Obsessionen und die Opferrolle verbinden sie.

Im Nachwort erläutert die Autorin nicht nur den geschichtlichen Hintergrund und den weiteren Lebensweg Kobys, sondern geht auch auf seine Neigung ein. Er findet Genuss bloß durch Ungewissheit und Unterwerfung, was er bei Oskar endlich ausleben kann. Auch dieser Fetisch entspricht nicht ganz dem, was man sonst im Rahmen von BL, das homoerotische Beziehungen verklärt und eher unrealistisch darstellt, präsentiert bekommt. Es gibt keine Romantik und kein Happy End, was auch völlig unangebracht gewesen wäre; stattdessen wird nüchterne Aufklärung auf zwei Ebenen betrieben.

Die entsprechenden Szenen sind nicht zu explizit, da der historische Kontext und der Fetisch an sich im Mittelpunkt stehen. Man weiß, was passiert, doch werden die Details der Phantasie der Leser überlassen. Die Illustrationen sind realistisch, gefällig und ergänzen gelungen die Geschichte. Tina Anderson und Caroline Monaco beschreiben in „Only Words“ das Schicksal von zwei tragischen Opfern eines sinnlosen, verwerflichen Krieges. Der Band ist keine leichte und schon gar keine unterhaltsame Kost und wendet sich ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Ist man ein Fan konventioneller BL-Mangas, in denen schnuckelige Jungen in einer heilen Welt ihre Gefühle füreinander entdecken, sollte man besser die Finger von diesem Titel lassen.

Tatsächlich zählt „Only Words“ bereits zur Underground-Literatur, weil hier tabuisierte Themen, unbeschönigte und schockierende Realität kritisch und aufklärend verarbeitet werden – und eine ganz andere Klientel angesprochen wird. (IS)

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Only Words

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