Ravine

Ravine
Band 1
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OT: Ravine TPB Vol. 1
Story: Stjepan Šejić & Ron Marz
Artwork: Stjepan Šejić
Ü: Gerlinde Althoff
Lettering: Alessandra Gozzi
Ausstattung: SC mit Faltumschlag, 164 Seiten
ISBN: 978-1-607-06768-9
Verlag: Panini Comics, 2015

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Vor Jahrhunderten spaltete ein gewaltiger Zauber den Kontinent Ravine, gewirkt nach einer epischen Schlacht, in der Freunde gegen Freunde und Brüder gegen Brüder kämpften, eine Schlacht, in der Calistos Vater und ihr Verlobter ihre mythischen Waffen gegeneinander erhoben, in der die junge Frau schließlich den Tod fand und ihr Verlobter – Azriel – zu einem Geist wurde.

Nun kehrt Azriel im Auftrag der Göttin Aertes zurück, gebannt in eine magische Grimals-Waffe, in welcher er dem jungen, draufgängerischen Wanderer Stein Phais mit Weisheit und Freundschaft beiseite stehen soll. Und diese Hilfe ist auch notwendig, denn an den Grenzen des Landes erheben sich die Drachen und mächtige Kontrahenten auf Seiten des Klerus sowie der weltlichen Herrscher schmieden Intrigen und finstere Pläne. Deren Ränkespiele, in die auch die junge Lynn de Luctes, eine ungestüme Drachenreiterin und Wanderin, in der Herrscherblut fließt und die der geheimnisvolle Sairan Aradee, ein Elitekrieger und Meuchelmörder, behütet, verwickelt wird, sind oft tödlich. Und sollte Stein in diesem Chaos aus Intrigen und Mord dem Wahnsinn verfallen, so könnte er mit seiner Macht, von der er allerdings noch nichts ahnt, die ganze Welt vernichten.

Im Zuge des Hypes um zuerst den „Herrn der Ringe“ und dann um die von Fantasy-Fans in (fast) aller Welt geradezu hysterisch-euphorisch bejubelte TV-Show „Game of Thrones“ versuch(t)en die beiden kreativen Köpfe Stjepan Šejić und Ron Marz, mit einer epischen Geschichte ebenfalls ein Stück von der großen Fantasy-Torte abzuschneiden. Ob dieses Vorhaben von (qualitativem) Erfolg gekrönt sein wird, müssen zukünftige Bände ihrer Saga zeigen, denn dieses Debüt-Album kommt erzählerisch eher schwachbrüstig daher, während das Artwork einen – vorsichtig ausgedrückt – ambivalenten Eindruck hinterlässt.

Zwar dient dieser erste Band im wesentlichen der Einführung der Charaktere und dem Umreißen der allgemeinen historischen und gesellschaftlichen Konstellationen, soll erste Gemeinsamkeiten und Brüche zwischen unterschiedlichen Fraktionen und Personen aufzeigen, aber die Autoren verlieren dabei jedes Augenmaß und sich selbst in chaotischer Unübersichtlichkeit. Viel zu viele Figuren auf quasi engem Raum, zahllose Andeutungen über fast alle Aspekte ihrer fiktiven Welt, angefangen bei Mythen über politische und religiöse Befindlichkeiten bis hin zum Magiesystem und Götterwirken, sowie ein sprunghafter Erzählstil, der in seinem Tempo an die anderthalbminütigen Szenenwechsel amerikanischer TV-Shows erinnert, fordern den Leser so sehr, dass er sich auf Hintergrund und Figuren kaum einlassen kann und dadurch ob dieses Patchwork-Stils jegliche – emotionale – Tiefe flöten geht.

So chaotisch und oberflächlich die Geschichte, so selbstverliebt das Artwork. Technisch absolut brillant, vermag es zu keiner Zeit zu fesseln. Künstler Stjepan Šejić betreibt mit seinem fast schon fotorealistischen Ansatz eine Art grafischer Masturbation. Jede noch so feine Ziselierung, jede Gewandfalte, jede Drachenschuppe und jeder Ring eines Ringpanzers, jede bleckende Flammenzunge und jede Spiegelung in einer metallenen Rüstung wird visuell geradezu zelebriert, jedoch ohne, dass die Bilder dadurch lebendig werden. Im Gegenteil: die visuelle Überladenheit lässt sie glatt, emotionslos, unnahbar und tot erscheinen, sie nimmt dem Leser jeden Raum für eigene Interpretationen und Phantasie, nimmt ihm den Spaß am visuellen Entschlüsseln und Verstehen. Damit gehört Šejićs Artwork für mich zum Langweiligsten, was mir in den letzten Jahren in der neunten Kunst vor die alten Augen gekommen ist.

Fazit: Erzählerisch und visuell überladene heroische Fantasy, die in der Tradition des „Herrn der Ringe“ oder „A Game of Thrones“ stehen möchte, die noch geschwollener wirkt als Tolkiens Hobbit- und Elben-Schmonzette und die mit Martins Westeros allenfalls die verwirrende Charakter-Vielzahl gemein hat. Verzichtbar.

Copyright © 2015 by Frank Drehmel (FD)

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