Preacher – Sie kamen nach Masada

Garth Ennis & Steve Dillon
Preacher – Sie kamen nach Masada
Preacher 3

Preacher, USA 1997/2000/2007
Panini Comics, Stuttgart, 3/2008
HC, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat, Mystery-Thriller
ISBN 9783866075979
Aus dem Englischen von Fred Fliege & The Wild Bunch
Titelbild von Glenn Fabry
Zeichnungen von Steve Dillon
www.paninicomics.de

„Preacher“ zeichnet keine schöne und heile Welt, sondern zeigt oftmals überspitzt ihre Schattenseiten und die Abgründe im Verhalten der menschlichen Gesellschaft. Dabei spielt Garth Ennis immer wieder mit verschiedenen Aspekten des Themas ‚Glauben’, die es in sich haben. Die Serie erschien gegen Ende der 1990er Jahre erstmals in den USA und erregte dort großes Aufsehen, weil sie immer wieder Tabubrüche beging. Die Hauptfigur ist Jesse Custer, der nicht nur als Reverend in der Kirche predigen darf, er spricht auch tatsächlich mit dem Wort Gottes, wenn er es will. In seiner Kindheit ist ‚Genesis’ ein Teil von ihm geworden – ein Mischwesen aus Engel und Dämon, das eigentlich gar nicht existieren dürfte.

Zusammen mit Tulip O’Hare ist er nun auf dem Weg nach Frankreich, um dort seinen vampirischen Freund Cassidy zu befreien, der von einer mysteriösen Organisation in eine geheimnisvolle Festung namens ‚Masada’ entführt wurde, weil die Männer ihn für Jesse hielten. Doch zuvor hat der junge Priester auf dem Flughafen eine schicksalhafte Begegnung mit einem alten Soldatenkumpel seines Vaters, der ihm nicht nur ein Bild zeigt, sondern ihm auch von Geschehnissen in Vietnam erzählt, über die er bisher mit keinem anderen gesprochen hat.

Bereits auf dem Reise nach Europa konzentriert Jesse sich wieder auf sein Ziel. Zunächst gilt es, die geheimnisvolle Festung selbst aufzuspüren, die nicht ohne Grund nach dem biblischen Zufluchtsort der Juden benannt wurde. Dort hütet die Geheimgesellschaft seit vielen Jahrhunderten das „Blut Christi“, manifestiert in einem debilen Jungen, den generationenlange Inzucht zu dem gemacht hat, was er ist. Die Verantwortlichen wissen inzwischen, dass sie nicht Jesse gefangen haben, ahnen aber auch, dass er zu ihnen kommen wird. Und so stellen sie dem „Preacher“ und seiner Gefährtin eine tödliche Falle.

Die Verschwörung, die im zweiten Band von „Preacher“ ihren Anfang nahm, wird nun konsequent fortgeführt. Dennoch findet sich neben all der Action noch Zeit, dem Leser mehr über den Hintergrund von Jesse Custer zu verraten. Diesmal wird der Charakter seines Vaters anhand einer Episode aus seinem Vietnam-Einsatz näher beleuchtet. In der Festung Masada wird der junge Reverend auch erstmals mit der Vergangenheit und Herkunft seines Alter-Egos konfrontiert, denn er erfährt durch einen Gefangenen, was und wer ‚Genesis’ eigentlich ist und welche Gefahren noch auf ihn zukommen. Und nicht zuletzt erzählt ihm Cassidy endlich, wie sein Dasein als Vampir eigentlich anfing, und warum er nicht in Europa geblieben ist.

Wieder nehmen Autor und Künstler sich nicht zurück, wenn sie die Abgründe menschlicher Perversion und Grausamkeiten zeigen. Da gibt es den Killer, der bestialische Freude daran hat, Cassidy zu foltern, der ‚Papst des Grals’, der sich ähnlich obszön benimmt wie sein Schützling. Gerade die alte Organisation und ihr Geheimnis scheinen eine bitterböse Antwort auf den Hype gewesen zu sein, der in den 1990er Jahren durch die Behauptung entstanden ist, dass der Gral eigentlich gar nicht für ein Gefäß, sondern eher für die Nachkommen von Jesus und Maria Magdalena gestanden hat. Der Comic bietet neben einer Menge Action auch ein böses und manchmal sogar albtraumhaftes Szenario, das auch die Vergangenheit düsterer erscheinen lässt als sie ist. Selbst Jesse und Tulip lassen sich immer wieder von den Grausamkeiten ihrer Feinde mitreißen und sind oft auch nicht viel zurückhaltender als diese.

Wieder überzeugt Steve Dillon durch seinen klaren Stil, der viel vom Charakter einer Figur auch in ihre Darstellung legt und eine zum Inhalt passende Atmosphäre schafft. Auch diese Graphic Novel selbst ist edel aufbereitet, die Comic-Seiten kommen auf dem Kunstdruckpapier gut zur Geltung und werden durch den Hardcoverumschlag besonders gut geschützt. Mit mehr als 250 Seiten erhält man sehr viel Comic für sein Geld.

„Preacher“ ist eine harte und unbequeme Comic-Serie, die vor allem durch ihren kompromisslosen Umgang mit Religion, Glauben und deren seltsamen Auswüchsen auffällt. Wer sich daran aber nicht stört, wird das actionreiche, vor allem aber düstere und horrorlastige Szenario durchaus genießen können. (CS)

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Preacher, Bd. 3: Sie kamen nach Masada

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