Rebirth 24, Südkorea, 2009

rebirth-24Lee Kang-Woo
Rebirth 24, Südkorea, 2009

Panini Comics, Stuttgart, 6/2009
TB, Planet Manwha, Action, Dark Fantasy, Horror, 978-3-86607-725-6, 188/995
Aus dem Koreanischen von Udo Lee

www.paninicomics.de

„Rebirth“ ist neben z. B. „Tenjo Tenge“, „Lone Wolf & Cub“ und „Berserk“ eine der wenigen längeren Serien bei Panini, die nicht plötzlich wegen sinkender Verkaufszahlen eingestellt wurden, sondern bis zum letzten Band durchgezogen werden sollen. Zwei Tankobons stehen noch aus – die Sammler des Titels könnten Glück haben.

Nachdem die ersten Bände noch eine vage Ähnlichkeit zu Kazushi Hagiwaras „Bastard!!“ aufwiesen und gewiss zahlreiche Fans aus diesem Leserkreis gewinnen konnten, hat „Rebirth“ sehr schnell eine eigenständige Richtung eingeschlagen – dank der sehr komplexen, packenden Handlung und ansprechender Illustrationen von gleich bleibender Qualität.

Vor rund dreihundert Jahren waren der Vampir Deshwitat und der junge Adlige Kalutika in Freundschaft verbunden. Als Desh Kals Schwester Danube nicht retten konnte, zog er sich dessen unversöhnliche Feindschaft zu. Kal erlangte göttliche Kräfte und rächte sich an Desh, indem er den Vampir in den Limbus verbannte, seine Braut Lilith tötete und gegen seine Kameraden vorging.

In der Gegenwart gelangt Desh zurück auf die Erde. Schon bald findet er heraus, dass Kal noch am Leben ist und die Apokalypse plant, obwohl er ein Lichtmagier ist. Es scheint, als wäre ausgerechnet ein dunkles Wesen wie Desh die einzige Chance der Menschheit, aber noch ist der Vampir weit davon entfernt, es mit seinem Feind aufnehmen zu können. Auf der Suche nach Mitteln und Wegen, seine Kräfte auf Kals Level zu bringen, begegnet er alten und neuen Freunden und zuverlässigen Helfern.

Gemeinsam können sie so mancher tödlichen Falle entrinnen. Desh wird durch all diese Prüfungen stärker, aber er muss auch Rückschläge einstecken. Nach wie vor will Kal ihn leiden sehen: In Folge zwingt er Desh, gegen den nahezu unbesiegbaren Grey zu kämpfen, der sich schließlich als der Sohn von Desh und Lilith entpuppt. Und auch Lilith, die von Kal kontrolliert wird, tritt dem Mann, den sie immer noch liebt, gegenüber und enthüllt die furchtbare Macht, die ihr verliehen wurde.

Während nichts mehr das Ende der Menschheit aufhalten kann, beginnt ein Duell auf Leben und Tod, zwischen Liebe und Hass…

Für Quereinsteiger ist es kaum möglich, der Handlung dieser Episode zu folgen, da umfassende Kenntnisse vorausgesetzt werden. Es gibt mehrere Handlungsebenen und sehr viele Protagonisten, die durch ein kompliziertes Beziehungsgeflecht miteinander verbunden sind. Selbst treue Leser erinnern sich oft nur noch in groben Zügen an die Details, die zur gegenwärtigen Situation geführt haben; die Abstände zwischen den einzelnen Bänden sind einfach zu groß. Den Dialogen ist nur wenig zu entnehmen, denn sie sind in diesem Abschnitt der Geschichte eher kurz und selten, da Action-Szenen dominieren.

Diese sehen großartig aus, denn der Stil von Lee Kang-Woo ist klar, dynamisch, realistisch-idealistisch – vergleichbar anderen Titeln aus Korea wie „Island“ oder „Zombie Hunter“ – und gefällt vor allem jenen, die eine Abneigung gegen die kuhäugigen Manga- und Manhwa-Kindhelden haben, die auf Steckenbeinen und Klumpfüßen über Rasterfolien-Blümchen stelzen.

Darüber tritt die Charakterentwicklung in den Hintergrund, was jedoch in keiner Weise stört, denn in Rückblenden und beschaulichen Momenten haben die Protagonisten ihren Hintergrund und ihre Motive enthüllt, sich den veränderten Begebenheiten angepasst und neue Ansichten gewonnen: Sie verfügen ausnahmslos über ein individuelles Profil. Besonders pikant ist hierbei der Konflikt Gut-Böse bzw. Licht-Dunkelheit, da die Werte umgekehrt wurden und sich die Beschützer der Menschheit mit dem scheinbar unverbesserlichen, finsteren Blutsauger verbünden müssen, während der strahlende Gott ein eiskalter Mörder und Bringer des Verderbens ist.

Der Band schließt wieder einmal mit einem Cliffhanger, der offen lässt, wie das Duell zwischen Desh und Lilith endet, ob es weitere tragische Opfer und keinerlei Hoffnung mehr für die Erde geben wird. Das packende Finale ist jedenfalls nicht mehr fern.

Mag man den Mix aus Dark Fantasy und Horror, dazu reichliche Action, je eine Prise Romantik und Humor, sowie schöne Zeichnungen, liegt man mit „Rebirth“ richtig. Der Künstler hält die Handlungsfäden sicher in der Hand und verknüpft die komplexen Ereignisse ohne Lücken und logische Fehler. Die Story ist dramatisch und keinen Moment langweilig, die Charaktere sind interessant, sympathisch und wachsen einem mit der Zeit ans Herz.

Vor allem die Leser von Titeln wie „Bastard!!“, „Chonchu“ oder „Vampire Hunter D“ dürften viel Spaß an der Lektüre von „Rebirth“ haben – und da die Reihe wohl in absehbarer Zeit komplett vorliegen wird, sollten auch jene zugreifen, die bislang zögerten aus Sorge, dass sie damit womöglich eine weitere ‚angefressene Serie’ im Regal stehen haben. (IS)

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