Puppenkrise

puppenkriseRené Scheibe
Puppenkrise

(sfbentry)
Carlsen Manga, Hamburg, 1/2008
TB, dt. Manga, Action, Comedy
ISBN 9783551785015

www.carlsenmanga.de

Teenager Teddy will Leibwächter werden, verschläft aber schon an seinem ersten Arbeitstag und erreicht doch noch gerade so seinen Auftrag und seinen Ausbilder. Dieser, Alexander, soll Mela bewachen, deren Eltern sehr reich sind. Diverse Gruppierungen versuchen, Mela zu entführen, um an das Geld zu kommen. Dass zum Beispiel dieses Geld in einem Fall nur dazu da ist, Kosten für Schminke zu decken, spiegelt Inhalt und ‚Ernsthaftigkeit’ dieses Manga nur zu deutlich wieder. Die sehr einfach gehaltenen Zeichnungen transportieren weder Gefühle, Geschichte oder gar Hintergrund. In erster Linie dienen sie nur den Sprechblasen als Halt. Gesprochen wird allerdings sehr abgehakt; weniger Inhalt in Form von Gedanken oder Ideen vermittelnd, als auf – meist dem Leser schon bewusste – aktuelle Gegebenheiten hinweisend.

Das erste Panel, der Blick über die Dächer eines kleinen Städtchens, ist das einzige Bild, in dem Landschaft im weitesten Sinne gezeigt wird. Und das sehr gelungen! Leider wird im Verlauf der Geschichte kein weiteres Mal derartige Feinarbeit gezeigt, so dass die gesamte Handlung auch irgendwo in einem großen weißen Raum stattfinden könnte (und es meist auch tut!). Wobei die Handlung nur als kleineres Chaos vorkommt. Jeder jagt irgendwie jeden, und die einzige Figur, die anfangs nicht vorgestellt wird, ist die, die dem Ganzen einen gewissen Fortlauf, der Hetzjagd eine Art Sinn verleiht. Jammu ist der Tüftler, der völlig zufällig, irgendwie zu den beiden Bodyguards und ihrem Schützling stößt und sich fortan mit den äußeren Umständen auseinandersetzt und so für eine Art Flucht sorgen kann.

Die eigentlichen Verfolger wie die Handlanger der ‚Bösen Hexe’ (die auch nur so heißt) oder eben die beiden, die Geld für Schminke brauchen, und auch ‚Klaumaid’ sind austauschbar, stellen kaum eine Gefahr dar und verhalten sich meist sehr slapstickartig – was sie mit Mela und ihren Bodyguards allerdings dann auch gemein haben, wobei der Humor zu platt und offenkundig präsentiert wird und kein Platz für Zwischentöne lässt. Spannung im eigentlichen Sinn ist sowieso nicht vorhanden. Sehr überraschend und diesen Manga damit aus der absoluten Belanglosigkeit hebend, ist dann wiederum das letzte Panel, in dem die Geschichte tatsächlich noch einen überraschenden Höhepunkt bieten kann. Dieser lässt allerdings auch einige Fragen offen, u. a. die, ob man sich eine eventuell vorhandene Fortsetzung tatsächlich zulegen soll.

Insgesamt ist dieser Manga eher für Hardcore-Fans, denn für Gelegenheitsleser geeignet. Sowohl Sprache als auch Zeichnungen sind mehr als einfach gehalten und bieten dem Publikum weder inhaltlich noch optisch Anreize, die ihn zum Lesen weiterer Werke ähnlicher Machart animieren könnten.

Thomas Folgmann (ft)
 
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